Funky - Ich bin EKA und Alkoholikerin.

  • Guten Abend Funky,

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Danke :)


    Hatte ja geschrieben dass ich den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen habe… und mir geht es damit total gut.

    Jetzt stand meine Mutter plötzlich vor der Tür. Dachte ich flieg vom Stuhl.
    Hab die Tür aufgemacht und gefragt was sie von mir will… das erste was sie fragt ist wie ich eigentlich mit meiner Familie umgehe und dass wir alle (habe zwei Geschwister, eine davon ist an dem selben Punkt wie ich, ähnliche Gründe…) mal von unserem hohen Ross runter kommen sollen. Es wäre in jeder Familie so. Richtig vorwurfsvoll…


    Unglaublich. Hab die Tür wieder zu gemacht und bin fassungslos.


    Keine Reflektion und IMMER das selbe. Die selben Sprüche, die selben Versuche mich zu manipulieren. Wir hatten gefühlt eine Horrorkindheit bedingt durch unseren Vater und uns allen geht es so viel besser ohne Kontakt.

    Meine Mutter tut mir Leid, weil sie sich (vielleicht verständlicherweise) nicht mit der Tatsache beschäftigen will, dass sie es wie ihre eigenen Eltern auch nicht geschafft hat, eine stabile, gesunde Familie zu erschaffen und sie steckt selbst so tief in der Abhängigkeit zu meinem Alki Vater…

    Wie geht man denn mit sowas um?


    Hätte nie gedacht dass meine Mutter jemals ungefragt vor meiner Tür stehen würde (1 1/2 Stunden Bahn fahren).

    Ich hoffe sie akzeptieren es einfach und nutzen die Situation um selbst zu reflektieren…

  • Hallo zusammen,


    jetzt ist schon wieder eine so lange Zeit vergangen, die Zeit fliegt förmlich…


    geht es jemandem ähnlich? Ich bin immer noch trocken, war die letzten Jahre so voller Motivation und Hoffnung auf ein „neues“ Leben, der Kontakt zu meinen Eltern ist immer noch beendet.


    Mittlerweile ist es Normalzustand für mich, ich trinke halt nicht. Aber ich frage mich immer öfter, war es das wert? Ich habe wirklich alles verloren, einfach weil ich entschieden habe nicht mehr trinken zu wollen (müssen). Der Kontakt zu anderen Menschen ist immer noch nur oberflächlich, zum Großteil strengen mich andere einfach an, Hobbys oder ein Ziel habe ich immer nur kurz, bevor ich wieder das Interesse verliere. Und so laufe ich quasi wie ein Roboter durch mein Leben und frage mich immer öfter, ob es anderen auch so geht?

    Es fühlt sich an, als würde ich nach einem Ersatz für den „Kick“ suchen, der Moment, den ich hatte, wenn ich was getrunken habe… kurz bevor es dann nicht mehr witzig war. Einfach dieser kleine Moment in dem der Schalter umgelegt wurde und mir alles so einfach fiel. Im Grunde war mir alles egal, aber deswegen war es auch einfach.

    Als hätte ich 2 Leben, mein altes und das jetzige. Und als müsste ich mich immer noch entscheiden… obwohl ich für mich viel verändert und erreicht habe die letzen Jahre, kommt es mir im Vergleich zu dem was ich jetzt nicht mehr habe plötzlich so banal und unwichtig vor.

    Vielleicht habe ich auf das falsche Pferd gesetzt, habe so viel geändert an meiner privaten, beruflichen und finanziellen Situation, und auch an meiner Fitness. (Dank der Trockenheit).

    Aber nur oberflächlich, nicht an den zwischenmenschlichen Beziehungen, an den Ursachen hat sich nichts geändert. Und jetzt denke ich dass ich zu alt bin, um nochmal alles umzuschmeißen.

    Ich habe mich schon immer „nicht zugehörig“ gefühlt, als wäre irgendwas an mir komisch und merkwürdig und alle sehen es, nur ich nicht. Das war auch ein starker Grund für meinen Konsum. Ich habe (gefühlt, nicht wirklich) dazu gehört, als ich noch getrunken habe…

    Komisch und nicht zugehörig fühle ich mich immer noch, und das ich nicht trinke, macht mich mittlerweile NOCH merkwürdiger.

    Kann es wirklich sein, dass es die FALSCHE Entscheidung war, mit dem trinken aufzuhören?

    Das soll nicht falsch verstanden werden, ich habe nicht vergessen was der Alkohol aus anderen und mir gemacht hat, ich habe auch überhaupt nicht das Bedürfnis danach zu trinken.

    Ich frage mich zur Zeit nur, was ich jetzt mit der Erkenntnis mache, dass das Leben ohne Drogen wohl auch nicht besser ist. Oder mein Weg doch nicht so besonders ist, wie ich dachte? Bzw. wie müsste es sein, dass es für mich gut ist? Wenn ich ja eigentlich nichts anderes kenne, als betrunken sein… und dann die kurzen Jahre, in denen ich regelrecht euphorisch war, um jetzt wieder in der Realität gelandet zu sein.

    Zwar nüchtern, aber irgendwie immer noch verloren.

  • Mit der Abstinenz ist es ein bisschen wie mit einer neuen Liebe. Erst mal ist man euphorisch und alles toll und dann kommt eine gewisse Ernüchterung. Das Leben wird wieder normaler.

    Du sagst du hast auf ganz viel verzichtet für die Nüchternheit. Klar verliert man Menschen mit denen Alkohol das Schmiermittel war und auch die Zeit die man besoffen und verkatert verbracht hat will jetzt neu gefüllt werden.

    Aber ist das nicht auch eine tolle Chance?
    Ich lese heraus, dass du ähnlich wie ich auf der Suche nach aufregenden Erlebnissen bist. Klar, früher im Suff war es leicht vermeintliche Abenteuer zu erleben- unzählige Anekdoten erzählen davon.

    Aber das Gefühl im Morgengrauen durch einen eiskalten dampfenden See zu schwimmen, alleine mit der Hängematte im Wald zu schlafen oder auf einem hohen Berggipfel zu stehen sind Dinge die nur nüchtern gehen und Nachhaltig etwas bewegen.

    Das waren meine Beispiele, aber vielleicht findest du für dich ganz persönlich ein Mikroabenteuer, das dir den Kick verschafft, den du früher im Alkohol gesucht hast. Probier es aus!

  • Kann es wirklich sein, dass es die FALSCHE Entscheidung war, mit dem trinken aufzuhören?

    Aber ich frage mich immer öfter, war es das wert?

    was ich jetzt mit der Erkenntnis mache, dass das Leben ohne Drogen wohl auch nicht besser ist.

    Du bist bald 3 Jahre abstinent, Funky, richtig? Ich habe mir Deinen kurzen Faden mal durchgelesen. Ich kann da eindeutig Verbesserungen bei Dir erkennen, Du doch zwischendurch auch...

    Warum jetzt nicht mehr? Wo kommen diese Fragen her, vielleicht direkt aus deinem Suchthirn? So klingt es jedenfalls für mich.

    Denn dein nüchterner Kopf möchte doch nicht zu den Abstürzen zurück, oder?

    Du hast Deine Abstinenz anscheinend ganz ohne Hilfe erreicht, Bewundernswert, aber vielleicht doch nicht genug?

    Im Austausch mit uns und/oder einer realen SHG kannst Du leichter Wege zur zufriedenen Abstinenz entdecken. Und oft geht es hier auch ganz vergnüglich zu.

    Erzähl doch mal von Dir, wie Du an den Punkt gekommen bist, an dem Du heute stehst.

    Willkommen zurück!

  • Linde66 28. September 2025 um 19:13

    Hat den Titel des Themas von „Funky - Kontaktabbruch zu den Eltern?“ zu „Funky - Ich bin EKA und Alkoholikerin.“ geändert.
  • Hallo Funky, hallo alle,

    weil sich der Themenschwerpunkt von EKA zu Alkoholismus verschoben hat, habe ich gerade deinen Thread umbenannt und verschoben.

    Hier wirst du bestimmt mehr Antworten bekommen, als im EKA-Bereich.

    Gut, daß du dich mit all dem hier gemeldet hast. Ich wünsche dir einen hilfreichen Austausch! Bleib eine Weile länger hier, vielleicht hilft dir das.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Und so laufe ich quasi wie ein Roboter durch mein Leben und frage mich immer öfter, ob es anderen auch so geht?
    ...


    Liebe Funky !

    Ja, es geht anderen auch so, mir z.B.

    Durch das Ziehen der Abstinenz-Notbremse hat sich bei mir fast alles verändert, und zwar massiv. Nicht nur ich mich, sondern auch vieles um mich herum.

    Ich selbst bin jemand, der, wenn er sich etwas wirklich in den Kopf gesetzt hat, das auch durchzieht. So beendete ich meine Trinkerei und habe auch vor, dauerhaft trocken zu bleiben. Auch es wenn in meinen Postings hier gelegentlich erscheinen mag, dass ich manche Gefahrenpotenziale mal ab und an aufgrund eigener Erfahrungen etwas "relativiere", bedeutet das nicht, dass ich meinen Kurs verlassen möchte. Ich sehe mich insoweit als Realisten. Und weil ich mich als Realisten sehe, kann ich auch Deine Gedanken nachvollziehen.

    Durch die fast gänzliche Neuaufstellung und -ausrichtung meines Lebens (bis auf den Bereich Arbeit), bedingt durch den Abstinenzentschluss, habe ich mich ebenfalls so hin und wieder gefragt, ob es das alles wirklich wert war. "Wert"... ja, ein gefährliches Wort - furchtbar emotionsbehaftet ist es. Wie Du zog ich beginnend mit meiner Abstinenz regelrecht eine Schneise durch den Dschungel meines Lebens, nicht unbedingt die Sträuche und Äste vor und neben mir (also mein Umfeld) vorsichtig beiseite schiebend, sondern eher gleich mit einer Machete mir meinen neuen Weg in mein trockenes Leben bahnend. Anders ausgedrückt: Alles, was nicht mit meiner neuen Lebensweise zusammenpasste, wurde kurzerhand entfernt, ignoriert, abgestellt etc. Ein neues (kleines) soziales Umfeld, neue Verhaltensweisen, neue Beschäftigungen - "neu" musste alles sein, so lautete die Devise. Bis auf den Sport. Da übe ich wieder meine Sportart von früher aus. Aber auch hier: "Richtig" und konsequent.

    Je stärker ich in meinem neuen Leben Fuß fasste und anders (trocken!) lebte, desto öfter zog ich dann aber auch gedankliche Parallelen zu früher. Nach wie vor bin ich der Ansicht, dass man sich nur dann wirklich nachhaltig ändern kann, wenn man versteht, was in der Vergangenheit schiefgelaufen ist und sich das auch immer wieder vor Augen führt. Also im Sinne "Willst Du wirklich wieder dahin zurück!?"

    Damit verbunden stellte sich dann aber auch zwangsläufig die Frage, ob es nicht einfacher gewesen wäre, so weiterzumachen wie früher? Also mit dem Trinken. Klingt ja erstmal verlockend, oder? Mit der Abstinenz wird das neue Leben anders - und ich wage mal zu behaupten, subjektiv empfunden: komplizierter. Man trennt sich von Altem (besser: Gewohntem), baut sich Neues auf, was wohl in den seltensten Fällen sofort und problemlos klappt und steht daher immer wieder zwischen den Stühlen. Fühlt sich nicht zugehörig. Nicht akzeptiert. Anders. Dann beginnt das Gedankenkarussell.

    Dass dann die von Dir beschriebenen Gedanken kommen, erscheint mir nicht ungewöhnlich. Unumwunden gebe auch ich es zu: Wenn ich wirklich mal Ruhe und richtig Zeit und Muse zum Nachdenken habe (was selten ist, da mein Leben ziemlich durchorganisiert ist), denke auch ich nach wie vor darüber nach, wie ich jetzt so lebe, was mir daran gefällt und was nicht, was sich alles geändert hat, wie es früher war, was es nicht mehr gibt, was es anstatt dessen gibt und und und.

    Und auch wenn die "Verlockung" da ist, das Vergangene (also die nasse Zeit) ein wenig zu verklären und [überspitzt formuliert] nostalgisch zu werden, so komme ich doch immer wieder zu dem Schluss: Schön war an der nassen Zeit nicht wirklich etwas. Ganz im Gegenteil: Wieviel Porzellan ist durch die Trinkerei unwiederbringlich zu Bruch gegangen? Bei mir war es im Wesentlichen der private, familiäre und soziale Bereich, den ich mir größtenteils dauerhaft ruiniert habe. Freunde, Partnerschaft, Familie. Bei anderen ging es vielleicht ins Berufliche und Finanzielle oder noch viel viel schlimmer: ins Gesundheitliche! Meist aber irreversibel, könnte ich mir vorstellen.

    Daher kann die Frage "Kann es wirklich sein, dass es die FALSCHE Entscheidung war, mit dem trinken aufzuhören?" eigentlich nur klar verneint werden, oder? Eine derartige Ansicht hätte weitergedacht letztlich doch die Selbstaufgabe und damit verbunden die eigene Selbstschädigung und Selbstzerstörung zu Folge.

    Ich selbst versuche tagtäglich, mein neues Leben ein wenig besser für mich zu gestalten. Da gibt es Höhen und Tiefen, weil eben nicht alles so läuft, wie man es gerne hätte oder es sich erträumt. Aber auch wenn es vielleicht nicht so läuft, wie man es sich vorstellt, Du es Dir vorstellst, ich es mir vorstelle: Zu trinken ist keine realistische (problemlösende) Option. Natürlich würde sich durch den Griff zur Flasche oder zum Glas das eine oder andere ändern, aber im Endeffekt würden wir genau wieder ein Leben führen, dass wir damals, als wir aufgehört haben, nicht wollten, weil wir wussten, dass es über kurz oder lang unseren Untergang bedeutet.

    Und so ein Leben mit all seinen negativen Konsequenzen und einem Ende, das sich ziemlich sicher vorhersagen lässt, wollen wir dennoch wieder haben, bloß weil wir mit der derzeitigen Situation unzufrieden sind?

    Nein, oder?

    Liebe Funky ! Dies hier habe ich geschrieben, weil Du eine Situation angesprochen hast, die vermutlich so manche(-n) beschäftigt, die aber selten so klar formuliert wird. Dafür danke und wie gesagt, ich kann verstehen, dass Dich diese Gedanken "plagen". In ähnlicher Form sind mir diese Gedankenspiele nicht fremd.

    Vielleicht hilft das hier ein wenig...

    LG, Stef.

    2 Mal editiert, zuletzt von stef2303 (28. September 2025 um 20:57)

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