Beiträge von Boss

    Hallo, Boss,

    ich bin gerade mal seit gut drei Monaten abstinent, und mir geht es jetzt noch so wie dir: Es macht mir Angst, weil die Abstinenz so problemlos verläuft. Ich habe Angst davor, das alles auf die leichte Schulter zu nehmen, Angst vor einem Anfall von 'Übermut', weil mir der Verzicht auf Alkohol zum Beispiel weniger Mühe bereitet als der Entzug von Nikotin vor zwanzig Jahren. Neben meiner Überzeugung, dass ein Leben ohne Alk absolut das Bessere ist, und den Grundbausteinen ist es vor allem das Lesen im Forum, das meine Sensibilität für das Thema ganz weit oben hält. Obwohl Meinungen und Erfahrungen auseinandergehen können, erfahre ich hier tagtäglich einen mitreißenden 'Sog'. Das hilft mir enorm.

    Viele Grüße

    Mattie

    Hey Mattie,

    Du beschreibst es zu 100 % korrekt. Ich habe gerade angefangen, deinen Faden zu lesen (ich lese ihn heute Abend zu Ende). Du schreibst dort selbst, dass du öfter „Trinkpausen“ hattest. Genau davor habe ich auch Angst. Ich habe zwar noch nie ernsthaft versucht aufzuhören - das hier ist das erste Mal, aber ich habe Angst, dass es mich irgendwann kalt erwischt und ich mir die ganze Nummer schönrede.

    Und ganz nebenbei: Erst einmal Glückwunsch, dass du schon so weit gekommen bist. Wünschte' ich wäre auch schon so weit. Hab zwar schon etwas Abstand gewonnen, fühlt sich aber wackelig an.

    LG

    "nicht mit der geballten Faust in der Tasche um es anderen zu beweisen"

    Mir ist vieles hängen geblieben. Diese Aussage bewegt allerdings eher wenig in mir, auch wenn ich den Inhalt verstehe und sogar teile. Es muss von innen kommen, und letztlich geht es nur um einen selbst. Ich persönlich bin niemandem Rechenschaft schuldig. Ich habe keine Partnerin, mein Freundeskreis ist sehr klein und meine Familie lebt nicht mehr in der Nähe; der Kontakt zu meinen Geschwistern und meiner Mutter ist gering.

    Konzentrier dich nur auf die Abstinenz und Dich, deine raucherei ist nicht wichtig, die kannst du nächstes Jahr angehen, eine Kuh macht Muh viele Kühe machen Mühe...

    Das ist etwas, das ich aus deinem Faden mitgenommen habe, aber auch aus anderen. Die „alten Hasen“ sprechen immer davon, dass man seine Abstinenz schützen muss. Und genau das macht mir tatsächlich Angst. Heute ist Tag 10, und es fühlt sich verhältnismäßig einfach an. Gestern habe ich mich ins Fitnessstudio geschleppt (heute auch). Das hat mich sogar mehr Überwindung gekostet. Und darin liegt meine Angst: Nur weil es heute leicht ist, heißt das nicht, dass der Teufel nicht in ein paar Tagen, Wochen oder Monaten wieder anklopft.

    Du hast Ähnliches beschrieben, die Gedanken daran, vielleicht nächstes Jahr wieder „hin und wieder“ ein Bier zu trinken, oder die Situation mit dem Werbeplakat. Genau davor habe ich Angst. Ich möchte NIE, NIE wieder Alkohol trinken, und die Sucht soll sich einfach verpi**en. Ich habe Angst, dass ich vergesse, in welche Misere sie mich gebracht hat.

    VG

    die Fäden der älteren wären wahrscheinlich lehrreicher. Aber andererseits bekommst du so ja auch ein bisschen Einblick was man vermeiden sollte/könnte.

    Gruß R/no

    Ich habe es tatsächlich zu Ende gebracht und fühle mich gerade sehr verbunden :D. Besonders die erste Hälfte war super spannend und nervenaufreibend. Es freut mich sehr, dass du trotz aller Widrigkeiten bis heute trocken bist. Das ist für mich definitiv ein Vorbild.

    Bei mir gibt es heute eigentlich auch nichts Neues zu berichten. Glücklicherweise habe ich heute keinen Saufdruck. Ich habe eben auf die Uhr geschaut und es ist nach 21:00 Uhr. Vor zwei Wochen wären da schon alle Alarmglocken angegangen. =O

    Euch noch einen schönen Abend! :)

    Aber bei den Kids von heute hat der Alkohol anscheinend aber gar nicht mehr den Stellenwert von damals

    Das Gleiche gilt auch für das Rauchen, wenn man den Statistiken Glauben schenken mag. Wie ich ihm das Thema irgendwann einmal näherbringen werde – oder eben auch nicht – weiß ich noch gar nicht. Er ist erst 5 Jahre alt. Das kann ich jetzt auch noch gar nicht beurteilen.
    Wenn er mich als Nichttrinker wahrnimmt, dann wäre das schon einmal eine sehr gute Sache. Denn in dem Alter von 14–16 dachte ich, es sei normal, hin und wieder abends Bier zu trinken…

    Ich lese mir gerade deine Story durch - bzw. ich fange damit an. 72 Seiten das sind ein paar Abendlektüren. Haha. Bin noch am Anfang aber wie ich heraushöre bist Du bis bald ein Jahr trocken? Das macht es umso interessanter das zu lesen.

    du brauchst keine 2 Baustellen denke ich.

    LG R/no

    P.S. bist du allein erziehend?

    Nein, das brauche ich zurzeit nicht. Ich stresse mich damit auch nicht. Ich möchte das erst in Angriff nehmen, wenn ich mich sicher genug im Umgang mit dem Alkohol fühle, wobei ich das auch nicht als Ausrede gelten lassen will, um noch weitere Jahre damit zu warten.

    Er wohnt bei seiner Mama und auch bei mir. Wir haben in etwa den gleichen Umgang. Mein Kind ist natürlich gerade eine riesige Motivation. Noch ist es so, dass er das gar nicht wirklich mitbekommt bzw. mitbekommen hat. Ja, er hat mich schon mit Bier gesehen, und dafür schäme ich mich auch.

    Leider bin ich selbst mit „Alkohol“ aufgewachsen. Mein Vater war Wirt (zu ihm habe ich mittlerweile keinen Kontakt mehr), und mein eigentlicher Vater (Stiefvater) ist leider vor ein paar Jahren an Lungenkrebs gestorben. Er hat, soweit ich mich erinnern kann, jeden Abend 2–3 Bier über Jahrzehnte hinweg getrunken, zumindest nicht mehr. Ich kann mich allerdings noch gut daran erinnern, wie er kurz nach der Diagnose zu mir sagte: „Der scheiß Alkohol und die scheiß Zigaretten. Es wäre doch alles so unnötig gewesen.“
    Im Übrigen hatte er zu dem Zeitpunkt schon 15 oder 20 Jahre nicht mehr geraucht – dafür aber 30 Jahre Kette…

    Jedenfalls möchte ich meinem Sohn das nicht antun. Und sollte er doch noch eine Erinnerung daran haben, dass ich mal Bier getrunken habe, dann kann ich ihn hoffentlich – wenn er alt genug ist, um das zu verstehen – positiv prägen.


    Jetzt auf ins Fittnesstudio... Motivation sieht anders aus, egal :)

    Im Gehirn findet wieder eine Veränderung statt. Vieles ist reversibel, leider nicht alles. Das Belohnungssystem und die Ruheregulierung passen sich wieder an den „neuen“ Zustand ohne Alkohol an.

    Aber genau das braucht Zeit und in dieser Zeit bin ich noch instabil. Die Regeneration der neuronalen Prozesse kann mehrere Monate dauern, bis ein nahezu ursprüngliches Gleichgewicht wieder hergestellt ist, und dies funktioniert nur bei absoluter Abstinenz

    Ja, genau so habe ich mir das auch schon gedacht. Die Aussage, dass ich nicht weiß, was sich in 2–3 Monaten ändern soll, ist eher so zu verstehen, dass es egal ist, ob ich bei Tag 9 oder Tag 200 bin. Jeden Tag sage ich mir: Heute trinke ich nicht.
    Ich würde mich freuen, wenn ich das irgendwann mal vergesse und sich der Autopilot einstellt, aber ich weiß ja nicht, ob der Adaptierungsprozess 2 oder 3 Monate dauert - oder vielleicht sogar 2 Jahre. Wer weiß das schon?

    Ich will nicht auf den Moment warten, den es wahrscheinlich so gar nicht geben wird. Also so nach dem Motto: Ich muss X Tage durchhalten, dann habe ich es geschafft.

    Bezüglich des Dopamins: Vielleicht erklärt es auch, weshalb ich aktuell etwas mehr rauche als sonst. Ich dachte eigentlich, es würde weniger werden, da ich abends mit dem Bier de facto eine nach der anderen geraucht habe. Eigentlich ist die Nikotinsucht sogar das größere Problem.
    Die Krux an der Sache ist aber, dass wenn ich Alkohol trinken würde, ich erst recht auch mit dem Rauchen in naher Zukunft nicht aufhören würde, da man ja diese Probleme verdrängen würde.

    Im Übrigen mal so die Frage in die Runde: Wobei... wenn ich das so schreibe, fällt mir auf, dass der Gedanke eigentlich auch absurd ist, denn dann ist ja Alkohol tatsächlich das größere Problem. Mann, Mann, Mann. ^^

    Wer war auch nikotinabhängig und hat sich davon gelöst? Und wann war der Zeitpunkt zwei Monate nach dem Alk oder zwei Jahre?

    Guten Morgen Iwona,

    ja, genau, Tag 9. Wobei das Tagezählen tatsächlich auch irrelevant ist. Ich weiß nicht, was sich denn in 2–3 Monaten ändern soll. Natürlich hoffe ich, dass ich bis dahin viele neue positive Dinge in mein Leben implementiert habe, aber darauf zu warten? Oder darauf zu warten, dass die abendlichen Cravings aufhören? Ich hoffe, es wird irgendwann leichter, aber darauf warten will ich nicht. Dann würde ich tatsächlich einfach Däumchen drehen und es über mich ergehen lassen. Das blockt mein Kopf ab.

    Naja, die Jogginghose ist bereits angezogen. Ich habe noch zwei Meetings, und danach geht es ins Fitnessstudio.

    Das mit dem Melatonin hat so halb funktioniert. Ich bin zwar nicht schneller eingeschlafen, allerdings wurde ich müde, sodass ich mich schon um 23 Uhr anstatt um 3 Uhr ins Bett gelegt habe. Selbst wenn es nur Placebo ist - ich werde es mal weiternehmen.

    Wie geht es Dir?

    VG

    Hallo!


    Wie schaut es mit körperlichen oder gar sportlichen Aktivitäten aus, die Dich fordern und Dich abends müde werden lassen? ich denke da ans Fitnesstudio oder ein paar Runden laufen, gehen oder Radfahren.

    Dazu gesunde Ernährung, ab einer gewissen Uhrzeit am Nachmittag kein Koffein mehr, das hat bei mir den Schlaf ruckzuck reguliert.

    Ja! Beides sind Punkte, an denen ich arbeiten muss und auch werde. Ich hatte die Nachricht schon geschrieben, bevor ich deine gelesen habe. Ab morgen geht es ins Fitnessstudio. Bei der Ernährung muss ich ebenfalls noch nachlegen. Bei mir müssen es definitiv erst einmal ordentlich Kalorien sein.

    Hey Boss,

    da solltest du unbedingt proaktiv ansetzen. Wie du hier sicher schon oft gehört hast: „Nur nicht mehr saufen, reicht nicht!“ Was das so richtig bedeutet, ist mir erst im Laufe der Zeit klar geworden.

    Wie hast du denn bisher deine Abende gestaltet? Ich nehme mal an, du hast nicht einfach nur da gesessen und Däumchen gedreht. Hast du schon neue Beschäftigungen, Hobbys, Sport und Ähnliches im Visier?

    Am Anfang meiner Abstinenz hat mir der Sport unheimlich geholfen, ein zufriedenen Start (ohne erwähnenswerte) Verzichtsgedanken hinzulegen.

    Grüße KW

    Hey KW,

    ich glaube, ich weiß, was du meinst. Vieles hat sich abends noch nicht wirklich verändert. Ich koche und esse inzwischen wieder richtig, was vorher gar nicht möglich gewesen wäre - allerdings noch zu wenig. Die 800–1000 kcal, die vorher täglich durchs Bier kamen, habe ich noch nicht komplett ersetzt, und weiter abnehmen sollte ich wirklich nicht. Aber daran arbeite ich.

    Ab und zu spiele ich ein paar Runden am PC. Und ab morgen geht’s los mit Sport das steht fest im Plan. Mein Ziel ist schließlich nicht nur, mit dem Alkohol aufzuhören, sondern mich insgesamt wieder aufzubauen.

    VG

    Wegschütten ist riskant, da könnte Suchtdruck aufkommen.

    Könntest Du jemanden bitten, die gesamte Wohnung inkl. Keller, Garage, ggf. Verstecke etc. Gemeinsam mit Dir abzusuchen und mögliche Fundstücke für Dich zu entsorgen?

    Ich bin mir jetzt ziemlich sicher, dass ich keinen Alkohol mehr zu Hause habe. Den Wein hatte ich tatsächlich noch da, aber der war schon offen und den hätte ich so sowieso nicht mehr getrunken. Also wie gesagt, ich habe aktuell keinen Alkohol mehr im Haushalt. Nur noch leere Flaschen, von denen ich gestern bereits die erste Hälfte weggebracht habe. Die andere Hälfte wird morgen dran glauben müssen.

    Hätte ich Bier wegkippen müssen, wäre das für mich sicherlich ein Risiko gewesen. Verstecke habe ich keine. Meinen Exfreundinnen hatte ich diesbezüglich nichts vorgespielt...

    Ich hatte tatsächlich noch Rotwein da, den ich zum Kochen verwendet habe. Den hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm. Habe ihn gerade sofort weggeschüttet.

    Ich habe z. B. Tabletten. Da ist auch noch Magnesium dabei. Das soll das Durchschlafen verbessern.

    Tees damit habe ich auch.

    Zum Einschlafen brauche ich aber immer lang oder länger. Ich glaube, das hat bei mir mit der Abstinenz nichts zu tun.

    Ja, ich habe gelesen, dass die Retardtabletten das Melatonin nach und nach abgeben, was beim Durchschlafen helfen soll. Das Spray hingegen hebt den Spiegel sofort an und fördert das Einschlafen. Wie man richtig einschläft, weiß ich gar nicht mehr, da ich fast ein Jahrzeht lang immer erst dann schlafen gegangen bin, wenn der Pegel erreicht war.

    Naja, hab ja jetzt lange genug Zeit das rauszufinden.

    Hallo ihr Lieben, ich habe heute das Gespräch mit meinem Partner initiiert.

    Habe lange gefragt und gebohrt und schließlich ist ein kleiner Knoten geplatzt und er hat mir erzählt, er sei schon seit Jahren schleichend unglücklicher mit der Beziehung und dass ich mich verändert hätte - es sei sein Fehler gewesen, das nicht anzusprechen und so lange herunterzuschlucken. Er hatte viele Dinge über mich zu sagen, die mir sehr weh taten, viele Vorwürfe. Vieles ist überzogen, aber wenn das seine Wahrnehmung ist, kann ich es nicht ändern. Er sagt, er will mich glücklich machen und sagt dann nicht, wenn ihn etwas stört. Er achtet nicht auf sich und er weiß, dass das nicht gut ist, macht es aber trotzdem.

    Ich habe ihn gefragt, ob wir die Beziehung lieber sein lassen, aber das will er nicht. Er sagt er erkennt sein Alkoholproblem, aber er hat Angst zu handeln. Ich habe ihm ein Ultimatum gestellt, dass er entweder Dienstag zum Arzt geht, ehrlich ist und das durchzieht, was der Arzt empfiehlt oder er ausziehen muss. Er sagt, er geht Dienstag zum Arzt. Unsere Beziehung habe ich auf Eis gelegt. Ich habe gesagt, dass wir Freitag nochmals reden müssen und ich mir bis dahin Gedanken mache, ob ich nicht doch will, dass er bald auszieht und dann auch die Beziehung beende. Habe ihm gesagt, er soll sich auch Gedanken machen, ob die Beziehung für ihn noch tragbar ist.

    Jetzt im Nachhinein habe ich mit Enttäuschung zu kämpfen, weil ich nicht so konsequent war wie ich sein wollte, aber gleichzeitig muss es mir mit der Entscheidung auch gut gehen und kleine Schritte vorwärts sind immer noch besser als gar keine oder rückwärts zu gehen. Mein Kopf ist einfach voll und ich finde heraus, wie ich mich fühle, wenn ich es fühle. Bitte seid nicht zu hart zu mir, ich versuche wirklich wirklich das Beste für mich zu machen, aber es ist langsam und schwer.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Klingt nach mir, hab die letzten zwei Beziehungen auch vor die Wand fahren lassen, weil mir der Alkohol am Abend wichtiger ist. Auch, dass ich versucht habe die Schuld umzudrehen. =>"Er hatte viele Dinge über mich zu sagen, die mir sehr weh taten, viele Vorwürfe." => ziemlich manipulativ.

    Danke, ich sitze gerade in der Bahn und verstehe plötzlich, warum die Damen früher immer Riechsalz bei sich trugen. 😉

    Feierabendtrinkerin war ich auch. Und ich wundere mich immer noch manchmal, dass ich mich genausogut am Teebecher festhalten kann, scheint irgendwie für mich wichtig zu sein.

    Dss ist doch schön, dass Du jetzt ein gemeinsames Getränk mit Deinem Sohn genießen kannst. Und alles andere findet sich mit der Zeit, das eine früher, das andere später, das Süchtigwerden hat ja auch gedauert. Alles Gute!

    Was riecht denn da so schlimm? Bahnfahren ist wohl immer ein erlebnisreise...

    Schau bei dem Melatonin, ob da kein Alk drin ist. Ich hatte mal eines mit 10 % hier, zufällig im Apothekenschränkchen entdeckt. Das wäre wie ein Spühstoß Wein gewesen. Man findet das aber auch alkfrei.

    Wow, mir gerade erst bewusst geworden, dass ich in Zukunft bei Medikamenten etc. darauf achten muss... Gerade drauf geschaut und zum Glück ist da kein Alk drin. Danke für den Hinweis.


    Liebe Grüße

    Hey Rennschnecke,

    es ist so eine Mischung aus Euphorie, Stolz und starken Cravings. Besonders abends merke ich eine innere Unruhe und Druck. Mein Kiefer spannt sich dann auch ziemlich an. Im Moment halte ich dagegen mit heißen Badewannensessions manchmal sogar drei Mal am Abend und seit gestern gibt es zusätzlich Tee. Mein Sohn wollte unbedingt Weihnachtstee kaufen. Also sitzen wir jetzt gemeinsam da und trinken Weihnachtstee :).

    Körperlich merke ich Verbesserungen. Mein Stuhlgang (sorry für die Details) ist nicht mehr flüssig, der Brainfog verzieht sich langsam und meine Gedanken werden klarer. Auch wenn das sicher noch nicht ganz normal ist denke ich jedenfalls. Ich weiß es ja nicht genau. Ich habe mein ganzes Erwachsenenleben abends getrunken deshalb habe ich irgendwie verlernt was normal überhaupt bedeutet.

    Aktuell ist neben den Cravings das Problem dass ich gar nicht weiß wann ich schlafen gehen soll. Richtig müde werde ich erst spät in der Nacht. Und selbst dann brauche ich noch eine Weile bis ich wirklich einschlafe. Wenn ich dann endlich schlafe ist es so tief und fest dass ich morgens kaum wach werde und mein Kopf total schwer ist schwer zu beschreiben aber keine Kopfschmerzen. Das Witzige oder eigentlich Verrückte daran ist: Ich stehe auf und denke: Boah Mist was hast du gestern wieder angestellt? Wem hast du geschrieben? Und kurz darauf fällt mir ein: Ach ja du bist nüchtern. Sowas passiert dir gerade nicht mehr. ^^

    Heute habe ich mir Melatonin aus der Apotheke besorgt. Ich probiere das mal zu nehmen wenn ich eigentlich ins Bett gehen würde. Vielleicht hilft es ja.


    Wie geht es Dir?

    Hallo Hartmut,

    ich bin definitiv ein Alkoholiker, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Menge weiter gesteigert wird. Wenn ich jetzt nicht die Kurve kriege, ist der nächste Entzug mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr „nur“ Kopfsache. Und ja, die Erkenntnis ist da, dass ich lebenslang abstinent sein möchte und auch muss.

    All die Jahre dachte ich: Wenn du mal aufhörst, kannst du dir im Urlaub oder zu gesellschaftlichen Anlässen ja mal etwas gönnen. Mal abgesehen davon, dass ich es nie ernsthaft versucht habe aufzuhören, hat es bei mir klick gemacht. Ich weiß: Wenn ich jetzt oder irgendwann in Zukunft wieder ein Bier in die Finger bekomme und es trinke, bin ich sofort wieder drin.

    Damit das nicht passiert, suche ich nun Hilfe, damit sich diese Erkenntnis festigt und ich nicht irgendwann, sei es in zwei Wochen, zwei Monaten oder zwei Jahren denke: „Ach, so schlimm war es nicht, kannst ja mal wieder probieren.“ Ich wette darauf, dass ich dann ganz schnell wieder in dieses Muster verfalle. Gelernt ist gelernt. Und wie manipulativ diese Sucht ist, habe ich gestern gemerkt. Gott sei Dank konnte ich es aushalten, aber das wird nicht das letzte Mal gewesen sein, in dem es so „kritisch“ wird.

    Zusätzlich möchte ich ein Tagebuch führen und meine Gedanken niederschreiben. So langsam löst sich nämlich der Schleier bzw. Nebel im Kopf und ich kann anfangen, wieder normal zu denken. Zwar ist alles noch wirr und unsortiert, aber ich möchte diese Erkenntnisse definitiv festhalten. Ich habe die letzten zehn Jahre meines Lebens komplett weggeschmissen. Außer arbeiten, Kind und saufen war da nicht viel. Mein Leben hat sich zunehmend nur noch um den Alkohol gedreht. Mittags habe ich schon nichts mehr gegessen, damit ich abends, wenn ich das erste Bier trinke, etwas davon merke und so weiter.

    Ich sitze hier, schüttle den Kopf und schaue mich um, während ich die vielen leeren Flaschen sehe (die ich bisher noch nicht weggeräumt habe). Das muss jetzt erst einmal reichen. Heute werde ich wieder nichts trinken und anfangen, die Wohnung zu entrümpeln.

    Ich würde mich freuen, bald aufgenommen zu werden. Mir ist klar, dass ihr das eigentlich erst ab Tag 7 macht oder mit ärztlicher Betreuung. Zum Arzt werde ich noch gehen, aber diese Woche nicht mehr. Ich hoffe, dass ich das Gröbste hinter mir habe. Das soll keine Empfehlung für andere Menschen in einer ähnlichen Situation sein. Ich weiß, dass manche bei der Menge bereits starke körperliche Entzugserscheinungen bekommen können. Es war für mich eine Gefühlssache nach dem ersten Tag, dass es vielleicht so geht.


    Liebe Grüße

    Hi zusammen,

    ich wollte mich kurz vorstellen. Ich bin Anfang dreißig und trinke seit ungefähr zehn Jahren täglich Bier. Angefangen hat das Ganze aber schon vor etwa fünfzehn Jahren. Vermutlich ein klassischer Verlauf: erst am Wochenende auf Partys, dann ab und zu ein paar Bier alleine zu Hause. Dann alle zwei bis drei Tage, später jeden zweiten Tag und irgendwann wurde es zur täglichen Gewohnheit :rolleyes:.

    Aktuell halte ich den Konsum recht stabil bei vier Bier am Abend. Gelegentlich weniger, manchmal mehr. Dass ich ein Problem habe ist mir schon länger bewusst. Ich würde mich selbst als alkoholabhängig bezeichnen.

    Warum ich trinke? So genau weiß ich das gar nicht. Wahrscheinlich Langeweile, das Flüchten vor Alltagsthemen und einfach abschalten. Wenn ich das erste Bier trinke, weiß ich schon: Der Tag ist gelaufen. Danach vegetiere ich nur noch vor mich hin und schaue Fernsehen oder YouTube <X.

    Der Gedanke, dass es so nicht weitergehen kann ist in den letzten Monaten immer stärker geworden. Vor allem jetzt, wo ich meinen Job gekündigt habe und ab nächstem Jahr den Weg in die Selbstständigkeit gehen möchte. Weiter für große Konzerne und deren Interessen zu arbeiten hat mich zunehmend frustriert :thumbdown:.

    Nun aber zum eigentlichen Punkt: Wie es der Zufall wollte, habe ich seit Sonntag kein Bier mehr getrunken :!: In letzter Zeit habe ich abends häufiger am Rechner gezockt und Alkohol macht mir das zunehmend schwerer. Dadurch hat sich das Trinken ohnehin nach hinten verschoben statt ab 17 oder 18 Uhr oft erst ab 22 oder 23 Uhr.

    Vergangenen Sonntag wurde es beim Spielen einfach immer später. Der Kiosk hatte schon zu also blieb ich nüchtern. Ich dachte zwischendurch: Komm, fahr zur Tanke. Aber irgendetwas in mir hat das blockiert. Um 3 Uhr morgens kam mir der Gedanke jetzt zur Tankstelle zu fahren völlig absurd. Ich musste früh aufstehen und wollte mir nicht die Blöße geben mitten in der Nacht drei Bier zu kaufen während andere ihren ersten Kaffee holen :/. Also bin ich einfach ins Bett und ich habe geschlafen.

    Die ersten zwei Nächte hatte ich zwar Alpträume aber ehrlich gesagt hat mich das sogar gefreut, denn ich habe schon jahrelang nicht mehr geträumt. Durchschlafen konnte ich sowieso nicht mehr wirklich.

    Und jetzt: fünfter Abend ohne Bier. Ich bin selbst überrascht wie gut es bisher funktioniert. Die Angst vor schlimmen Entzugserscheinungen war groß und hat mich auch davon abgehalten meinen Konsum noch weiter zu steigern oder zu harten Sachen zu greifen.

    Warum schreibe ich das alles jetzt? Heute spüre ich zum ersten Mal so richtig den Suchtdruck. Diese innere Unruhe kenne ich vom Rauchen (leider bin ich da ebenfalls stark abhängig). Auch das möchte ich eigentlich beenden aber ich weiß, dass ich weiter trinke werde ich vom Rauchen nicht loskommen. Trotzdem: Schritt für Schritt. Erst die Abstinenz, dann rauchfrei. Ich will vermeiden dass ein Rückfall beim Rauchen gleich wieder mit Alkohol belohnt wird.

    Genau das ist mir vor sechs bis sieben Jahren passiert. Eine Woche trocken dann ein Sixpack und eine Schachtel Zigaretten. Natürlich redet man sich ein: Morgen hörst du wieder auf… Der Rest ist bekannt.

    Diesmal soll es anders laufen. Ich will es schaffen und muss es auch. Die Haltung dazu ist da. Jetzt lerne ich wie ich mit diesen Situationen klarkomme ohne in alte Muster zu fallen. Und deshalb erhoffe ich mir in diesem Forum Rat zu finden und diesen Prozess auch gerne zu dokumentieren um mich selbst zu commiten. Ich dachte lange: Ach so schlimm ist es bei dir nicht. Aber ich bin mir mittlerweile sicher, dass ich nicht der einzige bin. Einen körperlichen Entzug merke ich nicht. Beim Arzt war ich diesbezüglich auch schon einmal. Da wurde es aber abgestempelt nach dem Motto: So schlimm ist es nicht. (Den Satz hatte ich dann wohl adaptiert)

    Mein Ziel ist die absolute Abstinenz. Alles andere endet am Ende doch wieder dort, wo ich vor einer Woche war. Ich kenne diese Kettenreaktion.

    Es gibt noch viele weitere Gründe weshalb ich aufhören möchte aber das wäre hier wohl zu viel auf einmal. Wer bis hierhin gelesen hat: Vielen Dank. Ich wünsche dir eine gute Nacht und alles Gute.


    Boss 8)