Amun - Es wird Zeit …

  • Klar … Anglizismen gehören mittlerweile wohl zum guten Ton dazu 😅. Trotzdem sollte man dem vielleicht doch eine gewisse Aufmerksamkeit zukommen lassen.

    Interessant (von außen betrachtet) finde ich das offenbar das Gehirn wieder „umgeschrieben“ wird wenn es keinen Alkohol mehr bekommt. Der Alkohol hatte somit Jahrzehnte Zeit im Kopf Dinge dramatisch zu verändern. Vieles ist vielleicht nicht mal aufgefallen. Ich habe mich weitergebildet, Seminare besucht und gehalten, ein Team geleitet, Meeting veranstaltet etc. Niemals hatte ich den Gedanken das ich dort nicht mehr Leistungsfähig wäre. Somit nehme ich an, dass bei mir offenbar das soziale Hirn besonders angegriffen wurde. Das es bei der Regeneration dann zu Stimmungsschwankungen etc. kommen wird, erklärt sich dann sehr gut.

    Craving sehe ich als Teil von PAWS …

  • Ja, richtig: Craving ist EIN Symptom unter mehreren. Das war unklar formuliert.

    Die Aufmerksamkeit für psychische Entzugserscheinungen ist hier doch gegeben!

    Die ganze Entzugs-/Entwöhnungsthematik sehe ich ähnlich wie bei der Kybernetik: ein hochkomplexes Steuersystem muss sich in weiten Teilen neu kalibrieren. Es kommt zu Wechselwirkungen, Rückkopplungen, Feinjustierungen. Es gibt Über- wie Untersteuerung - zu Anfang eben heftig (körperliche Entzugserscheinungen), dann immer feiner, leiser … bis sich mit der Zeit eine neue ausgewogene Balance herstellt.

    Dies betrifft vordergründig und länger das Gehirn (Neurotransmitter, Synapsen, Volumen). Aber ebenso regeneriert alles im Körper mitsamt Haut und Haaren und meldet zurück - wieder mit verbundenen Feinjustierungen. Die Leber z.B. braucht einige Monate bis zu einem Jahr (und hat sogar ihren eigenen kleinen Speicher für Gifterkennung).

    Besonders spannend ist die Veränderung im Gehirn und seinen einzelnen Arealen - Stichwort >> Neuroplastizität.

    Ich habe nur ein Gehirn. Manche haben noch ein Suchthirn. Jetzt kommst du mit deinem sozialen Hirn. Spannend. (Und ein Spaß. Jeder hat nur eins. Oder?)

  • Moin

    Dieses umschreiben im Gehirn und den persönlichen Einstellungen, Gedankengängen und auch Verhaltensweisen braucht eben Zeit.

    Viel Zeit ,denn der Weg in die Sucht hat ja auch Jahre gebraucht.

    Erzwingen oder beschleunigen funktioniert nicht

    Meine Trockenheit hat schon Jahre gedauert, bis ich es richtig gefühlt und verstanden habe

    Stimmungsschwankungen wird es immer mal wieder geben, nicht wegen der Sucht oder dem Alkohol, sondern einfach das normale Leben

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Ich habe nur ein Gehirn. Manche haben noch ein Suchthirn. Jetzt kommst du mit deinem sozialen Hirn. Spannend. (Und ein Spaß. Jeder hat nur eins. Oder?)

    Na okay … man sagt der Oktopus hätte 9 Gehirne 😂. Aber meine Aussage bezog sich eher nicht auf ein separates physisches Hirn. Ich denke es sollte klar sein wie ich das meine …

    Mir ging es bei meinem Post mehr darum aufzuzeigen dass man einfach vorbereitet sein sollte. Ich denke die meisten hier sind es eh. Wahrscheinlich beschäftigen sich alle hier mit dem was in der Vergangenheit passiert ist, was gerade passiert, und mit dem was in Zukunft kommen könnte. Und auf möglichst viele Quellen zurückgreifen zu können, wird sicherlich nicht schaden.

  • Guten Morgen zusammen,

    Zum ersten mal seit 3 Wochen habe ich über 8 Stunden (8,4) geschlafen. Ich denke Kopf und Körper haben es einfach dringen gebraucht und erzwungen. Das ist vermutlich noch nicht die Wende in meinem Schlafverhalten, aber trotzdem schön und gut dass es mal geklappt hat.

    Gestern war ich mit einer nicht Alkoholikerin das erste mal auswärts essen (Chinesisch). Es hat keinen Stress ausgelöst einfach nur ein Wasser zu bestellen, und nicht wie üblich ein Bier. Ich freue mich dass auch das gut geklappt hat.

    Am Montag war ich das erste mal dann auch in der realen SHG. Da ich eben aktuell so wenig reale Kontakte habe, werde ich neben dieser virtuellen Gruppe hier, auch die reale Gruppe vorerst besuchen. Kann sicherlich nicht schaden.

    ☕️ …

  • Guten Morgen Amun,

    Was meinst du mit

    Gestern war ich mit einer nicht Alkoholikerin das erste mal auswärts essen

    Eine Anti Alkoholikerin, Abstinent oder normal im Umgang mit Alk? Die meisten, ich sag mal die überwiegende Mehrheit sind keine Alkoholiker.

    Wie fandest du es in der rSHG? Wenn es für Dich da passt und du mit den Leuten zurecht kommst ist es 100% hilfreich.

    Schön das es dir besser geht, da wird noch mehr passieren, ich hatte sogar nach einem Jahr noch das Gefühl daß sich körperlich/gesunheitlich etwas verändert.

    Gruß R/no

  • Eine Anti Alkoholikerin, Abstinent oder normal im Umgang mit Alk?

    Guten Morgen Arno,

    ja, eigentlich hätte ich es gar nicht so hervorheben müssen. Sie trinkt eben schlicht und ergreifend kein Alkohol.
    Wichtig war nur, dass eben niemand dabei war der aktiv Alkohol trinkt. Vielleicht hätte mich das nur unnötig getriggert. So war es einfach ideal.

    Wie fandest du es in der rSHG?

    Da die Mitglieder schon recht lange zusammen sind, geht es auch viel um "normale" Themen. Wenn es allerdings um Alkohol geht, kommt es intensiver rüber als hier. Es sind eben reale Menschen und Probleme. Man "sieht" und "hört" den Menschen der betroffen ist.
    Für mich dürfte es auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung sein. Da kann ich natürlich nur für mich sprechen. Das muss nicht für jeden so sein ...

  • Wichtig war nur, dass eben niemand dabei war der aktiv Alkohol trinkt. Vielleicht hätte mich das nur unnötig getriggert. So war es einfach ideal.

    Das solltest du auch vermeiden, vor allem am Anfang. Meine baldige XFrau hat auch vor meiner Nase getrunken, es ist zwar nichts passiert aber spurlos geht das nicht an einem vorbei. Man denkt halt darüber nach und der Alk schwirrt einem durch den Kopf, kann auch schief gehen...

  • Das Problem ist, dass nach dem Aufwachen das Kopfkino sofort auf 100 ist, und ein nochmaliges einschlafen hartnäckig verhindert.

    Das hab ich auch, nervt tierisch.

    Habt ihr euch mit dem Thema PAWS (Post-Acute Withdrawal Syndrome) schon mal beschäftigt? Ich konnte bisher hier im Forum dazu nichts finden. Es scheint in seiner Bedeutung und Umfang über das bekannte Craving hinauszugehen.

    Nöö. Erzähl^^

    Da ich eben aktuell so wenig reale Kontakte habe, werde ich neben dieser virtuellen Gruppe hier, auch die reale Gruppe vorerst besuchen. Kann sicherlich nicht schaden.

    Lieber zu viel machen als zu wenig. Klingt super

    7 Wochen klingt auch schon richtig klasse 👍 Weiterhin viel Erfolg & ein schönes WE

    Ich darf leider keine Wochen, Monate zählen. Mein Saufhirn sagt dann immer: Was 3 Monate trocken? Das reicht jetzt doch, ist soooooooooooooo lange. 1 Mal kannst du wieder.X( Folge war Krankenhaus und Magenschleimhautentzündung. Ich hasse mein Saufhirn und mich dafür das ich gesoffen hab

    Heute trinke ich nicht

  • Nöö. Erzähl ^^

    Vielleicht solltest Du einfach mal im Netz nach PAWS suchen. Vor allem die englischsprachigen Seiten sind sehr informativ. Vereinfacht gesagt wird beschrieben was passiert wenn Du die erste Phase der Abstinenz geschafft hast, und was eventuell auf Dich zukommen kann. Das schöne daran ist, dass obwohl es sich so mies anfühlen kann, es die Heilung Deines Gehirns beschreibt. Der Prozess ist anstrengend, und von vielen unangenehmen Symptomen begleitet. Einfach vorbereitet zu sein auf das was da kommen KÖNNTE, ist zu mindest für mich wichtig.

    Ich darf leider keine Wochen, Monate zählen. Mein Saufhirn sagt dann immer: Was 3 Monate trocken?

    Klar, jeder geht damit anders um. Ich freue mich einfach dass ich erste zählbare Fortschritte mache. Und es tut mir auch gut wenn sich andere mit mir freuen. Vielleicht schreibe ich es auch, weil ich eben relativ wenig soziale Kontakte habe die mich ablenken.
    Dass Dein Saufhirn so eine Macht und starke Präsenz hat, macht es natürlich nicht leichter. Du wirst viel Kraft brauchen um Deinem Saufhirn so oft wie möglich den Stinkefinger zeigen zu können. Ich drücke Dir jedenfalls beide Daumen.
    Im Dorf ist dieses Wochenende Kirmes ... ich werde zu hause bleiben, und eher ein paar ausgiebige Spaziergänge durch den Wald machen. Und das gleiche werde ich auch zum 1. Mai machen. Auch da wird es für mich keine Feier, kein Maibaum, keine Versuchung geben. Irgendwann werde ich damit sicherlich gefestigter umgehen können.

    Ich denke Hass ist kein gutes Gefühl. Ich selbst spüre dieses Gefühl manchmal um die Ecke kommen. Aber andere oder sogar sich selbst zu hassen ist bestimmt nicht gut für unser trockenes und gutes Hirn 😏

  • PAWS ist interessant. Ich habe mich damit ehrlich gesagt nie groß beschäftigt , vielleicht, weil ich nicht zu jedem Symptom sofort etwas suche, das passen könnte.

    Vieles von dem, was du beschreibst, kann aber auch auf tausend andere Dinge zutreffen: Stress, Schlafmangel, Anpassung, Nervensystem, Alltag, Hormone, soziale Isolation.

    Nur weil man sich intensiv mit einem Thema beschäftigt, heißt das nicht, dass alles automatisch auf einen selbst zutrifft. Bücher erklären Modelle , keine Diagnosen. Ohne das jetzt abwertend zu meinen.

    Aber alles ist besser, als zu saufen, lesen, schreiben, sich beschäftigen, alte Hirnzellen neu besetzen. ;)

    Wichtig ist nur eins. Auch wenn das Gehirn sich umschreibt, neu sortiert oder repariert auf der Festplatte bleibt immer ein Startprogramm, das die Sucht wieder aktivieren kann. Wie ein Windows‑Autostart, der nie gelöscht werden kann.

    Solange man das nicht "vergisst" bleibt man auf dem Boden der Sucht- Tatsachen und rutscht nicht in die Idee ab, dass es irgendwann vielleicht doch wieder mit dem Trinken klappen könnte.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Vieles von dem, was du beschreibst, kann aber auch auf tausend andere Dinge zutreffen: Stress, Schlafmangel, Anpassung, Nervensystem, Alltag, Hormone, soziale Isolation.

    Natürlich hast Du recht … PAWS ist keine Religion oder eine zwingend in Erfüllung gehende Ideologie. Trotzdem bleibt es interessant. Unsere Alkoholkrankheit endet nicht damit das wir Abstinent werden. Es geht ja nur um ein spezielles Bewusstsein für das was eventuell in den nächsten Monaten oder Jahren kommen könnte. Und selbst danach wird die Sucht immer irgendwie im Hintergrund lauern.

    Ich finde es spannend und ermutigend zu wissen das wir uns körperlich wieder regenerieren können. Das kann mental stärken und Zuversichtlich machen. Und positive Gedanken sind willkommen und gut.

  • Hi Amun,


    Im Dorf ist dieses Wochenende Kirmes ... ich werde zu hause bleiben, und eher ein paar ausgiebige Spaziergänge durch den Wald machen. Und das gleiche werde ich auch zum 1. Mai machen. Auch da wird es für mich keine Feier, kein Maibaum, keine Versuchung geben.

    Tatsächlich graust es mir schon vor nächster Woche und ehrlich gesagt auch den nächsten Monaten.

    Bei uns im Kaff wird nächste Woche auch wieder vom 30.04. bis 02.05 durchgesoffen (klar, muss man nutzen, wenn der Feiertag schon günstig liegt :( )

    Und dann kommt eh bald die Zeit, wo ich bei jedem Spaziergang und bei jeder Radtour aufpassen muss, wo dieses Wochenende wieder Dorffest, Weinfest usw ist. Natürlich kenne ich die Termine hier und kann dem Ganzen aus dem Weg gehen, trotzdem wird mir mein Saufhirn erzählen wollen, wo meine "Kumpels" gerade wieder abhängen und wie lustig das doch immer war.

    Ich werde ihm dann mit den Erinnerungen an Krankenhaus, Ausnüchterungszelle usw. begegnen und ihm erzählen, dass es nur Mist redet.

    Dennoch kann ich mich deswegen gerade nicht wirklich an dem schönen Wetter und dem nahenden Sommer erfreuen. Das hat mich letztes Jahr schon, trotz der damaligen Anfangseuphorie, viel Kraft gekostet und ich bin gespannt, wie es heuer wird. Letztes Jahr hatte ich hoffentlich meinen Tiefpunkt, als ich blutüberströmt und ohne Erinnerungen im KH aufgewacht bin und dann war es sogar anfangs richtig einfach, nix zu trinken. Mittlerweile muss ich mich mehr anstrengen, um mir diese Zeit in aller Deutlichkeit wieder vor mein inneres Auge zu holen.

    Wie dem auch sei, ich wünsche Dir auf jeden Fall ganz viel Erfolg und Spaß bei den weiteren Schritten in ein trockenes Leben und dass Du die Kirmes, den 01.05. usw sorgenfrei überstehen darfst!

    VG Soapstar

  • Wie dem auch sei, ich wünsche Dir auf jeden Fall ganz viel Erfolg und Spaß bei den weiteren Schritten in ein trockenes Leben und dass Du die Kirmes, den 01.05. usw sorgenfrei überstehen darfst!

    Vielen Dank … wird schon werden 😉. Im Moment fällt es mir auch gar nicht soooo schwer solche Festlichkeiten zu meiden. Nach Deinen bösen Erfahrungen mit dem Saufhirn im letzten Sommer, drücke ich Dir die Daumen, dass Du es dieses Jahr besser hinbekommst. Sowas muss man nicht jedes Jahr erleben.

    Im Grunde scheinen die meisten von uns ähnlich zu ticken. Unser altes soziales Leben war oftmals fest mit Alkohol verbunden. Irgendetwas war ja immer … Kirmes, Feiertage, Geburtstage, Betriebsfeiern, Radtour mit Biergarten usw. usf. Und sei es nur das gemütliche Feierabendbierchen.

    Jetzt braucht es neue Gewohnheiten und Rituale. Geduld und Beharrlichkeit sind gefragt. Niemand hat gesagt dass es einfach werden wird …

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