Schon vor ca. 9 Jahren habe ich gemerkt, dass mein Alkoholkonsum riskant und nicht normal ist. Ich habe da schon jeden Tag getrunken…die Konterhalbe musste natürlich immer sein…
Aber weil ich eben gemerkt habe, dass es Zuviel ist, habe ich schon damals meinen Konsum ‚getrackt‘.
Ich habe in meinem Notizbuch jeden Monat eine Grafik mir gemacht mit einer Skala von 1-5 und ein „+“ , wenn es mehr als 5 Bier waren.
Meistens musste ich 4 und aufwärts anwählen. Eigentlich war das ziemlich sinnlos, zum weniger trinken hat es auf jeden Fall nicht geholfen. Ich wusste nur dadurch, dass ich jeden Tag Zuviel Trinke(was ich vorher ja schon wusste)!
Vor ca. 6 Jahren, die Spitze der Sauferei, habe ich das schon garnicht mehr aufgeschrieben…, war mir eh schon egal und ich wusste ja dass ich jeden Tag trinke und das sehr viel.
Vor 4 Jahren hatte ich einen Wendepunkt. Ich habe begriffen, dass ich süchtig bin und wenn ICH jetzt nichts tue, gehtmein Leben den Bach runter…Ich habe auch wiederangefangen meinen Konsum aufzuzeichnen. Aber diesmal nicht wieviel ich trinke , sondern ob ich was getrunken habe an diesem Tag.
Das war ein tolles Erfolgsgefühl, als ich dann irgendwann zwei Tage hintereinander einkreisen konnte!
Als es dann über 20 Tage in Folge waren, und immer wieder dann 14 Tage, dann mal 5, dann wieder gute 20 Tage, war ich davon überzeugt, ich habe es überwunden und ich kann nun ganz „normal“ wieder Alkohol trinken.
Wegen diesem ‚tollen‘ Erfolg dass ich es schaffe nicht täglich zu trinken, und einer großen Portion Selbstüberschätzung, habe ich nicht mehr aufschreiben wollen, wann ich getrunken habe, … Es sollte ja keine große Bedeutung haben , es war ja nun ‚kein Problem‘ für mich mehr…
So lief das dann 2-3 Monate , in denen der Alkohol wieder regelmäßiger wurde. Ohne dass ich es wirklich nachvollziehen konnte. Und dann…ehe ich mich umschauen konnte, habe ich wieder täglich getrunken,
einziger Unterschied: keine 5-6(oder mehr) Bier, sondern süßer Sekt und davon 1-2 Flaschen inklusive mal Bier zusätzlich oder was sonst noch so im Angebot da war.
Bravo… Ich war wieder da, wo ich nicht hinwollte.
Dann habe ich wieder jeden Tag eingekreist, an denen ich alkoholfrei war.
Es ist erschreckend, wie schwer es war, wieder nur mehrere Tage nichts zu trinken. Und trotzdem war ich überzeugt, ich könnte wieder zurück zum „kontrollierten Trinken“.
In den letzten 3 Jahren wurde das Trinken/Nicht-Trinken dann sehr zum Thema! Meine andauernden und vergebliche Versuche dem Alkohol zu entsagen, gepaart von Streitereien mit meinem Partner über seinen und meinen Konsum; Trinkpausen, Rückfälle, körperliche Entzüge, psychische Belastungen
und nie den ECHTEN WILLEN , den Alkohol komplett zu streichen.
Dann letztes Silvester habe ich es mir dann wieder ‚gegönnt‘ …
Einige Sektflaschen, Bier und Hochprozentiges.
Die Stimmung super, Essen super, alle gut drauf…
Nach Mitternacht ist es aber passiert, : meine Stimmungslage ist total gekippt, ich habe gesagte Dinge falsch aufgefasst, ..Eifersuchtsparanoia vom Feinsten!! Streit, usw….
das war dann nochmal ein Wendepunkt für mich.
Ich wusste dass Alkohol meine Realität auf eine echt übelste Art verzerrt und meine Gefühls-Gedankenwelt dann auch nicht mehr zu kontrollieren ist!
Mir war klar, dass ich nicht normal Trinken kann und nie mehr werde!
Dann begann wieder eine Phase, in der ich die Trinkmengen reduziert habe, mehrere Tage nüchtern war, öfter Trinkpausen hatte und mich dann hier im Forum angemeldet habe.
Aber die Anmeldung kam eigentlich daher, dass ich mich über Co-Abhängigkeit informiert habe und nicht weil ich geplant habe, mein Leben nun Abstinent zu sein , Komplett..
Ich war sehr motiviert! Es waren ja immerhin schon wieder mehrere Tage trocken.
Und so kam der Rückfall! Oder war es doch wieder nur eine Trinkpause!?
Und es war wieder da: , schon wieder(!) dieses miese Gefühl von Scham, Schwäche, Nutzlosigkeit, Unfähigkeit usw.
…Und das war es!
Es gibt keine Umwege, keine Abkürzungen und keine Hintertüren !
Ganz oder Garnicht!
Das erste Mal konnte ich verstehen, warum Alkoholiker (mich eingeschlossen ) nicht mehr trinken können ( und nicht mehr wollen) ! Nichtmal einen Schluck!
Also bin ich wieder zum Forum zurückgekehrt.
Und zeichne seitdem jeden Abend einen Kreis um den Tag im Kalender.
[Das wollte ich jetzt einfach mal mit euch teilen…]
Ich meine damit, wie wichtig es ist, einen ganz echten, ehrlichen Willen zu haben sein Leben komplett abstinent zu sein und keine Ausnahmen zu machen.