• Alles entspannt sich wieder und das ist angenehm.

    Es ist gut, dass ich das Thema Alkohol angesprochen habe und ihm nun in mehreren Gesprächen mitteilte, wie schlecht ich mich neben ihm fühle, wenn er trinkt und welche Sorgen ich mir auch um ihn mache. Zunächst führte es dazu, dass er noch mehr trank, einfach nur, um mir zu zeigen, dass er sich von mir nicht bevormunden lassen würde. Unsere Streitereien eskalierten und wir sahen uns nicht mehr, da einer von uns beiden immer auswanderte.

    Nun ist es gut damit.
    Wir stehen mitten in einem Problem und haben keine Lösung für uns.
    Ich habe für mich den ersten Schritt gemacht und mir professionelle Unterstützung an meine Seite geholt. Und ich gebe zu, mir fehlt die Einsicht krank zu sein. Ich bin in einer schwierigen Beziehungssituation und zeitweise emotional sehr verwirrt, aber nicht krank. Sorry.

    So wie mir, fehlt ihm auch die Einsicht krank zu sein. Deshalb wird er auch nichts ernsthaft gegen sein Trinken unternhemen. Ihm ist es wichtig, weil es ihm Entspannung bedeutet. Das respektiere ich, auch wenn ich anders denke.

    Ihm fällt es umgekehrt schwer nachzuvollziehen, dass es für mich ein einziger schwieriger Balanceakt neben ihm ist, wenn er getrunken hat, damit die Stimmung zwischen uns nicht kippt und er aggressiv wird. Schwer ist es für ihn, dass ich behaupte, es würde immer nur so lange gut gehen, so lange ich mich ganz mit meinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen zurücknehme und mich nach ihm richten würde. Dass ich das aber nicht mehr wolle, weil ich mich damit selbst verletzen würde. Doch er hört mir zu und läßt es ebenfalls im Raum stehen.

    Wenn er jetzt trinkt, setze ich ihn nicht direkt vor die Tür oder verlasse verärgert die Wohnung. Doch ich sage ihm, dass wir den Abend getrennt verbringen werden, verabrede mit ihm noch den nächsten Tag und dann gehen wir auseinander... So kann es für mich jetzt auch ewig weiter gehen.

    Ich bin sehr froh, dass ich trotz aller Schwierigkeiten das Thema Alkohol angesprochen habe und ich bin froh, dass ich ihm in aller Deutlichkeit sagte, wie sehr ich mich verletzt fühlte. Auch bin ich froh, dass ich es bisher immer wieder schaffe in der Auseinandersetzung mit ihm bei mir zu bleiben. Ich verlasse die Situationen, in denen er trinkt, weil ich nicht damit umgehen kann und nicht, weil er dann zu einem schrecklichen Menschen mutiert.

    Er mag gar nicht gerne alleine sein. In unserer Beziehung ist er weit mehr als ich derjeneige, der nicht gerne alleine und auf sich selbst gestellt ist. Im Moment hat er eine dicke Nuss zu knacken, denn es gibt keine Abende mehr mit Frau und Alkohol. Mich gibt es nur noch schrecklich nüchtern ;)
    Und etwas haben wir gemeinsam, grundsätzlich wollen wir zusammen sein.

    Orlando

    Orlando

  • Hallo Orlando,

    Zitat

    So wie mir, fehlt ihm auch die Einsicht krank zu sein. Deshalb wird er auch nichts ernsthaft gegen sein Trinken unternhemen. Ihm ist es wichtig, weil es ihm Entspannung bedeutet. Das respektiere ich, auch wenn ich anders denke.

    Soso, Du bist also nicht krank ? Was suchst Du dann in einer Suchtberatung, in einem Forum für CO-Alkoholiker, und hast Dir weitere professionelle Unterstützung gesucht ??
    Weil Du SO GESUND BIST ??
    Erstaunlich… :shock:

    Und warum bist Du Dir selbst so wenig wert, um in so einen Leben ausharren zu wollen, was Du Dir grad wieder schönredest ? Gesund is davon nur ja echt nix, oder ? Sondern GANZ WEIT davon entfernt.
    Aber ohne Krankheitseinsicht keine Möglichkeit von Erkenntnissen, das spürt man auch recht deutlich bei Dir. So ist das dann eben… jeder wie er meint…

    Siehe auch hierzu:

    Zitat

    Wenn er jetzt trinkt, setze ich ihn nicht direkt vor die Tür oder verlasse verärgert die Wohnung. Doch ich sage ihm, dass wir den Abend getrennt verbringen werden, verabrede mit ihm noch den nächsten Tag und dann gehen wir auseinander... So kann es für mich jetzt auch ewig weiter gehen.

    SO kann das ewig für Dich weitergehen ?
    Aha…
    Damit bist Du also zufrieden und glücklich ? :shock:
    Akzeptieren kann ich auch vieles, betrifft es mich aber persönlich, macht es mich das persönlich unglücklich, werde ich FÜR MICH handeln, denn ich bedeute mir selbst zu viel, als sowas hinzunehmen und ich hab auch kein Bock, noch kränker zu werden, als ich eh schon bin.

    Ist das DEINE Vorstellung von einer glücklichen Partnerschaft, in der jeder Abends sein Ding macht, er säuft und Du gehst allein aus ? Sorry, meine NICHT, ich mag auch gerne was allein machen, bin sogar gern allein oder mit eigenen Freunden zusammen, und ich halte das auch für sehr wichtig. Aber ich möchte doch auch einen nüchternen Partner an meiner Seite und nich darauf Rücksicht nehmen müssen, ob der sich grad die Breitseite verpasst, entspannungstechnisch nur, is klar… und im Himmel is…. :lol:
    Nööö, echt ma nich, ich wünsche mir lieber einen Partner, der nüchtern ist und somit auch ansprechbar für mich. Hat er grad kein Bock zum reden, auch gut, muß er ja nicht, aber das Gefühl zu haben, der KANN gar nicht vernünftig mit mir reden, weil er halbbreit is, das möchte ich nicht.

    Zitat

    Er mag gar nicht gerne alleine sein. In unserer Beziehung ist er weit mehr als ich derjeneige, der nicht gerne alleine und auf sich selbst gestellt ist. Im Moment hat er eine dicke Nuss zu knacken, denn es gibt keine Abende mehr mit Frau und Alkohol.

    Och der Arme Mann, ich muß WEINEN :cry: !! Bist Du denn auf Dich selbst gestellt ?
    Du lebst schließlich noch mit ihm zusammen, oder ?
    Also lehn Dich da mal bitte selbst nicht zu weit aussem Fenster.
    Ob er da ne harte Nuss zu knacken hat, halte ich allerdings für sehr fraglich, Du machst ihm seine Sauferei grad unheimlich bequem, mehr aber auch nicht, aber das willst Du noch nicht so sehen, gelle ?

    Ich seh schon, ihr seid beide kerngesund 8) besonders psychisch, er trinkt ma ab und zu was zur „Entspannung“ und Dir geht’s auch prima damit. Also muß nix verändert werden.
    Dann weitermachen so, viel Glück !!

    Dein Tread lautet übrigens „Was ich davon habe“ …. Und das frage ich mich wirklich gerade ernsthaft, es hört sich beinah makaber an, was DU davon hast, sorry… und macht auch traurig, wie sich jemand so wenig wert ist, wie schade… :(

    Trotzdem gute Besserung
    :wink:
    wünscht Dir / Euch
    Lilly

  • Zitat von Lilly12

    Soso, Du bist also nicht krank ? Was suchst Du dann in einer Suchtberatung, in einem Forum für CO-Alkoholiker...

    CO- Alkoholiker ??? :shock:
    Was soll n dat sein ? :shock:

    Obwohl, das käme meiner anfänglichen Vorstellung von CO-Abhängigkeit wohl näher, bevor ich eines besseren belehrt wurde... :oops:

    Sorry, ich meinte natürlich CO-Abhängige...tztztz... war wohl gedanklich grad noch im Alkiebereich.... :roll:
    LG
    Lilly

  • Diese Antwort macht mich gerade ein wenig betroffen, eine Sucht oder Co-abhänigkeit kann man nicht herausprügeln. Jede Betroffene geht ihren indivuduellen Weg und benötigt ihre eigene Zeit bis hin zum persönlichen Tiefpunkt. Alles wird wiederholt, und zwar solange bis man davon gesättigt ist. Ich verstehe es auch so, dass jede aus ihrer jeweiligen Situation heraus schreibt und nichts dabei überspringen kann, um einen Punkt vorzugeben, der noch nicht erreicht und verinnerlicht wurde. Es geht ums Lernen Schritt für Schritt, und wenn Orlando heute meint, dass sie etwas davon hat, ist dies ihr gutes Recht. Ich kenne es aus meiner Erfahrung nur so, dass ich nicht die Erfahrungen anderer übernehmen kann, gerne aber über andere Erfahrungen etwas höre oder lese und dann wieder dazu beitragen kann, indem ich über meinen Weg berichte. Haben wir uns nicht alle die Dinge schön geredet, als wir noch nicht wirklich etwas ändern wollten? Es gehörte dazu. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich auch angenommen, sowohl in meiner Gruppe als auch im Forum. Im Großen und Ganzen mag ich liebe Lilly Deine direkte Art, habe ich Dir vor kurzem gerade geschrieben, bitte vergiss nicht, dass Du auch erst etwas verändert hast, als Du mit dem Krankenwagen abgeholt worden bist. :wink:

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

  • Herzlich willkommen erstmal heir im Thread. Ich denke alle hier haben Recht damit, was geschrieben wurde. Das Ganze ist einfach nur ein Rumgeeiere, wie man einigermaßen erträglich seine Süchte weiterleben kann ohne dass man all zu großes Leiden erfährt und sich trennen muß.
    Du bist da auch nicht die einzige, die erstmal diesen Weg versucht. KAnn man Dir auch garnicht vorwerfen, denn Du weißt ja noch garnciht was auf Dich zukommt.
    Es gibt hier irgendwo ja so eine Skala der Abhängigkeit nachzulesen. geschichten aus dem Endstadium des Alkoholismus auch. Auch das wird nicht an Dir/ Euch vorbeigehen. Du schreibst Du hattest Krebs und D weißt auch wie das endet, wennes unbehandelt bleibt.
    Du selber warst an einer schlimmen Krankheit erkrankt udn er hat Dich unterstützt. Und Du bist ihm sehr dankbar dafür, mit Recht.
    Nun fehlt es Dir noch zu verinnerlichen, dass Dein Freund an einer EBENSO GEFÄHRLICHEN und TÖDLICH ENDENDEN Karnakheit erkrankt ist.
    Leider hat er es nocht nicht eingesehen , vielleicht doch, aber er ist noch nciht bereit sich Hilfe zu suchen. Das kannst Du leider auch nicht für ihn erledigen. Was hier ausgedrückt werden sollte ist, dass Du ihm nur helfen kansnt indem Du so wenig wie möglich sien Sucht unterstützt, ihm also so wenig wie möglich abnimmst. Teilweise machst Du es ja auch, indem DU den Alkohol nciht mitfinazierst. Frage mich gerade warum auch, hat er nicht ohnehin genügend Geld?
    Man kann heraushören, dass Du Deinen Partner sehr liebst und er Dich vielleicht auch. Warum vielleicht? Weil man tatsächlich unter Alkohol diese beschriebenen zwei Persönlichkeiten entwickelt. Ich kanns nicht sagen, aber ich denke dass auch diese zweite liebevolle Seite sich wieder anders zeigt, wenn jemand trocken ist. Auch dann entwicklet sich weider ein ganz neuer Mensch, muß auch so sein. Es sit durch uas möglich, dass dann Beziehungen auseinander gehen, weil auch diese andere Seite vielleicht Mittel zum Zweck war. Die Alkoholkrankheit ist ganz tief verwurzelt und zeigt sich natürlich nicht nur im nassen Zustand. Sie ist ja auch aus dem trockenen Zustand einmal entstanden und da lag schon einiges im Argen.
    Wenn Du also Deinem Partner helfen willst, dann nur mit einer Konsequenz, nicht mit einem Kompromiss. Der führt nciht zur Heilung.
    Der führt im Moment nur zu eienr Linderung Eurer beiden Begleiterscheinungen: Du kannst weiterhin in der Illusion leben, das alles ok ist und er kann weiterhin in Ruhe und mit gutem Gewissen trinken.
    Noch dazu: Auch wenn Du Dich gerne revanchieren möchtest. DU bist nicht vernatwortlich für seine Krankheit. Guck mal, ist er für Dichzum Arzt gegangen, als Du krank warst? Nein, hätte er auch garnicht machen können. DU hast dene rsten Schritt getan. Das muß er auch. Erst dann kansnt DU ihn unterstützen. Wenn er erst in 10 Jahren zur Einsicht kommt, dann kannst Du ihn auch in 10 Jahren zur Seite stehen. Dann muß er ben noch 10 Jahre weiter saufen und seinen Körper kaputt machen. Das wird auch passieren. Vielleicht auch sein schönes Haus versaufen. dann ist auch Schluß mit finanzieller Sicherheit.
    Klar, kannst Du Dir solange es noch klappt erstmal ein schönes Leben an seiner Seite machen, Deine Vorteile daraus ziehen, solange sie noch da sind udn das Leiden so sehr minimieren wie möglich. Du kannt und darfst da sogarnoch weiter gehen. Du brauchst auch nichts persönlich nehmen, was er Dir in seinem Suff an den Kopf kanllt oder tut.
    Wenn DU es kannst, dann ignorier ihn einfach als würde er nicht da sein.
    So habe ich es auchjahrelang machen müssen. Ich konnte nämlich nicht anders, da ich noch ein Kind war. Aber Du schreibst auch, dass Du auch Kinder hast. Rechne damit, dass die es vielleicht nicht so wegstecken können wie Du. Rechne damit dass die so schnell wie möglich abhauen, weil sie noch einigermaßen gesunden Menschenverstand haben und sich in Sicherheit bringen wollen, das ihen ihre eigene Gesundheit wichitger ist als wirtschaftlicher Wohlstand.
    Vielleicht empfindest Du Dich noch nicht so sehr als Coabhängig weil DU noch nciht so tief drin steckst, weils erst schlimmer kommen muß.
    Genauso ist es aber mit den anderen Süchten auch. Sie entwickeln sich eben langsam und auch Dein Partner ist noch nicht so weit, dass er es als so schlimm empfindet, dass er meint was tun zu müssen.
    Das kann man daran erkennen, dass er meint, er trinkt um zu entspannen und weil ihm alles zu viel wird. Bei anderen Menschen gibt es da andere Möglichkeiten. Alkohol hat noch nie wirklich jemandem geholfen oder Probleme gelöst. Im Gegenteil.
    Mein Tipp an Dich: Mach Dich so unabhängig wie möglich. Finanziell, gefühlsmäßig, beruflich. Wenn Du mit ihm zusammen bleibst werden sicher immer schwerere Zeiten auf Dich zukommen. Besonders emotional. Und da brauchst Du Kraft und Raum um Dich zurück zu ziehen.

    Dann noch eins: Du schreibst auch, dass er seine Grenzen überschreitet, wenn er betrunken ist. Das mußt Du Dir wirklich nicht antun lassen.
    Alleine dass er zu soetwas fähig ist zeigt für mich schon, dass er wohl iene starke Aggressivität in sich trägt, die er dann nur versucht zum einen durch den ALkohol zu betäuben und zum anderen an Dir auzulassen.
    Dazu solltest Du Dir zu schade sein.

    Ja, wenn man Deinen Beitrag so liest, fragt man sich tatsählich: Was hast Du für einen Nutzen davon? Was hast Du wirklich an dieser Beziehung?

    Schreib mal mehr über Dich, über Dein bisheriges Leben, Deine Kindheit und Deine Kinder. Vielelicht gibt es da irgendwelche Dinge, die für Deine Coabhängikeit von Bedeutung sind.

  • Hallo Lilly12,

    was suche ich in diesem Forum und weshalb habe ich mir eine Beraterin gesucht? Ganz einfach. Um mir Klarheit über Alkoholssucht und auch Co-Abhängigkeit zu verschaffen.

    Und ja, ich mache es meinem Lebensgefährten bequem zu trinken. Es ist auch nicht meine Aufgabe es ihm unbequem zu machen. Meine Aufgabe ist es, mir mein Leben bequem und angenehm zu machen. Ich weiß, wie kostbar mein Leben ist, mehr, als Du mir das hier zutraust.

    Und ja, auch wenn ich mit ihm zusammen lebe, stehe ich auf meinen eigenen Beinen. Ich habe mein erwachsenenleben lang für mich und meine Kinder gesorgt und kann das mittlerweile auch weiterhin (das dies so schnell wieder klappte, verdanke ich u.a. auch ihm). Ich kann mich durch seine Unterstützung prima von einer schweren organischen Erkrankung und großen operativen Eingriffen erholen. Ich kann mir den Luxus leisten einen Job aufzugeben, weil er zu belastend für mich geworden war und mir nun in aller Ruhe eine für mich bessere Arbeit finden. Das ist sehr entlastend und positiv. Ich konnte in der Zeit, in der ich mit ihm zusammen lebe, mich wirtschaftlich stabilisieren, habe meine eigene Wohnung und bin auch weiterhin von ihm finanziell unabhängig. Er hat mir einen wunderschönen Garten geschenkt, in dem ich mich zurückziehen und verwirklichen kann. Das ist für mich ein wundervoller Rückzugsort. Darüber freue ich mich beispielsweise sehr. Vielleicht sollte ich noch mehr der schönen und uns verbindenden Dinge hier niederschreiben, anstatt, wie bisher über sein Trinkverhalten zu sinnieren. Und ja, das ist mir in den letzten Tagen auch bewusst geworden, was es denn noch alles gibt, neben dem Trinken. Und das gilt es für mich zu bewahren!

    Wenn ich nicht mit ihm leben wollte, müsste ich das nicht. Es ist meine bewusste Entscheidung. Und hier zu lesen und zu schreiben hilft mir auch, für mich klarer zu sehen, dass ich mit ihm leben möchte, in den Zeiten, in denen er nüchtern ist. Das praktiziere ich gerade auch.

    Es tut mir leid, wenn ich Dich mit meiner Art zu denken, verletze und/oder provoziere. Das ist nicht meine Absicht. Und natürlich denke ich über Deine Worte nach. Doch weder opfere ich mich auf, noch werfe ich mich weg. Eigentlich muss ich Dir böse sein, dass Du mich entwertest, indem Du Dich über mich stellst, und behauptest, Deine Vorstellungen seien wertvoller als meine. Eine jede von uns, so, wie sie kann, auf ihrem ihr eigenen Weg. Danke.


    Orlando

  • Zitat

    bitte vergiss nicht, dass Du auch erst etwas verändert hast, als Du mit dem Krankenwagen abgeholt worden bist.

    Hallo Laurina,

    das habe ich nie vergessen, wie sollte das wohl möglich sein ? Ich habe das auch nie verheimlicht, und ich kann nur noch eins tun, nämlich anderen davon berichten, wie man es auf keinen Fall machen soll, denn meine KH-Erfahrung war trotz aller lieben Hilfe ein sehr traumatisches Erlebnis, was ich bis heut nicht vergessen hab. Ich habe dort Dinge erlebt, von denen ich im offenen Bereich keinesfalls schreiben werde, aus gewissen Gründen.
    Und ich schreibe auch jedesmal, das ich keinen guten Weg gegangen bin anfangs, und das bitte niemand so nachmachen soll.

    Mir war auch meine Krankheit seit mind. 3 Jahren in der Endphase völlig bewußt, bei beinah ner Pulle Wodka am Tag keine besondere Kunst. Aber ich dachte, ich komm da nie wieder raus und schämte mich auch viel zu sehr, als Frau Alkoholikerin zu sein.
    Und glaube mir, ich habe mich manches Mal schon gefragt, ob ich gehandelt hätte, hätte ich damals schon das Forum gekannt. Meine Antwort lief immer wieder auf JA hinaus, aber es bleibt halt theoretisch.

    Hier sind Menschen, die Wege aus der CO-Abhängigkeit kennen und auch gehen. Sie haben sich auch ihre Krankheit, ihre Sucht eingestanden, was sicher sehr schwer ist.
    Hier kann man also Hilfe finden und ich hab mir wohl so manches Mal gewünscht, hier damals eher gelandet zu sein, vielleicht hätte ich dann nicht so große Folgeschäden. Aber zu spät, nun ist es so.
    Orlando hat hier die Chance, auch zu erkennen, aber ohne Krankheitseinsicht is da nix zu machen.
    Das ist die Grundvoraussetzung.
    Ich wünsche jedem, sich auch nicht noch mehr Schaden zuzufügen, als bereits geschehen, sondern frühzeitig Hilfe zu suchen und handeln zu können, Alkies ebenso wie CO`s.
    Dazu gehört halt auch, sich nix mehr schönzureden, was ich hier aber so empfinde in diesem Thread.
    Und wahrscheinlich hast Du auch recht, auch ein CO-Abhängiger muß erst seinen absoluten Tiefpunkt erreichen. Und der ist dann häufig ein psychischer Total-Zusammenbruch, wenn der Körper solange mitspielt…
    Ob es aber IMMER erst soweit kommen muß, weiß ich nicht.

    Ich wünsche im Grunde nur jedem, aus seiner Sucht so früh und so schnell wie möglich rauskommen zu können, und wenn ich dabei jemanden mal die rosa Brille runterreiße, empfinde ich dabei keine Freude, denn ich weiß nur zu genau, wie die Alkoholsucht ist und Orlandos Weg ist dabei meiner Meinung nach für sie selbst keinesfalls zielführend.
    Ich zumindest hätte in diesem Stadium weiterhin meiner Sucht gefrönt, nun auch noch mit „Freibrief“ sozusagen, und in diesem Fall war ich ein typischer Alkie, da waren wir alle gleich.
    Der einzige Unterschied von mir zu alkoholkranken Männern ist der, das ich heimlicher soff, ansonsten gibt es keine. Und wahrscheinlich hätte ich ab so einem Freibrief nicht mal mehr das getan…

    Nun gut, ich habe meine Meinung dazu geschrieben, aus MEINEN Erfahrungen in der Alkoholsucht, und die waren nun mal SO, entscheiden tut aber, wie in jedem Fall, Orlando selbst, was für sie gut ist und was nicht.

    Liebe Grüße
    Lilly

  • Zitat

    Es tut mir leid, wenn ich Dich mit meiner Art zu denken, verletze und/oder provoziere. Das ist nicht meine Absicht.

    :shock:
    Da irrst Du Dich aber, Orlando, warum solltest Du mich provozieren ? Oder mich gar verletzen ?
    Mich persönlich betrifft es doch gar nicht, wir kennen uns nicht einmal persönlich, also sorry, aber ich fühle mich keinesfalls provoziert oder gar verletzt. Ich behalte innere Distanz, denn die habe ich gelernt, aufzubauen, das muß ich sogar, weil ich mich sonst persönlich in Rückfallgefahr bringen könnte.
    Bleibe ich beispielsweise von Rückfällen hier im Forum oder meiner Realen nicht innerlich distanziert, reißt mich das evtl. mit, da wäre ich nicht die erste, der sowas passiert, also ist Distanz schon mein rein mein persönlicher Schutz. :wink:

    Zitat

    Eigentlich muss ich Dir böse sein, dass Du mich entwertest, indem Du Dich über mich stellst, und behauptest, Deine Vorstellungen seien wertvoller als meine.

    Woraus entnimmst Du, das ich mich über Dich stelle ? Ich bin genau so suchterkrankt wie alle anderen hier, ich bilde da keine Ausnahme. Ich konnte nur meine Krankheit bisher stoppen, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
    Orlando, ich habe gelernt, demütig zu sein, besonders vor meiner Krankheit, würdest Du mich persönlich kennen, wüßtest Du das auch.
    Meine Vorstellungen sind doch nicht wertvoller, ich kenne da keine Maßstäbe, auch sowas liegt mir fern.

    Zitat


    Eine jede von uns, so, wie sie kann, auf ihrem ihr eigenen Weg. Danke.

    Ja sicher. Orlando, es ist nur so, in unserer Sucht sind wir alle gleich, Alkies wie CO`s. Erst auf dem Weg AUS den Süchten wird man „individueller“, aber bis dahin frönen wir alle dem gleichen Suchtverhalten, soviel nur mal zu „individuellen Wegen“…
    Gehen muß aber jeder selbst seinen Weg, auch richtig und auch seine Entscheidungen treffen, weil sie sonst nix taugen. Und jeder muß auch in seiner Geschwindigkeit gehen. Im Grunde wollte ich Dir auch nur sagen, das Dein Alkie es sich gard herrlich bequem in seiner Sucht machen kann, weil Du eine Trennung noch nicht ernsthaft in Betracht ziehst, und dat riecht der 10 Meilen gegen den Wind, darin sind wir Alkies nämlich Spezialisten.
    Schon mal drüber nachgedacht, das Du auch so seinen Tiefpunkt evtl. verzögerst ? CO`s sind nämlich nicht nur die reinen Engel… manchmal halten sie auch nen Alkie gezielt in der Sucht, das alles sind leider keine Seltenheiten, auch wenn sich das noch so bös anhört.
    Das ist aber KEIN Vorwurf, ich bitte das nicht mißzuverstehen, aber so ist AUCH die CO-Abhängigkeit…

    Liebe Grüße
    Lilly

  • Liebe Lilly,

    ich glaube sogar, dass Du es gut gemeint hast und wachrütteln wolltest. Ich habe eine Bekannte, die seit ca. 20 Jahren mit einem Trinker lebt, ihren persönlichen Gewinn sieht sie im finanziellen Bereich, weil sie dadurch ihre beiden Söhne und andere sozial Schwache unterstützen kann, sie ist ihrem Bekannten dankbar und hasst ihn zugleich, selten offen und fröhlich. Seit ein paar Jahren hat sie ein Magengeschwür und seit einem Jahr eine Gesichtsrose. Wir anderen haben früher auf sie eingeredet, sie solle sich trennen, ihre Entscheidung fiel anders aus. Ich halte mich heute heraus und lasse es los, früher habe ich ihr mal vorgeschlagen mit in die Gruppe zu kommen, sie hat es belächelt, weil ich so etwas brauche. Im Therapiegespräch hat mich vor kurzem etwas sehr beeindruckt, wir können von allem möglichen clean werden, indem wir es einfach weg lassen, es spukt aber noch weiter in uns herum und macht uns empfänglich, erst wenn wir wirklich frei sind, können wir unseren Weg ohne Suchtmittel/Suchtpartner gehen. Dieses völlige Freisein, das wird sich wunderbar anfühlen.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

  • .....Und hier zu lesen und zu schreiben hilft mir auch, für mich klarer zu sehen, dass ich mit ihm leben möchte, in den Zeiten, in denen er nüchtern ist. Das praktiziere ich gerade auch.


    und diese Zeiten der Nüchternheit werden erfahrungsgemäß immer kürzer werden - und dann?

    Liebe Orlando, ich glaube , jeder, der Dir hier geschrieben hat, tat das nur um Dir zu helfen und Dich auf gewisse Dinge aufmerksam zu machen.
    Wir wissen aber alle dass auch Du keine Zauberin oder Wunderheilerin bist und dass es auch noch gute 10 Jahre dauern könnte bis es richtig ungemütlich wird. Bis dahin kannst Du natürlich schön in Deinem Garten rumbuddeln.

  • Guten Morgen, Orlando!
    Mir ging es auch immer sehr gut mit meiner Familie, in unserem Haus, meinem Garten, Urlaub, .... Wir hatten schöne nüchterne Tage, Wochen. Liebevolle Stunden - immer wieder eine Zeit lang.
    Ich habe mehr als 24 jahre neben meinem trinkenden Mann gelebt.
    Schade,dass ich nicht früher hier im Forum gelandet bin.
    Schade, dass ich nicht früher eingesehen habe, dass ich ihm nicht helfen kann. Obwohl ich das doch ein bisschen studiert habe.
    Schade, dass ich meinen Kindern dieses verstörte Leben zugemutet habe.
    Ich schäme mich dafür.
    Schade, dass meine Kinder jetzt auch erst lernen müssen, sich durchzusetzen, ihr eigenes Leben zu schaffen. (Sind beide erwachsen)
    Schade, dass ich erst jetzt mich kennenlerne. Mich traue, ich zu sein.
    Obwohl ich das die ganzen langen jahre "vorgespielt" habe.

    Ich freue mich riesig, in drei wochen zur Kur fahren zu dürfen, wo ich nur für mich Zeit habe, und hoffentlich endlich zu mir finden werde. Die Vorarbeit habe ich ja schon seit April in einer Therapie begonnen. Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass ich mehr als fünf Stunden brauche. Dann habe ich aber schnell gemerkt, was da alles schief gelaufen ist.

    Es ist ganz allein deine Entscheidung, was du machst.
    Du musst dir helfen, wenn du Hilfe brauchst.
    Aber - es gibt ringsherum Hilfe - wenn du sie brauchst.
    Nimm sie an und gehe deinen Weg!
    Alles gute dafür und einen schönen zweiten Advent wünscht Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Hallo Orlando,

    ich habe lange überlegt, ob ich hier bei Dir mal einhake, aber es gibt da so einige Parallelen zu meinem Leben noch vor einem Jahr.
    Ich schreibe Dir das jetzt mal, weil auch ich mich bewußt entschieden hatte, bei meinem *EX* zu bleiben, es mir ja in seiner Welt gemütlich machen wollte, die positiven Nebeneffekte erhalten wollte.

    Grrrr., wenn ich das heute so betrachte, sorry, völlig co-abhängig :roll: .

    Allein dies hier:

    Zitat

    Vielleicht sollte ich noch mehr der schönen und uns verbindenden Dinge hier niederschreiben, anstatt, wie bisher über sein Trinkverhalten zu sinnieren.

    Auch ich schrieb hier über seine posititiven Eigenschaften, wie toll es war, daß ich es ihm legitimierte, in meiner Gegenwart zu trinken, statt es heimlich zu machen. Ja, natürlich alles nur, um ihm sein Leben nicht noch weiter einzuschränken, es mir leichter zu machen! :roll::roll:

    Oder dies:

    Zitat

    Und hier zu lesen und zu schreiben hilft mir auch, für mich klarer zu sehen, dass ich mit ihm leben möchte, in den Zeiten, in denen er nüchtern ist. Das praktiziere ich gerade auch.

    Auch ich dachte, die Zeiten seiner Nüchternheit, die es, mit Verlaub nicht gab, weil er morgens schon 1.01 Promille Restalkohol hatte, waren eine Ausrede, nichts,aber auch gar nichts anderes als totales Co-Verhalten!

    Es ging dabei nicht um ihn. Genauso schreibst Du. Es geht Dir angeblich darum, daß Du es Dir gemütlich machen willst. Kenn ich alles. Und mit welchem Ergebnis?

    Die Hoffnung, daß er trocken wird, endete mit meinem psychischen Total-Zusammenbruch, 8 Wochen Psychiatrie mit nachfolgender Erwerbsunfähigkeit mit 38 Jahren, zwei völlig gestörten Kinder, die auch schon co-abhängiges Verhalten nachahmen.

    Orlando, was glaubst Du, wie lange kann ein Mensch sich selbst betrügen? Bei mir hat es zu lange gedauert, der Schaden meiner Abhängigkeit, denn etwas anderes ist es nicht als CO-Abhängigkeit, wird Jahre dauern, bis dieser heilen kann.
    Du betrügst Dich selbst! Auch, wenn Du noch nicht so weit bist, dies zu erkennen, muß ich dazu sagen, daß ich heute Lilly sehr dankbar bin, denn auch bei mir gab es schonungslose Ehrlichkeit, denn ansonsten wäre ich heute nicht mehr hier!

    Ich wünsche Dir ganz aufrichtig, daß Du erkennen mögest, in welcher hinterhältigen Krankheit du steckst. Schau weiterhin in Deine Gefühlswelt. Und nutze die tollen Ratschläge und Erfahrungen hier. Es geht um Dein Leben.

    Lieben Gruß

    S.Käferchen [Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.cosgan.de/images/smilie/tiere/k025.gif]

  • Als ich Samstag hier schrieb, hatte es zur Folge, dass ich eine Stunde später, als verabredet, zu ihm in den Garten kam. Berechtigter Weise war er verärgert. Leider löste er den Konflikt, indem er zum Bier griff und mir dann sagte, ich sei ja diejenige, die jetzt nicht mehr bei ihm sein wolle.

    So fuhr ich nach Hause und entschuldigte mich nochmals via sms, weil ich ihn einfach warten ließ. Das nahm er zunächst auch an.

    Dann allerdings entschied er, dass ich Sonntag nicht gegen 11:00 Uhr kommen solle, es war ihm noch zu früh. Er hielt fest, dass es sich für mich ab 13:00 Uhr nicht mehr lohnen würde zu ihm zu kommen, weil ich ja um 17:00 Uhr zu einer Weihnachtsfeier wolle, die mir wichtiger sei, als er. Er würde abends einfach nach Hause kommen und ich habe dann Montag Morgen für ihn um 8:00 Uhr den Schornsteinfeger zu empfangen!!!

    Erst am nächsten Morgen gegen 10:00 Uhr reagierte ich auf seine sms, teilte ihm mit, dass es schade sei, dass wir uns nun auch am Sonntag den ganzen tag über nicht sehen würden, ich von der Feier sicherlich sehr müde sein werde und deshalb in meiner Wohnung schlafen würde und ihm den Schornsteinfeger nicht abnehmen könnte. "das würde er mir nie verzeihen, dass ich ihn so hängen ließe!" und er würde sich jetzt nur noch auf seine Arbeit konzentrieren. Seither schweigen und jetzt, als ich nach Hause kam, da war er weg. Die Heizung abgeschaltet, Strom ausgestellt, die Wohnung kalt und leer, Notebooks weg, Hunde weg, Mann weg.

    Umgekehrt hatte ich bereits oben in der Zeitung nach einer neuen Wohnung gesucht und hatte mit meinen Kindern gesprochen, dass ich ihn wohl verlassen würde, weil wir gar keinen Weg mehr zueinander finden, seit ich nicht mehr bereit bin, sein Trinkverhalten und das damit verbundene Verhalten mir gegenüber zu tolerieren.

    Keine Ahnung, wie lange er weg bleibt und wie lange er schweigen wird. Ich werde dieses mal nicht wieder versuchen Kontakt aufzunehmen und einzulenken. Ich bin froh, dass es so ist, wie es ist. Er konzentriert sich jetzt auf sich und ich mich auf mich und meine Kinder. In mir ist Traurigkeit und Erleichterung. Vor einigen Monaten, waren solche und ähnliche Aktionen von ihm sehr bedrohlich für mich, weil ich mich ausser Stande sah, die Verantwortung für meine Kinder und mich alleine zu schultern, obwohl ich das ja seit deren Geburt schon immer getan hatte.
    Mittlerweile habe ich aber realisiert, dass er zwar da war, als ich durch die bisher größte Krise meines Lebens ging, dass ich allerdings meine Schritte alleine gemacht hatte. Ich bin ihm nichts schuldig, weder emotional, noch materiell. Im Gegenteil, ich zahle Miete für die Wohnung in seinem Haus, zahle den Bärenanteil in die Haushaltskasse, weil ich die Kinder mitbringe und habe mich an allen gemeinsamen Anschaffungen zur Hälfte beteiligt. Ich unterstütze ihn bei seiner demenzkranken Mutter, nehme ihm morgens die Hunde ab und habe ein offenes Ohr für seine Sorgen und Ängste. Ich habe diesen Mann sehr sehr gerne, vieles an ihm schätze ich. Ich sehe sein gutes Herz und erkenne auch, dass es möglicher Weise gerade auch seine Sensibilität ist, die dazu führte, dass er sich mittels Alkohol Entlastung sucht.
    Es war mein Fehler, dass ich mir zutraute damit umgehen zu können. Alkohol ist für mich ein ganz ganz rotes Tuch geworden.
    Noch sitze ich hier in unserer gemeinsamen Wohnung, die schön eingerichtet, aber so schercklich kalt ist, tot. Oben die Wohnung ist meistens im Chaos, so wie es früher immer war, bei den Kindern und mir, chaotisch, lebendig und freundlich. Ich habe eine Menge von ihm gelernt, das werde ich mitnehmen. Gleich gehe ich nach oben.

    Ziemlich genau vor einem Jahr hatte ich die Kinder in den Weihnachtsferien in unsere Heimatstadt reisen lassen und als sie zurück kamen, war der Umzug zu ihm abgewickelt. Sie werden über Silvester wieder verreisen, doch ich vermute, dass ich nicht so schnell eine passende Wohnung finde und den Umzug organisiert bekomme. Ich muss auch jetzt nicht hetzen, doch bis März/ April will ich es erledigt haben.

    Orlando

  • Hallo Ihr Lieben,

    es sind nur wenige Tage vergangen, seit ich zuletzt schrieb, doch es hat sich so viel in mir verändert. Endlich bin ich wieder bei mir, weiß wieder wer ich bin, was ich will und was mir gut tut. Das ist ein schönes befreiendes Gefühl. Die Nebel, von denen ich mich umgeben fühlte sind verschwunden.

    Der erste Auslöser oder Anstoß zu meiner wiedergewonnenen Klarheit, war die Aufstellung meines sozialen und emotionalen Atoms (Systemische Beratung/Psychodrama). Ich erkannte für mich, dass ich in dem vergangenen Jahr mit ihm meine mich existenziell bedrohenden Themen, die durch den Umzug in ein anderes Bundesland und der Diagnose meiner Krankheit aufgeworfen wurden, ausblendete und verdrängte. Ich begab mich in coabhängige Verhaltensweisen, indem ich mich selbst verleugnete, mir selbst misstraute, für eine Versagerin hielt und mich nur nach ihm zu orientieren versuchte, bis der Druck zu groß für mich wurde. Als die Situation in unserer Beziehung eskalierte, weil ich ihn wegen seines Trinkens unter Druck setzte, fühlte ich mich klein und schwach und hatte Angst, nicht fähig zu sein, mein Leben selbst zu bewältigen.

    Mittlerweile las ich nicht nur hier im Forum, sondern auch in Flyern und Büchern und erkannte für mich, dass die Aussage, "er liebt Dich nicht, wenn er weitertrinkt" falsch ist.

    Ich nahm wieder Kontakt zu meiner Familie und meinen Freunden auf, die sich alle sehr freuten. Sie hatten mich vermisst. Ich sprach offen über meine Situation und erhielt Unterstützung, Verständnis und Klärungshilfe.

    Er ist immer noch weg und bisher sagte er mir weder, wo er ist, noch wann er wieder kommt. Er schweigt einfach und ich tat es zum ersten Mal auch, bis heute Morgen.

    Gestern traf ich für mich wichtige Entscheidungen, wie ich meinen Geburtstag, Weihnachten und auch das neue Jahr verbringen will sowie, wie ich mit oder ohne ihn weiter leben will.

    Alles teilte ich ihm mit. Was die Feiertage angeht, habe ich es ihm offen gelassen, ob er teilnehmen mag oder nicht. Ich würde mich über ihn freuen.

    Bezüglich seines Trinkens, teilte ich ihm mit, dass ich diesen Teil seines Lebens, der ihm ja, nach seinen Aussagen, Lebensqualität, bedeutet, nicht mit ihm teilen werde. Das heißt, wie bisher, werde ich mich entfehrnen und ihm nichts abnehmen, wenn er trinken will. Das nimmt er mir im Moment noch sehr übel, aber okay. Damit kann ich gut leben.
    Wenn er ernsthaft aufhören möchte, werde ich ihn unterstützen, soweit er will und ich kann.

    Prompt bekam ich dann auch Antwort. Im Moment spielt er noch das alte Spiel und erkennt noch nicht, dass ich etwas grundlegend verändert habe, wie denn auch, ist ja erst der Beginn:

    Es war bisher das typische Muster zwischen uns: Etwas an meinem Verhalten nahm er zum Anlass abzutauchen und sich zu besaufen, also Ich war schuld. Ich lief ihm hinterher, lenkte ein, wir sprachen drüber und alles lief wie gewohnt weiter, bis zum nächsten mal.... und jetzt nahm ich ja auch wieder den Faden auf.

    Er verstand gar nicht, was ich ihm alles mitgeteilt habe, sondern begann gleich wieder mit den Schuldzuweisungen, und dass ich ihn nicht achten würde... und ich ihm nun auch endgültig egal sei...

    und ich bat ihn, einfach in Ruhe über alles nachzudenken. Er hat alle Zeit der Welt, sich zu entscheiden und wenn er mich dann an seiner Seite haben will, bin ich gerne für ihn da, wenn nicht mehr als Frau, so doch als Freundin. Bis dahin und auch darüber hinaus nehme ich wieder mein Leben für mich selbst in die Hand. Er hatte es mir ja auch gar nicht abgenommen oder mich entlastet, wie denn auch. Ich bin gar nicht böse, oder enttäuscht, sondern klar. Mache nun, was ich mir vorgenommen habe und irgendwann wird er mir was mitteilen. Dann werde ich weiter sehen, ob und wie wir zusammen weitergehen können.

    Ich freue mich über die neue alte Kraft in mir und kann auch gut mit meiner Traurigkeit umgehen. Die Entscheidung liegt nun bei ihm und egal, was er tun wird, ich kann es annehmen und damit umgehen. Das ist ein gutes Gefühl.

    Bei uns / in unserer Beziehung wird sich jetzt ganz viel ändern, denn ich habe mich verändert. Die alten "Spiele" funktionieren nicht mehr. Der ganze Druck ist von mir abgefallen, meine Ängste sind klein geworden. Ich bin endlich wieder bei mir.

    Das lesen hier im Forum und die reaktionen auf meine Beiträge haben mich unterstützt und werden dies auch sicherlich weiter tun, in meiner Selbstreflexion. Schade finde ich, dass hier so schnell Diagnosen und Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden. Mir tat es insoweit gut, dass ich mich davon abgrenzte und erkannte, dass dieses nicht meine Lösungen sind.

    Wenn mein Partner im Suff grob zu mir ist, bedeutet es nicht, dass er mich nicht wertschätzt. Wenn er das Trinken nicht aufgeben kann, heißt es nicht, dass er mich nicht liebt. Es sind Symptome der Krankheit. Das ist mir ganz klar geworden, aber auch, dass ich dass dennoch nicht alles zulassen muss. Ich habe mich da selbst nicht wert geschätzt und meine Grenzen geschützt. Das sind meine Symptome.

    Bei allem erfahrenen Leid, bin ich froh, dass ich das nun alles für mich erkannt habe und wieder handlungsfähig bin. Ich habe mich gelöst ohne abzustürzen und ich bin zuversichtlich, dass auch er die Stärke hat, sein Leben in die Hand zu nehmen. Er ist ein guter Mann, der sich verirrt hat. Das ist menschlich.

    orlando

  • Hallo Orlando,

    schön, daß Du Dich mal wieder meldest.


    Zitat

    Das lesen hier im Forum und die reaktionen auf meine Beiträge haben mich unterstützt und werden dies auch sicherlich weiter tun, in meiner Selbstreflexion. Schade finde ich, dass hier so schnell Diagnosen und Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden. Mir tat es insoweit gut, dass ich mich davon abgrenzte und erkannte, dass dieses nicht meine Lösungen sind.

    Dazu möchte ich Dir sagen, daß wir hier keine Mediziner sind, die Diagnosen aufstellen und auch nicht dürfen. Ich schrieb Dir in meinem letzten Post, daß mein Verhalten co-abhängig ist! Dies ist meine Wiedergabe meines Krankheitsbildes.

    Zu den Handlungsempfehlungen kann ich Dir auch nur sagen, daß der Sinn und Zweck des Austausches hier nicht sein sollte, jemanden die Lösungen zu präsentieren, sondern lediglich aus eigener Erfahrung erzählen, wie wir in der und der Situation handeln würden, bzw.gehandelt haben.

    Ich gebe Dir vollkomme Recht, daß niemand hier dem Anderen zu sagen hat, was er zu tun hat. Es sind, wie Du es schon sagst, Empfehlungen. Was ein Jeder hier daraus macht, für sich mitnimmt, muß jeder für sich selbst entscheiden.


    Ich wünsche Dir weiterhin die Kraft, Dich so gut abzugrenzen, daß es Dir dabei gut geht.

    Lieben Gruß

    S.Käferchen[Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.forum-alkoholiker.de/userpix/2347_kaefer04_1.gif]

  • Zitat von S.Käferchen

    ... Genauso schreibst Du. Es geht Dir angeblich darum, daß Du es Dir gemütlich machen willst. Kenn ich alles. Und mit welchem Ergebnis?
    ---
    Orlando, was glaubst Du, wie lange kann ein Mensch sich selbst betrügen?
    ---
    Du betrügst Dich selbst! Auch, wenn Du noch nicht so weit bist, dies zu erkennen, muß ich dazu sagen, ...
    Lieben Gruß

    S.Käferchen [Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.cosgan.de/images/smilie/tiere/k025.gif]

    Hallo S.Käferchen,

    mir geht es nicht a n g e b l i ch um etwas. Ich darf mich bitte von dieser Aussage abgrenzen.
    Und ich betrüge mich ganz bestimmt nicht selbst, bin auch nicht uneinsichtig. Da darf ich mich doch bitte auch von Deinen Worten abgrenzen.

    Alles in allem spühre ich, dass Du mir beistehen magst und dafür danke ich Dir sehr. Ich lese Deine Worte und die der anderen aufmerksam und fühle nach, was sie in mir auslösen und weshalb. Bei allem, was ich hier schreibe, bin ich bei mir bzw auf der Suche in mir.

    Orlando

  • Hallo, liebe Orlando,
    mich persönlich hat dieser Kommentar sehr geschockt

    .... Wenn mein Partner im Suff grob zu mir ist, bedeutet es nicht, dass er mich nicht wertschätzt ...

    Ich will nicht ausklaumüsern, was Du unter "grob" verstehst, ich möchte aber k e i n e m Menschen wünschen, jemals grob behandelt zu werden, dadurch vielleicht an der Psyche verletzt zu werden um später in einem Trauma zu enden.

    Für mich persönlich ist eine grobe Behandlung keine Wertschätzung und kein Respekt. Es ist eine Ausgeburt der Erkrankung, das sehe ich sehr wohl so, wer aber so weit geht "grob" zu werden scheint nicht mehr in der Lage zu sein in dem Moment "Wertschätzung" zu leben.

    Wie viele Familiendramen haben wohl begonnen mit "Grobheit".

    In diesem Sinne,
    schönes Wochenende wünscht
    Dagmar

  • Es brach aus mir heraus. Was für eine schreckliche Angst ich um ihn und um uns habe, wie scheiß weh es tut hilflos mit ansehen zu müssen, wenn ein geliebter und sehr wertgeschätzter Mensch sich krank, einsam und schließlich tod säuft. . . wie sehr er mich an meinen Vater erinnert und wie traurig mich das alles macht.

    Wir haben keine Perspektive, wenn er die Sucht nicht angeht. Das war ganz plastisch vor unseren Augen, voller Traurigkeit und ohne jeden Vorwurf.

    Ich bin erleichtert. Und ich bin voller Kraft und Zuversicht.

    Orlando

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!