Hallo zusammen,
jetzt habe ich hier schon einiges gelesen und möchte mich auch vorstellen.
Ich bin seit 30 J. mit meinem Mann verheiratet. Unsere Kinder sind volljährig, eins wohnt noch zu Hause.
Alkohol spielte in seinem Leben und dem seiner Familie immer eine große Rolle. Sein Alkoholkonsum wurde in den letzten Jahren, vor allem seit Corona, immer mehr. Er trank fast "nur" Bier, zuletzt ca. 7-8 Flaschen am Abend, nie tagsüber. Er hatte sich zuletzt sehr verändert, kaum noch soziale Kontakte. Wollte am liebsten, dass auch ich nur zu Hause war. Es kam immer öfter zu sehr unschönen Situationen und Diskussionen auch über seinen Alkoholkonsum. Er sah das nie ein, es wäre ja nur Bier. Ich fühlte mich mit allem allein gelassen und für alles allein verantwortlich. Im Juni habe ich ihm mitgeteilt, dass ich ausziehen werde. Seine Reaktion war, dass er das gerade angefangene Glas und die Flasche Bier weggekippt hat und seitdem nichts mehr getrunken hat.
Ich habe ihm versprochen ihn bei allem zu unterstützen, wir hatten ja schließlich 30 gemeinsame, nicht nur schlechte Jahre, und bin zunächst noch dort geblieben, da meine Wohnung ca. im September fertig werden sollte. Er konnte nicht verstehen, dass ich den Auszug durchziehen wollte, da er ja sofort reagiert hat. Ich bin aber dabei geblieben, da ich merkte, dass ich dringend eine Auszeit brauchte. Ich fand mich selber egoistisch, aber wusste, dass es für mich sein musste. Da sich das mit der Wohnung unerwartet lange hinzog, bin ich Anfang September zu meiner Mutter gezogen, dort bin ich immer noch.
Ich hoffe nun, dass ich im Dezember in die Wohnung kann.
Ich bin mit ihm zu seinem Hausarzt gegangen, war sehr erstaunt, dass er zu ihm gesagt hat "ich bin Alkoholiker". Wie schon erwartet hat er mehrere medizinische Baustellen. Der Arzt fragte ihn "schaffen Sie das alleine?", das fand ich völlig daneben. Meinem Mann war aber gleich klar, dass er sich Hilfe sucht, da er es unbedingt schaffen wollte.
Er kümmerte sich selbst um eine ambulante Reha, bis diese vor ein paar Wochen bewilligt wurde, durfte er schon zu Einzelgesprächen dorthin kommen.
Mit seiner Reaktion hatte ich nicht gerechnet, ich hatte mich innerlich schon vor längerer Zeit von ihm getrennt und konnte ihn wortwörtlich nicht mehr riechen.
Wir haben die ganze Zeit Kontakt gehabt, schon wegen unseres Sohnes, aber jetzt wird es mehr. Mir gefällt das Zusammensein, wir machen schöne Dinge, die in den letzten Jahren nicht mehr möglich waren. Er sieht ein, dass ich zur Ruhe kommen muss, wünscht sich aber, dass ich irgendwann zurück komme. Bei mir spielt noch die Wohnsituation eine große Rolle, wir wohnten mit seiner Mutter in nicht wirklich getrennten Wohnungen unter einem Dach. Er würde gerne umbauen, damit wir für uns ganz alleine sind. Ich weiß jedoch nicht wie lange ich brauche, bis ich dem zustimmen kann, und ob ich das überhaupt will. Er ist ja noch eher am Anfang ohne Alkohol. Und dort erinnert mich alles an die unschöne Zeit. Ich hätte am liebsten einen kompletten Neuanfang.
Meine Familie (Geschwister/Mutter) unterstützt mich bei meinem Vorhaben in eine eigene Wohnung zu ziehen, kann aber nicht verstehen, dass der Kontakt jetzt wieder mehr wird. Das stört mich. Andererseits bin ich ja keinem Rechenschaft schuldig und bin schon darauf bedacht nur Dinge zu tun, die mir gut tun.
Ach je, es ist einfach zu viel um es in einem Post zu schreiben, merke ich gerade, aber das ist mal ein Anfang.
Wünsche allen einen schönen Tag!
Hope1969