butterweich und steinhart zugleich

  • Guten Morgen, du Nachtphilosoph,

    hast du nachts nichts besseres zu tun? Ich könnte mir da so ein paar kleine Sünden deutlich amüsanter vorstellen als das Philosophieren über die Erbsünde.

    Also deinen Erbsündensatz – wo hast du ihn eigentlich gefunden? – den finde ich nicht so prickelnd. Gerade in unserer Situation.

    Erbsünde? Ich kenne dieses Wort nur im Zusammenhang mit Religion. Und da behaupte ich einfach mal, diejenigen, die unsere Religion begründet haben, hätte es ganz gern gehabt, wenn sich ihre Anhänger schlecht und klein fühlen, damit die Religionsleute die Retter sein können. Deshalb haben sie die Theorie von der Erbsünde in die Welt gesetzt. Ich glaube nicht an die Erbsünde, denn wir kommen unschuldig und nackt zur Welt. Lernwillig und formbar, aber nicht sündig. Ansonsten müsste ja der Akt, der unser Leben zeugt, schon die erste Sünde sein.

    Die Beschränkung auf uns selbst – Karl, wir alle schreiben hier, weil wir uns viel zu wenig auf uns selbst beschränkt haben. Zuwendung, Liebe, Aufmerksamkeit, Erleben und sich lebendig fühlen, suchen wir viel zu sehr im Kontext mit Anderen. Sicherlich ist der Mensch ein soziales Wesen, aber wir Co-Abhängigen betreiben dieses sozial sein bis zu unserer Krankheit. Wären wir in der Lage, uns mehr auf uns selbst zu beschränken und das, was in uns ist, wären wir nicht hier. Und ist dann das auf sich selbst beschränken sündig? Im Gegenteil!

    Karl, ich danke dir für den Satz mit den gleichmäßigen Zügen. Wir kennen uns jetzt mehr als ein Jahr und in diesem Jahr habe ich dir mehrfach gesagt, dass ich nicht immer so gleichmäßig in mir ruhe, wie es dir oft erscheint. Aber vielleicht ist es einfach so, dass du stark bist, wenn ich schwach bin und am Rudern bin im unruhigen Gewässer und ich gleichmäßige Schwimmzüge mache, die dir helfen, wenn du orientierungslos paddelst. Geben und nehmen, so, wie wir es uns immer wünschen, nicht mehr und nicht weniger.

    Hör bitte auf, in dir zu kramen, warum es in Berlin nicht funktioniert hat. Du allein konntest es nicht auf die Reihe bekommen und hast es doch immer wieder versucht, daran geglaubt, wenn du nur genug von dir selbst loslässt und geduldig bist, wird sich schon alles richten. Aber glaub mir, die Zeit war nicht verlorene Zeit, denn sonst hättest du wieder vier oder fünf Jahre gewartet, bis du etwas verändert hättest. Diesmal ging es schneller. Du hast dich und deine Bedürfnisse und Gefühle wichtiger genommen als eine Beziehung, die VIELLEICHT mal eine hätte werden können. Du hast dich auf dich selbst besonnen, ohne beschränkt zu sein. Nix mit Erbsünde, sondern mit Lebenswillen und Lebensmut.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Zitat von Ette


    wir alle schreiben hier, weil wir uns viel zu wenig auf uns selbst beschränkt haben. Zuwendung, Liebe, Aufmerksamkeit, Erleben und sich lebendig fühlen, suchen wir viel zu sehr im Kontext mit Anderen.

    Das möchte ich auch noch mal dick unterstreichen. Denn das ist es darum geht es. Und das habe ich in letzter Zeit extrem erfahren. Und Leute das ist nicht nur bei den Coabhängigen so, die ganze Welt denkt da oft falsch und gibt den/dem ANDEREN zu viel Macht über sich.
    Wir. Wir selbst sind der Mittelpunkt unseres Universums. Und das ist nicht egozentrisch...also ja doch das ist es auch...aber das ist gut so. Vieles was wir brauchen und uns wünschen machen wir so sehr von anderen abhängig. Und vergessen das das nicht nötig ist. Das, anstatt zu warten, wir das selbst für uns tun können...Diese ganzen schlechten Gefühle dem anderen Gegenüber, wie Wut und Traurig, sind eigentlich unbefriedigte Bedürnisse auf unserer Seite, die wir manchmal ja nicht mal formulieren können. Lernen wir doch erstmal richtig uns wahrzunehmen und uns dann selbst zu befriedigen...dannn, dann erst können wir uns für tiefer gehende Sachen an andere Wenden....

    gUTENtAG eURE kAROTTE

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Hallo Kali Kaltblut,

    als ich Dich hier vor einem Jahr das erste mal gelesen habe, dachte ich mir"Hammer"

    Heute denke ich noch genau so.

    Ich wünsche Dir viel Glück und Erfolg auf Deinem neuen Lebensabschnitt!

    Es grüß Dich
    Lillith

  • Mensch Lillith,

    und ich dachte Du wärst ausgewandert in die Karibik, schön das Du mal hinter dem warmen Küchenofen hervor kommst.

    Klar habe ich einen Hammer und was für einen, Betonpfeiler auch, all so Krams, einige verstehe ich heute, einige haben gute Posterungen, andere tun nicht mehr weh, wie gutes Handwerkszeugs, haust Dir auf den Finger, wird der Nagel blau, fällt ab, wächst neu, sieht viel besser aus und beim nächsten Mal past Du besser auf, welcher Hammer für welches Holz, welche Nägel und so und überhaupt, ich hab ja einige und auf alle passe ich jetzt behutsamer auf.

    Danke und ansonsten hammernochallebeienand LG Karl

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Kaltblut,

    wir „kennen“ uns ja nun schon eine Weile. Ich bin lange nicht mehr so oft hier wie am Anfang, der Mensch verändert sich, die Bedürfnisse verändern sich. Ich kann inzwischen über mich reden, ich muss dafür nicht mehr schreiben, wofür ich dankbar bin. Ich muss nicht mehr helfen, ich kann und manchmal möchte ich auch, aber ich muss nicht mehr, wofür ich dankbar bin.
    Bei Dir habe ich immer mal wieder rein geschaut, egal wie selten ich hier war. Deinen Weg verfolgt, wenn Du es Deinen Lesern auch nicht immer einfach machst. :wink: Aber auch das hat mir immer gefallen Deine Sicht der Dinge, die sich nicht auf Oberflächlichkeiten beschränkt. Ich mag es, wenn ich meinen Kopf gebrauchen und denken muss. 8) Zwischen den Zeilen konnte man sehr viel von Dir finden. War ich am Anfang Deines Threads oft traurig, habe ich mich um so mehr mit Dir gefreut als Du nach Berlin gezogen bist.

    Es hat nicht sollen sein, schade. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich die nächste. Ich bin da sehr zuversichtlich, dass Du durch gehen wirst. Das Leben ist voller Chancen, wir müssen sie nur ergreifen. Alles ist möglich, wir müssen uns nur trauen. Das ist das Wertvollste was ich gelernt habe.

    Gruß
    Skye

  • Hallo Skye,

    schön daß Du vorbeikommst. Dumm gelaufen müßte ich denken, aber das stimmt ja nicht, denn ich bin heller geworden, habe viel gelernt, über mich, über die Krankheiten und viel von Dir, danke. Ich rede und befreie mich heute auch gerne, aber ich höre noch viel lieber zu. Das macht mich ruhiger, geordneter.

    Deine Worte: Ich habe mein Leben aufgegeben um das meiner Mutter „angenehmer“ zu gestalten. Was das mit und aus mir gemacht hat, auch das ist mir erst jetzt richtig bewusst geworden bzw. wird mir Stückchenweise bewusst. Das einzige was, ich nie getan habe, war ihr Alkohol zu besorgen und habe, mir dafür auch noch auf die Schulter geklopft, schließlich bin ich nicht co-abhängig oder zumindest nicht so schlimm wie andere, unfassbar. Im Nachhinein kann ich gar nicht fassen, was ich alles getan habe.

    Weißt Du Skye, damals hast Du mich geschüttelt, als mir klar wurde, daß die Aussage: das Kind hat doch nie was mit bekommen, das war doch immer im Bett, großer Selbstbetrug meiner Frau war.
    Noch mehr hat mich geschüttelt, wie meine Frau jetzt nach einem Jahr Trockenheit ihre Tochter anschiß. Der Heilungsprozeß wird noch lange brauchen.

    Du hast doch bald eine schönen runden Geburtstag, dann kannst Du doch wieder weniger reden und mehr schreiben oder beides?

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Lieber Klatblut, mich würde so sehr mal interessieren wie das nun war und ist mit deiner Trennung...WIe das auch so ablief? Fällt es Dir leichter, weil Du davor ja auch ne Weile für Dich warst und gewohnt hast????
    Ich hab manchmal das Gefühl mich innerlich schons ehr verabschiedet zu haben von dieser sogenannten Beziehung die ich führe...es aber nicht nach außen zu schaffen...???? :?
    Und manchmal denk ich auch das ich da nur bleibe um sein Leben angenehmer zu machen und um mich um Ihn zu kümmern. Ich habe auch Angst schuld zu sein, wenn er dann nach einer Trennung vielleicht total in seinen Depressionen und dem Alkohol versinkt. Seine Ausbildung nicht mehr schafft etc. Irgendwie hab ich Ihn ja auch lieb...er is ja ein sympatischer Mensch und vorallem seine gewisse Sensibilität und auch sein Humor und die Art wie ich mit Ihm kommunizieren kann, wenn er noch nicht getrunken hat....oder noch nicht soviel...dagegen aber sein abendliches Computergespiele und getrinke...sein "nichtsgegenmeineProblemetun"...ich glaube er weiß das er ein Problem hat...Aber er macht nix dagegegen. Nicht gegen das Rauchen, nichts gegen seine gesundheitlichen Probleme, nichts richtig gegen seine Depris (hat er schon schlechte Klinikerfahrungen gemacht)...nichts gegen seinen Alkohol. Und ich...hab so meinen Abstand gefunden. Trotzdem gibt es ja immer wieder so Momente wo wir uns doch ganz nahe kommen...danach is der Abstand irgendwie schmerzhaft....Eisbär am Polar...????? Wie mach ich das denn...?

    Karotte

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Hi Ihr Lieben,

    es besteht aber weiterhin Erklärungsbedarf- zu dieser Menschenfrage. Was Erbsünde ist, ist schon klar, für die einen so, für die anderen so, aber was das mit der Beschränkung der Menschen auf sich selbst zu tun hat, wo wir doch gerade erst lernen eins zu sein? Wenn jemand so kurze, einfache Sätze in den Raum setzt, dann muß das auch einfach und klar zu verstehen sein. Dieser Satz ist für mich genauso schwierig zu verstehen, wie warum meine Frau gesoffen hat, warum ich Co wurde, warum sie trocken wurde, aber ganz anders ist, warum ich Co wurde, warum das alles nicht mehr funktioniert und überhaupt und was, wie, warum das alles nicht schon längst aus meinem Kopf ist und so lange krankmachend da rumstocherte, in meiner Erbse.

    Die Erbsünde definiere ich für mich als mein angeborenes Recht, Unerfülltes zu ersetzen. Runtergebrochen wäre es auch mein Mißverhalten bis zur Sucht aufzufüllen, also mit allem Guten und Schlechten, damit wäre ich nicht im Gleichgewicht mit mir, hätte was an der Erbse. Bin ich in der Waage, kommt die Erbsünde in die Erbsensuppe.

    Die Beschränkung auf mich selbst wäre dann mich zeitlos von allem zu lösen. Bin ich im Gleichgewicht, werde ich gesund, friedlich, teamfähig, menschlich, fließe, was fließt wird eins, Menschheit, Universum, Schöpfung, alles eins und ich mitten drin.

    “Der Kern der Erbsünde liegt in der Beschränkung des Menschen auf sich selbst”

    Für mich ist das spediert: „mich in Fluß bringen“ oberspediert: „fließen“

    Das mache ich seit dem Augenblick als ich von Vater auf die Reise geschickt wurde und damit höre ich erst wieder auf, wenn ich gerufen werde. Von jetzt an ist alles nicht mehr so wichtig, denn ich habe das Ding für mich geknackt, brauche nicht mehr zu fragen, zu suchen, zu eiern und kann wieder alles an der passenden Stellen tragen.

    Ich werde diese Nacht gut schlafen, weil ich vollkommen bei mir bin.

    Lieben Gruß Kalli Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Karl!

    Das ist einfach wunderschön und gut,was Du da von Deinem Satz ableites!
    Behalte das so!!

    Damit ist ja auch der neue Tag gut eingeleitet.

    Hast doch eine tolle Erbse!!

    Liebe Grüsse
    Yvonne

    ichbinda123

  • Bester Kaltblütiger,

    wo genau ist denn für dich das Hilfreiche in der Beantwortung der Erbsündenfrage? Sünde hat für mich immer auch etwas mit Schuld zu tun. Und in meinem co-abhängigen Leben weigere ich mich, die Schuldfrage aufzutun. Weder meine Eltern noch die "meines Alkis" sind schuldig geworden, genauso wenig wie wir. Wir haben nur ein Leben, das es gilt, so zufrieden wie möglich zu leben. Ich weiß nicht, ob es uns nützt, über Erbsünde zu reflektieren. Zumal diese ja weit in unserer Vergangenheit liegen müsste. Wenn ich emz glauben wollte, würde dies ja bedeuten, mit der Annahme meiner Entmündigung durch Gott, der mir mein Schicksal zuweist, wäre ich von sämtlicher Verantwortung für mein Leben befreit. Schließlich kann ich alles, was mir passiert, als Schicksal bezeichnen. Das würde ja im Umkehrschluss heißen, dass ich letztendlich nichts für mein zufriedenes Leben tun müsste und könnte, denn Gott hat eh alles in der Hand und ich bräuchte nichts mehr zu tun. Ne, Leute, das ist mir zu schlicht.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • hallo ette, wenn ich mich nochmal kurz einbringen darf, auch wenn du recht hast, nützlich ist es nicht unbedingt, über die erbsünde zu reflektieren:

    wenn es nach der kirche geht, dann haben wir unser schicksal (darunter ist die situation, in die wir hineingeboren wurden, zu verstehen) anzunehmen, was uns aber nicht von der verantwortung für unsere taten entbindet. zufriedenheit resultiert, wenn überhaupt, aus der demütigen annahme dieses schicksals. es dient der kirche nur, das volk zu unterdrücken. genau über dieses thema regte sich vor einiger zeit die exkommunizierte dr. edit.:xxxxxxxxxxxxxx in ihrer unnachahmlicher weise auf.

    ich wollte es nur mal gesagt haben und wünsche eine gute nacht - emz

    edit.: speedy53//bitte keine Namen von realen Personen - Danke!

  • hallo speedy53,

    was soll das denn? klar das ich nicht den namen einer privatperson hier reinschreibe. so schlau bin ich schon. bei der von mir erwähnten person handelt es sich doch wohl um eine 'person der zeitgeschichte'. da darf also der name durchaus veröffentlicht werden. und wenn schon in pausch und bogen keine namen von realen personen genannt werden dürfen, dann hätte man den augustinus auch schon rausnehmen müssen, denn der ist ja wohl auch real. oder gilt das nur für lebende personen? dann vorsicht. ein schutz gilt unter umständen auch nach dem tode.

  • dann würde ich doch sagen, da hat es sich hier für mich erledigt, das ist mir ein wenig zu viel der gängelung - also tschüss - emz

  • die nennung des namens einer bestimmten person hat also was mit unterhaltung zu tun? den zusammenhang muss ich nicht verstehen, oder? ich meine, dass die gesetze der kath. kirche durchaus einen einfluss darauf haben, dass jemand bei seinem alkoholkranken partner bleibt, denn eine trennung ist nicht möglich und frauen haben auch heute noch dem manne untertan zu sein.

    aber wenden wir uns doch lieber ernsteren themen wie dem film mama mia zu, der heute allenthalben im gespräch war.

  • Hallo Ihr Lieben,

    ich dachte manchmal drücke ich mich klar und deutlich aus, dann stelle ich fest, ich bin nicht verstanden worden. Ich habe doch noch keine Ahnung wie ich mich immer ausdrücken soll. Es gibt Menschen, die haben ihre Anschauungen und daß ist gut so, denn sie reifen, wie Brombeeren, wie Holunder. Manche werden Faul, andere zart und süß.

    Es stand da „Menschenfrage“, es stand da nichts von Psychologie und -analyse, nichts von Christen, Juden, Islamisten, nichts von Glauben in seiner Vielfältigkeit, nicht von Mythologie und Philosophie, es geht um Menschen, um Menschlichkeit, um mein herzeigenes Grundverständnis, um meinen Unverstand, es geht um die Grundsubstanz der Krankheiten. Ich habe diese Frage für mich so angenommen und wenn ich eine Rakete abschießen müßte, um eine explizied allgemeingültige Analyse der Frage zu erstellen, dann würde ich diese auf mich richten, denn jede Antwort ist in mir, ich bin nur noch nicht geöffnet um sie zu sehen, manchmal muß ich erst explodieren, damit sich tausend Einzelteile neu zusammensetzen.

    Ich habe Fahrradfahrer gesehen, ich habe mir ihren Körper angesehen, die Arme, die Beine, die Waden, was für Waden, das war wunderbar, den Blick schweifen zu lassen, auf diese ausdauernden, herrlichen Körper, die markant ausgeprägten, gezeichneten Muskeln, wow. Ich bleibe auf dem Motorrad.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hi Markus,

    joh, ich ging mit großen Schritten wieder auf die 100 zu, nicht Jahre, Kg, also kein Rettungsrings, sondern eine Schwimmweste, fest aber zu viel,
    aber ich schaffe meine 2 Stunden mit den Füßen zu laufen und darf mich bei U90 anmelden, da ist aber noch Luft, Fünfe locker. Stramplerinnen, ich habe gar keine Stramplerinnen gesehen, ist Radfahren eigentlich ein typischer Männersport? Ich meine, das wäre mir doch aufgefallen, ich bin doch nicht blind, alleine die Bewegungsabläufe.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Ihr Lieben,

    früher, da habe ich von meinem Vater oder meinem älteren Bruder eine geklatscht bekommen und die meinten dann noch blöde: später bist du mal dankbar. Das war ich mit 13 Jahren auch, da hätte ich Vater beinahe eine verpaßt und er zog den Schwanz ein. Eine geklatscht bekommen ist nicht übel. Intelligente, intellektuelle Menschen können gewaltiges Denken, wenn sie es zulassen, ansonsten brauchen auch sie eine elektrische Dauerklatsche. Nadelstiche wären etwas einfacher, da kann man immer mal so eine kleine Taschenreisenähmaschine auspacken und Stoff geben.

    Als ich mich erstmals traute zu schreiben, da wollte was aus mir raus, es mußte viel gesagt werden, da gehörten auch Streicheleinheiten und Knuddels dazu, zumal ich ebenso sehr empfänglich dafür war, klar und bin. Geholfen haben die mir nicht, aber sie taten gut. Geholfen hat mir das Lesen und Schreiben hier, die Kommentare, mein Therapeut, meine realen SHG und viele Menschen, die meisten unbewußt, klar auch meine Frau, sie am Meisten, nicht ich ihr, sie mir, dafür bin ich sehr dankbar.

    Hätte mir damals, vor 2 Jahren jemand gesagt zack zack zack, mach mal die Augen auf, ich hatte sie doch weit auf, aber verstanden hätte ich wenig, ich war nicht bereit dazu, unfähig. Ich wäre vielleicht befreit und clean geworden, aber meine Denke wäre Naß geblieben. Manchmal muß man seine Hand reichen, blind denen folgen, die in jahrelanger Selbsterfahrung noch leben, einen trockenen, glücklichen und zufriedenen Weg gehen. Da muß ja wohl was dran sein.

    Die Krankheit drückt mich aus, wenn sie weg ist, stimmt es ja noch nicht wieder in mir und wenn doch, wie schnell fängt alles wieder von vorne an, deshalb gehen erfahrene Menschen auch nach 30 Jahren noch in Gruppen, nicht für Kaffeeklatsch, nicht zum Diskutieren, sondern um sich immer wieder neu zu erfragen und zu erfahren. Ich habe hier oft Dinge geschrieben, die scheinbar nichts mit den Krankheiten zu tun haben, für mich schon, denn es waren ganz kleine Dinge, die viel bewirkten, die mich da hin führten, daß ich ganz neue Sachen verstehe, zumindest etwas, ich habe ja noch viel Zeit.

    Wenn Menschen verbittert sind, krank, verständnislos oder Angst haben, vor unbekannten Veränderungen, dann kann ich das verstehen, auch Nadelstiche bis zum Betonpfeiler-Klatschenmarathon. Mein Verständnis hilft aber nicht, es festigt vielleicht meine Gedanken, für mich, aber helfen kann der andere sich nur selbst und wenn es lange dauert, bis er sich versteht. Ich habe meine momentanen Wahrheiten, die verändern sich, je mehr ich erfahre.

    Vielleicht zum besseren Verständnis: wenn ich mit jemandem kommuniziere, dann nicht um ihm zu helfen, sondern es hilf mir, bringt mich ganz alleine weiter. Meine Anwesenheitsintensivität drückt meinen Nachholbedarf aus. Meine Frau hat mir einmal vor so 1 ½ Jahren vorgeworfen, ich wäre hier um mich zu profilieren, was bin ich an die Decke gegangen, ich und profilieren, hallo, ich wollte doch nur helfen. Ich habe nicht verstanden, daß die Hilfe mir galt und anderen durch mich nicht geholfen werden kann. Ich helfe mir, wenn ich anderen meine Sicht schreibe, wenn ich andere lese und andere helfen sich selbst.

    Ich habe auch einmal zu hören bekommen, daß ich hier endlich fort soll, weil hier nur Beziehungsunfähige sind. Stimmt, ich bin mit meiner Frau das beste Beispiel. Andererseits, stehe ich heute in einer direkten und engen, tiefen Beziehung zu mir, vor 2 Jahren nicht und so geht es wohl allen, die an sich arbeiten, die lernen mit sich umzugehen, wie die Entwicklungen derer zeigen, die hier neu sind und sich suchen, die auf dem Weg sind und die sich gefunden haben. Bei mir hat das was länger gedauert, bei anderen dauert es nicht so lange, bei anderen geht das sofort, bei wieder anderen dauert es unendlich.

    In unserer realen Gruppe holen wir alle Neuankömmlinge möglichst behutsam ab. Sie platzen vor Neugier und Tatendrang, wie sollen sie verstehen, wenn so ein Berg an Infos auf einmal vor ihnen liegt? Ich konnte das nicht, gut ich bin nicht so intelligent, aber das hat auch weniger damit zu tun, denn alles steht hier und braucht viel Zeit. Noch verwirrter war ich, wenn die Leute verständnisvoll lächelten, die verwirrten mich mit ihrer Zufriedenheit, denn wie konnten die strahlen wenn sie doch krank waren? Die freuten sich über Krankheiten, da hörte es doch auf.

    In Anbetracht kritischer Bemerkungen zum Helfersyndrom und Internetsucht, habe ich mir einfach mal die Frage gestellt, ob ich hier sein muß.

    Ja, oft, aber wenn ich fort bin, bin ich weg und dann juckt mich das Forum nicht.
    Ich verbringe hier viel Zeit, manchmal viel zu viel, es ist ein virtueller Ort der Erholung geworden.
    In meine reale Gruppe gehe ich auch gerne, ich freue mich zwischenzeitlich darauf, das ist dann ein Ort der Ruhe, aber wenn ich nicht kann, dann kann ich nicht.

    Früher hatte ich eine goldene Regel: wer doppelt so viel arbeitet kann doppelt so viel leisten. Ich habe dann von 6h bis 22h gearbeitet, 2x die Woche rund um die Uhr, mein Rekord waren glaube ich 4 durch gearbeitete Tage, eingeschlafen bin ich nur noch vor dem TV weil ich nicht mehr abschalten konnte. Dafür habe ich heute ein Tiefschlafproblem, das Gold ist abgeblättert rostig geworden.

    Seit ich hier bin, lese ich viel, andere lesen mehr Bücher.
    Seit ich hier bin, schreibe ich mehr, andere sehen mehr fern.
    Seit ich hier bin, denke ich anders, andere lassen den Fernseher denken.
    Seit ich hier bin ich geordneter, ruhiger, zufriedener, gelassener, andere verlagern ihre Sucht.

    Seit ich hier bin, verändert sich etwas, früher konnte ich nicht betrachten sondern mußte ich etwas tun, reagieren, rechtfertigen, vor allem habe ich viele Dinge sehr persönlich genommen, ich vergaß dabei, daß es die Gedanken der anderen waren, nicht meine, ich machte sie zu meinen.

    Ja ich bin gerne hier, nicht permanent, denn ich arbeite dazwischen und wenn ich viel arbeite, habe ich keine Zeit, auch wenn ich Online bin.

    Ja, ich hatte auch ein Helfersyndrom, ich hätte mir das nie eingestanden und habe das hier bemerkt. Die „Krankheiten“ meiner Frau waren auch meine, da mußte ich doch etwas tun. Aber meine Gedanken hier, die sind freiwillig, die machen spaß, die bringen mir etwas, mir und eventuell kann der eine und andere auch etwas damit anfangen, zumal sich vieles ja nicht nur auf die Top Priorität bezieht, Co+Alk, sondern fast beliebig auf viele Alltagssituationen übertragbar ist. Ja, unser kleines Krankengrüppchen hier, besteht in Wahrheit aus zig Krankheiten, ein Leben lang.

    Ich muß nicht schreiben, ich muß mich vor allem nicht auseinandersetzen, aber ich kann betrachten, ansehen und dann entscheiden was ich mache. Ich kann jeden Fisch auf den Grill klatschen, aber vielleicht auch mal kochen, dünsten, in die Pfanne, in den Ofen, es gibt so viele Gaumenschmaus Zubereitungsarten.

    Ich habe oft hier gesessen in den vergangenen 2 Jahren und gedacht, es ist genug, fort weg, mich halb verabschiedet. Das Forum hat mich nicht krank gemacht, es hilft zu gesunden, Selbsthilfe ist das. Ich kann jeden verstehen, der sagt: bis hier und Ende, wenn er nicht vergißt, daß es ein Ende nach dem Ende gibt. Es ist keine Schande eine Auszeit zu nehmen und neu zu starten, ich werde noch oft neu anfangen, denn in mein Hirn verändert sich etwas, auch in falsche Richtungen, aber es ist was unverständlich, wenn diese gewaltige Informationsplattform nicht genutzt wird und nicht alles aufgesaugt wird, was mir hilft.

    Es mag unverständlich klingen, aber dankbar dem Menschen zu sein, der mir den Umgang mit mir selbst ermöglichte ist eine Grundvoraussetzung für ein gesundes Leben, auch wenn ich verbittert, traurig, ängstlich, wütend, enttäuscht, hilflos und betrogen bin, wenn ich mich mit tiefen Wunden der Verletzung umherschleppe, wenn meine kleine Seele mehr blutet als mein Herz, denn ohne Kübel voller Rotze wären die Steine nie in Bewegung geraten, meine steinharten Brocken.

    Was ist die Zeit die ich hier verbringe? Ich stehe doch erst ganz am Anfang einer weitern Reise, ich habe doch noch nicht einmal mein ganzes Kartenmaterial gesichtet, für das Leben gibt es kein GPS, nur uns.


    LG kaltblut

    NS: manchmal bedarf es vieler Zeilen, meist nur weniger Worte. Mein kürzestes ist ein "Ja", ja zum Leben.

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Karl,

    bei deinen Worten ist mir heute morgen ganz warm geworden. Warm vor Freude darüber, wozu du fähig bist. Ich habe dich schon so durcheinander erlebt, dass ich mich einfach für dich freue.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

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