Hallo zusammen,
ich lese schon seit einigen Wochen in eurem Forum und habe festgestellt, dass mich viele Geschichten und Erfahrungen sehr berühren und mich das Thema immer noch sehr bedrückt.
Ich kopiere ebenfalls den Text aus dem Vorstellungsbereich - um mich auch euch kurz vorzustellen...
Kurz zu mir - ich bin 37, Mutter einer fast 15 jährigen Tochter, schon lange Zeit allein erziehend, auch wenn ich mittlerweile wieder einen festen Freund habe, der allerdings eine Stunde von hier entfernt wohnt.
Ich bin voll berufstätig und führe nach außen ein ziemlich normales Leben.
Bis auf eine Ausnahme. Ich habe ein Problem mit dem Umgang mit Alkohol.
Ich wusste das für mich auch schon lange, die Situationen in denen es eskalierte häuften sich ja immer mehr, die Abstände zwischen den Abenden an denen ich trank wurden kürzer und die Menge steigerte sich ganz allmählich.
Eskaliert ist alles am 5. Dezember 2011, als ich mich mit 2.1 Promille noch ins Auto setzte weil der Zigarettenautomat nicht funktionierte.
Die Sheriffs waren auch gleich zur Stelle und dieser kleine Ausflug bescherte mir jede Menge Ärger und Kummer - ich laufe noch heute - aber es war für mich trotz allem ein Glücksfall.
Ich ging noch in der selben Woche zur Suchtberatung, war wenige Tage später zum ersten Mal in der SHG und habe mich im Januar zu einem Abstinenzprogramm angemeldet um meine Abstinenz für die MPU dokumentieren zu können.
Das hört sich alles gut an - aber es ist nicht immer so einfach wie es sich schreibt. Die Leute in der SHG sind alle sehr lieb, aber oft habe ich auch das Gefühl ich sitze in einer Gruppe von Selbstdarstellern und keiner sagt so deutlich was ihn bewegt. Das ist natürlich auch schwierig wenn 15 Personen im Kreis sitzen und nur 2 Stunden Zeit sind.
Und immer wieder kommen ja neue Leute dazu, die dann einfach mehr Zeit brauchen.
Ich selbst habe das Gefühl, mir reicht diese Aufarbeitung für mich nicht. Ich habe noch so oft Momente im Alltag bei denen ich gern etwas trinken würde und nur das Abstinenzprogramm und eiserner Wille es schaffen mich davon abzuhalten. Ich erzähle gern später was das für Momente sind.
Ich habe im Alltag auch oft Schwierigkeiten damit, mich mit meinen mehr oder weniger normal trinkenden Menschen zu konfrontieren.
Was für mich glaube ich ein Riesenglück ist, ist dass die Mutter meines Freundes Alkoholikerin ist und ich ihm aufgrund des fehlenden Führerscheins ab dem ersten Tag sagen musste, was bei mir passiert ist. Er ist sehr sensibilisiert was das Thema Alkohol angeht, trinkt selbst sehr wenig und hat viel Verständnis.
Und dann ist da noch ein Thema das mich sehr beschäftigt. Ich habe immer noch so eine große Scham. Ich träume von Situationen die in der Vergangenheit eskalierten und bekomme diese Situationen nicht wirklich verarbeitet.
Euch liebe Grüße,
Newlife