Dulcinella - jahrzehntelang Alkoholikerin, nun will ich frei sein

  • Für den Winter hab ich geplant, wieder Musik zu machen. Auch eines meiner vielen Hobbies. Nun hab ich ein Aug auf ein sündteures Instrument geworfen und überlege seit Tagen, ob ich es kaufen soll oder nicht. Ich hab in meiner erst kurzen Nüchternheit schon den Betrag nicht versoffen, den das Gerät kostet. Dennoch kann ich mich nicht entscheiden. Es liegt schon in meinem virtuellen Warenkorb, aber ich bin so unsicher "ob ich es mir selber wert bin...". Was meint ihr? Habt ihr euch vielleicht auch am Anfang der Nüchternheit mal mit was teuren, verrückten belohnt?

    Salü Dulcinella

    Ja, klar, hab ich das. Ich hab mir in der Zwischenzeit (das sind ja jetzt ein paar Jährchen) einen Mac gekauft mit ordentlich Leistung. Dann dazu Native Instruments Ultra, (ca. 1 Million Sounds...lol..) und noch ein weiteres Keyboard. (K2700, Kurzweil)
    Dann noch ein massgeschneidertes, funkgesteuertes In-Ear Monitoring System.

    Und jüngst.... mein allererstes, eigenes, brandneues Auto. (und das mit 53 Jahren, ihr dürft ruhig lachen)

    Beim Auspacken des Autos hatte ich Tränen in den Augen. Denn ich sehe gerade dieses als Belohnung für meine 6,75 Jahre Abstinenz von Saufen und Rauchen.

    All diese Anschaffungen wären nicht möglich gewesen, weil ich alles in zahlreiche Süchte steckte.

    Hast Du jetzt das Teil gekauft, wie ich sehe, oder versteh' ich was falsch?

  • Native Instruments Ultra, (ca. 1 Million Sounds...lol..)

    Hast Du jetzt das Teil gekauft, wie ich sehe, oder versteh' ich was falsch?

    Cool, sollte ich auch kaufen, 1 Million sounds :) Ich hab das teure Teil doch nicht gekauft sondern ein ganz billiges. Habe einem Freund Videos auf youtube vorgespielt von beiden Geräten. Er meinte das teure (800 Euro) sei zu kompliziert und "unspielbar" und das billige (unter 100 Euro) sei super. Also hab ich jetzt das billige und spiel damit herum. Er hatte recht, das Ding ist sehr einfach, lustig, überfordert mich nicht und genügt derzeit vollkommen für meine Zwecke.

  • hat mich ganz klar daran erinnert, dass ich in keiner Situation, weder in Gesellschaft noch allein, nur EIN Gläschen trinken kann und will

    Ja, diese Gäste, die nach fünf Stunden Party einen Rest im ersten Weinglas lassen, weil: reicht für heute ^^ In nassen Zeiten keine gute Gesellschaft für mich, heute fast meine Liebsten - gleich nach den komplett Abstinenten.

    LG

    Mattie

  • Ja, diese Gäste, die nach fünf Stunden Party einen Rest im ersten Weinglas lassen, weil: reicht für heute ^^ In nassen Zeiten keine gute Gesellschaft für mich, heute fast meine Liebsten - gleich nach den komplett Abstinenten.

    Aber was haben die anderen eigentlich von so einem Fingerhut Weinchen? Für mein Alkoholikergehirn ist das unverständlich.

  • Das erinnert mich an einen guten Freund, der mich oft einlud und dann eine Flasche Sekt für mich, ihn und seinen Partner kaufte. Da dachte ich immer ‚eine???- geht‘s noch???‘

    Ich riss mich dann total zusammen um den anderen nicht alles wegzusaufen und trank dann immer noch zu Hause ‚fertig‘.

    Was für krasse Zeiten. Was nicht süchtigen kleine Mengen bringen, können wir nicht verstehen, da es uns ja ganz offensichtlich nichts gebracht hat.

    Deshalb finde ich auch das kontrollierte Trinken völlig absurd. Das ist doch als dürfe man zwar an Schokolade lecken aber nicht rein beißen.

  • Es hat mich ganz klar daran erinnert, dass ich in keiner Situation, weder in Gesellschaft noch allein, nur EIN Gläschen trinken kann und will. EIn absolut uninteressantes Unterfangen.

    Niemand will und kann ein Gläschen trinken von den Süchtigen. Die Frage ist warum passiert es dann trotzdem oft, ist die Rückfallquote so hoch? Weil es die Sucht nicht interessiert ob es ein uninteressantes Verlangen ist oder jmd nicht will.

    Hoffe deine Strategie funktioniert. Ich halte mich an die Grundbausteine

    Heute trinke ich nicht

  • Das stimmt. Im Kontext seht in den Grundbausteinen
    "Manche träumen davon, irgendwann wieder wie ein gesunder Mensch Alkohol trinken zu können."

    Ich habe nicht geträumt, ich habe tatsächlich geglaubt, wenn ich das mit Disziplin richtig anstelle, dann bekomme ich das hin.
    Eine Illusion, die ich auch erst erkennen musste.

    Als Alkoholiker kann ich nicht kontrolliert trinken, nicht morgen nicht übermorgen, nie wieder.
    Die Akzeptanz dieser Tatsache hat mir den weiteren Weg eröffnet.
    Akzeptanz - aber nicht mit "...zunächst einmal bleibe ich abstinent, mal sehen was dann kommt...". Das wäre keine Akzeptanz gewesen, das wäre das berühmte Hintertürchen, wobei das Türchen ein Scheunentor ist.

    Jeder kann sich selbst prüfen, ob er akzeptiert hat. Ich musste mir nur zuhören.

    "Manche träumen davon, irgendwann wieder wie ein gesunder Mensch Alkohol trinken zu können."
    Zwischen diesem Traum und der Realität liegt die Akzeptanz.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Diesen Traum, bzw diese Illusion hab ich nicht mehr. Aber es hat mehrere Rückfälle gebraucht, um es wirklich zu begreifen. Obwohl ich es von Anfang an als Teenager nicht konnte. Aber das war mir bis vor Kurzem immer noch nicht 100% klar.

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