Cardiaca - Partner trinkt: Wie gehe ich damit um?

  • Hallo zusammen,

    mein Partner und ich sind seit Jahren zusammen. Seit wir auch zusammen leben, weiß ich, dass er trinkt. Es gibt für ihn keinen Tag ohne Alkohol. Ich halte ihn für einen "funktionierenden Spiegeltrinker". Je härter sein Arbeitstag war, desto früher beginnt er mit dem Trinken. Manchmal holt er sich bereits auf dem Heimweg etwas und trinkt noch im Auto während der Fahrt. Bevor er das Haus betritt, besprüht er sich mit Deo oder Parfüm, gurgelt mit Mundwasser oder kaut scharfe Kaugummis. Ich rieche es trotzdem. Er füllt das harte Zeug gerne um in Saftflaschen, versteckt seine Vorräte im Kleiderschrank oder unter der Dreckwäsche - oder er schmuggelt den Schnaps über den Garten ins Haus. Das Leergut verschwindet meist ungesehen früh am Morgen. Ich höre es trotzdem klirren. Vor dem Schlafengehen ist er häufig gut betankt. Er lallt dann und ist unkoordiniert - redet sich aber mit "Müdigkeit" raus. Manchmal schläft er im Fernsehsessel ein oder kollabiert noch angezogen und mit Licht an auf dem Bett. Er ist häufig unwirsch und schlecht gelaunt, ist aber bisher nie aggressiv geworden.

    Mehrmals habe ich bereits versucht, ganz in Ruhe mit ihm darüber zu sprechen, was ich beobachte und dass ich mich sorge. Habe Hilfe angeboten und vorgeschlagen, gemeinsam Unterstützung zu suchen. Er blockt jedoch alles ab. Sein Konsum sei gar nicht so schlimm, wie ich immer denke. Und überhaupt könne er jederzeit aufhören.

    Wir hatten vereinbart, dass zumindest die Lügen und das Verheimlichen rund ums Trinken aufhören sollen. Es nützt aber alles nichts, er trinkt weiterhin im Verborgenen - denn er möchte "keine Diskussionen darüber" haben.

    Ich habe große Angst um seine Gesundheit und um unsere Beziehung. Gerne möchte ich einen gangbaren Weg für uns finden. Ich weiß nur nicht wie?

    Vermutlich mache ich vieles falsch im Umgang mit ihm und mit seiner Sucht.

    Ach, was fange ich bloß an?

    Traurige Grüße

    Cardiaca

    2 Mal editiert, zuletzt von Cardiaca (9. Oktober 2024 um 23:52)

  • Guten Abend Cardiaca,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Leider ist es so, dass sich die Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln.

    Und es ist so, dass nur der Alkoholkranke die Sucht stoppen kann. Du kannst im Grunde nichts tun, nur dafür sorgen, dass es Dir besser geht.

    Der Austausch mit den anderen im Forum wird Dir guttun.

    Klicke den folgenden Link und schreibe einen kurzen Satz, damit wir Dich für den offenen Bereich im Forum freischalten können.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema zu "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Cardiaca.

    Und Du kannst Du überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Inzwischen habe ich begonnen, mich in Bezug auf das Thema Alkohol anderen Menschen anzuvertrauen: Meine Eltern und zwei meiner Freundinnen wissen Bescheid. Diejenige Freundin, die selbst mit einem alkoholkranken Vater aufgewachsen ist, steht auf dem Standpunkt, ich möge meinen Partner bitte sofort verlassen!

    Aktuell möchte ich daran jedoch noch nicht denken. (Bin eher der Typ, der alles ausprobiert haben möchte, bevor er das Handtuch wirft.) Wir haben uns mit sehr viel Mühe ein gemeinsames Leben aufgebaut. Haus renoviert, ein Ehrenamt angenommen, das wir nun mit viel Elan betreiben. Mein Partner ist ein guter, feinfühliger und treuer Mensch. Ich will ihn nicht abschreiben; will ihn nicht aufgeben.

    Er hat mich schließlich auch noch nicht abgeschrieben, obwohl sich meine bereits seit langem bestehenden Autoimmunerkrankungen in den letzten Jahren verschlimmert haben. Insgesamt sind wir uns einig, dass wir gemeinsam sehr viel besser dran sind, als alleine.

    Da ich ihn und seine Sucht nicht ändern kann, möchte ich mich darauf konzentrieren, was ICH tun kann? Bildlich gesprochen: Wie halte ich meine Straßenseite sauber? Ich habe mir zum Beispiel eine örtliche Al-Anon-Gruppe rausgesucht und möchte zum nächsten Treffen gehen ... 💪🏻

    Zudem wünsche ich mir Tipps zum Umgang mit meinem Partner. Wie widerstehe ich dem Drang, erneut Alkohol-Polizei zu spielen? Wie schaffe ich es, seine Sucht zu akzeptieren?

  • Ich habe große Angst um seine Gesundheit und um unsere Beziehung. Gerne möchte ich einen gangbaren Weg für uns finden. Ich weiß nur nicht wie?

    Vermutlich mache ich vieles falsch im Umgang mit ihm und mit seiner Sucht.

    Liebe Cardiaca, erstmal willkommen in der Gruppe. Du klingst sehr verzweifelt.

    Deine Erlebnisse erinnern mich sehr an meine. Ich kann deine Sorgen und Bemühungen daher gut nachvollziehen. Wichtig ist nur, dass du weder deinen Mann vor den Konsequenzen der Sucht bewahren kannst, noch kannst du mit deinem Verhalten die Beziehung retten.

    Dein Wunsch mit der Kontrolle aufzuhören ist verständlich. Mir ist es bis zum endgültigen Auszug meines Ex-Partners nicht gelungen, obwohl es sowieso nichts bringt und mir das klar war.

    Mich haben die Heimlichkeiten ebenfalls sehr verletzt. Das zerstört Vertrauen, was ja das Fundament einer Beziehung ist.

    Hilfe und Unterstützung zu suchen, dich zu stärken und dann deine Entscheidung zu treffen, finde ich richtig und wichtig!

    Zum Abschluss noch ein Gedanke: Du kannst dich nicht für oder gegen deine Erkrankung entscheiden. Dein Mann hat die Wahl in Bezug auf seine.

    LG

  • Hallo Cardiaca,

    herzlich willkommen hier im Forum. Wobei ich wirklich Schwierigkeiten habe auf Deinen Thread zu antworten.

    Ich verstehe Dein Anliegen nicht so ganz. Du willst quasi eine Anleitung wie Du mit einem suchtkranken Partner zusammen leben kannst.

    Habe ich das richtig verstanden?

    Heißt für mich Du verbiegst Dich, um mit aller Kraft die Beziehung aufrecht zuhalten?

    Eine Sache ist mir aufgefallen:

    Er ist häufig unwirsch und schlecht gelaunt, ist aber bisher nie aggressiv geworden.

    Das ist für Dich nicht aggressiv?

    Entschuldige bitte die Fragen. Aber bist Du glücklich?

    LG Momo

  • Er lallt dann und ist unkoordiniert - redet sich aber mit "Müdigkeit" raus. Manchmal schläft er im Fernsehsessel ein oder kollabiert noch angezogen und mit Licht an auf dem Bett. Er ist häufig unwirsch und schlecht gelaunt, ist aber bisher nie aggressiv geworden.

    Hallo Cardiaca,

    mit seinem Alkoholkonsum gefährdet Dein Partner nicht nur seine Gesundheit, sondern auch Dich und Euer Haus.

    Er ist unter ständigem Alkoholeinfluss, wenn es so ist, wie Du schreibst und er ein Spiegeltrinker ist. Und gegen Abend ist er völlig unberechenbar.

    Es kann passieren, dass er mal vergisst den Herd abzustellen, weil er sich noch etwas kochen wollte oder auch anderes.

    Ein nasser Alkoholiker ist unberechenbar. Auch ich war in nassen Zeiten unwirsch und schlecht gelaunt. Im Laufe der Zeit wurde ich immer mehr aggressiv.

    Du schreibst von Ehrenamt und Elan. Ich glaube, bei Deinem Partner ist nicht mehr viel Elan übrig. Den verbraucht er für seine Sucht.

    Das Beschaffen von Alkohol, das Trinken und die Entsorgung nimmt viel von seiner Zeit und Kraft in Anspruch. Und leider ist es so, dass sich die Trinkmenge immer mehr steigern wird.

    Der Besuch einer Angehörigen-Gruppe ist eine gute Idee. Nimm das wahr und tausche Dich hier und im Realen aus. Es wird Dir vieles verdeutlichen.

    Ich schließe mich Buymyselfflowers an, Du kannst kaum etwas gegen Deine Erkrankung tun, aber Dein Partner kann, wenn er wirklich will, gegen seine Alkoholsucht etwas unternehmen.

    Aber wie Du schreibst, blockt er alles ab und will nicht mit Dir darüber reden.

    Kannst Du das wirklich akzeptieren und zusehen?

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Cardiaca,

    Ich habe große Angst um seine Gesundheit und um unsere Beziehung. Gerne möchte ich einen gangbaren Weg für uns finden. Ich weiß nur nicht wie?

    Zudem wünsche ich mir Tipps zum Umgang mit meinem Partner. Wie widerstehe ich dem Drang, erneut Alkohol-Polizei zu spielen? Wie schaffe ich es, seine Sucht zu akzeptieren?

    Ich weiß nicht, wie ein guter Umgang mit einem abhängigen Menschen funktionieren kann. Ich hab selbst über 20 Jahre lang mit einem verbracht. Und hab mich selbst dabei aufgegeben weil ich ihn " heilen" wollte. Weil sein Konsum immer schlimmer wurde. Und ich Angst um seine Gesundheit hatte. Mein Lebensfeld wurde immer eingeschränkter, anstrengender.

    Die Sucht zu akzeptieren ist hilfreich. Zu verstehen, wie funktioniert Sucht, was passiert da im Gehirn und was macht das mit dem Menschen. Da ist dann aber Schluss. Denn eine Änderung geht nur, wenn der oder die Süchtige es von sich aus aus tiefstem Herzen will.

    Akzeptieren heißt also, ich akzeptiere, dass sich der oder die Süchtige langsam aber sicher suizidiert, immer unfähiger wird am Leben teilzuhaben, immer hilfebedürftiger wird. Krank wird, z. B. die Leber, das Herz, Gehirn, ja alles in Mitleidenschaft gezogen wird. Es passieren Stürze, Wahnvorstellungen etc. Mal ganz grob gesagt.

    Und du bist machtlos. Du kannst nichts dagegen machen. Ich stelle es mir unmöglich vor, so Zusammenleben zu können, immer den Abgrund vor Augen, ohne dass ich davon betroffen bin. Mich abgrenzen kann und es mir egal ist.

    Ich selbst hab mich nach 26 Jahren getrennt. Weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, kaputt war. Ich war coabhängig, das heißt, ich habe versucht, ihm zu helfen, das Leben aufrecht zu halten, alles am Laufen zu halten. Dazu kamen dann noch die psychischen Verletzungen durch meinen ersten Mann.

    Und mein erster Mann veränderte sich immer mehr. War er doch mal ein ruhiger, sensibler Mann gewesen, kam mit Zunahme des Alkohols eine, seine andere Seite zum Vorschein. Für ihn drehte sich alles nur noch um die Befriedigung seiner Sucht. Sucht funktioniert so, leider. Dahinter verschwindet ALLES. Auch ich und unsere Kinder sind dadurch " verschwunden".

    Er war immer weniger in der Lage, am gemeinsamen Leben teilzunehmen. Und ich war immer dabei ihm helfen zu wollen, zu unterstützen, zu sorgen. Alles aufrecht zu halten.

    Ich sah ihm quasi dabei zu, wie er langsam aber sicher immer mehr verfiel und sich zugrunde richtete. Darüber vergaß ich mein eigenes Leben, wurde mehr und mehr erschöpft, war im Dauerstress und unter Dauerangst. Ich weiß bis heute nicht wie es gehen soll, das nicht zu sein. Im Zusammenleben mit einem Abhängigen. Immer vor Augen das langsame Sterben des Süchtigen, der keine Einsicht hatte aufzuhören, der keine Hilfe wollte.

    Das ist meine Erfahrung mit diesem Thema.

    Lieber Gruß Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Das Tragische ist, du kannst ihm nicht helfen. Er muss selbst eine Krankheitseinsicht haben und dann hart daran arbeiten gegen die Sucht anzugehen und seine tödliche (!) Krankheit zum Stillstand zu bringen. Aber woher soll die kommen, wenn Du nichts änderst. Erst hat ja für sich einen Weg gefunden, wie er seine Sucht ausleben kann in dem er sie (mehr schlecht als recht) versteckt. Solange du weitermachst wie bisher, stützt Du sein Suchtsystem.

    Und - viele andere haben es bereits geschrieben- stürzt womöglich mit ab. Mein Vater ist an den Folgen seines Komsums gestorben als ich noch sehr jung war. Die Folgen für meine Mutter und nicht tödlich aber psychisch verheerend. Mein Ex-Partner trink noch immer obwohl ich ebenfalls lang versucht habe ihn gesund zu lieben. Die beste Hilfe für euch beide ist es aus meiner Sicht das bestehende System zu zerstören. Vielleicht wacht dein Partner dann auf. In jedem Fall schützt Du Dich!

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