Guten Abend Jonas,
ich werde deine Anregung bzg. der Matthäuspassion gerne aufnehmen. In meinen Hörgewohnheiten, was klassische Musik angeht, bin ich immer auf zweierlei Weise eingeschränkt gewesen.
Zum einen dadurch daß mir einfach Kenntnisse fehlen - ich hatte nie etwas wie eine musikalis he Erziehung, muß mich auf meine emotionale Einfühlung verlassen, sehr vieles was sich da kompositorisch /strukturell tut erschließt sich mir einfach nicht; ich kann ja nicht einmal Noten lesen. Etwas was ich sehr bedaure. In meinem Elternhaus wurden Schlager gehört, meine eigne Entwi klung war die Rebellion mittels der Rolling Stones so ab 12,13 Jahren. Immerhin blieb ich neugierig und das hat zum Jazz geführt.
Zum Andern hatte ich immer Schwierigkeiten mit vokaler Musik. Das liegt ebenfalls wohl daran daß ich eigentlich - wie viele aus meiner Generation - ursprünglich von Rockmusik geprägt wurde (die daran hängenden Mythen und popkulturellen Illusionen sind auch ein wesentlicher Teil meiner Suchtgeschichte). Gesang in der Art wie er in Klassik gehandhabt wird war mir früher immer ein Greuel.
Wenn ich aber überhaupt einen Zugang dazu finden kann dann sicherlich über Kirchenmusik, nicht über Oper oder Lied - das sakrale Element rührt etwas in mir an, das ich schwer beschreiben kann...
Vielleicht aus diesem Grund kann ich mit manchem von Bruckner etwas anfangen, obwohl ich Pathos und allzu großbesetzte Orchestrierungen nicht mag (Brahms sagt mir wenig und Wagner nichts); aber bei Bruckner finde ich dieses schwer ausdrückbare sakrale Element wieder...
Nimm meine sicherlich amateurhaften Geschmacksbeschreibungen nicht als Wertungen, es sind eher Inkompetenzerklärungen. Ich weiß das wohl - leider.
Ich hab die Matthäuspassion nicht aber meine örtliche Bücherhalle verleiht auch CDs, da geh ich morgen mal auf die Suche. Danke für die Anregung! Und einen schönen Abend!
LG Frank