Den Alkoholiker fallen lassen, warum fällt mir das so schwer

  • Hallo,

    Den Alkoholiker fallen lassen, warum fällt mir das so schwer ?

    Welche Gründe habe ich, an einer Beziehung festzuhalten, obwohl ich selber weis, das es das Leid auf Beiden Seiten nur verlängert.

    Ich stelle diese Frage bewusst, ein wenig provokativ, Sie ist aber nicht böse gemeint. :wink:

    MLG Mandy

  • Hallo Mandy,

    Zitat

    Ich stelle diese Frage bewusst, ein wenig provokativ, Sie ist aber nicht böse gemeint

    Stimmt, im positiven Sinne könnte man die Frage stellen:
    Warum fällt es mir so schwer den Alkoholiker los zu lassen?

    Ist wie ob das Glas nun halb voll oder halb leer ist!

    Bevor ich nun dazu meine Meinung erläuter, habe ich eine Gegenfrage, ist zwar nicht nach "Knigge" eine Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten, brennt mir aber unter den Fußsohlen.

    Interessieren Dich die Antworten persönlich, oder ist die Frage eher eine allgemeine Anregung zum Austausch hier? Vermutlich beides und doch würde mich interessieren was Dich zu dieser Frage bewegt hat?

    LG
    Lillith

  • guten morgen mandy!

    FÜR MICH ist es daher so schwer "gewesen" weil...

    kopf und bauch dabei eine sehr grosse rolle spiel/ten...

    als nur mein bauchgefühl in mir regierte,lächel...brachte ich es nicht übers "herz"..

    der kopf kam viiiiiiieeeeel SPÄTER dazu...er WAR durch meine co-abhängigkeit nicht mehr in der lage nach dem verstand zu handeln...

    durch die aufarbeitung,durch das auseinandersetzen mit mir und professionelle beratung habe ich es gelernt das es nicht falsch ist gefühle zu haben...doch darf der verstand dabei nicht aussetzen,lächel...

    kopf und bauchgefühl gehören zusammen...es macht mich als menschen aus...

    doch war ich kein mensch mehr der realistisch entscheiden KONNTE...

    es lohnt sich ein gesunder mensch zu werden...

    wobei ich die gefühle des alkoholikers mal ganz aussen vor lasse...denn seine gefühle KANN ICH SOWIESO NICHT ERREICHEN...

    ich habe losgelassen...und habe MEIN leben ZURÜCK erhalten..

    liebe grüsse caro

    dem was über mich einstürmt,möchte ich gelassen gegenüber stehen...

  • Hallo Lillith,

    auch ne gute Frage :wink: ist auch OK, da frage ich solche Dinger.

    Ist eigendlich wirklich Beides, erstens weil ich mich nun mehr mit der Coseite beschäfftige und zweitens, betrifft es auch mich Selber.

    Erst mal war ich ja nur mit meiner eigenen Trockenheit beschäftigt und bin noch an mir am arbeiten.

    Ich bin mir auch nicht so sicher bei meinem Mann, ich bin ja im Glauben, er sei kein Co, schliesslich hat er mir ja immer zu verstehen gegeben, das er meinen Alkoholismus nicht gut findet.

    Ist ja verstänlich, wer liegt schon gerne neben ner Frau, die ne Fahne hat und betrunken ist. :roll:

    Habe ja auch schon längere Trockenpausen hinter mir, nur frage ich mich, ist man eigendlich automatisch Co, weil ein bischen schwanger, geht ja auch nicht. Das beschäftigt mich ebend :wink:

    Ich hätte die Frage auch so stellen können, da haste Du Recht, ist mir aber heute Morgen, so nicht eingefallen.

    Danke Caro, damit kann ich schon ein wenig anfangen. :wink:

    MLG Mandy

  • Hallo Mandy,

    die ist wirklich eine schwierige Frage...hmmm...

    Also als Erstes fällt mir natürlich aus meiner Erfahrung dazu ein, daß ich mich festklammerte, weil ich Angst hatte, allein zu sein, mich unfähig fühlte, meine Lebenssituation allein zu bewältigen.
    Im Laufe meiner Therapie wurde mir dann ja immer bewußter, daß dies ja mit meiner Erkrankung zu tun hat, mich über diese Beziehung zu definieren, mir meine Anerkennung zu holen und deshalb natürlich nicht loslassen wollte. Dies hätte für mich *Bodenlosigkeit* bedeutet, daher auch alle Wünsche, Hoffnungen, an dieser Beziehung arbeiten zu müssen, sie erhalten zu müssen. Egal, auch wenn der Gedanke schon sehr wohl da war, daß dies auf meine Kosten ging und auch unser beider Leid verlängerte.

    Aber heute kann ich auch sagen, daß es wohl auch ein paar*gesunde*, *normale* Anteile gibt, an dieser Beziehung nicht losgelassen zu haben.

    Natürlich spielen da ja auch tiefe Gefühl mit für den Partner, je nach Situation, welche Grundlage die Beziehung hatte. Ob die Abhängigkeit erst in oder schon vor Beginn der Beziehung vorhanden war.
    Mein Therapeut sagte mir ganz klar, daß es schon unter *normalen*Bedingungen, also ohne Abhängigkeit schwer ist, sich zu lösen, aber wenn eine Trennung aufgrund der Krankheitseinsicht entsteht, fallen die *normalen* Empfindungen bei einem Co-Abhängigen noch viel mehr ins Gewicht, wird oft als Ausrede oder Grund benutzt, weiterhin zu hoffen, denn dann kommen Aussagen, wie:*Ja, aber ich liebe ihn doch...etc...*


    Für mich waren diese Gefühle auch lange der Haupt-Hinderungsgrund, mir einzugestehen, daß ich aber aus den krankhaften Anteilen an dieser Beziehung festzuhalten versuchte.

    Es ist ein ganz schwieriger und schmaler Grat als Co-Abhängiger die gesunden (normalen) und kranken Gefühle zu differenzieren.
    Wir haben ja auch einige hier, die sich entschieden haben, beim Partner zu bleiben. Ich kann nur für mich sprechen, aber nach langer Krankheit-Un-einsicht mußte ich für mich die Entscheidung treffen, daß ich die Beziehung fallenlassen mußte. Denn es ging dabei um mein Leben!
    Und genau das ist für mich der Hauptbeweggrund, darüber nachzudenken, wann es sinnvoll und der einzig richtige Schritt ist, loszulassen: Wenn es mein Leid verlängert, dann muß ich loslassen. Es darf bei mir als Co-Abhängige nicht darum gehen, ob ich das Leid des alkoholabhänggen Partners verlängere, denn dies würde wieder heißen, ich nehme ihm die Verantwortung für sein Leben ab.


    So, ich hoffe, ich bin nicht mal wieder total am Thema vorbei :roll: .

    Lieben Gruß

    S.Käferchen

    Einmal editiert, zuletzt von Anonymous (29. Dezember 2008 um 08:45)

  • Man ist in einer Art Netzwerk rund um den Alkoholiker verstrickt. Man merkt es nicht, dass man den Alkoholiker unterstützt. Man behandelt ihn wie einen Kranken, in der Hoffnung er wird wieder gesund, wenn man nur oft genug probiert ihn davon zu überzeugen, dass er aufhört. Man braucht selbst einen tiefen Fall. Man braucht selbst Hilfe von aussen, aus dieser Abhängigkeit rund um "den Alkoholiker" los zu kommen. Ich wurde da rein geboren, es hat mehr als 20 Jahre gedauert, um zu begreifen, dass all das meine Familie, der Alkoholiker und ich ein ziemlich krankes System sind.

    ich finde die Frage gut!

    lg
    Marya

  • .....weil Alkoholismus als anerkannte Krankheit gilt,.....und einen KRANKEN läßt man nicht einfach fallen !

    Ich erlebe es momentan selbst in der Familie wie schwierig es ist zu vermitteln, .....OHNE Krankheits-Einsicht, KEINE Heilung !

    Alkohol wird in unserer "breiten" Gesellschaft immer noch nicht als Droge gesehen. Drogen sind im herkömmlichen Sinne, ....Hasch, LSD und Kokain, aber doch kein Alkohol den ich in jedem Supermarkt und an jeder Tankstelle frei erwerben kann.

    Jugendschutz-Gesetz ?....Wer kontrolliert denn wirklich an der Kasse ?

    Und wenn schon,.....dann wird eben der nächst Ältere zur Kasse geschickt.

    Familienkrankheit Alkoholismus ?......Wer hat denn davon schon gehört ?

    Es gibt vielleicht verschiedene vererbbare Krebs-Erkrankungen in der Familie oder, ....Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck,...aber ALKOHOL ?......bei UNS doch nicht !

    Den meisten fällt es immer noch sehr schwer, Alkoholismus als Krankheit einzustufen,......der immer wieder geäußerte Satz,.....du brauchst doch nur aufzuhören mit dem Trinken oder,.....ist doch alles nur Willenssache,.....sprechen Bände.

    Es ist wirklich sehr, sehr schwer einen lieben Familien-Angehörigen fallen zu lassen,.....und selbst wenn,.....heißt das noch lange nicht das der- oder diejenige auch den Weg aus der Sucht schafft.

    Ich wünsche meiner lieben "Schwägerin" alles erdenklich Gute !

    Liebe Grüße, Rose

  • Hallo Mandy,

    ich habe gerade gesehen, dass du on bist, deshalb krame ich deinen alten Thread hervor.
    Wie geht's dir denn mittlerweile?
    Ich hab' fei am 05.01. an dich gedacht! :wink:
    Magst du - vielleicht auch nur ganz kurz - erzählen, wie's dir ergangen ist?

    LG
    espoir

  • Liebe Mandy,
    Du schreibst, dass Dein Partner nicht coabhänig ist . Vielleicht hat er tatsächlich nie darunter gelitten dass dz alkoholabhängig bist und hat deswegen auch nie in erwägung gezogen, dich zu verlassen.
    Weißt du, die Bilder, die erscheinungen des Alkoholikers isnd in den verschiedenen Stadien sehr anders udn dann auhc wieder von Mensch zu Mensch´. So gibt es welche, die fallen garnicht auf, dass sie trinken, Und das über Jahre. Da ist vielelciht nichts, was stört, ausser mal ne Fahne. Andere haben wiederum sehr heftige Erscheinungen, die von Lügen, Betrügen, Gewalt über Wahnvostellungen bis sonstwohin reichen. Viele Geschichten laufen typisch, parallel. Aber es gibt wohl doch auch Ausnahmefälle. Ob die wiederum vielelicht sogar so verlaufen WEIL der Partner garnicht Coabhänig ist und somit auch ganz anders agiert sei auch noch dahingestellt.
    Es ist ja kein absolutes Muß den Partner zu verlassen, obwohl es ja oft empfohlen wird. Es ist auch Spekulation, ob es wirklich das Leid der Partner verlängert. Denn ein verlassenener Partner hört dann nicht unwillkürlich auf zu trinken. Ein Coabhängiger ist dann auch nicht geheilt udn kann auch schnell wieder in die nächste Coabhängigkeit geraten. Trennung ist kein Allheilmittel. Ein alkoholisierter Partner, der einne ständig irgendwie weh tut und tyrannisiert, das muß man sichnicht antun.
    Es gibt viele Dinge, die weh tun, an die der betrunkenen sich nciht mehr erinnern kann. Wenn so etwas passiert muß man sich selber schützen. Zum beispiel durchTrennung. Wer sich dennoch nicht trennen willkönnte vielelicht in der Tat auch andere Wege finden, um diesen Begleiterscheinung aus dem Wege zu gehen, so dass die ALkoholkrankheit nicht zum Leid des Partners wird. Das Leid des Partners kann man ohnehin niemandem abnehmen.
    Wenn man also trotzdem man wirklich leidet sich nciht trennen kann liegt das wohl in erster Linie daran, dass man sich wohl generell nicht trennen will von dem Partner den man liebt. Was ja irgendwo auch Sinn macht. Dann kommt ja noch die gewohnheit, das Loslösen aus dem gewohnten Umfeld, auch die Mühe etwas neues anzufangen, die Angst allein da zu stehen, finazielle Einbußen, Auflösung der Familie dazu.
    Das muß man abwägen.
    Ich finde es sehr wichitg zu verdeutlichen, dass man sich trennt, weil man sich selber oder auch seine Kinder damit schützt und damit nicht unbedingt den Menschen nciht mehr lieben darf oder jetzt meiden muß.
    Auch muß deutlich sein, dass eine Trennung nicht dazu gedacht ist eine Genesung des Alkoholkranken herbei zu zaubern. Denn dann wird der Coabhängige irgendwie mit in die Verantwortung für den Alkoholiker gezogen. Das ist dann noch Coabhängiger. Wenns nciht klappt, dann kommen vielelicht noch Schuldgefühle dazu .
    Ich finde es sehr normal dass es in einer Partnerschaft, wo eben noch Gefühle vorhanden sind, es auch viele Gründe gibt , die gegen eine Trennung sprechen. Ich finde es unnormal und ungesund, dass man sich nciht automatisch versucht zu 'schützen', wenn man leidet oder einem böse Dinge, egal ob absichtlich oder nicht, angetan werden.
    Daher nicht so ganz verständlich, wenn davon gesprochen wird, dass man einen Kranke nicht alleine lassen soll. Zuerst muß man mal seine eigene Haut retten. Und der Kranke ist dann immer noch da, eventuell mit Abstand zu genießen. Ich halte ohnehin Beziehungen nicht so sehr für positiv, wenn man so stark aneinander klettet. Ich mag es eher, wenn jeder seinen Freiraum in einer Beziehung hat.
    Also, ob Trennung oder nciht Trennung sollte man vielelicht im Einzeflla entscheiden.

  • Hallo,

    Zitat von Chopin

    Es geht nicht nur darum, ob man einen Kranken fallen lassen darf, zuallererst muss es darum gehen, sich selbst zu schützen.

    das möchte ich einfach mal unterstreichen!

    Jeder ist selbst für sich verantwortlich..... egal ob Co. oder Alkoholiker.

    Wie heisst es so schön... das Hemd ist mir näher als die Hose?

    Also muss ich auf MICH achten!

    Jeder Kranke hat die Möglichkeit sich helfen zu lasssen.... wenn ER es denn will!

    Lieben Gruß
    Speedy

    lieben Gruß

    Speedy

    Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

  • Hallo,

    bor nu ist der Thread aber erst mal abgestaubt worden :wink: erst vielen lieben Dank, für Euere Sichtweisen und gelebten Erfahrungen.

    Ich bin ja für 3 Monate in eine LZT gegangen und dabei ist dann dieser Thread auch eingeschlafen.

    Nun ja, ich denke auch das nicht jede Beziehung am Alkoholismus des Partners scheitern muss/sollte. Wenn man die ganze Beziehung ansieht, Unsere Beziehung hatte wohl noch den nötigen Halt und gegenseiteigen Respekt.

    Auch habe ich eigentlich noch gut funktioniert, auch mit Alk, nach aussen war die Fassade sogar fast perfekt. Es wurde keine schmutzige Wäsche gewaschen und es gab keine unwürdigen Beschimpfungen oder gar Handgreiflichkeiten.

    Klar hat es auch mal gerappelt, aber Streit gibt es in jeder normalen Familie, thats live.

    Manche Bekannten waren sogar erstaunt, nur meine engsten Freunde, wussten bescheid.

    Beide hatten wir Unser Päckchen wohl brav getragen, wie ich das Heute mit dem nötigen Abstand betrachte. Es geht also, das eine Beziehung Bestand haben kann, wenn man daran hart arbeitet.

    In jeder Beziehung ist es aber auch so, es ist ein geben und nehmen, viel Vertrauen und den nötigen Respekt.

    Die Liebe, ja auch die Liebe.

    Zum Glück, haben die Kinder auch nicht alles mitbekommen und wir haben ein normales intaktes Familienleben, mit allen Höhen und Tiefen.

    Manchmal ergibt sich auch ein Gespräch, da sitzen wir alle beisammen und reden über meine Krankheit, jeder hört dem Anderen zu, ohne zu verurteilen. Es bleibt dann stehen und es wird sacken gelassen.

    Wir reden aber auch über alles Andere, was so anliegt, ich bin ja nicht der Nabel der Welt.

    Hier und da kommt immer mal was hoch, dann hilft reden, nichts beschönigen oder vertuschen. Tut manchmal ganz schön weh, hält aber wach.

    Ich betrachte es immer wieder als Geschenk und bin dankbar, das ich die Krise/Zeit, als mich der Alk noch bestimmte überwinden konnte.
    Nur aufhören zu trinken das war auch erst der erste Schritt, da hatte ich die Hilfe von meinem Mann. Aber auch das Vertrauen, er hat mich machen lassen und ich hatte bis Heute nie das Gefühl, das er mich kontrolliert.

    Vieleicht ist es auch gerade mit ein wichtiger Grund, das Vertrauen. Denn ich musste ja erst selber wieder lernen mir zu vertrauen.

    Nochmal danke für die Beiträge von Euch :wink:

    MLG Mandy

  • Liebe Mandy

    Du sprichst mir aus "dem Herz"!
    Genau SO ist es bei mir!

    Liebe Grüsse
    Backmaus

    Schön,so eine intakte Familie "im Rücken" zu haben!

  • Auch ich wurde schon oft gefragt, warum ich noch bei dem Mann bleibe. Ich weiß es nicht!
    Mein Vater trank, mein erster Mann trank und der zweite auch.
    Es ist erschreckend zu sehen, hätte ich alle 3 von hinten gesehen, gleichen sie sich in Größe, Gehabe, Sensibilität usw.
    Dieses *Muster* habe ich mir unbewußt ausgesucht und heute komme ich nicht mehr davon los.
    Warum mache ich das alles hier mit?
    Warum ziehe ich mir immer wieder den Schuh an?
    Warum kann ich meine Gedanken nicht loslassen?
    Warum kann ich IHN nicht loslassen?

    A N G S T ist es - die lähmt.
    LG Rosita

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