Lebensfreude von Angehörigen

  • Hallo Schnitzel,


    ja die gibt es sicher.
    Ich zähle mich dazu, aber es ist wirklich Arbeit sich diese zurück zu erobern.
    Dazu mußte sich bei mir erst einmal der Gedanke festsetzen, das ich nichts tun kann. Egal ob ich zuhause bin oder weit weg, ich habe kein Einfluß auf sein Trinken gehabt.
    Das muß aber erst einmal ankommen beim Angehörigen . Mein erster Schritt zu etwas mehr Lebensfreude war damals der Versuch 1/2 Std. in einem Cafè einen Cappuccino zu trinken.
    Hört sich an, wie eine Winzigkeit, aber diese Zeit kann sich ziehen, wenn man zum ersten Mal den Kümmermodus verläßt.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Schnitzel,


    Zitat

    Magst du mir bitte mehr erzählen,tipps geben.


    heute sehe ich es Vorteil an, das ich damals damit begonnen habe zu erzählen, wie es bei uns wirklich aussah. Nichts mehr mit heile Welt, die ich so gerne nach draußen suggerriert habe.
    Irgendwie kam da gleich Verständnis auf, ich habe es Menschen erzählt, die für mich wichtig waren, und Gott sei Dank haben die so reagiert, wie ich es mir gewünscht habe.
    Ja mit der Tasse Cappu fing es an, dann habe ich wieder angefangen zu fotografieren, nicht auf Profiniveau sondern einfach für mich, mir Motive gesucht, die ich schön fand. Das war so die Phase, meine Blicke auf etwas anderes zu lenken, mal in die Wolken schauen, wie sie sich auf tausenderlei Arten formieren.
    Ich habe wieder Kontakte aufleben lassen, die ich vorher vernachlässigt hatte, bzw. mich ganz zurückgezogen hatte. Ich bin da sofort wieder aufgenommen worden
    Weg von der bisherigen Hauptsache, dem saufenden Ehemann, dem habe ich immer mehr an Verantwortung zurückgegeben.
    Ich war ja zuständig für alles, ob es mich betraf oder nicht. Das fing bei Überweisungen an, ich habe auch nicht mehr für ihn gesorgt, keine Wäsche mehr gewaschen usw.
    Das war ein langer Prozess, in dem ich auch wieder die Lust am Reisen entdeckt habe. Zuerst nur mal hier und da einen Tag an eine Fortbildung angehängt, bis am Ende zu 14 tägigen Urlauben.
    Ich glaube nicht, das ich es ohne das Forum geschafft hätte, hier kamen immer Ermutigungen, wenn ich mal wieder auf die Nase gefallen war. Dafür bin ich heute noch dankbar.
    In dieser Zeit habe ich immer mit ihm unter einem Dach gelebt, wie in einer WG. Ich konnte nicht gehen, aus Gründen, die mir bis heute nicht ganz klar sind.
    Ich habe aber in dieser Zeit etwas sehr wichtiges gelernt, nämlich, das ich alleine klar komme, das ich selbstständig bin und für mich handeln kann.
    Das war sehr wichtig für mich.


    Solltest du noch Fragen haben, dann einfach nachfragen.



    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Das tut gut,wenn ich hier antworten bekomme.
    Ich war bei verschieden Psychologen.
    Es wurde immer gesagt,ich muss (zumindest ist es bei mir so angekommen)ausziehen.Derzeit nicht vorstellbar für mich.
    Mir ist wichtig,das ich mich traue ihm zu sagen,er braucht eine Therapie.Ich habe nicht die Kraft für diese Gespräch.Ich beginne sofort zum weinen.
    Was kann mir zu mehr Mut,Selbstvertrauen helfen.
    Das ist mir jetzt am wichtigsten.
    Falls ich mal ausziehe,muss ich vorher auch an mir arbeiten,damit ich nicht immer an zu Hause denke.
    Wenn ich jetzt auser Haus bin,denke ich immer an zu Hause.

  • Hallo Schnitzel,


    für mich war dieses Raus aus der Wohnung ein ganz wichtiger Schritt. Ich konnte auch nicht mit meinem Mann reden, da ich ständig nur geheult habe und auch Angst vor seinen Reaktionen hatte. Mein Leben drehte sich nur um ihn, aufpassen, nix falsches zu sagen, ihm Ärger vom Leib halten, Alk anschleppen .... Für mich war klar, dass ich in dieser Umgebung mein Verhalten nicht ändern kann, dass ich raus muss. Mein Auszug war auch für ihn ein gewaltiger Schuss vor den Bug. Für uns beide war es ein Neubeginn. Die erste Zeit allein war der Horror, meine Gedanken und Gefühle habe ich ja mitgeschleppt, damit musste ich ja erstmal klar kommen. Ich war zur Psychotherapie, habe ganz viel gelesen und hatte dieses Forum mit Menschen, die sich bei diesem Thema auskannten. Ich glaube, den Mut zum Auszug hab ich auch hieraus gezogen. Es hat schon eine Weile gedauert, bis ich mich wieder um mich gekümmert habe. Das ging bei mir auch nach diesem gewaltigen Schritt Auszug nur ganz langsam in kleinen Etappen. Habe mir eine Sportgruppe gesucht, wieder mit einem verschütteten Hobby begonnen, alte Kontakte reaktiviert .... wie gesagt ganz langsam Schritt für Schritt und manchmal auch einen Schritt rückwärts. Das gehört alles dazu. Du musst für dich raus finden, was dir gut tut, wie du am besten mit der Situation umgehen kannst und dein Leben für dich lebenswert gestalten.
    Ich wünsche Dir viel Kraft und Geduld
    Lütte

    Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen.

    (Henry Ford)

  • Hi, ich habe ihm einen Brief da gelassen, in dem ich versucht habe, mich zu erklären. Ich brauchte erstmal Abstand und Ruhe, was er in den ersten Wochen nicht akzeptierte. Es hat einen Monat gedauert, bis ich wirklich eine Kontaktsperre durchsetzen konnte. Danach fiel es mir leichter, mich auf mich zu konzentrieren. Wirklich reden konnten wir erst wesentlich später. Er hörte auf zu trinken und begann über alles, was passiert war nachzudenken und ich hatte auch meine Zeit für mich und dann konnten wir anfangen über uns zu reden. Wenn ich das so aufschreibe, hört sich sich sehr straight und konsequent an, war es aber nicht. Es war eine beschi**ene Zeit voller Tränen, innerer Zerrissenheit, Verzweiflung für beide, aber wir haben es geschafft.
    sonnige Grüße
    Lütte

    Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen.

    (Henry Ford)

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