Hallo liebes Foren-Team,
ich habe den Weg zu euch gesucht, da ich mich kürzlich von meinem suchtkranken Familienmitglied distanziert habe und hoffe, hier bei euch Anregungen, Stabilität und Einsichten zu finden. Die Abgrenzung war sehr schmerzlich für mich und ich befinde mich noch im Prozess. Im Moment würde ich sagen, dass das System rebelliert gegen mein Vorgehen. Mein Angehöriger, der sich trotz der Grenze, die ich gezogen habe, betrunken gemeldet hat, ist jedenfalls der Meinung, dass mein Verhalten genau falsch ist, ich Verständnis haben müsse für seine Situation und ihn doch so akzeptieren müsse, wie er sei und noch weitere Erklärungen und Schuldzuweisungen, auf die ich hier aber nicht weiter eingehen möchte.
Ich habe neues Terrain betreten und bin nun etwas unsicher wie es weitergeht und ich fühle mich daher etwas allein auf weiter Flur. Natürlich drehen sich Fragen in meinem Kopf wie "habe ich das Richtige getan?".
Und dann die andere Stimme die sagt, dass ich letztendlich den Rat umsetzte, der mir vor vielen Jahren von einer Therapeutin in einem Coaching (und vielen unzähligen mehr) gegeben wurde. Eigentlich entspricht dieses Vorgehen nicht meinem Wert und ich habe über viele Jahre andere Wege gesucht, jedoch keinen gefunden. Nachdem ich aber den ewigen Kreislauf und die Stagnation nicht mehr ertragen habe, habe ich den Schritt (ich hatte ihn auch vorab kommuniziert) konsequent umgesetzt, nachdem die versprochene Therapie nicht angegangen wurde und nun wieder alles aus dem Ruder läuft. Die Pause von dem Umgang fühlt sich auch erstmal frei und richtig an.
Meine Mutter hängt leider noch voll mit drin - sogar im gleichen Haushalt. In schlimmen Phasen ist auch schon Gewalt ihr gegenüber vorgekommen. Ich mache mir Sorgen um sie, weiß aber nicht, welche Unterstützung- und ob meine Unterstützung- für sie gerade richtig und wichtig ist. Sie ist mit der Situation generell überfordert, macht aber auch keine Anstalten irgendwas in die Wege zu leiten und sich Hilfe zu suchen, sondern erträgt immer nur. Ihr Wesen hat daran die vergangenen Jahre sehr gelitten.
Ich für mich versuche mich gut um mich zu kümmern, die Trauer zuzulassen aber auch nicht überhand nehmen zu lassen, mich abzulenken mit Dingen, die mir Freude bereiten - das gelingt mal gut, mal weniger gut.
Ich bin zusätzlich auch ein EKA, ein Begriff, der mir erst kürzlich über den Weg gelaufen ist und der meine komplette Identität schmerzlich in Frage gestellt hat, jedoch meine Rolle in der Familie gut erklärt. Ich bin diejenige, die immer allen gut zuredet, Alternativen aufzeigt (die natürlich nicht angenommen werden) und den Raum hält, Situationen entschärft, während ich selbst in der Familie emotional unter die Räder komme und wenig Trost oder Zuspruch erhalte wodurch ich mich immer weiter zurückgezogen habe, ohne, dass dies bemerkt worden wäre. Als Jugendliche hatte ich als Überlebensstrategie den emotionalen Shutdown gewählt. Ich habe auch bindungsängstliche Tendenzen entwickelt, mit denen ich manchmal sehr kämpfe obwohl es mir immer gelungen ist, lange Partnerschaften aufrecht zu erhalten. Ich hoffe, auch zu diesem Thema EKA zu erfahren, welche Möglichkeiten es für das alltägliche Leben gibt.
Zu guter Letzt möchte ich meine Vorstellung mit einem Dank abschließen, an alle, die sich hier einbringen und den Menschen Trost und Hilfe anbieten - vielen Dank für eure wertvolle Arbeit![]()
Herzliche Grüße, Floralia