Mattie - Abstinent bleiben

  • Hallo,

    ich habe dieses Forum gerade gefunden und will nun etwas über meine Situation schreiben. Ich bin sechzig Jahre und trinke seit meinem 20. Lebensjahr. In den letzten Jahren lag mein Konsum ziemlich konstant täglich bei zwei Bier am Nachmittag und einer Flasche Wein am Abend. Ich weiß, dass dies Hochkonsum ist und ich Alkoholikerin bin.

    Ich hatte in den letzten vierzig Jahren mehrere "Trinkpausen", die längste davon elf Jahre, mit Beginn meiner Schwangerschaft und während der Erziehungszeit meines Kindes. Ich höre immer mal wieder auf, mal für ein halbes Jahr oder drei Monate, mal für zwei Wochen. Jedes Mal geht es mir dann hervorragend, ich genieße die Zeit, aber dann bricht es wieder ein und ich fahre los und hole mir eine Flasche Wein für den Abend und hänge wieder drin. Deutlichstes Zeichen dafür, dass ich Alkoholikerin bin, ist für mich die Tatsache, dass ich nicht aufhören kann, wenn ich einmal angefangen habe. Schlusspunkt der täglichen Trinkerei ist für mich, ins Bett zu fallen und sofort einzuschlafen. Ich habe keine größeren Aussetzer in Gesellschaft anderer, da schaffe ich es, den Konsum mit Wasser zu strecken. Den fehlenden Rest trinke ich dann, wenn ich wieder allein zu Hause bin.

    Jetzt fange ich an zu schreiben und könnte ewig weitermachen :) Aber man soll sich ja kurz halten in dieser Vorstellung, also halte ich mich erst einmal zurück.

    Mein Hausarzt ist über mein Trinkverhalten informiert. Mein Blut wird regelmäßig kontrolliert, da ich an einer weithin verbreiteten chronischen Erkrankung leide. Leberwerte schwanken, je nachdem, ob ich gerade Trinkpause habe oder nicht.

    Ich möchte dauerhaft abstinent leben. Der größte Hinderungsgrund dabei ist: sobald während der Abstinenz der Saufdruck aufkommt, blinkt in meinem Kopf DU KANNST JA JEDERZEIT WIEDER AUFHÖREN auf. Und dann ziehe ich los und besorge mir die nächste Flasche Wein.

    Aktuell trinke ich seit vierzehn Tagen nicht.

    So sieht's aus. Ich freue mich, hier gelandet zu sein, und auf einen freundlichen, unterstützenden Austausch.

    Viele Grüße von

    Mattie

  • Hallo Mattie,

    herzlich willkommen im Selbsthilfeforum für Alkoholiker.

    In dieser Selbsthilfegruppe tauschen sich bekennende Alkoholiker aus, die ein dauerhaft abstinentes Leben anstreben.
    So wie du geschrieben hast, trifft beides auf dich zu und du bist seit 14 Tagen abstinent.
    Damit hast du eine gute Basis für eine Teilnahme in dieser SHG geschaffen.

    Für den weiteren Austausch folge dem Link zur Bewerbung für den offenen Bereich:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Bitte anklicken und einen kurzen Satz schreiben, da du dich ja schon ausführlicher vorgestellt hast.

    Nach erfolgter Freischaltung werden wir Dein Thema zu "Erste Schritte für Alkoholiker" verschieben.

    Viele Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Mattie .

    Du kannst jetzt überall schreiben, jedoch in den nächsten 4 Wochen bitte nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern. Diese erkennst du am „orangeroten“ Namen.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Als Einstieg lass ich dir mal die Grundbausteine des Forums und den Notfallkoffer gegen Suchtdruck da.

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Wie sieht es bei dir mit einem alkoholfreien Zuhause aus?


    Das Forenteam
    27. August 2021 um 21:40

    Ich habe meinen eigenen Notfollkoffer mit Dingen gepackt, die mir zusagen und funktionieren.
    Z.B. habe ich Atemtechniken vorher geübt, damit ich sie im Akutfall schnell und sicher anwenden kann.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Wie sieht es bei dir mit einem alkoholfreien Zuhause aus?

    Hallo Nayouk,

    tja, das ist aktuell ein Thema für mich, deswegen antworte ich gleich.

    Ich lebe mit einem Partner zusammen, mit dem ich glücklicherweise voll auf einer Linie liege, was Alkoholkonsum angeht. Er trinkt auch zu viel (Bier & Whisky), wenn er trinkt, und er ist immer sofort dabei, wenn ich anfrage, ob wir mal wieder aufhören sollen. Wir sind also aktuell beide seit vierzehn Tagen ohne Alkohol.

    Der Unterschied zwischen meinem Partner und mir: Er ist einen Tacken stärker als ich. Ihm macht es nichts aus, wenn Alkohol im Haus ist. Er trinkt trotzdem nicht, wenn er sich das so vorgenommen hat. Ich hingegen muss jedes Mal, wenn ich mal wieder versuche, abstinent zu werden, sämtlichen für mich gefährlichen Alkohol (Bier & Wein)entfernen. Fast ein Ritual, dass ich dann den (nicht allzu teuren) Wein in den Abfluss kippe.

    Nun hatte mein Partner im vergangenen Monat Geburtstag und von Freunden & Familie, die seine Vorliebe kennen, drei sehr teure und mit liebevollen Glückwünschen versehene Whiskyflaschen bekommen. Die stehen bei uns rum. Whisky triggert mich nicht stark, bei mir sind es, wie gesagt, Wein & Bier, aber dennoch macht es mir ein mulmiges Gefühl, dass diese drei Flaschen da stehen, und zwar für die Fälle, wenn ich mal eine Nacht nicht schlafen kann und um halb drei Uhr morgens daran denken sollte, wie einfach es wäre, sich mit dem Whisky schläfrig zu machen ...

    Ich kann doch von meinem Mann nicht verlangen, das teure Zeug wegzuschütten oder weiter zu verschenken, man hat das mit Bedacht für ihn ausgesucht. Ihr werdet sagen, doch, kannst du. Aber dennoch finde ich das schwierig.

    Viele Grüße

    Mattie

  • Vor vielen Jahren hatte ich solche Trinkpausen auch mit meiner Frau.
    Vorgeschlagen habe ich sie nie, mitgemacht sofort, weil sonst hätte ich ja ein Problem.
    Und irgendwann habe ich das Trinkpausenversprechen nicht mehr eingehalten und habe heimlich getrunken.

    Für mich hat die Absicherung meiner Abstinenz oberste Priorität, denn wenn ich damit scheitere kann es sein,
    dass ich aus der Suchtsprirale nicht mehr rausfinde und daran zu Grunde gehe.
    Aus der Verantwortung mir gegenüber habe ich Regeln eingefordert und das war nie ein Problem und für meine Frau selbstverständlich.

    Bei uns steht kein Alkohol rum.
    Meine Frau trinkt Zuhause nicht in meiner Gegenwart.

    Ich kann doch von meinem Mann nicht verlangen, das teure Zeug wegzuschütten oder weiter zu verschenken,

    Da mir meine Abstinenz wichtig ist, musste ich Unterstützung zur Risikominimierung einfordern.
    Bei Suchtdruck flüstert deine Suchtstimme bestimmt nicht, "Nee, den darfst du nicht nehmen, das ist ein Geschenk deines Partners".
    Nein, sie weiss ganz genau wo er steht und wird dir den Weg weisen.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo Mattie60 und herzlich willkommen,

    Die trinkpausen kenne ich auch, da hast du aber gewusst das es eine temporäre Geschichte ist das war zumindest für mich ein riesen unterschied. Das jetzt ist eine andere Sache, da wirst du "So" bald in Schwierigkeiten kommen. Ich hatte am Anfang auch noch 4 V Flaschen im Haus meine Frau wollte sie auch nicht wegwerfen und ich hab hier auch einen Eiertanz veranstaltet, hab es dann aber doch getan und sie hat es erst bemerkt als ich es ihr Tage später erzählt habe, sie hat sowieso fast nie Schnaps getrunken.

    Ihr könntet die Flaschen ja auch verkaufen oder er bringt sie irgendwo anders hin. Risikoloser ist es auf jedenfall ohne Stolperfallen in der Wohnung, ohne die Hinweise und Ratschläge der erfahrenen "alten Hasen " hier hätte ich mein Vorhaben Abstinent zu leben höchst wahrscheinlich (99,9%) mit alkfreiem Bier und Co. begonnen, hätte nichts entsorgt und wäre wieder über Los gezogen, wie beim Monopoly...

    Du musst auf jedenfall mit deinem Mann alles haarklein besprechen, es wird für ihn auch eine riesen Veränderung. Wenn meine Frau jetzt mal was trinkt ist das für mich in Ordnung, beim zweiten Glas hab ich aber schon keine Lust mehr auf Gespräche und alles darüber würde mich nerven. Der Geruch wird von mir auch stärker wahrgenommen und der ist halt nicht gut.

    Was ich mir, jetzt auch noch, gar nicht gebe sind trinkende Menschen, also wenn wir Besuch von der befreundeten Familie von nebenan an bekommen würden und sie wären in Feierlaune etc. hätte ich darauf keine lust, es wäre sinnlos. Auch besuche von Dorffesten oder Kneipen ist für mich kein Thema, das war es zum Glück in meiner nassen Zeit auch nicht, zumindest die letzten 10 Jahre nur sporadisch, abzählbar an einer Hand....

    Für mich ist es eine der besten Entscheidungen meines Lebens und das hat auch nur geklappt weil ich kapiert habe was diese geballte Faust in der Tasche bedeutet, das wirst du hier aber noch öfter hören.

    Gruß R/no

  • Danke für eure Antworten! Wir haben jetzt entschiedenen, wie von R/no vorgeschlagen, die Flaschen zu verkaufen und von dem Erlös edelst essen zu gehen, freilich ohne Weinbegleitung.

    Ich habe mich nun ein bisschen im Forum umgesehen und mitgelesen. Es ist sehr interessant, wie viele verschiedene Charaktere und Suchtgeschichten man hier findet. Ich freue mich auf Diskussionen mit allen, aber besonders schaue ich nach Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich: am Ende der Lebensarbeitszeit mit jahrzehntelangem abendlichen Weintrinken zum Runterkommen nach dem Job, ein gesellschaftlich anerkanntes Ritual, das schleichend aus dem Ruder gelaufen ist. Wo es also nicht mehr heißt: Ich WILL jetzt meinen Wein trinken, sondern: Ich MUSS jetzt meinen Wein haben. Ich staune immer wieder, wie weit verbreitet das abendliche Weintrinken ist. Es gibt praktisch keinen Fernsehfilm, in dem die Protagonisten am Abend nicht die Weinflasche öffnen, während sie auf der Kücheninsel Gemüse schnibbeln oder sich aufs Sofa lümmeln. Es ist so weit verbreitet, aber ich finde irgendwie selten diese Frauen, denen es wie mir geht. Ich war bislang in zwei realen SHG, eine davon eine reine Frauengruppe, aber auch da waren nur die Alkoholikerinnen, die irgendwann einmal ganz unten waren, sich selbst, Familie und Job komplett vernachlässigt haben.

    Ich lebe in einer stabilen Beziehung, habe zwei erwachsene Kinder und einen Job, der mir meistens Spaß macht und mich erfüllt. Ich habe diesen lebensgefährlichen Alkoholkonsum, aber ein Teil meines Verstandes meldet, macht doch nichts, ist doch sonst alles gut. So schlimm wie anderen wird es dir nie ergehen. Ein anderer Teil sagt, und wenn du so weitermachst, bist du schon bald tot, weil dein Körper die Mengen an Wein und Bier nicht mehr verkraften kann. Ich will nicht sterben, ich will in ein paar Jahren meine Enkelkinder noch genießen. Meine nicht hilfreichen Gedanken dazu: Aber würde ich wirklich sterben, wenn ich so weitermachen würde wie jetzt? Gibt es nicht genug Beispiele in meinem Umfeld von mopsfidelen alten Leutchen, die ihr Leben lang ihre Flasche Wein am Abend getrunken haben? Kernpunkt für mich also: Muss ich erst an meinem tiefsten Punkt sein, um eine Chance zu haben, dauerhaft abstinent zu bleiben? Kann ich es aus meiner (noch) recht komfortablen und gesellschaftlich (relativ) unauffälligen Situation heraus überhaupt schaffen, dauerhaft nüchtern zu bleiben?

    Danke euch fürs 'Zuhören'. Es tut gut, das einfach mal so auszuformulieren.

    Viele Grüße

    Mattie

    Einmal editiert, zuletzt von Mattie (2. September 2025 um 16:42)

  • Ich war bislang in zwei realen SHG, eine davon eine reine Frauengruppe, aber auch da waren nur die Alkoholikerinnen, die irgendwann einmal ganz unten waren, sich selbst, Familie und Job komplett vernachlässigt haben.

    Hallo Mattie60

    .....du schreibst hier "nur die Alkoholikerinnen......usw

    ??? Siehst Du dich denn als was "Anderes"......"Besseres".....

  • Hallo Mattie,


    herzlich willkommen von mir, weiblich und noch ohne Enkelkinder, aber auch der sechzig näher als der fünfzig, und dein Beitrag hat mich bewogen, dir zu schreiben.

    Ich hatte meinen Job auch (noch) nicht verloren.

    Was ich wirklich schrecklich fand und finde ist das Gefühl der Unfreiheit. Ich habe eben nicht einfach mal so ein Glas (oder eine Flasche) getrunken, sondern ich hab’s ohne nicht mehr ausgehalten, und das alleine ist für mich schon Grund genug, mein Suchtmittel nie mehr in mein Leben zu lassen.
    Das dann nach außen zu vertuschen und die damit einhergehende Scham und das kaum noch vorhandene Selbstwertgefühl .. das kam dann noch dazu.

    Es kommt ja nicht drauf an, wie‘s nach außen wirkt, dein (mein) Trinkverhalten, sondern wie es sich innen drin anfühlt. Mir ist klar, dass ich so nicht mehr leben will, und das zu meiner höchsten Priorität mache. Damit ist meine Chance, trocken zu bleiben, genauso groß wie die einer jeden, die es sich ebenfalls zur obersten Priorität gemacht hat.


    Ich wünsch dir weiterhin ein gutes Ankommen hier im Forum.

    Viele Grüße

    Thalia

  • Hallo, Sinnfinder,

    ich sehe mich nicht als die bessere Alkoholikerin. Ich hatte nur bislang praktisch keinen Kontakt zu Frauen, die auf die oben beschriebene Art in den Alkoholismus gerutscht sind und aufgehört haben zu trinken, während sie noch ein funktionierendes Umfeld hatten. Allerdings kenne ich massig Frauen, die viel zu viel Wein abends trinken, die aber immer leugnen würden, Alkoholikerinnen zu sein. Der Kontakt zu diesen Frauen hilft mir nicht weiter und ist keine Unterstützung für mich.

    Viele Grüße

    Mattie

  • Ganz schön viele Fragen, oder? Aber das kenne ich auch und es ist normal.
    Ich könnte dir jetzt all die Fragen aus meiner Sicht beantworten, aber es geht auch einfacher.
    Ich bin Alkoholiker und kann Alkohol nicht kontrollieren, nie wieder. Wenn ich es doch versuche, könnte es mein letzter sein.
    Das habe ich akzeptiert. Punkt.

    Das gefährliche an den Fragen ist, dass dein Suchthirn da ordentlich die Finger mit drin hat.
    Manipulationsversuche vom Feinsten. Z.B.

    Gibt es nicht genug Beispiele in meinem Umfeld von mopsfidelen alten Leutchen, die ihr Leben lang ihre Flasche Wein am Abend getrunken haben?

    Ist das so? Woher weisst du das? Und wenn es so wäre, es spielt für dich keine Rolle mehr. Alkohol ist keine Option.

    Die Gedanken des Suchthirns, wenn ich sie denn als solche erkannt habe, habe ich schnell abgewürgt. Keine Diskussion, dem Gedanken nicht folgen.
    Mit der Suchtstimme spreche ich: "Du schon wieder, verschwinde du nervst, geh in dein Eck und trockne weiter vor dich hin". Punkt. Fertig.

    Ich habe mit der Zeit gerlernt auch die nicht offensichtlichen Suchthirngedanken zu erkennen. Das sind nämlich die, die getarnt als meine eigenen mich erreichen.
    Die Attacken sind viel seltener geworden, aber wenn sie kommen sind sie noch perfider als schon gewesen..

    Kann ich es aus meiner (noch) recht komfortablen und gesellschaftlich (relativ) unauffälligen Situation heraus überhaupt schaffen, dauerhaft nüchtern zu bleiben?

    Warum nicht? Auf alle Fälle ist es machbar und das beweisen hier viele Langzeittrockene.
    Auch du kannst es erreichen, aber du musst schon etwas dafür tun, nur " nicht trinken" reicht nicht.
    Dafür bin ich in dieser SHG und hier habe ich gelernt, wie es gehen kann.

    Viele Grüsse
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich kann doch von meinem Mann nicht verlangen, das teure Zeug wegzuschütten oder weiter zu verschenken, man hat das mit Bedacht für ihn ausgesucht.

    Zunächst zählst Du, nicht Dein Partner. Es ist Dein Weg. Dein Partner hat seinen eigenen Weg.

    Weiterhin stell Dir mal die Frage, was Du mit dem Alkohol zu Hause machen möchtest. Sammeln, trinken,anschauen? Meine klare Meinung: Hau weg die Scheiße!

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Was ich wirklich schrecklich fand und finde ist das Gefühl der Unfreiheit. Ich habe eben nicht einfach mal so ein Glas (oder eine Flasche) getrunken, sondern ich hab’s ohne nicht mehr ausgehalten, und das alleine ist für mich schon Grund genug, mein Suchtmittel nie mehr in mein Leben zu lassen.
    Das dann nach außen zu vertuschen und die damit einhergehende Scham und das kaum noch vorhandene Selbstwertgefühl .. das kam dann noch dazu.

    Es kommt ja nicht drauf an, wie‘s nach außen wirkt, dein (mein) Trinkverhalten, sondern wie es sich innen drin anfühlt. Mir ist klar, dass ich so nicht mehr leben will, und das zu meiner höchsten Priorität mache. Damit ist meine Chance, trocken zu bleiben, genauso groß wie die einer jeden, die es sich ebenfalls zur obersten Priorität gemacht hat.


    Ja, diese Unfreiheit. Ich weiß genau, was du meinst. Es gab für mich keine einzelnen Tage ohne Alkohol. Entweder Trinkpause oder Weitertrinken, aber einfach so mal für einen Tag nichts trinken - das wäre mich nicht eingefallen. Zur Unfreiheit zähle ich auch diesen ständigen Beschaffungszwang: Obwohl noch Brot, Milch, Gemüse zu Hause sind, einkaufen müssen, weil der Alk zuneige geht. Und die Entsorgung der Flaschen! Wenn man es mal nicht rechtzeitig geschafft hat und der Besuch durch Zufall einen Blick auf die Flaschensammlung bekommt ...

    Du hast ganz recht: es geht darum, wie es sich innen anfühlt. Ich will nie wieder so leben.

    Zum Thema Trinkpause: Ich hatte ja oben geschrieben, dass ich öfter mal unterschiedlich lang pausiert habe. Die ersten Mal habe ich im Familienkreis noch verkündet, so, ich trinke jetzt keinen Alk mehr. Zuerst bisschen Bewunderung, bisschen Skepsis, und dann der Hohn und Spott, wenn ich bei der nächsten Familienfeier doch wieder das Glas Wein in der Hand hatte. Sehr unangenehm. Ich bin dann irgendwann dazu übergegangen, meine nüchternen Phase von Anfang an als "Trinkpausen" zu bezeichnen, damit die anderen keinen Grund zur Häme hatten. Dabei war es doch in den meisten Fällen meinerseits tatsächlich der Versuch, für immer aufzuhören. Hat nur nicht funktioniert. Obwohl ich nun erneut den festen Willen habe, abstinent zu bleiben, fühle ich mich durch diese Vorgeschichte irgendwie in der Schwebe. Ich trau mir selbst nicht über den Weg.

    Mich erstaunt, dass die meisten hier von dieser Anfangseuphorie sprechen. Ich war tatsächlich so dumm zu glauben, dass das nur mir so geht: dieses Hochgefühl zu Beginn der Nüchternzeit. Ich war irgendwie stolz darauf, dass mich das Aufhören so positiv stimmt, aber jetzt weiß ich, das ist offenbar eine absolut übliche Phase.

    Viele Grüße

    Mattie

  • Das gefährliche an den Fragen ist, dass dein Suchthirn da ordentlich die Finger mit drin hat.
    Manipulationsversuche vom Feinsten. Z.B.

    Ja, das sehe ich sofort ein. Deinen Beitrag lasse ich erst einmal sacken. Da steckt viel Nützliches fürmich drin. Danke.

    Ich hoffe, dass ich im Lauf der Zeit hier auch von den Langzeittrockenen lesen werde, die aufgehört haben, Alkohol zu trinken, ohne jemals an ihrem tiefsten Punkt gewesen zu sein. Mich würde interessieren, ob die Entscheidung vor allem aus rationalen Gründen getroffen wurde, wie auch immer diese Gründe aussehen könnten. Ich freue mich, mich weiter durch das Forum zu arbeiten. Die Beschäftigung mit dem Thema gibt mir gerade sehr viel Kraft.

    Viele Grüße

    Mattie

  • Zunächst zählst Du, nicht Dein Partner. Es ist Dein Weg. Dein Partner hat seinen eigenen Weg.

    Weiterhin stell Dir mal die Frage, was Du mit dem Alkohol zu Hause machen möchtest. Sammeln, trinken,anschauen? Meine klare Meinung: Hau weg die Scheiße!

    Klar, aber es gibt natürlich Berührungspunkte, die man diskutieren muss. Wir wollen beide auch für den anderen das Beste. Aber die Whiskyfrage hat sich ja schon geklärt: wird verkauft und von dem Erlös gibt es feines Restaurantessen für uns.

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