Beiträge von Soapstar

    Hallo Morgaine,

    In mir kreist außerdem der Gedanke: Sucht kommt von Suchen. Die Suche nach innerem Frieden und Sinn. Zumindest bei mir trifft das 100 Prozent zu. Ich erkenne meine Suchtstruktur und beobachte, an welchen Stellen ich nach Ersatz bzw Kompensation suche... schlimm, wieviel Energie dafür drauf geht.

    auch, wenn die Erklärung der Wortherkunft "Sucht" für uns Alkoholiker oft sehr nahe liegt und uns vielleicht irgendwie gefällt im Hinblick auf "warum wurde ich süchtig?", ist sie leider trotzdem falsch.

    Sucht kommt von "siechen" wie in "dahinsiechen" und das klingt vielleicht weniger nach dem großen Weltschmerz, dafür eher danach, was im fortgeschrittenen Stadium wirklich passiert. Vgl. z.B. auch "GelbSUCHT". Evtl. kann dir das, bildhaft vorgestellt, eine Hilfe sein, Kompensation durch Alkohol niemals in Erwägung zu ziehen.

    Tut mir leid wegen deiner Trennung, für dieses Thema bin ich leider kein Experte. Aber ich hatte durch meine Sauferei auch ein paar Trennungen hinter mir, manche davon auch schmerzhaft, aber keine davon belastet mich heute noch.

    Also an "die Zeit heilt alle Wunden" ist auf jeden Fall was dran. Schönen Sonntag und viel Kraft wünscht dir

    Soapstar

    Gerade bestellt:

    Georg Schomerus: Katerland. Beltz 2026.

    Aus dem Verlagstext:

    "Deutschland ist ein Land, das Alkohol liebt. Gleichzeitig verachten wir jene, die von Alkohol abhängig werden. Stigmaforscher Georg Schomerus zeigt, wie diese Doppelmoral Betroffene unsichtbar macht, Hilfe verhindert und wirksame Alkoholpolitik blockiert. Verständlich erklärt er, warum nicht persönliche Schwäche, sondern gesellschaftliche Strukturen und wirtschaftliche Interessen Menschen krank machen. Ein faktenbasierter Realitätscheck, der die Verantwortung im Umgang mit Alkohol dorthin rückt, wo sie hingehört: mitten in unsere Gesellschaft."

    Das hab ich letzte Woche zufällig in der Bücherei gesehen und gleich mal ausgeliehen.

    Es geht größtenteils um die Stigmatisierung von Alkoholikern, was für manche von uns vielleicht ein interessantes Thema ist. Und es ist leicht verständlich geschrieben, sowohl für Betroffene als auch für Nichtalkoholiker.

    Was ich allerdings etwas befremdlich finde, ist die mehrfache Aussage, dass nicht nur die totale Abstinenz als Erfolg gesehen werden sollte, sondern auch eine Reduzierung der Trinkmenge ja durchaus schon positiv zu sehen ist.

    Mag für Leute, die noch nicht in die Sucht gerutscht sind und noch im Missbrauch "stecken", gelten, für Alkoholiker jedoch das völlig falsche Signal.

    Immerhin wird auch darauf eingegangen, dass es keinen Alkoholkonsum gibt, welcher sich positiv auf die Gesundheit auswirkt! Auch nicht das Glas Rotwein im Frankreich-Urlaub.

    Interessant und richtig fand ich die Ansicht: Solange eine(r) extrem trinkt und jede Gelegenheit nutzt, sich ordentlich abzuschießen, ist er/sie ein geselliges Feierbiest und eine(r) von uns (im Buch sind damit Nichtalkoholiker gemeint), aber in dem Moment, in dem sich diese Person Hilfe sucht (Klinik, Therapie, SHG), setzt sofort die Stigmatisierung ein. Dann ist die gleiche Person eine(r) von "denen" (uns Alkoholikern) und wird evtl. gemieden, zumindest aber mit ganz anderen Augen gesehen.

    Fazit: Interessante Ansichten, man macht m.M.n. keinen Fehler, das Buch zu lesen. Nur den Punkt "Reduzierung der Trinkmenge ist ebenfalls ein Erfolg" bitte als Alkoholiker auf keinen Fall zu Herzen nehmen!!

    VG Soapstar

    Hi Krümel,

    (wobei er sich vor dem Alkoholproblem nach wie vor drückt und überzeugt ist, dass sich das automatisch erledigt, wenn er alles andere im Griff hat).

    leider hat mich genau diese Denkweise noch jahrelang weitersaufen lassen, weil sie für mich natürlich eine optimale Verhandlungsbasis mit mir selbst war.

    Ich höre auf, wenn ich eine Freundin habe, wenn ich eine schönere Wohnung habe, wenn ich einen besseren Job habe, wenn ich einfach mal zufrieden bin und das Schicksal es mal gut mit mir meint.

    Egal, ob irgendwas davon eingetreten ist oder nicht, eins ist geblieben und das war das Saufen.

    Freundin ging nicht, weil viel zu besoffen, Wohnung wurde nicht besser, weil Geld versoffen, Job wurde nicht besser weil verkatert negativ aufgefallen usw.usf.

    Was habe ich daraus gelernt? Gar nichts, ich hab mir nur eingeredet, dass ich halt dazu verdammt bin, auf der Schattenseite des Lebens zu stehen und deshalb ja wohl jegliche Erlaubnis habe, mich ständig ordentlich volllaufen zu lassen.

    Total bescheuert im Nachhinein, weil Ursache und Wirkung komplett verdreht sind, aber wohl leider ein deutliches Zeichen für Alkoholismus.

    Ich wünsche Dir und auch Deinem Mann trotzdem alles Gute und dass er einer von ganz, ganz wenigen sein möge, bei dem dieser Gedankengang aufgeht.

    VG Soapstar

    Hi Kurswechsel,

    Ich habe das nicht geschrieben, um Abstinenzler irgendwie bloßzustellen

    das hab ich auch nie vermutet ;)

    Und natürlich hast du recht, dass ein dauerhaft zufriedenes, trockenes Leben sich aus dem Gedanken heraus "alle dürfen, nur ich nicht" weitaus schwieriger (eher unmöglich) gestaltet als aus "ich möchte gar nicht".

    Aber hier kommt für mich wieder der "Fuß in der Tür" ins Spiel. Das ist erstmal das Wichtigste, weil man wahrscheinlich im seltensten Fall alles auf einmal haben kann.

    Ich bin jetzt knapp über 15 Monate abstinent, hochgerechnet auf 25 Jahre missbräuchliches bis abhängiges Trinken sind das gerade mal 5% der Zeit, die ich mit Saufen verbracht habe. Da kann einfach noch nicht alles restlos positiv verändert sein, vielleicht wird es das auch gar nie.

    Wie ich von Hartmut gelernt habe: Zunächst einmal ist da einfach nur "trocken" bzw das Glas weggestellt, sonst noch gar nix. Der Rest muss sich nach und nach verändern, natürlich kann man sich hier nicht nur zurücklehnen und warten, sondern darf auch aktiv werden. Aber Rom wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut und wir sind hier ja nicht bei einem Sprint, sondern bei einem Marathon. Jetzt vermische ich schon Römer und Griechen, darum mach ich hier mal einen Punkt.

    VG Soapstar

    Hi zusammen,



    Antwort a) würde mir zeigen, dass ich mit dem Saufen nur aus Gründen der Notwendigkeit (Gesundheit oder regelmäßiger Stress bei Totalabstürzen etc.) abgeschlossen habe. Aber sofort wieder Saufen würde, wenn ich keine Konsequenzen mehr befürchten müsste..

    Von daher sehe ich es genauso, wie Alex_aufdemweg es geschrieben hat:

    Wer a) wählt, will saufen, er will nur die Konsequenzen nicht…

    ich finde es ehrlich gesagt erstmal nicht so wichtig, warum jemand mit dem Saufen aufhört.

    Ich hab mich damals bei dem Gedankenspiel mit der Pille auch für a) entschieden, weil der Entschluss, mit dem Saufen Schluss zu machen, erstmal zu 100% aus diesen negativen Konsequenzen entstanden ist.

    Ich wollte keine Aufenthalte mehr in Ausnüchterungszellen und Krankenhäusern, ich wollte nicht mehr verdreckt im Gebüsch oder Straßengraben aufwachen und ich wollte mich nicht mehr vollkotzen und/oder einpissen.

    Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, die Vermeidung dieser Konsequenzen wäre nicht weiterhin mein Hauptantrieb, abstinent zu leben. Vielleicht nicht mehr zu 100%, aber trotzdem zu sicher noch 80%.

    Klar, mehr Zeit für Fitness, Lesen, Radfahren, saubere Wohnung, mehr Geld, alles ganz toll, aber das hätte mich nie so weit gebracht wie der Wunsch, diese negativen Begleiterscheinungen zu vermeiden.

    Die restliche Gedanken- und Gefühlswelt kann sich im Laufe der Zeit ja immer noch neu sortieren, um nicht nur die negative Abgrenzung zum Alkohol zu haben, sondern die positiven Aspekte stärker hervorzuheben. Vielleicht werden dann, mit meinem Zutun natürlich, aus den 80% bald nur noch 60% usw.

    Zusammenfassend: Ich finde es erstmal zweitrangig, warum jemand den Entschluss fasst, abstinent oder trocken werden zu wollen. Hauptsache, es gelingt demjenigen oder derjenigen überhaupt erstmal, einen Fuß in die Tür zu bekommen.

    Und ich finde das klasse, wie offen Abstinenzler sich hier mitteilt. Kein Beschönigen, kein Drumherum, sagen was das Saufhirn ihm zuflüstert und dass ihn manchmal sogar leere Bierflaschen in der Öffentlichkeit triggern. Dafür kann er m.M.n. nix, aber sein Umgang damit und die schonungslose Offenheit können auch ein Beispiel sein, wie es geht.

    Für manche ist der Weg von Anfang an gut geteert, für manche extrem holprig und für wieder andere irgendwas dazwischen. Auf dem Weg bleiben ist daher erstmal die Hauptsache, wie ich finde.

    VG Soapstar

    Hi Gaarder,

    mir hat der Satz ganz am Anfang, also in den ersten Wochen, einfach geholfen, nicht zu denken "oh mein Gott, ich darf mein Leben lang nie wieder trinken".

    Hab auch schon von Leuten gehört, die ihn bei Suchtdruck auf "die nächsten fünf Minuten trinke ich nicht" runtergebrochen haben und das dann beispielsweise 3x hintereinander, bis das Schlimmste vorüber war.

    Ich finde, kleine, erreichbare Ziele motivieren gerade am Anfang mehr, da man sofort das ganze Leben eh nicht überblicken kann und dann vielleicht eher denkt "40 Jahre nix trinken, aussichtslos, da kann ich auch sofort wieder saufen".

    Es wird ja mit der Zeit auch leichter, wie ich von mir berichten kann. Auch wenn ich selbst erst 14 Monate trocken bin, denke ich den Satz nicht (mehr) jeden Tag, aber doch zumindest vor den Wochenenden.

    VG Soapstar

    Hallo Bergfloh,

    Gestern suchte ich im Internet nach Selbsthilfegruppen in der Gegend. Um sich dort anzumelden, brauche ich noch etwas Zeit.

    auch wenn ich glaube zu wissen, was du damit meinst, nur noch zur Info: Bei den Selbsthilfegruppen, die ich neben dieser hier auch probiert habe (AA, Kreuzbund), muss man sich nirgends "anmelden". Du gehst einfach zum Termin hin, sagst hallo und schaust dir das Ganze mal an.

    Und wenn es dir zusagt, kommst du wieder, wenn nicht, dann kannst du dir andere SHGs anschauen oder bleibst halt hier im Forum.

    In der nächsten größeren Stadt in meiner Nähe gibt es sogar mehrere AA-Meetings, wovon mir manche zusagen und manche überhaupt nicht. Also schau dir ganz in Ruhe auch unterschiedliche Gruppen vom gleichen "Träger" oder "Modell" oder wie auch immer an, da sollte man nichts übers Knie brechen, wie ich finde.

    VG Soapstar

    Hallo Carl Friedrich,

    normalerweise bin ich nicht sonderlich interessiert in News vom Boulevard, aber hier hab ich jetzt doch mal gegoogelt, was mit Brad Pitt los ist.

    Finde ich ja schon bedenklich, wie das jetzt abgetan wird. "Ja, ich trinke wieder, aber gemäßigt", "ich bin rückfällig geworden, habe aber gemerkt, dass mir große Mengen nicht gut tun" usw.

    Hoffentlich nimmt sich keiner von uns daran ein Beispiel. Klingt, wenn er denn richtig wiedergegeben wurde, so gar nicht nach Krankheit bzw. Krankheitseinsicht.

    VG Soapstar

    Hi Abstinenzler,

    Achso, ich habe geträumt mein Vater und ich sind besoffen und schlagen uns- das war mal ein ekliger Alptraum

    ich träume mehrmals die Woche von Alkohol, mal direkt, mal eher indirekt, aber er ist in den meisten Träumen irgendwie dabei.

    Mit direkt meine ich, wie ich ihn wirklich trinke und auch im Traum betrunken bin. Manchmal weiß ich im Traum, dass ich Alkoholiker bin und lehne ab. Manchmal weiß ich es und greife trotzdem zu. Ich habe aber nie mehr ein wirklich positives Gefühl dazu entwickelt, auch nicht im Traum. Also mein Gehirn weiß zumindest schon, dass da was anders ist als früher.

    Mit indirekt meine ich eher so Sachen wie "ich wache irgendwo auf, weiß aber nicht, wo ich bin und weiß nicht, ob ich betrunken war/bin" oder "ich wache in einer total verwüsteten Bude auf", was sicher auch schon mal im realen Leben nach Alkoholkonsum vorgekommen ist.

    Anfangs haben mich diese Träume total beunruhigt und nervös gemacht, ob das vielleicht auf einen Rückfall hindeutet. Mittlerweile geb ich nix mehr drauf, ich kann meine Träume nicht kontrollieren und solange ich im wachen Zustand nicht zum Glas greife, ist für mich alles okay.

    VG Soapstar

    Hi Hope,

    ich habe früher auch in 3-Schicht, phasenweise in 4-Schicht gearbeitet. Oft auch inkl der Wochenenden.

    Irgendwie dachte ich, dann bin ich aufgeräumt und kann schon nicht saufen gehen... was dann aber an den freien Wochenenden los war, frage nicht nach Sonnenschein. Da war ich ständig betrunken, meistens von Fteitag bis Sonntag durchgehend.

    Hab dann so Sachen gedacht wie "wer, wenn nicht ich, hat sich das jetzt mal verdient" usw. Schlafrhythmus war in der Kombination Schicht und Alkoholismus natürlich auch gar keiner mehr vorhanden, die Vorteile der Schichtarbeit, wie freie Vormittage, waren für die Katz. Da bin ich auf dem Sofa vergammelt, körperlich und psychisch total fertig, versunken in Selbstmitleid usw.

    Hab mich dann intensiv um eine Tagschichtstelle im Büro bemüht und irgendwann tatsächlich eine bekommen. Rückblickend die zweitbeste Entscheidung der letzten Jahre, nach der Abstinenz wohlgemerkt. Anfangs war ich nämlich erstmal jedes Wochenende betrunken, ich wollte ja die "Vorteile der neuen Stelle nutzen".

    Hab dann aber auch gemerkt, dass die Einarbeitung unter meinem Konsum schon gelitten hat, da ich montags absolut nicht aufnahmefähig war und nur den Tag rumkriegen wollte. Mittlerweile hab ich aber durch die Kombination aus Abstinenz und Tagschicht echt ein gesundes Leben mit geregeltem und meistens gutem Schlaf und relativ stabiler Psyche erlangt.

    Vielleicht gibt es ja auch in deiner Firma interne Wechselmöglichkeiten? Ich verdiene zwar ein paar Mark weniger, das gleicht sich aber durch das nicht mehr trinken mehr als aus und tut mir nicht weh. Ich möchte jedenfalls nie mehr zurück zur Schichtarbeit.

    Kannst ja mal drüber nachdenken.

    Viele Grüße und auf die nächsten 47 Tage ;)

    Soapstar

    Hi Amun,

    der Schlaf ist wirklich nicht zu unterschätzen, da freut es mich gleich für dich, dass sich in dieser Hinsicht was tut!

    Wenn ich denke, wie wenig und wie schlecht ich zu trinkenden Zeiten geschlafen habe, wundert es mich echt, dass ich psychisch und körperlich nicht noch viel abgewrackter war. Zusammenhängend nie mehr als mal drei Stunden geschlafen, von Sonntag auf Montag oft gar nicht geschlafen, immer Psychofilme im Hirn, Schwitzattacken, Zittern vor Kälte und Angst usw... das möchte ich nie mehr erleben müssen.

    Bleib dran, auf den nächsten Monat!!

    VG Soapstar

    Hallo Stromer,

    ich habe tatsächlich auch kurz gebraucht... Du meinst wahrscheinlich, "nicht akzeptiert" im Sinne von "ist jetzt halt so, dann verrecke ich halt dran"? Dass Du Alkoholiker bist, hast Du ja akzeptiert, sonst wärst Du ja nicht hier im Forum.



    Ich hab wegen dem konkreten Leidensdruck aufgehört, Kotzen Matschbirne etc., nicht weil ich Alkoholiker bin.

    Hallo Lebenskünstler,

    so sehe ich das für mich auch. Dass ich Alkoholiker bin, weiß ich schon lange. Hat mich aber nicht gestört, warum auch? Der Raucher weiß auch, dass er Raucher ist und der Glücksspieler weiß auch, dass er oft in der Spielothek sitzt. Warum hätte ich mir hier was vormachen sollen?

    Für mich waren und sind die ganzen negativen Begleiter des Rauschs, die in meinem und anderer Leben Leid verursacht haben, die Gründe, aufzuhören. Das Wort Alkoholiker trägt hierzu nix bei. Also ich bin einer, bezeichne mich auch so und lass mich auch so bezeichnen, aber das ändert für mich nix.

    VG Soapstar

    Hi Pantun,

    Sollte es schief gehen heißt es aufstehen Krönchen richten und das ganze nochmal von vorne.

    hiermit hältst Du Dir nicht nur ein Hintertürchen auf, das ist tatsächlich ein ganzes Scheunentor!!

    Aber ich kann Dich irgendwie verstehen, ich dachte die ersten Wochen und Monate auch, dass ich mir noch "einen Rückfall aufhebe". So blöd das jetzt klingt, das hat mich aber irgendwie beruhigt. Mittlerweile hab ich nicht mehr vor, ihn noch einzulösen.

    Noch was zu diesen ganzen Sprüchen wie "Krönchen richten", "einmal öfter aufstehen als hinfallen" usw... die mögen ja in sehr vielen Situationen passend sein, im Job, beim Sport oder sonstwo. Zur Sucht passen sie m.M.n. überhaupt nicht, evtl stehst du halt gar nicht mehr auf oder findest dein Krönchen gar nicht mehr. Da spielst du mit deinem Leben und nicht nur ne Partie Tischtennis gegen einen starken Gegner.

    VG Soapstar

    Hast du eine dieser Liebesbeziehungen auch selbst beendet, weil sie/er zu viel genervt hat?

    Hallo Orangeblau,

    nein, habe ich tatsächlich nie. Ich habe nie Probleme gesehen, solange ich in Ruhe saufen durfte. Wenn ich das nicht mehr durfte, hab ich zwar regelmäßig einen Streit vom Zaun gebrochen, um einen Grund zum Saufen zu haben (so meint der Alkoholiker dann), aber ich habe die Beziehungen nie selbst beendet.

    Ich mochte die Menschen auch wirklich, ich würde auch sagen, dass ich sie geliebt habe, aber die Alkoholsucht war immer dominanter.

    VG Soapstar

    Hallo SchwesterS,

    Du hast ja nun schon einige, richtige Antworten bekommen. Ich möchte Dir auch eine aus der Sicht eines Alkoholikers geben:

    Für die Beziehung, die Verwandtschaft, den Arbeitsplatz, den Führerschein oder die Bewährungshilfe trocken zu werden und v.a. zu bleiben, funktioniert für einen Alkoholiker in der Tat nicht.

    Einige der o.g. Punkte hab ich selbst durch und bin jedesmal gescheitert, wobei gescheitert evtl gar nicht das richtige Wort ist. Ich hab es gar nicht ernsthaft versucht, da ich nicht aufhören konnte und wollte, Alkohol zu konsumieren.

    Solange Dein Bruder nicht für sich selbst trocken werden möchte, wird er keine Chance haben. Das bedeutet überhaupt nicht, dass er Dich oder Deine Eltern nicht liebt oder Ihr ihm egal seid, es bedeutet einfach, dass er süchtig ist und wahrscheinlich seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht hat.

    Und wenn Du jetzt denkst "er ist im Krankenhaus und hängt am Tropf, geht es noch tiefer?": Im KH war ich alkoholbedingt so oft, dass ich es nicht mehr zählen kann. Das Suchtgehirn verdrängt schnell und freut sich schnell wieder auf Stoff, egal was vor ein paar Tagen war.

    Erst, als ich eines Tages nicht mehr dachte, es muss sich "irgendwann mal was ändern", sondern "es muss sich genau jetzt was ändern", konnte ich für mich selbst handeln. Warum dieser Moment kam, kann ich Dir ehrlich gesagt gar nicht genau sagen. Er hätte auch Jahre früher oder vielleicht gar nicht kommen können, ich bin nur mittlerweile froh, dass er irgendwann kam.

    Nochmal zusammenfassend: Für mich hätte niemand was tun können, keine Schwester, kein Chef, keine Mutter, niemand. Und höchstwahrscheinlich gilt das auch für Deinen Bruder.

    Ich wünsche Dir viel Kraft und einen erholsamen Feiertag!

    VG Soapstar

    Sucht hebelt Liebe aus.

    Das glaube ich auch. Der Alkohol hat mir bis auf die aktuelle alle (Liebes-)Beziehungen zerstört, auch die, an denen mir wirklich viel lag.

    Aber hey, immerhin ein Grund, mal wieder wochenlang richtig zu tanken. Es ist der Liebeskummer, nicht die Alkoholsucht. (Ironie aus)

    Hallo Hope,

    vielen Dank für deinen Beitrag! Er hilft mir und sicher vielen anderen, zu begreifen, dass man einfach achtsam bleiben muss und sich auch nach eineinhalb Jahren nicht zu sicher fühlen darf.

    Jetzt aus der Ferne kann ich leicht sagen, dass mir das mit dem Glas Sekt nicht passiert wäre, aber das ist halt wie mit Günther Jauch, vom Sofa aus hat man leicht reden. Wäre ich in dieser Sekunde hellwach gewesen, trotz Urlaubsstimmung, Sonnenschein etc.? Hoffentlich, aber beschwören würde ich es nicht.

    Vielen Dank nochmal und viel Kraft für den Neustart!

    VG Soapstar