Hallo zusammen,
danke noch einmal für eure Antworten, ich will mir nun die Zeit nehmen, darauf einzugehen.
Ganz vorneweg: Es gibt ein Missverständnis. Ich hatte nicht die mindeste Absicht, mit euch über das zu diskutieren, was möglicherweise noch auf jemanden zukommen könnte! Mir ging es um die zurückliegende Geschichte bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir alle in diesem Forum erklärt haben, dass wir Alkoholiker sind und eine lebenslange Abstinenz anstreben. Es tut mir leid (hier insbesondere an *Rina* Perdita Stromer ), wenn ich mich da möglicherweise missverständlich ausgedrückt habe. Mir ist sehr bewusst, dass ein Rückfall tödlich enden kann, und ich hoffe sehr, dass mein Eingangspost nicht als 'Kleinreden' rüberkam. Das war ganz bestimmt nicht meine Absicht.
Ansonsten ist mir schleierhaft, wie man bei den im Eingangspost zitierten Passagen den Eindruck bekommen kann, es handele sich um irgendeine Form von Ratschlag, an den man sich als Alkoholiker halten solle. Ich habe mir meine Zeilen unter dem Gesichtspunkt noch einmal angeschaut und sehe weiterhin nur: den Versuch einer Analyse, wie sich Sucht entwickeln kann. Das mag man nicht zielführend und unerheblich finden, aber es ändert nichts daran, dass es mich interessiert. Meine Diskussionsfreudigkeit hat unter meiner Abstinenz nicht gelitten, im Gegenteil. Ich mag mich nüchtern viel lieber austauschen, und dies vor allem mit Menschen wie hier, die sich wirklich auskennen. Auch kontrovers.
bücher sind schall und rauch
Fürs Bücherlesen werde ich mich nicht rechtfertigen. Ich gebe jedem seriös veröffentlichen Buch eine Chance, um selbst herauszufinden, ob es was taugt oder nicht. Das Buch, aus dem ich zitiert habe, habe ich allerdings nach einem Drittel wegen anhaltendem Geschwafels abgebrochen. Nur diese beiden 'Erkenntnisse' sind bei mir hängengeblieben und haben mich bewogen, über meine eigene Geschichte nachzudenken:
- Trinkpausen setzen die Craving-Spirale erst in Gang
- zu jeder lebenslangen Abstinenz gehört eine zurückliegende Geschichte mit Rückfällen.
Nach euren Beiträgen kann ich davon ausgehen, dass man dies so pauschal nicht stehenlassen kann. Keiner von euch hatte offenbar vor dem Beschluss, lebenslang abstinent zu leben, eine Episode, die er ernsthaft als 'Rückfall' bezeichnet. Und keiner hat darauf reagiert, ob nach einer Trinkpause der Saufdruck stärker war als vorher oder nicht.
Auf mich trifft das aber zu - das muss nicht weiter diskutiert werden, wenn ich da ein Einzelfall bin. Ich weiß nur, dass es in meiner Vergangenheit echte Trinkpausen gab - dry January oder Fastenzeit zB (Ich habe das bereits in dem allerersten Beitrag in diesem Thread geschrieben). Aber es gab auch die alkoholfreien Phasen, denen ich erst im Nachhinein das Etikett "Trinkpause" gegeben habe, weil ich mir nicht eingestehen wollte, dass es schiefgelaufen war. Ich war da nicht so ehrlich zu mir wie etwa Nayouk24 oder Lebenskuenstler
Wenn ich das Beenden einer Trinkpause als Rückfall bezeichne, was es aus meiner Sicht nicht ist, dann hatte ich unzählige Rückfälle.
Es war jedesmal der Wille da, aber nie mit der notwendigen Einsicht.
Ich werde der Thematik eines Rückfalls nicht gerecht, wenn ich ihn in einen Topf mit gescheiterten Trinkpausen werfe.
Das Wort Pause verwende ich nur, wenn klar ist, dass es danach weitergeht.
Jeder Rückfall vor der Forumszeit hat mein Bewusstsein dafür deutlich geschärft, dass ich ein erhebliches Problem habe, und jeder Rückfall hat mich kranker gemacht. Ich bin mir für mich nicht sicher, ob ich diesen friedlichen, von Bausteinen untermauerten Zustand, den ich jetzt erlebe, 'aus dem Stand heraus' erreicht hätte. Ich musste mehrmals auf die Nase fallen, um innerlich kapitulieren zu können und jede Hilfe anzunehmen, um niemals mehr wieder Alkohol zu trinken.
Ich habe schon mehrfach, auch in diesem Forum, davon gelesen, dass dieser Spruch 'Rückfälle gehören dazu' offenbar in der Therapie Anwendung findet, und natürlich lese ich hier auch in den Threads der neueren User, die kommen und gehen, dass die meisten viele Versuche hatten, bevor sie sich hier angemeldet haben. Ich finde es auch brandgefährlich, jemanden, der gerade aus tiefster Überzeugung und Notwendigkeit seine lebenslange Abstinenz begonnen hat, mit dieser Aussage zu empfangen. Aber im Rückblick muss ich feststellen: trifft auf mich zu.
Liebe Grüße
Mattie