Vic - Kreislauf Depression und Alkohol

  • Ich habe es diesmal (noch nie zuvor probiert) aber tatsächlich als eine Art akute Lösung für mich entdeckt. In Situationen, in denen ich gerade Suchtdruck habe, schenke ich mir statt einem Glas Sekt ein Glas alkoholfreien Sekt ein und habe das Gefühl auch dadurch beruhigt sich mein Nervensystem, vllt durch den Placebo Effekt, eben weil es so schmeckt und dasselbe Ritual bedient.

    So hatte ich mehrfach wochenlang aufgehört aber eben nicht ganz, es kam immer wieder der Punkt wo ich auf alkoholisch umgestiegen bin, da ich an meinem Verhalten ja nichts geändert habe. Das mit dem Placeboeffekt ist sehr trügerisch, da es eigentlich keiner ist, sondern Du nur in alten Gewohnheiten weiter machst ohne etwas zu ändern oder auffallen zu wollen. Ich trinke hin und wieder auch mal ein alkoholfreies Bier weil es mir einfach schmeckt aber nur sehr selten und nicht um alte Gewohnheiten zu ersetzen.

    und alles andere, das man so in seinem Notkoffer hat, mich einfach nicht herunterfahren lässt.

    Den Notfallkoffer zu füllen dauert seine Zeit, ich habe auch noch nicht das perfekte Setting für mich gefunden, gibt ein paar Dinge die mir helfen und sehr viele,die für mich selbst, ohne Wirkung sind. Bei unmittelbarem Verlangen nehme ich meistens etwas süsses oder scharfes oder eben auch mal ne Flasche Mineralwasser mit viel Kohlensäure die ich sehr schnell trinke. Runterfahren ist am Anfang so eine Sache, geht bei mir auch nicht so richtig, meistens Lese ich dann oder höre laute Musik über Kopfhörer, gehe spazieren oder trainieren, einfach irgendwie beschäftigen mit etwas das Spaß macht.

    Findet ihr es also eher gefährlich/schlecht, an den „Trinkgewohnheiten“ festzuhalten, wenn man sie mit alkoholisch-konditionierten Getränken ohne Alkohol ersetzt, wenn das hilft abstinent zu bleiben?

    Du schreibst das schon richtig "Trinkgewohnheiten" es ist eine antrainierte Verhaltensweise, wenn Du diese nicht änderst ändert sich auch sonst nichts...

    Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.

  • Hallo Zusammen,

    ich bin seit zwei Monaten nüchtern und habe davor immer phasenweise mehr oder weniger getrunken - problematisch war es aber ohne Zweifel.
    Weil ich in den letzten zwei Jahren deutlich zugenommen habe, habe ich quasi mit dem ersten Tag der Abstinenz auch eine radikale Diät und Sport begonnen. D.h. deutliches Kaloriendefizit und mind. 1-2 Stunden Sport am Tag.
    Das ging drei Wochen lang gut, aber dann hat es angefangen, dass ich jede Nacht immer genau am Punkt einzuschlafen eine Art Adrenalinschub bekommen habe und es gedauert hat bis ich schlafe.
    Diese Phase ging dann ca. zwei Wochen so und danach konnte ich gar nicht mehr schlafen, jeder Reiz hat mich so gestresst, dass ich förmlich durchgedreht bin jede Nacht, Weinkrämpfe bekommen habe und aus Verzweiflung und Wut irgendwann auf die Couch eingeschlagen habe. Nach einer Woche fast komplett ohne Schlaf habe ich nachts den ärztlichen Bereitschaftsdienst gerufen, welcher mir dann Schlaftabletten für drei Tage gegeben hat. Dadurch konnte ich etwas schlafen, bin aber nicht erholt aufgewacht und diese extreme Reizempfindlichkeit wurde auch tagsüber immer schlimmer. Vermutlich durch den Stress und daher rührende Cortisolausschüttung habe ich irgendwann auch einen Juckreiz am ganzen Körper entwickelt. Ich war dann bei meiner Hausärztin, welche mir ein anderes Medikament verschrieben hat, das nicht richtig geholfen hat, aber so langsam kommt mein Nervensystem glaube ich wieder zur Ruhe. Ich habe die Kalorien dann wieder etwas hochgefahren und den Sport etwas runter, tue das allerdings sehr ungern.
    Ärzte oder mein Therapeut konnten mir aber irgendwie nicht so richtig sagen woher das jetzt kam und einen Termin beim Psychiater habe ich nicht bekommen bisher.
    Meine laienhafte und recherchierte Auffassung ist jetzt, dass ich meinen Körper, insbesondere Gehirn und Nervensystem überfordert habe mit der Abstinenz, dem gleichzeitigen Beginn von verhältnismäßig viel Sport und wenig Essen.
    Da das ja nicht im „akuten Entzug“ passiert ist und die ersten drei Wochen alles gut war, ist für mich natürlich ein bisschen schwierig einzuschätzen welcher der Faktoren jetzt vorrangig war und wie ich damit jetzt umgehe.
    Diese Übererregtheit ist bis heute nicht ganz weg, bpws. ist Haare kämmen immer noch extrem unangenehm, weil das Ziepen sich 100x stärker anfühlt als sonst. Auch der Juckreiz ist abgeschwächt, aber noch da.
    Habt jemand von euch mal ähnliche Erfahrungen gemacht oder kann besser einschätzen wieso das Nervensystem nach drei Wochen so durchdreht.
    Freue mich über eure Antworten.

  • Guten Abend Vic,

    Deine Beiträge habe ich zusammengefasst. Bitte eröffne für Dich keine weiteren Threads, da es sonst unübersichtlich wird.

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    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Vic,

    Du bist erst seit 2 Monaten abstinent, es dauert, bis sich der Körper und die Seele wieder an den Normalzustand gewöhnt hat.

    Hast Du Deiner Hausärztin erzählt, dass Du jetzt abstinent lebst?

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Vic,

    Du bist erst seit 2 Monaten abstinent, es dauert, bis sich der Körper und die Seele wieder an den Normalzustand gewöhnt hat.

    Hast Du Deiner Hausärztin erzählt, dass Du jetzt abstinent lebst?

    Ja, ich habe bei der Hausärztin auch zum ersten Mal überhaupt vor einem Arzt dazu gestanden und das Thema angesprochen. Leider gab es darauf aber fast keine Reaktion, es wurden keine Untersuchungen angestoßen um zu sehen, ob der Körper schon Schaden genommen hat und auch keine Angebote oder überhaupt Fragen gestellt inwieweit ich Unterstützung habe.

  • Leider gab es darauf aber fast keine Reaktion,

    Das spricht nicht für eine angemessene Suchterfahrung deiner Ärztin.

    Leider gab es darauf aber fast keine Reaktion, es wurden keine Untersuchungen angestoßen um zu sehen, ob der Körper schon Schaden genommen hat und auch keine Angebote oder überhaupt Fragen gestellt inwieweit ich Unterstützung habe.

    Du kannst es mit Nachdruck nochmal einfordern oder du suchst dir einen anderen Arzt/in.

    Meine laienhafte und recherchierte Auffassung ist jetzt, dass ich meinen Körper, insbesondere Gehirn und Nervensystem überfordert habe mit der Abstinenz, dem gleichzeitigen Beginn von verhältnismäßig viel Sport und wenig Essen.

    So laienhaft ist das gar nicht. Alkoholentzug ist für Körper und Psyche erheblicher Stress. Nach der Entgiftung ist das Körperliche weitgehend durch, aber bei der Psyche noch lange nicht. Das Gehirn versucht sich an die Abstinenz anzupassen.
    Dazu müssen neue Nervenzellen gebildet bzw. abgebaut werden und das braucht Zeit. Zusätzliche Belastungen, wie körperlicher oder psychischer Stress fördern diesen Prozess nicht gerade, sie können ihn sogar stören.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

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