Seppel1986 - Ich bin Alkoholiker

  • Ich möchte hier zu meinem vorigen Eintrag, den ich mir gerad nochmal durchgelese habe, noch etwas ergänzen:

    Mittlerweile finde ich es irgendwie komisch, dass ich, der selbst über keine große Abstinenzerfahrung verfügt, hier in klassische und nicht-klassische Rückfälle unterteile. Um meinen Gedanken vielleicht etwas zu veranschaulichen:

    Ich für mich persönlich stelle mir einen Rückfall halt eher in extremen emotionalen Situationen vor, entweder negativ wie nach einem riesigen Streit mit Partner, Freunden usw. oder positiv wie auf einer ausgelassenen Geburtstagsfeier, Hochzeit etc. Nicht unbedingt im Supermarkt vor dem Getränkeregal. Dort hatte ich bis jetzt noch keine Probleme.

    Aber das ist nur meine Ansicht und hat natürlich absolut keine Allgemeingültigkeit! Sorry an alle, die hier vielleicht denken mögen "jetzt kommt der neunmalkluge Frischling und definiert schon, wie ein Rückfall auszusehen hat". Das war nicht meine Absicht und hätte schon im ersten Beitrag deutlich hervorgehoben werden sollen!

    VG Soapstar

  • Hallo Soapstar

    ich finde das, was du in deinem Beitrag geschrieben hast, richtig und sehr wichtig.

    Ich bin selbst noch Neuling. Als ich hier ins Forum gekommen bin, waren mir gedanklich andere Neulinge viel näher – Menschen, die erst ein, zwei Jahre oder sogar nur wenige Monate trocken sind. Mit jemandem, der seit 15 oder 20 Jahren trocken lebt, konnte ich mich am Anfang kaum identifizieren, weil mir das einfach noch so weit weg erschien.

    Hartmut hat schon mehrmals geschrieben, dass ein Rückfall schleichend beginnt, viel früher, als man selbst glaubt. Genau das deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen. Für mich ist das wie ein Fass: Es tropft und tropft und tropft. Das Überlaufen des Fasses ist dann der Rückfall. Aber begonnen hat es schon viel früher, zu Tropfen.

    Und genau da liegt aus meiner Sicht der entscheidende Punkt: Wenn man merkt, dass es anfängt zu tropfen, sollte man hier im Forum darüber schreiben, sich Rat holen und besonders vorsichtig sein. Eigentlich kennt man die Konsequenzen vom Saufen , aber die Sucht erzählt einem in solchen Momenten eine ganz andere Geschichte.

    Deshalb ist es so wichtig, früh hinzuschauen und nicht erst dann, wenn das Fass schon fast voll ist.

    Lg Zwieback

    Ich bin (M/geb. 71)und "lebe" glücklich, abstinent seit 05./24.

  • Wenn man merkt, dass es anfängt zu tropfen, sollte man hier im Forum darüber schreiben, sich Rat holen und besonders vorsichtig sein

    genau das ist, die älteren sehen ja manchmal schon an der art wie man schreibt eine veränderung. Für mich ist es inzwischen sehr wichtig mich hier mitzuteilen.

    Sorry an alle, die hier vielleicht denken mögen "jetzt kommt der neunmalkluge Frischling

    Du hast das für mich richtig gesagt soweit ich das als Frischling einschätzen kann.

  • Ich habe lange überlegt ob ich hier so offen schreibe und mein Rückfall zugeben, dann dachte ich genau dafür ist doch das Forum. Würde jeder beim ersten Versuch für immer trocken bleiben, bräuchte es das Forum wohl nicht.

    Ich auch, bist nicht der erste und der letzte mit Rückfall. Mit sich selber ausmachen bringt garnichts. Ich gehe gar nicht alleine Einkaufen. Einfach als Absicherung. Meine Frau hat auch meine Bankkarte, manchmal sehr nervig aber dafür bin ich trocken und mir geht es nicht saudreckig. Supermarkt fuckt mega ab trigger, trigger, trigger!!! Danke Politik

    Heute trinke ich nicht

  • Wenn es mir 1-2 Tage schlecht geht weiß ich schon oh oh brandgefährlich. Dann sind die Saufgedanken schon da!! Sage dann schon Termine ab, kein Einkauf, kein überfordern. Sorge für Ruhe und wohlbefinden

    Heute trinke ich nicht

  • Hallo Seppel, gestern Abend im Bett ist mir dein Problem noch durch den Kopf gegangen... Columbo hat noch eine Frage 😬

    was hat deine Frau gesagt als du den Kasten heim gebracht hast und über Tage getrunken hast?

    sie weiß daß du Alkoholiker bist oder?

  • Hi, ich würde ungern meine Frau hier zum großen Thema machen, da es sehr kompliziert ist. Sie weiß das ich mich als Alkoholiker sehe, sie ist anderer Meinung. Sie hat schwerst Abhängige in Ihrer Familie und ist der Meinung solange es "nur Bier" ist was ich trinke ist es okay.

    Ihre Definition von Alkoholiker, ist frühs zitternd zur Vodka Flasche greifen zu müssen.

    Genau da will ich ja nicht hin.

    Es gab schon Fasen da habe ich mal zwei Wochen nichts getrunken, der leere Kasten stand im Keller, beim Getränke holen hat sie dann ein vollen mitgebracht, ohne zu fragen. Sie trinkt kaum Alkohol.

    Ich habe zu Hause so zusagen ein Freifahrtschein, bei der Suchtberatung haben die gesagt es liegt daran das sie es nicht anders kennt, ihr Vater schon immer Biertrinker, kein Alkoholiker.

  • Hi, ich würde ungern meine Frau hier zum großen Thema machen, da es sehr kompliziert ist. Sie weiß das ich mich als Alkoholiker sehe, sie ist anderer Meinung. Sie hat schwerst Abhängige in Ihrer Familie und ist der Meinung solange es "nur Bier" ist was ich trinke ist es okay.

    Hi Seppel, exakt das gleiche wurde mir gerade auch gesagt. Ich wäre kein richtiger Alkoholiker weil ich nicht zittere, was ich aber habe, ich hätte viel Bier und Wein getrunken aber keinen Schnaps, ich hab 4 Vodkaflaschen entsorgt...., mein problem wäre ist anscheinend mein zügelloses verhalten und meine aggressive Grundstimmung und nicht der Alk...

    Ich weiß das ich Alkoholiker bin und meine Frau versucht es klein zu reden 🤔 wir haben aber auch eine Krise die am Ende des Gesprächs geklärt war.

  • Hallo Seppel,

    auch mein Mann hielt mich anfangs nicht für eine Alkoholikerin, da ich doch tagsüber nicht getrunken habe, überwiegend Bier, mal Wein und selten einen Ouzo, einen Baileys oder Ähnliches. Außerdem hätten meine Hände ja auch nicht gezittert, wenn ich mal ein oder zwei Tage nichts getrunken habe.

    Geholfen hat uns ein längeres Gespräch über meinen Besuch bei der Suchtberatung. Ich hatte Aufzeichnungen der Beraterin u.a. mit den 6 Fragen in Bezug auf Sucht (Entzugserscheinungen, Verlangen, Kontrollverlust etc.) Anhand dieser Aufzeichnungen habe ich ihm auch mit Beispielen erläutert, welche Punkte aus welchen Gründen bei mir zutreffen, und ihm gesagt, dass ich danach Alkoholikerin sei. Das brachte ihn ins Grübeln.

    Mir ist wichtig, dass er meine Krankheit akzeptiert, damit er nicht meine Anstrengungen konterkariert oder sogar meine Suchtstimme unterstützt, wenn sie sich meldet.

    LG Kyra

  • Ich hab mir ja mal ausgerechnet was ich so in der Woche verkonsumiert habe, 1,5 L reiner Alkohol ist mir da Antwort genug, die Unfähigkeit einfach aufzuhören tut ihr weiteres.

    Mir ist es im Moment ein Rätsel wie solche Aussagen zustande kommen? Vor allem die eigene Frau muss es doch merken oder bemerkt haben.

    Mein bester Freund hat als ich ihm meinen Alkoholismus gestanden habe gesagt das er schon bemerkt hat das sich da ein Problem entwickelt und er hat das nur über das Handy bemerkt.

  • Ich hab mir ja mal ausgerechnet was ich so in der Woche verkonsumiert habe, 1,5 L reiner Alkohol ist mir da Antwort genug, die Unfähigkeit einfach aufzuhören tut ihr weiteres.

    Mir ist es im Moment ein Rätsel wie solche Aussagen zustande kommen? Vor allem die eigene Frau muss es doch merken oder bemerkt haben.

    Mein bester Freund hat als ich ihm meinen Alkoholismus gestanden habe gesagt das er schon bemerkt hat das sich da ein Problem entwickelt und er hat das nur über das Handy bemerkt.

    Ich werde weder aggressiv noch laut, ich komme meinen Verpflichtungen noch nach, ich habe abends meine paar Bier getrunken, meist zum Fernsehen und bin dann eingeschlafen, unter der Woche ca. 4-5 im Schnitt, am Wochenende bis zum Einschlafen, wenn ich dann mal 8 getrunken habe, sagte meine Frau am nächsten Tag das ich es gestern schon bisl gemerkt hätte. Ich trank nie heimlich und versteckte keine Alk, wenn ich kein Bier da hatte, habe ich nichts getrunken, obwohl Wein, Jacky und Vodka vorhanden waren. Standard war alle 3 Tage Kasten tauschen.

  • Es hat ja viele Jahre gedauert, bis ich mir selbst eingestanden habe Alkoholiker zu sein.

    Ich kann mich aber noch gut erinnern. Eine Rettungssanitäterin in Insta sagte mal: "Wer mehr als fünf Bier in der Woche trinkt, ist Alkoholiker".

    Das hat mir schon zu denken gegeben (mit 7 Bier an einem Abend) und war ein weiterer Baustein für meinen Weg zur Erkenntnis. Nach ca. einem halben Jahr Trockenheit, habe ich mich übrigens dafür noch bei ihr bedankt.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Ja klar, anscheinend nur ich.

    Aber das reicht doch vollkommen, weil Du Dein Leben leben musst. Meine Freunde hätten mich auch nicht als Alkoholiker bezeichnet, weil sie ihren Saufkumpan sicher gern behalten hätten, meine Freundin auch nicht, weil sie natürlich nicht unbedingt mit einem Alkoholiker zusammen sein möchte, aber ich tue es. Und nur das zählt!

  • Je eher man aus der Suchtspirale aussteigt, umso besser, Seppel!

    Allein schon die Folgen von Alkoholkonsum sind sehr schädlich für Körper und Seele. Du bist auf dem richtigen Weg.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • die frage kannst du dir nur selbst beantworten.

    Habe mich heute ziemlich viel mit der Frage beschäftigt und auch mein Suchthirn hat sich wieder gemeldet, nach einem heißen Bad, fast 2 Stunden und danach jede Menge Kamillentee ist jetzt alles super. Zu früh gibt es wohl garnicht um sich damit zu beschäftigen.

    Und bevor es zu spät wird, muss ich was ändern, es ist auch unglaublich wie schnell es mir besser geht wenn ich nüchtern bin, vor allem Schlaf und Selbstbewusstsein und auch der Umgang mit meinen Liebsten.

    Habe heute auch viel im Forum der Angehörigen von Alkoholikern gelesen, Tränchen sind geflossen und auch Gänsehaut ohne Ende, echt hart was die teilweise mitmachen. Habe das vielleicht bisher zu egoistisch betrachtet, geht irgendwie immer nur um mich.

    Ich freue mich auf das zu Bett gehen und morgen früh mit gutem Gefühl, ohne Kater und Fahne aufzuwachen.

    Gute Nacht ihr Lieben und danke für den Austausch der letzten Tage. Ich habe wieder dazugelernt und freue mich auf das nüchtern bleiben.

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