Hallo miteinander,
Sabine :
Dank Dir für Deine Sorgen bezüglich meiner Partnerin. Ich hatte ja gar nicht erwähnt, wie sie eigentlich mit der Situation umgeht. Dazu sei nur kurz bemerkt, dass sie einer bevorstehenden Elternschaft deutlich kritischer gegenüberstand, als ich das tat. Insofern hat die Entwicklung ihr eine Entscheidung abgenommen, die sie im Falle einer Unterbrechung vielleicht später einmal bereuen hätte können. Vor diesem Hintergrund betrachtet geht es ihr sehr gut.
Blizzard :
Ich danke Dir für Dein Beileid und belasse die leicht sarkastische Nachbemerkung mit den Glückwünschen einmal unkommentiert. Vielmehr mag ich Dich noch einmal darauf hinweisen, dass wir keine endgültige Entscheidung getroffen hatten und mag auf die von Dir ins Feld gebrachte Verantwortung kurz eingehen:
Du hast natürlich völlig Recht, dass Verantwortungsbewusstsein per se im Laufe eines Alkoholikerdaseins sicher keine besondere Förderung genießen durfte. Der Prozess des Trockenwerdens beinhaltet damit auch, sich mit diesem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen. Ich für meinen Teil habe eben leider auch viel zu oft Verantwortung übernommen, die mich entweder fachlich, oder zeitlich völlig überfordert hat. Hier gilt es für mich, eben nicht nur die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme zu rekultivieren, sondern vor Allem auch, mir meiner Fähigkeiten und Leistungspotentiale bewusst zu werden und deren Grenzen zu erkennen. Dies bedeutet natürlich nicht, dass ich nicht bereit bin, mich weiter zu entwickeln und meinen Handlungsspielraum stetig zu vergrößern, aber eben doch, dass ich gerade als Alkoholiker ein Auge darauf halten sollte, mich nicht zu überfordern. Du selbst hast in Deinem Thread Deine Unsicherheit bezüglich Deines möglichen, neuen Wirkungsbereichs in München beschrieben. Ich persönlich finde das auch gut, denn ein paar Gedanken und Zweifel im Vorfeld sind immer besser, als sich blauäugig in ein Abenteuer zu stürzen, welchem man bei genauerer Analyse von Anfang an nicht gewachsen ist.
Verantwortung hat also auch etwas damit zu tun, sich mit sich selbst und den möglichen Konsequenzen eigener Entscheidungen ernsthaft auseinanderzusetzen und ich glaube, dass ich (wir!) das sehr gewissenhaft getan haben, ohne dass wir am Ende eine Entscheidung hätten fällen müssen.
Die Tatsache, dass ich mich angesichts der Entwicklung (die für viele Paare mit Kinderwunsch verständlicherweise sehr traurig ist) erleichtert fühle, ist nicht gleichbedeutend mit der Aussage, dass ich mich der Verantwortung Vaterschaft aufgrund einer Alkohol bedingten Schädigung meiner Sozialkompetenzen so mal eben auf die Schnelle entziehen wollte.
Ich hoffe, dass ich mit diesen Worten einen kleinen Beitrag dazu leisten konnte, nicht als das gefühlskalte Forumsmonster abgestempelt zu werden.
Soweit
Liebe Grüße
J.