EllaDrei - Dauer-Dilemma

  • Habe gerade in einem anderen Thread vom Im-Kreis-Drehen und vom Arbeiten an sich selbst, anstatt anderen zu raten gelesen und muss mich da mal selbst an der Nase fassen. Habe hier lange nix geschrieben. Es hat sich viel getan, aber in einigen Hinsichten tappe ich auch weiter auf der Stelle.

    Ich bin dazu übergegangen, von meinem Ex zu schreiben, aber wir haben phasenweise Kontakt. Irgendwie schäme ich mich richtig, das zuzugeben. Denn ich denke, Ich belüge mich selbst. Eine Beziehung ist es lange nicht mehr, aber irgendeine halbgare Sache schon. Es lässt mich einfach nicht komplett frei und auch nicht so offen für neue Menschen sein, wie ich es mir eigentlich wünsche.

    Er belegt da noch immer hartnäckig einen Platz in meinem Leben, jetzt eben, ohne mein Partner zu sein. Wirft immer wieder sein Handtuch aus, wenn er auftaucht und verschwindet dann wieder, und ich bin wieder die Doofe, die sich Gedanken macht und sich tief im Inneren doch verletzt von diesem Verhalten fühlt. Dabei will ich das nicht mehr! Es gibt keine körperliche Nähe mehr zwischen uns, aber keiner lässt komplett los. Ich weiß, co-abhängig...

    Und was sich am blödesten anfühlt: Es ist immer er, der bestimmt, ob es Kontakt gibt. Begründet diese Dauerschleife mit Depressionen, er trinke und konsumiere nicht mehr, behauptet er. Kann stimmen, kann auch nicht. Letztlich ist das nicht der ausschlaggebender Punkt. Sondern die Tatsache, dass ich mich fremdbestimmt fühle. Zumindest ist die Riesenmenge an Groll, die ich zeitweise in mir hatte, verschwunden. Es ist, wie es ist - selbst schuld, wenn ich das weiter mitmache, denke ich mir.

    Ich kann besser mit mir alleine sein. Bin kürzlich alleine in den Urlaub gefahren, richtig weit weg, und habe dort nix vermisst. Mal wieder Bücher gelesen, das Meer genossen. Ich war froh, dass er nicht dabei war, er hätte mich eingeschränkt. Aber der endgültige Absprung liegt noch immer vor mir.

    Einmal editiert, zuletzt von EllaDrei (14. August 2026 um 20:05)

  • Ich kann besser mit mir alleine sein. Bin kürzlich alleine in den Urlaub gefahren, richtig weit weg, und habe dort nix vermisst.

    Und wenn Du die letzte Verbindung auf WhatsApp sperrst?

    Dann kannst Du zur Ruhe kommen und liest nichts mehr von ihm.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Elly, Kontaktabbruch wäre gut und richtig, ja. Ich müsste ihn dafür aber komplett blockieren, nicht nur auf WhatsApp, denn sonst kämpft er sich auf irgendeinem Weg immer wieder zu mir bzw meiner Aufmerksamkeit durch - nach meist mindestens einwöchiger Abwesenheit.

    Da gibt er dann wieder keine Ruhe, bis ich wieder reagiere. Nicht einmal aufdringlich oder mit Liebesbekundungen oder ähnlichem. Eher erzählt er, dass und inwiefern es ihm gerade nicht gut geht, was praktisch ständig der Fall ist. Ich schaffe es einfach bisher nicht, das zu ignorieren. Eigentlich wollte ich den Urlaub dazu nutzen, mir innerlich Klarheit zu verschaffen, wie ich damit weiter umgehe. Hab mich aber drumrumgedrückt..

  • Ja, auch Seelenmülleimer, aber noch viel mehr. Ich bin für einfach alles die Anlaufstelle, wenn er etwas braucht, kann aber umgekehrt in keinster Weise auf ihn zählen, wenn mal was ist. Ich mache mir das schon lange nicht mehr richtig bewusst. Hab mich damit abgefunden. Er ist ja krank - in dem Gedanken haben wir uns bide eingerichtet. Schlimmer noch, ich nutze seine stetige Bedürftigkeit als Erklärung, dass ich nicht endgültig gehen kann. Was soll dann aus ihm werden? Die Frage stellen sich ja Viele hier, in seinem Fall ist sie sehr real, weil er so viele Baustellen hat. Mir ist klar, dass ich die nicht für ihn abarbeiten kann. Ich denke sogar, dass er seine gesundheitlichen Probleme manipulativ einsetzt, um mich bei sich zu halten. Ich muss Abstand bekommen. Hab ihn jetzt blockiert.

  • Hallo Ella,

    Ich muss Abstand bekommen. Hab ihn jetzt blockiert.

    Gut gemacht 👍

    Er ist ja krank - in dem Gedanken haben wir uns bide eingerichtet. Schlimmer noch, ich nutze seine stetige Bedürftigkeit als Erklärung, dass ich nicht endgültig gehen kann. Was soll dann aus ihm werden? Die Frage stellen sich ja Viele hier, ...

    Das ist eines der großen Probleme der Angehörigen. Grundsätzlich ist Fürsorge ein wichtiges Glied im Zusammenleben. Aber es darf dich halt nicht kaputtmachen weil es einseitig ist. Im Fall einer Suchterkrankung des Angehörigen.

    Denn wenn der Abhängige nicht bereit ist oder es nicht schafft was zu ändern, hängst du da mit drin. Und er benutzt dich als Anker, als für ihn Verantwortliche, als Sündenbock. Das bedeutet nicht, dass du schuld daran bist und ihn in der Sucht festhältst. Dafür ist und bleibt der Abhängige selbst verantwortlich.

    Aber er hat eben immer jemanden an dem er seine Dinge abladen kann. Und das ist dann im Grunde genommen nicht mehr die Fürsorge der Mitbetroffenen sondern eine Art ausnutzen, das da passiert. Das geht über Grenzen, über die Grenzen der Mitbetroffenen. Das macht der Alkoholiker nicht unbedingt aus bösem Willen, er nimmt sich das, was er angeboten bekommt.

    Und da darf und kann sich die Mitbetroffen schützen denn alles andere ist sinnlos.

    Das Loszulassen, sich nicht selbst im Helfen verlieren, das ist wiederum ein Ding der Mitbetroffenen, die da oft ( bei mir war es lange so) auch einen Wert für sich rausziehen, sich gebraucht fühlen. Die was retten wollen, was nicht unbedingt zu retten geht ohne Einsicht des Abhängigen. Die, was auch erstmal verständlich ist, ihr Leben nicht so schnell aufgeben wollen. Aus vielerlei Gründen.

    Das schreibe ich ohne Wertung denn beide hängen da ja auch fest. Aber sich daraus befreien kann nur jeder selbst.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

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