Beiträge von Chapa

    Lieben Dank für deine ausführliche Antworten :). So ein Austausch hilft mir sehr. Das heißt ein Leben lang auf der Hut sein.

    In der nassen Zeit lief es bei mir immer gleich. Weihnachtsmarkt, Abschluss-Glühwein natürlich nicht nur einer. Das war fest ins Saufhirn eingebrannt, ein Ritual . Heute, wo ich trocken bin, schleicht sich genau dieses alte Programm wieder an und flüstert: „Da fehlt doch was.“

    Und das passiert nicht immer sofort. Manchmal kommt es zeitversetzt, Tage später, wie eine Erinnerung: „Du hast auf dem Weihnachtsmarkt etwas vergessen zu trinken.“ Da ich aber nichts mehr trinke, kann sich diese Erinnerung als Suchtdruck bemerkbar machen.

    Ach jetzt verstehe ich das. Ich habe mich schon oft gefragt wo der plötzliche Suchtdruck herkommt. Jetzt verstehe ich wieso im ersten Jahr die Veranstaltungen gemieden werden sollen. Angenommen man hat es ein Jahr gemieden, das Suchthirn erinnert sich dann doch trotzdem bei so ner Veranstaltung oder?

    Weißt du, dass Suchtdruck oder alte Erlebnisse aus der nassen Zeit nachwirken können? Zum Beispiel auch Besuche bei Veranstaltungen, auf denen man früher getrunken hat? Manchmal taucht das nicht am selben Tag auf, sondern erst später, einfach weil ein altes Muster nicht wie früher abgeschlossen werden konnte.

    Dann meldet sich dieser alte Automatismus. Früher hätte ich getrunken, jetzt verzichte ich. Genau dieser Bruch kann Wirkung zeigen – Saufdruck, Gedanken an Alkohol, die dann nicht sofort einordnen lassen.

    Ich selbst halte gar nichts von Konfrontationstherapie oder davon, mir Strategien auszumalen, wie ich mich in einem „nassen Umfeld“ verhalten könnte. Damit setze ich mir gedanklich wieder etwas in den Kopf, das schon in der nassen Zeit nicht funktioniert hat. Ich kann nie vorher wissen, in welchem emotionalen Zustand ich bin oder wie ich reagiere, wenn etwas Unerwartetes passiert.

    Und ja wenn wir empfehlen dass man ein Jahr lang bewusst auf solche Situationen verzichtet, hat seinen Grund.

    Es macht einen Unterschied, ob ich bewusst auf den Alkohol zugehe oder ob er mir unbemerkt begegnet. Das eine suche ich, das andere geschieht einfach. ;) Genau deshalb habe ich mir in der Anfangszeit alles, was vermeidbar war, vom Leib gehalten.

    Hallo Hartmut,

    danke für deine Zeilen. Ja, wir wissen wahrscheinlich nie wie wir in gewissen Situationen reagieren, weil keiner in die Zukunft schauen kann.

    Wie meinst du das genau mit dem Muster, dass nicht abgeschlossen werden konnte von früher und das nachwirken kann? Weil ich habe täglich immer mal wieder Gedanken an das Trinken in gewissen Situationen. Ein paar konnte ich lösen woher es kam.

    Lg Chapa

    Neue Erfahrungen ohne Alkohol.

    Ich hätte nie gedacht, dass ich über den Weihnachtsmarkt laufen kann, glücklich und zufrieden bin der Situation bin. Bevor ich das gestern gemacht habe, war ich vorbereitet über mehrere Tage. Klar war, sollte ich an diesem Tag Unwohlsein verspüren oder den Drang haben zu trinken, gehe ich nicht. Ich hatte ein klares Bild und Ziel im Kopf. Den Weihnachtsmarkt verlasse ich nüchtern und mein Standartsatz ist: Heute nicht. Ja was soll ich sagen, ich bin überrascht. Ich habe mich auf das Essen und die Beleuchtung gefreut und das Highlight war, das ich an einem Stand einen leckeren hausgemachten Punsch bekommen habe und das auch noch in einer ganz anderen Tasse als der Glühwein. Zudem gab es an diesem Stand keinen Alkohol wie sich herausstellte. Ich hatte nämlich zweimal erwähnt, bitte ohne Alkohol und so kam ich mit dem Besitzer ins Gespräch, der mir dann erstaunt sagte, er verkauft keinen Alkohol und wir seien bisher die Einzigen die bei ihm den Punsch ohne Alkohol wollten. Der Punsch war wirklich lecker, aus einer Mischung von Orange, Zitrone, Ingwer und Minze. Ich hatte nicht das Gefühl von Verzicht, eher ein Gewinn. Jedenfalls ist das eine neue Erfahrung für mich. Und nicht zu vergessen, Kohle wurde dadurch auch weniger ausgegeben :). Glücklich und zufrieden sind wir dann nach Hause gefahren.

    Hab das Gefühl, je öfter man solche Situationen bewusst erlebt und sich dann auch Gewahr wird, dass da gerade im Kopf gesabbelt wird, desto einfacher kann man das unterbinden.

    Hallo Boss,

    ja auf jeden Fall. Und ich denke, bei jeder neuen Erfahrung nimmt man das Suchthirn mit.

    Lg Chapa

    Du hast erkannt, wer dich da manipulieren will, die Sucht in Form deines Suchthirns, und selbst danach hat es nicht locker gelassen und wollte dich weich kochen.
    Du hast eine wertvolle Erfahrung gemacht und diese kann dich weiter stabilisieren.
    Gerade am Anfang ist die Gefahr gross. Mit der Zeit habe ich gelernt, den Unterschied zu erkennen. Das war ein wichtiger Schritt für mich.
    Das Suchthirn hat viele Gesichter, eines kennst du jetzt. Sei auf der Hut, denn das Suchthirn sammelt auch Erfahrungen, Erfahrungen mit dir.

    Hallo Nayouk24,

    so gesehen ist es wertvoll wie du schreibst. Mir kamen nach meinem Post von vorher ein paar Gedanken dazu. Mein Suchthirn wollte es mir gestern schmackhaft machen und ich habe mit ihm bis abends herum diskutiert. Wie mit einem kleinem Kind und jeder weiß, dass Diskussionen nichts bringen, sondern Entscheidung und Punkt. Das kann ich für mich jetzt mitnehmen aus der Situation. Es geht um Leben und Tod und da gibt es nix mehr zu diskutieren.

    Mir ist das gestern tatsächlich nicht in den Kopf gekommen und quäle mich Stunden mit Diskussionen ^^. Danke für das Lesen.

    Guten Morgen, wenn man es so nennen kann. Ich bin spät aufgestanden.

    Mir geht es soweit gut. Hatte vor einer Woche eine ziemlich brenzlige Situation. Wir waren wandern, weit und breit kein Mensch und keine Gastro, nichts. Aber was begnetet uns, ein Holzhäuschen mit Selbstbedienung und ratet mal mit was das gefüllt war? Mit etlichen Flaschen Bier vom Feinsten. Auf einem Berg mit himmlischer Aussicht und Sitzgelegenheit, idyllisch. Für mich war klar, nein. Erst später habe ich realisiert was ich sonst früher gemacht hätte. Mit Sicherheit paar Flaschen getrunken, gleich noch Nachschub eingepackt und heim gefahren. Am Abend war ich natürlich froh und dankbar es nicht getan zu haben. Es hat mich auch nicht wirklich angelacht, meine Entscheidung ist felsenfest.

    Nur dann gestern, ein Post von einer Bekannten. Im Urlaub und schreibt, saufen mit den Dorfbewohnern. Ein recht harmloser Satz, vermeintlich. In meinem Kopf dann Bilder, wie gut die es jetzt haben und schön ausgemalt und bla bla bla. Das ging schleichend den ganzen Tag gestern so bei mir. Und gestern Abend kam so ein Saufdruck auf und ich war sauer nicht trinken zu dürfen. Ich habe mich dann unter Kontrolle bekommen bzw. mein Suchthirn. Ich bin natürlich heute Morgen froh, das ich nüchtern schlafen gegangen bin. Also das ist schon Wahnsinn mit der Sucht. Da ist echt Vorsicht geboten. Vor allem postet sie ja öfter Bilder mit Getränken auf dem Tisch, die hatten mich auch nicht angesprochen, jedoch dieser Post von gestern.

    Obwohl der klare Verstand weiß, ich trinke nichts und sich dessen Folgen bewusst ist, brennt die Sicherung manchmal durch. Hätte ich nicht gedacht.

    Bis dann, lg Chapa

    Hallo Bibi,

    oh ja, ich war während des Trinkens auch immer Superwoman. Alles auf einmal erledigt, naja jedenfalls dachte ich das zumindest :D. Überall gleichzeitig und doch nirgends.

    Lg Chapa

    So paar Gedanken....

    wie die Zeit vergeht, einige Wochen schon ohne Alkohol. Die Wochenenden sind ganz anders und entspannt. Nicht desto trotz schleichen sich heimlich Gedanken ein. Die letzten Tagen wurde mir das bewusst. Bei uns ist momentan kaum Sonne und es ist früh dunkel, dementsprechend bin ich lustlos und müde (liegt bestimmt nicht nur am Wetter). Vorher hätte ich mir etwas eingeflößt um mich zu puschen, damit ich funktioniere und ich diese Müdigkeit nicht spüre. Ich darf wieder lernen, es so zu akzeptieren wie es ist, mich zu akzeptieren.

    Ich denke auch gerade an meine Hobbys und ich habe Einige. Leider hat der Tag nur 24 Stunden und ich kann nicht alles angehen, obwohl ich es gerne würde. Wenn ich meinen Dingen nachgehe, fühle ich mich schlecht weil zu Hause dann wieder viel liegen bleibt. Kümmere ich mich um zu Hause, dann fühle ich mich schlecht, weil ich meinen Hobbys nicht nachgehe. Darin habe ich noch kein gesundes Maß für mich gefunden. Dadurch bin ich jetzt Dauermüde, vom Denken was ich jetzt machen soll^^. Muss jetzt gerade über mich selbst lachen. Am liebsten würde ich alles auf einmal machen, rund um die Uhr. Ich habe die Befürchtung, das ich bei allem was ich tue, total die Zeit im Auge habe und ja, das stresst. Selbst am Wochenende wenn wir wandern gehen. Ich genieße das wirklich, gleichzeitig denke ich an Dinge, die ich noch machen will und rechne schon die Zeit aus ob es noch passt.

    Kurios ist, als ich getrunken habe, hat nichts von all dem funktioniert und da war es mir ja auch egal, hauptsache die Flasche ist da.

    Da ich heute um 19 Uhr schon geschlafen habe, bin ich natürlich jetzt wieder fit. Nicht desto trotz versuche ich jetzt wieder zu schlafen.

    LG Chapa

    Zu meiner Trinkzeit hatte ich auch jede Menge Kaffee getrunken. Auf der Arbeit haben wir eine richtig gute Kaffeemaschine die ganz leckeren Kaffee produziert. Den habe ich literweise getrunken.

    Seit ich trocken bin, habe ich auch keinen Kaffee mehr getrunken. Ich habe mir bewußt gar keine Gedanken darüber gemacht. Ich hatte so viel in meinem Leben verändert, ich habe angefangen Tee zu trinken und zwar so richtig leckeren Tee den man lose kauft, im Sieb aufgebrüht und dann braunen Kandis dazu oder Honig. So etwas zelebrieren ich richtig. :)

    :/ Irgendwie ist da der Kaffee aus meinem neuen Leben rausgeflogen.

    Hallo Stromer,

    das mit dem Tee finde ich richtig klasse. Für Abends habe ich mir auch richtig guten Tee gekauft, den ich genießen kann. Ein schönes Ritual :)

    War Zuckerabhängig. Auch eine Droge. Langsam runterdosiert. Jetzt alle 2 Wochen 1 mal naschen. 3Kg abgenommen ohne Sport. Hatte erste Tage Entzugserscheinungen. Erschöpft, gereizt, schlechte Laune.

    Hallo Abstinenzler, seit ich aufgehört habe zu trinken, giere ich manchmal regelrecht nach süßem Zeugs. Bewusst stopfe ich es mir nicht mehr rein. Diese Woche konnte ich allerdings dem Duplo Riegel nicht widerstehen und es war lecker :). Am Gewicht merke ich deutlich die Verbesserung. Der Wein hatte auch genug Zucker. Ich habe mal gelesen, eine Flasche Wein entspricht einer Tafel Schokolade...ne gute Alternative sind momentan Clementinen für mich.

    Lg Chapa

    Oh oh. Ohne Kaffee läuft bei mir morgens auch nichts. Zu Beginn meiner Abstinenz habe ich auf jeden Fall viel zu viel Kaffee getrunken. Da konnten es bis zu 7 Tassen über den Tag verteilt werden. Inzwischen sind es noch ca. 4 Tassen über den Tag. Aber den Kaffee komplett streichen geht nicht. Morgens muss der aus der Maschine und muss getrunken werden. Sucht?!

    Hallo Bibitor,

    also meinen Kaffee brauche ich morgens und ja, seit meiner Abstinenz ist mein Konsum auch gestiegen. Wird aber auch schon wieder weniger. Ich glaube auch an die Kaffesucht, als ich in der Toskana war, gab es morgens nur Cappuccino und den trinke ich nicht. Ich war so mies gelaunt und siehe da, nach einer Woche habe ich damals den Konsum nicht mehr benötigt. Dafür jetzt um so mehr^^. Ich sehe Kaffee jedoch nicht als schädigend. Da sehe ich bei zuviel Zucker anders.

    Einen schönen Tag und liebe Grüße Chapa

    Hi Chapa,

    ich erlebe das auch, dass sich die Beziehung verändert. Alkohol ist ein so entscheidender Faktor in Partnerschaften ... Wenn er wegfällt, steht man vor einer völlig neuen Situation. Bei uns ist es auch so, dass wir beide gleichzeitig abstinent geworden sind.

    Ich weiß, dass meine Partnerschaft es wert ist, sie bis an mein Lebensende zu leben, und deswegen warte ich nicht darauf, dass irgend etwas passiert, sondern ich bemühe mich aktiv darum, neue Gemeinsamkeiten zu finden. Das klappt mal mehr, mal weniger gut, manchmal sind wir beide auch zu müde oder zu träge für irgendwas, aber ich lasse da nicht locker. Ich mag das Wort eigentlich nicht, aber hier passt es für mich: Ohne 'Beziehungsarbeit', das Entwickeln von neuen Gewohnheiten zu zweit, laufen wir ins Leere, und das wäre jammerschade.

    Alles Liebe

    Mattie

    Hallo Mattie,

    danke für deine Nachricht. Das ist wohl wahr, es ist eine völlig neue Situation. Deine Einstellung finde ich gut. Neue Gewohnheiten haben wir auch schon integriert und das funktioniert wunderbar. Ich werde jedenfalls berichten :). Lg Chapa

    Hallo Chapa, bei mir ist es auch noch ähnlich, zwar nicht so wie bei dir. Aber unsere Beziehung ist auch noch im Wartungsmodus.

    Das braucht natürlich Zeit, ihr habt wahrscheinlich jahrelang nebeneinander hergelebt und das stärkste Bindeglied war halt der Alkohol, das kann auch wieder anderst werden, du musst geduldig sein. Meine Frau und ich haben uns auch in unseren wilden Zeiten kennengelernt damit hat das glaube ich nichts zu tun.

    :) das wird sich ja wahrscheinlich ändern, aber es gibt ja offensichtlich eher redebedarf bei euch, ich meine das ihr wieder zusammen finden müsst oder herausfinden müsst ob ihr noch zusammen passt.

    LG R/no

    Hallo R/no,

    danke für deine Nachricht. Das mit dem Sex vergleiche ich mit Dingen die ich vorher auch nur mit Alkohol gemacht habe und jetzt völlig neu sind ohne Alkohol. Gerade im kreativen Bereich lerne ich langsam wieder mit all den Gefühlen umzugehen bzw. sie da sein zu lassen. Es ist ja nicht so, dass ich es nüchtern nicht kenne, jedoch in dieser Partnerschaft seit 17 Jahren nie ohne, auch wenn es zu anfangs noch nicht viel war. Mir fehlt auch völlig das Bedürfnis momentan dazu. So etwas braucht denke ich auch Zeit. Wie du schon sagst, es ist redebedarf da.

    Lg Chapa

    Guten Morgen,

    ich habe lange nichts mehr geschrieben...ich weiß manchmal nicht was ich schreiben soll. So geht es mir auch in der SHG, da bin ich immer froh wenn ich da an ein Thema anknüpfen kann. Im Prinzip bin ich froh darüber, ich nehme meine Gedanken nicht mehr so ernst und analysiere. Somit hat auch meine Verurteilung mir Gegenüber aufgehört, gerade bei Gedanken an das Trinken. Die Gedanken, oh ich könnte etwas trinken...sie sind da, aber nicht mehr so intensiv, ich muss dem nicht mehr folgen. Meistens steckt bei mir ein Bedürfnis dahinter und ich frage mich dann, was würde mir jetzt gut tun?

    Zu Anfang hatte ich ja mal geschrieben, dass mein Partner nicht so einsichtig war, bezüglich seines Konsum. Das hat sich mittlerweile geändert. Er hat mit mir aufgehört und hat seit her nichts mehr konsumiert. Etwas anderes würde für mich auch nicht mehr funktionieren. Es ist ein wenig komisch, da wir jetzt nicht mehr so viel reden. Alkohol scheint wohl die einzige Verbundenheit gewesen zu sein. Jeder macht so sein Ding. Wir unternehmen auch zusammen etwas am Wochenende, alles sehr ruhig und ohne Drama. Naja mal schauen wie es sich entwickelt und ob wir uns wieder annähern können. Im Prinzip kennen wir uns ja nicht wirklich. Mit unserem Kennenlernen hat der Konsum angefangen. Sex ohne Alkohol undenkbar. Und nüchtern ist das gerade für mich nicht vorstellbar. Da benötige ich noch zeit. Vielleicht habe ich mir die Jahre auch etwas schön geredet.

    Jedenfalls bin ich happy, morgens nüchtern aufzuwachen. An manchen Tagen fühle ich morgens verkatert, als wenn ich getrunken hätte. Nach dem Kaffee geht es dann wieder.

    Danke für das Lesen und liebe Grüße

    Chapa

    Hallo zusammen,

    die letzten Tag wollte ich schreiben aber es ging nicht. So ein Chaos im Kopf und viel zu viel denken, musste mich erst mal wieder sortieren. Körperlich geht es mir gut. Mein Suchthirn besucht mich immer öfter und bisher habe ich es rechtzeitig gemerkt.

    Anfangs noch die Euphorie und jetzt umgeschlagen in wie warten auf etwas. Ja auf was warte ich...? Hochstimmung, Party, der Knall im Kopf, gute Laune. Ja es ist Freitag. Mein Suchthirn weiß das. Diese Ruhe und ein Alltag ohne Drama ist noch ungewöhnlich, es fühlt sich fast langweilig an, obwohl ich dankbar bin nicht mehr trinken zu müssen und klar im Kopf zu sein.

    Diese Woche wäre ich fast auf mein Suchthirn herein gefallen. Ich restauriere gerade ein Puppenhaus und während dessen kamen schöne Bilder von einem Glas Wein nebenbei ( wohlgemerkt ein Glas schmunzle). So weit so gut. Mir kam dann die Idee doch nochmal zum Obi zu fahren um den Belag für den Boden zu kaufen. Nur, dass ich ihn hätte eh noch nicht legen können. Ich bin dann doch nicht gefahren, da ich auch so unruhig war innerlich. Später fiel mir ein, das ich am Eingang vom Obi mal Wein gesehen hatte, der mir damals aber zu teuer war. Leider habe ich viele Dinge oft in Verbindung mit Alkohol gemacht und das spüre ich gerade sehr arg. Sei es Malen, basteln, Haushalt usw. Mein Hirn verlangt ständig nach einer Belohnung. Ich gehe dann viel raus zum spazieren oder mache Atemübungen. Das hilft um mich abzulenken. Im schlimmsten Fall starte ich ein Netflix Marathon. Auch hier im Forum zu lesen hilft.

    Mein Schlaf ist mittlerweile wieder ok, bis auf die Alkoholträume, jedoch hatte ich das auch mit den Zigaretten als ich vor Jahren aufgehört hatte. Was mich so dermaßen stört, überall sieht man nur die schönen Bilder von trinkenden Menschen, auch im Fernseher, sogar in Bücher wird es als schön beschrieben. In der Aldi-Werbung auf dem Prospekt, schön herausgeputzt mit Weihnachten in Verbindung gebracht. Also ich freue mich dieses Jahr an Weihnachten ohne Alkohol und Dramen und ein Spaziergang am ersten Weihnachtsfeiertag mit klarem Kopf.

    Mit den ganzen Gefühlen und Emotionen darf ich noch umgehen lernen, es wird aber besser.

    Danke fürs lesen und lg Chapa

    Diese Woche kann ich doch schon kleine Erfolge für mich abzeichnen. Kleine Ziele konnte ich umsetzen und es macht innerlich etwas mit mir. Allerdings kommt auch immer öfter mein Suchthirn und erzählt mir, dass ich das ja jetzt wohl feiern könnte. So aus dem Nichts heraus, kommt es um die Ecke.

    Am Freitag habe ich etwas im Atelier gesucht und dann fiel mir eine kleine leere Sektdose in die Hand. Ich hatte dort immer heimlich getrunken und leere Dosen sowie Flaschen in den Regalen versteckt. Das hat mich tatsächlich angetriggert und ich habe auch gleich geschaut ob diese noch gefüllt ist.

    Und dann ging mir die Frage nicht mehr aus dem Kopf, was wäre wohl gewesen wenn sie noch ungeöffnet gewesen wäre? Bin ich schon so stabil? Ich konnte es für mich nicht beantworten in diesem Moment.

    Freitags war immer ein Tag des Einläuten vom Wochenende und natürlich des Trinkens. Auch wenn ich unter der Woche konsumiert habe, Freitags war trotzdem etwas besonders, schließlich Wochenende und da hat man sich es ja verdient. Was habe ich mir da alles erzählt.

    Ich war dann Freitag noch beim Friseur und während dessen, kam immer wieder die Stimme, es wird bestimmt am Abend langweilig und so ganz ohne Alkohol? Dieses Mal ist es mir zum Glück bewusst. Ich habe natürlich den Abend mit schönen Dingen gefüllt.

    Gestern war ich wandern und danach habe ich mir eine schöne Maniküre gegönnt. Meine Schlafqualität hat sich noch mehr verbessert und ich fühle mich langsam wieder wohler im Körper.

    Was mir neu ist, ich träume davon, das ich wieder getrunken hätte und wache erschrocken auf. Das kam jetzt diese Woche mehrfach vor. Ich träume dann von harten Sachen wie Schnaps, obwohl ich das nie probiert hatte. Auf gute nächste 24 Stunden.

    Lg Chapa

    Ja, wegen des schlechten Gewissens und um zu zeigen, dass ich doch gut funktioniere.

    Als ich trocken wurde, wurde ich gleichzeitig immer schwieriger zu manipulieren. Tatsächlich bin ich mir sicher, dass gar nicht alle so begeistert waren. ;)

    Ich bin ja aber nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich haben wollen.

    Guten Morgen Alex,

    viele sind damit nicht begeistert und man wird nicht bejubelt dafür, dass man einen gesunden Weg für sich einschlägt. In meiner ersten längeren Alkoholpause von einem dreiviertel Jahr, stand ich plötzlich alleine da. Ich war ja zu nichts mehr nutze. Selbst meine Wanderfreundin hat mir den Rücken gekehrt. Sie sagte dies jedoch frei raus, dass sie schon mit jemand wandern möchte der danach noch mit zum Wein trinken geht. Das hat mich damals ziemlich verletzt und heute habe ich eher Mitgefühl mit ihr. Also auf so vermeintliche Freundschaften kann ich verzichten.

    Lg Chapa

    Hallo Chapa,

    das klingt doch schon ganz prima. Auch ich bin dabei meinen Sprachfehler zu korrigieren. Nämlich auch mal NEIN! sagen zu können. Auch ich konnte während meiner trinkenden Zeit schlecht Grenzen setzen. In vielen Bereichen habe ich mich oft breit schlagen lassen, zu Dingen und Unternehmungen, zu denen ich eigentlich überhaupt keine Lust hatte. Das fällt mir nun nüchtern recht leicht. Ich muss in erster Linie nach mir schauen. Mich und meine Gefühle achten. Ich denke das ist ganz wichtig für einen trockenen Weg. Bleib dran. Es wird wirklich jeden Tag besser.

    LG

    Bibi

    Guten Morgen Bibi,

    ich denke es liegt auch an der Erziehung. Als Kind ist es Überlebenswichtig sich anzupassen und im Erwachsenenalter eher schädlich. Darauf muss man aber erst mal kommen. Im Rückblick kann ich sagen, oft habe ich mich nicht getraut für mich einzustehen, da ich angst hatte Freundschaften zu verlieren oder das ich gekündigt werde auf der Arbeit. Ich stehe noch am Anfang damit, jedoch weiß ich wenn sich die Leute dann entfernen, dann waren es auch nicht die richtigen Menschen für mich.

    Lg Chapa

    Tag 5 nach der Entgiftung

    Diese Woche war ich wieder in der SHG, das hilft ungemein. Ich bin sehr dankbar, wieder an der Gruppe teilzunehmen. Ein wenig Überwindung hat es mich schon gekostet, da ich ihnen ja den Rücken gekehrt hatte. Zwar bin ich in der Woche vor meiner Entgiftung schon da gewesen, jedoch nicht ganz nüchtern, da ich ja moderat weiter trinken sollte. Naja jedenfalls wurde ich herzlich in der Gruppe aufgenommen und ich spürte, dass sie froh waren, das ich wieder in die Spur gekommen bin.

    Meine Schlafqualität verbessert sich und ich bin morgens recht fit und freue mich so darüber. Der Tag fängt somit schon anders an. Für diese Woche hatte ich mir kleinere Ziele gesetzt und habe es tatsächlich gemacht. Das gibt mir auch eine andere Lebensqualität. Mit dem Alkohol war ich Fremdbestimmt, mein Alltag lief nur auf ein Ziel hinaus, wann kann ich wieder trinken, wieviel Flaschen habe ich noch und so weiter. Und das noch mit ganz tollen Nebenwirkungen. Dann noch meine Co-Abhängigkeit, mein Alltag hat sich dadurch noch zusätzlich an andere Menschen wie Partner und Bekannte, Kollegen ausgerichtet. Wo war ich eigentlich? Wer bin ich? Was will ich denn? Was bedeutet es ein Selbstbestimmtes Leben zu führen? Diese Fragen habe ich mir nie gestellt. Ich kenne gar nichts anderes. Mir wurde immer gesagt was richtig ist und was nicht. Ohne die Dinge zu hinterfragen, habe ich es gemacht, in allen Bereichen. Als ich meine erste Trinkpause von fast einem Jahr hatte, habe ich schon gemerkt das etwas nicht stimmt. Das Glas nur nicht zu trinken reichte nicht. Ich war ja weiterhin Fremdbestimmt, zwar dann nicht von der Flasche, jedoch von meinem ganzen Umfeld. Ich hielt meine eigenen Vorhaben nicht ein, sobald jemand etwas von mir wollte. Ich bin dankbar, es gemerkt zu haben, jedoch auch durch mitlesen hier im Forum. Diese Woche konnte ich dadurch schon die ersten Grenzen setzen. Das fällt mir noch nicht so ganz leicht, weil ungewohnt und eine bissle Unmut, wie wohl das Gegenüber reagiert? Für mich momentan ein riesiger Lernprozess.

    Danke für das Lesen.

    Lg Chapa