Sarre - Vorstellung von mir

  • Guten Abend

    Ich bin durch googeln auf euer Forum gestoßen und habe die letzten Tage ein paar Beiträge mitgelesen. Ich möchte nun endlich den ersten Schritt gehen und hoffe, das dies ein Anfang in ein neues Leben wird.

    Ich möchte mich zuerst kurz und bündig vorstellen und versuchen, so kurz zu halten wie ich kann. Gerne kann ich später alles noch ein wenig ausschmücken:
    Ich bin 32 Jahre und Alkoholiker. Leider schon lange. Angefangen zu trinken habe ich mit ca 16. Zwischen meinem 18. und 23. Lebensjahr habe ich eine extreme Hochphase gehabt mit Saufen vorm HBF mit Bier und hartem Alk. Danach habe ich eine ganz gute Arbeit bekommen, die ich immer noch ausübe. Seitdem hat sich mein Alkmuster dahingehend verändert, das ich ausschließlich nur noch Bier konsumiere. Das aber leider sehr oft und regelmäßig in großen mengen. Regelmäßig habe ich Abstürze und Filmrisse. Auch wenn ich nie gewalttätig werde, werde ich zum regelrechten Egoisten und tue Menschen, die mir wichtig sind auf andere weise weh.

    Letzten Samstag hatte das ganze dann seinen Höhepunkt. Ich war mit meinem Schwager auf dessen jungesellenabschied in einer stadt ca 400km weg von meinem Wohnort. Irgendwann war ich dann wieder so voll, das ich mich alleine auf den Weg durch die Stadt machte. Das nächste was ich weiß ist, das ich am nächsten morgen mit einer zerstrümmerten Fresse und einem Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus aufwachte. Ich fiel wohl laut KW eine 3meter hohe Mauer herunter auf Beton. Mit mehr Glück als Verstand hab ich das ganze dann also überlebt.

    Heute morgen wurde ich entlassen in die Heimat. Meine Frau, wirklich die beste Frau auf der Welt, konnte sich aber nicht über meine Wiederkunft freuen. Zu oft habe ich sie schon so krass beleidigt und enttäuscht in meinem Alkwahn und zu oft habe ich ihr versprochen mir Hilfe zu suchen.

    Sie trinkt selbst kaum, hat aber in ihrer Familie leider noch andere Problemfälle mit Alkohol. Und nun kommt auch noch der partner und stürzt sich fast in den tod. Für sie ist das Ganze gerade einfach zu viel und so konnte ich mir anhören dass sie aufgehört hat an uns zu glauben...

    Die letzten Tage im Krankenhaus wurde mir klar dass ich endlich mir selbst helfen muss und endlich mit diesem Teufelsgift aufhören muss. Habe seit letztem Samstag auch keinen Tropfen angefasst (weiß nicht mehr wann ich das letzte mal 1 woche kein bier getrunken habe). Leider bin ich die nächste zeit erstmal körperlich mit Reha und Zahnbehandlung beschäftigt, sodass ich mir zwar ein paar AA treffen für die Zukunft rausgesucht habe und auch euer Forum ein wenig gelesen habe, mehr aber auch noch nicht.

    Nun hat mir eben das Gespräch mit meiner Frau so wehgetan, dass ich beschlossen habe das nicht eine einzige weitere Sekunde ohne einen ersten Schritt zu tun erfolgen darf! Deshalb ist die Anmeldung hier mein erster Schritt von hoffentlich vielen weiteren, um nicht nur unsere Beziehung, sondern auch vor allem mich selbst zu retten.

    AA-Treffen gibt es in meinem Ort leider nicht. Und ich kann wegen dem Bein weder selbst fahren noch mit Bus und Bahn barrierefrei fahren.

    Deshalb frage ich einfach mal in die Runde: Habt ihr ein paar Tipps für mich zum Start in ein wirklich Alkfreies Leben. Ich will nie wieder den Menschen in meiner Umgebung wehtun!

    Ich hoffe auf ein paar gute Gespräche mit Menschen die ähnliches durch hatten.

    Falls noch fragen bestehen, einfach fragen. Ich kann und will halt nicht alles so öffentlich ins Internet schreiben, vielleicht gibts ja für sowas nen privaten bereich?

    Viele Grüße

  • Hallo Sarre,

    herzlich Willkommen hier im Alkoholikerforum und danke für deine ausführliche Vorstellung. Gute Besserung wünsche ich dir für deine ganzen Blessuren. Hoffentlich sind sie dein Wendepunkt und dir reichts ein für alle mal mit der Sauferei. Was würde mich für dich freuen.

    Hier ist ein Link zu unseren Grundbausteinen, die von unseren Langzeittrockenen zusammengetragen worden sind. Darin findest du schon mal die ersten Schritte.

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Das Gute an unserer SHG ist, daß sie 24/7 geöffnet und so gut wie immer jemand online ist. Du bekommst im Laufe des Abends bestimmt noch Antworten von trockenen Alkoholikern. Lies dich bis dahin einfach weiter ein.

    Wir haben einen geschützten Bereich, der aber mit bestimmten Voraussetzungen verknüpft ist, die du noch nicht erfüllst. Bleib einfach dran! Gut, daß du hergefunden hast.

    Viele Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hi Sarre,

    oh Mann, ich wünsche dir erstmal eine vollständige Genesung deines Beins und deiner Zähne!

    Deine Geschichte klingt teilweise wirklich parallel zu meiner, auch ich kenne das Aufwachen in Krankenhäusern zu genüge, zwar zum Glück nie in diesem Ausmaß, aber mit gebrochener Nase, Kopfplatzwunden etc.

    Ich war dann auch immer derjenige, der bei sämtlichen Ausflügen etc. irgendwann verschollen war, weil ich einfach zu betrunken war, um mich räumlich oder zeitlich noch orientieren zu können und bin dann regelmäßig auf Parkbänken, Bürgersteig oder auch im Gebüsch schlafend von Polizei oder Rettungsdienst aufgegabelt worden.

    Trotzdem brauchte ich wirklich viele dieser Erlebnisse, um zu dem Punkt zu gelangen, dass ich jetzt handeln muss. Von daher, super dass du hierher gefunden hast! Und auch super, dass du schreibst, dass du dir für dich Hilfe suchst. Dass deine Frau von dieser Hilfe auch profitieren soll, ist m.M.n. total verständlich, aber in erster Linie muss es jetzt um dich gehen, das habe ich hier und auch in einer realen SHG lernen dürfen.

    Du bist zweifelsfrei die einzige Konstante, die dir auf jeden Fall bis zum Ende deines Lebens bleiben wird!

    Ich bin selbst erst acht Monate abstinent, zugegeben auch nicht nur mit Höhen, sondern auch mit Gedanken, dass früher nicht alles schlecht war. Aber du musst dir aktuell ja nur dein Bein oder dein Gebiss anschauen, um zu erkennen, wo Leute wie wir immer wieder enden werden, wenn sie der Abstinenz nicht absolute Priorität einräumen.

    Diese Antwort soll dir auf jeden Fall Mut machen, diese ersten Schritte jetzt zu gehen. Ich dachte jahrelang, dass ich noch viel zu jung wäre, um jetzt schon mit dem Saufen aufzuhören, dann könnte ich ja nie mehr irgendwo feiern und mein Leben gleich wegschmeißen! Aber im Endeffekt habe ich mich jetzt dafür entschieden, mein Leben eben nicht mehr wegzuschmeißen, sondern zu leben! So wie die Leute, auf die ich früher immer neidisch war, dass sie so "ganz ohne Probleme" (was natürlich nicht stimmt, die gibt's auch für Nichttrinker und Trockene, aber für aktive Alkoholiker doch am meisten)durchs Leben gehen können. Man kann abstinent jedenfalls Probleme anders angehen und viele sind auch einfach um einiges kleiner, als sie einem betrunken oder verkatert vorkommen.

    Es lohnt sich auf jeden Fall, zukünftig das erste Glas stehen zu lassen, ein bisschen Arbeit in die Abstinenz zu investieren und auch mal trübe Phasen auszuhalten.

    Viel Erfolg und viel Kraft hierzu!

    VG Soapstar

  • Guten Morgen


    Erst mal danke für die ersten Antworten. Vor allem an dich Soapstar. Es ist erschreckend zu sehen was dieses flüssige Nervengift mit einem Menschen anstellen kann...

    Vor allem aber die Absätze mit dem "zu jung um mit dem Saufen aufzuhören" und "früher war nicht alles schlecht" habe ich mir jahrelang auch immer wieder gedacht. Ich bin nämlich im Grunde ein recht sozialer Mensch mit Partyleben und vielen Freunden. Bei selbigen aber auch bekannt als derjenige, der es immer wieder übertreibt (Wenn ich da dann mal wieder zu frech zu meinen Freunden bin, heißt es immer, lass ihn, er ist besoffen). Ich hab mir da im grunde nicht viele Gedanken drüber gemacht, denn ich hab mir immer eingeredet: "du trinkst doch nur Bier, und auch nicht vor der Arbeit oder sowas". Aber leider reicht das Bier auch bei mir schon dafür, dass ich am Wochenende solche abstürze und blackouts habe. Ich vertrage einfach auch nix!

    Heute morgen bin ich seit locker 15 Jahren das erste mal wieder eine ganze Woche am stück nüchtern!

    Irgendwie surreal mir das einzugestehen...

    Ich will auf jeden Fall am Ball bleiben und weiter abstinent bleiben. Zum "Glück" komme ich jetzt wegen der Verletzung erst mal nicht an irgendwelche Trigger Punkte. Meine Frau hat sämtlichen Alk im Haus entsorgt. Fühle mich jetzt aber auch ehrlich gesagt nicht so als müsste ich jetzt unbedingt was trinken. Ich will einfach diese konstante Veränderung in meinem Leben!

    Interessant wird es für mich wenn ich nach der Verletzung wieder am Leben teilnehme. Und da erhoffe ich mir unterstützung von gleichgesinnten. Deshalb die Anmeldung hier. :)

  • Hallo Sarre,

    herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe für Alkoholiker.
    Es ist gut, dass du dir über deinen Alkoholkonsum ernsthaft Gedanken machst.

    In dieser Selbsthilfegruppe tauschen sich ausschließlich Alkoholiker aus, die sich dazu bekennen und eine lebenslange Abstinenz anstreben.
    Beides konnte ich deinem Text entnehmen und dass du seit 7 Tagen abstinent bist.

    Wenn das der Fall ist, dann folge dem Link zur Bewerbung für den offenen Bereich:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Bitte anklicken und einen kurzen Satz schreiben, da du dich ja schon ausführlicher vorgestellt hast.

    Nach erfolgter Freischaltung werden wir Dein Thema zu "Erste Schritte für Alkoholiker" verschieben.

    Viele Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Interessant wird es für mich wenn ich nach der Verletzung wieder am Leben teilnehme. Und da erhoffe ich mir unterstützung von gleichgesinnten. Deshalb die Anmeldung hier. :)

    Hi Sarre,

    diese Unterstützung wirst du auf jeden Fall brauchen, hier aber definitiv auch bekommen!

    Dieses Umkrempeln des bisherigen Lebens ist ja DIE Hauptaufgabe, um nicht nur "mal nix zu trinken", sondern dauerhaft zufrieden und auch glücklich trocken zu sein.

    Diese Aufgabe ist bei mir übrigens auch nach acht Monaten noch lange nicht abgeschlossen, auch wenn ich mir selbst keinen schlechten Weg attestiere.

    Mir sind wenige Bekanntschaften geblieben, die meisten waren wohl doch Zweckgemeinschaften zum Saufen. Das war teilweise auch traurig und mal schmerzhaft, dies dann zu erkennen. Ist aber einfach zwingend notwendig!

    Also ich für meinen Teil kann und will gar nicht auf Partys oder in Kneipen gehen wie früher und dort dann ne Cola mit den gleichen Leuten trinken. Das würde ich sicher zwei-, dreimal schaffen, dann wäre ich wieder im Krankenhaus oder in der Ausnüchterungszelle.

    Und ob ich dann nochmal die Motivation, die Kraft etc. dafür aufbringen kann, den Weg von vorn zu beginnen? Das möchte ich gar nicht rausfinden!

    Weiterhin gute Besserung und übrigens top, dass dein Zuhause von deiner Frau sofort alkfrei gestaltet wurde!

    VG Soapstar

  • Ich dachte auch eine ganze Zeit lang, ist doch nur Bier, wenn ich am Wochenende dann mal 8 Halbe, entspricht 4 Liter Bier, getrunken habe, macht es keinen Unterschied mehr, dauert vll etwas länger, ist aber das gleiche Gift wie im Schnaps. Bleibe dran und lass dir hier von den erfahrenen Mitgliedern helfen, ist Gold wert.

  • Diese Aufgabe ist bei mir übrigens auch nach acht Monaten noch lange nicht abgeschlossen, auch wenn ich mir selbst keinen schlechten Weg attestiere.

    Mir sind wenige Bekanntschaften geblieben, die meisten waren wohl doch Zweckgemeinschaften zum Saufen. Das war teilweise auch traurig und mal schmerzhaft, dies dann zu erkennen. Ist aber einfach zwingend notwendig!

    Also ich für meinen Teil kann und will gar nicht auf Partys oder in Kneipen gehen wie früher und dort dann ne Cola mit den gleichen Leuten trinken. Das würde ich sicher zwei-, dreimal schaffen, dann wäre ich wieder im Krankenhaus oder in der Ausnüchterungszelle.

    Ich finde es schon stark 8 Monate ohne einen Tropfen verbracht zu haben. Auch wenn der wille da ist, kann ich mir stand heute das noch gar nicht wirklich vorstellen.


    Ein Kneipengänger war ich zum Glück bisher nie so wirklich. Was mich fasziniert sind seit eh und je Clubbesuche und Festivals (Techno, Hardcore). Und so viele Spiele wie möglich meines Fussballvereines zu besuchen. Leider verbinde ich beides auch nach Jahren mit exzessiven Alkoholkonsum. Und da ich da auch die meisten meiner Freunde verorte, wird es interessant sein zu sehen wie sich da meine Zukunft gestaltet.

    Aber das ist jetzt erst mal Zukunftsmusik. Jetzt ist erstmal die Genesung und der Entzug wichtig. Letzteres erscheint mir Gott sei Dank bis jetzt relativ einfach, auch wenn ich mit Schlafproblemen zu kämpfen habe. Das kann natürlich aber auch an meinen Verletzungen liegen.


    Ich hab mich auf jeden Fall jetzt mal für den offenen Bereich beworben.

  • Ich dachte auch eine ganze Zeit lang, ist doch nur Bier, wenn ich am Wochenende dann mal 8 Halbe, entspricht 4 Liter Bier, getrunken habe, macht es keinen Unterschied mehr, dauert vll etwas länger, ist aber das gleiche Gift wie im Schnaps. Bleibe dran und lass dir hier von den erfahrenen Mitgliedern helfen, ist Gold wert.

    Du sagst es, auch Bier kann sich zu ner gefährlichen Menge addieren.

    Ich dachte halt wirklich jahrelang dass ich kein Alkoholproblem habe, eben weil ich nix hartes Trinke oder mal unter der Woche ein paar Feierabendbier.


    Naja, letzte Woche wurde ich damit wortwörtlich sehr hart auf den Boden der Tatsachen geholt...

  • Ich finde es schon stark 8 Monate ohne einen Tropfen verbracht zu haben. Auch wenn der wille da ist, kann ich mir stand heute das noch gar nicht wirklich vorstellen.

    Das musst du auch gar nicht können! Du kannst dir die Zeitabschnitte so runterbrechen, wie es für dich hilfreich oder angebracht ist.

    Du kannst erstmal "heute" nichts trinken, du kannst aber auch "die nächsten fünf Minuten" nichts trinken, wenn dir "heute" mal zu lange vorkommt. Und dann wieder von vorn... Mir hat das anfangs sehr geholfen, weil mir ein ganzer Samstag ohne Alkohol da auch unvorstellbar vorkam.

    VG Soapstar

  • Aurora 1. Februar 2026 um 18:53

    Hat den Titel des Themas von „Vorstellung von mir“ zu „Sarre - Vorstellung von mir“ geändert.
  • Hallo Sarre, herzlich willkommen,

    ich habe dich freigeschaltet und du kannst dich hier überall austauschen. Mit einer Ausnahme, bitte schreibe die ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern, die noch nicht freigeschaltet sind. Du erkennst sie daran, dass ihre Nicks noch rot sind.

    Ich wünsche dir weiterhin einen guten Austausch.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Ich dachte halt wirklich jahrelang dass ich kein Alkoholproblem habe, eben weil ich nix hartes Trinke oder mal unter der Woche ein paar Feierabendbier.

    Selbst mein Arzt hat mich nicht wirklich ernst genommen, gut das ich nur Bier trinke und nichts hartes. Hatte zum Schluss dann plötzlich Entzugserscheinungen und das Bier musste statt Abends schon Nachmittags her, das war der Punkt an dem ich merkte das ich nicht mehr funktioniere, ich habe die Kontrolle verloren.

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