Hallo zusammen,
hier ist ja was los 
Ich melde mich zurück, war eine gute Woche sehr weit weg von der Tastatur, raus aus der Empty-Nest-Melancholie, rein in die Sonne. In die Lichttherapie, sozusagen.
Alkoholfreier Urlaub ist nicht wirklich etwas grundlegend Neues für mich: Ich kenne ihn noch aus den über zehn alkoholfreien Jahren, die wir mit dem Kind verreist sind. Das ist nun schon ein paar Jahre her. Aber damals lag der Fokus nicht auf mir, sondern auf dem Wohlergehen des Kindes. Damals habe ich mir längst nicht so viele Gedanken gemacht wie heute, da ich ja, nur für mich selbst verantwortlich, unkontrolliert in mich hineinschütten könnte.
Ich werde jetzt hier nicht ins Schwärmen geraten, erzähle euch nur, bei welchen Gelegenheiten mir in diesem Urlaub der Alk in den Sinn kam (wie für ein Alkoholiker-Forum angemessen), und Spoiler: Er war kein überwältigendes Thema, aber Momente gab es.
Wir haben uns etwas wirklich Phänomenales gegönnt: Das Geld, das wir in anderen Jahren an der Poolbar ausgegeben hätten, haben wir investiert in ein Upgrade und ein Zimmer mit Blick über den Atlantik. Was für ein umwerfendes Gefühl, am Vormittag mit dem Kaffeebecher in der Hand hellwach und klar auf den Balkon zu treten. Da kann das Suchtgedächtnis aus dem Verstand heraus spinksen und herumnölen, es hätte doch viel bessere Alternativen anzubieten. Nein, hast du nicht, und nicht nur das: Du bist zu toppen!
Die Ausgaben, die wir beim Abendessen und in der Bar gespart haben, weil uns eine Flasche Wasser gereicht hat, statt wie üblich reichlich Wein, Bier und Mojitos zu bechern, sind ohne weitere Umstände in Wellness & Massage geflossen. Was für ein Gewinn.
Ich erinnere mich noch daran, wie ich früher mal dachte: Wie soll ein Urlaub schön sein, wenn man nicht das Bier an der Strandbar trinkt oder den Wein beim Essen? Wenn man nicht den Cocktail im Sonnenuntergang postet? Der Gedanke war so dermaßen fest, dass alle anderen Visionen oder Vorschläge („Trink doch einen schönen Tee“) für mich absolut lächerlich klangen. Heute weiß ich (und nicht erst seit diesem Urlaub), sich zu erholen und die Zeit zu genießen bedeutet etwas grundlegend anderes, als sich ab Sektfrühstück volllaufen zu lassen.
Ich hatte mich vorab bei der Buchung versucht, darüber zu informieren, ob es in diesem Hotel Minibars gibt (lieber Gruß an Alex_aufdemweg ), und ich habe nicht den geringsten Hinweis darauf gefunden. Gut so, dachte ich. Dann die Überraschung: Es gab doch eine! Ich habe mich geweigert, das Zimmer zu betreten, bis nicht nur sämtlicher Alk, sondern auch die dazugehörenden Wein- und Sektgläser sowie der Eiskübel entfernt worden waren und das Zimmer mit Cola, Fanta, Wasser und Saftgläsern clean war. Ansonsten gab es einen Wasserkocher mit hinreichend Kaffeetütchen und Teebeuteln (hatte ich auch noch von daheim mitgebracht), was ich generell für eine feine Sache halte und was wir auch ausgiebig genutzt haben.
Auf dem Hinflug, frühmorgens, habe ich mich mit Schaudern daran erinnert, dass ich mir früher um diese Zeit im Flieger gleich mal das erste Bier bestellt hätte. Ist doch Urlaub, macht doch jeder, hoch die Tassen! Diesmal habe ich mich genauer umgesehen, und nein, es macht kaum einer, jedenfalls nicht die Paare, die um diese Zeit auf die Kanaren reisen. Nur einen hab ich gesehen, der hatte eine von diesen kleinen Flaschen Weißwein neben seinem Schinkenbrötchen. Armer Tropf, hab ich gedacht.
Vor unserem Hotel gab es einen ‚Scheideweg‘: Nach links ging es zur Strandpromenade mit all den Kneipen und Bars, in denen die Leute mit ihren Bierhumpen und Sundownern herumlungerten. Nach rechts ging es zum kilometerlangen Strand und zu den Dünen. Keine Frage, dass wir auf dem rechten Weg geblieben sind 
Es ist so bereichernd und wohltuend, die eigenen Sinne deutlich wahrzunehmen: den körnigen, kalten Sand unter den Füßen, die schäumenden Wellen an den Knöcheln, den Wind in den Haaren, das Rauschen und Sandsingen im Ohr, die schnell ziehenden Wolken am Horizont, das Gesicht in der wärmenden Sonne. Und als dann nach langem Marsch doch eine Strandbar mit ein paar Plastikstühlen davor aufgetaucht ist, haben wir uns angesehen und der eine hat gesagt: ‚Da hätten wir jetzt ein Bier getrunken‘, und die andere hat geantwortet: ‚Und es wäre nicht unser erstes gewesen.“ Und zufrieden, uns unserer Nüchternheit aufs angenehmste bewusst, sind wir dann weiter marschiert, und ich habe mich auf das abendliche Buffet gefreut und auf die süßen kleinen Köstlichkeiten, die man sich zum Dessert auf den Teller häufen kann. Oder auf die ausgiebigen Runden im beheizten Pool.
Ein Urlaub, der mich von Grund auf mit Licht und Wärme durchflutet hat. Und ich bin nur für mich selbst, für niemand anderen nüchtern geblieben. Ich hoffe, ich trage dieses Wohlbefinden auf meinem abstinenten Weg noch lange in mir. In diesen Tagen bin ich knapp vier Monate nüchtern. Es geht immer weiter 
Ich habe in der Zeit immer mal wieder hier mitgelesen. Wie sollte es auch anders gehen – das Forum hat sich wie ein Krake in meinen Gehirnwindungen festgekrallt und hilft mir, mein Bewusstsein für die überall lauernde Gefahr sehr wach zu halten. Ich grüße von Herzen alle Neuen und wünschte euch allerbestes Gelingen auf eurem Weg. Und ein Extra-Gruß geht an R/no Immer schön, dich zu lesen. Für mich gehörst du zur Seele des Forums.
Allen weiterhin eine entspannte Vorweihnachtszeit. Man liest sich.
Liebe Grüße
Mattie