Schritte für die nächsten Wochen

  • Guten Morgen!

    Es geht mir zusehends besser, ich habe allmählich das Gefühl, dass ich mich mit dem Gedanken an den Pfeiffer die ganze Woche über selbst krank gehalten habe :oops: . Irgendwie habe ich auch einen totalen Kreativitätsschub, wohl ausgelöst durch das Ostereier-Malen. Ich werde mich gleich mal hinsetzen und verschiedene Szenen für verschiedene Geschichten aufschreiben, die mir in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen sind. Ich finde es irgendwie sinnlicher, das per Hand aufzuschreiben als es im Computer zu tippen (obwohl das schneller geht).

    Trotzdem ein kleiner Schatten im Glück: Gestern hat meine Mutter versucht mir Portwein anzudrehen. Dabei war sie bisher diejenige, die meine Abstinenz eher unterstützt hat. Ich habe abgelehnt, sie meinte nur "ach ja, du trinkst ja keinen Alkohol". Und dann war gut. Zum Essen haben sie dann Wasser getrunken, weil meine Mutter die Wirkung eines scharfen Paprika-Pulvers völlig unterschätzt hat, das sie von meiner Oma aus der Tschechslowakei bekommen hat. Vor allem die Tomatensauce zu den Nudeln war nahe daran ungenießbar zu sein und ich hatte das Gefühl, dass mir das Zeug die Krankheitsbakterien aus dem Rachen glüht :? .

    Bis später vielleicht.

    LG
    Plejaden

  • Guten morgen,

    irgendwie bin ich jetzt daran gekommen immer morgens zu schreiben. Sei's drum.

    Gestern war aktivitätenmßig ein geruhsamer Tag, aber das war ja so geplant. Die Erkältung plagt mich immer noch ein bisschen. Dafür sind mir wieder einige Erkenntnisse gekommen (ich hoffe, ihr habt nicht langsam die Schnauze voll von meinen Erkenntnissen ;) ).
    Zum einen habe ich meinem Freund gegenüber gestern tatsächlich einen "Fehler" zugegeben, präziser eine Fehleinschätzung. Meine Eltern standen gestern seit 11 Uhr mit den Nachbarn im Garten und haben getrunken. Irgendwie hat mich das ziemlich sauer gemacht und ich hab mich beim Frühstück mit meinem Freund darüber aufgeregt. Er meinte daraufhin, dass es doch ihr gutes Recht ist sich schon um 11 Uhr die Kante zu geben und ich das so akzeptieren solle. Dagegen hab ich mich erst gesträubt, aber hinterher eingesehen, dass er Recht hat. Hab ihm das dann gesagt. Er war so erstaunt, dass ihm darauf keine Antwort eingefallen ist 8) .

    Das zweite betrifft die Ambivalenz zwischen meiner inneren Einstellung und meinem Verhalten. Ich denke, ich wirke nach außen hin lange nicht so selbstsicher, wie ich mich innerlich fühle. Das haben mir einige Leute indirekt bestätigt (über mich wird z.B. "ach Plejaden, das ist doch die schüchterne süße Maus" gesagt). Ich habe nun zwei Monate (oder so) damit gehadert. Jetzt ist mir gestern wie Schuppen aus den Haaren gefallen: Klar, mein Verhalten ist hochgradig automatisiert, wie bei jedem Menschen. Wir denken ja schließlich nicht jedesmal "ah, mein Gegenüber hat dieses und jenes gesagt, jetzt muss ich also das und dies antworten". So wäre eine flüssige Kommunikation nicht möglich.
    Das habe ich völlig außer Acht gelassen. Diese Mustern, nach denen wir reagieren, haben sich über Jahre eingeschliffen, sind Automatismen. Um jetzt quasi mein Inneres nach Außen kehren zu können ;) , muss ich diese Automatismen neu überschreiben. Und wie mache ich das? Richtig, üben üben üben. Action, machen, tun, handeln. Dann mal auf in die Schlacht... 8) .

    Übrigens, es hat geschneit. Vielleicht flitze ich gleich nochmal raus und mache ein paar Fotos.

    LG
    Plejaden

  • Guten Morgen Plej,

    wollte mal kurz nachfragen ob du eine ambulante Therapie oder ähnliches gemacht hast. Lese mich grad bei Dir durch hab aber irgendwie noch nix gefunden. Wäre nett wenn Du mir das beantwortest.

    Alles Liebe

  • Hallo zusammen,

    heute war ein etwas unerfreulicher Tag. Erfreulich war, dass ich um 7 Uhr aufgestanden bin und es um 9 Uhr auf zur Uni ging. Dort hab ich zwei Stunden gearbeitet und nebenher noch versucht alte Vorlesungsverzeichnisse aufzutreiben. Zu meinem allumfassenden Ärger musste ich feststellen, dass die beiden Geschäftszimmer, die ich dafür brauchte, bis nächste Woche geschlossen sind. Das ist doch mal eine Spitzen-Idee, erstmal ne Woche vor Semesterbeginn die Bude zu verrammeln :twisted: . Dann sind noch viele Dozenten weg, und ich stand da und dachte mir "ja, sicher". Sehr sehr unerfreulich. Zum Glück bin ich auf die Idee gekommen, mir die Gesamtvorlesungsverzeichnisse der Uni zu besorgen, dort habe ich die gewünschten Infos auch her bekommen. Argh.

    Danach ging es erstmal in die Stadt, neuen Tee kaufen, und dann heim, wo ich die Daten aus den Vorlesungsverzeichnis in ein Formular eintragen durfte. Ich bin echt froh, wenn dieser ganze Zettel-und-Stempel-Kram vorbei ist...

    Ansonsten waren die Chat-Gespräche, die ich über Ostern geführt habe, teilweise so tief und intensiv, dass ich mir heute mal eine Auszeit gegönnt habe. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die daran mitgewirkt haben :lol: . Auch wenn ihr es wohl nicht gemerkt hab, ihr habt mir viel "Futter" für die nächsten Tage gegeben!

    So und jetzt gibt es erstmal Abendbrot. Mein Magen knurrt ;) .

    LG
    Plejaden

  • So, vor zwei Stunden lag ich schonmal im Bett und habe versucht zu schlafen, aber ich bin nur noch am Grübeln und komme nicht zur Ruhe. Es gibt ein Riesenproblem mit meiner Studienabschluss-Bescheinigung und es ist (wie gestern schon geschrieben) kein einziger Ansprechpartner da. Alle im Urlaub, weg, irgendwie unauffindbar... Obwohl ich heute von Pontius nach Pilatus gerannt bin habe ich den letzten Stempel nicht bekommen und am Montag muss ich das Sch...ding abgeben. Und Montag ist auch der Tag, an dem der Mensch, von dem ich den Stempel brauche wieder aus dem Urlaub zurück ist. Ich hasse solche knappen Dinger, aber früher ging es nicht, wegen der Abschlussarbeit.

    Habe jetzt grade zwei Emails an die entsprechenden Stellen verschickt, habe nun Angst vor deren Antworten und nun wegen einer Panikattacke Verdauungsstörungen (überkam mich beim Verfassen der ersten Email) :roll: . Bin hellwach, fühle mich wie angeknipst, an Schlaf ist nicht zu denken. Werde jetzt noch ein wenig hier im Forum lesen und hoffen, dass ich bald müde werde.

    Und nein, Saufdruck habe ich keinen. Das würde noch fehlen.

    Zittrige Grüße
    Plejaden

  • hi plejaden

    ich weiß etz net ob dich das etz bissi beruhigt, aber ich probiers trotzdem einfach mal :lol:

    ich hab ja "nur" zwei freundinnen wo studieren bzw. die eine is etz fertig, aber beide hatten dasselbe chaos mit ihren ansprechpartnern wie du. urlaub, krank und was weiß ich alles, da war auch alles auf den allerletzten drücker :arrow: aber es hat letztendlich bei beiden geklappt :D

    ich drück dir die daumen, das es bei dir genauso läuft!

    liebe grüße

  • Hallo und danke summerdream. Mein Freund ist gerade gekommen, ich hab einen Heulkrampf gekriegt und jetzt geht es mir besser. Er meint auch, das wird schon klappen :lol: .

    Ich fühle mich jetzt ein bisschen ruhiger und werde mich nochmal hinlegen. Seit ich die Emails geschrieben habe, sind zumindest diese imaginären Gespräche mit den Ansprechpartnern aus dem Kopf. Das war wie ein Karussel, immer wieder von vorn. Gute Entscheidung, die Mails jetzt aufzusetzen und abzuschicken. Ich lerne immer besser mit mir umzugehen ;) .

    Hoffentlich gute Nacht
    Plejaden

  • Hallo Pley
    Ich hoffe,das es klappt!So wie du es dir vorstellst.
    Hab mal gelesen,selbst wenn dem nicht so ist,so kann man sich damit aufbauen,das Beste gegeben zu haben.
    Bin kein Student,weiss nicht,was für Folgen es hat für Dich...Aber es geht weiter....irgendwie.
    Und...es wird klappen!
    Ganz sicher!
    Bleib bitte ganz ruhig!
    Ich hoffe,du hast ein wenig Schlaf gefunden.
    Ich denk an Dich und drück die Daumen...wenn es sein muß bis Montag.

    Lütze

    Trocken seit 2.11.2007

  • Hallo Plejaden,

    Zitat

    Obwohl ich heute von Pontius nach Pilatus gerannt bin


    Du hast doch alles getan, was möglich war incl. der E- mails. So what.

    So kleine (Verhaltens-) Rückfälle passieren mir gelegentlich auch noch.

    Wir brauchen uns nicht mehr verstecken, uns beweisen, dass wir "trotzdem" gut sind. Ich halte dann kurz inne, fahre runter und dann läuft´s wieder rund- wie bei Dir.

    Was ist mit AT? Hattest Du doch mal angefangen. Bei Schlafstörungen hilft´s mir.

    LG kommal

    unterwegs...

  • Hallo zusammen,

    es hat sich noch nicht wirklich was neues ergeben, noch keine Antworten auf die Emails. Ich werde jetzt zur Uni fahren, hier zu Hause halte ich es eh nicht aus.
    Geschlafen habe ich nicht wirklich gut.

    Lütze : Die genauen Konsequenzen weiß ich auch nicht, mindestens müsste ich ein Semester länger studieren und dadurch über 700 Euro extra latzen. Eventuell werden mir meine Prüfungen auch nicht anerkannt und ich muss alles nochmal von vorne machen.

    kommal : AT läuft bei mir momentan nur sporadisch, auch eine Sache, die ich in naher Zukunft ändern will. Ich möchte es wieder regelmäßig machen, denn nur so hat es einen Sinn.

    So, dann werd ich mal, melde mich heute Nachmittag wieder zurück.

    LG
    Plejaden

  • So, mal kurz pieps. Es kam noch keine Antwort auf meine Emails, und nachdem ich wieder durch die Gänge geeilt bin mit meinem Packen Unterlagen habe ich wieder niemanden getroffen. Nun ist schlichtweg keiner mehr da. Schön.

    Als letzte Option bin ich dann am Nachmittag zum Prüfungsamt gedackelt und siehe da - nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Die Frist mit Montag steht in aller Strenge nur da, damit die Leute den Kram bis Mitte April abgegeben haben. Das nimmt mir schonmal gehörig Druck von den Schultern, bleibt nur noch das Problem mit einem seltsamen Leistungsnachweis, der irgendwie hingebogen werden muss - und ich nicht weiß, ob das überhaupt gemacht werden kann :? . Aber ich bin trotzdem erstmal erleichtert.

    Also - fragenden Menschen kann geholfen werden ;) .

    Ich hatte mir gestern sehr intensiv Gedanken bezüglich der emotionalen Verwicklung in die Alkoholkrankheit gemacht, und nun ist wegen des Stresses alles weg. Aber mal sehen, vielleicht kriege ich es bis heute abend ja nochmal auf die Reihe :lol: .

    LG
    Plejaden

  • Hallo nochmal,

    ich möchte hier also meine unsortierten Gedanken von gestern vortragen. Ich habe mir überlegt, warum Suchtdruck eigentlich so schwer durch Kognition beizukommen ist. Das ist zumindest bei mir so gewesen - da halfen alle Gedanken nicht, die ich mir vorher für solche Momente zurecht gelegt hatte. Nur konkrete Handlungen wie viel Wasser trinken, sich ablenken, reden helfen dann etwas, bis die akute Situation vorüber ist. Danach trifft es mich wie A... auf Eimer "wie konnte ich nur so denken??"

    Irgendwie bin ich dann jedenfalls auf Co-Abhängigkeit gekommen (ja ja, meine Gedankengänge sind manchmal etwas... irr ;) ) und auf die Tatsache, dass man als Co-Abhängiger sozusagen sein Suchtmittel liebt*, nämlich den süchtigen Partner. Und da fiel es mir ein - als Alkoholiker verbinde ich natürlich auch starke Emotionen mit meinem Suchtmittel! Zumindest für mich gab es mal eine Zeit, in der Alkoholkonsum für mich positiv besetzt war.** Irgendwann driftete das dann in den quälenden Zwang ab, aber in meinen nassen Gedanken und Fühlen wollte ich die Zeit zurück, als Trinken noch "schön" war.
    Also ist mein Verhältnis zum Alkohol gefühlsbesetzt. Das ist kein Wunder, schließlich sitzt das Suchtgedächtnis sozusagen am Epizentrum der Gefühle, dem limbischen Zentrum im Gehirn. Und deswegen ist es auch so schwer, Suchtdruck mit reiner Kognition, also verstandesmäßig beizukommen - Gefühle haben messbar die Oberhand über den Verstand. Gerade das macht auch das Suchtgedächtnis so unendlich gefährlich, und lässt mich lieber übervorsichtig als zu leichtsinnig sein.

    Oh mann. Ich glaube ich werde das nochmal genauer ausarbeiten müssen. Irgendwie kann ich meine Gedanken grad schlecht in Worte fassen :roll: . Es ist irgendwie so, dass ich über den Alkohol Gefühle bedient habe, die ich sonst verleugnet habe.

    Was mir diese Überlegungen konkret bringen: Ich weiß jetzt sicher, dass der Versuch, akuten Suchtdruck durch den Verstand zu beseitigen, zum Scheitern verurteilt sind. Die hier empfohlenen Strategien (viel trinken, reden, sich Hilfe holen, im sicheren Haus bleiben) sind wesentlich effektiver.

    LG
    Plejaden

    *Mir ist klar, dass in einer Co-Abhängigkeit vielfach irrtümlich von Liebe gesprochen wird.
    ** Aus meiner heutigen Sicht, mit dem nötigen Abstand zum Alkohol, ist mir klar geworden, dass schon die damalige Zeit keineswegs positiv war. Schließlich hatte ich schwere Probleme, die ich weggespült habe. Der Alkohol war positiv besetzt, weil er mir Erleichterung verschaffte. Die gesellschaftlich forcierte Vorstellung vom Alkohol"genuß" tat dann ihr übriges. Ich habe die Erholung und Entspannung genossen, die mir der Alkohol geboten hat. Ich kannte nichts anderes.

  • Hallo Plejaden,

    Zitat

    Es ist irgendwie so, dass ich über den Alkohol Gefühle bedient habe, die ich sonst verleugnet habe.

    Das find ich zum Einrahmen gut beschrieben :wink:

    Beim Suchtdruck find ich´s wichtig, zu schauen, wo der herkommt. Da kann (D)ein Tagebuch sehr hilfreich sein. Der Auslöser liegt ja oft schon weiter zurück.


    LG kommal

    unterwegs...

  • Guten Abend,

    es gibt zumindest von einer Front eine Antwort, einer der Ansprechpartner hat sich gemeldet und mir zugesichert, dass er Montag Zeit für mich hat. Schön!
    Ansonsten war heute ein ruhiger Tag. Ich bin nicht zur Uni gegangen, sondern habe hier zu Hause gearbeitet. Vorher musste ich noch mitten in der Nacht meinen Freund aus dem Bett treten, weil er sonst verpennt hätte. Er ist ein wenig erkältet und hat geschlafen wie ein Murmeltier :roll: .

    Wie dem auch sei, ich habe hier zu Hause an dem Essay gearbeitet. Der, welcher veröffentlicht werden soll, vielleicht erinnert ihr eucht? Ich baue als Grundstock auf einer alten Seminararbeit auf, musste aber etwas geschockt feststellen, dass ich das Ding um gut und gerne 20.000 Zeichen kürzen muss um die Vorgabe zu treffen :shock: . Naja, hab erstmal ein paar Sachen getippt, die laut Dozent unbedingt rein müssen - dafür habe ich die letzten zwei Wochen recherchiert - das hat den ganzen Vormittag in Anspruch genommen. Anschließend war ich mit meinen Eltern einkaufen und essen, danach hab ich noch ein wenig an dem Ding rumgetippt und mir anschließend im Internet eine Anleitung rausgesucht, was überhaupt ein Essay ist. Ihr findet die Reihenfolge der Arbeitsschritte befremdlich? Ist sie auch, irgendwie. Ich habe mir jetzt ein Buch über guten Schreibstil bestellt, sowas schadet ja niemandem ;) .

    Danach gabs einen kurzen Nachmittagsschlaf und dann hab ich Viva Pinata gespielt. Und jetzt tippe ich hier.

    Zitat

    Es ist irgendwie so, dass ich über den Alkohol Gefühle bedient habe, die ich sonst verleugnet habe.


    Ja, das war eine wirklich gute Einrahmung. Ich habe mir gestern noch ein paar Gedanken gemacht. Wieso war und ist es mir eigentlich so wichtig Gefühle zu unterdrücken? Ein Pokerface zu haben?
    Nun, das hatte früher tatsächlich einen Sinn für mich gehabt. Ich bin auf der weiterführenden Schule die ganzen Jahre über im schwersten Maße gemobbt worden. Zwar nur psychisch, aber das hat gereicht. Jeden einzelnen Tag Demütigungen und Angst, Todesangst, Verstecken von morgens sieben Uhr bis mittags um eins. Ich musste versuchen meine Gefühle zu kontrollieren, da ich beobachtet wurde. Manchmal saßen sie zu siebt um mich herum und haben mich einfach nur angestarrt. Jede Gefühlsregung, jede meiner Bewegungen wurde genau registriert und mit Demütigungen bestraft. Manchmal ist es dann aus mir rausgeplatzt, wenn der innere Druck zu groß wurde. Ich musste weinen und habe mich damit in ihren Augen vollkommen lächerlich gemacht. Dann waren sie stolz auf sich, dass sie es wiedermal geschafft haben, die asoziale Hirnkranke zum heulen gebracht zu haben.

    Nun, aber dieser Krieg ist vorbei. Das Pokerface ist nicht mehr nötig. Das habe ich inzwischen auch emotional begriffen. Was ist da noch? Es wurde auch von meinen Eltern von mir verlangt. Zu Hause durfte ich nichts von meiner Angst vor der Schule verraten, sonst ist meine Mutter wütend geworden. Also auch zu Hause Pokerface. Das ist bis heute so, wie ich schon geschrieben habe herrscht bei uns eine neutrale bis aufgesetzt fröhliche Stimmung.

    Irgendwann habe ich mal gemerkt, dass Gefühlsausbrüche unter Alkoholeinfluss von meinen Eltern toleriert wurden. Sie waren dann ja auch nicht besser! Das meinte ich mit den Gefühlen, die ich durch den Alkohol bedient habe - wenn ich betrunken war, durfte ich sie ausleben, denn in diesem Fall waren sie durch den Alkoholeinfluss entschuldbar und toleriert.
    Anders dagegen verhält es sich mit Gefühlsbekundungen aus klarem Verstand heraus und aus freien Stücken. Als ich gestern darüber nachdachte kamen mir sofort, völlig automatisch zwei Gedanken ins Hirn - "das ist unzivilisiert " und "das macht man nicht". Das sind natürlich meine Eltern, die so etwas sagen.
    Nun, ich dachte eigentlich, ich hätte diesen inneren Kritiker, dieses lichtscheue Gesindel schon vor ein paar Jahren erledigt. Aber da scheint ja immer noch was übrig zu sein :shock: . Ich habe also eine Menge Arbeit vor mir...

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    Zitat

    Aus meiner heutigen Sicht, mit dem nötigen Abstand zum Alkohol, ist mir klar geworden, dass schon die damalige Zeit keineswegs positiv war. Schließlich hatte ich schwere Probleme, die ich weggespült habe. Der Alkohol war positiv besetzt, weil er mir Erleichterung verschaffte. Die gesellschaftlich forcierte Vorstellung vom Alkohol"genuß" tat dann ihr übriges. Ich habe die Erholung und Entspannung genossen, die mir der Alkohol geboten hat. Ich kannte nichts anderes.

    Ohne Worte-es trifft den Nagel auf den Kopf!!!

    Danke

    Alles Liebe :D

  • Hallo Plej

    "Was mir diese Überlegungen konkret bringen: Ich weiß jetzt sicher, dass der Versuch, akuten Suchtdruck durch den Verstand zu beseitigen, zum Scheitern verurteilt sind. Die hier empfohlenen Strategien (viel trinken, reden, sich Hilfe holen, im sicheren Haus bleiben) sind wesentlich effektiver."

    Stimmt!Der Verstand fällt einem da manchmal mehr in den Rücken.Was nützt das Wissen dafür,das es keinen plausiblen Grund gibt für Stimmungen und Suchtdruck,wenn aber doch der Druck schon da ist.Dann helfen bei mir wirklich nur eingespielte Regeln oder Schritte,wie du sie oben nanntest.
    Ich kann dann hinterher analysieren,oder es versuchen,welche Auslöser ich im Vorfeld hätte vermeiden können.Obwohl das auch nicht immer gelingen muß.

    Lütze

    Trocken seit 2.11.2007

  • Hallo zusammen,

    yeah, meine Buchbestellung ist heute schon angekommen! Aber eins nach dem anderen: Ich bin um halb acht aus dem Bett gefallen und hab nach meinem Frühstückstee erstmal Brot gekauft. Mein Freund und ich haben beschlossen, dass wir Abwechslung beim Frühstück brauchen :lol: . Da ich so überhaupt keine Ahnung habe, wieviel Brot zwei Erwachsene an zwei Tagen vertilgen können, habe ich schlussendlich zu wenig gekauft :roll: . Naja, morgen hat hier noch ein Bäcker auf, meine Rettung.
    Gegen Mittag hab ich meinen Freund aus dem Bett geschmissen und wir haben gefrühstückt, es hat gemundet. Danach ist er zum Fussball gefahren und kaum war er weg ist mein Schreibstil-Buch und meine CD gekommen *freu*. Hab dann ein bisschen gelesen, holla die Waldfee kann ich nur sagen :shock: . Ich schludere beim Schreiben ziemlich mit der guten alten deutschen Sprache, aber Besserung ist ja in Sicht (gleich zwei fiese Fehler - ein substantiviertes Verb und ein lebender Stil-Leichnam auf -ung).
    Zwischendurch hab ich dann gespült und die CD reingeschmissen, gefällt mir sehr gut, hab im Takt mitgewippt, das arme Geschirr :lol: . Danach hab ich einfach da gesessen und die CD zu Ende gehört, richtig schön entspannt, danach noch weiter gelesen und nun schreib ich hier.

    Lütze : Das ist mir auch schon aufgefallen. Ich hatte bisher zweimal richtig starken Suchtdruck und beide Male hat mein Suchtgedächtnis versucht mich über eine sehr verquere Logik auszutricksen. Starke Gefühle für den Alk waren auch mit im Spiel :oops: .

    Mir ist es auch immer wichtig zu betonen - es ist mein Suchtgedächtnis, mein eigener Geist und mein eigenes Gehirn, das mir solche lebensgefährlichen Fallen stellt. Und NICHT der Alkohol. Der Alkohol ist nur ein Getränk, eine an Gleichgültigkeit nicht zu überbietende Flüssigkeit. Den interessiert es nicht was ich tue oder nicht tue. Ich sehe das als eine Form, mir meiner Eigenverantwortung bewusst zu werden. Wenn ich wieder trinke, dann weil ich es WILL. Und nicht weil der Alkohol mich dazu verführt hat. Wir sind ja schließlich nicht bei "Adam und Eva verliefen sich im Wald, fanden 'ne Schlange und machten leider Halt..."

    So groß die Ähnlichkeit zwischen Co-Abhängigkeit und Alkoholsucht auch bisweilen sein mag, einen entscheidenden Unterschied gibt es - Alkohol ist kein lebender Mensch und stratzt mir nicht aktiv nach, zerrt dadurch an meinen Nerven und aktiviert mein Suchtgedächtnis. Ich muss meinen A... schon selbst in seine Nähe hieven, und da liegt der Hund begraben. Ich entscheide über Nähe oder Distanz. Meistens jedenfalls.

    LG
    Plejaden

  • So, nun ist auch der Sonntag rum. War ein schöner Tag. Bin morgen "früh" aufgestanden, will sagen: Bedingt durch das staatlich verordnete Jetlag erst um 9 Uhr :oops: . Danach ging es zügig zum Brotholen, habe eine sehr leckere Sorte gefunden. Anschließend habe ich ein wenig Viva Pinata gespielt und danach meinen Freund aus dem Bett geschmissen. Nach dem Frühstück ist er zu einer Kommunion gefahren und ich hab in meinem Schreibstil-Buch gelesen.
    Bald darauf ging es dann raus an die frische Luft, musste meinen Film ja noch vollknipsen. War im Wald, habe ein paar schöne Motive ergattert. Nacher hab ich mich geärgert, dass ich nicht noch einen Film dabei hatte :twisted: . Die frische Luft und die Sonne haben mir jedenfalls gut getan!
    Anschließend habe ich noch ein bisschen gelesen, hab aufgeräumt und danach gabs Abendessen und Chat.

    Ich habe im "Rückzug vs. einzelne Meinung"-Thread eine sehr interessante Aussage gelesen: Je früher jemand aus der Sucht aussteigt, desto mehr Vertrauen muss er den Langzeittrockenen entgegenbringen.
    Das kann ich für mich bestätigen. Ich habe eine Menge Wegmarken auf dem Weg nach unten ausgelassen. Also kann ich nur darauf vertrauen, dass andere Menschen diese Marken vor mir passiert haben und ich ihnen glauben kann. Ihrem Weg heraus glauben kann. Das fordert einiges an Abstraktionsvermögen. Einen Rückfall z.B. hatte ich noch nie. So müssen andere Menschen mir dieses Gedächtnis ersetzen.
    Trotzdem hat mich dieses Vertrauen bisher belohnt. Ich bin immer noch trocken, und das ist alles, was zählt.

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    Zitat

    Je früher jemand aus der Sucht aussteigt, desto mehr Vertrauen muss er den Langzeittrockenen entgegenbringen.

    Vetrauen denjenigen, die mir helfen wollten (Entgiftung, Beratungsstelle und nachher Therapie) war ein ganz wichtiger Bestandteil meiner Entwicklung, ich glaube heute, der wichtigste überhaupt-

    Misstrauen prägte ja meine ganze Saufzeit: Nur nicht auffallen, schön verstecken, stets in der Defensive.

    Durch mein Vertrauen hatte ich den Kopf frei für die wichtigen Dinge, konnte mich mit mir und meinen Problemen beschäftigen ohne meine Kräfte auf Nebenschauplätzen zu verplempern. Ich fing an, bis dato unbekannte Fähigkeiten zu entdecken.

    LG kommal

    unterwegs...

  • Guten Abend,

    bin nun wieder heil in meinem Thread gelandet. Wie der eine oder andere vielleicht gesehen hat, begann mein Tag mit einem Besuch beim Zahnarzt. Dort ist alles glatt gelaufen, es war überhaupt nicht schwer ihm zu sagen, dass ich alkoholsüchtig bin. Ich sollte mir wirklich in Zukunft weniger nen Kopp machen. Meinen Beißerchen geht es gut, war nur zum Nachgucken da. Ein bisschen Zahnstein wurde entfernt, die 20 Tacken für die elektrische Zahnbürste waren echt gut investiertes Geld 8) . Ich hatte nicht nur weniger Zahnstein, das Vibrieren von diesem Gerät hat mir auch weniger ausgemacht. Da bin ich vorher die Wände hochgegangen.
    Vor dem Arzttermin hab ich noch den Film weggebracht, bin mal gespannt wie die Fotos werden. Mittwoch ist der große Tag.
    Anschließend war ich noch an der Uni, einen Stempel abholen und den ersten Wisch abgeben. Danach habe ich mich noch nett mit ein paar Leuten unterhalten und bin danach wieder heim.

    Hier im Forum brennt im Moment ja irgendwie die Hütte :? . Das verunsichert mich ein wenig, andererseits habe ich in anderen Foren schon schlimmere Sachen erlebt. Ein Fall war z.B. ein Psychologie-Student, der sich monatelang als "Betroffener" ausgegeben hat um an Informationen für seine Dissertation zu kommen.

    Zitat

    Durch mein Vertrauen hatte ich den Kopf frei für die wichtigen Dinge, konnte mich mit mir und meinen Problemen beschäftigen ohne meine Kräfte auf Nebenschauplätzen zu verplempern. Ich fing an, bis dato unbekannte Fähigkeiten zu entdecken.


    Das kann ich 100%ig unterstreichen. Solange ich nicht vertraut habe, habe ich viel zuviel Energie verwandt um mich ständig zu wehren. Habe mich in Rechtfertigungen und Ausflüchte verstrickt, um ja nichts ändern zu müssen. Das habe ich auch vor mir selbst getan, mich selbst belogen.

    Heute hat sich für mich ein weiteres Mal gezeigt, dass es richtig war zu vertrauen. Jetzt weiß nicht nur mein Zahnarzt über meine Alkoholkrankheit bescheid, ich habe auch das Gefühl eine Stufe weiter nach oben gestiegen zu sein auf der Leiter, die in die Trockenheit führt. Weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken soll. Als ich beim Arzt rauskam und noch ein wenig in der Sonne spazieren gegangen bin, habe ich mich richtig wohl gefühlt. Was störte, war der Geschmack im Mund, aber das war zu verschmerzen :lol: .

    LG
    Plejaden

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