Glitzermücke - Kopf ist an, Herz aber auch

  • Hallo zusammen,

    Ich habe mich hier angemeldet, um mich mit meiner Situation auseinanderzusetzen und hier auch schon eine Weile still gelesen. Ich frage mich, ob ich co-abhängig bin und warum es so schwer ist, mit den Tatsachen auf dem Tisch (mein Kopf weiß das alles und wird hier auch immer wieder „bestätigt“ ) den Weg der Vernunft zu gehen. Das Herz will irgendwie nicht mitgehen. Oder nur ich nicht? Das ist doch irgendwie bescheuert.
    Bin durcheinander, geschockt vom Wochende (musste den Krankenwagen für meinen Partner rufen) und trotzdem fällt mir loslassen schwer.
    Vielleicht möchte ich mir auch nur von der Seele schreiben. Denn eigentlich weiß ich ja Bescheid, die Fakten liegen auf dem Tisch. Vielleicht bin ich auch einfach entsetzt wie krass die Sucht sich zeigt und ich war einfach nur zu naiv und mir nicht bewusst über das Ausmaß der Sucht. Ich glaube, ich muss erstmal meine Gedanken sortieren.

  • Hallo Glitzermücke,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Leider ist es so, dass sich viele Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln.

    Und es ist so, dass nur der Alkoholkranke die Sucht stoppen kann. Du kannst im Grunde nichts tun, nur dafür sorgen, dass es Dir besser geht. Hier bist du richtig um deine Gedanken zu sortieren und evtl. Entscheidungen zu treffen.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke den folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Anklicken und kurz etwas dazu schreiben.

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema in "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo Glitzermücke,

    ich habe dich freigeschaltet und du kannst dich hier überall austauschen. Mit einer Ausnahme, bitte schreibe die ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern. Du erkennst sie an den Namen, die noch in roter Schrift sind.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hi Glitzermücke,

    mir geht es so wie dir, loslassen fällt schwer. Bei mir ist es der Vater. Auch wir hatten vor 2 Wochen so eine Krankenhaus-Geschichte. Am Ende doch recht glimpflich für ihn, aber der Arzt im Krankenhaus hat auch zu Therapie geraten. Seine Einsicht=0

    Ich sage mir oft, wenn ich traurig bin, dass das vergeudete Tränen sind. Denn es ändert nichts, nur er kann das. Wir sollten unsere Lebensenergie nicht damit verschwenden.

    Kannst du den Weg einer Trennung gehen? Ich würde dir das empfehlen und auch den Kontakt ab zu brechen, um davon los zu kommen. Zumindest klingt es so an, dass du sowas für rational sinnvoll hälst.

    Witzig von mir, dir das zu raten. Ich selbst schaffe keinen Kontaktabbruch, aber ich finde irgendwie einen Partner kann man noch eher aufgeben als den Vater.

  • Hallo Moni87,

    Vielen lieben Dank für deine Nachricht!

    Ja, rational ist es der einzige Weg für mich. Allein schon, weil ich es nicht noch einmal erleben möchte und es scheinbar nicht einmal in einem nüchternen Zustand „sicher“ ist, mit ihm Zeit zu verbringen. Mir war nicht bewusst, dass so ein epileptischer Anfall nach 3 Tagen Nüchternheit auftreten kann. Und dass man 3 Stunden später sich selbst aus dem Krankenhaus entlässt.
    Wie auch immer… Ich habe ihm gesagt, ich möchte ihn gar nicht mehr sehen bis er einen klinischen Entzug und anschließend psychischen Entzug macht. Daran halte ich mich. Wahrscheinlich sehe ich ihn nie wieder.
    Aber den Kontakt komplett abbrechen, schaffe ich nicht. Oder noch nicht. Ich reagiere äußerst wenig auf Nachrichten. Telefonate seit dem nur das wo er sich bedankt hat, dass ich ihm geholfen hab an dem Tag. Sonst nicht mehr. Dann würde eh nur wieder die Endlosschleife kommen von er wäre nichts wert, nie genug gewesen und hätte er jemals mich schlecht behandelt etc…

    Es macht mich traurig, ihn so zu sehen. Er ist ein toller Mann und selbst betrunken reflektiert und tiefgründig. Weiß nicht wie er das hinkriegt, noch klare Gedanken zu haben dann. Nur das Thema Alkohol und Abhängigkeit spaltet er manchmal komplett ab. Als würde es nicht existieren.
    Dann wiederum redet er davon als wäre ihm alles bewusst. Seltsam oder?
    Ist das bei deinem Vater auch so?

    Und ja, es ist wahrscheinlich eine ganz andere Situation für dich (wenn auch runter gebrochen auf die Fakten und alles an Emotion und Verbindung beiseite geschoben die gleiche Situation) , du bist anders gebunden.
    Allerdings hast ja auch du das Recht, für dich selbst zu entscheiden, was in deinem Leben einen Platz haben darf und was nicht und wenn ja in welcher Form. Biologie hin oder her. Es muss auch nicht bedeuten, daraus sofort ein für immer zu machen. Aber die Akzeptanz, nicht mehr einer Illusion nachzujagen, und die Realität so zu sehen wie sie momentan ist, ist halt auch kein Bonschi🍬 in unseren Situationen. Für niemanden auf keiner „Seite“.

    Lg Glitzermücke

  • Ja, bei meinem Vater ist das auch so. Er verdrängt einfach was mit ihm passiert und tut so, als wäre sein ganzes Verhalten harmlos und normal.

    Auch er meldet sich meistens nicht mehr bei mir. Ich habe oft das Gefühl ich bin ihm gleichgültig geworden. Tiefgründig reden kann ich leider nicht mehr mit ihm. Ich vermisse das. Aber oft versteht er Dinge nicht mehr, weil sein Gehirn beschädigt ist. Was soll man auch mit ihm reden? Er sitzt den ganzen Tag vor dem Fernseher. Das und der Alkohol sind alles, wofür er sich interessiert.

    Wenn ich komme, freut er sich immer sehr, ich glaub ihm reicht es, dass ich einfach anwesend bin. Allerdings hat das ja nun auch ein Ende, denn ich möchte nicht mehr bei ihm sein, wenn er nichts ändert. Ich glaub er kann es auch einfach nicht. Scheint zu spät zu sein.

    Ja, diese Illusion aufzugeben, dass es eben kein Happy End mehr gibt, fällt mir auch sehr schwer, so wie dir.

  • Ich glaube gleichgültig sind wir ihnen nicht. Ich denke eher, dass das ursprüngliche Gefühl in den Hintergrund rückt. Ich meine mal irgendwo gelesen zu haben, dass Alkohol im Kopf auf eine funktionelle Bremse für Emotionen drückt, sie also verstärkt. Ich glaube nicht, dass das Gehirn einen Unterschied machen kann zwischen guten und negativen Emotionen. Dann wird wohl alles an Emotionen gedeckelt.

    Und solange man immer noch mal eincheckt, sieht es für deinen Vater vielleicht auch wirklich so aus, als wäre alles okay. Meinst du, ihm würde es auffallen wenn du plötzlich nicht mehr zu Besuch kommst?

  • Hallo an alle,

    hier gab es eine Namensänderung. Bitte ab sofort nur noch den neuen Nutzernamen verwenden, danke.

    Liebe Grüße, Linde :)

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hi Glitzermücke,

    ich glaub er weiß schon, dass es für mich nicht okay ist. Er hat sich letztens auch entschuldigt, dass er mir Sorgen macht. Und hat angedeutet, dass er Alkoholiker ist. Das war aber das erste Mal. Also etwas Ambivalenz wie bei deinem Angehörigen ist auch dabei, zwischen Verdrängung und dann doch zugegeben, dass es ein Problem gibt.

    Meistens überwiegt die Verdrängung. Aber ich glaub er würde schon anrufen, wenn ich überhaupt nicht mehr komme. Gerade habe ich auch keine Lust ihn zu sehen. Bin aber traurig, wenn ich denke, dass ich ihn nie wieder sehen werde. In der SHG haben sie mal gesagt, ich sollte es mir gut überlegen, dem Angehörigen zu sagen, wenn sich nichts ändert, komme ich nie wieder. Da es dann eben auch sein kann, dass man sich nie mehr sieht, oder sich unglaubwürdig macht. Ich werde ihm sagen, dass ich derzeit kein Bock auf das alles hab, sollte er fragen. Ich denke er wird eh nicht fragen, eher so unter einem Vorwand Kontakt suchen. Finde, bei einem Partner, wenn man die Trennung will, macht das ja auch wirklich Sinn, sich nicht mehr zu sehen.

    D.h. du schreibst ihm manchmal noch ?

  • Guten Morgen Moni87,

    Ja, so meinte ich. Nicht für immer, aber dann wenn es okay ist für dich. Unabhängig davon, ob du ihn sonst regelmäßig oder zu bestimmten Anlässen besucht hast. Dass du da schaust, ob es dir damit gut geht. Dann weil du ihn sehen möchtest und nicht aus einem Pflichtgefühl heraus zb oder so. So meine ich. Geburtstag, Feiertage sind ja gerne so Anlässe, die eine gefühlte Verpflichtung hervorrufen können den Eltern gegenüber. Weil es sind ja die Eltern so nach dem Motto.
    Oder das man sich einfach offen hält, wie lange man bleibt. Für das eigene Gefühl ist es unter Umständen wichtig hinzufahren, aber dann reicht vielleicht auch ein gemeinsamer Kaffee oder was und wenn du merkst, es ist einseitig dann gehst einfach wieder.
    Dass man sich damit nicht unter Druck setzt. Und vielleicht für danach gleich noch was schönes vornimmt, damit man sich was Gutes tut. Dann nehmen die Traurigkeit oder generell die Gefühle und Gedanken nicht sofort so viel Raum ein.

    Ja, wir haben immer noch mal Kontakt. Also schon täglich von seiner Seite aus, aber es ist auch immer dasselbe. Über Nachrichten kommt sein Selbstmitleid und er wäre nichts wert und nie genug und gleichzeitig ich bin tot für ihn und er ist raus. Und am Telefon große Liebesbekundung.
    Ich glaube, dass er deutlich mehr trinkt seit wir uns nicht mehr sehen.
    Allerdings merke ich, dass ich langsam aufhöre zu reden. Ich will nicht mehr mit Engelszungen auf ihn einreden.
    Es bringt sowieso nichts.
    Ich habe ihn gestern auch spontan und kühn blockiert. Ich war so dermaßen genervt von diesem hin und her Geeier und die Krönung war dann so ein Reel wo gesagt wird: meine Reise gehört mir, mein inneres ist meine Festung und niemand hat das Recht sich einzumischen und zu urteilen.
    Damit hat er absolut recht. Unterschreibe ich zu 💯 Prozent.
    Allerdings ist das keine Einbahnstraße. Und ich kann für mich entscheiden, diese Reise nicht mehr mitzugehen. Und wenn er das Gefühl hat, ich urteile oder mische mich ein, dann ist keine Reaktion wohl die beste Antwort. Das er das offensichtlich so sieht, hat mich getroffen.
    Ich lasse den Kontakt jetzt erstmal auf blockiert, mal sehen wie es mir damit geht.

  • Hallo Glitzermücke,

    was dein Partner da von sich gibt kannst du hier immer wieder und fast überall in den Threads lesen und ich hab's auch so erlebt. Es ähnelt sich immer wieder auf gespenstische Weise, was ein nasser Alkoholiker sagt. Um die Partnerin zu manipulieren, sich selbst als Opfer zu darzustellen, Co-Knöpfe zu drücken.

    Von meinem ersten Mann kenne ich auch diese Weinerlichkeit, das Selbstmitleid, das " ohne mich bist du besser dran" " ich erhängt mich".

    Das macht was mit einem, rührt Seiten in einem an. Bei mir waren es Mitleid, Angst, Schuldgefühle, ihn im Stich lassen zu wollen.

    Ich will nicht mehr mit Engelszungen auf ihn einreden.
    Es bringt sowieso nichts.

    Genau! Diese Erkenntnis war für mich eine Erlösung damals. Dieses: ich kann nichts ändern und hab keine Verantwortung.

    Ich habe ihn gestern auch spontan und kühn blockiert.

    Ich lasse den Kontakt jetzt erstmal auf blockiert, mal sehen wie es mir damit geht.

    Kühn, ja, das ist es. Es ist ein guter Schritt in die richtige Richtung und vor allem Selbstschutz. Meine Erfahrung mit sowas sind, dass es mir immer gut getan hat und es mir besser ging ohne Kontakt. Denn immer wieder konfrontiert zu werden hat immer wieder Seiten in mir geweckt, die mir nicht gut getan haben. Mich unfrei gemacht haben.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Aurora,

    Vielen Dank für deine Nachricht!
    Im Moment empfinde ich es gar nicht als Erlösung. 🤔 Eher als Ausweglosigkeit, Traurigkeit und Hilflosigkeit und Bedauern. Gut geht es mir damit auch nicht. Kommt vielleicht noch. Ich vermisse, mit ihm zu lachen und zu reden und einfach sein zu können. Das war etwas, was ich bei ihm immer konnte. Egal wie schräg oder albern oder ernst oder zickig oder sonstwas ich war. Er war einfach ein sicherer „Ort“ für mich - bis ich mitbekommen habe, was los ist.
    Ich empfinde keine Schuld, dass er trinkt. Das hat er vorher schon, vielleicht habe ich das Gefühl deshalb nicht.
    Manchmal frage ich mich, ob ich ihn überhaupt jemals wirklich nüchtern erlebt habe.
    Und dann sage ich mir immer wieder als Mantra: er ist erwachsen und kann sich sein Leben so gestalten wie er es möchte und richtig findet.

  • Hi Glitzermücke,

    ja, keine Reaktion und blockieren ist da das Beste das denke ich auch. Mein Vater meinte mal er würde seine Flaschen im Keller ja nur aus Trotz verstecken, weil wir uns einmischen. Deshalb bin ich auch an dem Punkt mich da nicht mehr drum zu kümmern, ob er trinkt oder nicht. Ist seine Sache und er will es so. Aber ich verstehe dich, man ist dann doch immer wieder wütend über diese Aussagen.

    Das mit den Kurzbesuchen an Feiertagen ist eine gute Idee. Ich schaue, wie es sich dann anfühlt für mich, wenn ich gar nicht hin will, dann lasse ich es.

  • Also diese Logik ist auch manchmal echt zum piepen.. wenn es nicht so ernst und traurig wäre, könnte man schon fast manchmal lachen.

    Genau, und wenn du da bist und es fühlt sich nicht gut an, dann gehst du auch wenn du möchtest.
    Ganz spontan, nach Stimmigkeit ist glaube ich eine gute Herangehensweise. Wer weiß heute schon was übermorgen ist…😉

    Planen kann man das sowieso nicht, man weiß ja nicht wie der Tag dann ist wenn er da ist. Beständigkeit ist nicht gegeben, außer die, dass sehr wahrscheinlich alles ist wie sonst auch was den Alkohol betrifft. 🤷🏻‍♀️

    Und irgendwann kommt man auch an den Punkt, dass man sich einfach sozusagen schonungslos verhält. Diese Vorsicht nichts falsches zu sagen oder zu tun, nur damit es nicht zur Diskussion kommt oder mehr getrunken wird . Dieses mit Samthandschuhen anfassen, ist auch eine Form, den vermeintlichen Frieden zu bewahren. Aber in dir tobt der Krieg. Den darfst dann alleine regulieren nachdem du die Situation vorher für den Betroffenen reguliert hast.
    So empfinde ich diese Situationen manchmal. Auch doof, oder?
    Kennst du das auch?

  • Also so ganz nicht, weil er mir bis auf die Kellergeschichte keine Schuld gibt. Also er sagt nie, ich trinke wegen der Familie. Meistens sagt er, dass er gar nicht betrunken ist (obwohl er lallt zb) oder dass die 2 Glas Wein ja wohl nicht so schlimm sind. Deshalb nehme ich da in den Gesprächen keine Samthandschuhe, aber ich rede halt gegen eine Wand. Ich rede jetzt nicht mehr, hab ich entschieden.

    Ja, die Logik ist echt zum Lachen und oft haarsträubend. Naja, aber wenn man süchtig ist, dann ist trinken das einzige Ziel und der Lebensmittelpunkt. Und da ist einem dann keine Ausrede zu blöd.

  • Zitat

    Ich vermisse, mit ihm zu lachen und zu reden und einfach sein zu können.

    Glitzermücke ich glaube diese Gefühle halten einen auch lange drin, weil man meint, man kann helfen und dann ist alles wieder wie früher. Ich z.B. kenne meinen Vater anders als du deinen Partner auch ohne Sucht und er ist eben auch nicht immer betrunken. Aber jetzt nach 4Jahren ca hab ich die Hoffnung aufgegeben und das ist dann eben eine neue Phase.

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