Mein Weg und meine Probleme

  • Hallo mannberlin,

    danke für dein ausführliches Posting! Es tut immer wieder gut, auch von anderen (die in einer ähnlichen Situation sind wie ich), zu hören, dass sie meinen Gefühlszustand/Gedankengang nachvollziehen können, weil es ihnen genauso oder zumindest ähnlich erging. Man kommt sich dann in seinem täglichen Dasein nicht mehr so "aussergewöhnlich" (im wahrsten Sinne des Wortes) vor.

    Ein paar Worte zum Thema Sport: Vom Anfang meiner Säuferkarriere mit ungefähr 15 Jahren bis zum Alter von 23 1/2 Jahren habe ich rein gar keinen Sport gemacht. Im Sommer 2003 war es dann besonders schlimm: Ich trank ungefähr 10-12 halbe Bier pro Tag und lag den ganzen Tag im Bett, aß dazu unmengen Fleisch und Pizza und wurde immer fetter. In einem lichten Moment habe ich mich dann im September 2003 entschlossen, diesem Zustand ein Ende zu bereiten und begann (mit Unterstützung auch meiner Freundin) zu joggen. Am Anfang macht man da immer rasante Fortschritte (je schlechter man zu Beginn in Form ist, desto größer werden die Fortschritte), was sehr motivierend ist. Hinzu kam, das ich mit meiner näheren Verwandtschaft immer kleine Wettkämpfe durchführte, was mich auch zusätzlich motivierte und dazu brachte, dabeizubleiben.

    Der Sport war dann auch in den schlimmsten Phasen, gegen Ende meiner nassen Zeit, neben meiner Freundin, immer der einzige stabilisierende Faktor, den ich nie aufgab. Eine Zeit lang habe ich jeden Tag 10 Bier getrunken, mich am nächsten Tag bis zum späten Nachmittag ausgenüchtert und bin dann wieder 3 Stunden trainieren gegangen. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum ich zumindest körperlich nicht total absackte in den letzten Jahren.

    Aber auch (und gerade) jetzt ist mein Sport für mich der wichtigste Halt für mich ausserhalb der eigenen 4 Wände. Meine gute Physis gibt mir eine gewisse Selbstsicherheit und Zuversicht in die Zukunft, so nach dem Grundsatz: Wenn ich das geschafft habe, kriege ich die anderen Probleme wahrscheinlich auch auf die Reihe.

    Ohne Sport wäre mir die letzten 3 Monate hier permanent die Decke auf den Kopf geknallt. Ich möchte gar nicht daran denken...

    Hallo phonix,

    die Sache mit dem Notfallplan ist sehr interessant! Ich werde mir jetzt in den nächsten Tagen auch so etwas handfestes zulegen.

    Herzliche Grüße an euch beide!


    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo Blizzard,

    danke auch für Deine Auskünfte.
    Habe jetzt leider keine Zeit um ausführlich auf Deinen Beitrag einzugehen.
    Wie Du bei mir gelesen hast und auch den Hinweis von phonix, die Sache mit dem Notfallplan. ich persönlich finde es wichtig und er gibt mir Sicherheit.
    Hätte selber nie gedacht das ich soetwas brauche, aber gestern Abend trat der Fall ein. Kannst Du in meinem Post nachlesen.
    Also, schieb es nicht auf die lange Bank Dir so einen Plan aufzustellen.
    Wenn das "Ereignis" eintritt und Du hast nichts zur Hand könnte es zu spät sein.
    Ich habe im Nachhinein gesehen die Situation gestern gut gemeistert, zwar aufgeregt aber nicht hektisch. Sogar gut und fest geschlafen!

    Alles Gute
    Christian

  • Hallo zusammen,

    gestern abend hatte ich noch ein Gespräch mit meiner Freundin und da kam mir eine Erkenntnis zu Bewusstsein, die ich als einigermaßen wichtig einstufe. Ich habe nämlich den Grund herausgefunden (oder zumindest den ausschlaggebenden Grund), warum ich begann zu trinken.

    Ich war damals ja so 14, 15 Jahre alt. Ich ging wie jeder andere auch in die Schule, hatte dabei keine besonderen Probleme. Ich kam Nachmittags (im Schnitt so um ca. 14 Uhr) nach Hause, aß und....legte mich ins Bett. 1,2 manchmal sogar 3 Stunden schlief ich dann nachmittags.

    Ich hatte keine Hobbies. Keine Interessen. Die meisten meiner Freunde, die ich davor noch hatte, gingen nun auch auf eine höhere Schule und hatten jede Menge zu tun. Ich nicht. Die Schule forderte mich nicht über die Maßen. Ich spielte kein Instrument und betrieb keinen Sport. Ich interessierte mich auch sonst für nichts. Und genau das war es. Das war es!

    Nach meinen ersten Berührungen mit dem Alkohol habe ich Gefallen an dessen Wirkung gefunden - die Langeweile war weg. Von da an trank ich immer öfter nach der Schule schon Alkohol, weil dann die Langeweile mit einem Schlag weg war. Ich konnte z.B. alleine auf einer Parkbank sitzen (oder auch in meinem Zimmer oder sonstwo) und zufrieden für mich eine Dose Bier nach der anderen trinken. Es machte mir nichts aus. Was für andere langweilig gewesen wäre, war für mich völlig befriedigend.

    Nach und nach fand ich dann andere Kumpels, zumeist Klassenkameraden, denen es im Prinzip genauso ging - und das waren fortan meine Freunde. Wir gingen dann fast jeden Nachmittag direkt nach der Schule in die Kneipe. Es war kein Frustrinken, es war kein Party-Trinken - es war einfach Zeitvertreib.

    Auch die Situationen danach in meinem Leben, wo ich am meisten trank (und wo mir dadurch auffiel, das etwas nicht stimmen konnte) spielten sich meist dann ab, wenn ich mit mir nichts anzufangen wusste. Beispiel: Lange Zugfahrten. Zuerst reiste ich freizeitmäßig gerne durch die Gegend, später aus beruflichen Gründen. Ohne Bier langweilig und an den Nerven zehrend. Mit Alkohol ruhig und entspannend, seinen Gedanken genussvoll hinterherhängend.

    Unglaublich, das mir das erst jetzt so bewusst wird, wo ich es doch eigentlich immer wusste. Aber es wird mir erst jetzt bewusst.

    Ich denke, das ist ein guter Punkt wo ich ansetzen kann um Rückfälle zu vermeiden.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo Teleny,

    freut mich von dir zu hören! Wünsche dir ebenfalls viel Kraft für deinen Weg.

    Ich freue mich immer über neue Besucher in meinem Thread!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo zusammen,

    heute war ich wieder bei meiner Psychologin in der Suchtberatungsstelle. Neben der Therapievorbereitungsgruppe, die ich einmal pro Woche besuche habe ich momentan etwa jede 2. Woche ein Gespräch mit ihr. In den letzten Wochen ging es dabei um meinen Antrag/Sozialbericht auf ambulante Entwöhnungsbehandlung, wir reden aber auch ganz allgemein darüber, wie ich mich fühle und wie ich denn so vorankomme (um es mal so auszudrücken).

    Heut wurde mir dabei wieder etwas klar. Immer wenn es mir gut geht und wenn ich mich ein Stück weit sicherer auf meinem Weg fühle, fange ich noch im gleichen Atemzug alles zu relativieren (es geht mir gut, aber...ich fühle, das ich vorankomme, aber...ich fühle mich ein Stück weit wohler als am Beginn meiner Abstinenz, aber...). Mittlerweile fiel mir das schon gar nicht mehr so richtig auf, so sehr hat sich das ganze automatisiert.

    Weil bei mir auch depressive Episoden ein Thema waren und sind, erklärte meine Psychologin mir, dass dies eine typische Verhaltensweise von Depressionserkrankten ist: Man kann nicht zulassen, das es einem richtig gut geht, "man ist doch schließlich depressiv, man ist doch krank". Man traut dem "sich-wohl-fühlen" gar nicht mehr über dem Weg. Und da fiel bei mir der Groschen! Denn genau so geht es mir oft. Sobald ich mich zur Abwechslung mal richtig gut fühle, meldet sich sofort eine Stimme in mir, die zu mir spricht "oh, oh...lass dich nicht ablenken, du bist problembeladen, es geht dir nicht gut, wenns dir gut geht bist du rückfallgefährdet, wenn du dich wohl fühlst ist das allenfalls vorübergehend usw. usf.".

    Wenn man allerdings so denkt, tötet man systematisch alle guten Gefühle und allen schönen Gemütslagen, weil man sie sich quasi selbst verbietet und schlechtredet.

    Eine wichtige Erkenntnis für mich.

    Ich werde dem ab heute bewusst entgegensteuern.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo Blizzard,

    ich genieße es auch zunehmend, wenn es mir mal gelingt, auf die Frage "Wie geht es dir" zu sagen:

    "Miiir geht guut."

    Natürlich nur wenn es stimmt und nicht im Sinne einer Small-Talk-Antwort, sondern aus momentaner Überzeugung.

    Auf der anderen Seite finde ich aber :wink: , dass es dieses "Aber" eben auch meistens gibt. So ganz rein sind Gefühlslagen ja selten, sondern sie bestehen nun mal aus verschiedenen Zutaten, so wie ein Lebensmittel auch nie nur salzig oder nur bitter oder süß ist.

    Und da finde ich es auch schön und genauso wichtig, dieses "Aber" auch annehmen zu können und sich auch mit der Kehrseite der Medaille zu versöhnen und zufrieden damit leben zu lernen.

    Herzliche Grüße vom Micha

    Das Schönste kommt noch

  • Zitat von .Micha

    Und da finde ich es auch schön und genauso wichtig, dieses "Aber" auch annehmen zu können und sich auch mit der Kehrseite der Medaille zu versöhnen und zufrieden damit leben zu lernen.

    Herzliche Grüße vom Micha

    Hallo .Micha und herzlichen Dank für deinen Beitrag. Soweit ich das überblickt habe, der erste Beitrag eines Moderators in meinem Thread (Andy hat mir auch mal geschrieben, wo er allerdings noch kein Mod. war).

    Zum Thema: Das "aber" annehmen viel mir ja nicht schwer - das Problem war für mich bisher vielmehr: Ich habe das "aber" mit Vehemenz gesucht, das ganze hatte irgendwie schon fast zwanghaften Charakter. Irgendwie hatte ich bisher offensichtlich ein Problem damit, einfach mal "hinzunehmen", das es mir gut ging. Immer suchte ich ein Haar in der Suppe, auch wenn es objektiv nichts gab, was zu bemängeln wäre.

    Dadurch konnte ich nie Energie und Zuversicht in den Maßen freisetzen, wie ich das gerne getan hätte, denn immer fühlte ich mich ja unsicher, instabil und nicht wirklich, richtig gut.

    Ich habe in den eltzten Wochen viel gelernt, in mich selbst reinzuhören. Was sind da für Gefühle? Was will mir mein Unterbewusstsein damit sagen?

    Was ich noch nicht gelernt habe, sind die tatsächlichen, berechtigten miesen Gefühlslagen zu unterscheien von den miesen Gefühlslagen, die nur deswegen mies sind, weil ich nicht wahrhaben kann, das es mir auch mal gut geht. Hört sich jetzt vielleicht ein bisschen wirr an, aber der eine oder andere hier wird es vielleicht nachvollziehen können.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo Blizzard,
    ob Mod,oder nicht Mod,schreibe ich Dir trotz alledem,denn ich schreibe Dir ja,als Mensch,und ebenfalls Betroffener.

    Obwohl ich mich auf den Gebiet,depressiver Menschen,bzw erkrankter Depression,nicht so auskenne,denn Depressive Phasen,haben,oder hatten wir ja alle mal,verstehe ich Dich!

    Du stehst zwischen annehmen und zulassen,und annehmen,und ständig wieder zu hinterfragen,warum es Dir so gut geht,wie Du schon sagst,Du suchst nach dem Haar in der Suppe,weil Du den Frieden nicht traust.

    Eine sehr schwierige Situation wie ich finde!
    Inwieweit,daß eine,oder das andere,Dich vor einem Rückfall schützt,bzw schützen würde,weiß ich Dir auch nicht zu beantworten,aber wie gesagt,ich kann diesen Zwiespalt schon verstehen!

    Ich wünsche Dir,daß Du immer in der Lage für dich bist,daß eine vom anderen unterscheiden zu können!

    Gruß Andi

  • Hallo Andi,

    ja, du hast es ganz gut auf den Punkt gebracht. Genau diese Unterscheidungsfähigkeit ist für mich jetzt von Bedeutung.

    Einerseits Angst und Zweifel aufmerksam hinterfragen, andererseits aber auch Freude und Glücksgefühle gelassen und entspannt annehmen können. :)

    Damit ich nicht leichtsinnig werde, werde ich hier weiterhin jeden Tag lesen und regelmäßig etwas schreiben. Mittlerweile kann ich den Satz in Michas Signatur gut nachvollziehen "Ich schreibe an euch, aber für mich".

    Herzliche Grüße,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo zusammen,

    heute ist der 101. Tag in meinem neuen Lebensabschnitt :wink: . Gestern abend habe ich das hier mit Kopfhörern und lauter Musik gefeiert und mich gefreut über meine gute Stimmung, die durch die Musik noch gesteigert wurde. Ehe ich mich versah war es 3 Uhr morgens. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so lange wach war.

    Dementsprechend müde war ich heute tagsüber und wusste nichts so recht mit mir anzufangen. War dann eine Stunde im Wald laufen, damit ich heute früher in die Falle gehen kann.

    Natürlich habe ich mir auch die letzten Tage viele Gedanken gemacht - um mich, die Alkoholkrankheit, meine Trockenheitsarbeit.

    Momentan befinde ich mich ja in einem sehr geschützten Umfeld: Ich bin akutell nur für den Haushalt von mir und meiner Verlobten zuständig, gehe fast jeden Tag am Sportplatz trainieren und sitze sonst hauptsächlich vorm PC. Dies war eigentlich die ganzen letzten 100 Tage der Fall - eine Zeit in der ich mir über vieles klar werden konnte und in der es seelisch erkennbar vorwärts mit mir ging. Die befürchteten Depressionen und Ängste sind fast vollständig ausgeblieben.

    Jedoch weiß ich, dass das hier ja nicht ewig so weitergehen kann. Ich will und muss auch wieder aktiver werden - einen Job suchen oder einen Studienplatz für ein Masterstudium bekommen. Mich wieder beginnen für andere Dinge zu interessieren als nur für Sport (der mir ja leider nichts einbringt) und für diesen und jenen Freizeitvertreib.

    Davor habe ich noch ziemlichen Bammel. Es wird die erste Bewährungsprobe für mich werden, wenn ich jetzt irgendwann wieder anfangen muss, ernsthaft Bewerbungen zu schreiben. Vor allem für welche Jobs? Ich könnte ziemlich viel machen - aber was ist für mich halbwegs das Richtige? Ich möchte nicht wieder was anfangen, was sich nach ein paar Monaten als das Falsche herauskristalliesiet - vor allem nicht während meiner noch jungen Trockenheit.

    Naja, jetzt wird erstmal im Juli geheiratet und noch 2 Wochen Urlaub gemacht. Danach beginnt die ambulante Entwöhnungstherapie und dann werde ich mal weitersehen.

    Viele Grüße an euch alle!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • hallo blizzard

    dann gratulier ich dir mal zu den 101 tagen. sicher ist es notwendig sich gedanken über die zukunft zu machen, du machst es aber richtig indem du deine krankheit klar in deine überlegungen einbeziehst und nichts übers knie brichst. hier ist es manchmal besser noch ne weile nichts zu tun als das falsche und dann wieder von vorn anfangen zu müssen. vielleicht entdeckst du ja während der therapie möglichkeiten die dich weiter bringen.

    doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo Blizzard,

    hast du dir schon Gedanken über die Hochzeit unter dem Aspekt "Alkohol" gemacht? Das Eine wird doch für gewöhnlich gerne mit dem Anderen verbunden. Wie wirst du das handhaben?

    Auch Urlaub wurde bei vielen von uns zu einer Sauftour, wie wird das bei dir aussehen?


    Ich wünsch' dir heute einen schönen trockenen 102. Tag in deinem neuen Lebensabschnitt.


    Herzliche Grüße vom Micha

    Das Schönste kommt noch

  • Hallo Micha,

    ja, darüber habe ich mir schon Gedanken gemacht und gehe diese Sache freudvoll und locker entgegen - und zwar aus einem einfachen Grund:

    Unsere Hochzeit wird ein bisschen unothodox. Es gibt weder einen "Junggesellenabschied" noch ein eine Feier, sondern lediglich ein Abendessen im Kreise der engsten Verwandtschaft. Keiner von diesen Leuten (ausser mein Bruder :roll: ) hat ein Alkoholproblem.

    Ich heirate ja quasi am Beginn meines Urlaubs, also bereits vor Ort (Ostsee). Dann bleiben uns noch 2 schöne Wochen (meiner künftigen Frau, ihrer Freundin und meinem Trainingskameraden und mir), wo wir täglich trainieren gehen wollen. Dort wo wir da sind, machen wir jedes Jahr Urlaub und man kann sich dort sehr gut von Alkohol fernhalten. Mit Partys oder so is da nix, und wenn doch bin ich schon damals nicht hingegangen.

    Hier sehe ich also keine Gefahr für mich - zumal mein Entschluss ernsthaft und sehr fest ist.

    Schon mehr Sorgen bereitet mir da ein Fest, was von der Familie meiner künftigen Frau im Herbst in deren Heimatstadt ausgetragen wird. Da muss ich durch. Bin gerade dabei, mir einen Plan zurechtzulegen.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo Blizzard,

    deine Gefühlsschwankungen sind meiner Meinung nach ganz normal und haben glaube ich viel mit "Kopfkino" zu tun. Du wirst auf deinem Weg Methoden kennenlernen, damit umzugehen.
    Mir hat in dieser Phase oft ein Spaziergang durch den Wald geholfen, wo ich ganz bewußt hingeschaut und hingehört habe, was um mich herum passiert und ist. Freude durchs erLEBEN halt.
    Im Moment freue ich mich auf einen Kurs in einer asiatischen kampfsportart, weil bei diesen Sportarten Methoden der Entspannung unnd Selbstkontrolle im Vordergrund stehen.
    Viel Kraft für deinen weiteren Weg wünscht dir

    kommal

    unterwegs...

  • Hallo Leute,

    hallo kommal, vielen Dank für deine Rückmeldung. Tja, das allseits beliebte "Kopf-Kino"...gerade erlebe ich es wieder.

    Seit ich nicht mehr trinke, kommt es immer wieder dazu, das ich Ängste entwickle, das etwas schlimmes passieren könnte (v.a. meiner Verlobten oder auch mir): Krankheit, Unfall, Bombenanschlag...was weiß ich. Irgendwas, was mein ganzes Leben auf den Kopf stellt (oder beendet) und alles anders werden lässt, als man es sich momentan vorstellt.

    Irgendwie war das ja schon immer mein Problem - was ich jetzt durch die Reflektionen mit meiner Psychologin herausgearbeitet habe: Ich brauche immer Sicherheiten. Ich mag keine Ungewissheiten, keine Unplanbarkeiten usw. Nicht das man mich falsch versteht: Ich bin kein penibler Typ, der wegen jedem Staubkorn einen Putzlappen holt oder sonst irgendwie auffällig ist. Aber ich mache mir halt immer leicht Sorgen wegen diesem und jenem.

    Mit diesen Ängsten muss ich mich jetzt in meiner Trockenheitsarbeit auch intensiv auseinandersetzen. In meiner nassen Zeit spielte das ja keine Rolle. Ein paar Bier drauf=Ängste waren weg.

    Vielleicht habt ihr ja diesbezüglich auch ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Ich versuche halt einfach an das Gute zu glauben und meine Ängste mit Statistiken zu zerstreuen. Aber die Ungewissheit, das Restrisiko macht mich fertig.

    Ansonsten gehts mir ganz gut. Heute in einer Woche bin ich schon an der Ostsee - endlich mal raus aus der Stadt. :wink:

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo zusammen,

    heute gings mir wieder mal nicht so gut. Zumindest die erste Hälfte des Tages. Ich war wieder total lustlos und unmotiviert irgendetwas zu tun. Das sind so die Stunden wo einem nichts Freude macht und nichts locker sein lässt. Die Gedanken drehen sich dann bei mir im Kreise warum das so ist. Warum kann ich nicht einfach jetzt locker und energiegeladen den Tag genießen? Warum kann ich mich zu nichts aufraffen? Warum denke ich schon wieder die ganze Zeit an etwaige Probleme in der Zukunft?

    Ich stand da echt wieder ein paar Stunden ziemlich neben mir, völlig durch den Wind.

    Naja, gegen Abend hat es sich dann, wie bisher immer, wieder gebessert - und jetzt kann ich klaren Kopfes darüber nachdenken. Heute nachmittag hätte ich mich nichtmal dazu überwinden können, hier was reinzuschreiben, obwohl ich das doch eigentlich immer gerne tue.

    Ausserdem habe ich mich heute wieder dabei ertappt, wie meine Gedanken schon wieder im Kosmos herumschwirren (siehe frühere Einträge von mir), was bin ich? was mache ich hier? wozu leben? usw. Das löste gar keine besonders negativen Emotionen bei mir aus, keine Traurigkeit oder Verzweiflung - eher Lethargie.

    Nunja, morgen ist ein neuer Tag. Mal sehen, wie es wird.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo Andi,

    danke für die Nachfrage - momentan wieder besser. Ich kann das in der Früh noch nicht so wirklich einschätzen, was die nächsten Stunden auf mich zu kommt. Habe jetzt gleich um 11 Uhr einen Termin bei der Suchtberatungstelle und helfe danach kurz einem Freund beim Umzug.

    Irgendwie stehe ich jeden Tag in der Früh leicht verängstigt und unwohl auf, mit der Frage im Hinterkopf - wie wirds wohl heute werden? In welche Richtung drehen sich heute die Gedanken? Irgendwie ist das bei mir immer ungewiss. :? Kann sein das ich mich in der Früh gut fühle, am Nachmittag total beschi..en und am Abend wieder locker und gut. Kann auch umgekehrt sein. Und das alles, obwohl eh jeder Tag bei mir ziemlich ähnlich ist.

    Naja - ich melde mich später wieder.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo Blizzard,

    wahnsinn, oder ? Eigentlich sind viele Tage fast identisch, man selbst kann sie aber als so unterschiedlich empfinden, das einem kaum Gemeinsamkeiten auffallen. Ich finde das ziemlich erstaunlich und sehe es positiv, denn damit kann jeder Tag richtig gut werden.

    Ich habe mir mal die Frage gestellt, wer eigentlich die Verantwortung für meine Gedanken und Gefühle trägt. Die volle und ganze Verantwortung. Da hab ich richtig Schiss gekriegt, weil ich schon geahnt habe, das ich selbst das bin. Abermilliarden einzelner Gedanken hab ich ja schon gedacht in meinem Leben und dafür soll ich die Verantwortung übernehmen ? Geht das überhaupt ? Bricht man da nicht sofort zusammen ? Nein, tut man nicht, wie ich gerade feststelle. Mittlerweile bin ich richtig froh darum, dass ich es bin, der die Verantwortung für meine Gedanken und Gefühle trägt. Ich habe sehr wohl großen Einfluss darauf, wohin meine Gedanken sich wenden. Viele kleine Gedanken oder auch ein paar wenige intensive Gedanken führen zu Gefühlen. Und ja, damit bin ich auch für alle meine Gefühle verantwortlich. Wenn ich mich über etwas ärgere, dann habe ich - so finde ich zumindest - IMMER die Wahl, ob ich mich ärgern will oder nicht. Das ich "Ärger" als Gefühl empfinde, dafür bin ich verantwortlich. Nicht im Sinne von 'Ich hätte den Grund meines Ärgers umgehen müssen', sondern im Sinne von ich 'kann' mich darüber ärgern oder eben nicht. Ich habe die Wahl, es ist mein Gefühl und es sind meine Gedanken. Es liegt in meiner Verantwortung. Hört sich vielleicht ein wenig freakig an, aber so sehe ich es mittlerweile. Es ist für mich eine ungeschönte Wahrheit, also obs mir passt oder nicht, es ist nunmal so. Nichts und niemand in der Welt, außer mir selbst, ist verantwortlich dafür, dass ich ein gutes oder schlechtes Gefühl in mir trage. Zu Beginn war der Gedanke für mich sehr, sehr unbequem. Denn es ist sehr leicht, sich anders zu verhalten und andere für die eigenen Gefühle verantwortlich zu machen. Und es stimmt, ich kann so tun, als ob jemand anders für ein Gefühl von mir verantwortlich ist. Aber nur weil ich so tue, heißt es noch lange nicht, dass es auch so ist.

    Ich will damit nicht sagen, dass du selbst "schuld" bist, wenns dir schlecht geht. Es gibt keine Schuld wenn ich nicht weiß, wie ich mit allen Gedanken und Gefühlen, die ich habe umgehen kann. Vielleicht denkt man auch manchmal "Es soll mir doch gut gehen, warum gehts mir nicht gut, ist doch alles gut. Ich sollte mich mehr anstrengen, dass es mir gut geht..." - und dadurch beginnt man sich selbst Vorwürfe zu machen und unter Druck zu setzen, weil es einem nicht gut geht, was dazu führt, dass es einem nicht gut geht, was zu mehr Vorwürfen und Druck führt,.... :roll:

    Viel mehr will ich sagen, dass es möglich ist seine eigenen Gedanken liebevoll zu lenken. Das kann man lernen. Ich stehe selber noch recht am Anfang, sehe aber schon jetzt, dass für mich Meditation ein wichtiges Mittel ist, um mich selbst kennenzulernen. Meine eigenen Möglichkeiten, auch und gerade in Bezug auf meine Gedanken. Gedanken kommen und gehen, das ist völlig normal. Gefühle kommen und gehen, auch das ist völlig normal. Es geht mir auch nicht darum ein totaler Kontrollfreak zu sein und alles in meinem Kopf und Herz und Bauch zu kontrollieren, ganz im Gegenteil, sondern vor allem darum es zunächst mal überhaupt zu kennen und überhaupt zu wissen, wie ich damit liebevoll umgehen kann. Für mich war und ist da die Beschäftigung mit dem Buddhismus ganz entscheidend.

    Ich wünsch dir das es dir gut geht und vielleicht schaust du mal nach innen (da kann man seeeehr lange hinschauen und gerade mit geschlossenen Augen seeeehr viel sehen ;-)) anstatt in den großen Kosmos.

    Viele Grüße,

    Timster

  • Hallo Timster,

    Zitat von Timster

    Hallo Blizzard,


    Ich will damit nicht sagen, dass du selbst "schuld" bist, wenns dir schlecht geht. Es gibt keine Schuld wenn ich nicht weiß, wie ich mit allen Gedanken und Gefühlen, die ich habe umgehen kann. Vielleicht denkt man auch manchmal "Es soll mir doch gut gehen, warum gehts mir nicht gut, ist doch alles gut. Ich sollte mich mehr anstrengen, dass es mir gut geht..." - und dadurch beginnt man sich selbst Vorwürfe zu machen und unter Druck zu setzen, weil es einem nicht gut geht, was dazu führt, dass es einem nicht gut geht, was zu mehr Vorwürfen und Druck führt,.... :roll:

    wie wahr, wie wahr!

    Nichts könnte meine gestrige Situation besser wiedergeben (und nicht nur die von gestern :roll: )

    Heute war wieder so ein völlig anderer Tag. Das Gespräch mit meiner Sucht-Psychologin hat mir sehr geholfen, am Nachmittag half ich einem guten Freund und den Abend verbrachte ich entspannt - und bei all dem wurde ich von den Gedanken in "Ruhe gelassen", die mir gestern noch den Verstand zu rauben schienen.

    Es ist ein stetiges auf und ab, bei dem ich aber - wie ich hier im Thread ja schon öfters festgestellt habe - eine sehr positive Grundtendenz nach oben sehe, seit ich das Trinken beendet habe. Es wird, aber ich würde es hier nicht mit Heraklit ("Alles fließt") halten. Denn momentan kommt es mir wie sehr unruhiges Gewässer vor, durch das ich tagtäglich schwimme. Strudel, Stromschnellen - und dann wieder tiefes, stilles Wasser.

    Meine Psychologin fragte mich heute, wie bei mir solche Tief-phasen wie gestern zu Ende gehen. Ich sagte dann, das ich angestrengt nachdenke, und dann immer einen oder mehrere Gedanken finde, die mich aus meiner Lethargie und Verzweiflung wieder ein Stück herausreissen. Sie meinte dann, das das eine wichtige Ressource ist, die ich da habe - die Kraft zur Selbstbefreiung aus Stimmungslöchern. Das machte mir wieder Mut.

    Auch ich suche nach einer geistigen, spirituellen Grundlage für mein weiteres Leben. Ich glaube, ohne diese kann kein Mensch dauerhaft zufrieden sein. Auch die Menschen, die behaupten, das sie sowas gar nicht haben, haben Dinge an die sie glauben und die ihnen halt geben. Ich suche noch nach den Gedanken, den Ideen, Vorstellungen und Überzeugungen, die meinem Leben den notwendigen (Ge-)Halt geben können. Ich bin also ein "Suchender". :) Mal sehen, wann ich fündig werde.

    Ich wünsche dir auch weiterhin alles Gute und danke dir nochmals sehr herzlich für deinen ausführlichen und tiefgreifenden Beitrag.

    Viele Grüße

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!