Schritte für die nächsten Wochen

  • Hallo Plejaden,

    Zitat

    Vielleicht war es die Erwähnung der "Trias der (Un)Glückseligkeit", die mein Suchtmonster aktiviert haben: Spaß, Gesellschaft, Alkohol. Erschreckend, das dieses Muster immer noch fest sitzt. Andererseits, ich arbeite ja erst seit zwei Monaten daran...


    ... und Rom wurde ja auch nicht an einem Tage erbaut :wink: ! Es denke, es ist sicher auch eine Frage der Zeit, bis sich solche Trinkreize wieder abschwächen. Und es hat sicher auch etwas mit eventuell mangelnden Verhaltensalternativen zu tun. Bei mir würde als Reaktion auf eine solche Reizsituation sicher auch der Griff zum Glas an erster Stelle stehen! Danach käme allerdings erstmal lange gar nichts :?: . Also muß man wohl lernen, neue Verhaltensoptionen zu entwickeln. Solange diese aber nicht sitzen, hat man in solchen Situationen auch nichts verloren! Und überleg mal: Du hast nur etwas gelesen!

    Zitat

    Hast du dich denn schon bei ihm geoutet, oder steht dir das noch bevor *das nicht im Kopf hat*?


    Nun ja, ich habe schon erzählt, dass ich keinen Alkohol mehr trinke, dass ich mein Verhalten diesbezüglich immer kritischer einschätze, dass ich im Rahmen dieser Entscheidung auch den Weg einer klinischen Entgiftung gegangen bin, dass ich zur Suchtberatung gehe, etc ... allerdings: Das berühmte Wort Alkoholiker habe ich tatsächlich nicht verwendet. Ich glaube, dass hätte den Fokus meiner Berichte von meiner Abstinenzentscheidung weg zu einer Begriffsdefinition hin bewegt und damit hätte ich nicht die Information weitergegeben, die ich weitergeben wollte. So kann er über das Gesagte im Kern nachdenken und muß sich gedanklich nicht mit dem Begriff Alkoholismus herumschlagen (nur wegen solcher Aussagen 'Ach, Du übertreibst doch!'). Es wird sicher eine Umstellung in der Beziehung zueinander geben, aber wie das genau aussehen wird, dass wird sich frühestens im März nächsten Jahres zeigen. Ich denke jedenfalls, dass Du das schon richtig machst, wenn Du Deinem Bruder nacheiferst und nach Deinem Auszug eher sporadisch vorbeischaust. Das hat ja auch prinzipiell etwas mit 'auf den eigenen Beinen stehen' zu tun. Und das ist für die Eltern manchmal schwerer, als für die Kinder :wink: !

    Zitat

    Mein persönlicher Ground Zero. Sonst käme ich noch auf die Idee, ein Neues an Stelle des Alten zu bauen...


    Find ich gut! Man neigt als Mensch doch irgendwie dazu, die alten und schlechten Erinnerungen zu verdrängen, sie in die hinterste Ecke eines staubigen Speichers zu schieben. Dort fristen sie dann ihre letztlich doch für den neuen Weg so wertvolle Existenz fern jeglicher Beachtung. Wie soll man reflektieren und die frisch beschrittenen Pfade auf Fallen und Hintertürchen prüfen, wenn nicht mit einer wachen Erinnerung?

    In diesem Sinne.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Heute war's wieder laaaang... schon um 8 Uhr zur Uni, Vorlesung, danach eine Stunde gearbeitet, dann zwei Stunden gelesen und Abends nochmal zu einem Seminar... arghs.
    Zu Hause nochmal die Immobilienbörsen abgeklappert, festgestellt, dass die Wohnung weg ist wo die Hausverwaltung bis heute nicht ans Telefon gegangen ist. Da hatte wohl jemand telepathische Kräfte oder so...
    Naja, für zwei weitere Wohnungen habe ich die Nummern notiert. Meinem Freund hab ich nochmal den Kopf gewaschen, er wollte sich ja kümmern, hat er wieder nicht gemacht. Wie gut, dass ich inzwischen selbstständig suche. Morgen kaufe ich mir dann eine Zeitung, mal sehen ob da was Schönes drin steht. Ebenfalls morgen werde ich zum Arzt gehen, das mit meinem Fuß geht gar nicht...

    Eben ging es in einem anderen Thread ums Erinnern, in meinem vorherigen auch. Ich merke, wie die Erinnerungen verblassen, wie alles nur noch wie ein böser Traum erscheint. Deshalb will ich mich erinnern: Wie ich mindestens einmal pro Woche (gerne öfters) um 5 Uhr aus dem Bett gewankt bin, weil ich wegen Schwindelanfällen, Kopfschmerzen und Übelkeit nicht mehr schlafen konnte (war nie jemand, der seinen Rausch ausschlafen konnte). Wie ich dann entweder betete, dass ich es schaffe wieder hochzukommen, bevor ich zur Uni gehen musste, oder wie ich für den Rest des freien Tages auf der Couch lag und TV geguckt habe, mit unendlichen Schuldgefühlen, Schwindel, Kopfschmerz, Übelkeit. Wie ich mehrere Male in diesem Zustand zu meiner Therapie geeiert bin. Wie ich es einmal nicht geschafft habe zur Uni zu gehen.
    Ich habe mich damals schlecht gefühlt. Ich habe gejammert und war voller Selbstmitleid und habe geschworen, dass das jetzt das letzte Mal sein würde, dass ich meine Lektion gelernt hätte. Jede Woche aufs Neue. Und was war? Sobald ich nur ein Glas getrunken hatte, machte es *klick* und ich dachte "Toll, wie gut ich mich fühle! Heute gönne ich mir einen, morgen wird es mir zwar schlecht gehen, aber dann werde ich an den Spaß denken, den ich heute gehabt habe!"
    Nie habe ich an den Spaß gedacht. Und das Trinken an sich war schon der Horror, ich konnte nicht mehr genießen. Der "Spaß" war eine Lüge, und das wusste ich natürlich tief drinnen. Trotzdem habe ich mir immer neue Flaschen geholt, hab mir immer neu einschenken lassen. Hinterher, gegen Ende, war das roboterhaft, ohne nachzudenken, mit einer fürchterlichen Leere der Gedanken. Einfach nur Alk geholt, einfach nur weitersaufen. Spaß, anyone?

    Das sind meine Erinnerungen. Und es wird immer wieder so werden, sobald ich anfange zu trinken.

    Zitat von JoeDoe75

    Und es hat sicher auch etwas mit eventuell mangelnden Verhaltensalternativen zu tun. [...] Solange diese aber nicht sitzen, hat man in solchen Situationen auch nichts verloren! Und überleg mal: Du hast nur etwas gelesen!


    Ja, ich hab nur etwas gelesen. Das ist wirklich beunruhigend. Und ich weiß nicht, ob ich jemals wieder in solche Situationen will... Ich hab mich dem früher ein paar Mal ausgesetzt (als Übung gegen SozPhobie), und hab mich ohne Alk nie wohlgefühlt. Wieso sollte ich mir etwas antun, was ich eigentlich gar nicht will?

    Zitat von JoeDoe75

    Nun ja, ich habe schon erzählt, dass ich keinen Alkohol mehr trinke, dass ich mein Verhalten diesbezüglich immer kritischer einschätze, dass ich im Rahmen dieser Entscheidung auch den Weg einer klinischen Entgiftung gegangen bin, dass ich zur Suchtberatung gehe, etc ... allerdings: Das berühmte Wort Alkoholiker habe ich tatsächlich nicht verwendet.


    Ja, so wie du habe ich es auch zuerst versucht. Alles erklärt, ganz direkt gesagt "ich will nie wieder Alkohol trinken", was ich zu tun gedenke, was ich schon getan habe, aber nicht gleich das Wort "Alkoholiker" genannt, sonst hätten sie sich darauf fixiert. Das Resultat war, dass meine Eltern alle Hintertürchen ausprobiert haben, die man sich so vorstellen kann ("Beim Grillen ein Bierchen..." "Aber ein Kräuterlikör XY, das ist doch Medizin und kein Alk" "Aber an Papas Geburtstag, nur zum Anstoßen"), bis ich zugeben musste "Ich habe ein Alkoholproblem, und deshalb will ich keinen Alkohol mehr trinken." Und selbst jetzt verstehen sie es nicht, weil sie die "normale" Einstellung zum Alkoholismus haben (man muss sich zusammenreißen, dann gehts wieder, zu besonderen Anlässen ein Gläschen ist doch ok, richtige Alkoholiker leben unter Brücken...).
    Ich drück dir mal die Daumen, dass dein Vater das besser versteht und akzeptiert ;) .


    Zitat von JoeDoe75

    Wie soll man reflektieren und die frisch beschrittenen Pfade auf Fallen und Hintertürchen prüfen, wenn nicht mit einer wachen Erinnerung?


    Gar nicht. Meine Thera hat es mal so erklärt: Das alte Verhalten ist wie ein ausgetretener Pfad. Man kann lernen, einen neuen, besseren Pfad anzulegen, aber der alte Pfad wird immer da bleiben. Er wird mit der Zeit überwuchern und weniger tief werden. Aber dennoch ist er da. Und wenn man nicht aufpasst, wandelt man schneller wieder darauf, als einem lieb ist.

    Die Phase, in der zwei Pfade da sind, kann durchaus ambivalente Gefühle erzeugen. Ich hatte vor eineinhalb Jahren eine Phase von ca. zwei Monaten, wo ich mir irgendwie "aussuchen" konnte wie ich an Situationen herangehen wollte und wie ich sie empfinden würde: Sozphobisch-ängstlich oder selbstbewusster. Das war schon extrem seltsam. Zwischendurch hat dann die selbstbewusste Einstellung überwogen, bevor der Alk wieder alles zunichte gemacht hat... Jetzt bin ich wieder selbstbewusst 8) .

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    heute mal etwas kurz:

    Dank Dir für das Daumendrücken! Ich glaube eigentlich nicht, dass mir bei meinen Eltern versucht wird, etwas zu trinken unterzujubeln. Wenn man sich nur zwei mal im Jahr sieht, dann ist die Versuchung sicher etwas geringer, als wenn man sich jeden Tag über den Weg läuft :? . Von daher drück ich Dir natürlich im Gegenzug die Daumen bei der Wohnungssuche. Mach Deinem Freund mal was Feuer unter dem Hintern, soll doch auch seine Wohnung werden, oder?

    Soweit erstmal!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Gott, war das heute ein Mist. Unglaublich. Aber alles der Reihe nach. Ich war mit meinem Fuß beim Arzt. Dort wurde nichts verdächtiges festgestellt, außer ein leichte Senkfuß. Ich soll jetzt Einlagen bekommen, das soll nächste Woche gemacht werden. Da bin ich mal gespannt, ich hab schon die dollsten (Un)dinger über die Teile gehört...
    Naja, danach stürzte ich mich um 10 Uhr in das GDL-induzierte Verkehrschaos, kam aber gut durch. An der Uni zunächst schön gelesen, dann eine Stunde gearbeitet und anschließend noch ein Seminar bei den Physikern. Total interessant, auch wenn es zeitweilig etwas langatmig wurde, wegen Zwischenfragen von irgendwelchen Philosophen. Als ich dann zum Bus kam, dachte ich mein Schwein pfeift: Eine riesige Menschentraube drängte sich vor der Tür. Ich konnte noch einen Sitzplatz ergattern, aber es wollten sich soviele Leute reinquetschen, dass es fast nicht mehr passte :shock: . Willkommen liebe Bahnpendler, immer rein... Wie doof. Klar, sie können nix dafür, aber voll war's trotzdem.
    Naja, nach einer finnischen Quetsch-Dampfsauna endlich daheim angekommen, bin ich mit meinen Eltern einkaufen gefahren, habe endlich mal meine Datensicherungen umkopiert und gleich eine Neue gemacht und jetzt sitze ich hier und tippsele.

    Dann habe ich versucht, nochmal Erkenntnisse über den Anfang meiner Alkoholiker-Karriere zu gewinnen. Aber ich finde den Anfang nicht. Irgendwie bin ich von der strikten Anti-Alkoholikerin mutiert, und ich weiß nicht wie. Ich war gut gerüstet: Ich war mit der Schule auf zwei gut durchgeführten Drogenberatungen, habe mich auch wegen der SozPhobie eingehend mit dem Thema beschäftigt - und trotzdem hat's mich erwischt. Ich denke, das war aber auch mein Glück. Ich konnte einen Kater nie zelebrieren, so wie andere es tun (ich glaube, da geht es um das Motto "Je stärker der Kater, desto toller war der Abend"???). Für mich bedeutete ein Kater schon immer eine Niederlage. Zuviel gesoffen. Selbstzerstörung betrieben.
    Was mir aufgefallen ist: Ich wurde zwar Alkoholtoleranter, gleichzeitig aber habe ich auch von immer weniger Alk einen Kater/Entzugserscheinungen bekommen. Am Ende war da dieses Fass ohne Boden, ich konnte kippen ohne Ende, aber gleichzeitig reichten schon drei Flaschen Bier, um zumindest milde Symptome am nächsten Morgen zu bekommen. Waren das vielleicht Wegweiser für eine körperliche Abhängigkeit?

    JoeDoe : Ich will dir gar nicht lang antworten, um dich nicht vom Arbeiten abzuhalten ;) . Schön, dass deine Eltern so drauf sind (hoffentlich?), das erleichtert das Verhältnis ungemein. Und ja, es soll auch seine Wohnung werden. Er hat nur keinen Bock auszuziehen - bei Mutti unterm Dach wohnt es sich doch toll *hier einen Kotz-Smily denken*.

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    tja, warum hast Du angefangen zu trinken? Was hat Dich dazu gebracht? Weg von der freiwilligen Enthaltsamkeit und hin zu einer immer stärker werdenden Gier? Das sind natürlich wichtige Fragen - so zumindest meine, bescheidene Meinung. Ich kann meine Motivation, mit dem Trinken anzufangen, schon ganz gut verstehen: Ich habe darin Gemeinsamkeiten mit Gleichaltrigen gefunden und 'Freunde' gewonnen, von denen ich zu der Zeit eigentlich wenige hatte. Die Drogenaufklärung kam dann bei mir in der Schule bereits zu spät: Das waren keine abschreckenden Aufklärungsheftchen, das waren viel mehr liebevoll gestaltete Werbebroschüren! Mit 16 Jahren nach meinem Berufswunsch gefragt, hätte ich sicher Junkie genannt. Glücklicherweise war ich aber zu feige, um meine Sachen zu packen und eines nachts in irgendeine Großstadt abzuhauen und diesen Karriereweg weiter zu beschreiten - nur der Alk ist halt geblieben :cry: . Horch ruhig ein wenig weiter in Dich. Ich denke, wenn man versteht, warum man etwas getan hat, dann hilft dieses Wissen, künftig diese Fehler nicht zu wiederholen. (Mein Gott, was für eine platte Weisheit *g*, aber bei aller Trivialität ist sie doch so wahr!).

    Zitat

    Waren das vielleicht Wegweiser für eine körperliche Abhängigkeit?


    Das kann Dir final sicher nur ein Arzt beantworten. Ich kann nur von mir berichten, und ich habe phasenweise auch wirklich 'gesoffen'! Dabei sind dann auch deutlich wahrnehmbare Entzugserscheinungen aufgetreten, nach einer Reduktion der Trinkmenge sind diese aber wieder rückstandsfrei verschwunden. Ich empfinde diese Fragestellung allerdings auch als ziemlich irrelevant, weil ich denke, dass die psychische Komponente die eigentlich Abhängigkeit ausmacht: Der körperliche Entzug ist nach einigen Tagen durchstanden, den Willen zur erfolgreichen Abstinenz erlangt man aber sicher nicht in so kurzer Zeit!

    Zitat

    ... bei Mutti unterm Dach wohnt es sich doch toll


    Hmmmm, und das in dem Alter :wink: . Nur mal so als Tipp (auch wenn ich damit sicher vielen meiner Geschlechtsgenossen derbe auf die Füsse trete *g*): Wenn ihr dann gemeinsam die Wohnung bezieht, dann achte darauf, dass er folgende Geräte kennlernt und deren Bedienung auch versteht: Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine und Staubsauger. Zeig Deinem Freund, wo Du den Müll in der Wohnung versteckst, und wie es Dir gelingt, eine volle Tüte fachgerecht an einem Ort zu deponieren, an dem diese im 14-Tage-Takt wie von Geisterhand verschwindet. Erkläre ihm ruhig den Sinn und die Funktionsweise eines Spülschwammes! Du hast maximal 3 Monate für diese Einweisungen - Danach wird er es nicht mehr lernen. NIE MEHR!

    So, und jetzt hab ich mich bei der halben Forengemeinde unbeliebt gemacht *duckundweg*.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo,

    heute war ein geruhsamer Tag. Ich bin recht früh zur Uni, hab drei Stunden in der Bibliothek gelesen, hab einen Termin mit einem Prof ausgemacht, danach ging es zügig zurück nach Hause. Der Bus war auf beiden Fahrten zum Glück nicht so voll wie gestern...
    Hier habe ich dann versehentlich meinen Freund aus dem Bett geklingelt, nach dem Mittagessen ging es probeweise zum Joggen. Keine gute Idee, jetzt tun meine Füße mehr weh als je zuvor. Andererseits, hätte ich es nicht gemacht, hätte ich jetzt ein schlechtes Gewissen und ich muss Sport machen, weil ich sonst wieder Probs mit meinen Schultern kriege (und dazu gleich mit den Armen). Gut, versuche ich es wohl bis zum Arzttermin am Donnerstag lieber mit Fahrradfahren...

    Zitat von JoeDoe75

    tja, warum hast Du angefangen zu trinken? Was hat Dich dazu gebracht? Weg von der freiwilligen Enthaltsamkeit und hin zu einer immer stärker werdenden Gier? (...) Ich denke, wenn man versteht, warum man etwas getan hat, dann hilft dieses Wissen, künftig diese Fehler nicht zu wiederholen. (Mein Gott, was für eine platte Weisheit *g*, aber bei aller Trivialität ist sie doch so wahr!).


    Mh darüber muss ich wirklich noch nachgrübeln. Das erschließt sich nicht ganz. Aber die Antwort darauf wird eines Tages einfach auftauchen - in letzter Zeit sind so viele Antworten aufgetaucht. Ich kann den Pfad nur soweit verfolgen:
    1. Ich wollte keinen Alkohol trinken, weil er mir nicht schmeckte und er nicht in mein Lebensbild passte. Im Gegenteil, ich wusste, dass er gefährlich ist.
    2. Der gesellschaftliche Druck von ALLEN Seiten stieg immer mehr. Da ich starke Minderwertigkeitsgefühle hatte, trank ich immer öfter mit, damit ich in Ruhe gelassen wurde. Ich verspürte die einschläfernde Wirkung des Alkohol und dass mir davon schwindelig wurde. Beides empfand ich als unangenehm.

    Hier verliert sich der Faden zum ersten Mal. Ich trank zwar mit, aber nippte bisweilen den ganzen Abend an einem Drink, weil ich es hasste Alkohol zu trinken und einfach in Ruhe gelassen werde wollte. Es war immer so ein pappsüßes Fruchtweinzeugs. Irgendwann habe ich dann angefangen Bier zu trinken. Ich weiß aber überhaupt nicht mehr wann und wieso. Das führte auf jeden Fall zu

    3. Es ging mir seelisch immer schlechter, ich war mit meinen Phobien dem Leben nicht gewachsen. Um Abends schlafen zu können, trank ich eine Flasche Bier.

    Dann wieder teilweiser Verlust des Fadens: Ich verlor immer mehr Freunde, weil ich aufgrund wachsender Depressionen und immer noch vorhandener Phobien die Freundschaften nicht mehr pflegen konnte. Meine Sozialkontakte begrenzten sich erst auf den Freundeskreis meines Freundes, dann schloss ich auch den immer mehr aus (naja... da waren aber auch Gestalten dabei... Junge Junge :roll: ). Irgendwann war ich allein. Das ging dann eine Zeitlang so weiter, bis ich irgendwann auf den Trichter kam (vor etwa eineinhalb Jahren!?), ich müsse mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Dies führte zum finalen Rettungsschuss:

    4. Ich begann mich zu meinen Eltern zu gesellen, trank dort immer mehr. Es wurde mir reichlich und viel angeboten. Ich begann mich regelmäßig abzuschießen. Zur Fussball-WM war dieses Verhalten schon voll ausgeprägt. Danach verlor ich zusehends die Kontrolle. Trank mehr und mehr. Der Rest ist Geschichte.

    Wie du siehst, ein paar schwarze Löcher. Aber die Antworten werden kommen, da bin ich mir sicher ;) .

    Zitat von JoeDoe75

    Ich empfinde diese Fragestellung allerdings auch als ziemlich irrelevant, ...


    Du wirst lachen, das ist mir heute morgen auch aufgefallen. Ich dachte mir "Äh ja, na und? Ist doch jetzt egal, was mal war. Solange ich nichts trinke, werde ich mir darum auch keine Gedanken machen müssen..."
    Wichtig ist nicht, in welcher Form ich abhängig war; wichtig ist nur, dass ich es war, und ich das Suchtmittel meiden muss.

    Zum letzten Punkt: Vor allen Dingen hast du dich umsonst unbeliebt gemacht, denn er kann das ganze Zeug schon bedienen ;) . Seine Mutter war das sehr... resolut. Nur das mit der Mülltrennung funktioniert nicht so richtig, aber er ist redlich bemüht. Ich habe ihm immerhin begebracht, nach Punkten Ausschau zu halten, auch wenn sie nicht grün sind, gehören sie in den gelben Sack. Und die grünen erst recht.

    Ich hatte heute noch einige interessante Gedanken zum Thema "Alk verstecken" in Petto, aber ich glaube darauf komme ich lieber morgen zu sprechen...

    LG
    Plejaden

  • Guten Abend zusammen,

    heute war ein gemütlicher Tag. Morgens in aller Frühe Brötchen geholt, dabei die frische Luft und die noch stillen Straßen genossen. Als meine Eltern dann zum Walken aufgebrochen bin, habe ich angefangen mein Fahrrad für morgen fertig zu machen - und habe voll versagt.
    Man muss dazu sagen, es steht seit Jahren eingemotten im Keller herum, zum Glück rumgedreht. Ich habe es gepeilt gekriegt, es aus seinem Grab aus Gerümpel zu befreien, musste dabei feststellen, dass mein Vater den Lenker beim "Einmotten" um 90° verdreht hat. Gut, ich voller Selbstbewusstsein, kein Prob. Reifen waren auch platt, das kann ich. Ja ja. Nach 15 Min. die entnervte Kapitulation: Ich fand die Feststellschraube für den Lenker nicht, die Reifen wurden trotz hingebungsvollem Pumpen nicht praller. Ich wollte das doch ohne meine Eltern schaffen :cry: ! Ich total stinkig wieder in meine Wohnung gestapft und meinem Freund davon berichtet. Und siehe da: Er entpuppte sich als Fahrrad-Ass. In fünf Minuten waren die Reifen aufgepumpt, der Lenker eingestellt und ich auf meiner ersten Proberunde unterwegs. Seeehr wackelig, sehr sehr wackelig, aber ging. Mein Vater war total baff als der das Ding reaktiviert in der Garage stehen sah, hat es noch einer gründlichen Nachprüfung unterzogen und für gut befunden. Tja, dann geht es morgen wohl los. Irgendwie hab ich Bammel. Ich konnte noch nie gut Fahrrad fahren...

    Zwotens, ich wollte etwas zum Thema "verstecken" schreiben. Auch ein Punkt, den ich auf Fragebögen mit "Nein" angekreuzt habe. Von wegen. Ich habe selten Alkohol gebunkert (wozu auch?), meistens waren es Rotweinflaschen, wenn ich sie alleine trinken wollte und nicht mit meinem Freund teilen wollte. Sehr regelmäßig habe ich die leeren Flaschen versteckt. Situation: Ich hab mir oben einen gesoffen und habe gehört, wie mein Freund nach Hause kam. Schwupps, Flasche versteckt. Wenns ging, noch den Rest runtergekippt, wenn es nicht mehr ging, die halbvolle Pulle irgendwo verstaut. Sobald mein Freund abgelenkt war (Klo, PC etc.) bin ich dann hingeschlichen und habe den Rest vernichtet.
    Meine Gefühle dabei? Ein Gemisch aus Trotz und Angst. Trotz: Ich lasse mir nichts vorschreiben! Angst, weil unsere Beziehung damals schlecht war und er mich immer sehr unfair behandelt hat (oder eben nicht? war ich unfair in meinem besoffen Kopf), wenn er gemerkt hat, dass ich getrunken habe. Er sollte also nicht merken, dass ich getrunken habe.

    Das Fass des Selbstbetrugs öffnet sich immer weiter. Ob es ein Boden hat?

    LG
    Plejaden

  • Relativ kurz, sehr aktuell, gerade gelesen: Thema "Jemand trinkt in meiner Nähe Alkohol und das ist mir egal" Ich habe (für mich) zu verschiedenen Anlässen betont, dass ich das Gefühl habe, dass mich in solchen Situationen das Thema Alk trotzdem irgendwie umtreibt.

    Jetzt habe ich gerade eine Bestätigung lesen dürfen: In einem Computertomographen kann man dem Gehirn beim "Arbeiten" zusehen, und somit auch die Aktivierung des Suchtgedächtnisses sehen. Erschreckend (und von mir irgendwie erwartet): Das Suchtgedächtnis wird IMMER aktiviert, selbst wenn der Betroffene wahrheitsgemäß sagt "Das Getränk berührt mich nicht, ist mir egal". Uaah. Darüber muss ich erstmal schlafen...

    Quelle: "..und täglich grüßt das Suchtgedächtnis" - Vortrag von Dr. Arnulf Vosshagen, ltd. Psychologe der Fachklinik Kamillushaus, Essen

  • Guten Abend,

    so, habe über die Info von gestern geschlafen und das Script zuende gelesen. Sehr informativ, aber auch sehr erschreckend. Darin werden auf medizinischer Ebene alle Grundbausteine bestätigt, die hier im Forum vermittelt werden. Das Suchtgedächtnis bleibt aktiv, egal wie lange man trocken ist. Es wird immer aktiviert, wenn man in Kontakt mit Alk kommt. Sich unter alktrinkenden Menschen zu bewegen ist so, als würde man ständig an einem Wundschorf herumknibbeln - irgendwann geht die Wunde wieder auf. Das Perfide: Die Alkoholiker-Wunde verheilt nie, und so hat man sein ganzes Leben lang Zeit daran herum zu knibbeln.
    Da diese Dinge auf jeden Süchtigen zutreffen, will ich mir spätestens jetzt nicht mehr einbilden, etwas besonderes zu sein. Herrgott, ich merke noch nichtmal was davon, und mein Suchtmonster arbeitet trotzdem :evil: .

    Ansonsten war heute mein großer Tag: Zum ersten Mal seit Jahren fahrrad fahren - und es war fürchterlich. Wackelig saß ich auf dem Ding, und als ich das erste Mal bergab fuhr habe ich recht sparsam geguckt. Ich zog die Bremse durch und wenig passierte :shock: . Zum Glück ward es beim zweiten Versuch besser, anscheinend war Staub auf den Felgen gewesen...
    Naja, danach habe ich mich abgestrampelt, nach wenigen Metern schmerzten meine Oberschenkel, nach einigen hundert wurde mir schlecht. Tapfer habe ich mein Pensum durchgezogen, auf der Rückfahrt (ging überwiegend bergab) war es sogar richtig schön. Leider fingen da aber fiese Rückenschmerzen an, die Sitzposition auf dem Rad ist eher sportlich. Vor 10 Jahren war das noch ok für mich gewesen, aber jetzt...
    Fazit: Morgen gehe ich zum Fahrradhändler und lasse mir einen neuen Vorbau samt Lenker installieren. Ist billiger als ein neues Fahrrad zu kaufen...
    Heute habe ich dann noch das gute Wetter genutzt und ein bisschen am Radl rumgewienert, leider bin ich von hartnäckigem Schodder im weiten Umkreis der Kette in meinem Elan gebremst worden. Mal sehen ob der Rad-Fachmann morgen nen Tipp parat hat.

    Ansonsten war der Chat heute sehr informativ. Für mich habe ich mitgenommen: Hilfe annehmen, Hilfe steht mir zu. Wenn mir Hilfe nicht sofort einleuchtet oder passt, erstmal drüber nachdenken und dann, wenn ich ein gutes Gefühl dabei habe, annehmen und umsetzen.

    LG
    Plejaden

  • Zitat

    Das Suchtgedächtnis bleibt aktiv, egal wie lange man trocken ist. Es wird immer aktiviert, wenn man in Kontakt mit Alk kommt. Sich unter alktrinkenden Menschen zu bewegen ist so, als würde man ständig an einem Wundschorf herumknibbeln - irgendwann geht die Wunde wieder auf. Das Perfide: Die Alkoholiker-Wunde verheilt nie, und so hat man sein ganzes Leben lang Zeit daran herum zu knibbeln.


    Hallo Plejaden,

    das mit dem Suchtgedächtnis ist ganz offensichtlich so fakt. Das ist eine ganz wichtige Grunderkenntnis für's Lernen, trocken zu leben. So weiß man, dass es nicht darum gehen kann, anzustreben gesund im Sinne von "kein Alkoholiker" zu werden, sondern mit seiner Krankheit zufrieden leben zu lernen ohne trinken zu müssen.
    Das man das sogar medizintechnisch nachweisen kann wusste ich nicht, finde ich interessant.

    Dein Bild von der Wunde gefällt mir ganz gut.
    Wenn man nämlich klug ist, knibbelt man eben nicht am Schorf rum (sprich: begibt sich nicht ohne Not in Situationen, von denen man sich ausrechnen kann, dass dort das Suchtgedächtnis anspringt). Und dann heilt die Wunde mit der Zeit auch zu.

    Mit zunehmendem Selbstvertrauen in dein Leben ohne Alkhol, vertraust du auch der Rissfestigkeit deines Schorfes immer mehr, bis du dich wieder ganz normal damit zu bewegen traust und die Wunde irgendwann nicht mehr juckt und du von ganz alleine das Knibbeln seinlässt. Du musst der Wundheilung nur eine Chance geben indem du sehr konsequent bist und viel Geduld hast.

    Um in deinem Bild zu bleiben, wirst du vermutlich bei Wetterumschwung an der alten Verletzung immer mal ein leichtes Kribbeln spüren. Und das ist auch ganz gut, denn es erinnert dich daran was passiert, wenn du dich an der gleichen Stelle wieder verletzen würdest. Die Wunde würde jedes Mal etwas schlechter heilen.


    Ich wünsch' dir noch viel Spaß mit deinem aufgemöbelten Fahrrad. Wenn du am Ball bleibst, wirst du die gleichen Strecken bald ohne Beschwerden fahren können ...

    Hast du schon deinen neuen Lenker?


    Gruß .Micha

    Das Schönste kommt noch

  • Hallo zusammen,

    der Tag heute begann mit einem Faux-Pas. Ich bin aus irgendeinem Grund schon um 7 Uhr aus dem Bett gefallen und hab leider nach ein paar Minuten (in denen ich mein Frühstück vorbereitet habe) genau da weiter gemacht, wo ich gestern aufgehört habe: Morrowind zu daddeln. Ich wurde dabei innerlich immer unzufriedener und unzufriedener, stopfte mein Frühstück nebenher in mich rein, bis ich mir irgendwann sagte: Stopp, was machst du hier eigentlich? Hab dann sofort gespeichert und die Konsole ausgeschaltet.

    Trotzdem, ein gewisses Gefühl der Unzufriedenheit wurde ich den ganzen Tag nicht los. Anstatt die Zeit sinnvoll zu nutzen (gemütlich frühstücken, in den Tag hinein finden, vielleicht schon was für die Uni machen) habe ich meine Zeit mit Videospielen verschwendet, und das zu einer Tageszeit, wo's gar nicht geht. Einen lehrsamen Effekt hatte das Ganze aber: Die neuen Tagesabläufe, Angewohnheiten sind bei weitem noch nicht verinnerlicht. Ich neige immer noch dazu in die alten Gewohnheiten zurückzufallen, die mir nicht gut tun und meinen Tag durcheinanderbringen. Ich muss gut auf mich acht geben, damit sich Altes nicht seinen Weg zurück in mein Leben schleicht.

    Folgerichtig wurde durch das Gedaddel mein halber Tagesplan durcheinander geworfen: Ich hab es natürlich nicht mehr zum Fahrradhändler geschafft - das tut mir persönlich am meisten weh, weil ich mich eigentlich richtig darauf gefreut habe :cry: . Dann habe ich es durch Busausfälle/-verspätungen erst drei Stunden (!) später als geplant geschafft bei der Uni aufzuschlagen. Immerhin, ich hab dann ein umso strafferes Programm durchgezogen und den Rest noch auf die Reihe gekriegt (Einkaufen, ein Kilo Batterien entsorgen, lesen).

    Trotzdem beunruhigt es mich, was mich da heute morgen geritten hat. Ich dachte sogar "Mal eben nen halbes Stündchen MW zocken..." und konnte es kaum erwarten, das Obst fürs Müsli zuende geschnibbelt zu haben. Eine halbe Stunde Morrowind ist ein Witz, in der Zeit komme ich grad mal von Balmora nach Ald'ruhn! Klarer Anfall von Selbstbetrug, es war klar, dass ich dann noch das erledigen würde und auch noch dies, und da noch die Räuberhöhle ausräumen und hier Blümchen pflücken...
    Ich denke, ich habe einfach meine Achtsamkeit in der letzten Woche schleifen lassen, weil alles so gut lief. Also das Warnzeichen ernstnehmen, aufstehen, weitermachen.

    Micha : Deine Zeilen machen mir Mut, wenn auch keinen Übermut ;) . Ich hoffe auch, dass meine Wunde mit der Zeit gut verheilt und weniger empfindlich wird.
    Aus dem Fahrrad ist ja leider nix geworden... Das werde ich morgen erledigen. Der einzige Vorteil daran ist, dass ich morgen Nachmittag wesentlich mehr Zeit haben werde. Ein schwacher Trost.

    LG
    Plejaden

  • hallo plej!

    Zitat

    Trotzdem beunruhigt es mich, was mich da heute morgen geritten hat.

    antwort:

    Zitat

    Ich denke, ich habe einfach meine Achtsamkeit in der letzten Woche schleifen lassen, weil alles so gut lief.

    lösung:

    Zitat

    Also das Warnzeichen ernstnehmen, aufstehen, weitermachen.

    überleg dir vielleicht mal für dich ein guten morgen ritual einzuführen.

    ich z.b. schreib mir jeden morgen beim käffchen auf, was ich heute machen möchte. was weniger spaß macht aber mir auch freude bringt und beides mache ich dann auch. und dabei nicht zuviel aufschreiben. das was du auch schaffen könntest bzw. wichtig ist und dir gut tut. dabei stehe ich auch wenn ich es nicht müßte zu gleichen zeit auf. und irgendein gedanke aus den shgs nehme ich mit was bei mir hängen geblieben ist und verinnerliche es beim tun z.b. die letzten tage war für mich wichtig nicht alles schlecht zu machen und mich und andere ohne wertung zu begegnen. danach gehe ich gassi. du könnst ja laufen gehen oder guten morgen sport machen.

    gruß panther

    Kompromisse bedeuten ein Rückfall riskieren
    (vor dem trink - Rückfall geht ein Verhaltensrückfall vorraus)
    nicht Trinkende seid 04.03.07

  • Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Vierteljährigem :D !

    Zitat

    Die letzten fast drei Monate waren meine glücklichsten seit langem. Fast sicher die schönsten in meinem Leben.


    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg auf Deinem Weg!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo Plejaden,

    auch von mir einen herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Und ärgere Dich nicht zu sehr über den morgendlichen Daddel-Anfall, schließlich führt eine Abstinenz-Entscheidung nicht unmittelbar zur 180%-igen Perfektion.
    Sacht eine, die auch gerade eine Art Rückfall in alte Verhaltensweisen erlebt hat :wink:

    Liebe Grüße,
    Zeppeline

  • Hallo, und erstmal danke für die Glückwünsche :) . Ich bin richtig baff... Hoffe/glaube, dass ich noch viele Monate und dann Jahre folgen lassen werde.

    Heute war ein relativ ruhiger Tag. Morgens Uni (Bus hatte mal wieder über zehn Min. Verspätung - grmpfl), dort gearbeitet, danach nach Hause. Hab dann wieder seit Wochen einen grünen Tee getrunken, schön in aller Ruhe, und danach zum Fahrrad-Menschen. Dort angekommen habe ich ziemlich genau geschildert was ich wollte, der Mann war total nett und nicht bevormundend (Kennt ihr das? Ich hasse solche Verkäufer...). Letzten Endes habe ich genau so einen verkürzten Vorbau bekommen, wie ich ihn wollte, der sich auch gefahrlos höher ausziehen lässt, dazu einen schönen Multifunktionslenker und batteriebetriebene Lampen. Zu dem Schnodder an der Kette hat er mir den Tipp gegeben, das mit Entfetter zu behandeln, aber vorher um Gottes Willen die Kette abnehmen.
    Jetzt warte ich auf einen Rückruf, wenn alles montiert ist. Und ja, es ist billiger geworden als ein komplett neues Fahrrad!

    Danach habe ich noch zwei Stunden für die Uni gearbeitet, Morrowind gespielt (diesmal natürlich ohne schlechtes Gewissen) und dann mit meinem Freund einen auf Retro gemacht und Knight Rider geguckt ;) .

    panther : Das mit dem Morgenritual ist eine gute Idee, ich werde mir da mal was einfallen lassen, verschiedene Sachen ausprobieren und dann schauen womit ich mich wohlfühle. Das mit dem Sachen notieren für den Tag ist ein guter Gedanke! Dann bereite ich mich auch innerlich darauf vor, was alles so ansteht.
    Ich freu mich irgendwie schon total darauf, verschiedene Sachen zu testen ;)

    Dann sind mir heute noch ein paar Gedanken bezüglich der Kapitulation vor dem Alkohol gekommen. Am Anfang habe ich es ja auch versucht über den Willen zu regeln, zu kämpfen. Erst so nach und nach habe ich begriffen, wieviel zufriedener es macht, den Kampf aufzugeben und einzugestehen, dass der Alkohol stärker ist. Stößt natürlich im Umfeld auf einiges Befremden ("Du kannst doch nicht dein Leben lang vor Alk wegrennen!"), aber so ist es gut.
    Ich hatte ähnliche Gefühle mal in Bezug auf meine Vergangenheit; ich habe sie gleich wieder erkannt. Ich habe jahrelang mit einer tiefen, alles zerfressenden Verbitterung gelebt aufgrund von Dingen, die mir damals angetan wurden. Alle Welt sollte sehen, wie ich leide! Dass es mir schlecht geht deswegen! Ich lebte in totalem Groll, hatte Rachegedanken. Bis ich eines Tages über einen Artikel gestolpert bin, in dem es um ein "Verbitterungssyndrom" ging. Darin stand, letzten Endes könne man nur zufrieden weiter leben, wenn man die Vergangenheit endlich ruhen ließe. Zuerst wollte ich das nicht wahr haben. Ich hatte ein Recht zu leiden! Alle sollten es sehen. Ich war eine arme Sau, mir war übel mitgespielt worden! Aber irgendwann, als ich diesen neuen Gedanken zulassen konnte, war es wie eine Befreiung. Als sei eine zentnerschwere Kette, die an meinem Bein hing, abgesprengt worden. Was damals passiert ist, kann niemand wieder rückgängig machen, weder ich, noch die anderen. Es ist nicht zu ändern. Und deshalb ist es müßig sich weiter darum Gedanken zu machen.

    Genau so ging es mir auch, als ich vor dem Alkohol kapitulierte. Die Erleichterung war grenzenlos. Ein Kampf weniger zu kämpfen.

    LG
    Plejaden

  • Zitat

    Dann sind mir heute noch ein paar Gedanken bezüglich der Kapitulation vor dem Alkohol gekommen.

    deine gedanken diesbezüglich liebe plej finde ich sehr gut. du beschreibst ganz gut das IAS (IchArmeSau)-Syndrom. und die umkehrung davon. damit läßt sich auch in unserer alkoholsucht gut arbeiten und einsetzen.

    gruß panther

    Kompromisse bedeuten ein Rückfall riskieren
    (vor dem trink - Rückfall geht ein Verhaltensrückfall vorraus)
    nicht Trinkende seid 04.03.07

  • Hallo Plejaden,

    Zitat

    Am Anfang habe ich es ja auch versucht über den Willen zu regeln, zu kämpfen.


    Hmmm, also ich empfinde meinen Willen irgendwie nicht als Kampf. Für mich ergibt sich aus der Kapitulation vor dem Suchtmittel z.B. der (freie) Wille, nicht an gesellschaftlichen Verpflichtungen zu partizipieren, auch wenn es eigentlich von mir verlangt wird. Ich möchte vor dem in unseren Breiten weit verbreiteten Alkohol keine Angst haben und 'weglaufen', sondern lieber den notwendigen Respekt etablieren und aus diesem Gefühl heraus die freie Entscheidung treffen, dass ich mich eben nicht in der Nähe dieses 'Gegners' aufhalten möchte.

    Jetzt liegt dieser Meinung eventuell eine andere Auffassung des Wortes 'Wille' zugrunde, oder meine Gedanken dazu sind schlichtweg falsch oder gefährlich. Im letzteren Falle bitte ich natürlich alle länger zufrieden abstinent Lebenden, an dieser Stelle sofort auf mich einzuschlagen :wink: .

    Aber im Grunde genommen, liebe Plejaden, ist es wahrscheinlich gar nicht so wichtig, wie man die Motivation des eigenen Handelns in Worte kleidet, solange man im Kern das gleiche Ziel damit definiert :wink: . Und das klingt doch bei Dir sehr klar und konsequent heraus!

    In diesem Sinne: Weiter machen :D !

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Na toll, ich hab irgendwo drauf gedrückt und jetzt ist mein ganzer Text weg. Ist mir ja noch nie passiert... Et voilà, nochmal von vorn. Ich hab ja Zeit.

    Heute wars ein langer Tag. Um 8 Uhr bin ich schon zur Uni, dort habe ich zuerst (ganz wichtig) meine Prüfungsblöcke in Erfahrung gebracht. Jetzt kann ich meine Anmeldung zur Prüfung in den kommenden Tagen endlich abschließen und einen Haken an dieses Kapitel machen.
    Danach ging es zu einer Vorlesung und einem Seminar und zum Schluss des Tages zu einer Besprechung für ein wissenschaftliches Projekt, an dem ich mitarbeiten möchte. Das Projekt hört sich total interessant an und ich bereue es nicht mich dafür gemeldet zu haben. Jetzt wird mir erst richtig klar, dass ich damals mit meiner Entscheidung zu Studieren die richtige Wahl getroffen habe ;) .
    Anschließend bin ich grad eben erst nach Hause gekommen. Puh! Aber wie gesagt, da ich die Uni als meine alkfreie Zone sehe, und ich selbstbewusster bin, macht es mir nicht mehr soviel aus lange von daheim fort zu sein.

    JoeDoe : Ich definiere Wille in diesem Zusammenhang als Synonym für "Kampf". Ich stehe auf und kämpfe gegen den Alkohol an, lasse mich von ihm nicht unterkriegen. Ich gehe überall hin und kämpfe mich durch, egal ob ich mich gut dabei fühle oder nicht.
    Das war natürlich der falsche Weg. Seit der Kapitulation habe ich Respekt vor dem Alkohol und will ihm nicht mehr zu nahe kommen. Das mag man jetzt als "weglaufen" bezeichnen, mir ist es egal, es rettet mir das Leben. Denn der Alkohol ist ein übermächtiger Gegner, und er ist unendlich geduldig. Und von einem Gegner, den ich nicht besiegen kann, halte ich mich fern.

    Zitat

    Für mich ergibt sich aus der Kapitulation vor dem Suchtmittel z.B. der (freie) Wille, nicht an gesellschaftlichen Verpflichtungen zu partizipieren, auch wenn es eigentlich von mir verlangt wird.


    Mh, das würde ich bei mir eher unter gewachsenem Selbstvertrauen verbuchen. Früher habe ich alles getan, was von mir verlangt wird, um nicht aufzufallen und keinen Ärger zu kriegen. Inzwischen bin ich immer mehr bereit dafür Ärger zu riskieren ;) .

    Ich hatte früher massive Problem damit, eine Schwäche zuzugeben. Schwächen würden immer gnadenlos ausgenutzt. Inzwischen gehört das Zugeben von Schwächen und Unzulänglichkeiten zu einem liebevollem Umgang mit mir selbst! Dass ich Alkohol nicht kontrollieren kann und deshalb schwächer bin als er, das kann ich inzwischen akzeptieren. Und das ist auch gut so und fühlt sich auch gut an. Weil es nur die reine Wahrheit ist.

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    dank Dir für Deine Ausführungen zum Thema Willen und Kampf. Da scheint sich doch eine kleine semantische Divergenz beim Wort 'Wille' zu finden :wink: . Aber mit dieser Hintergrundinformation kann ich das nun auch besser verstehen.

    Mit Angst und dem Wort 'weglaufen' wollte ich Dich übrigens nicht als Angsthase bezeichnen (falls das so angekomen sein sollte :oops: ) - das bezog sich nur auf die Aussage: '... Du kannst doch nicht dein Leben lang vor Alk wegrennen!' aus Deinem Beitrag davor.

    Ich werde meine Gedanken zum Thema Willen und Kampf dann in meinem Thread ein wenig weiter führen. Lade Dich natürlich herzlich ein, mal vorbeizuschauen!

    Zum Schluss: Manchmal beneide ich Dich ein wenig! Hätte ich mich meiner Alkoholproblematik und den ganzen anderen, darunter verschütteteten Problemen einige Jahre früher angenommen, dann hätte ich mein Studium wohl nicht abgebrochen und wäre heute sicher auf einem ganz anderen Stand! Also genieße Deine Zeit an der Uni und sei schön strebsam :wink: . Du wirst es Dir mal danken!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    wieder ein langer Tag, hab ihn aber gut rumgekriegt. Wieder um 8 Uhr zur Uni und die erste Prüfung klar gemacht, dann ein paar Stunden gelesen, gearbeitet, zu einem Seminar gegangen. Danach losgesprintet und die zweite Prüfung klar gemacht. Fehlen mir noch zwei Beisitzer, ich hoffe die kann ich morgen noch auftreiben. Ich bin glaub ich erst glücklich, wenn ich diese ganze Zettelwirtschaft beim Prüfungsamt abgeben kann... Dann hab ich bis Januar Ruhe.
    Naja, hab dann noch einen Sprint zum Bus eingelegt und bin in mein Kaff gefahren, dort noch zum Arzt, Einlagen für meine gabutten Füße anpassen lassen. Danach heim und jetzt mache ich mir einen gemütlichen Abend!

    Als nächstes Nahziel habe ich jetzt, nächste Woche zur SHG zu gehen. Ich hab ja jetzt (hoffentlich!) das Gerenne wegen der Prüfung hinter mir. Bin sehr gespannt, was mich da erwartet. Dann werde ich meine Anstrengungen zur Wohnungsfindung verdoppeln.

    JoeDoe : Gut, dass wir uns verstehen ;) . Das mit dem Wegrennen hab ich nicht falsch verstanden, keine Bange. Wir sitzen ja im selben Boot und werden deshalb auch teilweise mit denselben seltsamen Anwürfen unseres Umfelds konfrontiert - dazu gehört auch dieses Wegrennen.
    Deinen Thread hab ich schon gelesen, antworte dir nacher darauf. Muss mir erst ein paar Gedanken machen..

    Beneiden musst du mich wirklich nicht. Du hast doch auch angefangen etwas zu ändern! Ich finde, solange man nur irgendwann damit anfängt, die eigenmächtig geschaffene Hölle in einen schönen Garten zu verwandeln, ist doch alles ok.
    Ich hätte vor über zehn Jahren schon anfangen können etwas gegen Sozphobie zu tun, und vor einem Jahr hätte ich mir Hilfe wegen des Alks suchen sollen. Statt dessen bin ich rumgeeiert. Aber letztendlich habe ich es gemacht - und das ist alles, was für mich zählt.

    Heute habe ich mir auch ein paar Gedanken bezüglich des Persönlichkeitsverfalls gemacht. Ich war zwar weit davon entfernt, aber habe schon gemerkt, wie meine Persönlichkeit und Integrität vom Alkohol verändert und angegriffen wurden. Mehr noch, als von der Angst.
    Ich hab ziemlich viel mit meinen Eltern abgehangen, obwohl ich sie nüchtern nicht wirklich lange ertrage. Habe mit ihnen sogar Sendungen im TV geguckt, die ich mir nüchtern nie reinziehen würde - bin halt da geblieben, weil es Alk gab. Nach dem dritten oder vierten Bier war mein Verstand irgendwie ausgeschaltet: Ich bin wie ein Roboter herumgelaufen um noch mehr Alk zu holen, völlig automatisch. Irgendetwas in mir wusste, sobald ich wieder Denken würde, würde mein Verstand schreien Stopp!! Also habe ich gar nichts gedacht. In mir herrschte Leere.
    Dann die Depressionen - ich hatte so schöne Fortschritte in meiner Therapie gemacht, aber dann ging es ab Anfang 2007 bergab. Ich fing an meine Thera anzulügen, tat zuversichtlich und gut gelaunt, erfand Übungen, die ich gemacht haben wollte... In Wirklichkeit habe ich immer mehr getrunken und immer weniger auf die Reihe gekriegt. Irgendwann konnte ich mich gedanklich auch nicht mehr auf die Therapie konzentrieren, weil ich nur noch an Alk gedacht hab.
    Eine schlimme Zeit, die nicht wieder kommen soll...

    LG
    Plejaden

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