Rückfall, aber nicht ins Trinken

  • Guten Morgen ihr Lieben,

    die Ringeltauben in den Bäumen vor den Fenstern haben mich mit ihrem „duhu, duhu,“ aus dem Schlaf geholt. Ich lag, halb träumend noch, eine Weile in den Kissen, sah dem Morgen zu, wie er sich silbern grau vor mein Fenster schob und ließ Gedanken kommen und gehen. Angenehme Kühle strömte durch die offene Balkontür herein und ließ mich nicht mehr länger in den Federn liegen, weil sie Energie mit sich zu führen scheint. Schreiben, Gedanken formulieren, schwarz auf weiß sehen, was in meinem Kopf und meinen Gefühlen passiert, damit ich es begreifen kann. Verstehen, was mit mir passiert.

    Die Kontrolle geht mir seit Tagen nicht aus dem Kopf. Früher, als ich mit „meinem“ Alki lebte, bemühte ich mich, alles am Laufen und in der Waage zu halten. Je unberechenbarer er war, desto mehr bemühte ich mich. Pläne, Termine, Vereinbarungen, alles, was mir ein Gefühl der Beständigkeit, der Sicherheit zu vermitteln schien, versuchte ich zu installieren. Jetzt macht mir dieses Verhalten oft das Leben schwer und ich muss das Loslassen lernen. Nicht nur ihn in Liebe loszulassen, damit er sein Leben selbst regeln kann. Nein, ich muss es loslassen, dass ICH alles bewegen, beeinflussen, kontrollieren muss. Ich bin NICHT dafür verantwortlich, dass alles gut läuft und ich kann auch nicht ALLES beeinflussen und somit das, was um mich herum geschieht, unter Kontrolle haben.

    Das macht Angst. Denn wenn ich nicht die Macherin bin, muss ich mich einlassen, mich verletzbar machen, mich ausliefern, Risiken eingehen. Oftmals beschleicht mich ein banges Gefühl und wenn ich es betrachte, sehe ich, dass es daher rührt, dass ich es schon lange nicht mehr gewohnt bin, darauf zu vertrauen, dass auch ohne mein Zutun Gutes für mich entstehen kann. Zwar begegnet mir in letzter Zeit ziemlich viel Schönes, doch das Empfinden, dass es zu schön ist, um wahr zu sein, ist noch sehr gegenwärtig. Misstrauen, Ängste und Verletzungen aus der Zeit, als ich mit „ihm“ zusammen lebte, haben tiefe Spuren hinterlassen, die nicht einfach weg sind, wenn „er“ nicht mehr da ist.

    Normalität wollte ich immer leben, Beständigkeit, Vertrauen, Miteinander. Und genau das fällt mir jetzt so schwer, anzunehmen. Denn viel zu lange war genau das Gegenteil in meinem Leben und die Empfindung, dass ich mich nur auf mich selber verlassen kann, hat sich tief in mir manifestiert. Umlernen, neu erlernen, das sein lassen, das kommen lassen, das auf den Anderen vertrauen. Die Macherin-Kontrolle aufgeben und den Anderen machen lassen, in einem gesunden Verhältnis. Nicht MICH aufgeben, aber das Bedürfnis, alles selbst machen, beeinflussen zu wollen, zu müssen, um nicht verletzt zu werden.

    Verrückt, welche Kreise dieser Sch..... Alkohol zieht, was er alles mit uns anstellt. Wie er unsere eigenen Unsicherheiten verstärkt, unser Leben und Erleben beeinflusst, auch wenn wir ihn gar nicht selber trinken.

    LG

    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Liebe Ette,

    wenn Alks einen Schaden haben, haben Co auch einen Schaden, sonst wären wir ja keine Cos.
    Wären wir keine Cos, was wären wir dann, anders, nur Menschen mit Fehlern wie Cos und Alks?

    Wenn die einen lernen können, in sich, in vieles neu zu vertrauen, dann können wir das auch, einfach so, weil das alles in uns ist, wir sehen es nur nicht mehr. Plötzlich sind wir nicht krank vor Verletzung, nicht angreifbar, nicht geschützt, wir sind einfach.

    Wenn ich morgens den 7h Kaffee reinziehe, vor meinem Büro sitzend 10 Minuten den Kopf frei haben möchte, dann kann ein ICE vorbei knallen und mich fürchterlich stören oder die blöden Krähen können einen Krach zum Schießen machen oder beides kann ein angenehmer Teil des Ganzen sein.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Guten Morgen!

    Morgens, halbsechs in Deutschland, und kein kleines Frühstückchen, sondern Laufschuhe sind angesagt. Draußen ist es diesig und kühl, verschlafen nur klingt vereinzeltes Vogelgezwitscher aus den Bäumen.

    Vorbei an Bäumen, von denen der nächtliche Tau tropft, tragen mich meine Beine, die zuverlässig und gleichmäßig ausschreiten. Kraftvoll spüre ich die Muskeln unter der Haut, wenn ich die Hände zwischendurch locker auf die Schenkel lege, um mich an ihrem Spiel zu freuen.

    An einem Bach entlang, dessen Wasser geheimnisvoll dunkel zwischen Erlen und Weiden schimmert. Vorbei an Felder und Wiesen, aus denen perlmuttene Dunstschleier aufsteigen, die um die graugrünen Schöpfe der Kopfweiden wehen. Es riecht nach Heckenrosen und reifem Korn. Die ersten Felder sind bereits abgeerntet und auf lohfarbenen Stoppelteppichen liegen dicke Rollen Stroh.

    Holunderbeeren locken in tiefdunklem Violett und zwischen den Blättern der Ebereschen leuchtet es korallenrot. Spätsommerstimmung und ein erster Hauch von Vergehen liegt über der Natur. Vereinzelte Bäume haben bereits das satte Grün des Sommers gegen einen gelben Schimmer getauscht und erzählen davon, dass ihr Laub bald golden tanzend den Herbst begrüßen wird.

    Auf dem Weg erste Kastanien, die den Schnecken, die ihre nächtlichen Spaziergänge nicht schnell genug beendeten, stachelige Hindernisse in den Weg legen. Zügig schreite ich aus, nicht laufend, joggend, nein, wie es älteren Damen entspricht, walke ich. Doch fühle ich mich voller Energie und freue mich am reibungslosen Funktionieren meines Körpers. Lebendig einfach und eins mit der Welt und mir.

    Heute ist ein guter Tag und den wünsche ich euch auch allen.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo und guten Morgen,

    doch, ja, gut ist er, auch wenn der Regen draußen auf das Blech trommelt und ein kühler Wind durch die offene Balkontür hereinstreicht. Heute war der Genuss eben nicht eine frühe Morgenrunde ums Dorf, sondern das genüssliche Ausmachen des Weckers und mich zwei-, dreimal noch mal in die Bettdecke einzukuscheln. Zeit, die Gedanken schweifen zu lassen. Ich glaube, dass das A und O ist. Sich von den Mutwilligkeiten des Lebens nicht zum Opfer machen zu lassen, sondern mutig und willig das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen.

    So kann ich auch mit der Tatsache umgehen, dass ich regelmäßig schon morgens gegen halbvier das erste Mal wach werde. Wenn ich mich darüber ärgere, habe ich viel mehr Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen. Manchmal nehme ich ein Buch und lese ein paar Seiten, ein anderes Mal gehe ich kurz auf den Balkon und freue mich an der Nachtluft und der Stille. Und wenn ich ganz viel Glück habe, gibt es noch viel schönere Dinge, die dann passieren können und mich hinterher wieder einschlafen lassen wie ein zufriedenes Baby.

    Ich denke, dass unsere Gedanken und unser Wille, Situationen positiv zu bewerten ganz viel mit unserer Zufriedenheit zu tun haben. In Allem ist etwas, was uns zum Vorteil werden kann. Selbst der Tatbestand, dass ich mit einem alkoholabhängigen Mann zusammen war, hatte für mich im Nachhinein positive Auswirkungen. Ich hätte mich nie so entwickelt, wie ich es getan habe und es wäre mir manches und Mancher nicht begegnet.

    Alles hat demnach seinen Sinn.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Liebe ette.....


    es ist immer wieder schön, Deinen Worten zu lauschen.......das ist wie ein gutes Lied, das man sehr gerne hört, wie netter Abend, an den man gerne zurückdenkt........

    ....vor allem haben diese Worte immer wieder eins im Sinn...........das positive "Jetzt" :D

    Danke,...daran erquicke ich mich jeden Morgen aufs Neue.....

    Schicksal, nennt man das ette.....Schicksal.....und ja, es hat seinen Sinn!!!!

    ***seimalganzliebgedrückt***


    stoffel :wink: chen

    "Schmetterlinge fliegen hoch, aber auch die müssen ersteinmal laufen lernen"

  • Da habe ich doch heute morgen vergessen, etwas zu erwähnen...

    In der letzten Woche habe ich die Karten gefragt und sie erzählten vom Durcheinander vor der Ruhe. Heute nun zeigten sie mir, dass es Zeit sei, sich zu freuen, über etwas, das sich in der Ruhe zeigt, mir liebevoll begegnet. Ich lasse mich überraschen, wie es sich darstellt und halte die Hände offen.

    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo ihr Lieben,

    heute morgen als ich gelaufen bin, kam ich an etlichen Holunderbüschen vorbei. An manchen hängen die Beeren schon im tiefen, reifen Violett während andere, die wohl permanent im Schatten hängen, noch vollkommen grün sind. Diese Tatsache hat mich den Rest meines Weges beschäftigt.

    Im Moment lese ich ein Buch, in dem der Autor über die Liebe schreibt, über Erwartungen und Selbstfindung. Und über eine Geschichte, dass wir vor langer, langer Zeit einmal doppelt waren, oder ganz, auf jeden Fall männlich und weiblich. Diese Ganzheit haben wir durch den Neid der Götter verloren und sind nun unser Leben auf der Suche, unsere andere Hälfte zu finden, um wieder ganz zu werden.

    Mit Erschrecken stellte ich fest, dass ich mein Leben lang nicht reif genug gewesen bin, geduldig und in Sicherheit auf meine andere Hälfte zu warten. Hab immer versucht, meine früheren „anderen Hälften“ dazu zu bewegen, zu mir passend zu werden, aus Angst, alleine fliegen zu müssen. Und hab aus dieser Angst heraus versucht, den Anderen in einen Käfig zu sperren oder bin aus Angst, selbst in einen Käfig gesperrt zu werden, davongelaufen.

    All meine Stärke und Kraft erscheinen mir plötzlich als eine Farce, als reines so tun als ob. Und diese Tatsache lässt mich weinen wie ein kleines, verängstigtes Kind und alle Holunderbeeren sind wieder grün.

    Vielleicht habe ich die Karten gestern missverstanden und das Durcheinander ist noch nicht vorbei.

    LG von einer verwirrten
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Liebe Ette,
    das Durcheinander wird immer wieder mal kommen, da führt kein Weg dran vorbei ;) LG und einen schönen Sonntag!!!

  • Liebe Ette,

    was geht denn da? Vielleicht müssen wir mal zusammen laufen, ich mache zwar noch gewisse Erderschütterungen, aber das wird sich legen. Übrigens, das wollte ich schon die ganze Zeit sagen, als Du da von Laufen gesprochen hast, habe ich mir gleich die Dinger gekauft, also es sind nicht nur immer die verträumten, die strammen, die klaren, die verwirrenden und anleitenden Worte, manchmal auch Unbedachte, für viele Unbedeutende, jeder zieht was passendes für sich raus, meine neuen Schuhe passen und ich hatte einen geilen Sonntagmorgen am Fluss. Kein Mensch da, Hoppelmänner die auf dem Weg sitzen, eine abgelegte tote Maus, Sonnenaufgang, gewaltig, Düfte, Ruhe Natur und unserer Müllanlage duftet auch ganz schön weit. Zieh Dir mal den Schuh an, dass ich ohne Deine Anmerkung von einigen Tagen nicht in den Genuss gekommen wäre. Echter Genuss, übrigens, früher waren das giftige Dämpfe und vergorene Säfte, wie in dem Dreck der stinkenden Müllanlage.

    Wäre ich hier nicht gelandet, hätte ich jetzt vielleicht meine Jungs angerufen, ihnen was von schlecht oder müde oder sonstiges dummes Zeugs gefaselt, den Tag ausfallen lassen und mit meiner Frau ein Prickelfrühstück in Bett reingezogen. Kartenlegerin, ich mache mal drei Kreuze, warum macht die eigentlich?

    Dann gehen wir das mal mit dem Holunder durch: entweder wird was mit dem Blüten gemacht, die sind jetzt schon lange weg oder den Früchten, ohne Grünes dazwischen und wenn es Sommer bleibt, ist in 5-10 Tage Abräumzeit. Da sind dann auch Geschrumpelte im Topf, das sind die Besten, dicke fette Saftige, halbfertig gereifte, paar Grüne hüpfen immer mit rein. Und? Aufgekocht, schnell runter von der Platte, ausgepresst und Du hast eine wunderschöne Basis für alles Mögliche. Viel mehr Sorgen bereiten mir da die Brombeeren, die sind so mickrig wie noch nie, die werden nicht mehr, wachsen hier in Unmengen und sind unbrauchbar, also teuer zukaufen, das ärgert mich.

    Es kommt nicht drauf an was drin ist, nur wie wir es annehmen.
    Mal drüber schlafen, morgen ist alles wieder gut.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Kaltblut,

    bei mir war es heute morgen ein Eichhörnchen, womöglich das gleiche wie gestern, und jede Menge Schnecken, die mir über den Weg liefen.

    Morgenläufer, die drei Kreuze macht man, wenn etwas Schweres geschafft ist. Allerdings habe ich nichts über die Herkunft dieser Redensart gefunden. Ich habe auch drei Kreuze gemacht, denn ich habe heute auch etwas Schweres geschafft. Es war so schwer, dass ich mich zwischendurch ganz zittrig und ausgelaugt gefühlt habe. Angestrengt als hätte ich einen riesigen Berg erklommen.

    Du hast recht, auch mit ein paar grünen Holunderbeeren in all den reifen habe ich schon eine ganz gute Basis für alles Mögliche. Und ich muss gar nicht mehr darüber schlafen, es wird schon heute wieder gut. Benennen, aufschreiben, ansehen, annehmen, was sich da plötzlich in voller Wucht zeigt und jahrelang verborgen geblieben war. Ans Licht holen, damit es heil werden kann.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen ihr Lieben,

    ich danke euch fürs Mut zusprechen. Elle, ich weiß es ja, dass der Stamm und Äste in Ordnung und in der Lage sind, reife Beeren zu tragen. Und doch hat mich gestern etwas von den Beinen geholt, was geradezu mit brachialen Gewalt in mein Bewusstsein gekommen ist.

    Reine, nackte Angst nämlich machte sich breit, als ich feststellte, dass ich die ganze Zeit, mein ganzes Leben, etwas vermieden habe, indem ich immer die Macherin war. Ich habe die ganz Zeit etwas gelebt, von dem ich glaubte, es sei Liebe, die mich zu meinen Beziehungen brachte. Falsch, ganz falsch!

    Als letztes habe ich mit einem alkoholabhängigen Mann gelebt, ihn meiner Meinung nach geliebt. Und habe doch immer darauf gewartet, dass er sich dafür erkenntlich zeigt, dass ich all seine Eskapaden und seine Trinkerei ausgehalten habe. Wollte, als er trocken sein konnte, den Lohn für meine Mühen. Wollte sein „Danke“ hören, hab mir gewünscht zu hören, dass er ohne mich nicht trocken geworden wäre. Wollte für mein Bravsein, für mein Sorgen, für mein Retten den Gegenwert erhalten. Genau das Gegenteil war der Fall, er kann nur ohne mich trocken sein, sagt er mir heute und ich habe darunter gelitten wie eine Hündin, hab es als ungerecht empfunden, als ob all meine Mühe vergeblich gewesen wäre. Hab ihn „geliebt“, unter der Bedingung, dass er sich irgendwann dafür, dass ich so gut zu ihm war, revanchieren würde.

    Bei all diesen Anstrengungen habe ich übersehen, dass Liebe bedingungslos ist. Sie verlangt keinen Lohn, sie ist unentgeltlich. Sie kann mir keine Sicherheit geben, kein Netz und kein doppelter Boden bewahren mich mit ihr davor, auf mich ganz alleine zurückgeworfen zu sein. Dass eine große Nähe immer auch eine große eigenen Sicherheit voraussetzt, ist mir klar geworden. Denn nur dann kann ich Nähe, Liebe, bedingungslos zulassen und Vertrauen in mein „Okay-sein“ und in den Menschen, der mir begegnet. Und dass ich mir immer Menschen suchte, die zu solch einer Nähe gar nicht fähig waren, weil sie mir gefährlich hätten werden können. Mir mein eigenes Defizit, meine eigene Angst vor wirklicher Nähe hätten vor Augen geführt.

    Mein blinder Fleck war meine eigene Flucht vor wirklicher Nähe, denn sie setzt voraus, dass ich mir selber sicher bin, mich selber angenommen habe. Dabei dachte ich, auf diesem Weg schon ganz schön weit gekommen zu sein! Aber gestern hat sich das steilste Stück, das anstrengendste, gezeigt. Angst, nackte Angst, die genau zwei Möglichkeiten birgt. Vor ihr davon zu laufen, wieder in eine Beziehung ohne wirklich Nähe, in der ich aus Angst, verletzt zu werden, die Bedingungen, die Regeln aufstelle. Oder aber durch diese Angst hindurch zu gehen, sie auszuhalten, um dann etwas leben zu können, von dem ich weiß, dass es möglich ist, wenn ich mich nur traue.

    Gestern bin ich stundenlang durch die Gegend gelaufen und habe überlegt und überlegt. Um Ganz zu sein, muss ich die Angst loslassen, damit alles leichter wird. Und ich habe mich gefragt, warum ich all die Jahre daran festgehalten habe. Mich hinter Moral, gesellschaftlichen Regeln, hinter einem „ich komme alleine klar“, einem „ich erhalte mich selbst“, all meiner Kraft und Stärke versteckt habe. Und warum ich nicht endlich etwas ändern sollte, damit es leicht wird nach dem Schweren. Ja, warum eigentlich nicht?

    So, und jetzt geh ich ganz leicht in die neue Woche. Und wünsche allen, dass sie gut wird.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen,

    das ist ja ein Wochenanfang, fehlen mir die Worte. Also, vor einigen Monaten hätte ich noch unverständlich weiter geklickt, vielleicht noch an unverständlichen tiefsinnigen Ladiekrams gedacht, heute kann ich langsam folgen und das macht das Forum für mich so wertvoll. Danke.

    Klasse Ette, was da so alles in uns passiert und dann stellen wir fest: doch nicht alles nur der doofe Alk. Ich drücke Dir die Daumen, das wird eine gute Woche.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Ette,

    Zitat

    Reine, nackte Angst nämlich machte sich breit, als ich feststellte, dass ich die ganze Zeit, mein ganzes Leben, etwas vermieden habe, indem ich immer die Macherin war. Ich habe die ganz Zeit etwas gelebt, von dem ich glaubte, es sei Liebe, die mich zu meinen Beziehungen brachte. Falsch, ganz falsch!


    Liebe ist wirklich etwas Anderes! Aber ich hab auch lange Zeit so gedacht. Deine Worte sind so wahr!! Genauso war es bei mir auch. Meine eigene Angst habe ich nie wahrgenommen... jetzt, wo wir das erkannt haben, können wir handeln. Und diese Angst versuchen zu überwinden! Es lohnt sich mit Sicherheit... ;) für den Weg in ein glückliches Leben und evtl. auch irgendwann wieder in eine glückliche Beziehung, die aus wirklicher Liebe, Nähe und Vertrauen besteht!

  • Guten Morgen ihr Lieben,

    es beruhigt mich, dass ich mit meinen Empfindungen nicht alleine bin. Als ich gestern morgen ins Büro ging, nachdem ich meinen Text gepostet hatte, fühlte ich mich nicht so recht wohl. Hatte das Gefühl, zu weit aufgemacht, einen zu tiefen Blick in mich gewährt zu haben. Andererseits erscheint es mir für mich wichtig, bestimmte Dinge nicht nur mir gegenüber einzugestehen, denn dies birgt die Gefahr, es weiter zu verdrängen, zu verleugnen, sie wieder hinter dem blinden Fleck verschwinden zu lassen und somit aus dem Bewusstsein.

    Ganz bewusst nahm ich heute diesen furiosen Sonnenaufgang wahr, als ich meine Morgenrunde drehte. Wunderschöne, aprikosenfarbene Schleierwölkchen umspielten die dicke Apfelsinensonne, die sich über den Horizont schob und der ich entgegentrabte. Wie ein Sinnbild erschien sie mir für ein leuchtendes, helles Leben. In dem, genau wie am Himmel, auch manchmal dunkle Wolken aufziehen können, die jedoch auch wieder weiterziehen, sich auflösen oder mit sanftem Regen, der rinnt wie erlösende Tränen, die ausgetrocknete Erde tränken.

    Kalt war die Luft und ich musste mich ordentlich bewegen, um nicht fröstelnde Gänsehaut zu entwickeln. Denn sie sind schon herbstlich, die Morgenstunden. Zwischendurch hatte ich das Gefühl von Erderschütterung und mir fiel die Androhung des Kaltblütigen ein, mit mir laufen zu wollen, damit ich auf andere Gedanken komme. In der Bewegung bewegen sich nicht nur die Muskeln und Gliedmaßen, sondern auch die Gedanken, ging mir dabei auf. Früher hatte ich das Bedürfnis, zum Laufen Musik zu hören, um mir die Zeit zu verkürzen. Inzwischen genieße ich diese Zeit, um im Rhythmus meiner Schritte die Gedanken kommen und gehen zu lassen wie in einer Art Meditation.

    Gedanken, ja, sie sind es wohl, die uns immer wieder in einer Art Kopfkino die Realität anders wahrnehmen lassen als sie ist. Manchmal, wenn ich mit Menschen kommuniziert habe und sie schweigen, habe ich die Befürchtung, sie vielleicht verletzt oder mit meinen Äußerungen ihre Zuneigung verspielt zu haben. Dann muss ich mich disziplinieren, mir sagen, dass ich an die Geschichte mit dem Hammer denken solle, die Herrn Watzlawick schrieb. Dann kann ich mich wieder entspannt zurücklehnen und dem Anderen die Möglichkeit geben, in seiner Geschwindigkeit zu antworten. Ohne mich zu sorgen.

    Die Leichtigkeit des Seins - manchmal ist sie unerträglich schwer, weil sie so ungewohnt ist.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hi Ette,
    hab das Buch Anleitung zum Unglücklichsein nicht gelesen, aber viel davon gehört... soll ganz gut sein... Du hast dich meiner Meinung nach ganz und gar nicht zu viel geöffnet. Ich denke auch, dass dies notwendig ist, um überhaupt etwas ändern zu können!

    Ja, diese Leichtigkeit des Seins... man sollte das Leben wirklich viel viel öfter einfach nur genießen! Und den Kopf mal Kopf sein lassen ;)

  • Guten Morgen!

    Also wenn heute jemand in meiner Wohnung gewesen wäre als ich aufwachte, der hätte wahrscheinlich gesagt, die Ette spinnt. Noch nicht richtig wach und lacht schon! Im Aufwachen sind mir schon Gedanken durch den Kopf gegangen und ein Gespräch, in dem von Haushalt die Rede gewesen ist. Und da fielen mir die drei Hs ein und ich musste laut auflachen.

    Ansonsten quält es mich, nicht zu rauchen. Und dabei fiel mir auf, dass ich den Wein überhaupt nicht vermisse, den ich früher doch öfter mal getrunken habe. Selbst letztens, als ich mit einer Freundin gegessen habe, mit der ich IMMER Wein zum Essen getrunken habe, war Wasser für mich überhaupt keine Frage.

    Nur an diesem Von-den-Beinen-geholt-werden-Sonntag, da hatte ich ein unbändiges Verlangen, mich zu betrinken, damit ich dieses ängstliche, erschreckende Gefühl nicht mehr spüren müsse. In dem Moment konnte ich Alkoholiker sehr gut nachempfinden. Es hat mir aber auch die Erkenntnis gebracht, warum der Alkohol eine Weiterentwicklung der Persönlichkeit verhindert. Man geht nicht mehr durch Gefühle, deren Bewältigung auch Wachsen bedeutet. Nein, die werden mit Alk vermieden und haben so gar keine Chance, einen Wachstumsprozess zu durchlaufen. Und das womögich über Jahre oder Jahrzehnte. Da kann, selbst ohne Alk nach einer Therapie, erst mal gar nicht alles wieder "normal" sein. Da sind zig Jahre Persönlichkeitsentwicklung nachzuholen.

    Ich werde es jedoch jetzt nicht vermeiden, mich in die Laufschuhe zu schnüren und mich auf meine Morgenrunde zu machen. Der Himmel sieht nicht aus, als ob es noch lange trocken bliebe. Und duschen möchte ich lieber hinterher, schön warm und mit Schaum. Kühlen Regen würde ich mir gern ersparen.

    Bis dann!
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Noch schnell vor dem Wochenende,

    an dem ich sicherlich keinen I-Net-Zugang haben werde, bzw. auch gar nicht die Lust darauf.

    Jedenfalls ist mir dieser Tage wieder mal ganz bewusst geworden, dass ich das schon alles richtig gemacht habe, was die letzte Zeit so passiert ist. Da begegnet mir ein Mr. Ein bisschen vielleicht der jetzt ein Dr. Allwissend auf dem hohen Ross ist und ich denk mir, mich tritt ein Pferd. Die gleiche Großkotzigkeit in knochentrocken? Mir wurscht, nicht mehr meine Baustelle.

    Ich habe auch festgestellt, dass es ein unheimlich beruhigendes Gefühl ist, wenn ich jemanden nicht erreiche, mir keine Kopf darum machen zu müssen, ob der jetzt vielleicht irgendwo abgefüllt in der Ecke liegt und sich an seiner eigenen K.... verschluckt oder nicht. Es gibt wirklich Leute, die schlafen einfach, weil sie viel zu tun gehabt haben und ich kann mich ganz beruhigt zurücklehnen und genauso ruhig einschlafen. Diese Wander- und Qualmnächte, in denen ich durchs Haus und vor die Tür gestreift bin, um zu gucken, ob er wieder zurück ist und sich irgendwo betrunken versteckt hat, gut, dass sie vorbei sind. Und die Alpträume, in denen er als Wasserleiche vor der Tür stand, weil er betrunken in einen Teich gefallen sein könnte, vorbei!

    Ruhig kann ein Tag um den anderen vergehen. Manche mit viel Arbeit, andere mit weniger. Mit kleinen Lebenszeichen, mit größeren und manche mit echtem Sonnenschein.

    Jetzt pack ich meine Tasche, damit ich meinen Zug nicht verpasse. Ich freue mich auf den Besuch, den ich dieses Wochenende vorhabe. Hab ihn schon lang nicht mehr gesehen.... meinen Filius.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hi Ette,

    na dann wünsch ich Dir ein ganz besonders schönes Wochenende :D

    Ja, es ist wirklich herrlich, wenn man sich keine unnützen Sorgen mehr machen muss. Keine Gespenster mehr sieht und keine Szenarien mehr im Kopf entstehen ala was wäre wenn ...

    LG
    Dia

    Mögen alle meine Fehler sich auf ihre Plätze begeben und möglichst wenig Lärm dabei machen.

    Überwältigend was geschehen kann,
    wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen
    ganz leicht berühren,
    am richtigen Ort
    und zur rechten Zeit!

  • hallo ette,

    wünsche dir auch noch ein schönes wochenende, auch wenn du das jetzt nicht mehr liest.

    hab grad mal deine gedanken verfolgt vom anfang dieser woche an, und mich in vielem wiedererkannt. ich mache auch grad so meine gedanken, welche art von beziehung ich überhaupt haben und ertragen will - und da kamen mit deine gedanken sehr entgegen. ich kann gut nachfühlen, dass man - warum auch immer - angst vor nähe hat und sich deshalb partner sucht, die keine richtige nähe zulassen. ganz schön erschreckend dieser gedanke, wenn man gleichzeitig sagt, dass man sich jemanden an seiner seite wünscht :?. sowas richtiges kann aus dieser kombination dann wohl nicht erwachsen. gut, das wir jetzt viiiieeeel zeit haben, uns über uns gedanken zu machen :wink:.

    was mir auch genauso geht: die unendliche erleichterung, sich keine sorgen mehr machen zu müssen. mir ging es genau wie dir, wenn zu einer zeit, wo er normalerweise hätte zuhause sein sollen, keiner ans telefon ging, hab ich am rad gedreht, mir immer vorgestellt, er sei umgekippt, habe sich den kopf angeschlagen und liege in seinem blut :(. furchtbar, wie lebendig solche bilder sein können :shock:. jetzt denke ich immer noch oft dran, wie es ihm wohl gehen mag, und studiere die todesanzeigen in der hiesigen zeitung, aber trotzdem: es ist nicht mehr so nah dran. immerhin. es ist wirklich der helle wahnsinn, wie wir uns haben beherrschen lassen von gefühlen der angst, der sorge, des ärgers, der enttäuschung - umso schöner, jetzt beschwingt durchs leben traben zu können :D.

    lieben gruß

    lavendel

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