Beiträge von stef2303


    Kann man denn auch 100% einsichtig sein und trotzdem nichts ändern wollen?

    Meine kurze Meinung (bzw. aus meinem Leben): Ich denke ja, aber vermutlich nur so lange wie die - sagen wir es mal so - individuelle "Schmerzgrenze" nicht erreicht ist.

    Ich trank über viele Jahre immer wieder viel zu viel. Oh ja, dabei war es mir vollkommen bewusst, das ist schädlich, das ist ungesund, Du hast ein Problem, das andere nicht haben. Habe ich deshalb aufgehört? Nein. Weil ja alles - aus meiner nassen Sicht - bestens lief. Warum sollte ich dann wirklich etwas ändern wollen?

    Meine vielen Trinkpausen habe ich stets dann eingelegt, als es für mich in irgendeiner Form "unangenehm" wurde. Ich wurde während meiner Trinkphasen immer fauler, nahm an Gewicht zu, vernachlässigte Beruf, Partnerschaft, Freunde und Bekannte, die eine oder andere Peinlichkeit gab es auch - also mal die Stopp-Taste drücken war dann angesagt. Machte ich auch. Das ziemlich konsequent.

    Bloß: In der Phase des Trinkens, wenn es mir noch (gefühlt) so einigermaßen gut ging, war der Änderungswunsch - trotz Wissen und Einsicht, dass ich ein Alkoholproblem hatte - ich sage es, wie es ist: gleich null! Lieber bei allen anderen Dingen zurückstecken als mit dem Trinken aufzuhören...

    Bis die Trinkerei dann aber irgendwann auch für mich selbst nicht mehr tragbar war. Das dauerte allerdings oft eine Weile.

    Dazu noch abschließend ein kleines banales Beispiel aus meinen Trink-Zeiten: In guten Zeiten hatte (habe) ich Konfektionsgröße 48. Als ich trank nahm ich natürlich zu. Als Größe 48 zwickte und zwackte, trug ich halt die 50er Größe. Für mich aus meiner Sicht kein Problem, die Sachen passten ja auch gut. Gefühlt sah man das nicht wirklich. Stimmt übrigens nicht. Ich wollte es bloß nicht sehen. Ich trug dann auch keine hellgrauen oder beigen Anzüge oder andere helle Klamotten mehr (weiß war sowieso tabu), sondern ging ins Dunklere. Marineblau, anthrazit - je dunkler, desto besser, weil das macht ja schlank. Warum also nur deswegen, weil man in seine Sachen nicht mehr rein passt, mit dem Trinken aufhören? Dann irgendwann Größe 52. Auch die Gürtel mussten länger werden. Es wurde also zunehmend unangenehm. Aber nach wie vor keine Einsicht. Bei Größe 54 sagte ich dann meist Stopp. Da ward es dann auch für mich so dermaßen offensichtlich und untragbar geworden, dass wieder mal die Notbremse gezogen wurde (und ich nach einem halben Jahr oder so wieder bei Grüße 48 war).

    Bloß grüßte mich das Murmeltier dann wieder recht schnell und der ganze Irrsinn ging von vorne los.

    LG, Stef.

    Jetzt nochmal zu deiner Arbeitssitouation. Du willst deinen Job kündigen bzw. Du wirst wahrscheinlich gekündigt. So, oder so wird es dann mit hoher Wahrscheinlichkeit eine 3'monatige Sperre geben. Lass dir ein Attest ausstellen, das du aus gesundheitlichen Gründen kündigst( Sucht ist eine Krankheit!! mit dem Hinweis Arbeitsüberforderung, Mobbing??.

    Soweit ich gelesen habe, ist NIKA. aus Ö. Hier gelten andere Regelungen. Sperrfrist insbesondere bei Selbstkündigung: 4 Wochen.

    Nur am Rande: Eine Kündigung wegen Mobbings würde ich mir gut überlegen, das kann (wenn nicht oder nicht aussagekräftig und schlüssig dokumentiert) schnell nach hinten losgehen.

    Ich als Personaler formuliere es jetzt mal komplett überzogen (zur Veranschaulichung, bitte keine persönlichen Rückschlüsse ziehen) so: Die Mitarbeiterin trinkt trotz Alkoholverbotes, fällt in der Arbeit negativ auf, lässt womöglich auch in der Leistungsfähigkeit nach, rückt das Unternehmen vielleicht auch in ein schiefes Licht, kündigt dann aus eigenem Entschluss (kommt der Kündigung / Entlassung dadurch vermutlich zuvor) und gibt dabei als Grund an, gemobbt zu werden. Vom Trinken keine Rede. Aber Mobbing.

    Hmm... also, wenn hier ein tatsächliches Mobbing nicht bewiesen werden kann, dann kann Übles drohen. Derartiges kann sich ein Unternehmen so nicht gefallen lassen.

    Würde ich bei mir auch nicht.

    LG, Stef.

    Ich lese gerade, dass das auch eine Entzugserscheinung ist.

    Ich hatte dies beim ersten Mal auch, vielleicht hab ichs nur vergessen.

    Hallo NIKA.

    Ich denke, das kommt oft vor. Sah es auch bei mir. In den ersten Tagen einer jeden Trinkpause bzw. eines jeden Entzugs (Trinkpausen sind ja bei den meisten auch nur gescheiterte Entzüge, oder?) schlief ich schlecht, es kamen immer wieder Gedanken über dieses und jenes. Natürlich auch so etwas wie: Was hast Du dem/der xy nochmal erzählt..? Wie hast Du Dich benommen? Sagt der das weiter? Kann ich morgen überhaupt noch zur Arbeit gehen? Und und und. Die Erinnerungslücken machten die Sache dann natürlich noch viel unangenehmer. Also: Noch mehr denken, noch weniger Schlaf. Wie wir - glaube ich - alle wissen: Eine schlaflose Nacht kann sehr lang sein. Und fördert auch nicht gerade das Wohlbefinden.

    Rückblickend (oder wie es sich später herausstellte) war das Ganze - ich kann natürlich nur von mir berichten - schließlich mehr Befürchtung als Realität. So manche(-r) hat gewisse Äußerungen oder Verhaltensweisen, die mich plötzlich so sehr beschäftigten, gar nicht so recht wahrgenommen. Oder so interpretiert, wie ich es befürchtet hatte. Gut, ich könnte auch sagen: Weil manche ohnehin wussten, wie ich gelegentlich "ticke" und dass so manches nicht so ganz ernst genommen werden braucht. Bei der Arbeit ist das wohl anders, aber auch hier liegen Selbst- und Fremdwahrnehmung oft Meilen auseinander.

    Als ich mir damals nicht sicher war, ob ich etwas Falsches gemacht oder gesagt habe, bin ich morgens einfach wie immer ins Büro, habe nett und freundlich gegrüßt. Den üblichen Smalltalk gemacht und als ich gemerkt hatte, da sagt niemand was, war das Gröbste schon mal geschafft (mental, für mich).

    Ich denke, gerade im Entzug spielt einem - was eben diese Gedanken betrifft - die eigene Psyche den einen oder anderen Streich. Oder es wird der sprichwörtliche Teufel an die Wand gemalt.

    Natürlich kenne ich Deine konkrete Situation nicht, aber war es wirklich so schlimm, was Du gesagt oder getan hast, dass Du meinst, die Grenzen überschritten zu haben (irgendwie lese ich Deine Beiträge so)?

    LG, Stef.

    Ruhe zum saufen?

    quasi nur solange interessant, solange der andere mittrinkt und nichts hinterfragt?

    Es klingt zwar schlimm, aber auch das kommt vor. Bei mir und meiner Ex-Partnerin war es irgendwie eine beiderseitige Kapitulation vor der bestehenden Situation. Für beide war es kein wirkliches Miteinander und Leben mehr. Die Trennung hat dann zwar sie ausgesprochen, aber ich hätte - wäre sie mir nicht zuvorgekommen - über kurz oder lang ebenso gehandelt. Sie vermisste das partnerschaftliche Zusammenleben (wie es früher war), ich fühlte mich überwacht, bevormundet und auch "gestört" in meinem Leben... Keine gute Grundlage für den Fortbestand einer Beziehung...

    Gab es bestimmte einschlägige Vorkommnisse bei euch bzw ein Aha-Erlebnis oder ist das eher ein schleichender Prozess?
    Eher gesundheitlich, beziehungstechnisch oder beruflich? Oder die Summe aus allem?


    Würde mich wirklich mal brennend interessieren :)

    Bei mir war es der Umstand, dass es 2024 an allen Ecken und Enden immer mehr schiefzulaufen begann. Die Fehlentscheidungen im Beruf häuften sich (ein Mitarbeiter drohte mir zuletzt eine Klage an), auch die Auseinandersetzungen in der Familie, in der Beziehung verabschiedete sich das Miteinander Stück für Stück, eine finanzielle Fehlinvestition größeren Ausmaßes kam auch dazu (betrunken sollte man die Finger von finanziellen Dingen lassen), im Sportlichen waren keine Erfolgserlebnisse mehr da, manche Freundinnen und Freunde schränkten den Kontakt ein... und und und.

    Tendenz steigend.

    Ich bekam das natürlich alles mit, doch war anfangs die Einsicht, etwas ändern zu müssen, nicht da.

    Einzeln betrachtet waren die Veränderungen - gefühlt nicht - nicht schlimm gewesen, aber das Gesamtpaket zeigte mir schließlich dann deutlich auf, dass sich jetzt dauerhaft etwas ändern muss, weil ich sonst in ein paar Jahren vor die Hunde gehen würde.

    Und schon wieder sind wir dann beim loslassen. Vielleicht hat meine Frau schon losgelassen (irgendwie bin ich mir sicher), nur ich bin noch nicht so weit.

    Vielleicht gibt es da ja auch jemand anderen? Hast Du diese Möglichkeit schon mal in Erwägung gezogen?

    Mir wurde während und nach der Trennung auch so einiges an den Kopf geworfen - bis ich dann erfahren durfte, was da wirklich lief.

    Mir hilft sehr gut, wenn ich mich beschäftige, da ich nicht gern allein bin.

    Wie geht Ihr mit plötzlichen Freiräumen um?

    Liebe Kathrin Antje !

    Irgendwo habe ich mal geschrieben: "Die Langeweile ist der größte Feind der Trockenheit." Daran halte ich nach wie vor fest.

    Bin ich beschäftigt, denke ich nicht an Alkohol. Weiß ich nichts mit mir anzufangen, dann kommen hingegen doch schon mal wieder die gefährlichen Gedanken. Ich denke aber, das ist normal. Bei der HALT-Regel übersetze ich das L daher auch für mich eher mit "Langeweile" als mit "Einsamkeit".

    Welche Beschäftigung es ist, um sich abzulenken, ist wahrscheinlich irrelevant. Im Rahmen des mir derzeit Möglichen mache ich eigeschränkt Bewegung oder bin in der Arbeit. Gehe oft auch eine Runde durch den Ort, einkaufen, spazieren; da treffe ich auch immer mal jemanden, den ich kenne und plaudere dann mit diesem - auch wenn es Belanglosigkeiten sind. Aber das hilft ungemein.

    Abends hilft mir aber genauso gut ein Buch oder ein Hörbuch bzw. Hörspiel. Gestern am Abend wusste ich auch nicht so recht etwas mit mir anzufangen, und deshalb bin ich zur 19 Uhr-Messe im Nachbarort gefahren. War auch schön.

    Im Grunde musst Du selber wissen, was Du gerne tust oder magst, aber ich denke, fast jede Form der Ablenkung (ob noch so produktiv oder auch völlig unproduktiv, wichtig und sinnvoll oder auch gänzlich sinnlos) hilft hier. Und gerade die vermeintlich sinnlosesten Aktivitäten lenken mehr ab als gedacht, habe ich für mich zumindest festgestellt.

    Irgendwas findest Du sicher für Dich!

    LG, Stef.

    Beitrag 1:

    Liebe Leute, danke erstmal für eure Nachrichten.

    Es war etwas anders: Ich hatte irgendwann schon mal geschrieben (voriges Jahr vor oder kurz nach Weihnachten), dass ich nicht mehr in der Lage war, ein paar Schriftstücke zu unterfertigen, weil meine rechte Hand so derart zitterte, dass es mir unmöglich war, eine korrekte Unterschrift auf ein Blatt Papier zu bekommen. Tatsächlich tat sie es - und zwar so richtig; als ob man einen Schüttelfrost hätte... Das kann nun die Überlastung in der Arbeit sein, es kann aber auch vom Alkohol bzw. dem früheren Konsum (bzw. dem damit zusammenhängenden psychischen Konnex) herrühren (wobei ich bereits damals über ein Jahr nichts mehr trank).

    Beim Chinesen neulich beschlich mich so ein derartig ungutes Gefühl - vielleicht in Erinnerung an Weihnachten - dass ich das Glas, wenn ich es denn versuche aufzuheben, fallen lassen würde. Daher traute ich es mich wirklich nicht anzufassen. Weil ich wusste, es würde passieren. Rein innerlich begann nämlich schon meine rechte Hand zu zittern. Nicht äußerlich, aber ich wusste es: Das geht schief. Dann fällt das Glas auf den Boden und alle drehen sich nach Dir um. Das ist wirklich unangenehm, kann ich sagen. Wieso mir das alle paar Monate mal passiert, ist mir auch unerklärlich. Ja, es kann durchaus die Erinnerung an die früheren "großen" Sommerspritzer (also Weißwein mit Soda auf 0,5 l) oder die großen Biere gewesen sein; wissen tue ich dies nicht. Die Gläser hätte schon gestimmt. Aber zu anderen Zeiten ist das auch wieder kein Problem. Eine seltsame Situation (ich bringe dazu auch etwas in meinem Beitrag 2) - etwas später.

    Es ist leider schwer abzuschätzen, wann diese seltsamen Gedanken kommen; deshalb bestelle ich mir beim Essen meistens nur noch ein kleines Mineralwasser im Glas oder eine Cola Zero in der Flasche - dabei ist noch nie etwas passiert... Und ich fasse jedes Glas auch sicherheitshalber mit meiner linken Hand an, weil mit der gab es dieses Problem auch nie... naja... (bin Rechtshänder)... Monk lässt grüßen...

    LG, Stef.

    Hallo miteinander!

    Ich bringe dies hier, um zu zeigen, was die Sucht mit einem macht:

    Zu Beginn: Seit 17 Monaten trinke ich nichts mehr. Doch das Suchthirn bzw. die Abhängigkeit spielen hier anscheinend nicht so richtig mit.

    Ich war heute mit einem ehemaligen Arbeitskollegen zu Mittag essen. Buffet beim Chinesen. Als Getränke gab es 2x Apfelschorle (0,5 l). Schon als mir das Getränk hingestellt wurde, merkte ich innerlich: Das Glas kannst Du nicht halten. Lass es! Wir gingen dann zum Buffet; das Glas griff ich nicht an. Derartige Situationen sind echt schlimm, möchte ich sagen.

    Ich bezahlte dann nach einer Stunde; das Essen war kein Problem, aber das Glas griff ich nicht an. Es blieb voll. Mein Gesprächspartner sagte nichts, aber ich denke, er dachte sich schon so das eine oder andere.

    Derartige Situationen kommen bei mir sehr selten (alle paar Monate mal) vor, aber wenn dann doch, dann merke ich schon, was los ist...

    So viel zur Sucht... auch wenn man nichts trinkt, man wird sie nicht los!

    LG, Stef.

    Liebe Rennschnecke !

    Seit ich hier im Forum "aufgeschlagen" bin, warst Du immer mit an Bord. Bei mir, da danke ich Dir dafür!

    Trübe Tage hat doch jede(r) mal, oder? Wichtig ist es wohl vielmehr, dass man dann letztlich doch mit sich im Reinen ist.

    Ich kenne das von mir. Da gibt es Tage, wo ich mir denke: So kann es nicht sein; was treibst Du eigentlich? Im Grunde sind es wohl nur Stunden (oder gar Minuten).

    Sie gehen vorbei! 😉

    LG, Stef.

    Die selbe Strategie wurde mit Alkohol gemacht. Jeder kennt das Becks-Schiff von Freiheit und Abenteuer. Der harte Kommissar, der im Dienst schon das Dosenbier wegknallt und mega erfolgreich ist.

    Bier wurde schon im alten Ägypten gebraut...

    In Mitteleuropa ist Bier bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen.

    Von den Kelten und dem Mittelalter ganz zu sprechen.

    Das Reinheitsgebot gibt es seit 1516.

    Naja, ganz so neu (und populär) ist der Biergenuss wohl nicht... Alkohol gab es auch schon weit vor unserem geschätzten Dr. Brinkmann, denke ich...

    Im Grunde trank ich seit meinem 17. oder 18. Lebensjahr bis knapp zu meinem 50. Geburtstag. Selbstverständlich nicht durchgehend, sonst wäre ich längst schon tot.

    Über 25 Jahre lang (oder so) ahnte ich zwar, dass da was nicht stimmt, aber so wie diese Gedanken kamen, so gingen sie auch wieder. Es gab Jahre (auch mehrere in Folge) dazwischen, da trank ich eigentlich nichts, in vielen Jahren monatelang nichts, dann wieder viel, regelmäßig und zu viel... Es verlief bei mir wellenförmig.

    Gerade das machte es mir auch so schwer, die Sucht zu erkennen bzw. diese zu akzeptieren. Bis es dann 2024 eben ziemlich klar war.

    Aus meiner Sicht bedeutet Alkoholiker zu sein nicht ausschließlich oder vorwiegend, täglich zum Glas / zu Flasche (dann aber in x-facher Zahl) greifen zu müssen. Die Sucht ist - wie in meinem Fall - auch dann da, wenn ich trotz monatelanger Abstinenz ohne groß zu überlegen und eigentlich im Wissen, dass es falsch ist, einfach so zum Glas greife, weil z.B. etwas passiert ist, mir etwas nicht passte, es Streit gab oder was weiß ich... Und dann wieder eine kürzere oder längere Phase eintritt, wo die Trinkerei regelmäßig - vielleicht auch täglich - stattfindet. Bis der Cut kommt. Das Problem ist nur: Gerade diese Entwicklung wiederholte sich bei mir immer und immer wieder. Das wiederum machte die Sucht.

    Bei Dir, Angler, sehe ich beides nicht. Weder den Zwang, täglich (oder fast täglich) zu trinken gehabt haben zu müssen (mit all den negativen Folgen), noch entsprechende sich aus ähnlichen Gründen immer und immer wiederholende "Trinkphasen", deren Beginn vor allem von der Sucht gesteuert waren. So interpretiere ich zumindest Deine Beiträge.

    Ist es vielleicht dann nicht doch eher eine Frage des Alkoholmissbrauchs in schwierigen oder unangenehmen Situationen?

    LG, Stef.

    Auch wenn ich noch ein Wrack bin, glaube ich bin ich stärker als es wirkt. Näher bei mir als je zuvor in den ganzen Jahren.

    Nein, Du wirkst nicht wie ein Wrack. Ganz im Gegenteil! Ein wenig dürften wir uns ähnlich sein. Ich lese es irgendwie bei Dir heraus, dass die Stimmung derzeit nicht so gut ist. Stimmungsschwankungen sind allerdings völlig normal. Das ist kein Weltuntergang. Trübe Gedanken kommen, sind da, aber sie gehen auch wieder.

    Darf ich es auf den Punkt bringen? Ist es nicht so, dass es gefühlt gerade eben halt nicht passt? Früher war es wohl einfacher, bequemer, besser, oder was weiß ich... Du wirkst derzeit ein wenig deprimiert, aber das ist doch vollkommen normal. Also DAS geht vorbei, das kann ich Dir versichern... Die Zeit heilt (wie schon gesagt) alle Wunden...

    Ich weiß nicht, ob Dir das was hilft, aber ich war um die 30 Jahre in mehreren Beziehungen. Aktuell bin ich es nicht, irgendwie bin ich aber auch froh darüber. Dennoch gehe ich davon aus, es wird sich schon mal wieder was ergeben... Aber derzeit möchte ich meine Ruhe haben und mein Leben leben... Sooo schlecht ist das auch nicht...

    Wie auch immer: Gibt es nicht stets ein Licht am Ende des Tunnels oder ist nicht immer dort, wo eine Villa ist, auch einen Weg?

    Als ersten Schritt würde ich freilich die Abstinenz pflegen. Der Rest kommt von selbst. Und in ein paar Monaten, schätze ich, wirst Du die Situation anders sehen...

    LG!

    Ich kann gar nicht mehr fröhlich durchs Leben gehen und mich leicht fühlen.

    Vielleicht nicht jetzt und sofort. Aber das kommt.

    Und wieder: Du bist abstinent, Du merkst den Unterschied zu früher (hoffentlich). Es ist doch jetzt wohl - nüchtern betrachtet - besser, oder? Anders gefragt: Meinst Du, würde Dir die Sauferei hier und jetzt was bringen? Wäre etwas besser?

    Nachdem ich auf diese rhetorische Frage mit einem "Nein." spekuliere... Gib' Dir doch die eine oder andere Woche... Komm zur Ruhe.

    Und was die Sache mit Deiner Beziehung angeht... Es gibt einen Spruch, der anfangs - wenn man in einer solchen Situation war / ist - ich kenne das! - vermutlich dumm, banal, unpassend oder was weiß ich klingt: "Die Zeit heilt alle Wunden." Wenn etwas vorbei ist, ist es vorbei. Anfangs ist dies vielleicht gefühlt (oder empfunden) schlimm, vor allem, wenn man selbst verlassen wurde. ABER: Deswegen ist das Leben auch nicht vorbei.

    Mit den von Dir geschilderten Problemen bist Du jedenfalls nicht alleine - und: Der Ausweg ist meist näher als man denkt...

    Ich drehe jetzt mal zwei Sätze um bzw. reihe den zweiten Absatz vor:

    Es ist schwierig das in Worte zu fassen. Wenn ich mich fast zwinge an Bier zu denken steigt mein Puls und ich platze innerlich, so groß wird das Gefühl der Ablehnung. Einfach nur schnell was anderes denken bevor ich fast zu würgen beginne. Ich bin jetzt bald 3 Monate nach dem letzten Drink trocken, falls das zur Einordnung hilft.


    Ich trinke nicht, weil ich daran nicht denken kann. Es ist für mich ein unvorstellbares Mittel geworden. Das ist jetzt nicht nur gesagt, aber ich bekomme eine Art Übelkeit bei dem Gedanken an Bier, obwohl ich nicht mal mehr den Geschmack kenne. Er ist mir total fremd geworden.

    Doch, Du denkst nach wie vor an Alkohol, oder?

    Das ist aber meines Erachtens absolut richtig, sich der Gefahr immer gewahr zu bleiben. Wer ignoriert, vergisst. Und der Schritt zurück, lässt einen stolpern, vor allem wenn man sich gerade erst vom Abgrund ein wenig wegbewegt hat.

    Ich selbst denke auch immer mal wieder - wenn der Suchtteufel anklopft - an meine schlimmen (besser: schlimmsten) Zeiten zurück. Die kann ich nicht ändern oder rückgängig machen, ja sie sind vorbei. Gott sei Dank, möchte ich sagen. Mitunter hatte ich fast schon ein unsagbares Glück gehabt, heil aus so manchem Schlamassel herauszukommen; oft waren die Peinlichkeiten dann aber wirklich schlimm. Glücklicherweise habe ich stets die Kurve kratzen können...

    Wenn es mir nicht gut geht, denke ich daher auch ganz bewusst an an meine schlimmsten Erlebnisse zurück. Und komme zu dem Schluss: Alles JETZT (auch wenn vordergründig subjektiv nicht so empfunden) ist dennoch allemal besser, als wie es damals war.

    Als Denkanstoß.

    LG.

    Als ich Ende 2024 mit dem Trinken aufgehört habe - und man dies dann so langsam mal in meinem Umfeld realisierte - habe ich in einem halben Jahr sicherlich die Hälfte meiner Freundschaften verloren. Wobei, "verloren" ist hier vielleicht das falsche Wort... Wenn wir uns sehen, wird zwar nach wie vor nett geplaudert, doch wenn es um die sonst einst so üblichen Veranstaltungen, Ausflüge, Urlaube geht... ja, da werde ich auch gerne mal übersehen. Oder vergessen. Versehentlich oder absichtlich, wer weiß. Gut, ich bin halt auch nicht mehr so präsent (sprich: ständig abends unterwegs). Naja.

    Natürlich hat mich das anfangs auch geärgert (oder eher irritiert), nicht mehr überall dabei zu sein (gerade bei den after-business-drinks fiel mir das extrem auf - aber klar, einer, der nichts trinkt, ist da eher ein Störfaktor - vielleicht das schlechte Gewissen, oder?), aber zu ändern ist diese Situation schwer. Zumindest wenn die Abstinenz vorrangiges Ziel ist.

    Die Zeiten ändern sich eben; in der Vergangenheit verhaftet zu sein, ist für trockene Alkoholiker nicht gut. Ich bin daher selbst immer ein wenig auf der Suche nach Neuem, neue Bekanntschaften, neue Hobbies, Betätigungen. Denn aus meiner Sicht ist die Langeweile der größte Feind der Abstinenz.

    Ich fürchte, als trockener Alkoholiker wird man immer mal wieder an die früheren Zeiten zurückdenken (tue ich ja auch so ab und an), die es so halt nicht mehr gibt. So wie an die erste Liebe, das erste Auto, den ersten Urlaub ohne Eltern oder was weiß ich...

    Andererseits: Mit der Zeit legt sich diese "Unzufriedenheit" oder auch Unruhe, glaub's mir.

    LG, Stef.

    Liebe Leute!

    Ich bringe hier mal zwei Bücher aufs Tapet (die gehören allerdings inhaltlich zusammen):

    Hermann Wenning (inzwischen 62 Jahre alt) kannte ich bis vor kurzem nicht, aber das, was er über sein Leben schreibt, gibt schon zu denken auf.

    Das erste Buch: "Lauf zurück ins Leben - Bericht einer Lebenskrise": Dieses Buch als Autobiografie erschien 2010 (glaube ich) und schildert die Situation, wie ein alkoholabhängiger westfälischer Bauernjunge zusätzlich auch noch in die Drogenszene abrutschte, aus allem wieder - in seinen Dreißigern - herausfand und inzwischen - nach Knast und Therapien - deutschlandweit Präventionsarbeit an Schulen, karitativen Einrichtungen udgl. leistet.

    Das zweite Buch: "Versoffene Jugend". Erscheinungsjahr 2017. Hier geht es um die Kindheit, Jugend und das Erwachsenwerden des Autors. Eines "Bauernjungen", dessen Leben und wie er immer tiefer in die Alkoholsucht abdriftet. Milieubedingt. Dieses Buch ist eigentlich das Prequel zu Teil 1 und so viel besser als der erste Teil. Weil man hier sehen kann, wie Familie, Gesellschaft und Alkohol ineinandergreifen...

    Wenn ich die Berichte des Autors lese, dann denke ich oft an meine Jugend zurück. Sie war zwar bei weitem nicht so "extrem", aber gewisse Parallelen gibt es da schon...

    Persönlich würde ich mit Teil 2 starten und dann mit Teil 1 fortfahren (der ist schon ziemlich hart)...

    Beide Bücher haben knapp 300 Seiten. Ich für meinen Teil saß meist bis 2 Uhr Früh in meinem Fauteuil - gelohnt hat sich's.

    LG, Stef.

    Mutig sich gegen den Vorgesetzten zu stellen. Ich hätte den Vorgesetzten "auf Spur gebracht" und dann gemeinsam mit ihm der Kollegin zur Lösung verholfen.

    Ja, ich weiß, das wäre auch richtig.

    Das richtige "Händchen" in solchen Dingen hatte ich allerdings noch nie...

    Mit ihrem "Chef" (dessen Vorgesetzter ich wiederum bin) kann ich nicht mehr sprechen - es gibt hier keine gemeinsame Basis mehr.

    Ich sagte ihm einst, was ich von ihm hielt, er wollte mich verklagen, ich sagte ihm daraufhin, ich werfe ihn raus. Nichts davon ist geschehen.

    Es ist derzeit eine etwas zweifelhafte Koexistenz.

    Die immer wieder eskaliert...

    Naja, das übliche Berufsleben halt...

    Ich habe vermutlich, was meine Karma-Punkte betrifft, recht viel aufzufüllen, damit ich wieder auf zumindest >null< komme.

    Aber ich bemühe mich.

    Auch heute, als eine Kollegin weinend bei mir im Büro saß, weil ihr Vorgesetzter ihr [ich führe das nicht näher aus] angekündigt hatte, ihr (bei notwendiger Betreuung von x Kindern, keine 10 Jahre alt) das Home-Office streichen zu wollen. Konsequenz: Job-Verlust, weil ohne HO geht es nicht. Klar, wie soll man so seine Kinder versorgen?

    Ich habe ihr heute garantiert, dass alles so bleibt, wie es ist. Auch meinerseits (obwohl ich es darf) mutig, ich weiß. Die Konfrontation ist vorausprogrammiert. Aber ich halte das schon aus. Sie ging einigermaßen gefasst und mit einem Lächeln im Gesicht aus meinem Büro.

    Mit Karma hatte das aber nichts zu tun.

    Ich habe in den letzten ein, zwei Jahren meine Einstellung geändert: Mir sind Menschen (und deren Schicksale) inzwischen sehr wichtig geworden. Und ich werde, so weit es geht, deren Bedürfnisse, die Lebensumstände, so weit es geht, berücksichtigen...

    Auch ein Ergebnis der Trockenheit...

    Das hätte ich nie von mir gedacht...

    LG, Stef.