Mathilde - Hallo in die Runde - Vorstellung

  • Guten Abend,
    ich habe mich angemeldet, um mich auszutauschen und Antworten auf meine Fragen zu finden.
    Stecke gerade in einer Krise und bin sehr verzweifelt wegen meines Mannes.

    Einmal editiert, zuletzt von Mathilde (5. Mai 2026 um 21:43)

  • Hallo Mathilde,

    herzlich Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.
    Erzähl doch ein wenig mehr von deiner momentanen Situation, damit wir dich besser kennenlernen können.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Danke 😊
    Zu meiner Geschichte: Ich bin seit 24 Jahren mit meinem Mann verheiratet. Er war meine erste Liebe und hat mich früher auch sehr geliebt. Ich habe mich mit ihm sehr geborgen und glücklich gefühlt. Wir haben zwei Töchter bekommen, und er hat für uns ein Haus gebaut (er ist Handwerker). Alles war schön und gut. Alkohol war immer da und kein Tabu.
    Wir haben früher sehr gerne Partys gefeiert und auch am Wochenende ein paar Gläschen Wein getrunken. Mein Mann war und ist immer der Meinung, dass er sehr viel Alkohol verträgt. Früher hatte er Spaß daran, dass alle seine Freunde schon betrunken waren, er aber noch stehen konnte. Das hat mich immer gestört, aber er war noch okay im Vergleich zu den anderen. Am nächsten Morgen war er wieder fit und hat für die Familie Frühstück gemacht. Er hat quasi sehr viel bei den Feiern getrunken, hat das aber in der Woche nicht gebraucht. Mit der Zeit haben wir Kontakt zu diesen Freunden reduziert, und wir haben uns seltener gesehen.

    Aber er hat angefangen, hier und da eine Flasche Bier allein zu trinken. Wir haben darüber geredet. Er sagte immer, dass er kein Problem damit hat und ich mich nicht einmischen soll.

    Er hat ein Projekt gestartet, das nicht den Erfolg gebracht hat, den er sich erhofft hatte, was für ihn frustrierend ist. Aufgrund von Kurzarbeit sitzt er viel zu Hause und hat keine Arbeit. Das hat dazu geführt, dass er lange schläft und dann bis Mitternacht fernsieht, meistens mit einem Bier in der Hand. Er liebt Alkohol und trinkt sehr gerne bei jeder Gelegenheit. Wenn wir mit den Kindern essen gehen, bestellt er sich meistens zwei bis drei Weizen, also 1,5 Liter beim Essen.

    Wenn wir Besuch haben, kann er locker sechs bis acht Flaschen Bier trinken. Jeden Freitag ist bei ihm Saunatag, da trinkt er auch Bier.

    Vor Kurzem hatte er seinen 50. Geburtstag. Ich habe ihm vorgeschlagen, seine Familie und seinen besten Freund einzuladen. Es sollte ein gemütliches Mittagessen werden. Wir haben zusammen lecker für alle gekocht und schön dekoriert. Unsere Tochter hat ihm einen Kuchen gebacken.

    Als er beim Essen eine Flasche Wodka auf den Tisch gestellt hat, war ich schon gespannt, wie es weitergeht. Nach etwa sieben Gläsern Wodka haben die beiden angefangen, Bier zu trinken. Es gab zwei Gruppen am Tisch – Familie, Kinder und die beiden Saufbrüder. Als der Freund dann abends gegangen ist, weil es ihm gesundheitlich nicht mehr gut ging, hat er selbst weitergetrunken.

    Dann hat er Aperol für unsere ältere Tochter (sie ist volljährig) gemischt und mit ihr sein Bier getrunken. Dabei war er schon sehr betrunken und hat gelallt. Ich wollte ihm seinen Geburtstag nicht verderben, aber ich war sauer und habe starke Kopfschmerzen bekommen.

    Am nächsten Tag stand er um 5 Uhr auf und fuhr zur Arbeit. Als ich abends mit ihm sprach, sagte er, ich sei alt, langweilig und würde ihn nicht verstehen. Er behauptete, alles sei in Ordnung und er könne mit Alkohol umgehen. Ich habe jedoch ein anderes Gefühl und den Verdacht, dass er bereits abhängig ist und ohne Alkohol nicht leben kann. Alle um mich herum sagen, ich spinne. Aber in meinen Augen ist das ein ernstes Problem, das mich sehr unglücklich macht und uns auseinanderbringt. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, ihn zu verlassen.

    Ich brauche eure Meinung dazu. Ich bin verzweifelt und traurig. Hilft mir bitte das einzuordnen.

  • Ich habe jedoch ein anderes Gefühl und den Verdacht, dass er bereits abhängig ist und ohne Alkohol nicht leben kann.

    Das Gefühl hatte ich auch beim lesen. Es kommt aber nicht auf das Gefühl an, sondern darauf, dass du deinen Wahrnehmungen vertraust. Das ist sehr wichtig, denn nasse Alkoholiker versuchen immer wieder ihren Angehörigen die Wahrnehmungen zu widerlegen. Das kenne ich sehr gut.
    Du kannst aber nur etwas für dich tun, damit es dir besser geht. So lange dein Mann nicht einsieht dass er Alkoholiker ist, und von sich aus etwas ändern will, kannst du nichts machen.

    Alle um mich herum sagen, ich spinne

    Hast du denn mal mit jemanden darüber gesprochen?

    Alle um dich herum leben nicht dein Leben. Lass dich nicht verunsichern, und vertrau deinen Wahrnehmungen. Du hast an Trennung gedacht, dass ich sehr nachvollziehbar.
    Wichtig ist auch, dass du bei Ankündigungen, diese auch bereit bist konsequent durch zu ziehen. Denn sonst wirst du unglaubwürdig, und dass wird dann oft wieder vom nassen Alkoholiker ausgenutzt.

    Wenn du dich weiter austauschen möchtest klicke bitte unten auf den Link, schreib einen kurzen Satz dazu. Dann schalten wir dich für den Austausch frei.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Mathilde

    Jetzt kannst du überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Morgenrot 5. Mai 2026 um 22:48

    Hat den Titel des Themas von „Hallo in die Runde - Vorstellung“ zu „Mathilde - Hallo in die Runde - Vorstellung“ geändert.
  • Alle um mich herum sagen, ich spinne.

    Du spinnst mit Sicherheit nicht!!!!!

    Ich kenne das. Auch bei mir wurde das Problem im Umfeld herunter gespielt.


    Vertraue deiner Wahrnehmung!


    Leider kannst du nichts machen außer auf dich selber zu schauen. Das ist sehr bitter, aber leider ist es so.


    Es ist sehr erschütternd wie sehr sich die Geschichten hier immer wieder ähnlich sind.

  • Würdet ihr sagen, dass ich für mich schauen soll und ihn ignorieren?
    Er wird nicht aggressiv oder verletzend, er zieht sich zurück und ist für uns nicht zugänglich. Will einfach in Ruhe gelassen werden. Ich fühle mich manchmal wie eine Verfolgerin und weiß absolut nicht, wie ich reagieren soll.
    Alle Einladungen absagen und ihn ignorieren? Das fühlt sich falsch an. Ihn zu verlassen - auch.
    Ich weiß nicht, was ich machen soll. 😢

  • Hallo Mathilde,

    du musst tun, was sich für dich richtig und gut anfühlt. Und manchmal ist es auch von der Tagesform abhängig.

    Ich bin mir damals erst einmal klar darüber geworden, was ich möchte, und was nicht. Wie weit bin ich bereit zu gehen für mein Wohlbefinden. Diese Wünsche und Bedürfnisse habe ich klar kommuniziert, ohne wenn und aber. Und ganz klar mitgeteilt, was für mich die Konsequenz ist, wenn meine Wünsche nicht respektiert werden. An der Stelle sollte man nur das äußern, was man wirklich bereit ist zu tun, ansonsten wird man unglaubwürdig und unter Umständen zum Spielball für den Gegenüber.

    Nachdem dann bei uns daheim nur teilweise oder gar nicht auf meine Bedürfnisse eingegangen wurde, habe ich die Konsequenzen gezogen. Ich habe nur mein Leben gestaltet und meinen Mann außen vorgelassen. Ich habe angefangen für mein Wohlbefinden zu sorgen. Ich habe keine gemeinsamen Aktivitäten oder Urlaube mehr geplant. Ich habe mich alleine mit Freunden verabredet und einfach mein Ding gemacht.

    Die Veränderung meines Verhaltens und das keine weitere Kommunikation zum Thema Alkohol mehr gelaufen ist (schließlich war von meiner Seite her schon alles 100 Mal gesagt), hat die Gegenseite wahrgenommen. Nur anstatt etwas zu ändern, wurde ich zum Feindbild. Also hab ich kurzer Hand die Trennung vollzogen.

    Zu diesem Zeitpunkt war es mir inzwischen egal, ob er zum Entzug geht, aufhört zu trinken oder total abstürzt. Ich wollte damit nicht mehr leben. Ich war mir inzwischen selbst mehr wert, als nur ein Schatten seiner Sucht zu sein.

    LG ☀️

  • Liebe Mathilde,

    sei dir einfach mehr wert. Stell dich an erste Stelle. Du lebst nur einmal und wir werden alle nicht jünger.

    Seine Sucht ist sein Ding. Du kannst ihn unterstützen, wenn es angebracht ist, z.B. saubere Kleidung in die Klinik bringen. Aber du darfst es auch genauso verweigern. Es ist sein Leben und er hat sein Glück in der Hand. Der Betroffene hat viel mehr Möglichkeiten auf Hilfe, als der Angehörige.

    Gib ihm die Verantwortung zurück für sein Leben und übernimm du die Verantwortung für dein Glück. Das passiert nicht von alleine.

    Du wirst es nicht schaffen, ihn zu etwas zu bewegen, was er nicht will. Und genau genommen ist das auch übergriffig. Er darf leben, wie er es möchte. Auch wenn es nicht deinen Vorstellungen entspricht und auch wenn er sich damit umbringt.

    Du liest dich sehr reflektiert und ich bin mir sicher, dass da ganz viel Lebensfreude in dir steckt. Du musst sie nur wieder finden. Du schaffst das.

    ☀️

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