Loris - Feierabendtrinken ohne Rausch ist auch übel

  • Ich bin nicht dafür bekannt Männer zu loben, aber ich finde echt gut, dass er sich da bewegt.

    Das liegt sicher an deiner Entschlossenheit.
    Die Richtung ist gesetzt und wenn er dafür noch in der Anerkennung der Nachbarn baden darf, ist das doch echt gut.

    Bleib wachsam! Ein ‚ach das geht schon‘ kann ganz schnell kippen.

  • Bleib wachsam! Ein ‚ach das geht schon‘ kann ganz schnell kippen.

    Gut, dass Du das sagst, danke Dir! In der Tat neige ich sehr und vielleicht zu oft in ganz vielen Dingen und Situationen zu genau diesem Satz! Das hast Du echt gut festgestellt!

    Ich will versuchen in allen Abstinenzbelangen dieses Lebensmotto NICHT voranzustellen. Ich denke über Wein für meine Gäste nochmal nach...

  • Ich besorge meinen Gästen keine Alkoholika. Sie wissen, das wir nichts trinken und es bei uns keinen Alkohol gibt.
    Das wird auch so akzeptiert. Und wer das nicht aushält, kommt nicht oder bleibt nicht lange. Es ist nicht mein Problem, wenn andere ein Problem damit haben.
    Andererseits ist es meine Krankheit und ich muss auf mich achten.


    Einmal hatte mich die erwachsene Jugend gefragt, ob sie ihr Zeugs mitbringen können. Hatte ich kein Problem mit, wenn sie ihr Leergut wieder mitnehmen. Da war ich aber schon 1 Jahr gefestigt und es hielt sich alles in Grenzen, also kein maßloses Besäufnis…

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Ich bin nicht dafür bekannt Männer zu loben

    Na huch 😳

    Ich denke über Wein für meine Gäste nochmal nach...

    Ja, mach das bitte. Jeder, der nicht trinken „muss“ hat damit kein Problem. Und wie ich bei dir bereits lesen durfte, hast du sehr kreative und wohlklingende (wahrscheinlich auch wohlschmeckende) Alternativen in petto.

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Habe nachgedacht: um es dem Teil in mir, dem es total wichtig ist, dass Gäste bei mir sich schön versorgt fühlen, einfacher zu machen, mache ich es so: am Tag des Abendessens rufe ich meine Bekannte an , berichte, dass wir mittlerweile einen alkoholfreien Lebensstil eingeführt haben. Die Gründe werde ich in diesem Fall nicht nennen, da es ziemlich neue Bekannte in Frankreich sind. Ich werde aber anbieten, dass mein Mann für sie gerne etwas besorgen kann, wenn sie mir sagt was. (eigentlich weiß ich, dass es trockener Rotwein ist, aber man darf sich auch mal doof stellen)

    Aufgrund ihres Berufes, und wie ich die Bekannte einschätze, bin ich 95% sicher, dass sie ablehnt, und versichert, dass das gar nicht notwendig ist und er für sie nix extra kaufen braucht. Sogar 98%. Für die restlichen Prozent bleibt als Lösung mein Mann hat es leider zeitlich nicht geschafft. Damit fühle ich mich entspannter als beim Platz nehmen, jemand zu konfrontieren, der sich auf ein anderes Angebot gefreut hat. Noch wichtiger ist, das sind (noch) nicht Freunde, aber ein wichtiger Kontakt für uns, da es dort wenige Deutsche gibt, und die Sprachbarriere die Nachbarschaftskontakte für mich einschränkt. Da ist für mich noch nicht der Zeitpunkt für zuviel Offenheit, aber es braucht trotzdem eine Information im Vorfeld, damit das eingeschränkte Angebot nicht falsch interpretiert wird, z.B. dass wir ihnen gegenüber knauserig sind...bei unseren restlichen Freunden muss ich nicht so rumeiern, aber in dem Fall fühle ich mich sicherer so. Und dann sieht man eh, ob es zu einem erneuten Treffen kommt oder nicht.

  • am Tag des Abendessens rufe ich meine Bekannte an , berichte, dass wir mittlerweile einen alkoholfreien Lebensstil eingeführt haben

    So verhinderst du ganz nebenbei auch noch das obligatorische alkoholhaltige Mitbringsel bei solchen Anlässen…

    Ich habe schon von schlechteren Plänen gelesen 😉

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Danke Euch für Eure Bestätigungen!

    Heute Nachmittag ist mein Mann bis morgen Abend zu einem Klassentreffen gegangen. Beim Gassigehen im Wald merkte ich wie Gedanken ans Trinken aufkamen. Vor 1 1/2 Jahren wäre ich den ganzen Abend rauchend und trinkend auf der Terrasse gesessen und hätte die "Gelegenheit ausgenutzt" Aus den Gedanken wurde zum Glück kein Suchtdruck. Aber ich bin sehr schnell alarmiert wenn ich solche Gedanken registriere. Nach dem Gassi im Supermarkt schaute ich auch schnell weg, wenn Flaschen in meine Optik gerieten. So habe ich glatt den Apfeldirektsaft vergessen den ich für das Frühstück am Wiederaufbautag am Sonntag brauche. Kann passieren. Wenn ich merke, dass die Sucht schon mal die Hand ausstreckt um womöglich in mein Lenkrad zu fassen, beschäftige ich mich u.a. intensiver mit Essen. Das funktioniert bei mir vermutlich aus folgenden Gründen:

    1. denke ich über Kochen, Einkaufen, Essensplanung nach, bleibt weniger Hirnkapa für Suchtgedanken.
    2. oft habe ich mit einer Zigarette den Zeitpunkt zur nächsten Nahrungsaufnahme rausgezögert, oder mit dem ersten Bier vor dem Kochen, das Kochen gleich ganz überlüssig gemacht.

      Anders rum funktioniert dieser Mechanismus bei mir aber auch relativ gut. Das kann ich nutzen.

    3. meine allererste Sucht beginnend im Alter von 6, 7 Jahren war Süßigkeiten Naschen. Heimlich, mit Geld das ich meiner Mama aus dem Geldbeutel klaute. Exzessiv,immer wieder, mit schwerem Scham- und Schuldgefühl. Da hatte ich dann am Tisch natürlich keinen Hunger, vor allem auf die weniger attraktiven Gerichte. Deshalb kann es passieren, dass wenn ich einfach so aus Packungen snacke oder nasche, unvermittelt krasse Traurigkeitsgefühle auftauchen. Nicht zwangsläufig, aber die Gefahr besteht. Lakritze ist die Ausnahme, hab ich als Kind nicht gekannt/ gemocht.

      Essen planen, normale Lebensmittel selber verarbeiten kann ich glaub für mich getrost unter wie war der Ausdruck? Trockenheitsarbeit? einordnen. Arbeit allein schon deshalb, weil ich es überwiegend als mühevoll empfinde, selten als etwas das mir so richtig Spaß macht. Wobei das auch abhängig davon ist, wie sehr ich gestresst bin bzw. ich mir selber unnötig Stress mache, weil ich zuviel in den Tag packe.

      Auf jeden Fall hat es auch heute funktioniert. Der Abend ist rum, wieder ein Tag geschafft und morgen kommt eine liebe Freundin. Die vermisse ich in Frankreich immer sehr. Den Tisch fürs Teetrinkeen habe ich schon gedeckt. Ich bleibe beim Tee ohne Kuchen, letzter Fastentag ist morgen...(yeah!)

      Alk braucht kein Mensch. Es gibt soviel gutschmeckende Sachen, die man sich einverleiben kann, die einem gut tun anstatt schaden.

      Ich sag bloß Krautwickel. Die Fäden habe ich vorhin schon zugeschnitten. Gute Nacht liebes Forum und schlaft schön 🌠

  • Beim Gassigehen im Wald merkte ich wie Gedanken ans Trinken aufkamen. Vor 1 1/2 Jahren wäre ich den ganzen Abend rauchend und trinkend auf der Terrasse gesessen und hätte die "Gelegenheit ausgenutzt"

    Das war ein dezenter Gruß vom Suchtgedächtnis. Es ist noch da und wird niemals so ganz weg sein.


    In den ersten Jahren kamen mir Trinkgedanken, wenn ich in Situationen kam, die früher eng mit dem Trinken verbunden waren. Diese Verknüpfung musste erst gelöst werden. Hatte ich mich im Vorfeld darauf vorbereitet, blieb anschließend zumeist alles ruhig

  • Alk braucht kein Mensch. Es gibt soviel gutschmeckende Sachen, die man sich einverleiben kann, die einem gut tun anstatt schaden.

    Du hast den Alk ja auch nicht nur wegen dem Geschmack getrunken, oder? 😉

    Hinsichtlich gut schmeckender Getränke bin ich eher langweilig unterwegs , bei mir gibts nur Wasser und Kaffee und ab und an mal Tee.

    Essen planen, normale Lebensmittel selber verarbeiten

    Zu nassen Zeiten habe ich die aufwendigsten Gerichte zubereitet (wahrscheinlich, um das schlechte Gewissen zu beruhigen und nicht ganz so unnütz herumzustehen, wenn ich mich auf mein Level getrunken hatte). Jetzt darf es gerne schnell und gesund sein. Bei Letzterem bin ich gerade noch viel am Ausprobieren.

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Du hast den Alk ja auch nicht nur wegen dem Geschmack getrunken, oder? 😉

    Nee, da hast Du freilich recht. Wie alle AlkoholerInnen eben. Es wurde mit der Zeit die bequemste, und gefühlt beste, schnellste Belohnung. Ich muss erst wieder lernen, was Normales wie gut schmeckendes Essen als Belohnung zu empfinden und zu genießen. Das ist zumindest bei mir kein Selbstläufer. Meine Krautwickelproduktion geht jetzt in die zweite Runde: Füllen und zubinden. Morgen Abend heißts dann genießen...

    Und glaub mir, gern schnell und einfach...der Satz könnte von mir sein, und ich freue mich schon jetzt auf den Zeitpunkt, wo ich nicht mehr soooo intensiv gegensteuern muss, und alkoholfrei mein neues Normal wird. Dann wird man Loris nicht mehr viel in der Küche stehen sehen, und wenn doch, würde es mich wundern, obwohl man weiß ja nie, irgendwie auch nett diese Kochaktion, ähm ein bisschen😉

  • In den ersten Jahren kamen mir Trinkgedanken, wenn ich in Situationen kam, die früher eng mit dem Trinken verbunden waren. Diese Verknüpfung musste erst gelöst werden. Hatte ich mich im Vorfeld darauf vorbereitet, blieb anschließend zumeist alles ruhig

    Hallo Carl Friedrich, auch Dir noch schnell einen schönen Gruß geschickt und Deine Worte beruhigen mich echt. Dass es mit Vorbereitung im Vorfeld sgar meistens ruhig blieb, ist toll, ermutigend, und so hoffe ich es für mich auch! Hab einen schönen Sonntagabend, so jetzt muss ich aber los, die Küche ruft

  • ich freue mich schon jetzt auf den Zeitpunkt, wo ich nicht mehr soooo intensiv gegensteuern muss, und alkoholfrei mein neues Normal wird

    Spätestens wenn du dich nicht mehr auf diesen Zeitpunkt freust, wird es für dich normal sein.

    Bei mir ist es nach fast zwei Jahren mittlerweile so, dass ich im Alltag kaum noch an Alkohol denke. Es ploppt ab und an mal ein Gedanke daran auf, wenn ich in Situationen gerate, die früher intensiv mit Alkohol verknüpft waren. Aber da ich solche „intensiven“ Situationen grundsätzlich meide, wird auch das immer seltener.

    Dafür haben sich unzählige neue Dinge „eingeschlichen“, die überhaupt keinen Bezug zu Alkohol haben. Und genau das macht es immer einfacher.

    Das Gehirn ist (für mich) halt auch „nur“ eine biologische Maschine. Das Gehirn ist die Hardware und die Sucht eine bösartige Malware, mit der ich mich irgendwann einmal infiziert habe. Ich kann diese Malware zwar nicht löschen, aber immer und immer wieder überschreiben, sodass andere Programme in den Fokus rücken.

    Und je öfter ich diese anderen Programme starte, desto mehr werden sie zur Normalität.

    Für mich ist es allerdings sehr wichtig, diese „Maleware“ nicht zu vergessen. Denn wenn ich irgendwann nicht mehr an sie denke und (aus welchen Grund auch immer) neu starte, sind alle anderen „gutartigen“ Programme ganz schnell erneut überschrieben. Die Maleware infiziert einfach alles…

    (mal etwas bildlich für die Techniker unter uns 🙃)

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Yep, die Computer Analogie taugt für mich ebenfalls am besten. Beim Lesen im Forum bin ich unlängst auf eine Diskussion gestoßen, ob es sinnvoll ist, sich die " Suchtstimme" als etwas außerhalb meiner Person Existierendes vorzustellen (quasi ein externer Verführer) oder eben nicht. Für mich sind solche Diskussionen wertvoll weil:

    1. es eine gute Sache ist, zu begreifen, dass wir trotz vielem, was für alle AlkoholikerInnen übereinstimmt, doch auch verschieden sind
    2. es mich anregt, meine eigenen Gedanken dazu zu präzisieren.

    Im Ergebnis kam ich dabei am Sonntag ziemlich genau zu dem Bild, wie Du es beschrieben hast😁 ein zweites Bild benutze ich für mich gern, wenn es um den heiklen Moment geht, wenn dieses Programm in meine Wahrnehmung gerät, sich auf den Bildschirm schiebt durch Trigger bspw. die Zeitspanne, die bleibt, um zu verhindern, dass ich draufklicke. Da stelle ich mir gern mein Gehirn als autofahrende Person vor. Ich muss Verknüpfungen, Gefühle, Verlangen auf Abstand halten, umlenken, dagegenhalten. Timing ist hier bei mir alles. Wenn die Sucht erst mal am Steuer sitzt und Vollgas gibt, dann wird das Programm gestartet und alles war vergeblich.

    Gestern war obwohl kein eigentlicher Suchtdruck da war. Ein Sch....Tag. Bei der Arbeit schon ab dem Nachmittag extrem genervt und gereizt gewesen, dann auch den ganzen Abend. Obwohl für einen Montag das Ausmaß der Anforderungen und Fehlerbilder normal war. Möglich, dass das eine Auswirkung des Entzugs ist. Naja. Dann ist das eben so. Mal sehen, wie es heute läuft. Dir und allen Mitlesenden, wünsche ich einen guten, sonnigen Tag!

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