Beiträge von Mattie

    Weihnachtsmarkt kann ich meiden.
    Silvester kann ich meiden.
    Aber den Alltag? Geht nicht.

    So empfinde ich es auch. Mein größtes Risiko bin ich selbst, nicht die gängigen Veranstaltungen, nicht saufende Freunde. Den Alltag muss ich meistern und andere Wege finden, um runterzukommen - und ja, ich bin auch selbständig mit allen Höhen und Tiefen.

    Alkohol habe ich benutzt, um runterzukommen. Das ist jetzt weg.

    Ich habe für mich Alternativen gefunden - laute Musik aufs Ohr mit den ganz dicken Kopfhörern, im Relaxsessel mit Kuscheldecke schmökern, Schwimmen, Yoga, Badewanne, aber ich bin auch immer noch offen für neue Ideen, die mir so einfallen. Eine längerdauernde Suche, aber ich denke, es lohnt sich. Und manchmal ist es tatsächlich einfach ein Durchatmen und Durchhalten. Die Stimmung verfliegt auch wieder. Wenn man das oft genug erlebt hat, weiß man, dass man sich darauf verlassen kann.

    Ich mit einem Berg Bierflaschen im Flur.

    Was hat das noch an offenbar so prominenter Stelle im Flur zu suchen? Jetzt bring das Zeug halt mal zum Container.

    Mattie

    Lieber Theel,

    da bist du ja in einer schmerzhaften Phase. Das tut mir leid, aber umso mehr Respekt dafür, dass du in dieser Lebenskrise den Alk stehen lässt und deinen Weg in die Abstinenz begonnen hast. Ich kann mit meinen schlappen vier Monaten Nüchternheit noch keine große Erfahrung beisteuern oder aus dem Nähkästchen Tipps & Tricks präsentieren, aber ich kenne Lebenskrisen, wenn auch mit einem anderen Hintergrund als bei dir.

    Ob deine ehemalige Partnerin zurückkommt, wenn du fitter bist und nüchtern lebst, oder nicht, ob es sich lohnt, darauf zu hoffen, oder nicht - das alles kann niemand von uns beurteilen. Das weißt nur du selbst. Aber dass es sich lohnt, nüchtern zu bleiben - das würden vermutlich die meisten hier unterschreiben. Dein Selbstmitleid blitzt hier und da durch, und, ehrlich, ich finde das vollkommen nachvollziehbar und angemessen. Mit einem Freund in dieser Situation hätte man ja auch Mitgefühl. Für mich liest du dich aber dennoch vollkommen reflektiert.

    Trauere halt noch. Hintern hoch ist dann morgen wieder.

    Mir gefällt das, und ich drücke dir fest die Daumen, dass du in deinem Sinne weiterkommst. Bleib dran. Du bist hier nicht allein.

    Alles Liebe

    Mattie

    Hallo zusammen,

    hier ist ja was los :)

    Ich melde mich zurück, war eine gute Woche sehr weit weg von der Tastatur, raus aus der Empty-Nest-Melancholie, rein in die Sonne. In die Lichttherapie, sozusagen.

    Alkoholfreier Urlaub ist nicht wirklich etwas grundlegend Neues für mich: Ich kenne ihn noch aus den über zehn alkoholfreien Jahren, die wir mit dem Kind verreist sind. Das ist nun schon ein paar Jahre her. Aber damals lag der Fokus nicht auf mir, sondern auf dem Wohlergehen des Kindes. Damals habe ich mir längst nicht so viele Gedanken gemacht wie heute, da ich ja, nur für mich selbst verantwortlich, unkontrolliert in mich hineinschütten könnte.

    Ich werde jetzt hier nicht ins Schwärmen geraten, erzähle euch nur, bei welchen Gelegenheiten mir in diesem Urlaub der Alk in den Sinn kam (wie für ein Alkoholiker-Forum angemessen), und Spoiler: Er war kein überwältigendes Thema, aber Momente gab es.

    Wir haben uns etwas wirklich Phänomenales gegönnt: Das Geld, das wir in anderen Jahren an der Poolbar ausgegeben hätten, haben wir investiert in ein Upgrade und ein Zimmer mit Blick über den Atlantik. Was für ein umwerfendes Gefühl, am Vormittag mit dem Kaffeebecher in der Hand hellwach und klar auf den Balkon zu treten. Da kann das Suchtgedächtnis aus dem Verstand heraus spinksen und herumnölen, es hätte doch viel bessere Alternativen anzubieten. Nein, hast du nicht, und nicht nur das: Du bist zu toppen!

    Die Ausgaben, die wir beim Abendessen und in der Bar gespart haben, weil uns eine Flasche Wasser gereicht hat, statt wie üblich reichlich Wein, Bier und Mojitos zu bechern, sind ohne weitere Umstände in Wellness & Massage geflossen. Was für ein Gewinn.

    Ich erinnere mich noch daran, wie ich früher mal dachte: Wie soll ein Urlaub schön sein, wenn man nicht das Bier an der Strandbar trinkt oder den Wein beim Essen? Wenn man nicht den Cocktail im Sonnenuntergang postet? Der Gedanke war so dermaßen fest, dass alle anderen Visionen oder Vorschläge („Trink doch einen schönen Tee“) für mich absolut lächerlich klangen. Heute weiß ich (und nicht erst seit diesem Urlaub), sich zu erholen und die Zeit zu genießen bedeutet etwas grundlegend anderes, als sich ab Sektfrühstück volllaufen zu lassen.

    Ich hatte mich vorab bei der Buchung versucht, darüber zu informieren, ob es in diesem Hotel Minibars gibt (lieber Gruß an Alex_aufdemweg ), und ich habe nicht den geringsten Hinweis darauf gefunden. Gut so, dachte ich. Dann die Überraschung: Es gab doch eine! Ich habe mich geweigert, das Zimmer zu betreten, bis nicht nur sämtlicher Alk, sondern auch die dazugehörenden Wein- und Sektgläser sowie der Eiskübel entfernt worden waren und das Zimmer mit Cola, Fanta, Wasser und Saftgläsern clean war. Ansonsten gab es einen Wasserkocher mit hinreichend Kaffeetütchen und Teebeuteln (hatte ich auch noch von daheim mitgebracht), was ich generell für eine feine Sache halte und was wir auch ausgiebig genutzt haben.

    Auf dem Hinflug, frühmorgens, habe ich mich mit Schaudern daran erinnert, dass ich mir früher um diese Zeit im Flieger gleich mal das erste Bier bestellt hätte. Ist doch Urlaub, macht doch jeder, hoch die Tassen! Diesmal habe ich mich genauer umgesehen, und nein, es macht kaum einer, jedenfalls nicht die Paare, die um diese Zeit auf die Kanaren reisen. Nur einen hab ich gesehen, der hatte eine von diesen kleinen Flaschen Weißwein neben seinem Schinkenbrötchen. Armer Tropf, hab ich gedacht.

    Vor unserem Hotel gab es einen ‚Scheideweg‘: Nach links ging es zur Strandpromenade mit all den Kneipen und Bars, in denen die Leute mit ihren Bierhumpen und Sundownern herumlungerten. Nach rechts ging es zum kilometerlangen Strand und zu den Dünen. Keine Frage, dass wir auf dem rechten Weg geblieben sind :)

    Es ist so bereichernd und wohltuend, die eigenen Sinne deutlich wahrzunehmen: den körnigen, kalten Sand unter den Füßen, die schäumenden Wellen an den Knöcheln, den Wind in den Haaren, das Rauschen und Sandsingen im Ohr, die schnell ziehenden Wolken am Horizont, das Gesicht in der wärmenden Sonne. Und als dann nach langem Marsch doch eine Strandbar mit ein paar Plastikstühlen davor aufgetaucht ist, haben wir uns angesehen und der eine hat gesagt: ‚Da hätten wir jetzt ein Bier getrunken‘, und die andere hat geantwortet: ‚Und es wäre nicht unser erstes gewesen.“ Und zufrieden, uns unserer Nüchternheit aufs angenehmste bewusst, sind wir dann weiter marschiert, und ich habe mich auf das abendliche Buffet gefreut und auf die süßen kleinen Köstlichkeiten, die man sich zum Dessert auf den Teller häufen kann. Oder auf die ausgiebigen Runden im beheizten Pool.

    Ein Urlaub, der mich von Grund auf mit Licht und Wärme durchflutet hat. Und ich bin nur für mich selbst, für niemand anderen nüchtern geblieben. Ich hoffe, ich trage dieses Wohlbefinden auf meinem abstinenten Weg noch lange in mir. In diesen Tagen bin ich knapp vier Monate nüchtern. Es geht immer weiter :)

    Ich habe in der Zeit immer mal wieder hier mitgelesen. Wie sollte es auch anders gehen – das Forum hat sich wie ein Krake in meinen Gehirnwindungen festgekrallt und hilft mir, mein Bewusstsein für die überall lauernde Gefahr sehr wach zu halten. Ich grüße von Herzen alle Neuen und wünschte euch allerbestes Gelingen auf eurem Weg. Und ein Extra-Gruß geht an R/no Immer schön, dich zu lesen. Für mich gehörst du zur Seele des Forums.

    Allen weiterhin eine entspannte Vorweihnachtszeit. Man liest sich.

    Liebe Grüße

    Mattie

    Meine letzen Weihnachtserinnerungen sind, dass ich wartete, bis die Bescherung und das Singen endlich zu Ende sind, damit ich in die Kneipe gehen konnte, um mit den Kumpels zu saufen.

    Das hört sich übel an. Wie gut, dass es vorbei ist und ihr so einen entspannten Umgang mit Weihnachten für euch gefunden habt.

    Und so macht mich das auch nicht mehr wütend, es hat nichts aufgesetzes und keine vorgespielte Idylle.

    Aufgesetzt und vorgespielt geht wohl immer nach hinten los. Das will keiner.

    Liebe Grüße

    Mattie

    Lieber Boss :)

    Deine Probleme hätte ich gerne.

    Möglicherweise gibt es Momente, in denen ich auch lieber darüber nachdenken würde, ob ich ins Stadion gehe oder Battlefield spiele :mrgreen: Wir alle sind nicht nur unterschiedliche Persönlichkeiten, wir stecken auch in unterschiedlichen Lebensphasen, und jeder hat sein Päckchen zu tragen :) Kleinreden gilt nicht.

    Liebe Grüße

    Mattie

    Danke für deine Antwort, lieber Stromer

    Dir darf es auch mal schlecht gehen. Das ist vollkommen normal und erlaubt.

    Das ist ein wichtiger Satz, finde ich. Nicht jedes Unwohlsein ist darauf zurückzuführen, dass mir gerade der Alk fehlt. Du hast ganz recht: Die Gefühle erlebt man jetzt ungefiltert, und in vielen Fällen wären sie vielleicht auch unter Alk aufgetreten, nur nicht so gefühlt worden, weil betäubt.

    Für mich ist eine Beleuchtung oder ein Schmuck nicht die Definition von schönen Weihnachten.

    Ich hatte ja noch gar keine Definition von Weihnachten gegeben ;) Für mich gehörten all die vergangenen Jahre Beschwingtheit und Lachen, gemeinsames Musizieren und Gesellschaftsspiele, gutes Essen, Kerzen und Lichter allüberall, Düfte und große Weihnachtsbäckerei dazu. Einiges davon fällt nun aus, wird ersetzt oder verändert wg. leerem Haus. Die Familie wird erstmals erst an einem der Feiertage komplett sein. Insofern 'ruckelt' es bei mir ein bisschen. Das gemeinsame Trinken gehörte übrigens nie dazu, eher ich für mich, wie oben beschrieben alleine beim Dekorieren.

    Bei uns gibt es keinen Weihnachtsbaum oder Weihnachtsbeleuchtung. Ein paar Kerzen reichen uns. Aber es ist gemütlich bei uns und sehr, sehr heimelich.

    Das hört sich klasse an und wird bestimmt ein wunderbar harmonisches Familienfest. Das wünsche ich dir jedenfalls von Herzen.

    Liebe Grüße

    Mattie

    30 Bahnen und einen Notfall-Schokoriegel später ... :) Stimmungstief überwunden. Wie froh bin ich, dass ich im Zuge der Abstinenz das Schwimmen wieder für mich entdeckt habe. Das ist echt generell ein Highlight für mich.

    In meiner Abwesenheit hat mein Mann, der meine deprimierte Verfassung bemerkt hatte, den Rest der Deko aufgehängt und sogar passende Batterien für den verdammten Leuchtstern gefunden. Der Gute. Jetzt ist alles schön, obwohl es längst nicht mehr mit dem zu vergleichen ist, was ich in früheren Jahren, als die Kinder klein waren, angestellt habe. Damals hat man unsere Haus-Illumination aus dem Weltall sehen können :) Es gibt also durchaus Veränderung, aber Weihnachten wird nicht in die Tonne getreten. Dazu liebe ich das Fest viel zu sehr, und ich stresse mich auch nicht: Ich hatte mich aufs Dekorieren gefreut - und hatte dann eben überraschend die Begegnung mit der Suchtstimme.

    Zeiten ändern sich

    So ist das wohl, lieber Bolle Die sich ändernden Zeiten waren im August einer der Hauptgründe für mich, dem Alk abzuschwören. Ich wusste, dass ich mit dem Auszug meines jüngsten Kindes (zum Studium in eine 500 km entfernte Stadt) in eine Situation gerate, in der es für mich alkoholholmäßig kein Halten mehr geben könnte. Deswegen habe ich zeitgleich die Reißleine gezogen und bin in die lebenslange Abstinenz gestartet. Bisher hat das alles gut funktioniert, und nun mit Vorweihnachtsbeginn ohne das geliebte Kind in Ruf- und Sichtweite bin ich möglicherweise ein Stück weit fragiler. Ich weiß das nun, habe das heute gespürt und nehme zur Kenntnis, dass mich Verzichtsgedanken anspringen können und dass ich das aushalte.

    Ich denke anfangs ist es enorm wichtig Dinge eben genau anders zu tun, als während der nassen Zeit. Und darüber nachgrübeln raubt nur Energie und Zeit.

    Ja, die Dinge ändern, anderes tun - das sehe ich wie du Rene72 Vieles hat sich bei mir in den vergangenen Monaten geändert, manches konnte und kann ich als riskant vorhersehen und meiden oder verändern, aber das weihnachtliche Dekorieren hatte ich als riskantes Unterfangen nicht auf dem Zettel. War es ja letzten Endes nicht wirklich - nur ein Aufblitzen vom Suchtgedächtnis, das sich ja ansonsten erstaunlich zurückhält. Insofern vielleicht sogar ganz nützlich, weil es meine Wachsamkeit weiter stärkt. Davon abgesehen halte ich aber Nachdenken generell nicht für Zeitverschwendung ;)

    Liebe Grüße

    Mattie

    Unerwartete Risikosituation, über die ich mal hier schreiben will: In den vergangenen Jahren war das weihnachtliche Schmücken des Hauses und das Anbringen der Beleuchtung eine beschwingte Aktion für mich (ganz allein) mit lauter Musik und Bier. Dieses Jahr schleppe ich mich herum wie mit Bleischuhen ausgestattet, schiebe den Deko-Engel von links nach rechts, ohne dass es passt, und zieh mir für eine Stunde bedrückt die Decke über den Kopf, weil keine Batterien für den Leuchtstern in den üblichen Schubladen zu finden sind. Alles sehr schwerfällig, mit tiefen Seufzern untermalt, lustlos. Ich habe keine Strategie dagegen, ich halte es aus, schreibe und lese im Forum und versuche mich darüber zu freuen, dass ich am Abend noch zum Schwimmen gehen kann. Ist auch alles nicht so wichtig. Die Kinder sind aus dem Haus, meinem Mann ist Weihnachtsdeko piepegal. Ich mache einfach zu einem späteren Zeitpunkt weiter. Es hetzt mich ja keiner. Alkohol ist keine Option, Obwohl er heute, ohne Craving, in meinen Gedanken auftaucht. Mir wird einmal mehr deutlich, dass jeder seine eigenen Risiken definieren muss.

    Viele Grüße

    Mattie

    Und darin liegt meine Angst: Nur weil es heute leicht ist, heißt das nicht, dass der Teufel nicht in ein paar Tagen, Wochen oder Monaten wieder anklopft.

    (...) Ich möchte NIE, NIE wieder Alkohol trinken, und die Sucht soll sich einfach verpi**en. Ich habe Angst, dass ich vergesse, in welche Misere sie mich gebracht hat.

    VG

    Hallo, Boss,

    ich bin gerade mal seit gut drei Monaten abstinent, und mir geht es jetzt noch so wie dir: Es macht mir Angst, weil die Abstinenz so problemlos verläuft. Ich habe Angst davor, das alles auf die leichte Schulter zu nehmen, Angst vor einem Anfall von 'Übermut', weil mir der Verzicht auf Alkohol zum Beispiel weniger Mühe bereitet als der Entzug von Nikotin vor zwanzig Jahren. Neben meiner Überzeugung, dass ein Leben ohne Alk absolut das Bessere ist, und den Grundbausteinen ist es vor allem das Lesen im Forum, das meine Sensibilität für das Thema ganz weit oben hält. Obwohl Meinungen und Erfahrungen auseinandergehen können, erfahre ich hier tagtäglich einen mitreißenden 'Sog'. Das hilft mir enorm.

    Viele Grüße

    Mattie

    Hi Chapa,

    ich erlebe das auch, dass sich die Beziehung verändert. Alkohol ist ein so entscheidender Faktor in Partnerschaften ... Wenn er wegfällt, steht man vor einer völlig neuen Situation. Bei uns ist es auch so, dass wir beide gleichzeitig abstinent geworden sind.

    Ich weiß, dass meine Partnerschaft es wert ist, sie bis an mein Lebensende zu leben, und deswegen warte ich nicht darauf, dass irgend etwas passiert, sondern ich bemühe mich aktiv darum, neue Gemeinsamkeiten zu finden. Das klappt mal mehr, mal weniger gut, manchmal sind wir beide auch zu müde oder zu träge für irgendwas, aber ich lasse da nicht locker. Ich mag das Wort eigentlich nicht, aber hier passt es für mich: Ohne 'Beziehungsarbeit', das Entwickeln von neuen Gewohnheiten zu zweit, laufen wir ins Leere, und das wäre jammerschade.

    Alles Liebe

    Mattie


    Wenn über Aussagen in einem Buch so diskutiert wird, wie hier, dann wäre schon Verfasser und Titel interessant und kann ja auch problemlos genannt werden.

    Da hast du vollkommen recht, Oskar. Ich war mir nur nicht sicher, ob die Nennung des Buches hier erwünscht ist. Kann einfach wieder gelöscht werden.

    Es ist dieses: William Porter: Alkohol erklärt, Independently published 2023.

    Zu der Aussage über die Cravingspirale, die ich oben indirekt wiedergegeben habe, habe ich ad hoc folgendes Zitat wiedergefunden:

    - edit, bitte hier keine externen Texte einstellen, danke. -

    Bezüglich der Ansichten über Rückfälle müsste man sich, wenn es interessiert, selbst in das Werk vertiefen. Das würde an dieser Stelle zu weit führen. Ich mag das jetzt nicht noch einmal durchackern :)

    Nein, in meiner Therapie nicht und die Langjährigen hier schwadronieren so einen "Blödsinn" auch nicht.

    Das kann so sein, aber manch einer hört das dennoch nicht zum ersten Mal.

    diesem Spruch, "Rückfälle gehören dazu" bin ich schon verschiedentlich begegnet, unter anderem auch in der Klinik, in der ich meinen Entzug gemacht hatte. I

    An anderer Stelle in diesem Forum, die ich jetzt nicht heraussuche, wurde ein 'Vertrag' geschildert, den man mit sich selbst in der Therapie für den Fall eines Rückfalls abschließen soll.

    Hallo zusammen,

    danke noch einmal für eure Antworten, ich will mir nun die Zeit nehmen, darauf einzugehen.

    Ganz vorneweg: Es gibt ein Missverständnis. Ich hatte nicht die mindeste Absicht, mit euch über das zu diskutieren, was möglicherweise noch auf jemanden zukommen könnte! Mir ging es um die zurückliegende Geschichte bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir alle in diesem Forum erklärt haben, dass wir Alkoholiker sind und eine lebenslange Abstinenz anstreben. Es tut mir leid (hier insbesondere an *Rina*   Perdita   Stromer ), wenn ich mich da möglicherweise missverständlich ausgedrückt habe. Mir ist sehr bewusst, dass ein Rückfall tödlich enden kann, und ich hoffe sehr, dass mein Eingangspost nicht als 'Kleinreden' rüberkam. Das war ganz bestimmt nicht meine Absicht.

    Ansonsten ist mir schleierhaft, wie man bei den im Eingangspost zitierten Passagen den Eindruck bekommen kann, es handele sich um irgendeine Form von Ratschlag, an den man sich als Alkoholiker halten solle. Ich habe mir meine Zeilen unter dem Gesichtspunkt noch einmal angeschaut und sehe weiterhin nur: den Versuch einer Analyse, wie sich Sucht entwickeln kann. Das mag man nicht zielführend und unerheblich finden, aber es ändert nichts daran, dass es mich interessiert. Meine Diskussionsfreudigkeit hat unter meiner Abstinenz nicht gelitten, im Gegenteil. Ich mag mich nüchtern viel lieber austauschen, und dies vor allem mit Menschen wie hier, die sich wirklich auskennen. Auch kontrovers.

    bücher sind schall und rauch

    Fürs Bücherlesen werde ich mich nicht rechtfertigen. Ich gebe jedem seriös veröffentlichen Buch eine Chance, um selbst herauszufinden, ob es was taugt oder nicht. Das Buch, aus dem ich zitiert habe, habe ich allerdings nach einem Drittel wegen anhaltendem Geschwafels abgebrochen. Nur diese beiden 'Erkenntnisse' sind bei mir hängengeblieben und haben mich bewogen, über meine eigene Geschichte nachzudenken:

    - Trinkpausen setzen die Craving-Spirale erst in Gang

    - zu jeder lebenslangen Abstinenz gehört eine zurückliegende Geschichte mit Rückfällen.

    Nach euren Beiträgen kann ich davon ausgehen, dass man dies so pauschal nicht stehenlassen kann. Keiner von euch hatte offenbar vor dem Beschluss, lebenslang abstinent zu leben, eine Episode, die er ernsthaft als 'Rückfall' bezeichnet. Und keiner hat darauf reagiert, ob nach einer Trinkpause der Saufdruck stärker war als vorher oder nicht.

    Auf mich trifft das aber zu - das muss nicht weiter diskutiert werden, wenn ich da ein Einzelfall bin. Ich weiß nur, dass es in meiner Vergangenheit echte Trinkpausen gab - dry January oder Fastenzeit zB (Ich habe das bereits in dem allerersten Beitrag in diesem Thread geschrieben). Aber es gab auch die alkoholfreien Phasen, denen ich erst im Nachhinein das Etikett "Trinkpause" gegeben habe, weil ich mir nicht eingestehen wollte, dass es schiefgelaufen war. Ich war da nicht so ehrlich zu mir wie etwa Nayouk24 oder Lebenskuenstler

    Wenn ich das Beenden einer Trinkpause als Rückfall bezeichne, was es aus meiner Sicht nicht ist, dann hatte ich unzählige Rückfälle.
    Es war jedesmal der Wille da, aber nie mit der notwendigen Einsicht.

    Ich werde der Thematik eines Rückfalls nicht gerecht, wenn ich ihn in einen Topf mit gescheiterten Trinkpausen werfe.

    Das Wort Pause verwende ich nur, wenn klar ist, dass es danach weitergeht.

    Jeder Rückfall vor der Forumszeit hat mein Bewusstsein dafür deutlich geschärft, dass ich ein erhebliches Problem habe, und jeder Rückfall hat mich kranker gemacht. Ich bin mir für mich nicht sicher, ob ich diesen friedlichen, von Bausteinen untermauerten Zustand, den ich jetzt erlebe, 'aus dem Stand heraus' erreicht hätte. Ich musste mehrmals auf die Nase fallen, um innerlich kapitulieren zu können und jede Hilfe anzunehmen, um niemals mehr wieder Alkohol zu trinken.

    Ich habe schon mehrfach, auch in diesem Forum, davon gelesen, dass dieser Spruch 'Rückfälle gehören dazu' offenbar in der Therapie Anwendung findet, und natürlich lese ich hier auch in den Threads der neueren User, die kommen und gehen, dass die meisten viele Versuche hatten, bevor sie sich hier angemeldet haben. Ich finde es auch brandgefährlich, jemanden, der gerade aus tiefster Überzeugung und Notwendigkeit seine lebenslange Abstinenz begonnen hat, mit dieser Aussage zu empfangen. Aber im Rückblick muss ich feststellen: trifft auf mich zu.

    Liebe Grüße

    Mattie