Guten Morgen ihr Lieben,
die Ringeltauben in den Bäumen vor den Fenstern haben mich mit ihrem „duhu, duhu,“ aus dem Schlaf geholt. Ich lag, halb träumend noch, eine Weile in den Kissen, sah dem Morgen zu, wie er sich silbern grau vor mein Fenster schob und ließ Gedanken kommen und gehen. Angenehme Kühle strömte durch die offene Balkontür herein und ließ mich nicht mehr länger in den Federn liegen, weil sie Energie mit sich zu führen scheint. Schreiben, Gedanken formulieren, schwarz auf weiß sehen, was in meinem Kopf und meinen Gefühlen passiert, damit ich es begreifen kann. Verstehen, was mit mir passiert.
Die Kontrolle geht mir seit Tagen nicht aus dem Kopf. Früher, als ich mit „meinem“ Alki lebte, bemühte ich mich, alles am Laufen und in der Waage zu halten. Je unberechenbarer er war, desto mehr bemühte ich mich. Pläne, Termine, Vereinbarungen, alles, was mir ein Gefühl der Beständigkeit, der Sicherheit zu vermitteln schien, versuchte ich zu installieren. Jetzt macht mir dieses Verhalten oft das Leben schwer und ich muss das Loslassen lernen. Nicht nur ihn in Liebe loszulassen, damit er sein Leben selbst regeln kann. Nein, ich muss es loslassen, dass ICH alles bewegen, beeinflussen, kontrollieren muss. Ich bin NICHT dafür verantwortlich, dass alles gut läuft und ich kann auch nicht ALLES beeinflussen und somit das, was um mich herum geschieht, unter Kontrolle haben.
Das macht Angst. Denn wenn ich nicht die Macherin bin, muss ich mich einlassen, mich verletzbar machen, mich ausliefern, Risiken eingehen. Oftmals beschleicht mich ein banges Gefühl und wenn ich es betrachte, sehe ich, dass es daher rührt, dass ich es schon lange nicht mehr gewohnt bin, darauf zu vertrauen, dass auch ohne mein Zutun Gutes für mich entstehen kann. Zwar begegnet mir in letzter Zeit ziemlich viel Schönes, doch das Empfinden, dass es zu schön ist, um wahr zu sein, ist noch sehr gegenwärtig. Misstrauen, Ängste und Verletzungen aus der Zeit, als ich mit „ihm“ zusammen lebte, haben tiefe Spuren hinterlassen, die nicht einfach weg sind, wenn „er“ nicht mehr da ist.
Normalität wollte ich immer leben, Beständigkeit, Vertrauen, Miteinander. Und genau das fällt mir jetzt so schwer, anzunehmen. Denn viel zu lange war genau das Gegenteil in meinem Leben und die Empfindung, dass ich mich nur auf mich selber verlassen kann, hat sich tief in mir manifestiert. Umlernen, neu erlernen, das sein lassen, das kommen lassen, das auf den Anderen vertrauen. Die Macherin-Kontrolle aufgeben und den Anderen machen lassen, in einem gesunden Verhältnis. Nicht MICH aufgeben, aber das Bedürfnis, alles selbst machen, beeinflussen zu wollen, zu müssen, um nicht verletzt zu werden.
Verrückt, welche Kreise dieser Sch..... Alkohol zieht, was er alles mit uns anstellt. Wie er unsere eigenen Unsicherheiten verstärkt, unser Leben und Erleben beeinflusst, auch wenn wir ihn gar nicht selber trinken.
LG
Ette