Grundbausteine 4 und 8 nicht anwendbar

  • Hallo an alle, es liegt mir da was auf dem Herzen und ich hätte gerne mal gewusst, ob Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt. Es geht mir um die Grundbausteine 4 und 8 (Offenheit und Ehrlichkeit; Unterstützung durch die Familie und das Umfeld).
    Ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass ich mein Alkoholproblem innerhalb meiner Familie am Besten gar nicht mehr anspreche.
    Wie schon in meinen bisherigen Beiträgen erwähnt, habe ich schon lange (seit 1995/96) mein Suchtproblem und war auch zweimal zur stationären Entgiftung. Bei der ersten Entgiftung wurde das Thema von meinen Eltern sofort abgeblockt und mit meinen Brüdern gar nicht erst zum Thema gemacht. In der 2. Entgiftung bekam ich einmal Besuch von meiner Mutter (aber auch nur wg. einem gemeinsamen Arztgespräch) und anschließend hieß es nur: "Mensch Kind, lass doch endlich das Zeug aus dem Balg".
    Im letzten Jahr habe ich eine ambulante Therapie gemacht; da konnte ich ab und zu meiner Mutter was drüber erzählen.
    In den letzten Monaten habe ich für alle offensichtlich wieder ordentlich getrunken. Doch seitens der Familie: Kein Kommentar. Nur einer meiner Brüder meinte mal: "Ja, dieser sch... Stress in unserem Leben".

    Nun gehe ich also mal wieder das ganze Problem an und ich hoffe wirklich, dass ich es dieses Mal schaffe. Habe das Forum entdeckt und meiner Mutter nur erzählt, dass ich im Internet eine tolle Seite für mich entdeckt habe. Da sagte sie sofort: "Auf welcher Seite du da bist interessiert mich nicht und Internet schon mal gar nicht". Ich denke, dass sie etwas ahnt aber einfach nicht den Mut hat, das zu thematisieren. Gegenüber meinem einen Bruder habe ich mich am Dienstag geöffnet, doch auch dieser wurde richtig laut und sagte nur:"Du weißt doch mittlerweile wirklich, dass dir das Zeug nicht guttut, also lass einfach die Finger davon". Außerdem kamen solche Kommentare wie: "Was soll eigentlich der Mist mit einer SHG und diesem Forum"; ich müsste das doch mittlerweile alleine in den Griff kriegen und da sollte ich mir nicht noch den Mist von anderen anhören.
    Manchmal kann ich die Reaktionen meiner Familie nicht verdenken, denn ich habe ja nun schon mehrere Anläufe zur Trockenheit unternommen.
    Trotzdem tut mir diese Nichtbeachtung meines größten Problems weh.
    Außerdem bin ich in unserer Familie nicht alleine mit diesem Problem. Einer meiner Brüder trinkt täglich und das nicht zu wenig. Aber solange der Job stimmt und nach Außen alles in Ordnung ist, ist das Trinken halt normal. Da wird dann über viele Dinge noch gelacht.
    Vielleicht hat ja jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir mal schreiben, wie er damit umgeht. L.G.

  • Hallo bibo

    Bei mir in der Familie ist es ähnlich.
    Dazu muss ich sagen,dass ich nie eine Entgiftung gemacht habe und in keiner LZT war.
    Alkoholmissbrauch habe ich -bis auf ganz wenige Ausnahmen "nur" zuhause betrieben;also wusste nur mein Mann und meine Kids um mein "Quartalsproblem".
    Hilfe habe ich mir am Tag "x"-nach jahrelangem Rumgeeiere dann in einer SHG gesucht.
    Mein Alkoholproblem ist meinem Bruder bekannt; er akzeptiert,dass ich keinen Alk mehr trinke und ansonsten wird "es" nicht mehr thematisiert.
    Schliesslich habe ich IHM keine Versprechen gegeben,die ich dann später nicht eingehalten habe.
    Diese Enttäuschung sehe ich bei Euch als Knackpunkt A.
    Knackpunkt B ist Dein trinkender Bruder-aber da er ja damit "zurechtkommt" ,ist er noch nicht das "schwarze Schaf".
    Sicher tut das alles weh,doch nur mit dauerhafter Abstinenz kannst Du VIELLEICHT daran etwas ändern.
    ...und das nach aussen alles "sauber" aussehen muss.....was sollen die Freunde/Nachbarn denken...
    dass haben hier einige mitgemacht oder stecken noch mittendrin.
    Nicht jede Familie unterstützt;oft fehlt ihnen auch die Kraft dazu.
    Ich lese auch bei den "Co's"....finde ich ganz wichtig...damit wir Alkoholiker wissen,wie es ihnen mit uns geht/ging.

    Schau auf DICH....DU bist der wichtigste Mensch für Dich.
    Liebe Grüsse
    Backmaus

  • Hallo Bibo,

    da ich Einzelgänger bin und meine Verwandtschaft sich mengenmäßig im sehr überschaubaren Grenzen hält, besteht/bestand das Problem nur bei meinen Eltern. Während meiner Saufzeit kamen von meiner Mutter nur so Kommentare wie – mach mal ne Pause, denkt an deine Leber – usw.
    Ich muss dazusagen, ich wohne nicht in der Nähe meiner Eltern und sie bekamen meinen Alltag nicht mit. War aber regelmäßig auf Besuch. Wichtig war für meine Angehörigen, dass ihre Umgebung nichts mitbekam, von wegen der Leute, Nachbarn und so.

    Nachdem ich aufgehört habe zu trinken wurde nicht darüber gesprochen. Ich habe meine Mutter mal angesprochen, wie sie es findet, dass ich keinen Alkhohl mehr trinke. Es kam der Vorwurf, dass ich ihr durch die Sauferei Jahre ihres Lebens gestohlen habe. Sonst kein Kommentar.

    Heute habe ich keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter, sie hat den Kontakt rigoros und mit Nachdruck abgebrochen, sie hat mir sogar verboten zur Beerdigung meines Vaters zu kommen.

    Die erste Zeit nach dem Rückzug meiner Mutter habe ich alles Mögliche versucht mit Ihr in Kontakt zu bleiben. Was soll man machen, wenn einem die Tür vor der Nase zugeschlagen wird. Telefon hat sie nicht mehr. O-Ton - Wenn soll ich schon anrufen -.

    Dir kann ich nur raten, mach dein Ding und lass dich nicht von deinen Leuten beeinflussen oder verunsichern. Ich liebe Leute die alles wissen ohne sich mit einer Sache wirklich beschäftigt zu haben.

    Wundere dich nicht wenn ich dir die nächsten drei Wochen nicht schreibe aber ich habe Urlaub. :D
    Kopf hoch

    Weißbär

    Liebe Grüße
    Weißbär

  • Hallo Bibo,
    Ich würde es mal so Sagen bei mir ist es so.Das alle in meiner Famielie und Verwandschaft es Gut finden das ich trocken bin.Aber mit ihnen über meine Suchtsprechen ist kaum möglich.Da sie einfach nicht Verstehen das ich meine Sucht nicht alleine durch Willen.Zum Stillstand bringen kann der ein oder andere möchte auch nichts davon hören.Das liegt daran das sie dan an ihr eigenes Trinkverhalten erinert werden.Und das wollen sie nicht.Das sind so meine Erfahrungen für deinen Thread
    Bleib dabei es ist ein Klasse Forum :wink:
    LG
    Günter :wink:

  • Hallo Bibo,

    bei mir unterscheide ich die "enge" Familie (das sind meine Frau und Kinder) und der "weniger engen" (meinen Eltern, Geschwister habe ich nicht).

    Die enge Familie weiß natürlich Bescheid und ist mir eine sehr große Hilfe.

    Bei den Eltern ist etwas merkwürdiges passiert, was ich aber auch von einigen aus der SHG gehört habe:
    Ich hatte meine Frau vor der Entgiftung gebeten, meinen Eltern nichts von meinem Problem zu sagen (sie sind nicht ganz gesund und ich wollte ihnen die Aufregung sparen).
    Nun, meine Frau ist auch nur an Mensch und hat sich nicht an die Bitte gehalten, sie musste mal mit jemandem reden.
    Sie wissen daher seit meiner Entgiftung, also jetzt seit 10 Wochen, Bescheid.
    Sie haben aber NIE, kein einzigesmal, irgendein Wort darüber verloren oder mich gefragt, ob und wie ich ohne Alk klar komme.
    Ich hab mir gedacht "na, dann sagste auch nix".
    Ich habe allerdings gesehen, dass sie ihre Bar (Truhe in "Gelsenkirchener Barock"), die sonst mit verschiedenen, teuren Spritsorten gefüllt war (tatsächlich nur für Gäste, abgesehen von alkoholfreiem Bier trinken meine Eltern seit langem nichts), leergeräumt haben, bevor ich zu Besuch kam.

    Vielleicht müssen wir einfach akzeptieren, dass es eine Generation gibt, für die das Thema "tabu" ist.

    Kann natürlich auch sein, dass sie selber sowas wie Schuldgefühle haben. Gegen mein Bier mit 16 in der Kneipe hatten sie nichts, und zu meinem letzten Geburtstag haben sie mir noch "einen guten Tropfen" (wie jedes Jahr) geschenkt.


    Grüße
    spiegel

  • Hallo Ihr Lieben,
    könnte das vielleicht damit zusammen hängen, dass das einfach die Familiengeheimnisse sind, die einfach (unbewußt) vertuscht werden sollen.

    Ich habe das mehrfach erlebt, dass Vater Alkoholiker ist, ebenso wie Sohn, aber für alle galt "er trinkt ja nur so und so viele" ... weil die Alkoholiker, das müssen ja die auf der Parkbank sein, nein in unserer Familie doch nicht.....

    Die Augen aufmachen ist nicht nur Betroffene schwer. Wenn nun der Betroffene ehrlich mit sich selber umgeht, so kann das Umfeld auf einiges gestoßen werden, was es nicht willens ist wahr zu haben. Fraglich ist für mich dann nur, ob ein solcher Kontakt nicht den Weg des Trocken werdens erschwert....

    "Da wo es weh tut, bist Du richtig" und kannst dagegen arbeiten - wenn aber zwangsläufig das "weh tun" vermieden wird, so ist auch eine Konfrontation bzw. Erkenntnis der eigenen Mitbeteiligung schlecht möglich, oder?

    LIeben Gruß von Dagmar

    Lieber Spiegel, das leerräumen der Truhe Deiner Eltern finde ich toll - die haben mitgedacht und versuchen selber aktiv zu sein, wenn auch "unsichtbar".

  • Ein Hallo an Backmaus, Weißbär (schönen Urlaub wünsch ich Dir), Günter, spiegel und dagmar007.

    Vielen Dank für Eure Beiträge. In jedem Beitrag finde ich Sätze, die genau auf meine Situation zutreffen und die ich nur bejahen kann.
    Auch ich spreche von der "weniger engen" Familie (Eltern, Geschwister). Leider habe ich das in meinem Beitrag nicht so hervorgehoben.

    Folgende Sätze spiegeln ganz genau meine Gedanken wieder:

    Zitat

    Vielleicht müssen wir einfach akzeptieren, dass es eine Generation gibt, für die das Thema "tabu" ist.

    Kann natürlich auch sein, dass sie selber sowas wie Schuldgefühle haben. Gegen mein Bier mit 16 in der Kneipe hatten sie nichts

    Ich denke, genauso wird es sein. Wenn ich mit 15 regelmäßig ziemlich betrunken nach Hause kam, da hat niemand mal nachgefragt oder etwas dazu gesagt. Nein, ich war ja mit meinen Brüdern unterwegs, da war das ja o.k.
    Ich war ja gut und sicher aufgehoben.

  • Hallo,

    ich sehe dieses Thema so: Wenn sich in meinem Umfeld jemand nicht für meine geistige und körperliche Gesundheit interessiert und es auch nicht für nötig hält, sich über meine Krankheit zu informieren, muss ich davon ausgehen, dass eine enge Beziehung oder Bindung nicht gewünscht ist und verhalte mich entsprechend. Das bedeutet nicht, dass ich mutwillig einen Bruch herbeiführe, aber um mich selbst zu schützen, halte ich Abstand.
    Ich verlange von niemanden, der nicht süchtig ist, dass er Ersatz für eine Selbsthilfegruppe ist. Aber ich setze voraus, dass er meine Krankheit erkennt und meine Sucht respektiert. Dazu gehört u. a. auch, dass nicht versucht wird mich zum Trinken zu animieren oder Alkohol in meine Wohnung geschleppt wird.
    Außerdem gibt es da noch die praktizierenden Süchtigen. Die haben in meinem Leben sowieso nichts mehr zu suchen. Klingt radikal, aber in Endeffekt geht es mir dadurch besser.

    Schönen Tag noch

    Ich bin jetzt erwachsen - Trocken seit 18 Jahren (Mai 2005).

  • Hallo Bibo
    habe hier lange nichts mehr von mir hören lassen (Grüße an Backmaus und Weissbär:-) weil es mir im Moment recht gut geht...will heissen bin schon seitletzten "Absturz" vor einigen Wochen, trocken.
    Ich kenne die Problematik mit der Familie noch nicht, weil ich den Kontakt mit meinen Eltern abgebrochen. habe. Allerdings war icht mein Alkoholproblem die Ursache.
    Meine Eltern trinken seit ich denken kann jeden Abend ihren Rotwein (jeder so 1 Flasche..manchmal mehr)
    Ich meinte einmal, ob ihnen denn eigentlich bewußt ist, dass sie Alkoholiker sind. Da kam nur die lapidare Antwort : Ach Kind, was für ein Unsinn, WIR sind doch keine Alkoholiker, wir geniessen doch einfach nur den Feierabend"
    So.. toll dachte ich mir. Denn sie müssten gemerkt haben, dass ich sehr viel getrunken habe. Zumindest bei den Telefonaten, wenn meine Stimme ab und zu doch etwas schleppend war....... naja was heisst ab und zu.......war ja jeden Abend betrunken.
    Ich werde, fall meine Eltern sich bei mir melden sollten, die Wahrheit sagen, und je nach reaktion werde ich gegen reagieren.
    Meinen Weg in die Trockenheiit werde ich weitergehen, ob mit oder ohne meine Eltern.
    Das gleich rate ich dir.
    Bleib bei deinem Weg und lass die hinter dir, die nicht mitgehen wollen
    Liebe Grüße
    Eisbär

  • Zitat von bibo614

    Hallo an alle, es liegt mir da was auf dem Herzen und ich hätte gerne mal gewusst, ob Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt. Es geht mir um die Grundbausteine 4 und 8 (Offenheit und Ehrlichkeit; Unterstützung durch die Familie und das Umfeld).

    Hallo Bibo614,

    über Jahre etwas kaputt gemacht, dass kittet sich nicht so schnell. Die Erfahrung habe ich gemacht.

    Ich rede offen über meine Sucht, manchmal habe ich mein Gegenüber auch vollgequatscht damit. Aber es hat mir geholfen.
    Offenheit und Ehrlichkeit ist in erster Linie für mich wichtig, wie gehe ich mit meiner Sucht um. Ohne diese Ehrlichkeit und Offenheit wäre ich heute nicht mehr trocken, weil ich mich verstecken müsste, aber das muß ich nicht. Ich lebe im hier und jetzt und ich bin auch nicht schlechter oder anders als ein gesunder Mensch.

    Meine Familie hat versucht sich damit auseinder zu setzen, aber sie können nicht das verstehen, was ich als Süchtige verstehe, also habe ich mir "Gleichgesinnte" gesucht und auch gefunden.
    Heute habe ich ein Umfeld, was mich akzeptiert und respektiert so wie ich bin, eine trockene Alkoholikerin.

    Zitat

    Grundbausteine 4 und 8 nicht anwendbar

    doch aber nicht von heute auf morgen.

    LG die kawi

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