Medizinisch bin ich Alkoholiker weil der Alkohol eine Bedeutung für gewisse Situationen ist/war, die Nichttrinker ja nicht zum Alkohol greifen lassen. Der Grad der Abhängigkeit und das Verlangen, das sehe ich tatsächlich als sehr schleierhaft. Ich habe nie des Trinken Willens getrunken, sondern nur in Situationen mit seelischer Angespanntheit und Traurigkeit.
Das Medizinische interessiert mich dabei nur am Rand. Entscheidend ist für mich etwas anderes
Sieht sich der Alkoholiker selbst als solchen oder nicht. Tut er das nicht, säuft er früher oder später wieder. Das ist keine willkürliche Prognose, sondern gelebte Erfahrung. Einen „Grad“ der Abhängigkeit halte ich für irrelevant.
Das ist oft nichts anderes als eine nasse Diagnose aus Zeiten, in denen noch gesoffen wurde. Für ein trockenes Leben hat das keine Bedeutung. Im Gegenteil: Häufig dient es nur dazu, sich einzureden, es sei ja „nicht so schlimm gewesen“. Und genau das öffnet der Sucht wieder die Tür.
Entweder jemand ist süchtig oder nicht. Das ist die Grundvoraussetzung. Und wenn nicht aus freiem Willen getrunken wird, dann ist es eben die Sucht, die treibt. Darüber sollte man sich klar sein.
Alles andere – Depressionen, deren Folgen, Beziehungsgeschichten und andere schwierige Themen , gehört ausschließlich in qualifizierte Hände. Das ist ein anderes Feld. Das ist auch nicht mein Thema, weil ich anders ticke und handle.
Ich unterbaue nicht alles psychologisch und suche keine Begründungsschleifen. Ich opfere mich weder in Beziehungen noch für andere auf, egal für wen. Der Gedanke daran zeigt mir, dass es dann eher um Anerkennung oder um etwas geht, das ich mir selbst nicht geben kann. Das ist nicht mein Weg.
Ich verstehe, dass es vielen anders geht, und ich verurteile das nicht. Ich bewerte es nur für mich. Deshalb, klär das mit deinem Therapeuten. Der weiß, was zu tun ist.
Hier geht es um herauszufinden, wie du nicht mehr zum Glas greifst. Und solange du Gründe fürs Saufen findest, bist du nicht stabil. Denn die Sucht liefert dir diese Gründe zuverlässig selbst.