varulv - Vorstellung

  • Hallo in die Runde,

    ich bin 32 und seit ca. 2 Jahren mit meiner alkoholabhängigen Partnerin zusammen. Ich helfe, auch unabhängig von der Beziehung gerne und bin für viele Seelsorger. Seit kurzem wohnen wir zusammen, wodurch mein "pflegender" Anteil noch mehr geworden ist. Vermutlich sehr dummer Idee gewesen. Ich erfülle schon länger definitiv alle Kriterien für eine Co-Abhängigkeit, komme da nicht raus. Will/kann sie nicht hängen lassen, fühle mich verantwortlich. Sie hat extrem viele andere Baustellen (Vater war Alkoholiker, unheilbar krebskrank und daraus erwachsene weiter psychische Probleme). Auch in ihrer gesamten Kommunikation war sie seltenst wertschätzend...wir sind sehr in einer Dynamik aus Abhängigkeiten gefangen, ich gebe immer nach und sie "ruht" sich darauf aus.

    Sie hat vor einer Woche einen Entzug gemacht, nachdem es nicht mehr ging. Oberflächlich wollte sie den Entzug, aber am Ende habe ich sie dorthin geschleppt. Dafür dass ich sie in die Klinik gebracht habe, war sie mir sehr dankbar. Mittlerweile ist sie seit 6 Tagen zurück. Sie war von Tag 1 an rückfällig. 2 bis 3 Tage waren stark rückfällig, wobei ich an einem auch vertrieben wurde mit leichtem Wegstoßen, Drängen, bewusstem vor mir Trinken und mir in den Nacken mit den Fingernägeln gekrallt worden ist. Sie fängt wieder an, Alkohol zu verstecken und ist eigentlich vollständig wieder im alten Muster gefangen. Wobei ich an vielen Stellen beschuldigt werde und der Stress außerhalb ein Problem ist bzw. als solcher vorgeschoben wird. Ja, das stimmt alles, dass unsere Kommunikation etc. nicht optimal ist, aber das ist nicht nur meine Aufgabe.

    Gerade ist sie (angetrunken) zu der Ausstellung eines ihrer guten Freunde. Sie fragt, ob ich gerne kommen möchte. Sie vermisse mich. Ich bin aber sehr müde und habe ehrlich kommuniziert, dass ich den Abend für mich frei habe möchte bzw. frei brauche. Ich bin erschöpft. Sie hat mich dann angerufen, aber als ich nochmal gesagt habe, dass ich die Zeit echt brauche, hat sie mich angemault, dass ich nicht komme. Dann aufgelegt. Daraufhin gefragt, ob sie zurückkommen soll. Naja, ich will vor allem einen entspannten und nüchternen Abend mit ihr. Das ist gerade die Situation und der Grund warum ich mich hier anmelde.

    Meine Gedanken kreisen ständig darum, was mein Verhalten auslöst. Dass ich nicht schuld bin, weiß ich (theoretisch), aber das anzuerkennen, fällt mir sehr schwer. Ich stelle mir Fragen, wie ich ihren Konsum unterbrechen oder reduzieren kann, ja kann ich nicht. Wie "beschütze" ich sie vor einem Rückfall. Was kann ich tun? Wie kann ich helfen und unterstützen? Alles Fragen der Co-Abhängigkeit...

    Danke und ganz viel Stärke an euch alle!
    varulv

  • Hallo varulv,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Vom Kopf her ist dir das klar mit deinem co-abhängigen Verhalten. Aber den Fokus von ihr auf dich zu richten? Da geht der Weg lang, wenn du aus der Co-Abhängigkeit raus willst.

    Wo bei mir alle Alarmglocken losgehen ist die beginnende häusliche Gewalt. Schau da bitte genau hin. Wenn sie dich am Hals krallt, ist das nicht 'nichts'. Drängen, wegstoßen, krallen - all sowas überschreitet deine Grenzen.

    Damit du dich hier mit den anderen Betroffenen austauschen kannst, klicke bitte als nächstes auf diesen Link, schreibe einen Satz, das genügt.

    Danach wirst du freigeschaltet.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo varulv,

    herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet.

    Jetzt kannst du überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Morgenrot 30. Januar 2026 um 18:19

    Hat den Titel des Themas von „Vorstellung“ zu „varulv - Vorstellung“ geändert.
  • Es tut mir leid, das zu lesen. Du bist Wachs in den Händen Deiner Freundin, Du siehst das schon richtig.

    Ich stelle mir Fragen, wie ich ihren Konsum unterbrechen oder reduzieren kann, ja kann ich nicht. Wie "beschütze" ich sie vor einem Rückfall.

    Gar nicht. Nichts davon ist möglich.

    Was kann ich tun? Wie kann ich helfen und unterstützen?

    Bestenfalls (und mit nur sehr geringen Erfolgschancen), indem Du Dein bisheriges Verhalten einstellst. Nichts mehr tun, was die Abhängigkeit Deiner Partnerin auch nur im geringsten fördern kann, auch wenn Du es aus Sorge oder Liebe tust: Trinken bei All-inclusive-Umsorgung ist sicher leichter, als wenn man sich um die Folgen selber kümmern muss.

    Und noch wichtiger:

    Aber den Fokus von ihr auf dich zu richten? Da geht der Weg lang, wenn du aus der Co-Abhängigkeit raus willst.

    Das habe ich auch erst hier kapiert. Klingt banal, ist aber der Kern.

    Co-Abhängigkeit hilft ihr nicht und Dir nicht. Ohne klare Grenzen und Selbstschutz bist Du aktiver Mitspieler in der Co-Abhängigkeits-Dynamik. Rückzug, Grenzen, Selbstschutz. Alles andere ist Energieverschwendung und macht Dich kaputt.

    Steh zu Deinen Bedürfnissen, geh weg, wenn sie trinkt, hör auf, Dich verantwortlich zu fühlen für etwas, das Du nicht kontrollieren kannst.

    Ich weiß selbst: Das ist ein heftiger mental-emotionaler Switch.

  • Danke an alle für die ehrlichen und wichtig harten Antworten. Ich komme aus meinem Verhalten kaum raus. Habe so viel das Gefühl, dass sie nur manipuliert und mich boykottiert.

    Vor allem muss ich es sehr, sehr dringend, da ich in zwei Wochen meine Ausbildung abschließen will.

    Ich denke aktuell jede Woche über Trennung nach, weil sie vielleicht versucht (behauptet sie auf jeden Fall) und zwei Tage oder so gut laufen. Aber danach stürzt sie wieder ab. Und sie weiß, welche Knöpfe sie betrunken bei mir drücken muss. Sie isst nicht und trinkt nur, stößt mich bewusst weg, indem sie sagt, dass ein ganzes Leben betrunken ja durchaus gehen würde und sie ihren Änderungswollen immer wieder negiert.

  • Ich versuche mir gerade eine "Rettungskette" aufzubauen, was ich machen kann. Ich fühle mich zu oft komplett hilflos und will mir wieder Handlungsspielraum geben.

    Dafür habe ich erstmal meine Grenzen bzw. Regeln notiert. Es sind erstmal meine, die definitiv noch Ausbaufähig sind, aber das ist der erste Versuch, den ich vllt auch durchhalten kann. Meine Partnerin ist Pegeltrinkerin, ganz ohne Alkohol ist gerade einfach nicht. Eine Langzeittherapie ist geplant, aber aktuell erst irgendwie im Sommer/Herbst. Sie geht zu einer Selbsthilfegruppe, hat Therapie und ist dennoch aktiv abhängig und verliert aktuell immer wieder den Kampf.

    Meine sind:

    • bei einem Ausfall schlafe ich woanders
    • ich kaufe keinen Alkohol (wir wohnen zusammen in einer WG, also gibt es irgendwo Alkohol, aber sie trinkt nur ihren eigenen). Sie trinkt in meiner Gegenwart, keine Ahnung, ob das gut ist, aber ihr scheiß Versteckspiel ist so weniger
    • ich werde den Konsum nie gutheißen
    • Ich diskutiere nicht betrunken mit ihr
    • Bei Handgreiflichkeit verlasse ich sofort den Raum
    • Ich bin nicht schuld an dem Konsum
    • Ich entschuldige mich nicht für meine Bedürfnisse


    Was meint ihr? Ich versuche gerade irgendwie Verantwortung für meine Aufgaben und Päckchen zu übernehmen und ihre abzulegen

  • Hallo in die Runde,

    ich will mir eine Rettungskette gestalten - ähnlich wie der für Betroffene bei Craving/Suchtdruck. Dazu sammle ich, was ich machen kann, wenn ich emotional überwältigt bin, eine Panikattacke habe oder meine Partnerin allgemein wieder einen Ausfall hat. Was hilft euch? Hier findet ihr meine Liste, ergänzt sie gerne!

    • Spazierengehen
    • Sport: 20 Liegestütz, Hampelmänner etc. (konkrete Aufgaben)
    • Jonglieren
    • Kreuzworträtsel
    • Musik hören (ich höre dann sehr harten Metal, der mir ein Ventil für meine Emotionen gibt)
  • Hallo varulv,

    ich habe deinen Beitrag in dein erstes Thema verschoben.

    Bitte eröffne keine neuen Themen, das wird sonst schnell unübersichtlich. So ist jetzt alles beisammen, das ist besser. So ist unsere Erfahrung hier.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo varulv,

    deine Rettungskette finde ich garnicht schlecht. Ich hab damals sowas in der Art auch gehabt. Das hat mich immer wieder beruhigt und mir Dinge vor Augen geführt.

    Ich diskutiere nicht betrunken mit ihr
    Bei Handgreiflichkeit verlasse ich sofort den Raum
    Ich bin nicht schuld an dem Konsum
    Ich entschuldige mich nicht für meine Bedürfnisse

    Diese Dinge sind sehr nützlich und hilfreich. Diskussionen mit einem betrunkenen Menschen sind sinnlos, genau. Und den Raum zu verlassen wenn es zu Grenzüberschreitungen kommt, egal ob verbal oder durch körperliche Angriffe, ist das Beste.

    Und mich hat zu allererst damals entlastet zu wissen, dass ich nicht schuld bin und nie war. Das war wie eine Befreiung. Und das mit den Bedürfnissen, genau, dafür brauchst du dich echt nicht zu entschuldigen.

    Diese Dinge waren also gewissermaßen meine " Rettungskette", nur dass ich das nicht so ausgedrückt habe. Aber zu allerallererst stand bei mir, dass ich das Recht habe, glücklich zu sein. Und das war ich mit meinem ersten Mann nicht ( mehr).

    Du machst das gut, dir diese Dinge aufzuschreiben um sie dadurch besser verinnerlichen zu können.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

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