Sommergewitter - Wo soll ich anfangen?

  • Hallo ihr Lieben,

    ich habe nun echt lange gebraucht, um diesen Schritt zu wagen und mich hier endlich zu registrieren. Nun wo fange ich an? Mein Vater ist seit meiner Pubertät alkoholabhängig. Damals hat es schleichend angefangen mittlerweile sind wir an einem Punkt, der einfach nicht mehr tragbar ist. Ich wohne zwar nicht mehr in meinem Elternhaus, stehe aber in sehr engem Kontakt mit meiner Familie und insbesondere mit meiner Mutter. Die ganze Familie leidet enorm unter dieser Situation und von ihm kommt keinerlei Einsicht. Ich weiß nicht, was noch passieren muss, dass mein Vater endlich merkt, dass der Alkohol das Problem ist. Schuld an all seinen Problemen sind natürlich immer die Anderen. Die Momente in denen man vernünftig mit ihm sprechen kann, werden leider auch immer seltener.


    Ich freue mich hier auf den Austausch mit euch. Es tut gut zu wissen, dass man mit dieser Situation nicht alleine ist. ❤️

  • Linde66 20. November 2025 um 23:06

    Hat den Titel des Themas von „Wo soll ich anfangen?“ zu „Sommergewitter - Wo soll ich anfangen?“ geändert.
  • Hallo Sommergewitter,

    du bist jetzt für den Erfahrungsaustausch freigeschaltet und dein Thema ist im Bereich für die erwachsenen Kinder von Alkoholikern (EKA). Du kannst ab sofort überall schreiben, nur bitte nicht in den ersten 4 Wochen bei den frisch registrierten Usern mit den orangeroten Namen.

    Komme in aller Ruhe an und wenn du Fragen hast, einfach stellen.

    Viele Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Guten Morgen,

    Ich weiß nicht, was noch passieren muss, dass mein Vater endlich merkt, dass der Alkohol das Problem ist

    Das merkt er vielleicht nie.
    Oder er denkt sich,so wie mein Vater und auch ich lange, Aufhören ist anstrengend, und was er dafür bekommt, das nüchterne Leben, gefällt ihm sowieso nicht.

    Egal wie, die wenigsten Trinker hören auf. Der überwiegende Teil hört nicht auf und nimmt das mit ins Grab.

    Ihr könnt nur Eure eigenen Konsequenzen daraus ziehen.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich habe mich aber schon so oft gefragt, ob man als Alkoholiker nicht irgendwann an einen Punkt kommt an dem man selbst merkt, dass das ganze Verhalten nicht mehr normal ist? Mein Vater trinkt mittlerweile oft direkt nach dem Aufstehen heimlich. Ich habe ihn auch schon konfrontiert und ihn gefragt, ob er das normal findet?
    Er blockt aber jedes Mal ab.

    Ich verstehe einfach nicht, warum er es sich selbst nicht eingestehen kann, er hat extreme physische und psychische Schäden bereits durch die Sucht erlitten, aber er würde niemals zu dem Entschluss kommen, dass ALLES am Alkohol liegt.

    Es ist für mich einfach nicht greifbar. Versteht ihr was ich meine?
    Ich frage mich immer, wie ich handeln würde? Wenn man doch merkt, dass das eigene Leben den Bach runtergeht und die eigene Familie enorm leidet, kommt dann nicht irgendwann auch mal die Einsicht, dass man etwas ändern muss?


  • Ich verstehe, was Du meinst.

    Alkohol ist eine Droge, die das Bewusstsein und das Denken verändert. Auch im nüchternen Zustand, ausser wäre lange trocken, Jahre.

    Was in seinem Kopf genau vorgeht, wissen wir nicht.

    Es kann sein, dass ihr ihm sowieso auf den Keks geht, es kann sein, dass er depressiv ist und glaubt, dass ihm sowieso niemand helfen kann, und er kann sich im Alkoholischen Wahn alles mögliche vorstellen.

    Und wenn er abhängig ist, muss er trinken, und wenn er Suchtdruck hat, fängt er wieder damit an.

    Für Euch ist nur wichtig, was hinten raus kommt. Er trinkt und hört nicht damit auf.

    Und Ihr könnt Euch bemühen, bis Ihr schwarz werdet, lies Dich hier bei Erwachsenen Kindern und Angehörigen durch, es bringt meistens nichts und wird immer schlimmer.

    Da hilft nur abgrenzen oder ganz weg von ihm.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Guten Morgen Sommergewitter,

    da kann ich Lebenskünstler nur Recht geben.

    Ich habe viele Jahre mit einem nassen Alkoholiker zusammengelebt, wir waren/sind verheiratet und haben gemeinsame Kinder und gemeinsam gearbeitet.

    Ich kann deine Gedankengänge zu 100 Prozent nachvollziehen. Nur leider musste auch ich schmerzlich lernen, dass UNSERE Logik bei der Sucht nicht funktioniert. Mein Noch-Mann hat innerhalb von wenigen Monaten alles verloren. Sehr viel Geld, seinen Job, Führerschein, Auto, Frau, Kinder, Gesundheit, Wohnung und Freunde. Die Sucht ist stärker und er hat noch immer keine Einsicht. Inzwischen bin ich der festen Überzeugung, dass er es nie wird ändern können oder wollen. Er wird daran sterben.

    Den Menschen, den ich vor vielen Jahren geheiratet habe und immer sehr geliebt habe, gibt es nicht mehr. Seine Wesensveränderung ist so gravierend, dass von der ursprünglichen Person nichts mehr da ist.

    Mein Vater trinkt auch seit ich denken kann, aber nicht bis zum totalen Filmriss und er hat immer funktioniert. Ich habe ihn trotzdem immer dafür verachtet und nun im Rentenalter hat er seine gesundheitlichen Probleme dadurch.

    Viele Jahre nach der Scheidung meiner Eltern war meine Mutter mit einem richtig krassen nassen Alkoholiker für ca. 7 Jahre zusammen. Da gab es das harte Zeug schon zum Frühstück. Er lebt inzwischen nicht mehr. Meine Mutter habe ich da damals rausgeholt. Sie mit ihm fast untergegangen und hat sich nur aufgearbeitet. So, wie ich bei meinem Mann.

    Wir sind inzwischen getrennt und mir und meinen Kindern geht es wieder besser.

    Schau auf dich und deine Familie, nicht auf den Vater. Du wirst es sehr wahrscheinlich nicht ändern oder beeinflussen können.

    Ich wünsche dir viel Kraft.

    LG ☀️

  • Hallo Sommergewitter,

    herzlich Willkommen auch von mir :)

    Ich kann mich dem, was schon geschrieben wurde, nur anschließen. Der Einfluss, den wir auf das Verhalten eines anderen Menschen haben, ist sehr begrenzt. Ihr habt sicherlich schon sehr viel versucht, um deinen Vater zur Einsicht zu bewegen. Und es hat scheinbar nicht funktioniert (kann es auch nicht - ihr könnt für ihn nicht die Verhaltensänderung durchführen oder sie erzwingen). Das immer weiter zu versuchen scheint mir letztlich auch wie eine Art Sucht. Immer wieder Gespräche mit deinem Vater suchen, wenn der eigene Druck zu groß wird - obwohl die vergangene Erfahrung zeigt, dass sich nichts ändert dadurch.

    Du darfst auf dich selbst schauen. Was kannst du für dich tun, damit es dir ein kleines Stückchen besser geht, du dich ein kleines Stückchen wohler in deinem Leben fühlst? Unabhängig vom Trinken deines Vaters.

    Schön, dass du hier bist!

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