Individualität in der Sucht

  • Nachdem hier in sehr vielen Threads immer wieder das Thema "Individualität" hochkommt, würde mich mal interessieren, was denn bei den Einzelnen so individuell an ihrer Alkoholsucht war. :shock:

    Die "Begleitumstände" (z.B. soziales Umfeld, berufliche Situation etc.) meine ich bewusst nicht - weil die nicht suchtrelevant sind wenn es darum geht, unsere Krankheit zum Stillstand zu bringen.

    Also, ran an die Tasten, erklärt es mir bitte:

      wo ist diese so oft ins Feld geführte Individualität in der Sucht?
      Wie äußert sich diese?
      Wie kann es sein, dass diese Individualität einen Alkoholiker vom "geraden" Weg in die Trockenheit abbringen muss?

    :?:

    Danke und LG
    Spedi

  • Hallo Spedi,

    da dieser Thread ja direkt aus einer meiner Aussagen aus einem anderen Thread entsprungen ist, mag ich ganz kurz mal:

    Ganz ehrlich: Ich bewundere Deine Stringenz und Deine Konsequenz in der Umsetzung der Grundbausteine. Aber bei aller Vorsicht bist auch Du immer wieder alkoholischen Reizen ausgesetzt. Sei es nun in der Werbung, oder wenn Du in der Stadt eine angetrunkene Person zu sehen bekommst. Jetzt behaupte ich einmal ganz verwegen, dass solche Reize eben auch eine individuell intensive Aktivierung des Suchtgedächtnisses hervorrufen. Nur eine These, aber in letzter Konsequenz hättest Du ansonsten auch Deinen Führerschein schon lange abgeben müssen, da sich ja die Gefahr ergeben könnte, an einer Bierreklame vorbeizufahren. Zum Schutze der Trockenheit gäbe es nur eine Möglichkeit: Augen zu und mit Vollgas an der Gefahr vorbei! Und zwar ohne Rücksicht auf querende Fußgänger oder andere in dieser Situation irrelevante Dinge. Wenn Du mir sagst, dies sei Blödsinn, so bitte ich Dich, mir zu erklären, warum und wie Du es schaffst, an einer Bierreklame vorbeizufahren? Ferner würde ich Dich bitten, mir zu erklären, warum manche in diesem Forum tatsächlich Probleme mit Werbung für alkoholische Getränke haben und ob es dann im Sinne der eigenen Sicherheit wäre, künftig aus beschriebenem Grunde kein Auto mehr zu fahren.

    Sei mir nicht böse, dass ich jetzt ein wenig überzeichnet habe, aber diese Fragen stellen sich mir tatsächlich :shock:.

    Zuletzt sei bemerkt, dass

    Zitat von Spedi

    Die "Begleitumstände" (z.B. soziales Umfeld, berufliche Situation etc.)


    mit Sicherheit keinen suchtrelevanten Faktor im engsten Sinne darstellen, wohl aber sehr wichtig für die eigene, persönliche Zufriedenheit sind. Und diese Umstände positiv zu gestalten, da sind wir uns sicher einig, ist für eine dauerhafte Trockenheit mit Sicherheit von Vorteil (und leider auch sehr individuell).

    That’s all! :wink:

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo,

    ich bin zwar nur Co, aber trotzdem interessiert es mich.

    Ich habe das mit der Individualität die hier so oft beschrieben wurde so verstanden:

    Wenn jemand z.B. den ganzen Tag in/am einem Kiosk gestanden hat und dort getrunken hat, bedeut das für mich das er wenn er trocken ist, am sichersten seine Zeitungen nicht mehr an einem Kiosk kaufen sollte.

    Jemand anders der nie in/am einem Kiosk getrunken hat kann problemlos dort Zeitungen kaufen.

    Weil der eine assoaziert mit Kiosk= Alk
    also Suchtgedächnis= Suchtdruck= evt. Rückfall

    Oder bin ich jetzt ganz am Thema vorbei?

    Liebe Grüsse
    Elocin

    Einmal editiert, zuletzt von Anonymous (29. April 2008 um 18:11)

  • Hallo Spedi,


    vielleicht aus Karsten`s letzten Satz auf der ersten Seite:


    Zitat

    Das Alkoholikerforum ist nur ein Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten. Bitte darauf achten, dass nicht alle Erfahrungen auf jeden anwendbar sind, da jedes Suchtproblem individuell ist.

    Wenn ich ehrlich bin, hab ich meine Alkohol-Erkrankung auch am Anfang als etwas ganz individuelles gesehen.

    Ich habe vermeintlich getrunken weil,........

    meine Mutter Selbstmord beging,
    meine Kindheit und Jugend so schlecht war,
    mein Vater und meine Stiefmutter auch schon immer gerne mal einen tranken,
    Depressionen dazu kamen,
    meine Ehe zerbrach,..........und so weiter ........

    Heute kenne ich Menschen aus meinem Umfeld die genau dieselben Strukturen durchlebt haben, denen es noch viel schlimmer erging,.......

    die trinken nicht !!!!!!!!!!

    Ich sehe heute meine Suchterkrankung nur noch als individuell an, weil sie meine eigene Person betrifft, ansonsten gelten für mich alle Faktoren der Sucht gleichermaßen, SUCHT ist SUCHT, meine Meinung !

    L.Gr. Rose

  • Hallo Spedi,

    jetzt wechseln wir mal den Thread.

    Zitat von Spedi

    Die "Begleitumstände" (z.B. soziales Umfeld, berufliche Situation etc.) meine ich bewusst nicht - weil die nicht suchtrelevant sind wenn es darum geht, unsere Krankheit zum Stillstand zu bringen.

    Ich hoffe das Du da einen Schreibfehler beganngen hast!!!!!!!

    Denn ich frage mich warum in der Therapie so vehemend und nachdrücklich, hier im Forum übrigens auch, darauf hingewiesen wird sein, wenn vorhanden, trinkendes soziales Umfeld umgehend zu verlassen!!!!
    Denn aus Deinem Satz könnte ich entnehmen dass das Umfeld, auch ein trinkendes keine Relevanz hat ob meine Krankheit zum Stillstand gebracht wird oder nicht.

    Individualität im Verlauf der Sucht ist für mich wie mein Suchtgedächtnis programmiert ist.
    Viele Dinge welche bei Anderen den Wunsch hervorrufen zu trinken, wecken bei mir dieses Verlangen nicht.
    Weil eventuell genau diese Programmierung bestimmter optischer Reize, akustischer Reize = Aktivierung des Suchtgedächtnisses = Verlangen nach dem Suchtmittel bei mir so nicht vorhanden ist.

    Eine Bierreklame zum Beispiel spricht mich nun mal nicht an. Weder im Fernsehen, noch im Kino, noch in einer Zeitung, noch als riesiggroßes Poster auf ner Werbetafel.
    Da kann ich nichts dafür, das ist so bei mir.
    Wenn da irgendwas in meinem Gedächtnis in Gang gesetzt würde, dann höchstens solche Gedanken wie Magen und Leibschmerzen durch zu kaltes Bier, der ständige Gang zur Toilette und andere unangenehme Erinnerungen.....
    Ist das jetzt die von Dir angesprochene Individualität?
    Du könntest doch bei dem von mir geschilderten Beispiel saufdruck schieben.
    Da reagieren wir beide sehr unterschiedlich, individuell bei der gleichen Krankheit auf die gleiche Situation.
    Deswegen ist Deine Krankheit nicht individueller als meine. Vielleicht in der Ausprägung, aber da bin ich mir auch nicht so sicher.

    Ich muß nicht zum Beispiel nach der Entgiftung direkt ins Bierzelt marschieren um mir zu beweisen das mir das trinkende Umfeld nicht ausmacht. Das ist nicht individuell, das ist höchstgradig leichtsinnig.

    Ich muß nicht im Eiscafe sitzend mir einen Eisbecher bestellen und mir nachher einen Wunderbeutel umhängen das da Likör drin war. Lesen und Fragen kann ich vorher, das ist auch nicht individuell.

    Ich muß nicht den auf sein "Feierabendbier" pochenden Partner auf dem Sofa neben mir dulden, weil er nichts für meine Krankheit kann und warum soll er verzichten, das zeugt von wenig Respeskt und mangelnder Achtung des Anderen mir gegenüber und ist nicht Ausdruck von Individualität.

    Der eine bekommt den Filmriss mit 2, 0 Promille, der nächste "schafft" 3,2.
    Auch das ist kein Ausdruck von Indivualität sondern mehr ein Zeichen der Toleranzgrenze und Gewöhnung an den Alkohol.

    Unterm Strich kommt keine wirkliche Individualtät raus. Das jedes Suchgedächtnis auf die genannten Reize mehr oder weniger heftig reagiert hat nichts damit zu tun das die Krankheit bei mir individuell sein könnte. Das ist sie garantiert nicht!

    Das meine Gedanken dazu.

    Gruß
    Mannberlin

  • Hallo Spedi,

    die Suchterkrankung verläuft individuell sehr unterschiedlich. Während einer sich mit Ende 20 tot gesoffen hat, trinkt ein anderer ein halbes Jahrhundert süchtig vor sich hin, ohne dass sich sein Pensum merklich verändert. Das Trinkverhalten eines Alkoholikers ist genauso individuell, wie sein Krankheitsverlauf. Und was Joe mit den Reizen geschrieben hat, die verschiedene Situationen im Suchtgedächtnis auslösen, ist natürlich auch zu berücksichtigen, wenn wir von einer Individualität der Sucht sprechen.

    Nichtsdestotrotz berührt das natürlich nicht die Tatsache, das die "Grundbausteine der Trockenheit" für JEDEN ein richtiger Weg sind. Es ist ein Weg der sich bewährt hat - und mit dem man nichts falsch machen kann. Wer von der Grundphilosophie der hier vertretenen Trockenheitsarbeit individuell abweicht geht ein gewisses Risiko ein - aber das ist eben bei jedem individuell. Ich z.B. habe mich im ersten Jahr meiner Trockenheit auch nicht immer 100 % an die allgemein empfohlene Distanz zu alkoholtrinkenden Mitmenschen (v.a. im familiären Umfeld) gehalten - weil es für mich o.k. war und ist und ich das Restrisiko vor mir selbst vertreten konnte.

    Im Unterschied zu manch anderem vielleicht, versuche ich aber nicht durch diese individuellen Abweichungen Aufmerksamkeit zu erregen, oder gar Grundsatzdiskussionen im Forum zu beginnen, ob die Grundbausteine der Trockenheit alle notwendig seien, und ob das nicht alles zu eng gesehen wird. Denn ich weiß, das hier auch viele neue Mitglieder surfen, die eben nicht wissen, was richtig und was falsch ist, und die am besten und am sichersten aufgehoben sind, wenn sie Grundbausteine zur Trockenheit 1:1 umsetzen. Und im Interesse dieser Mitglieder würde ich mir heute nicht mehr anmaßen, Grundbausteine infrage zu stellen und das mit meiner Individuellen Suchtgeschichte zu rechtfertigen.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo,

    für mich ist der Kontrollverlust das, was die Sucht ausmacht.

    Ich kann nicht wenig trinken. Und das geht uns allen so.

    Wie, wo, wann, wieviel. ob verheiratet, geschieden, ledig...

    Das spielt alles keine Rolle dabei, es sei denn wir beurteilen die Ursachen der Sucht. Die sind sicher bei jedem andere, individuelle.


    LG kommal

    unterwegs...

  • Hallo Spedi,

    Zitat

    was denn bei den Einzelnen so individuell an ihrer Alkoholsucht war

    Nix!
    Umso länger ich mich hier im Forum aufhalte, desto bewusster
    wir mir wie sehr sich doch die einzelnen Suff-Karrieren gleichen.
    Unterschied: Der ein bekommt die Kurve früher, der andere später,
    mache nie.
    Individualität kann ich nur bei der "Trockenwerdung " erkennen.

    Paolo

    Als ich auf einer Kaufhaus-Kundentoilette in meiner eigenen Kotze aufwachte, hätte ich aufhören müssen zu saufen.
    Da war ich gerade mal 20 Jahre alt.
    Es sollten aber noch 30 Jahre vergehen!

  • Zitat von Spedi

    , was denn bei den Einzelnen so individuell an ihrer Alkoholsucht war. :shock:

    Danke Spedi, ich kann mich endlich kurz fassen:

    "NIX"

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Miteinander,

    erst einmal möchte ich sagen, dass ich es äußerst subjektiv finde, dass in diesem Thread "Begleitumstände" individueller Suchtrelevanzen, wie soziales Umfeld und berufliche Situation, welche sich ja unmittelbar bedingen, das Individuum definitiv beeinflussen und in der Quintessenz ausmachen, einfach ausgeklammert werden und dass nur der Befriedigung des Rigorismus willen. Sind es ja genau diese Faktoren, deren individuelle Manifestation im Forum der eigentliche Stein des Anstoßes sind, genau das, was hier primär reklamiert werden soll.

    Dennoch will ich mich an diesem, auf ein absolutes Minimum beschränkten Thema versuchen, auch wenn ich schon von vornherein diagnostiziere, bei bestimmten Leuten keine Kognition zu entfesseln.

    Natürlich weiss jeder, der es für sich erkannt hat: Sucht, ist schlicht und ergreifend Sucht. An ihrem Habitus und in ihrer Wirkungsweise gibt es nur eine Individualität, Sucht, sonst nichts.

    Aber ich denke, einer der den Umgang mit der Sucht am individuell beeinflussensten Faktoren, ist die Psyche des Menschen selbst. Nicht jeder Mensch hat ein Nervenkostüm aus Stahlseilen, unterliegt den gleichen psychosomatischen Dispositionen und reagiert auf gleichgelagerte Problematik, selbst beim besten Willen dazu, genauso wie ein anderer.

    Nehmen wir mal meine Ex. zum Beispiel. Sie ist zwar keine Alkoholikerin, aber zur Anregung der Phantasie mache ich sie jetzt einmal dazu.
    Sie hat seit ihrer Kindheit eine Angstneurose. Immer, wenn sie sich erschreckt, was jedem ja manchmal passieren soll und worauf ein Normalo nach ein paar Sekunden wieder normal ist, ist sie mindestens eine Stunde lang kreidebleich, kaum ansprechbar, vollendst deprimiert und kaum "Herr/Frau" ihrer Gedanken. Selbst, wenn sie ein Jahr trocken und in diesem Jahr auch nicht mit einem Schrecken konfrontiert wäre, gäbe ich, im Falle des Erschreckens und in dieser Stunde danach, keinen Cent auf ihre Aufmerksamkeit bzw. Trockenheit.

    Oder nehmen wir das Beispiel der rastlosen Traumverlorenen. Er/Sie gibt sich wirklich eifrig die allergößte Mühe alles 100%-tig, ganz nach Lehrbuch und absolut korrekt zu machen. Nur er/sie erreicht, tief versunken in seine/ihre ehrlichen und angestrengten Bestrebungen, es unbedingt nicht falsch zu machen, genauso 100%-tig das Gegenteil von dem was er/sie anstrebte.

    Oder nehmen wir den Alkoholiker selbst und den Zeitraum des ersten viertel Jahres seiner Abstinenz. Bei den Meisten herrscht ein, durch den Alkohol noch vollkommen durcheinander geworfenes Gefühlsleben, mit einer Palette ständig wechselnder Gemütsbewegungen von tiefsten Depressionen, Hilfs- und Ratlosigkeit, bis zu himmelhoch jauchzender Euphorie, deren Existenzen wohl kaum einer hier bestreiten kann, vor. Ist diese jeweils individuelle Stimmungslage 100%-tig dazu geeignet, einen absolut geraden Weg in die Trockenheit zu beschreiten, bzw. nicht abzuschweifen oder zu verlassen ?

    Weitere individuelle Faktoren sind für mich zum Beispiel: der Zeitfaktor und der wirtschaftliche Faktor eines Menschen. Diese nenne ich hier bewusst, da ich sie nicht unbedingt an ein soziales Umfeld oder eine berufliche Situation binden kann, sie also überall und auf jeden Einfluss nehmen können.

    Die Mutter oder der Vater mit vier kleinen Kindern zu Hause, hat bestimmt und selbst bei äußerster Konzentration, einen anderen Zeitfaktor beim Lesen und Verarbeiten von Trockenheitslektüre und Packungsaufschriften, als der alte oder kranke Mann, der nicht weiss womit er die Zeit daheim sonst totschlagen soll. Sind da nicht Fehler oder Abweichungen vorprogrammiert ?

    Und selbst der pedantischste Trockenheitsarbeiter, aus gut situiertem Hause und in gesicherter Geschäftslage, kann in der heutigen Zeit, von einer Sekunde auf die andere, die sehr individuelle Gefühlserfahrung machen, dass er plötzlich keinen Cent mehr in der Tasche hat. Genauso, wie der Penner durch einen Lottoschein morgen schon Millionär sein kann.

    Es gibt für mich nur eine einzige individuelle Betrachtung der Sucht selbst. Aber es gibt unzählige Individualitäten, die einen Alkoholiker tangieren, die Bewirken, ob er einen geraden oder einen sich schlängelnden Weg zum Ziel geht, oder ob er überhaupt keinen Weg in die Trockenheit findet.

    Wenn ich mich jedoch für Hilfe zur Selbsthilfe "herablasse" und anbiete, dann muss ich auch versuchen die unzähligen in Frage kommenden Individualitäten des um Hilfe bittenden Individuums herauszufinden und darauf sachlich eingehen, zumindest so lange, bis absolut fest steht, dass das Individuum eigentlich nur Ausreden sucht bzw. unbelehrbar ist. Dabei ist der deutliche Hinweis auf die Basis, die Grundbausteine, zwar der Wichtigste und richtig, aber er darf nicht das Alleinstellungsmerkmal tragen, wenn ich wirklich helfen will. Sonst würde nämlich eine Forumsseite mit den fett markierten Grundbausteinen, mit Ausrufezeichen, im Internet ausreichen und das ist bestimmt nicht im Sinne des Erfinders.

    Meine Individualität resultiert aus meiner wirtschaftlichen (SGB II), dadurch bedingten sozialen und meiner privaten (Ex-Freundin???) Situation. Aber ich habe wenigstens Nerven wie Stahlseile :lol: .

    LG, Andy

  • Servus @all,

    vielen Dank für Eure Rückmeldungen.

    Nachdem ich feststelle, dass die Überwiegende Mehrheit der hier Antwortenden eine ziemlich ähnliche Sichtweise hat, habe ich mir mal erlaubt, die Kernsätze zusammenzufassend darzustellen:

    Zitat von Rose2

    … Ich sehe heute meine Suchterkrankung nur noch als individuell an, weil sie meine eigene Person betrifft, ansonsten gelten für mich alle Faktoren der Sucht gleichermaßen, SUCHT ist SUCHT, meine Meinung !...

    Zitat von Mannberlin

    … Unterm Strich kommt keine wirkliche Individualtät raus. Das jedes Suchgedächtnis auf die genannten Reize mehr oder weniger heftig reagiert hat nichts damit zu tun das die Krankheit bei mir individuell sein könnte. Das ist sie garantiert nicht!...

    Zitat von kommal

    … für mich ist der Kontrollverlust das, was die Sucht ausmacht. Ich kann nicht wenig trinken. Und das geht uns allen so…

    Zitat von Paolo

    ... Nix!...

    Zitat von Kaltblut

    … "NIX"…

    Zitat von ottonv

    … Sucht, ist schlicht und ergreifend Sucht…

    Dies deckt sich auch mit meinen Erfahrungen. Sucht ist Sucht, da ist nichts individuelles daran. Es gibt keine „Alkoholiker 1. Klasse“, keine „Edelsäufer“, und keine „Ausnahmealkis“. Und jede(r) von uns muss aufpassen, das erste Glast stehen zu lassen bzw wir sind immer nur eine Armlänge vom nächsten Glas entfernt. :!:

    Mehr wollte ich zu dem Thema „Individualität der Sucht“ gar nicht wissen. Danke dafür! :)

    LG
    Spedi

  • Servus ottonv,

    danke für diese "Steilvorlage", die ich natürlich gerne "verwandle".

    Zitat von ottonv

    ...Wenn ich mich jedoch für Hilfe zur Selbsthilfe "herablasse" und anbiete, dann muss ich auch versuchen die unzähligen in Frage kommenden Individualitäten des um Hilfe bittenden Individuums herauszufinden und darauf sachlich eingehen, zumindest so lange, bis absolut fest steht, dass das Individuum eigentlich nur Ausreden sucht bzw. unbelehrbar ist. ...

      1.) Ich lasse mich nicht zur Hilfe für Selbsthilfe herab. Ich bin hier, weil ich etwas für mich mache. Nicht für Dich, nicht für's Forum, nicht für "die Allgemeinheit". Genau so wie ich für mich in die reale SHG gehe. Und das Angebot hier lautet: wenn Du Hilfe suchst, wirst Du hier ein Angebot an Selbsthilfe finden. Karsten macht Dir (und uns allen) dieses Angebot, indem er dieses Forum bereit stellt. :D

      2.) Ich muss gar nichts versuchen herauszufinden. Wenn Du (jemand) trocken werden willst (will), dann steht hier so viel Material, dass es für hunderte Alkoholiker zum trocken werden reicht. :idea:

      3.) Mich hat noch niemand um Hilfe gebeten beim Trockenwerden. Ich wüsste auch nicht, wie ich ihm/ihr das abnehmen könnte. Und ich will es nicht. Ich kenne denjenigen ja gar nicht. :!:

      4.) Ich bezeichne meinen Stil durchaus als sehr sachlich. Frag mal Blizzard und andere, die werfen mir das regelmässig vor. :P

      5.) Ob ein Individuum unbelehrbar ist und eigentlich nur Ausreden sucht, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich habe hier Kontakt mit Menschen und nicht mit Individuen. Nächste Stufe Subjekte, dicht gefolgt von klassifizierten Objekten? :shock:

    Einen schönen individuell trockenen Tag gewünscht vom

    Spedi

  • Hi Spedi,

    Du hast meine Frage bezüglich Deines Führerscheines nicht beantwortet? Oder erscheint Dir die Schilderung Deiner ganz persönlichen Wahrnehmung von Werbung für alkoholische Getränke zu individuell :wink:?

    Da dieser Thread auf einer, meiner Aussagen fußt, mag ich Dich noch einmal kurz darauf hinweisen, dass ich nicht von individueller Sucht, sondern von individuellen Aspekten (ja, der sozialistische Einheitsmensch ist seit einigen Jahren Vergangenheit :wink:) in der Trockenheitsarbeit gesprochen habe. Gäbe es hier ein Patentrezept, so wundert es mich doch, dass man nirgendwo davon hört.

    Zum Thema Sucht=Sucht: Ich glaube mich zu erinnern, dass die WHO den Begriff Sucht (addiction) in ihren Krankheitsdefinitionen gestrichen und durch den Begriff Abhängigkeit (dependence) ersetzt hat. Nicht zuletzt liegt das an einer Überstrapazierung des Suchtbegriffes:

    Alkoholsucht, Magersucht, Spielsucht, Kaufsucht, ja es gibt sogar noch die Gelbsucht. Vielleicht wage ich mich dem Abgrund trotzig ins Auge blickend ein wenig weit aus dem Fenster, aber ich behaupte einmal, dass diese Suchtformen durchaus differenzierbar sind. In gleicher Weise differieren Suchtgeschichten.

    Und nicht vergessen, ich bin der Frischling, Du der LZT, daher liegt das Recht, dumme Fragen und Thesen zu formulieren auf meiner Seite :wink: .

    Und nicht die Sache mit dem Führen eines Fahrzeuges in Sichtweise eines Bierplakates vergessen. War eine ernstgemeinte Frage.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Servus JoeDoe,

    ich hatte von der Individualität der Sucht gesprochen. Nicht von der Suchtgeschichte und nicht von der Suchtaufarbeitung. Das wären dann schon mal drei Paar Stiefel. Dein Kommentar beschäftigt sich dann doch eher mit der Suchtaufarbeitung und das war nicht mein Thema - die kommt ja erst nach der Sucht... :wink:

    Und ich werde wahrscheinlich weiterhin von Sucht schreiben, auch wenn sich die WHO auf einen neuen Begriff verständigt hat (schön, dass sie sich wenigstens bei Begrifflichkeiten einig sind :P ), weil mir das ziemlich schnuppe ist...Sucht ist Sucht...

    Und zum "Recht" auf irgendwas sage ich jetzt gar nix, weil es mir ....?!?

    Um abschließend auf Dein Thema Werbung am Rande einzugehen: nun, ich gestehe, ich habe mich mit dem Thema "Werbung" recht einfach auseinandergesetzt. Ich ignoriere sie nicht mal.

    Genau so wenig wie ich empfänglich (weder negativ noch positiv) für Werbung zu Gunsten von z.B. Damen-Monatshygieneprodukten bin, bin ich ansprechbar für/auf Alkoholwerbung. Warum? Nun, beides betrifft mich nicht. Wieso sollte ich mich dann angesprochen fühlen?

    Von da her kann ich sehr wohl aktiv am Straßenverkehr teilnehmen, ohne dass mich Alkoholwerbung im geringsten beeinflußt. Dazu muss ich vielleicht auch erwähnen, dass es mir (wie vielen anderen Alkoholikern auch) während meiner nassen Zeit völlig egal war, welchen Stoff ich zu mir nahm - Hauptsache, es war Stoff und er hatte genügend "Umdrehungen". Also auch damals war Werbung nicht mal nebensächlich...Und: ich habe niemals Werbung gesoffen, sondern immer Alkohol...

    Beantwortet das Deine Frage?

    LG
    Spedi

  • Hallo Spedi,

    Zitat

    Dein Kommentar beschäftigt sich dann doch eher mit der Suchtaufarbeitung und das war nicht mein Thema - die kommt ja erst nach der Sucht...

    Nach der Sucht??? Das klingt ja toll, wann bin ich denn geheilt von meiner Sucht???
    Ich dachte ja immer, einmal Sucht, immer Sucht, aber du scheinst etwas zu kennen, das mir noch nicht bekannt ist. Bin sehr wissbegierig.

    Viele Grüße
    Clare

  • Hallo,

    ich glaube, hier wird viel nebeneinander vorbeigeredet. Von Sucht bzw. Abhängigkeit spricht man laut dem Klassifikationssystem ICD-10, wenn 3 oder mehr von 6 Kriterien erfüllt sind, die auf eine Sucht/Abhängigkeit hinweisen. Diese Kriterien sind auf Wikipedia z.B. nachzulesen.

    Daraus sind 2 Schlussfolgerungen erlaubt, die beide für sich richtig sind:

    1. Sucht ist eine hochgradig individuelle Krankheit, weil unterschiedliche Merkmale bei verschiedenen Abhängigen auftreten, oder auch nicht auftreten.

    2. Sucht ist insofern nicht individuell, da man sie anhand der genannten 6 Kriterien eindeutig einem Patienten zuordnen kann, oder eben die Diagnose verwerfen muss.

    Die angesprochenen Kriterien für das Vorliegen einer Abhängigkeit sind:

    -starker Wunsch oder Zwang, Alkohol zu trinken
    -Kontrollverlust in Bezug auf die Menge, den Beginn oder das Ende des Konsums
    -körperliche Entzugserscheinungen bei Konsumstopp oder Konsumreduktion
    -Toleranzentwicklung
    -Vernachlässigung anderer Tätigkeiten, um stattdessen zu konsumieren, Alkohol zu beschaffen, oder sich vom Konsum zu erholen
    -trotz nachgewiesener körperlicher Spätfolgen weiterer Alkoholkonsum

    Also: Jede Sucht ist für sich individuell - und doch gibt es einen "Stammbaum" an Kriterien, durch die sich die Sucht klassifizieren lässt.

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Servus Clare,

    habe ich irgendwas von Heilung geschrieben?
    Fang doch einfach mal an, Dich auf die Buchstaben zu konzentrieren, die hier stehen - nicht immer so viel hineininterpretieren.

    Ohne Sucht keine Suchtaufarbeitung, daher kommt die Aufarbeitung erst nach der Sucht.

    Aber Du wirst mir jetzt sicher erklären, dass das nicht so ist, gelle? Selbstversuch macht kluch...drum sind wir alle hier...

    Spedi

  • Hallo Spedi,

    Zitat von Spedi


    Genau so wenig wie ich empfänglich (weder negativ noch positiv) für Werbung zu Gunsten von z.B. Damen-Monatshygieneprodukten bin, bin ich ansprechbar für/auf Alkoholwerbung. Warum? Nun, beides betrifft mich nicht. Wieso sollte ich mich dann angesprochen fühlen?

    bin etwas überrascht, das aus deinen Fingern zu lesen. Denn wenn du dieses Verhalten rechtfertigst, könnte ich genauso sagen, das es mich null stört, wenn meine Verwandten neben mir im Restaurant Wein trinken. Ich habe selber nie Wein getrunken, habe es damals nicht vermisst und es spricht mich heute auch nicht an. :?:

    Grundsätzlich gebe ich dir da völlig recht. Warum sollte ich mir um etwas Gedanken machen, was mich nicht im geringsten gefühlsmäßig anspricht? Womit wir dann doch wieder beim Thema "individuelle Trockenheitsarbeit" wären..... :wink: Jeder muss individuell schauen, von was er sich während seiner Trockenheitsarbeit fernhält, und was eben kein Problem darstellt.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Servus Blizzard,

    ich weiss schon, dass sehr viele der hier schreibenden gerne auf ihre individuellen Belange eingehen möchten. Mir ging es in diesem Thread aber um die Stufe der Sucht - nicht die Suchtgeschichte, nicht die Suchtaufarbeitung, nicht die Trockenheitsarbeit und auch nicht um Therapieformen oder Handball oder die Mondlandung.

    Das wollen scheinbar manche nicht wahrhaben.

    Hätte ich mich über die Individualität der Suchtaufarbeitung / Trockenheitsarbeit unterhalten wollen, hätte ich ja durchaus einen deratigen Thread starten können. Das wollte ich bewusst nicht.

    Aber es ist immer wieder interessant zu sehen, was von wem wann wie interpretiert wird. :!::)

    LG
    Spedi

  • Sorry Blizzard, den Rest der Antwort habe ich nicht mitkopiert. Der steht dir aber auch noch zu. Also, hier geht's weiter:

    Ich persönlich kenne niemand, der sich bewusst und absichtlich gezielt der Alkoholwerbung aussetzt. Ich kenne auch keinen Alkoholiker, der in seiner nassen Zeit "Wert" auf Alkoholwerbung gelegt hätte und sich dadurch in seinem Trinkverhalten (wohlgemerkt: in dem zu diesem Zeitpunkt bereits abhängigen Trinkverhalten!) hätte "leiten" lassen.

    In wie weit Du jetzt den Spagat von "Werbung" zu "Alkohol aus zweiter Hand" (=Verwandten neben mir im Restaurant Wein trinken) oder gar zu "trinkendem Umfeld" hinbekommst, erschließt sich mir nicht.

    Magst Du mir das bitte erklären?

    LG
    Spedi

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