Beiträge von Boss

    Hey Leute,

    mir geht es soweit sehr gut. Gestern war mein letzter Arbeitstag, und seit heute beginnt offiziell meine Selbstständigkeit. Bisher schlage ich mich vor allem mit der Bürokratie herum. Ich schätze, dass ich noch zwei bis drei Wochen brauche, bis ich überhaupt in der Lage bin, ein Projekt anzunehmen. Naja, ich habe Zeit.

    Was extrem seltsam ist: das Gefühl, nicht mehr erreichbar sein zu müssen. Ich war sonst immer erreichbar. Ich habe ständig auf mein Handy geschaut und eigentlich immer irgendetwas für das Unternehmen gemacht. Krank war ich all die Jahre nie, höchstens mal erkältet, aber das hielt mich ja nicht vom Arbeiten ab.
    Das wird jetzt jedenfalls eine ziemliche Umstellung. Aktuell ist es ruhig. Sehr ruhig. Ich kann mich noch gar nicht richtig auf diese Stille einlassen.

    Aber und das ist das Wichtigste: Ich habe keinen Suchtdruck.
    Gestern Abend kreisten zwar wieder ein paar Gedanken im Kopf:
    "Es ist doch so einfach. Wärst du ein richtiger Alki, wäre es viel härter. Irgendwann kannst du bestimmt wieder mal was trinken."

    Halt, Stopp. Wer erzählt eigentlich diesen Bullshit? Ich? Ganz bestimmt nicht.
    Wenn es so "einfach" wäre, warum kreisen dann überhaupt Gedanken über Alkohol? Warum war es dann so verdammt schwer, nach Jahren endlich mal einen Abend ohne Alkohol zu verbringen?

    Dieser kleine Pisser namens Sucht kann sich sein Gesabbel dahin schieben, wo die Sonne nicht scheint.
    Ich bleibe nüchtern. Ist eh viel geiler.

    LG

    Guten Morgen,

    jetzt ist wieder so eine tolle, ruhige Phase. Keine Saufgedanken, kein Suchtdruck, alles Entspannt. Wunschlos glücklich. Körper und Psyche geht es gut. Produktiv aber auch Zeit für mich.

    Habe mir eure ganzen Nachrichten sehr zu Herzen genommen, ganz viel Abstand vom Alkohol, nicht kämpfen sondern umsetzen. Notfallkoffer steht immer hier und auch unterwegs mit dabei.Wenn ich nicht andauern getriggert werde ist es viel leichter und stressfreier.

    Und das man erst nach 1 Jahr richtig stabil und sicher ist hatte ich gar nicht auf dem Schirm, trotz realer SHG!!! Ich dachte immer oh 1-3 Monate trocken,ist ja schon sehr lange, super bin jetzt stabil. War dann in der Sauna, überall Alkohol, alle am Trinken. Ist ja nicht schlimm, bin ja stabil. Nein, das hat Tage später noch nachgetriggert und genervt.

    Schön das es euch gibt!!! Danke an alle die hier schreiben, ihr seid mega!!!

    Hammer, das klingt gut. Bleib am Ball :)

    LG

    Hey,

    Ich hatte heute einiges zu tun, musste eine Nachtschicht einlegen und habe bisher noch gar nicht geschlafen. Bock auf Alkohol habe ich tatsächlich bei glatten 0,0 %. Ab und zu ploppt mal ein Trigger auf, aber der macht gerade gar nichts mit mir – eher so eine alte Erinnerung daran, jetzt zu trinken.

    Morgen habe ich meinen letzten Arbeitstag. Der Bauch kribbelt schon vor Freude. :D
    Und das Gefühl hätte ich mir vor drei Wochen um diese Uhrzeit vermutlich wieder schön weggeballert.

    Ich finde, deine letzten Beiträge hören sich sehr reflektiert und durchdacht an.

    Danke. Das bestätigt gerade meinen Kurs. Ich will euch alle nur nicht mit meinem Aufsetzen nerven, da die aktuell ausufern. Aber es hilft mir wirklich, meine Gedanken zu sortieren. Wenn sie einmal geschrieben sind, ist alles nicht mehr so neblig im Kopf.

    Was treibt dich dazu? Siehst du darin eine Gefahr oder ist es dir wichtig, dass die Mutter es weiß?

    Ach, ich weiß es selbst noch nicht. Eine Gefahr ist es nicht. Aber es ist nun mal meine Mutter, und ich höre sie jetzt schon krähen: „Ich hab es dir doch gesagt! Warum hast du nicht früher…“ und so weiter. Muss nicht so kommen, ist nur in meinem Kopf. Und ehrlich: auf so eine nervige Diskussion habe ich gerade keinerlei Lust gerade :D.

    Solche Reaktionen sind völlig normal. Bei vielen geht sofort der Alarm im Kopf los. Sie vergleichen oder analysieren ihr Trinkverhalten. Am deutlichsten erkenne ich es daran, dass sie sofort ihr eigenes Trinkverhalten erklären müssen.

    Ich werde in Zukunft mal drauf achten, freue mich fast schon auf die Gespräche.
    Bei dem besagten Familienmitglied dachte ich mir nur: Wenn du wüsstest…
    Er hat direkt angefangen, seinen Konsum zu rechtfertigen und meinte, er trinke ja nur aus „Genuss“.
    Ich habe gesagt: „Ich trinke wegen der Wirkung.“
    Das fand er dann plötzlich total gefährlich.

    Aber mal ehrlich: Wer trinkt Alkohol wirklich, weil er gut schmeckt?
    Ich konnte zum Beispiel nur Pils trinken, weil ich es okay fand, nicht gut. Andere Biersorten fand ich schrecklich. Vom Schnaps mal ganz zu schweigen. Alkohol schmeckt nicht es wirkt.

    LG

    ErWar die Idee unserer Freunde, die Frau ist total lieb und wollte mir nur irgendwie Hilfe anbieten. Fand ich auch richtig nett. Aber er wollte sich nur in Szene setzten. Ein Psycho. Übergriffig fand ich das. Das war auch echt das letzte Mal. Mit dem hatten wir schon einige solche Szenen wenn auch in anderen Bereichen. Egal, ich ärgere mich dass ich mich überhaupt drauf eingelassen habe. Bin die ganze Zeit zwischen amüsiert verwirrt , eben weil es so creepy war , und richtig böse.

    Die Story ist wirklich richtig witzig und deine Reaktion hat das Ganze perfekt abgerundet. Klar, ein bisschen unangenehm und „creepy“, aber hey: positiv gesehen hat sich die Abstinenz allein für diesen Moment schon gelohnt. ^^

    Im Grunde gleiche ich immer alles was ich höre mit mir ab. Wahrscheinlich hat Deine Abstinenz bei ihm was klingeln lassen.

    Ich bin da wirklich gespannt, wie die Leute darauf reagieren. Die erste Erfahrung war schon etwas weird. Aber das, was du sagst, ergibt total Sinn.

    Dass Du die Tage gerade noch nicht so feierst, kann ich nachvollziehen. Aber warte mal auf die 100, oder das ganze Jahr. Beim ersten Jahr war das ein ganz großes Ding für mich. Das hätte ich ja schon nie für möglich gehalten. Ich feiere ja an Silvester dann mein viertes. Hm, immer noch ein großes Ding. ^^

    Ja, klar freue ich mich darauf, aber es ist nicht mein Ziel. Am meisten freue ich mich ehrlich gesagt darauf, das irgendwann im echten Leben aussprechen zu können aber dann mit einem „Nachweis“, also zum Beispiel 100 Tagen. Die 100 an sich fixen mich aber nicht wirklich.

    :shock: Schmeiß die Dinger raus. Hast Du jemanden der da dabei sein kann. Da ist sicher viel Geruch dabei. Nicht jeder hat (so wie ich) daheim nur aus PET Flaschen gesoffen. Also, das würde ich in der Prio-Liste mal ganz nach oben setzten. Danach kannst Du Dir Gedanken über Deine Gitarre machen.

    Ja, das muss ich noch machen. Ich mache das immer in Etappen. Es hat sich leider einiges angesammelt in den letzten Monaten, und es ist mir unangenehm, wenn ich mehr als eine Tüte wegbringe. X/
    Aber aktuell löst das bei mir nichts aus und triggert mich auch nicht (stinkt mittlerweile ehr). Jemanden fragen will ich allerdings auch nicht es weiß ja niemand von meinem Problem.

    Hast du eigentlich auch einen eigenen Thread hier im Forum? Ich glaube, ich habe noch nichts von dir gelesen.

    LG

    Hey zusammen,

    das Prokrastinieren setze ich weiterhin erfolgreich um. Merke aber mittlerweile, weil ich mir Themen nicht mehr egal trinken kann, dass es juckt und ich in Bewegung komme. Auch merke ich, wie ich gerade wieder Lust auf E-Gitarre bekomme. Ein Hobby, das ich 10 Jahre vernachlässigt habe. Es wurde mir einfach egal. Die Klampfe habe ich noch nicht ausgepackt, weil ich noch mit anderen Themen beschäftigt bin, aber das kommt bestimmt bald.

    Heute ist der 17. Tag (ich musste gerade nachschauen). Die Tage interessieren mich gar nicht so, weil ich davon nichts habe. Wieder eine Woche um, na und? Wichtig ist, dass ich heute und morgen nichts trinke. Da ist so psychologische Marken nichts wert.

    Was mich zu einem anderen Thema bringt: Ich habe heute mit meiner Mutter seit Wochen wieder telefoniert (wir nähern uns gerade wieder an und sie wohnt nicht mehr in meiner Nähe). Aber ich habe es nicht geschafft, ihr zu sagen, dass ich Alkoholiker bin. Gerade weil es noch so frisch ist. Ich habe eher das Gefühl, wenn ich mehr Abstand habe und sagen kann: „Ich bin Alkoholiker, jetzt aber seit 3 Monaten trocken, möchte mein Leben lang abstinent bleiben und bin in einer SHG“ (das hier ist meine SHG), dann klingt das einfach besser für jemanden Außenstehenden. Und es klingt auch so, als ob ich es wirklich ernst meine. Meine Mutter weiß, dass ich zu viel trinke, das hat sie damals hin und wieder zu spüren bekommen und es war auch schon Thema in Gesprächen. Die sind aber schon 5 Jahre her. Damals habe ich gesagt, ich höre auf, aber passiert ist ja nichts. Von daher habe ich Angst, dass es so ankommt wie: „Der quatscht ja nur“.

    Bisher habe ich es auch meinem aktuell engsten Freund, mit dem ich die Tage unterwegs war (Konzert, Fußball), nicht erzählt. Er trinkt bei den Events im Übrigen auch nichts. Selten, dass er in den letzten Jahren überhaupt etwas trinkt. Naja, lustigerweise hat er mir eine Story erzählt, ohne dass ich ihn darauf angesprochen habe: dass er mal vor einiger Zeit nach der Arbeit immer ein paar Bier mit einem Arbeitskollegen getrunken hat und nach wenigen Monaten gemerkt hat: „Boah, jetzt habe ich aber Bock auf Bier abends.“ Das war für ihn der Klick-Moment, wo er es sein gelassen hat. Ich bin nicht näher darauf eingegangen. Beschäftigt mich aber schon, wann das war. Naja, egal. Er weiß von meinem Thema auch nichts.

    Es gibt allerdings eine Person in meinem „familiären“ Umfeld, der habe ich es gleich nach einer Woche erzählt. Er hatte es abgetan: „Was, du?“ Ich solle mir doch nichts einreden usw. Als ich ihm dann die Jahre genannt habe und auch die Menge, kam zumindest die Einsicht: „Ok, Junge, da solltest du wirklich mal eine Pause von 6 Wochen machen.“ Ich habe ihm dann gesagt: „Ne, ich trinke nie wieder, ich lasse es jetzt.“ Er beharrte so ein bisschen auf seinen 6 Wochen. Persönlich treffen wir uns nie, aber wir telefonieren manchmal stundenlang bis tief in die Nacht. So auch gestern. Natürlich war die Abstinenz auch wieder ein Thema, aber ich habe gemerkt, wie er es immer wieder versucht, etwas zu verharmlosen. Naja, eigentlich kennt er sich mit dem Thema auch ein bisschen aus, da er mal in einer Psychiatrie gearbeitet hat. Ziemlich seltsam. Es kamen so Aussagen wie: „Naja, du sollst dir keinen Stress machen und wenn du doch mal einen Ausrutscher hättest, dann wäre das völlig in Ordnung, denn das sei ja nur menschlich.“ Ähm ja… Als ich ihm dann erzählt habe, ich sei schon in einer SHG, da war er baff. Naja, er sieht schon ein, dass das problematisch war, was ich da betrieben habe, aber ich sei ja kein „fortgeschrittener“ Alkoholiker usw. Was soll ich dazu sagen… Eigentlich macht er auch was mit Sprache und Kommunikation, was schon in die Richtung „Therapie“ geht, aber er ist kein Arzt. Genaue Bezeichnung lasse ich hier zwecks Anonymität mal weg. Hat mich gewundert.

    Das Schöne ist, dass ich wirklich tagsüber und morgens gar keine Cravings habe und die Cravings mit Ausnahme von gestern Abend wirklich lapidar sind. Ich merke, wie es mir immer egaler wird. Gerade haben wir 20:40 Uhr. Hätte ich seinerzeit noch keinen Alkohol im Haus gehabt, wäre ich jetzt aber losgesprintet, weil der Kiosk um 21:00 Uhr zumacht.

    Ich wollte aber noch auf etwas anderes hinaus, und zwar die hier im Forum genannten Grundbausteine. Ich habe das Gefühl, dass ich davon so gut wie nichts umgesetzt habe.

    1. Arztbesuch und Entgiftung

      Ich war noch nicht beim Arzt. Ein bisschen drücke ich mich noch davor. Das letzte Mal war ich dort vor anderthalb Jahren. Mir wurde auch Blut abgenommen, weil ich eine geplante OP hatte. Der Anästhesist wollte auch die Leberwerte wissen, zumindest den GGT. Da hatte meine damalige Hausärztin mich schon gefragt, warum er das denn überhaupt wissen wolle. Das konnte ich ihr natürlich nicht sagen, weil ich es „ja nicht weiß“. Naja, das Ende vom Lied war, dass sie ihn natürlich gemessen hat und festgestellt hat, dass dieser erhöht war. Sie hat dann noch nachträglich weitere Leberwerte bestimmen lassen, was sie mir in einem persönlichen Gespräch sagte, um auszuschließen, dass etwas mit meiner Leber sei. In dem Gespräch ging es dann darum, dass sie sich Sorgen macht und falls es etwas in meinem Leben gibt, was nicht gut für meine Gesundheit wäre, dann solle ich das hinterfragen. Also eigentlich sehr liebevoll. Aber ich war damals noch nicht so weit. Schade im nachinein. Ich hätte es ihr sagen müssen. Muss dazu sagen, dass ich meine Hausärztin privat kenne, da ich mit ihren Kindern damals zur Schule gegangen bin, ergo auch dort als Kind gespielt habe.

      Naja, ich werde noch hingehen, vielleicht diesen Monat, vielleicht nächstes Jahr. Ich traue mich da noch nicht so. Auch habe ich die Hoffnung, dass, wenn ich gehe und schon ein bisschen Tage ins Land gezogen sind, dass die Leberwerte sich normalisiert haben.

    2. Therapie und Selbsthilfe

      Auch hier irgendwie nur die Hälfte. Ich bin hier, das finde ich auch gut. Aber mit einer Therapie habe ich mich gar nicht beschäftigt. Ich habe auch aktuell kein Interesse daran. Weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Naja, erstmal muss ich ja auch Punkt 1 erledigen.

    3. Offenheit und Ehrlichkeit

      Auch hier weiß ich noch gar nicht, was ich davon umgesetzt habe. Ich bin offen und ehrlich zu mir. Das könnte ich abhaken. Ich bin offen und ehrlich hier im Forum, das kann ich auch abhaken, wobei es mir leicht fällt, da ich in gewisser Weise anonym bin. Offen zu meiner Ärztin war ich noch nicht. Auch zu meinem anderen sozialen Umfeld nicht. Selbst bei dem benannten Familienmitglied, der es verharmlost, muss ich zugeben, dass ich es auch etwas verharmlost habe. Ja, so schlimm war es noch nicht usw. Also auch da habe ich es noch nicht hinbekommen.

    4. Alkoholfreies Umfeld

      Das ist das einzige, was ich so richtig abhaken kann. Das Einzige, was mich noch stört, sind Bierflaschen, die ich noch wegbringen muss.

    5. Soziales Umfeld, Kollegen und Familie

      Habe zu Offenheit und Ehrlichkeit schon etwas gesagt und auch im vorangegangenen Text. So richtig kann ich diesen Punkt auch nicht abhaken. Weiß auch gar nicht, ob und wie ich das Umfeld einbeziehe. Meine Arbeitskollegen brauche ich nicht einbeziehen und die habe ich ab Freitag sowieso nicht mehr. Einen Säuferfreundeskreis habe ich nicht und die einzigen Menschen, mit denen ich hin und wieder etwas mache, trinken in der Regel nichts. Das heißt, ich hatte auch hier noch keinen Grund, mich „blank“ zu machen. Meine Familie wohnt nicht mehr in meiner Nähe, weder Geschwister noch Eltern. Insofern komme ich auch hier nicht in alkoholischen Kontakt.

    6. Freizeitgestaltung

      Schwieriger Punkt. Hobbys wie Fußball und Konzerte waren zwar verbunden mit Biertrinken, sowie alles in meinem Leben eigentlich auch, bis auf die Arbeit und die Zeit mit meinem Sohn, aber sie waren nicht der Grund zu trinken. Es war halt nur einer von vielen. Naja, und beides bedeutet mir viel. Alte Hobbys, die ich wegen Alkohol aufgegeben habe, versuche ich in Zukunft wieder etwas aufleben zu lassen (zum Beispiel Gitarre). Bis auf Sport habe ich bisher aber nichts anderes implementiert. Denke, den Bereich muss ich auch noch etwas entwickeln und den kann ich gar nicht so schnell abhaken.

    7. Trockenheitsarbeit ist eine Lebensaufgabe

      Na gut, das werde ich wohl nie abhaken können. Merke aber schon, dass es insgesamt leichter wird, wobei es halt manchmal in der Birne knallt.

    Naja, das war dann mal meine Bestandsanalyse für heute. Keine Ahnung warum ich das jetzt alles geschrieben habe, aber es tat gut.

    Wer das alles bis hierhin gelesen hat, bei dem entschuldige ich mich herzlich und wünsche noch eine gute Nacht 8)

    Wie kann man nur so stur sein und sich wegen einer Lappalie verpissen? Du sagst doch selber das es dir gut tut hier zu sein. Jetzt wegen zwei drei Sätzen so einen Aufstand zu betreiben finde ich kacke. Und datt sach ich dir als neutraler Leser.

    Guten Abend,

    eigentlich wollte ich heute gar nichts berichten, weil ich dachte, dass es nichts zu berichten gibt. Eigentlich wollte ich seit drei Stunden an etwas arbeiten, das ich schon ewig vor mir herschiebe - diese typischen Aufgaben, auf die man absolut keinen Bock hat, die aber wichtig sind und erledigt werden müssen.

    Naja… was soll ich sagen.
    Das Aufschieben klappt auch ohne Alkohol hervorragend.
    Aber jetzt, wo ich weiß, dass ich es machen muss, knallt’s im Kopf - und Mr. Sucht wittert sofort seine Chance:

    „Mit ’nem Bier intus kannst du das auch locker bis morgen verschieben… ohne schlechtes Gewissen…“

    Und dann war ich tatsächlich wie ferngesteuert und habe - fragt mich nicht warum - angefangen, irgendwelche Promis zu googeln, die Alkoholiker sind, und ob die wieder trinken oder durchgehalten haben. Absolut bescheuert. :rolleyes:

    Gerade eben bin ich erst aus diesem Autopiloten rausgekommen. Und ich muss das einfach loswerden…

    So. Die Aufschieberitis bei dem besagten Thema muss jetzt heute enden.
    Ich gehe erst schlafen, wenn das erledigt ist.
    Dann kann mein Hirn mir auch nicht wieder so einen Quatsch servieren.

    Mann ey… es nervt. :cursing:

    Hi Absti,

    Bin sehr gern Trocken.Ich hasse es wie die Pest, mit allen Folgen,wenn ich saufe, saufen muss.

    Du schreibst in deinem Faden ja öfter über Begegnungen mit Trinkern draußen zum Beispiel der "Penner vom Ententeich", wenn ich mich richtig erinnere. Und oft schwingt da im Unterton so etwas mit wie: "Der darf trinken und ich nicht."

    Gleichzeitig hast du aber auch diese Momente wie oben zitiert, in denen du sehr klar weißt, wie sehr du das Saufen hasst.

    Vielleicht kannst du den Blick ein bisschen drehen:
    Nicht "der darf trinken", sondern "der muss trinken".
    Du musst es nicht mehr und das ist ein riesiger Unterschied.

    Ich mache das für mich genauso. Wenn ich draußen jemanden sehe, der offensichtlich abhängig ist, erinnere ich mich daran, dass ich genau das nicht mehr muss. Das hilft mir aktuell sehr.

    LG

    Hallo Elara,

    normalerweise lese ich bei den Co-Betroffenen eher still mit, weil ich selbst Alkoholiker bin. Aber du hast mir mit deinem Thread-Titel gerade mal eben einen Ohrwurm verpasst (The Clash…), und deshalb möchte ich dir zwei Gedanken mitgeben.

    Du schreibst:

    Warum ich dann nicht gehe?
    Ich habe Angst davor, alleine zu sein, wieder gescheitert zu sein, das nicht alleine zu schaffen, mich wieder breitschlagen zu lassen….

    und:

    Jetzt habe ich niemanden mehr, mit dem ich mal reden kann. ;(

    Wenn man das so liest, muss man ganz nüchtern fragen:
    Bist du nicht jetzt schon allein? Nur mit zusätzlichem Ballast?
    Eine romantische Beziehung erkenne ich in deinen Zeilen nicht mehr, eher das genaue Gegenteil: Ekel, Distanz, Erschöpfung. In einer funktionierenden Partnerschaft wäre das letzte Wort, das einem einfällt, „Ekel“. Das sagt sehr viel.

    Ich weiß, dass Weggehen schwer ist und Angst macht. Aber objektiv gesehen lebst du gerade nicht in einer Beziehung, sondern in einer Ein-Personen-WG mit Pflegeauftrag. Und eine WG lässt sich sogar leichter führen als das, was du beschreibst.

    Außerdem stelle ich mir Gespräche mit jemandem, der in der Ecke steht und eine Tischlampe für ein Trinkglas hält, ehrlich gesagt fast unmöglich vor. Du kannst an dieser Krankheit nichts retten und du sollst dich auch nicht selbst zugrunde richten, nur weil er sich weigert, Verantwortung zu übernehmen.

    LG

    Gute Frage, dasselbe ging mir auch schon durch den Kopf. Vielleicht die Aufregung vor dem ersten Geburtstag. Das heute war wie ein innerer Kampf in mir auf jedenfall ein beeindruckendes Gefühl was mich wirklich zur Vorsicht mahnt, nicht das ich kurz vor der letzten Etappe noch über meine offenen Schnürsenkel stolpere die ich mir aus Faulheit nicht richtig gebunden habe...

    Hm, bist du dir da sicher? Ich meine, was soll sich denn groß ändern, wenn du den ersten Geburtstag hinter dir hast? Klar, es hört sich besser an, aber ob du 11 Monate trocken bist oder 12 Monate… macht das wirklich einen Unterschied?

    Die Reaktion der beiden war auch nicht als wären sie abgestoßen von mir eher mitleidig und ich weiß sie mögen uns auch sehr.

    Das ist doch auch nur beim Alkohol so, oder? Wenn jemand sagen würde, dass er seine Heroin- oder sonstige Sucht besiegt hat, dann würden alle sagen: Boah, krass! Super Sache! Klasse! Wie war es denn? Sei froh, dass du davon weg bist. :/:rolleyes:

    Ich habe mal eine Frage, R/No:
    Kann es sein, dass sich die Situation in den letzten Tagen schon ein bisschen angebahnt hat? Du bist ja aktuell sehr viel im Forum aktiv (ich weiß nicht, wie es vorher bei dir war).

    LG

    Und da bist DU der Boss. 8)

    8)8)8)

    Glaube mir. Wenn Du hier regelmäßig liest, gibt es keine unvorsichtigen Momente mehr. ^^ Unvorhergesehene vielleicht.

    Aber das Forum hat sich so in meinem Kopf festgesetzt, dass ich automatisch sehr wachsam bin.

    Definitiv, ich bin schon voll dabei und möchte auch gar nicht weg von hier. Vielleicht sollte die Zeit, die ich hier verbringe, irgendwann mal weniger werden – nicht, dass ich danach noch süchtig werde^^.

    Ich verstehe inzwischen viel besser, warum es so wichtig ist, sich als Alkoholiker zu bezeichnen. Das hat nichts mit Selbsterniedrigung zu tun. Es geht darum, ehrlich mit sich selbst zu bleiben und sich immer wieder daran zu erinnern, wie man da reingerutscht ist. Für mich bedeutet das: Es gibt kein „normales“ Trinken mehr. Dieses Wort hält mich wach und schützt mich davor, mir irgendwann wieder etwas schönzureden.

    Ich auch nicht. Ich habe wegen dem Alkohol aufgehört mit dem Zocken und jetzt in der Abstinenz wieder angefangen damit. Es ist schön gelegentlich abends mal wieder für ein paar Stunden zu zocken. Ich habe es vermisst, aber war ständig mit Saufen beschäftigt und dadurch ging es dann verloren.

    Genau so! 100%. Im übrigen habe ich nicht nur auf das Zocken verzichtet, sondern auch auf viele viele weitere Hobbys.

    LG

    Ich möchte einfach ein paar Dinge zur Prävention tun und mir meinen eigenen „Notfallkoffer“ packen. Also Gedanken, Situationen und Erinnerungen festhalten, die mir helfen, wenn irgendwann mal ein schwacher Moment kommt. Weißt du, wie ich das meine?

    Kein Autokatalog, keine Motivationssprüche sondern Ankerpunkte, die mich im Notfall wieder auf Kurs bringen.

    "Nein". "Nein". "Verp... Dich."

    Genau das geht mir gerade auch durch den Kopf, wenn es um den Gedanken der Ausführung geht – also um das Trinken. Heute ist übrigens der erste Tag, an dem ich keinen Druck verspüre und mein Kiefer mal wieder entspannt ist. Naja, zu ungefähr 80 Prozent.

    Danke auch für deinen Dialog. Ich verstehe die Analogie. Allerdings scheint dieser Satz heute bei einigen aufgestoßen zu sein. Es geht ja nicht darum, einen Autokatalog zu erstellen und aufzuschreiben, warum das ein tolles Auto ist. Die Vorteile kann ich überall im Internet nachlesen. Selbst meine App, in der ich mein Startdatum eingetragen habe, hat diese Funktion.

    Mir geht es darum, mich später wieder in genau den Zustand zurückversetzen zu können, den ich jetzt gerade erlebe oder den ich vor ein paar Wochen erlebt habe. Das wünsche ich mir für die Zukunft, falls die Abstinenz irgendwann zum Autopiloten wird und ich mich in einem unvorsichtigen Moment von der Sucht bequatschen lasse.

    LG

    Meinst Du nicht, dass der einzige wahre Grund erst die schlechte Gewohnheit und irgendwann die Sucht war?

    Und die findet immer einen "Grund" zum Saufen, ob gutes oder schlechtes Wetter, gute Laune, schlechte Laune, positiver oder negativer Stress...

    Ja, natürlich, du hast vollkommen recht. Ich glaube, so schnell hat noch nie jemand einen falschen Glaubenssatz gelöscht.

    Eigentlich habe ich doch immer getrunken – in guten wie in schlechten Situationen. Die Arbeitsstelle war einfach nur die schlechte Situation ganz zum Schluss.

    Am Anfang war alles toll, da habe ich auch getrunken.

    Manchmal bin ich auch einfach dämlich.

    Soo,

    ich war heute schon knapp 20 km zu Fuß unterwegs. Ich wäre auch noch weiter gelaufen, wenn mir nicht irgendwann die Füße wehgetan hätten. Und naja, selbst beim Spazierengehen komme ich am Thema Alkohol nicht vorbei.

    Zum einen war ich heute seit langer Zeit mal wieder in der Innenstadt. Dort gibt es eine Art Vorweihnachtsmarkt, und die Leute haben sich schon um 12 Uhr ihren Glühwein reingezogen. Ich konnte Alkohol nie so früh trinken. Das erinnert mich an die Kneipe meines Vaters – da war morgens um 9:30 Uhr die Theke schon voll.

    Die andere Begegnung mit dem Thema war eine kleine Gruppe von Spaziergängern, die mir entgegenkamen. Ich weiß nicht, worüber sie gesprochen haben, aber ein Mann sagte irgendetwas wie „Ich trink mir da meine drei Bier.“ Seine Augenringe sahen jedenfalls nicht nach drei Bier aus.

    Noch herrscht bei dir eine Anfangseuphorie die dich standhalten lässt, aber wie sieht es in 2 Monaten und später aus?

    Genau diese Frage treibt mich auch um. Ich habe das hier ja schon zwei oder drei Mal angesprochen. Eine klare Antwort habe ich noch nicht. Und genau darauf zielt auch Hartmuts Frage ab:

    Und was machst du, wenn die positiven Gründe nicht mehr vorhanden sind?

    Ich habe wegen meiner Sucht, meiner Abhängigkeit, aufgehört, weil sie mich auf Dauer umgebracht hätte , nicht wegen etwas Negativem oder Positivem im Leben.

    Diese Frage habe ich heute beim Spazierengehen versucht zu beantworten. Eine wirklich klare Antwort habe ich noch nicht. Ich war jetzt nicht so tief drin, dass es mich kurzfristig umgebracht hätte - wie es langfristig ausgesehen hätte, weiß ich nicht. Ich bin mir aber sicher, dass sich der Konsum weiter gesteigert hätte.

    Ich hatte im ersten Post mal von konstant vier Bier am Abend gesprochen. Das habe ich mir allerdings lange eingeredet. Vier Bier habe ich geschafft, wenn ich mir abends am Kiosk etwas geholt habe. Wenn aber ein Kasten in der Wohnung stand - und das war sehr oft der Fall - dann war der nach zwei bis drei Tagen leer. Da brauche ich mir nichts vormachen.

    Um auf die Frage zurückzukommen: Vielleicht liegt die Antwort tatsächlich im Titel meines Threads. Ich glaube, ich war schon tot.
    Man nimmt nicht wirklich am Leben teil, wenn man zehn bis zwölf Stunden arbeitet und den Rest des Tages nur noch Bier trinkt und sich betäubt.

    Ich werde dieser Frage noch weiter nachgehen und das hier posten.

    Jedenfalls glaube ich zu verstehe, worauf du hinaus willst:
    Was ist, wenn das, was mir aktuell so gut tut - nicht verkatert aufwachen, mich nicht für Nachrichten oder Verhalten vom Vortag schämen, wieder am Leben teilnehmen, Freude empfinden und das nüchtern - irgendwann normal wird?

    Welche Überzeugung bleibt dann, um abstinent zu bleiben?

    Ich fühle die Antwort irgendwie schon, aber ich kann sie noch nicht richtig formulieren. Das reiche ich nach.
    Genauso wie die positiven und negativen Gedanken, die mir gerade helfen. Das ist alles in meinem Kopf, aber noch nicht niedergeschrieben. Das möchte ich hier unbedingt noch festhalten, weil es Teil meines Notfallkoffers ist.

    Der andere Teil meiner Gedanken beim Spazierengehen: Donnerstag habe ich meinen letzten regulären Arbeitstag in meiner Firma. Ich freue mich riesig darauf, aus dem Hamsterrad auszusteigen und mir etwas Eigenes aufzubauen. Ich bin mir auch sicher, dass ich aufgrund der Arbeit abends zum Bier gegriffen habe.
    Ich muss jetzt aber langsam anfangen, alles in Bahnen zu lenken: Versicherungen, Finanzamt, Internetpräsenz, Kaltakquise und so weiter.

    Der Vorteil ist, dass ich keinen großen finanziellen Druck habe. Und ja, es wird schwer, sich eine eigene Struktur aufzubauen. Bisher hatte ich immer einen geregelten Arbeitsalltag.

    Trotzdem bin ich optimistisch, dass das alles gut wird.

    LG