Beiträge von Kurswechsel

    Ich bin stolz, dass ich beide Situationen so gut gemeistert habe.

    Hallo Morgaine,

    eine wichtige Erfahrung auch in Sachen „Selbstwirksamkeit“, oder?

    Allerdings passt das Bild mit dem „Kampf“ für mich nicht mehr, da gibt es immer einen Gewinner und Sieger. Und den Gibt es bei der Sucht halt nicht.. Der „Unterlegene“ wird es immer und immer wieder probieren, vor allem auf schwache Momente lauern und dann zuschlagen.. Diese Vorstellung gefällt mir irgendwie nicht, da würde ich jeden Trinkimpuls als existenzielle Bedrohung erleben, was mich zusätzlich stresst.

    Ich kann den Sichtdruck nicht verhindern und muss ihn auch nicht bekämpfen. Ich muss nur lernen, ihn auszuhalten, ohne mich von ihm in Bann ziehen zu lassen. Er kommt und geht und die Abstände werden immer größer, vielleicht auch weil ich nicht mehr auf ihn reagiere, mich nicht mehr einwickeln lasse, ihm keine Energie schenke.

    Mir hilft das jedenfalls…

    Und obwohl es weh tut, ihn zu sehen, tut es auch gut. Ich weiß nicht, ob das Sinn macht...

    Auf den ersten Anblick sehr paradox, oder? Ich kenne das auch, irgendwie möchte ich dann das Vergangene irgendwie wiederbeleben, weiß aber, dass es aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert.

    Auch das wird sich mit der Zeit ergeben 😉

    Zum Glück sind wir hier „nur“ in einem Alkoholiker-Forum und brauchen uns über solche Rätsel keinen Kopf zu machen 🙃

    LG KW

    Den nächsten Städte Trip werden wie solo buchen. Was anderes wie Strandurlaub oder All inklusive Reisen kommen für mich nicht in Frage.

    Finde ich gut, dass du zu diesem Entschluss gekommen bist und toll, dass deine Frau da mitzieht. Das ist zwar notwendig, aber alles andere als selbstverständlich.

    Rom ist toll, oder? Ich möchte da auch unbedingt mal wieder hin. Ich fand es total genial , einfach ohne Stadtplan loszuschlendern und dann an jeder Ecke von irgendeiner imposanten Sehenswürdigkeit überrascht zu werden.

    LG KW

    Ich hatte und habe zwar das Bedürfnis, hier zu schreiben, wusste aber nicht recht, wie ich es in Worte fassen soll und wieviel es mit meiner Abstinenz zu tun hat, dass ich so depressiv bin.

    Hallo Morgaine,

    icg musste auch erst lernen, hier zu schreiben, wenn es mir mal nicht so gut geht. Aber gerade dann ist es besonders wichtig für mich, mich hier auszutauschen.

    Denn früher stand in solchen Momenten oft der Alkohol als vermeintliche Lösung oder zum vermeintlichen „Abschalten“ bereit. Ich wollte verdrängen, vergessen, andere Gedanken haben oder am besten überhaupt keine Gedanken mehr. Und diese Muster sitzen einfach tief.

    ich habe Angst davor. Angst, dann nicht mehr ernst genommen zu werden.

    Das kann ich gut nachvollziehen. Aber das sind ja Profis, die so etwas mit Sicherheit nicht zum ersten Mal hören. Gerade Psychiater und Hausarzt sollten das auf dem Schirm haben, um bestmöglich mit dir umgehen zu können. Manchmal ergibt sich so etwas auch ganz von selbst aus dem Gespräch heraus. Setz dich damit jetzt also nicht zusätzlich unter Druck.

    Schreib, wann immer dir danach ist, du wirst hier gelesen.

    LG KW

    Dann suchst du eigentlich noch Gründe zum Saufen, willst aber nicht die Verantwortung dafür übernehmen, Schuld ist ja wer anders…

    Du solltest erstmal wirklich wissen was du willst, deine Abstinenz muss an erster Stelle stehen, sonst wirst du noch einige Runden drehen.

    Trigger belasten mich tatsächlich mehr wie so ein Rückfall.

    Wie hast du das denn gemeint?

    Ich gehe Triggern aus dem Weg, trotzdem überfallen sie mich da, wo ich nie mit gerechnet hätte.

    Ich lese bei dir ziemlich viel über Trigger und darüber, was dich alles triggert.

    Nur so ein Gedanke, vielleicht liege ich auch falsch damit, aber vielleicht solltest du nicht alles nur auf die Trigger schieben. Sonst besteht die Gefahr, dass du ihnen die Verantwortung überlässt. So nach dem Motto, ahh wieder ein Trigger, jetzt muss ich bestimmt bald wieder saufen.

    Hallo Aennie,

    du schämst dich gerade, bist sentimental und versuchst, deine Sucht rückblickend besser zu verstehen und einzuordnen. Das hilft um die eigene Geschichte zu sortieren.

    Aber letztlich ist es erst einmal so, wie es ist. Die Vergangenheit können wir nicht mehr ändern. Heute ist heute. Und heute wirst du das Glas stehen lassen. Vielleicht konzentrierst du dich zunächst einmal nur darauf. Alles Weitere kommt danach.

    Für mich ist dieses Forum ein Werkzeug, ein Hilfsmittel, um abstinent zu bleiben. Da muss sich die Scham hinten anstellen. Wenn ich hier nicht offen und ehrlich über meine Sucht, meine Gedanken und meine Rückschläge schreiben kann, wo dann?

    Ich kann aber gut nachvollziehen, was du meinst. Auch ich hatte gerade am Anfang große Hemmungen, hier über aufkommende Suchtgedanken zu schreiben. Ich hatte Angst, schwach zu wirken oder mich angreifbar zu machen.

    Aber das ist doch völliger Unsinn, schließlich bin ich genau deshalb hier, weil ich suchtkrank bin und zu meiner Selbsthilfe. Ich muss niemandem etwas beweisen und auch keine perfekte Abstinenzgeschichte präsentieren.

    Und wenn gerade etwas ist, wenn du getrunken hast, Suchtdruck verspürst oder dich einfach nur mitteilen möchtest, dann schreib es hier. Du musst nichts beschönigen und dich auch nicht verstecken. Du wirst gelesen und bist mit dem Ganzen nicht allein.

    Es ist, wie es ist. Vielleicht reicht es erst einmal, den Blick auf heute zu richten.

    LG KW

    sondern rufe jedes Mal, wenn der Gedanke an Alkohol kommt, dass er abhauen soll

    Ich möchte mich jetzt nicht in Kleinigkeiten verstricken, aber ich mache es genauso wie Morgaine . Ich lasse den Gedanken ziehen, nehme ihm die Aufmerksamkeit und er verschwindet von selbst ohne aktives Tun meinerseits (übrigens so ähnlich funktioniert auch Meditation, aber das nur am Rande).

    So wie du es beschreibst mit „dass er abhauen soll“ klingt für mich zu sehr nach Kampf. Damit wende ich mich ihm zu und gebe ihm Aufmerksamkeit.

    Das war nur ein Gedanke, wie es für mich stimmig klingt und vielleicht nimmt das jeder auch für sich anders wahr. Wichtig ist letztlich, dass wir nicht mehr zu diesem Gift greifen..

    LG KW

    ich finde es ehrlich gesagt erstmal nicht so wichtig, warum jemand mit dem Saufen aufhört.

    Da gebe ich dir recht, das „nicht mehr Saufen“ zählt.

    Und ich finde das klasse, wie offen Abstinenzler sich hier mitteilt. Kein Beschönigen, kein Drumherum

    Das finde ich auch!

    Aber meiner Erfahrung nach (und bei all dem was ich hier gelesen habe) macht es im Laufe der Zeit schon einen Unterschied für meinen Weg, ob ich eigentlich noch saufen möchte und nur wegen der Konsequenzen nicht mehr trinke oder ob ich wirklich trocken bin, also keinen Alkohol mehr trinken möchte.

    Ich denke da an das Bild, mit der Faust in der Tasche nüchtern zu bleiben …

    Sicher steht es für den Anfang an erster Stelle, den Fuß in die Tür zu bekommen, was anderes habe ich doch auch gar nicht behauptet . Es ging mir darum auch ein zufriedenes abstinentes Leben zu führen..

    An der Stelle weiß ich ehrlich gesagt selbst nicht, ob ich das in irgendeiner Art und Weise beeinflussen kann oder ob sich das mit der Zeit von alleine ergibt.

    Und ehrlicherweise würde ich an manchen Tagen auch zu a) greifen, aber an vielen anderen auch nicht, das schwankt bei mir. Ich habe das nicht geschrieben, um Abstinenzler irgendwie bloßzustellen, sondern weil es mich selbst beschäftigt, ich bin nämlich in erster Linie wegen mir hier.

    Da es diese Pille nicht gibt, ist hätte, wäre könnte für mich egal. Bestimmt a, aber wem nützt das?

    Deshalb steht da ja auch einleitend „Gedankenspiel“.

    An der Antwort erkenne ich, wie es um meine Abstinenz bestellt ist - bin ich wirklich trocken?

    Antwort a) würde mir zeigen, dass ich mit dem Saufen nur aus Gründen der Notwendigkeit (Gesundheit oder regelmäßiger Stress bei Totalabstürzen etc.) abgeschlossen habe. Aber sofort wieder Saufen würde, wenn ich keine Konsequenzen mehr befürchten müsste..

    Von daher sehe ich es genauso, wie Alex_aufdemweg es geschrieben hat:

    Wenn es die anschließenden Begleiterscheinungen nicht gäbe, wärst Du gleich wieder dabei.

    Wer a) wählt, will saufen, er will nur die Konsequenzen nicht…

    Möglich, dass das eine Auswirkung des Entzugs ist.

    Wenn die Gereiztheit und das Genervtsein da sind, sind sie eben da, unabhängig davon warum und wieso.

    Achja, du schreibst es ja selber:

    Dann ist das eben so.

    Was jetzt zählt, dass es definitiv keine Option ist, diesen vorübergehenden Gefühlszustand mit Alkohol zu betäuben.

    Alles darf sein. Auch mal Emotionen, die mir gerade überhaupt nicht in den Kram passen. Und wenn ich mal genauer darüber nachdenke, haben auch diese Gefühle ihre Berechtigung.

    Vielleicht möchte dir dein Nervensystem damit einfach nur mitteilen, dass es gerade mal etwas mehr Ruhe benötigt und nicht immer nur „Vollgas“ 😉

    LG KW

    ich freue mich schon jetzt auf den Zeitpunkt, wo ich nicht mehr soooo intensiv gegensteuern muss, und alkoholfrei mein neues Normal wird

    Spätestens wenn du dich nicht mehr auf diesen Zeitpunkt freust, wird es für dich normal sein.

    Bei mir ist es nach fast zwei Jahren mittlerweile so, dass ich im Alltag kaum noch an Alkohol denke. Es ploppt ab und an mal ein Gedanke daran auf, wenn ich in Situationen gerate, die früher intensiv mit Alkohol verknüpft waren. Aber da ich solche „intensiven“ Situationen grundsätzlich meide, wird auch das immer seltener.

    Dafür haben sich unzählige neue Dinge „eingeschlichen“, die überhaupt keinen Bezug zu Alkohol haben. Und genau das macht es immer einfacher.

    Das Gehirn ist (für mich) halt auch „nur“ eine biologische Maschine. Das Gehirn ist die Hardware und die Sucht eine bösartige Malware, mit der ich mich irgendwann einmal infiziert habe. Ich kann diese Malware zwar nicht löschen, aber immer und immer wieder überschreiben, sodass andere Programme in den Fokus rücken.

    Und je öfter ich diese anderen Programme starte, desto mehr werden sie zur Normalität.

    Für mich ist es allerdings sehr wichtig, diese „Maleware“ nicht zu vergessen. Denn wenn ich irgendwann nicht mehr an sie denke und (aus welchen Grund auch immer) neu starte, sind alle anderen „gutartigen“ Programme ganz schnell erneut überschrieben. Die Maleware infiziert einfach alles…

    (mal etwas bildlich für die Techniker unter uns 🙃)

    Jetzt habe ich kurz wieder an dieses Gedankenspiel mit der Pille gedacht, über das hier schon öfter mal geschrieben wurde.

    Würdest du wieder Alkohol trinken, wenn es eine Pille geben würde, die die Alkoholsucht „heilt“?

    a) ja

    b) nein

    c) die Pille ist mir egal


    Geht es mir darum, wieder trinken zu können, wenn die Suchtgefahr weg wäre? Oder habe ich für mich inzwischen unabhängig von der Sucht entschieden, dass ich Alkohol überhaupt nicht mehr in meinem Leben haben möchte?

    obwohl mir nach nichts ist…

    Das kommt mir total bekannt vor, ich hatte auch so eine Episode. Die dauerte einige Wochen oder gar Monate. Da war nicht viel mit mir los und ich hing nur durch.. Ich habe mir gesagt, dass der Körper diese „Ruhe“ benötigt, um sich wieder zu akklimatisieren nach all den Jahren , in denen ich ihn mit Alkohol zugeschüttet habe.

    Auch das geht vorbei… und es kommen wieder Zeiten, in denen du dich vor Schaffenskraft nicht retten kannst 😉 Ich könnte gerade 1000 Dinge auf einmal ausprobieren und machen, ich hab so viele Ideen, mir fehlt nur schlichtweg die Zeit 🙃