Hallo SchwesterS,
Du hast ja nun schon einige, richtige Antworten bekommen. Ich möchte Dir auch eine aus der Sicht eines Alkoholikers geben:
Für die Beziehung, die Verwandtschaft, den Arbeitsplatz, den Führerschein oder die Bewährungshilfe trocken zu werden und v.a. zu bleiben, funktioniert für einen Alkoholiker in der Tat nicht.
Einige der o.g. Punkte hab ich selbst durch und bin jedesmal gescheitert, wobei gescheitert evtl gar nicht das richtige Wort ist. Ich hab es gar nicht ernsthaft versucht, da ich nicht aufhören konnte und wollte, Alkohol zu konsumieren.
Solange Dein Bruder nicht für sich selbst trocken werden möchte, wird er keine Chance haben. Das bedeutet überhaupt nicht, dass er Dich oder Deine Eltern nicht liebt oder Ihr ihm egal seid, es bedeutet einfach, dass er süchtig ist und wahrscheinlich seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht hat.
Und wenn Du jetzt denkst "er ist im Krankenhaus und hängt am Tropf, geht es noch tiefer?": Im KH war ich alkoholbedingt so oft, dass ich es nicht mehr zählen kann. Das Suchtgehirn verdrängt schnell und freut sich schnell wieder auf Stoff, egal was vor ein paar Tagen war.
Erst, als ich eines Tages nicht mehr dachte, es muss sich "irgendwann mal was ändern", sondern "es muss sich genau jetzt was ändern", konnte ich für mich selbst handeln. Warum dieser Moment kam, kann ich Dir ehrlich gesagt gar nicht genau sagen. Er hätte auch Jahre früher oder vielleicht gar nicht kommen können, ich bin nur mittlerweile froh, dass er irgendwann kam.
Nochmal zusammenfassend: Für mich hätte niemand was tun können, keine Schwester, kein Chef, keine Mutter, niemand. Und höchstwahrscheinlich gilt das auch für Deinen Bruder.
Ich wünsche Dir viel Kraft und einen erholsamen Feiertag!
VG Soapstar