Hallo,
seit einiger Zeit lese ich mit und finde die gegenseitige Unterstützung hier sehr wertvoll.
Ich bin seit bald acht Jahren mit einem Alkoholiker zusammen, der auch gelegentlich andere Drogen konsumiert. Wir leben nicht zusammen, worum ich auch froh bin. Ich kenne xy seit sehr langer Zeit und fühle mich ihm verbunden. Wir hatten in jungen Jahren schon einmal eine Beziehung, die glücklich begann, doch aufgrund seines Konsums habe ich mich damals schweren Herzens von ihm getrennt. Wirklich verarbeitet habe ich das nie, er meldete sich alle paar Jahre, war immer freundlich und charmant - das waren sicher immer wieder Tests, wie ich mittlerweile zu ihm stehe . Das ist seine große, auch manipulative "Stärke", die mich auch jetzt bei ihm hält, obwohl sich die Situation sehr schwierig entwickelt und mich seit Jahren belastet: Meist geht er trotz der Trinkerei noch immer zumindest vordergründig gut mit mir um. Es gibt natürlich auch problematische Seiten, die ich jetzt erstmal ausklammern möchte. Gewalt ist zumindest kein Thema.
Er hat bereits von Ärzten klargemacht bekommen, dass er nur noch etwas Lebenszeit hat, FALLS er umgehend aufhört, zu trinken. Ich möchte ihn nicht in den Abgrund, der ihm bevorsteht, begleiten, die Situation raubt mir Kraft und Lebensfreude. Aber ihn alleine mit sich und der Sucht zu lassen, schaffe ich auch (noch) nicht. Er hat kaum sonstige soziale Beziehungen, ist seit langem arbeitslos, depressiv in seiner Sucht gefangen.
Derzeit wartet er auf die nächste Entgiftung mit direkt anschließender Langzeitreha. Ich habe ihm deutlich gemacht, dass ich nicht an seiner Seite bleiben kann, sollte er danach weitermachen wie bisher - um mich zu schützen.
Nach der letzten Langzeitreha, (an der ich viel zu intensiv "teilgenommen" habe, damals noch ohne Ahnung von Co-Abhängigkeit, wie ich war) hatte er direkt am Entlasstag einen Rückfall, der mich in ein tiefes Loch stürzen ließ. Das möchte ich so nicht mehr erleben.
Ich selbst war für mich allein und zuletzt auch mit ihm in zwei Selbsthilfegruppen. Habe mich aber wieder ausgeklinkt, weil ich merke, dass ich nicht offen sprechen kann, wenn er neben mir sitzt. Ich weiß, dass ich etwas für mich selbst tun sollte.
Da xy eine mittlerweile unbewohnbar vollgestellte Wohnung hat, die auch sein Konsumort ist, möchte er die erste Zeit nach der bald anstehenden Langzeitreha bei mir verbringen, sich dann irgendwann um die Wohnung kümmern. Das geschah in den vergangenen Jahren nie, deshalb glaube ich nicht daran. Ich weiß, mit welchen Stimmungsschwankungen er aus der Reha kommen und wie das an meine Substanz gehen wird. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Gedanken, dass es seine Verantwortung ist, sein Leben zu regeln und Wohnung aufzuräumen, um darin klarzukommen einerseits, denke dann wieder, dass er das doch andererseits einfach nicht schafft.
Auch wenn ich weiter und inzwischen mehr "bei mir" bin als in der Anfangszeit, kann ich mich noch immer schwer abgrenzen und Nein sagen, aus Sorge, was dann aus ihm wird. Ich wiß, das klingt nach einer inzwischen auf Mitgefühl aufgebauten Beziehung, aber es ist schon auch mehr als das, ich mag ihn sehr. Aber eine Trennung steht auch seit Jahren im Raum. Habt Ihr Ideen, wie ich meine Gedanken besser ordnen, aus diesem Dauer-Dilemma herauskommen kann? Vermutlich bleibt letztlich nur der schmerzhafte Schritt der Trennung...
Danke fürs Lesen des langen Textes... LG