Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden...

  • Hallo Violetta,

    willkommen hier im Forum.

    Kontrolliertes Trinken gibt es nicht, das ist Illusion. Ein Alkoholiker kann den Alkoholismus nicht "in den Griff kriegen".

    Loslassen geht nicht, schreibst du. Da geht es dir nicht anders als ihm mit seinem Alkohol.

    Keiner von beiden möchte etwas verändern, aber jeder hat an den anderen Erwartungen.

    Du machst dir Sorgen um SEINE Gesundheit. Derweil wird er dir gegenüber gewalttätig... Was ist mit DIR!!? Nimm dich wichtig!

    LG, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Violetta!

    Es wird sich nichts ändern, wenn du nichts änderst.
    Mit Kind wird es für dich nur noch schwerer.
    Oder leichter, wenn du für euch die Reissleine ziehst.
    Aber nur mit Konsequenz. Nichts androhen, was du nicht wirklich wahr machen kannst.

    Alles Gute für dich und dein Kind! Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Hallo Violetta,

    ich habe mich jahre-, gar jahrzehntelang nicht zur letzten Konsequenz entscheiden können.

    Jetzt ist das Leben zwar nicht vorbei, aber das letzte Drittel hat begonnen. Und all das, was ich noch vorhatte, lege ich "ad acta".

    Du hast, wie immer im Leben, zwei Möglichkeiten: Bleib bei ihm, und mache die klassische Co-Abhängigen-Karriere. Oder ziehe die Konsequenzen und gib Dir selbst und deinem Kind eine Chance, glücklich zu leben.

    In der Firma haben wir uns folgendes Modell zum Umgang mit Alkohol- (und anderen Sucht-) Kranken erarbeitet: der Mitarbeiter wird gekündigt und entlassen. Nach erfolgreicher Therapie wird er wieder eingestellt. Geht er nicht zur Therapie, bleibt er draussen.

    Vielleicht wäre das eine Möglichkeit für Euch? Trennung, und wenn er die Therapie erfolgreich hinter sich hat, wieder ein Versuch zusammen zu leben? Beim Rückfall endgültige Trennung/Scheidung - so oder ähnlich.

    idS Daniel

    Angehöriger

  • Hallo Violette!
    Nur eine Frage?
    Angenommen du hättest eine allerbeste Freundin, die dir von verbalen und auch körperlichen Übergriffen(Schlagen) ihres Freundes erzählen würde.
    Was würdest du zu ihr sagen?
    Denke bitte mal einen Moment darüber nach!

    Bin auch eine Frau, die jahrzehntelang alles erduldet hat.
    Habe gelernt, das ich ihn loslassen muß, damit sich was ändert.

    Ich weiß es fällt unendlich schwer !!!!


    LG
    Mohn

  • Hallo und Willkommen Violetta,

    ich bin hier genau so gestrandet, wohl wissentlich was mit ihm und was mit mir los ist. Auch ich wusste, so geht es nicht mehr weiter.

    Dann als ich hier anfing zu lesen, war ich erst mal geschockt, weil es so viele wie "ich" gab, und weil meiner Meinung nach zu der Allerweltslösung "Trennung" kaum eine Alternative geboten wurde.
    Jetzt hab ich aber begriffen es geht nicht um eine Alternativlösung, und angeboten wird einen auch nichts,
    sondern es geht hier um die ( wahrscheinlich letzte) Chance, die ich mir und meinen Kindern selber geben kann.
    Und im Nachhinein muss ich sagen, IHM hab ich alle erdenklichen Chancen aufgezeigt bzw. angeboten.
    ER wollte sie nicht. In meiner Aufopferung und meiner Liebe zu ihm war ich bereit hunderte , ne tausend Chancen für ihn einzuräumen. Und ich wär jeden Weg für ihn gegangen. Aber Er hat sich entschieden : entschieden zu jammern, und nichts zu tun.
    Irgendwann war ich dann an dem Punkt, wo ich mich entscheiden musste, geb ich den Kids eine, oder ihm noch eine weitere, die Er eh nicht annimmt.
    Und ich hab mich für die Kids entschieden. Und wir sind jetzt seid 2 1/2 Monaten getrennt. Und ich merk wie die Kinder aufatmen, wie Ruhe hier einkehrt.
    Und ich plag mich immer rum ... warum hast Du ihm so lange Zeit gelassen, die Er eh nicht zu schätzen wusste.
    Ja, er trink auch noch, zu mindest glaub ich das, denn ich schau nicht mehr so hin. Er ist ja der Meinung das Trinker keinen Job und keinen Führerschein mehr haben - also ist er kein Trinker.

    Liebe Violette, ich kann deinen Herzenswunsch nicht nachkommen und Dir eine andere Lösung bieten, ich würd sagen der Vorschlag von Daniel ist super. Eine Chance für ihn aber auch gleichzeitig eine Chance für Dich und dein Kind.
    Lass es nicht so weit kommen, wie ich, dass Du hofft und festhälst bis Dich Kinderaugen anschaun und fragen...."warum holst Du uns nicht hier raus???" Glaub mir da ist die Trennung einiges leichter.

    Ich wünsch Dir Mut und die Kraft jetzt das Richtige zu tun.
    Liebe Grüße,
    nici

  • Hallo Violetta,

    ich glaube auch nicht, dass Dein Mann es schafft, die Alkoholmenge, die er bisher konsumiert hat, auf Dauer auf ein Maß zu minimieren, das in Deinen Augen tolerabel ist. Diese Steuerungsmechanismen sind ja eben bei einer Alkoholsucht NICHT vorhanden, das macht die Krankheit letztendlich aus. Die Mengen, die er momentan konsumiert, sprechen m.E. schon für eine starke Ausprägung der Sucht.

    Seine cholerischen Wesenszüge werden durch das regelmäßige Trinken auf jeden Fall verstärkt, so habe ich das in den letzten Jahren auch bei meinem Mann beobachtet.

    Du schreibst, " Eine Neigung zu Impulsivität oder negativer ausgedrückt Cholerik hatte er schon immer, aber ich habe das Gefühl, dass die Reizschwelle für seine unberechenbaren Ausbrüche sinkt. Er wird richtig gemein und demütigend, es ist aber auch schon mehrfach zu körperlichen Gewaltandrohungen/Drohgebärden gekommen und vereinzelt zu Übergriffen." (Leider beherrsche ich das Zitieren immer noch nicht).

    Genau so ist es bei meinem Ehemann - deshalb werde ich mich in diesem Jahr trennen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass cholerische Wesenszüge zwar durch den Alkohol verstärkt werden, aber grundsätzlich als Anlage im Charakter manifestiert sind. Aus einem Menschen, der von seiner Anlage her friedvoll und ausgeglichen ist, wird durch Alkohol kein Monster, er wird weder 'unberechenbar' noch 'gemein' oder demütigend'. Schon gar nicht übt er körperliche Gewalt aus, wie er es bei Dir offensichtlich bereits getan hat. (Übrigens: mein Mann hat, neben seiner Cholerik, auch eine ganze Reihe wertvoller Charaktereigenschaften!! Aber die zerstörerische Kraft seiner dunklen Anteile macht vieles zunichte.) Mein Mann war in seinem trockenen Jahrzehnt, das jetzt leider hinter ihm liegt, auch immer jähzornig - und er hat mich in trockenem Zustand geschlagen. Fazit: ich glaube nicht, dass der Jähzorn durch Abstinenz verschwindet.

    Du solltest Dich sehr eingehend fragen, ob Du Dein Kind all diesen Einflüssen aussetzen möchtest... Das Szenario, dass Dein Mann irgendwann die Mutter seines Kindes vor dessen Augen in einem Jähzornsanfall schlagen wird, ist denkbar, sogar wahrscheinlich, wenn sich nichts ändert. Du schreibst sehr klar, dass eine Trennung für Dich nicht infrage kommt.

    M.E. gibt es nur die Möglichkeit einer 2-gleisigen Therapie für Deinen Mann: das Ziel der vollständigen Abstinenz, Suchtberatung, SHG. Darüber hinaus langfristige Verhaltenstherapie, um den Jähzorn in den Griff zu bekommen. Jähzorn ist wohl therapierbar, es gibt ein neues Buch zu dem Thema von einem Schweizer Psychotherapeuten.

    Dass Dein Mann bald Vater wird, sollte Grund genug für ihn sein, grundlegende Veränderungen zu wollen. Auch dass Du dich selbst mittlerweile als "verzweifelt" bezeichnest, sollte er wissen!

    Ich wünsche Dir viel Kraft
    Aufbruch

    "Mut ist nicht das Gegenteil von Angst. Sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die eigene Angst."

  • Hallo Violettea, auch ich gehe am Donnerstag zum ersten mal
    in eine SHG, bin CoAbhängig.
    Ich finde es sehr gut, dass du es machst und hoffe, dass es dir weiterhilft.
    Bin sehr gespannt, ob ich da Zuhörer finde.
    Dort sind Alkoholiker und CoAbhängige, habe aber nichts anderes gefunden.
    Ist ein Anfang und unsere Männer merken nur so, dass wir
    was umsetzen und nicht nur reden.
    Bin sehr gespannt, wie es dir dort ergeht.
    Viel Glück und Kopf hoch.
    LG Waldliebende

    Und wenn du denkst es geht nicht mehr
    kommt von irgendwo ein Lichtlein her.....

  • Hallo Violetta,

    ich wünsche Dir, dass der heutige Besuch in der SHG ein Erfolg für Dich war, vielleicht magst Du davon berichten. Zu dem Wechsel von Wein auf Bier .... mein Mann ist Alkoholiker und trinkt NUR Bier.

    Alles Gute
    Aufbruch

    "Mut ist nicht das Gegenteil von Angst. Sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die eigene Angst."

  • Hallo Violetta!

    Ein bisschen schmunzeln muss ich schon!
    Für eine SHG ist es meiner Meinung nach nie zu früh.
    Wenn man für sich die richtige gefunden hat, mit den Leuten dort Kontakt findet, dann ist es eine große Hilfe.
    Ich bin sehr, sehr dankbar über das Forum hier, aber die ersten Überlegungen zu MEINER HEILUNG habe ich in meiner SHG bekommen.
    Der direkte Kontakt kostete mir viel Mut, brachte aber hinterher viel Erleichterung, weil es eine Art "Outing" war. Endlich mal vor meinen Ansprechpartnern offen reden. Zugeben, was daheim abläuft.
    Nicht mehr schweigen, verheimlichen müssen! Und dort erfuhr ich
    VERSTÄNDNIS.

    Aber, da ich im Moment auch in der Zwickmühle stecke, kann ich dich auch sehr gut verstehen, dass du erst mal ANFANGEN musst, etwas zu ändern. Für DICH.
    Auch mir wurde geraten, Schritt für Schritt vorzugehen. Damit man nicht unterwegs stolpert, oder wieder zurückfällt.
    Dazu wünsche ich dir Kraft, Mut und Durchhaltevermögen.

    LG Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

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