Beiträge von Morgaine

    Also habe ich mich eine ganze Weile in allen möglichen Dingen ausprobiert und herumexperimentiert. Sport, neue Hobbys, verschiedene Beschäftigungen … Ich durfte mich erstmal wieder richtig kennenlernen und da kam einiges zu Tage.

    Du stehst gerade an einem Punkt, an dem sich vieles neu sortiert und da kommen eben auch „unschöne“ und vollkommen irrationale Gefühle und Emotionen hoch.

    Und weil du Tai Chi erwähnt hast, vielleicht wäre regelmäßige Meditation ja auch etwas für dich? Mir hat das tatsächlich sehr geholfen, etwas Abstand von meinem inneren Kopfkino zu bekommen.

    Hallo Kurswechsel,

    ja, das Ausprobieren und Experimentieren habe ich mir auch vorgenommen... ich bin da noch sehr unsicher und arbeite gerade an einer neuen Haltung: dass es nciht perfekt sein muss und ich auch einfach ausprobieren darf, ohne dass es zu einem tollen Ergebnis kommen muss.
    Meditation ist leider sehr schwierig für mich. Ich habe sie oft probiert, aber aufgrund meiner PTBS dissoziiere ich da sehr schnell...
    Aber vielleicht finde ich mal eine gute traumsensible Meditation :) dann werde ich es wieder probieren...
    Vielen Dank fürs teilen Deiner Gedanken!
    Liebe Grüße
    Morgaine

    Es ging am Ende ums Überleben, da war kein Platz für Scham, Stigma oder mangelndes Selbstwertgefühl. Erstmal richtig nüchtern werden, den Alltag neu aufstellen und täglich die Erkenntnis, dass es ohne Alkohol so viel besser ist. Nach und nach kamen auch unangenehme Erinnerungen an die Saufzeit hoch, die haben auch ihren Raum bekommen, aber ich habe versucht, mich nicht daran aufzuhalten, sondern immer nach Vorne zu schauen. Das musste ich trainieren.

    Hast du dir die Grundbausteine durchgelesen? Die sind eine gute Orientierung, nicht nur für die Anfangszeit.

    Hallo Hera,

    ja, die Grundbausteine habe ich gelesen und sie sind sehr hilfreich!

    Wenn ich Deine Nachricht lese, besonders die zitierten Zeilen, frage ich mich, ob ich nicht wirklich einfach zu viel Zeit habe zum Grübeln... durch meine Rente bin ich ja nicht in der Arbeit. Ich habe zwar eine Anbindung an ein kreatives Projekt und andere Termine, aber es bleibt eben doch viel Zeit übrig... Nunja, dass ich schon länger wegen einer PTBS arbeitsunfähig bin, ist Fakt, daran wird sich so schnell nichts ändern... ich beherzige sehr Deine Worte, nach vorne zu schauen... Danke Dir dafür!
    Liebe Grüße
    Morgaine

    Hallo in die Runde,

    jetzt traue ich mich einfach mal, zu schreiben, was mir seit meiner Erkenntnis, dass ich Alkoholikerin bin, durch den Bauch und den Kopf geht.
    Ich bin einerseits unfassbar dankbar, dass die Menschen, mit denen ich darüber gesprochen habe, emphatisch und respektvoll reagiert haben.
    Dass ich so schnell einen Termin für ein Erstgespräch zur Suchttherapie bekommen habe. Und dass ich einen eisernen Willen in mir entdeckt habe, trocken zu bleiben. (Heute Tag 12)

    Andererseits merke ich, dass ich mich seit 12 Tagen nur noch als Alkoholikerin sehe und als nichts anderes mehr. Als ob ich nie was geleistet, erreicht hätte. Als ob ich aus nichts anderem bestehen würde als aus der Sucht. Meine Persönlichkeit oder Identität scheint geschrumpft zu sein auf das Trinken allein.
    Heute morgen war ich nach acht Jahren das erste Mal wieder im Tai Chi und ich bekam wieder einen Hauch davon zu spüren, wie es ist, wenn man eine Person mit vielen Facetten und Anteilen ist. Aber schon kurz nach dem Unterricht war das wieder vorbei.

    Und ich gestehe, mein Selbstwert leidet enorm unter der Situation. Ich kann mir noch so oft sagen, dass Alkoholsucht eine Krankheit ist. Dass es gut ist, dass ich jetzt das Ruder herum reiße und Veränderungen in die Wege geleitet habe. Es nützt überhaupt nichts. Ich fühle mich so klein mit Hut, dass ich von der Teppichkante Fallschirm springen könnte...

    Mir ist bewusst, dass das keine rationalen Gründe hat. Ich würde selber jedem alkoholkranken Menschen sagen, der das gleiche fühlt, dass das Unsinn ist.
    Nur mir selber kann ich es irgendwie nicht zugestehen. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich immer noch geschockt von mir selber bin...

    Mich würde sehr interessieren, wie das bei Euch am Anfang war, nachdem Ihr das Trinken aufgehört habt und Euch als Alkoholiker*in erkannt habt - ging es Euch ähnlich? Kennt ihr das Gefühl, nur noch als Süchtige*r definiert zu sein? Oder ist das eine Spezialität meiner Gedankenkreise...?

    Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr Eure Erfahrungen dazu teilen mögt...

    Morgaine

    Hallo Carl Friedrich ,

    vielen Dank für Deine Ausführungen und die guten Wünsche! Ich war heute schon fleißig am Lesen hier und merke, dass es hier sehr viel Wissen und Erfahrung zu bergen gibt!

    Und ja, dass ich nicht zur Arbeit muss, ist ein Segen im Moment.
    ich habe außerdem großes Glück, dass mein kleines aber feines Umfeld keinen Alkohol trinkt.

    Die größte Herausforderung sehe ich tatsächlich im Moment darin, die Zeit am Abend sinnvoll zu füllen und mit meinen Gefühlen klar zu kommen. Ich freue mich, dass ich mich selber wieder bewusster wahrnehme, aber damit einher geht ja auch, dass ich neue Wege der Regulation finden muss. Das ist jetzt meine Aufgabe.

    Danke Dir nochmal und viele Grüße!
    Morgaine

    Hallo Hera,

    vielen Dank für den Hinweis!

    Ich habe alleine entzogen und habe bis auf Kleinigkeiten keinen körperlichen Entzug gemerkt - aber das Psychische reicht schon…

    Ich frage mich, wie lange das Craving andauert in der Intensität… nunja…
    Am Mittwoch habe ich ein Erstgespräch für eine Suchttherapie, davon erhoffe ich mir viel.

    Eine organisatorische Frage hätte ich:

    Was ist notwendig von meiner Seite, damit ich im offenen Bereich schreiben kann? Irgendwie habe ich das noch nicht verstanden…🙈


    Danke und Grüße

    Morgaine

    Liebe Forums-Mitglieder*innen,

    die Erkenntnis, dass ich alkoholkrank bin ist noch sehr frisch, genauer gesagt eine Woche alt. Seitdem habe ich nichts mehr getrunken und das soll so bleiben.
    Das Craving ist hart, aber heute war ich das erste mal in einer Selbsthilfegruppe vor Ort und das war gut.
    Ich bin weiblich, 52 Jahre und in Erwerbsminderungsrente. Getrunken habe ich täglich aus Einsamkeit, Langeweile und um zu vergessen und nicht mehr Denken zu müssen oder um Stress abzubauen. In der Regel abends allein zu Hause. Aber dann eben auch schon nachmittags und schon lange ist es nicht mehr bei dem einen Glas geblieben, wie ich es mir vorgenommen hatte und keine "Trinkregel" habe ich eingehalten... Dann wurde mir bewusst, wie sehr ich mich am Vormittag schon auf den Wein am Abend freute und und so langsam kamen immer mehr Hinweise dazu bis ich letzte Woche die Augen vor der Realität nicht mehr verschließen konnte.

    Derzeit bin ich am überlegen, ob ich eine Suchttherapie machen sollte. Habe aber Angst davor, dass die Erkrankung bei der Krankenkasse und in meiner Akte bekannt wird. Von einer Bekannten, die lange alkoholkrank war, habe ich erfahren, dass man dann oft Schwierigkeiten hat, Therapeuten oder Ärzte zu finden bzw dass es Nachteile geben kann, wenn die Suchtkrankheit aktenkundig ist.
    Ich erhoffe mir unter anderem, Eure Erfahrungen zu diesem Thema zu hören.
    Bisher habe ich meinen zwei engsten Freundinnen von meiner Sucht erzählt, aber anderen Personen traue ich mich noch nicht zu offenbaren, die Scham sitzt tief.

    Der Gedanke, der mich seit Tagen umtreibt ist: wie konnte es nur so weit kommen? Ich schäme mich nicht nur vor anderen sondern auch vor mir selbst.

    Nun denn, das soll es für heute von mir gewesen sein.

    Ich freue mich auf den Austausch hier und danke Dir fürs Lesen meines Posts.

    Morgaine