Hey zusammen,
das Prokrastinieren setze ich weiterhin erfolgreich um. Merke aber mittlerweile, weil ich mir Themen nicht mehr egal trinken kann, dass es juckt und ich in Bewegung komme. Auch merke ich, wie ich gerade wieder Lust auf E-Gitarre bekomme. Ein Hobby, das ich 10 Jahre vernachlässigt habe. Es wurde mir einfach egal. Die Klampfe habe ich noch nicht ausgepackt, weil ich noch mit anderen Themen beschäftigt bin, aber das kommt bestimmt bald.
Heute ist der 17. Tag (ich musste gerade nachschauen). Die Tage interessieren mich gar nicht so, weil ich davon nichts habe. Wieder eine Woche um, na und? Wichtig ist, dass ich heute und morgen nichts trinke. Da ist so psychologische Marken nichts wert.
Was mich zu einem anderen Thema bringt: Ich habe heute mit meiner Mutter seit Wochen wieder telefoniert (wir nähern uns gerade wieder an und sie wohnt nicht mehr in meiner Nähe). Aber ich habe es nicht geschafft, ihr zu sagen, dass ich Alkoholiker bin. Gerade weil es noch so frisch ist. Ich habe eher das Gefühl, wenn ich mehr Abstand habe und sagen kann: „Ich bin Alkoholiker, jetzt aber seit 3 Monaten trocken, möchte mein Leben lang abstinent bleiben und bin in einer SHG“ (das hier ist meine SHG), dann klingt das einfach besser für jemanden Außenstehenden. Und es klingt auch so, als ob ich es wirklich ernst meine. Meine Mutter weiß, dass ich zu viel trinke, das hat sie damals hin und wieder zu spüren bekommen und es war auch schon Thema in Gesprächen. Die sind aber schon 5 Jahre her. Damals habe ich gesagt, ich höre auf, aber passiert ist ja nichts. Von daher habe ich Angst, dass es so ankommt wie: „Der quatscht ja nur“.
Bisher habe ich es auch meinem aktuell engsten Freund, mit dem ich die Tage unterwegs war (Konzert, Fußball), nicht erzählt. Er trinkt bei den Events im Übrigen auch nichts. Selten, dass er in den letzten Jahren überhaupt etwas trinkt. Naja, lustigerweise hat er mir eine Story erzählt, ohne dass ich ihn darauf angesprochen habe: dass er mal vor einiger Zeit nach der Arbeit immer ein paar Bier mit einem Arbeitskollegen getrunken hat und nach wenigen Monaten gemerkt hat: „Boah, jetzt habe ich aber Bock auf Bier abends.“ Das war für ihn der Klick-Moment, wo er es sein gelassen hat. Ich bin nicht näher darauf eingegangen. Beschäftigt mich aber schon, wann das war. Naja, egal. Er weiß von meinem Thema auch nichts.
Es gibt allerdings eine Person in meinem „familiären“ Umfeld, der habe ich es gleich nach einer Woche erzählt. Er hatte es abgetan: „Was, du?“ Ich solle mir doch nichts einreden usw. Als ich ihm dann die Jahre genannt habe und auch die Menge, kam zumindest die Einsicht: „Ok, Junge, da solltest du wirklich mal eine Pause von 6 Wochen machen.“ Ich habe ihm dann gesagt: „Ne, ich trinke nie wieder, ich lasse es jetzt.“ Er beharrte so ein bisschen auf seinen 6 Wochen. Persönlich treffen wir uns nie, aber wir telefonieren manchmal stundenlang bis tief in die Nacht. So auch gestern. Natürlich war die Abstinenz auch wieder ein Thema, aber ich habe gemerkt, wie er es immer wieder versucht, etwas zu verharmlosen. Naja, eigentlich kennt er sich mit dem Thema auch ein bisschen aus, da er mal in einer Psychiatrie gearbeitet hat. Ziemlich seltsam. Es kamen so Aussagen wie: „Naja, du sollst dir keinen Stress machen und wenn du doch mal einen Ausrutscher hättest, dann wäre das völlig in Ordnung, denn das sei ja nur menschlich.“ Ähm ja… Als ich ihm dann erzählt habe, ich sei schon in einer SHG, da war er baff. Naja, er sieht schon ein, dass das problematisch war, was ich da betrieben habe, aber ich sei ja kein „fortgeschrittener“ Alkoholiker usw. Was soll ich dazu sagen… Eigentlich macht er auch was mit Sprache und Kommunikation, was schon in die Richtung „Therapie“ geht, aber er ist kein Arzt. Genaue Bezeichnung lasse ich hier zwecks Anonymität mal weg. Hat mich gewundert.
Das Schöne ist, dass ich wirklich tagsüber und morgens gar keine Cravings habe und die Cravings mit Ausnahme von gestern Abend wirklich lapidar sind. Ich merke, wie es mir immer egaler wird. Gerade haben wir 20:40 Uhr. Hätte ich seinerzeit noch keinen Alkohol im Haus gehabt, wäre ich jetzt aber losgesprintet, weil der Kiosk um 21:00 Uhr zumacht.
Ich wollte aber noch auf etwas anderes hinaus, und zwar die hier im Forum genannten Grundbausteine. Ich habe das Gefühl, dass ich davon so gut wie nichts umgesetzt habe.
Arztbesuch und Entgiftung
Ich war noch nicht beim Arzt. Ein bisschen drücke ich mich noch davor. Das letzte Mal war ich dort vor anderthalb Jahren. Mir wurde auch Blut abgenommen, weil ich eine geplante OP hatte. Der Anästhesist wollte auch die Leberwerte wissen, zumindest den GGT. Da hatte meine damalige Hausärztin mich schon gefragt, warum er das denn überhaupt wissen wolle. Das konnte ich ihr natürlich nicht sagen, weil ich es „ja nicht weiß“. Naja, das Ende vom Lied war, dass sie ihn natürlich gemessen hat und festgestellt hat, dass dieser erhöht war. Sie hat dann noch nachträglich weitere Leberwerte bestimmen lassen, was sie mir in einem persönlichen Gespräch sagte, um auszuschließen, dass etwas mit meiner Leber sei. In dem Gespräch ging es dann darum, dass sie sich Sorgen macht und falls es etwas in meinem Leben gibt, was nicht gut für meine Gesundheit wäre, dann solle ich das hinterfragen. Also eigentlich sehr liebevoll. Aber ich war damals noch nicht so weit. Schade im nachinein. Ich hätte es ihr sagen müssen. Muss dazu sagen, dass ich meine Hausärztin privat kenne, da ich mit ihren Kindern damals zur Schule gegangen bin, ergo auch dort als Kind gespielt habe.
Naja, ich werde noch hingehen, vielleicht diesen Monat, vielleicht nächstes Jahr. Ich traue mich da noch nicht so. Auch habe ich die Hoffnung, dass, wenn ich gehe und schon ein bisschen Tage ins Land gezogen sind, dass die Leberwerte sich normalisiert haben.
Therapie und Selbsthilfe
Auch hier irgendwie nur die Hälfte. Ich bin hier, das finde ich auch gut. Aber mit einer Therapie habe ich mich gar nicht beschäftigt. Ich habe auch aktuell kein Interesse daran. Weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Naja, erstmal muss ich ja auch Punkt 1 erledigen.
Offenheit und Ehrlichkeit
Auch hier weiß ich noch gar nicht, was ich davon umgesetzt habe. Ich bin offen und ehrlich zu mir. Das könnte ich abhaken. Ich bin offen und ehrlich hier im Forum, das kann ich auch abhaken, wobei es mir leicht fällt, da ich in gewisser Weise anonym bin. Offen zu meiner Ärztin war ich noch nicht. Auch zu meinem anderen sozialen Umfeld nicht. Selbst bei dem benannten Familienmitglied, der es verharmlost, muss ich zugeben, dass ich es auch etwas verharmlost habe. Ja, so schlimm war es noch nicht usw. Also auch da habe ich es noch nicht hinbekommen.
Alkoholfreies Umfeld
Das ist das einzige, was ich so richtig abhaken kann. Das Einzige, was mich noch stört, sind Bierflaschen, die ich noch wegbringen muss.
Soziales Umfeld, Kollegen und Familie
Habe zu Offenheit und Ehrlichkeit schon etwas gesagt und auch im vorangegangenen Text. So richtig kann ich diesen Punkt auch nicht abhaken. Weiß auch gar nicht, ob und wie ich das Umfeld einbeziehe. Meine Arbeitskollegen brauche ich nicht einbeziehen und die habe ich ab Freitag sowieso nicht mehr. Einen Säuferfreundeskreis habe ich nicht und die einzigen Menschen, mit denen ich hin und wieder etwas mache, trinken in der Regel nichts. Das heißt, ich hatte auch hier noch keinen Grund, mich „blank“ zu machen. Meine Familie wohnt nicht mehr in meiner Nähe, weder Geschwister noch Eltern. Insofern komme ich auch hier nicht in alkoholischen Kontakt.
Freizeitgestaltung
Schwieriger Punkt. Hobbys wie Fußball und Konzerte waren zwar verbunden mit Biertrinken, sowie alles in meinem Leben eigentlich auch, bis auf die Arbeit und die Zeit mit meinem Sohn, aber sie waren nicht der Grund zu trinken. Es war halt nur einer von vielen. Naja, und beides bedeutet mir viel. Alte Hobbys, die ich wegen Alkohol aufgegeben habe, versuche ich in Zukunft wieder etwas aufleben zu lassen (zum Beispiel Gitarre). Bis auf Sport habe ich bisher aber nichts anderes implementiert. Denke, den Bereich muss ich auch noch etwas entwickeln und den kann ich gar nicht so schnell abhaken.
Trockenheitsarbeit ist eine Lebensaufgabe
Na gut, das werde ich wohl nie abhaken können. Merke aber schon, dass es insgesamt leichter wird, wobei es halt manchmal in der Birne knallt.
Naja, das war dann mal meine Bestandsanalyse für heute. Keine Ahnung warum ich das jetzt alles geschrieben habe, aber es tat gut.
Wer das alles bis hierhin gelesen hat, bei dem entschuldige ich mich herzlich und wünsche noch eine gute Nacht 