Lebensmut74 - Leben ich bin wieder da

  • Ich hätte Angst, dass mir der Stoff dann nicht reicht und ich zum echten Bier greifen möchte.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass irgendwelche alkoholfreien Ersatzprodukte meinem Suchthirn nicht reichen werden. Denn es will den Rausch, das Glücksversprechen der Droge. Genauso bin ich mir sicher, dass solche Produkte mein Suchthirn triggern. Vielleicht nicht gleich, aber steter Tropfen höhlt den Stein.

    Ich gehe auch nicht auf einen Weihnachtsmarkt. Weil ich dort eben getriggert werden könnte und dann stehe ich nur eine Handbreite entfernt von Alkohol. Und dieses Risiko bin ich dann freiwillig eingegangen. Fehler.

    Es gibt zwei Dinge, die mich bei den Diskussionen über das Eingehen von Risiken echt befremden.

    Erstens, das Risiko, welches ich vermeide, ist immer ein Rückfall. Das ist das, was ich um jeden Preis vermeiden will. Und deshalb diskutiere ich nicht mit mir, ob oder wie ich vielleicht doch ein Risiko eingehen könnte, weil ich damit rechne, dass der Preis, den ich bezahle, ein Rückfall ist. Und den kann und will ich mir nicht leisten.

    Das Zweite, was mich befremdet ist, dass ich mich ja schließlich nicht einschließen kann als Begründung für das Eingehen von "Risiken". Ich bin jetzt fast ein Jahr abstinent und habe mich nicht eingeschlossen. Aber ich habe konsequente Risikovermeidung betrieben. Alles wo ich mich geistig, seelisch oder körperlich auf Armlänge Alkohol nähere habe ich vermieden. Kling anstrengend? War es nicht. Klingt nach Verzicht? War es nicht. Ich lebe ein ganz normales Leben. Ich treffe mich mit Freund*innen. Gehe arbeiten. Nur die Vereinbarung ist, dass niemand in meiner Gegenwart trinkt. Und ich treffe mich auch nicht an Orten, an denen denen der Alkoholkonsum in Vordergrund steht oder an denen ich selbst schon einmal getrunken habe.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Tag 147

    Erschreckend wie schnell die Zeit vergeht. Mir geht es sehr gut auch wenn es zum Jahresende beruflich sehr stressig zugeht. Weihnachten werde ich sehr entspannt mit meinem Mann verbringen. Kein Fest welches wir ausrichten und wir gehen auch nirgends hin. Morgen allerdings bin ich zu einem Geburtstag eingeladen und sehe meine Familie nach langer Zeit wieder. Ich bin ein bisschen gespannt wie sie reagieren. Meine Eltern wissen ja Bescheid aber nicht alle in der Familie. Ich werde die Gelegenheit nutzen ihnen zu erzählen was los ist. Ich bin auch ein bisschen gespannt wie sie auf mein verändertes ich reagieren. Ohne anzugeben aber ich finde mich so toll :) Frisch und wach im Gesicht, keine roten Flecken mehr, 26 kg weniger Körpergewicht. Fit wie Turnschuh, mental stark, ach ich könnte grad so weiter machen............

    Nach dem Weihnachtsmarktbesuch habe ich natürlich etwas bammel, denn eine trockene Feier wird es nicht sein. Mein Notfallköfferchen ist aber gepackt und meine Strategie auch. Meine Eltern richten das Fest aus und es wird vor 18 Uhr keinen Alkohol geben, das haben wir besprochen. Das heißt für mich um 16 Uhr zum Kaffee und dann schauen ob ich vor 18 Uhr abhaue.

    Euch allen einen schönen 4.Advent

    eure Lebensmut74

  • Rennschnecke doch hab ich :)

    Mein Weihnachtsmarktbesuch - schreckliches Erlebnis X(

    Die kleine rebellische Lebensmut musste ja ,allen Regeln zum Trotz, am Freitag auf den Weihnachtsmarkt. Ich habe mich wirklich gefreut auf die weihnachtliche Stimmung.

    Kaum angekommen, waren mir die vielen Leute schon zuviel. Als ich dann den Glühwein roch, flippte mein Hirn komplett aus. Wenn ihr meinen Faden kennt, wisst ihr mein Mann ist auch Alkoholiker, aber nass, und er trinkt Bier und Schnaps. Das macht mir wirklich gar nichts aus aber der Glühwein, meine Güte. Wir haben den Markt fluchtartig verlassen und sind ins Thermalbad um die Ecke.

    Seit Freitag geht mir die Situation nicht mehr aus dem Kopf. Fazit: ich habe heute die Silvesterfeier, welche bei uns stattgefunden hätte, ersatzlos gecancelt. Dort hätten die eingeladenen weiblichen Gäste sicher nicht Bier, sondern Wein getrunken. Und ich habe festgestellt, dass ich einfach noch nicht soweit bin.

  • Ohne anzugeben aber ich finde mich so toll :) Frisch und wach im Gesicht, keine roten Flecken mehr, 26 kg weniger Körpergewicht. Fit wie Turnschuh, mental stark, ach ich könnte grad so weiter machen............

    Das ist sooo toll, liebe Lebensmut! Ich freue mich mit dir - und 26 Kilo! O my god. Das ist ja der Wahnsinn. Hut ab, dass du das neben deiner Abstinenz auch noch hinbekommen hast. Mir wäre das auf jeden Fall zu anstrengend gewesen. Ich habe bislang vier Kilo abgenommen, aber dies nur, weil die Alk-Kalorien fehlten, ohne Ernährungsumstellung. Aber in den Spiegel schaue ich heute auch lieber als noch vor fünf Monaten. Und ich gefalle mir auf den meisten Fotos. Früher hatte ich 99% Ausschuss ;)

    Ich wünsche dir bei deiner Begegnung mit der Familie einen Sack voller Komplimente! Da sollen die alle mal gucken :)

    Liebe Grüße

    Mattie

  • Ohne anzugeben aber ich finde mich so toll :) Frisch und wach im Gesicht, keine roten Flecken mehr, 26 kg weniger Körpergewicht. Fit wie Turnschuh, mental stark, ach ich könnte grad so weiter machen............

    Herzlichen Glückwunsch! Du hast allen Grund zum Angeben! 26 Kilo sind ja eine ordentliche Hausnummer.

  • Hallo liebe Lebensmut,

    ich hoffe, du hattest eine schöne Weihnachtswoche.

    Am Sonntag schriebst du dies:

    […] habe ich natürlich etwas bammel, denn eine trockene Feier wird es nicht sein. Mein Notfallköfferchen ist aber gepackt und meine Strategie auch. Meine Eltern richten das Fest aus und es wird vor 18 Uhr keinen Alkohol geben, das haben wir besprochen. Das heißt für mich um 16 Uhr zum Kaffee und dann schauen ob ich vor 18 Uhr abhaue.


    Magst du davon schreiben, wie es dir ergangen ist?
    Auf der Geburtstagsfeier, und überhaupt diese Woche?

    (Ich stelle mir das so schwierig vor, mit trinkendem Partner. Aber dazu vielleicht an anderer Stelle mehr.)

    Viele Grüße

    Thalia

  • Hallo Thalia,

    schön, dass du frägst. Die Feier war wirklich schön aber anders als ich sie mir vorgestellt habe. Ich bin um 18:30 Uhr gegangen und direkt in meine SHG. Das hat mir gut getan.

    Meine Erwartung war, dass alle sehen wie gut ich aussehe und wie ich mich verändert habe aber es war irgendwie unterkühlt. Ich war enttäuschat aber meine SHG meinte, dass die Leute sicher auch unsicher waren, wie sie mit mir umgehen sollen. Es ragte wie ein stilles Geheimnis in der Luft: Lebensmut ist trocken. Zugegebenerweise war ich früher immer der Mittelpunkt und eine Stimmungskanone, da muss man sich sicher erst an mein neues ich gewöhnen :)

    Weihnachten haben wir gar nicht gefeiert. Das erste Mal in meinem Leben. Fühlt sich seltsam aber auch irgendwie befreit an. Wir werden im neuen Jahr mit allen 5 Kindern essen gehen.

    LG Lebensmut

  • Meine Erwartung war, dass alle sehen wie gut ich aussehe und wie ich mich verändert habe aber es war irgendwie unterkühlt.

    Das sind Erfahrungen, die ich auch machte. Da ist man euphorisch und weiß, dass für einen selbst alles super ist. Für die anderen ist es das eben nicht. Du bist nicht mehr so kompatibel mit nassen Feierlichkeiten. Ich kann da über viele Witze nicht mehr lachen und ziehe mich in meine Gedankenwelt zurück, bzw meide Feiern in diesen Rahmen komplett. "Hoffentlich" hat Dir auch jemand gesagt,dass Du komisch bist. Du kannst es hier in vielen Erzählungen wiederfinden. Nasse Feier, nasses Denken, da bin ich nicht kompatibel und ich muss es mir auch nicht geben.

    Ich persönlich habe auch realisiert, dass ich mir für Anerkennungen, so super die auch sind, einen alten Fliegenpups kaufen kann.

    Sehe es vielleicht aus dieser Perspektive und das nächste Weihnachten kommt ganz sicher. Dieses Mal einfach anders geplant, aber auf jeden Fall immer noch glücklich abstinent. 👌

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Vielleicht ergänzend noch. Ich erwarte von Niemanden sich mir anzupassen. Hätte ich auch als Trinker niemals getan. Ich kann nur für mich entsprechende Entscheidungen treffen. Zusammenkünfte/Feiern einfach meiden. Weil ich mich auch niemandem in Bezug auf meine Abstinenz anpasse. Ich erwarte kein Verständnis mehr für mich und habe selbst keins für andere. Mein Ding, mein Weg, meine Gesundheit, mein Leben.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Nasse Feier, nasses Denken, da bin ich nicht kompatibel

    Die Feier war nicht nass. Meine Eltern haben bis 18 Uhr keinen Alkohol ausgeschenkt. So war die Abmachung. Ich nehme an meine Eltern haben meinen Geschwistern und den Gästen im Vorfeld erzählt, dass es wegen mir vor 18 Uhr keinen ALK geben wird. Mit Sicherheit erklärt das die "Bombenstimmung" mir gegenüber. Ich werde die Gelegenheit nutzen und einzeln mit jedem darüber sprechen. Aber erst im neuen Jahr.

  • Mit Sicherheit erklärt das die "Bombenstimmung" mir gegenüber. Ich werde die Gelegenheit nutzen und einzeln mit jedem darüber sprechen.

    Ich mag ja gar nicht klugscheißen. Du beantwortest die Problematik selbst. Keine nasse Veranstaltung, mit Bombenstimmung wegen Dir.🤔 Wegen Deiner Abstinenz. Fazit für mich: Es wurde nichts getrunken und Du bist daran Schuld. Also nasser kann eine Veranstaltung ohne Alkohol nicht sein.

    Keine Ahnung was Du da besprechen willst. Hat doch jeder gemerkt, dass Du trocken bist. Was willst Du Dich auf diesen Schauplätzen aufreiben. Wer Dich mag, wird den Kontakt suchen.

    Ich habe die Erfahrung schnell gemacht. Verständnis auf Feiern, die schon immer nass waren und jetzt verordnet trocken sein müssen, werde ich nicht finden. Ich hätte auch kein Verständnis gehabt, zur Weihnachtsfeier der Familie mit Cola zu sitzen, wegen einer einzigen Person. Niemand wird wegen mir weniger trinken. Ich mag das auch überhaupt nicht darüber nachdenken, wieviel meiner Bekannten das erste Glas nicht stehen lassen können. Was sollen sie verstehen. Sie haben doch alles unter Kontrolle und ich eben nicht. Die Entscheidungen liegen bei mir, nicht bei anderen. Ich gehe zur Feier und komme mit dem nassen Umfeld klar oder ich bleibe weg. Es gibt für mich da nur Schwarz oder Weiß.

    Das klingt jetzt vielleicht aufgrund meiner kurzen Abstinenz etwas überheblich. Soll es nicht sein. Ich habe täglich mit vielen nassen Menschen zu tun. Entweder ich komme damit klar oder ich verlasse die Situation. Kein Gast wird nichts trinken, nur weil ich abstinent leben möchte. Ob Familie oder Fremde.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Ich bin am Anfang nirgends hingegangen, wo ich mich nicht wohlgefühlt hätte und was mir nicht gutgetan hätte. In dieser Zeit habe ich in Langzeitterapie, Selbsthilfegruppen und Einzelgespräche mit Therapeuten gelernt, mit solchen Situationen umzugehen.

    Heute weiss ich dadurch ganz genau, wo ich hingehe und was ich lasse.

    Wegen mir muss niemand auf Alkohol verzichten. Menschen die wissen, daß ich Alkoholiker bin, versuche ich zu erklären, das sie keine Rücksicht auf mich nehmen müssen. Ich bin selber für mich verantwortlich, nicht sie.

    Das solltest auch Du mit der Zeit lernen. Das sollte für Dich wichtig sein mit solchen Situationen umzugehen. Dann kannst Du auch solche Situationen ganz entspannt genießen weil Du selber ganz genau weisst, was Du zu tun hast. Die andern müssen das nicht, das musst nur Du alleine wissen.

  • Ich nehme an meine Eltern haben meinen Geschwistern und den Gästen im Vorfeld erzählt, dass es wegen mir vor 18 Uhr keinen ALK geben wird. Mit Sicherheit erklärt das die "Bombenstimmung" mir gegenüber. I

    Bei mir das selbe. Wenn ich da bin gibts nichts zu Saufen. Wenn ich nicht da bin schon. Komisches Gefühl- wegen ihm gibts nix, der nervt. Pech

    Heute trinke ich nicht

  • Komisches Gefühl- wegen ihm gibts nix, der nervt. Pech

    Ich weiß nicht, ob mir das Recht wäre. Bleibt immer das Gefühl, hoffentlich geht der bald.

    Sicher ist das rücksichtsvoll gedacht. Keine Ahnung, darüber bin ich zweigeteilt. Auf jeden Fall würde ich das nicht erwarten.

    Wenn ich selbst einlade, dann ist die Ausgangslage eine komplett andere.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

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