Ich sage ja schon. Es gibt Unterschiede im Weg oder der Denkweise.
Und solange hinter dem Ganzen am Ende „trocken“ steht, ist das erstmal okay, egal, wie jemand dahin gekommen ist. Ich bin hier ja bekanntlich kein großer Freund von tiefenpsychologischen Analysen, theoretischen Modellen oder endlosen Ursachenforschungen , zumindest dann nicht, wenn keine schwere psychische Erkrankung dahintersteht.
Ich habe das für mich nie gebraucht und auch nie als notwendig empfunden. Meine Erkenntnis war irgendwann schlicht die Notwendigkeit. Fertig. Natürlich gab es bei mir genug Begleitumstände rund um die Sucht, aber das war für mich nie „der Grund“, sondern eher das Umfeld, in dem die Sucht gewachsen ist.
Getrunken habe ich trotzdem. Und aufgehört habe ich am Ende auch. Dazwischen war der Absprung, den ich nicht geschafft hatte.
Und da macht es für mich eben auch einen Unterschied, ob jemand zwei oder drei Jahre problematisch gesoffen hat oder ob einer sich jahrzehntelang komplett zerlegt hat. Für mich ist es heute egal, ob es „gute Gründe“ fürs Saufen gibt oder nicht. Es bringt ja nichts. Ich bin süchtig und kann mit dem Zeug nicht mehr umgehen.
Mir ist auch nicht wichtig, rückblickend auszuwerten, ob sich das alles „gelohnt“ hat oder welche tiefere Bedeutung dahintersteckt. Ich muss heute meinen Tag nüchtern verbringen , das reicht mir völlig. Und ich verbinde Trockenheit inzwischen auch nicht mehr mit Stolz oder besonderer Leistung. Am Anfang vielleicht. Aber das ist lange vorbei.
Der Rückfall beginnt sowieso nicht erst beim Griff zum Glas, sondern deutlich früher im Kopf. Und wenn ich merke, dass Gefühle, Stress oder innere Zustände anfangen, mich Richtung Alkohol zu schieben, dann ist ein alkoholfreies Umfeld für mich keine Einschränkung, sondern schlicht Risikominimierung.
Es ist ein Satz der Hoffnung.
Er bedeutet: Gib niemals die Hoffnung auf. Ja es klingt lächerlich, aber mir hat mal eine Ergotherapeuten, die in
Du benutzt oft Begriffe und erklärst dann, was sie für dich bedeuten. Das ist auch völlig okay. Aber deine Deutung muss ja nicht automatisch die gleiche Bedeutung für andere haben.
Für den einen bedeutet ein Begriff etwas völlig anderes als für den nächsten User, der hier neu aufschlägt. Genau deshalb halte ich persönlich nicht viel davon, alles bis ins Detail theoretisch erklären oder zerlegen zu wollen.
Ich muss mir die Sucht auch nicht bis in jede Nuance erklären. Mir reicht erstmal die Erkenntnis, dass sie eben nicht vollständig erklärbar ist und vor allem, dass sie stärker werden kann, wenn ich anfange, mich zu sehr gedanklich mit ihr zu beschäftigen.
Und genau das habe ich hier in über zwanzig Jahren bei vielen Rückfällen erlebt. Da wurde analysiert, verstanden, gedeutet, Ursachen gesucht, Nuancen herausgearbeitet und innerlich schon wieder mit der Sucht verhandelt. Das sieht nach außen oft sehr reflektiert aus, ist für mich als Alkoholiker aber manchmal einfach nur die nächste Schleife Richtung Rückfall.
Deshalb halte ich es lieber einfacher. Impuls erkennen, Risiko ernst nehmen, nicht trinken, Alltag weiterleben.
So, jetzt haben wir uns mal abgeklopft. Dir weiterhin einen schönen Austausch.