Hallo Hartmut,
sicherlich ist ein Perfektionsanspruch an sich selbst nicht von vornherein Teil eines Krankheitsbildes. Es ist aber, wie in so vielem, eine Frage des Maßes. Einer in meiner Gruppe formuliert es ganz pragmatisch: genug ist genug und mehr als genug macht krank. Aber damit wird ja auch Sucht definiert: Immer mehr und nie genug.
Hartmut, wir machen uns das Leben schwer, meinst du, wenn wir unser Verhalten im Kontext zu unserer Krankheit sehen. Ich habe für mich gelernt, dass ich ja genau deswegen krank geworden bin, weil ich mein Verhalten als "normal" betrachtet habe und immer mehr in den Strudel Leistung-Anerkennung-noch mehr Leistung-noch mehr Anerkennung geraten bin. Ich musste erst lernen, dass es keine Gefahr für mich bedeutet, nicht von allen Menschen anerkannt und gemocht zu werden. Hier gleichen sich die Geschichten von Alkohol- und Co-Abhängigen, habe ich in meiner gemischten, realen SHG festgestellt. Alkoholiker trinken sich die schlechten Gefühle in der Regel oft weg, und denken, so entstehen die guten. Sie "trinken sich kommunikativ, spontan oder zu everbodies darling" . Und Co´s "helfen" sie sich weg. Sie kümmern sich um alles, nur nicht um sich, weil sie denken, dies sei nicht gestattet. Sie seien nur etwas wert, wenn sie Leistung - sprich Hilfe - bringen.
Ich habe für mich festgestellt, dass ich auch oft Probleme hatte, mit einem erreichten Ziel zufrieden zu sein. Immer musste es weitergehen, mehr, besser, höher, weiter.... Meine Partner hatten es darum sicherlich nicht einfach mit mir. Zudem bin ich immer stiften gegangen, wenn es mir lang genug nicht genug war. Ich hab nie darüber nachgedacht, dass ein Gefühl des Zuwenig-bekommens ganz, ganz viel mit mir selbst zu tun hat.
Dies zeigt sich meist eben nicht im bewussten Handeln. Aber wenn dich das ewige Roboten krank macht, dann fängst du an, dahinter zu gucken - ins Unbewusste quasi. Und da sind MIR Kronleuchter aufgegangen. Wenn ich mir so "umlese" oder in meiner realen SHG zuhöre, stelle ich immer wieder fest, dass ich da ähnlich ticke, wie viele Abhängige auch.
LG
Ette