Floralia - Erste Schritte raus aus dem System als Angehöriger

  • Hallo liebes Foren-Team,


    ich habe den Weg zu euch gesucht, da ich mich kürzlich von meinem suchtkranken Familienmitglied distanziert habe und hoffe, hier bei euch Anregungen, Stabilität und Einsichten zu finden. Die Abgrenzung war sehr schmerzlich für mich und ich befinde mich noch im Prozess. Im Moment würde ich sagen, dass das System rebelliert gegen mein Vorgehen. Mein Angehöriger, der sich trotz der Grenze, die ich gezogen habe, betrunken gemeldet hat, ist jedenfalls der Meinung, dass mein Verhalten genau falsch ist, ich Verständnis haben müsse für seine Situation und ihn doch so akzeptieren müsse, wie er sei und noch weitere Erklärungen und Schuldzuweisungen, auf die ich hier aber nicht weiter eingehen möchte.

    Ich habe neues Terrain betreten und bin nun etwas unsicher wie es weitergeht und ich fühle mich daher etwas allein auf weiter Flur. Natürlich drehen sich Fragen in meinem Kopf wie "habe ich das Richtige getan?".

    Und dann die andere Stimme die sagt, dass ich letztendlich den Rat umsetzte, der mir vor vielen Jahren von einer Therapeutin in einem Coaching (und vielen unzähligen mehr) gegeben wurde. Eigentlich entspricht dieses Vorgehen nicht meinem Wert und ich habe über viele Jahre andere Wege gesucht, jedoch keinen gefunden. Nachdem ich aber den ewigen Kreislauf und die Stagnation nicht mehr ertragen habe, habe ich den Schritt (ich hatte ihn auch vorab kommuniziert) konsequent umgesetzt, nachdem die versprochene Therapie nicht angegangen wurde und nun wieder alles aus dem Ruder läuft. Die Pause von dem Umgang fühlt sich auch erstmal frei und richtig an.

    Meine Mutter hängt leider noch voll mit drin - sogar im gleichen Haushalt. In schlimmen Phasen ist auch schon Gewalt ihr gegenüber vorgekommen. Ich mache mir Sorgen um sie, weiß aber nicht, welche Unterstützung- und ob meine Unterstützung- für sie gerade richtig und wichtig ist. Sie ist mit der Situation generell überfordert, macht aber auch keine Anstalten irgendwas in die Wege zu leiten und sich Hilfe zu suchen, sondern erträgt immer nur. Ihr Wesen hat daran die vergangenen Jahre sehr gelitten.

    Ich für mich versuche mich gut um mich zu kümmern, die Trauer zuzulassen aber auch nicht überhand nehmen zu lassen, mich abzulenken mit Dingen, die mir Freude bereiten - das gelingt mal gut, mal weniger gut.

    Ich bin zusätzlich auch ein EKA, ein Begriff, der mir erst kürzlich über den Weg gelaufen ist und der meine komplette Identität schmerzlich in Frage gestellt hat, jedoch meine Rolle in der Familie gut erklärt. Ich bin diejenige, die immer allen gut zuredet, Alternativen aufzeigt (die natürlich nicht angenommen werden) und den Raum hält, Situationen entschärft, während ich selbst in der Familie emotional unter die Räder komme und wenig Trost oder Zuspruch erhalte wodurch ich mich immer weiter zurückgezogen habe, ohne, dass dies bemerkt worden wäre. Als Jugendliche hatte ich als Überlebensstrategie den emotionalen Shutdown gewählt. Ich habe auch bindungsängstliche Tendenzen entwickelt, mit denen ich manchmal sehr kämpfe obwohl es mir immer gelungen ist, lange Partnerschaften aufrecht zu erhalten. Ich hoffe, auch zu diesem Thema EKA zu erfahren, welche Möglichkeiten es für das alltägliche Leben gibt.

    Zu guter Letzt möchte ich meine Vorstellung mit einem Dank abschließen, an alle, die sich hier einbringen und den Menschen Trost und Hilfe anbieten - vielen Dank für eure wertvolle Arbeit<3

    Herzliche Grüße, Floralia

  • Hallo Floralia,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe.

    Mit Deinem Problem bist Du bedauerlicherweise nicht allein. Du hast schon sehr vieles richtig gemacht damit es dir wieder besser geht. Hier im Forum gibt es auch einige Teilnehmer die schon auf diesem richtigen Weg sind und es ist bestimmt hilfreich für dich dich hier auszutauschen. Ich bin auch eine Angehörige und weiß genau wie langwierig es sein kann alte Muster zu durchbrechen.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Anklicken und kurz etwas dazu schreiben. Dann wirst Du freigeschaltet und Dein Thema in den Bereich "Erste Schritte für Angehörige" verschoben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Floralia.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Wenn du lieber in den EKA-Bereich möchtest sag bitte Bescheid dann können wir die dahin verschieben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo Floralia,

    herzlich Willkommen!


    Mein Angehöriger, der sich trotz der Grenze, die ich gezogen habe, betrunken gemeldet hat, ist jedenfalls der Meinung, dass mein Verhalten genau falsch ist, ich Verständnis haben müsse für seine Situation und ihn doch so akzeptieren müsse, wie er sei und noch weitere Erklärungen und Schuldzuweisungen, auf die ich hier aber nicht weiter eingehen möchte.

    Ach herrje, bei dem Verständnis haben und akzeptieren fiel mir eine Szene mit meinem Vater wieder ein. Er war zur stationären Therapie, ich wollte dort mit ihm am Angehörigenseminar teilnehmen und er war just vor dem Termin rückfällig, sodass ich als einzige Angehörige alleine (also ohne den Betroffenen) am Seminar teilnahm. Ich habe meinen Vater im Krankenhaus besucht (er musste entgiften) und dort hat er mir allen ernstes die Geschichte vom Skorpion und vom Frosch erzählt. Ein Skorpion bittet einen Frosch ihn über den Fluss zu tragen, auf seinem Rücken. Der Frosch tut das, der Skorpion sticht ihn auf halbem Wege und der Frosch fragt, warum er das denn getan hat, jetzt würde ja beide ertrinken. Und der Skorpion sagt: "Weil es in meiner Natur liegt". Und analog läge es in der Natur meines Vaters zu trinken. Ja, Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit und nicht frei ausgesucht und entbindet die Betroffenen doch nicht von der Verantwortung für das eigene Verhalten.

    Du darfst auch dich schauen, was dir gut tut und deine Grenzen auch schützen! Kannst du etwas zu , dass dein Betroffener dich nicht mehr betrunken kontaktieren kann bzw. ist es für dich machbar das Gespräch ohne großen Kommentar zu beenden?

    Liebe Grüße,

    Seepandarine

  • Hallo Seepandarine und vielen Dank für deine Nachricht.

    Sorry für den backflash. Ich frage besser nicht, wie man es in einer Stationären Therapie fertigbringt, wieder an Alkohol zu gelangen.:shock: Sicher ein emotionsreicher und kein einfacher Tag für dich.

    Natürlich habe ich bis zu einem gewissen Grad Verständnis, mein Angehöriger hat auch keinen einfachen Lebenslauf und ich wüsste auch ehrlich nicht, wie ich dastehen würde, hätte ich Gleiches durchlebt. In meiner Jugend hatte ich auch eine Phase, von der ich sagen würde, in einer Art Abhängigkeit gewesen zu sein - eine Sucht nach Videospielen um dem Alltag im Sucht-Haushalt erträglicher zu machen. Gedanken die nuuuuuur darum kreisen wann ich wieder daddeln kann. Ich möchte hier nicht irgendwie missverstanden werden und das mit dem Alkoholismus in einen Topf werfen oder jemanden verärgern, nur damit sagen, dass meine Vorstellung davon, wie die Gedanken um das Eine kreisen, vielleicht sein könnten.

    Nachdem er erkannt hatte, dass er Alkoholiker ist und versprach eine Therapie zu machen und nichts passiert ist... da hakt halt bei mir das Verständnis aus, wenn man um sein Thema weiß, und sich dann nicht kümmert, vielleicht nicht heute oder morgen aber halt so generell. Irgendwo ärgere ich mich da auch über mich, weil ich da nicht am Ball geblieben bin oder gleich eine Grenze gezogen oder mehr unterstützt habe, sondern auf auf meine Mutter gehört habe, die Angst hatte nachzuhaken um ja keine schlafenden Hunde zu wecken und das Trinken womöglich wieder zu triggern. Sicherlich Blödsinn mein Denken und auch ihres, dennoch ärgert es mich :)

    Ich habe, nachdem er sich wieder gemeldet hatte und das wirklich wieder in der frischen Wunde sehr rumgerührt hat und es mir 2 3 Tage schlecht ging, auch überlegt, den Kontakt zu blockieren - also ja, die Möglichkeit besteht. Ich horche mal in mich hinein - wenn ich das Gefühl habe, dass mir das hilft, werde ich das wohl auch tun.

    Heute habe ich einen schönen Spruch gehört der zum Thema passt - den möchte ich gerne mit euch teilen: "Grenzen ohne Konsequenzen sind nur Vorschläge"

    So, der Roman ist verfasst. Ich bin etwas ratlos, wie man hier so weiter vorgeht - schreibt man einfach weiter unter seinem Beitrag was einem so umtreibt?

    Ich tue mich grundsätzlich eher schwer mit sowas, nicht mal meinen Engsten erzähle ich immer meine Gedanken. Da ist es hier im öffentlichen Raum erst recht sehr ungewohnt aber ich gebe mir Mühe. :)

    Vielen Dank für eure Unterstützung!

    Viele liebe Grüße, Floralia

  • Hallo Floralia,

    du kannst deine Gedanken, Gefühle, Erlebnisse hier aufschreiben. Klar. Das kann sehr gut helfen alles zu sortieren und oft macht es dadurch schon alleine Aha-Momente. Da es öffentlich ist ist es gut, auf Anonymität zu achten. Keine persönlichen Details zu nennen.

    Du kannst auch in anderen Themen schreiben wenn du dort etwas liest und eigene Erfahrungen damit hast oder einfach was dort mitteilen möchtest. Dadurch entsteht dann ein Austausch.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Guten Morgen Floralia,

    Sorry für den backflash. Ich frage besser nicht, wie man es in einer Stationären Therapie fertigbringt, wieder an Alkohol zu gelangen.:shock:

    Da gibt es überhaupt nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest :) Die Szene hatte ich nie ganz vergessen und mein "Ach herrje" war ein Ausdruck von "Schau an, da kommt das 'Ich kann halt nicht anders, das MUSST du verstehen' in einem anderen Gewand daher". Und daher steckt Ärger auf meinen Vater und das ist gut so, den könnte ich lange nicht spüren.

    Zu Rückfällen in stationärer Reha noch kurz: das ist nicht weiter schwer, die Rehabilitanden sind nicht im Gefängnis, haben also auch im Lauf der Reha Freizeit und könnnen die Klinik verlassen. An Alkohol kommt man überall hin. Daher kann auch die beste Reha nur wenig bringen, wenn ein Betroffener nicht für sich den Wunsch hat, etwas zu verändern.

  • Hallo Seepandarine,

    dann bin ich ja beruhigt :)

    Ah okay - danke für die Erklärung. Ich habe mich mit der stationären Behandlung noch nicht auseinandergesetzt, es gab ja leider noch keinen konkreten Anlass dazu.

    Nun gut, ein kurzes allgemeines Update:

    Ich weiß nicht weshalb, jedoch haben sich meine Gedanken etwas geändert und sie sind nicht mehr sooo hart und abgrenzend wie sie noch gestern oder vorgestern waren.

    Das heißt nicht, dass ich die Distanz nun wieder verringern möchte - ich ziehe weiter durch und übe mich darin beobachtend mich selbst wahrzunehmen.

    Mir fliegen immer mal Gedankenfetzen durch den Kopf was ich so sagen würde, käme es zu einem 1:1 Gespräch - also irgendwie gerade Kontaktruhe aber in den Gedanken so gar nicht.

    Vielleicht sollte ich das mal aufschreiben um es aus dem Kopf und für irgendwann einmal parat zu haben - und wenn es nur ist um es feierlich zu verbrennen . :)

    Heute morgen war ich sehr dankbar weil mir bewusst geworden ist, dass ich eigentlich ein echt tolles Netzwerk an Menschen habe, die mir helfen - das fühlte sich dann irgendwie so an, als hätte ich alles, was es braucht um die Situation irgendwie durchzustehen. Vielleicht hat das etwas Druck rausgenommen, ich weiß es nicht.

    Eine Freundin macht die Woche noch eine Familienaufstellung mit mir, darauf bin ich sehr gespannt. Ich hatte sowas schon mal gemacht und da eine wirklich tolle Erkenntnis für mich mitgenommen - wenn auch nicht zum Thema, wofür ich sie eigentlich gemacht hatte :)


    So, dass soll es erstmal gewesen sein, nun bleibt mir nur noch einen schönen Abend zu wünschen.


    Viele liebe Grüße, Floralia

  • Hallo zusammen.


    Die Woche war vollgestopft von Terminen. Die Familienaufstellung war der Hammer und das Gefühl, was ich daraus mitgenommen habe, trägt mich noch immer. Die Gedanken kreisen nicht mehr so sehr um die Situation und ich bin wieder mehr bei mir.

    In der Aufstellung habe ich tolle Sachen für mich mitgenommen - z. B. dass es OK ist, nun Schritte in mein eigenes Leben zu machen ohne meine(n) Angehörigen und dass es auch noch gar nicht wichtig ist, genau zu wissen, wie die nun aussehen müssen.

    Dass er immer Teil meines Lebens ist, auch wenn er gerade vielleicht keine aktive Rolle darin spielt. Liebe aus Distanz sozusagen.

    Auch ein tiefes inneres Wissen, dass es sinnlos ist, sich über Dinge zu sorgen, auf die man keinen Einfluss hat, durfte ich spüren.

    Alles in allem fühle ich mich wieder mehr im Gleichgewicht und ich hoffe einfach mal, dass sich das alles nun verankert <3

    So weit der Statusbericht :)

    Viele Grüße Floralia

  • Hallo Floralia,

    Auch ein tiefes inneres Wissen, dass es sinnlos ist, sich über Dinge zu sorgen, auf die man keinen Einfluss hat, durfte ich spüren.

    Das ist sooo wichtig und etwas, was ich mir gerade auch immer wieder vor Augen führe. Im Zusammenhang mit meinem Sohn aber nicht wegen Suchtproblematiken sondern aus anderen Gründen. Und das ist so erleichternd.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • So, nun sind wieder ein paar Tage vergangen. Das Wochenende war ruhig - keine Drunk-Mails erhalten. Die Heilung schreitet langsam voran.

    Der Kontakt zu meiner Mutter ist aktuell recht oberflächlich, vielleicht auch, weil ich darum gebeten hatte, nur Infos bezüglich der Vorgänge im Haus auf Anfrage zu erhalten. Das respektiert sie auch.

    Ich hatte mir ein kleines Büchlein bestellt über EKA und wie sie trotzdem ihr Glück finden. Es hat gerade mal 140 Seiten, der spannenste Part liegt noch vor mir. Gut gefällt mir, dass die Autorin die Angehörigen nicht stigmatisiert.

    Es fühlt sich alles noch etwas komisch an - ich weiß, dass ein Zurück in die alte Rolle für mich nicht mehr möglich ist, und das neue (eigentliche?) Ich ist noch nicht so recht etabliert.

    Statusbericht Ende :)

    Viele Grüße, Floralia

  • Hallo Floralia,

    wie heißt denn das Buch? (nur Titel und Autor, bitte keinen Link :) ) Das interessiert mich, ich bin ja auch EKA.

    Und vielleicht können wir es hier in die Buchempfehlungen mit aufnehmen.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Linde,

    sehr gerne, vielleicht ist es schon in euren Empfehlungen enthalten, kenne mich hier ja noch nicht so gut aus.

    Die Autorin heißt Waltraut Branowski-Geiser und der Titel lautet:

    Vater, Mutter, Sucht wie erwachsene Kinder suchtkranker Eltern trotzdem ihr Glück finden

    Herzliche Grüße, Floralia

  • Hallo Floralia,

    es war noch nicht in der Buchliste, daher habe ich deinen Tipp gleich mit aufgenommen. Vielen Dank!

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • So ihr Lieben,

    ein länger gewordenes Update als geplant . :)

    Ich gewöhne mich langsam an die neue Situation und es wird zunehmend "normaler" nicht täglich im Kontakt zu sein. Mit meiner Mutter hatte ich einen interessanten Chat, sie hat für sich einen neuen Entschluss gefasst. Da sie es so kryptisch formuliert hatte, habe ich erstmal nicht weiter nachgefragt wie der nun genau aussieht, denn sonst hätte sie es sicher gleich gesagt. Wie auch immer er aussehen mag - ich habe ihr gute Umsetzung gewünscht. Ich würde mich ja freuen, wenn irgendwie Bewegung in die Angelegenheit kommt, denn ihr geht es ja mit der Gesamtsituation auch gar nicht gut. Und wenn sich das Neue auch nur in kleinen Schritten vollzieht.

    Letzte Woche auf der Arbeit habe ich mich sehr über mich geärgert - bzw. über mein vorauseilendes Denken und Helfen, das gar nicht gefragt war.

    In meiner Abteilung gibt es weitere EKA - jene bei der es zum Ärgernis kam, sagt man einen Mangel an Empathie nach. Eine spannende Konstellation - ich die wie ein externes Gehirn immer die Bedürfnisse scant und überlegt, worüber ich mich an deren Stelle freuen würde, bzw vielleicht auch den Teamgedanken hege, vs eine Person, die alles alleine schaffen will und mehr auf ihren Kosmos fixiert ist und raushaut, was sie denkt, weniger sensibel in der Wahl ihrer Worte :D bitte nicht falsch verstehen - ich will hier nicht werten, jedes Muster ist eben was es ist - ein Überbleibsel aus einer suboptimalen Vergangenheit und hätten wir eine perfekte Welt - total unnötig. Nun es gab in ihrem Bereich Arbeitsrückstände und ich hatte helfen wollen und dabei etwas Chaos produziert, was sie zurecht gerügt hatte und klargemacht hat, dass sie ja auch bei mir Chaos machen würde wäre der Fall umgekehrt. Die Guten Sachen hat sie jedoch nicht angesprochen, war ja nicht alles falsch. Und da dachte ich mir dann so - okay ja meine Hilfe war nicht gewollt, für die guten Dinge gab es auch keinerlei Wertschätzung - ergo ist die Konsequenz ihr da künftig auch nicht mehr zu helfen. Aber - obwohl es eine Lappalie ist, hat mich das ganze innerlich doch sehr aufgeregt und den ganzen Tag begleitet. Ärger über mich, dass ich mal wieder nicht gecheckt habe, dass mein Muster unbemerkt anlief und auch eine trotzige Wut über die Reaktion der Kollegin, die den Gedanken dahinter nicht anerkannt hat.

    Ich hoffe, dass die Situation mir in Erinnerung bleibt, sodass ich nicht vergesse mir vorab immer die Frage zu stellen, ob meine Hilfe überhaupt gefragt ist.

    Jetzt ist so ein Überschuss an Helfen wollen übrig, den ich sinnig in mich selbst zu kanalisieren lernen muss :D

    Aber es gibt auch noch was Gutes was mir aufgefallen ist, es ist als würde ich langsam auf einem Nebel auftauchen. Mir ist aus der Beziehung zu meinem Angehörigen wieder eingefallen , dass es in der Vergangenheit auch immer wieder Phasen gab, in denen er mich gemieden hatte und das auch über längere Zeiträume hinweg, vermutlich aus Scham - obwohl ich nichts getan hatte. Das war jeweils ohne Begründung - wer mir jedoch Vorhaltungen darüber zu macht, dass mein Verhalten nicht in Ordnung ist,sollte sich erstmal an die eigene Nase fassen :) . Daher bin ich mit meiner Entscheidung noch etwas feiner als zuvor.

    Und, was auch schön ist, die freien Kapazitäten sorgen dafür, dass mir Impulse plötzlich in die Gedanken huschen, Dinge, die ich gerne machen möchte, kleine Dinge und auch größere. Und das finde ich so toll, weil ich über Jahre versucht habe herauszufinden, was ich möchte, ich hatte keine Vision für mein Leben, schon als Kind nicht. Ich hatte als Kind immer gedacht, dass ich wohl hoffentlich mal wissen würde, was ich will wenn ich groß bin.. Tjaaa :|

    Und nun kommen die Dinge ganz von selbst aus mir <3 das macht mich total glücklich und demütig und erleichtert zu gleich - ich hatte nie erwartet, dass mich dieses Geschenk durch dieses Tor erwartet und ich bin total gespannt, was sich da noch zeigt.


    In diesem Sinne, viele Grüße

    Floralia

  • Hallo liebes Forum,

    die Tage gehen so fix vorbei - gut, wenn man Ablenkung hat :thumbup:

    Am Wochenende kam wieder ein Haufen an Nachrichten, die ich jedoch nicht gelesen habe und die dann später wieder gelöscht waren. Es hat mich auch nicht mehr so tangiert.

    Allerdings kommen wieder Gedanken an einen möglichen Suizid meines Angehörigen hoch und die Frage, was wäre, wenn wirklich etwas passiert und ob man dann noch seines Lebens froh werden kann? Und ob es einen Unterschied macht ob in ungewisser Zeit aufgrund der Sucht oder durch die eigene Hand? Auf der anderen Seite weiß ich, dass das Gedanken sind, die zum einen emotionalen Missbrauch zuzuordnen sind und auch sicher dazu dienen, wieder zurück ins einfach Vertraute zu schlüpfen, auch wenn man da unglücklich war und niemals glücklich werden kann.

    Ich hatte diese Woche wieder ein Coaching Gespräch, wo ich auch eben jene Gedanken angesprochen habe. Mein Coach hat mir versichert, dass das ganz normal ist und zurück ins Gewohnte der "einfachste" Weg wäre. Da ich aber wirklich neugierig bin und aus vielen anderen Gründen, ist zurück keine Option zu den vorherrschenden Bedingungen- also weiter stark bleiben. :)

    Nachdem ich frisch nach dem Break irgendwie davon ausgegangen war, dass sich relativ zügig ein vernünftiges Gespräch ergibt, eine Entschuldigung kommt oder ähnliches, denke ich nun in größeren Zeiträumen und frage mich, wie ich dann wohl mit Sachen wie Weihnachten oder zum Geburtstag gratulieren umgehen soll. Man weiß ja nicht, wie viele Geburtstage womöglich noch bleiben, auf der anderen Seite hat er darauf nie sonderlich Wert gelegt. Vielleicht habt ihr ja Anregungen? :saint:


    Herzliche Grüße

    Floralia

  • Liebe Floralia,

    wow, wenn ich deine Updates so lese, kommt bei mir ein richtiges Aufblühen bei dir! Das ist richtig schön <3

    Nachdem ich frisch nach dem Break irgendwie davon ausgegangen war, dass sich relativ zügig ein vernünftiges Gespräch ergibt, eine Entschuldigung kommt oder ähnliches, denke ich nun in größeren Zeiträumen und frage mich, wie ich dann wohl mit Sachen wie Weihnachten oder zum Geburtstag gratulieren umgehen soll. Man weiß ja nicht, wie viele Geburtstage womöglich noch bleiben, auf der anderen Seite hat er darauf nie sonderlich Wert gelegt. Vielleicht habt ihr ja Anregungen? :saint:

    Ich glaube als ich zu meinem Vater keinen Kontakt hatte, haben wir uns auch nicht zum Geburtstag oder zu Weihnachten gratuliert. Das war aber nicht wirklich mehr als ein Jahr. Danach fing die Annäherung mit eben solchen Gratulationen an - eine Geburtstagskarte, eine Karte zu Weihnachten. Mein Vater hat die erste Karte geschickt. Für mich war das ein Einstieg in einen oberflächlichen, freundlichen Kontakt, den wir dann bis zu seinem Tod hatten. Das war in Ordnung so für mich.

    Liebe Grüße,
    Seepandarine

  • Hallo Seepandarine :)


    Vielen Dank ❤️ es fühlt sich auch so an, wenn auch noch ganz klein :)

    Ich hatte öfter mal den Gedanken, dass es mir recht wäre, würde er nie wieder mit mir reden, wenn er nur gesund werden würde.

    1 Jahr also.. wenn der Kontakt dafür im Anschluss für beide Seiten in Ordnung war, ist es das Warten wert. Ich werde ausharren, man muss ja auch genug Zeit haben um Klarheit zu bekommen. Danke für dein Teilen, das hilft mir <3


    Herzliche Grüße,

    Floralia

  • So liebes Forum - das Mittwochs-Update :)


    Hat sich zumindest so etwas eingependelt. Ich habe die Woche bei meiner Mutter etwas zu erledigen gehabt. Allein der Gedanke dort hin zu müssen, hat mir eine schlaflose Nacht bereitet und in mir jene innere Unruhe aufploppen lassen, wie wenn mein Angehöriger wieder getrunken hat oder der Gedanke da war, dass es bald wieder so weit sein müsse. Meine Mutter wollte gerne, dass ich zum Essen bleibe, was ich verneinen musste, um meinem Angehörigen - ich will ihn jetzt einfach mal auf den Namen Anton taufen - nicht zu begegnen. Ich denke, daran ist auch gut zu sehen, dass ich für ein "finales" Gespräch auch noch nicht bereit bin und noch etwas Zeit ins Land gehen darf. Als ich meine Mutter sah, wirkte sie zermürbt und irgendwie um Jahre gealtert - es tat weh, sie so zu sehen, auch wenn ich weiß, dass ich auch das nicht ändern kann, genauso wenig wie Antons Trinken. Und wieder sprang eine altbekannte Strategie meinerseits an - mit Humor gegen die Schwere und Trauer anarbeiten, hat nur nicht funktioniert. Zumindest ist es mir gleich aufgefallen.

    Meine Freundin will mir ein Buch mitgeben über Somatische Übungen um das Nervensystem besser zu regulieren, das sollte laut ihrer Aussage dann jedoch regelmäßig geübt werden um das Nervensystem auch besser wieder einzufangen, wenn es mal über eine Grenze hinaus läuft - ich bin gespannt und dankbar für den Impuls , lässt sich ja schließlich für jeden Lebensbereich gebrauchen. Diesmal konnte ich zumindest genau den Auslöser für dieses Gefühl bestimmen, es meldete sich sonst auch immer mal ohne einen für mich konkret ersichtlichen Anlass und ich konnte es manchmal gar nicht so klar benennen, von den oben genannten Gründen mal abgesehen.

    Also wieder wertvolle kleine Puzzleteile gesammelt.


    Alles Liebe für euch und viele Grüße,


    Floralia

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