Beiträge von FüreinenFreund

    Danke, Melanie.

    Hm, ich frage mich grad - könnte ich was dran ändern? Dass XY säuft oder Z ihn umtüddelt? Vermutlich nicht...
    Dann kann ich mich ja auch genausogut nicht drum kümmern und "hart" nur auf mich selber sehen, oder?
    Jo, ich glaub ich geb mir grad die Antwort selber... bin aber auch ein ausserordentliches Schnellmerkerli. :roll:

    Wusste nicht, wohin stellen.
    Gibts nen Co zum Co????

    Heute rief mich die Nachbarin "meines XY" an. Wir hatten noch ein paar Telefonate, weil ich versucht hatte, XY den Hund abzukaufen.
    Ich hab ihr gesagt, dass ich nach wie vor zur Stelle bin in drei Fällen:
    1. XY liegt tot rum und ich kann den Hund rausholen
    2. XY willigt einem Verkauf ein und ich kann den Hund rausholen
    3. XY willigt ein, dass ich ihn zur Klinik fahre und ich kann den Hund rausholen.

    Sonst NICHT!

    Nun, sie rief an - und wollte, dass ich nochmal mit ihm rede, er sei so verzweifelt, er hätte niemand mehr, Mutter läg im Sterben und was alles noch so - ich merkte richtig, ihr ging das sehr sehr zu Herzen. Wenn er jetzt noch den Hund verliere, dann wäre er suizid gefährdet, etc.

    In den ersten Sekunden war ich bemüht, IHR zu helfen, ihr zu sagen, dass SIE drunter leidet, dass sie ihn in seiner Sucht stützt mit ihrem Betüddeln und dass sie für sich selber was tun soll.

    Dann hab ich gedacht, halt, stop - ich bin doch nicht die Co für seine neue Co??? Und da die Frau das so garnicht annehmen konnte, hab ich gesagt, ich halt mich aus euch beiden raus.

    1. Alkohol ist eine tödlich verlaufende Krankheit. Also säuft XY sich tot oder ermordet sich auf andere Weise.
    2. Falls er 1. nicht will, muss er das Ruder selber rumreissen.
    3. Wenn die liebe Nachbarin ihn auffängt, hat er nie die Chance, beim Tiefpunkt aufzuschlagen und aufzuwachen.
    4. Wenn SIE sich das selber in ihr Leben reinlässt, ist das IHR Leben und ich kann da beiden nicht helfen.

    Sagt mal... bin ich so hart, so herzlos, so wenig hilfsbereit?
    Hätte, sollte, könnte ich nicht doch?
    Mir tut XY wirklich leid. Mir tut seine Nachbarin wirklich leid. Mir tut der Hund leid.
    Und dennoch steh ich hier wie Fels in der Brandung und wiederhole gebetsmühlenartig: Du kannst mir den Hund verkaufen, ansonsten bleibt mir alle vom Leib.

    Übertreibe ich? Muss ich so hart sein?

    Liebe Fatima,

    deine Sorge um deine Kinder kann ich gut verstehen.
    Ich möchte deine Gedanken auf eine andere Richtung locken.

    Schau mal, ich habe zwei Töchter, eine kleine von 3, eine Große von 19 Jahren. So ein ganz klitzekleines Bisschen Ahnung von Kindern habe ich also schon. Und meiner bescheidenen Erfahrung nach können wir den ganzen Kram mit "Erziehung" getrost vergessen.
    Es gibt einzig und alleine zwei Dinge, mit denen ich beeinflussen kann, was für ein Mensch mein Kind später wird.
    1. Vorleben!
    Ich will meine Tochter als starke, selbstbewusste Frau sehen? Eine, die sich selber voll und ganz wertschätzt, für sich selber Verantwortung übernimmt, sich selber guttut? Dann muss ich so eine sein!
    2. Wertschätzen!
    Wie ich mein Kind behandle, so wird es sich selber behandeln. Wie ich es wertschätze, darauf achte, dass es ihm gut geht, seine Wünsche und Bedürfnisse respektiere, danach frage, so wird es auch in Zukunft von anderen erwarten. Wenn ich mein Kind wertschätze, es nach seiner Meinung frage, mich bei Fehlverhalten entschuldige, ihm verlässlich und zuverlässig bin - dann wird es auf keinen "Freund" reinfallen, der es geringschätzig behandelt. Wenn ich in realistischem Maße zu ihm sage, du kannst das, ich glaube fest an dich, versuche es nochmal, dann wird mein Kind sich auch vieles zutrauen.

    Liebe Fatima, ich hab grad garnicht auf der Reihe, wie alt deine Kinder sind. Du hast welche, das reicht.

    Du kannst ihren Vater nicht verändern, du kannst ihnen keinen Wunschvater zeigen. Aber du kannst ihnen eine gute Mutter sein.

    Sei ehrlich zu deinen Kindern, sprich aus was ist. "Papa ist krank" kann ein Dreijähriges verstehen und das ehrliche Aussprechen bewusst erleben. Verschweigen, verheimlichen, Falschheit auch.
    Und eine Mutter, die sich selber wertschätzt, die auf sich selber achtet, ist allemal ein sehr gutes Vorbild.

    Liebe Fatima, so wie dein Mann für sich selber verantwortlich ist, bist du es für dich (und deine Kinder). Ich kann und will dir nichts vorschreiben.
    Ich möchte dir nur diese beiden positiven Gedanken zukommen lassen:
    Vorbild, Wertschätzen.

    Ich wünsche dir alles Gute, viel Kraft, und finde es stark von dir, wie weit du schon gekommen bist. :)

    Lieben Gruß,
    Ute

    Hallo sweetsour,

    die gute Fee bist du doch selber. Du hast offenbar für dich entschieden, wie es mit euch weitergeht - oder eben nicht.
    Du hast dir einen ersten Plan zurechtgelegt - zumindest kennst du den Anfang, willst Finanzen regeln.
    Ich lese in deinen Zeilen zwar noch viel Zweifel und Tiefpunkt. Aber ich lese auch Stärke, Hoffnung, Weiter-Wissen.
    Wollte dir nur einen positiven Spiegel vorhalten. Die Antwort und das Wissen liegt in dir.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und dass du dir und deinem Sohn guttust.

    Lieben Gruß,
    Ute

    Noch was: Melinak, du hast natürlich Recht, es ist eine Grenzüberschreitung. Zumindest, wenn man klar gesagt hat, dass man das nicht will.
    Inwieweit diese meine Rede aber überhaupt in der nassen Realität angekommen ist, das weiß ich nicht. Es macht aber auch keinen Unterschied.
    Ich kann nur bei mir was verändern, nicht beim Gegenüber.

    So, hab mir gerade vorgenommen, jede SMS als Grenzverletzung anzusehen und nicht als wertvolle Information. Vielleicht klappts dann mit dem Löschen.


    Lieben Gruß,
    Ute

    Ja, richtig, Linde66.

    Ich hab gemerkt, dass ich zwar von dannen gegangen bin und keinen Kontakt mehr pflege, auch ins nahe Umfeld nicht (bei den Eltern muss ich wirklich nochmal vorbei, kann ich aber auf einmal reduzieren).
    Aber ich nehme das alles noch mit mir mit.

    Hallo Zeter,

    du hast das richtig erkannt. Die beiden sind ein 'Gespann'. Jeder von beiden entscheidet, was er tut. Und wenn Muttern Bier hinstellt, trinkt Sohnemann es ja doch aus (relativ) freien Stücken.
    Ich werds ertragen müssen, dass ich nicht die ganze Welt verändern oder verstehen kann.

    Komisch, mit was man sich so befassen kann - wegdrehen und vergessen, das scheint nicht immer so zu klappen.

    Ups, Edit geht nicht.

    Ich wollte noch dazu schreiben, warum das für mich persönlich wichtig ist.
    Ich bin so ein totaler Kopfmensch. Ich kann es nicht ertragen, etwas nicht zu verstehen.
    Um mich von "meinem" Alkoholiker zurückzuziehen und das auch durchzuhalten, war es notwendig, die Dynamik der Situation zu verstehen.
    Erst als ich das konnte, konnte ich weggehen und wegsehen.
    Darum versuche ich auch das hier ins Hirn zu bekommen.

    Es hilft nämlich nix, wenn ich den Kontakt abbreche und eisern bin, aber dennoch die Leute abends "mit ins Bett" nehme und nicht schlafen kann.

    Ein gutes, erfolgreiches Neues Jahr Euch allen!

    Und DANKE für all den Mut, den man sich hier zusammenlesen kann!

    So, nun meine Frage:

    Wenn ich hier so etwas zum Thema Co lese (und mich selber mit einbringe) ist damit fast immer jemand gemeint, der den Alkoholiker, dem er verbunden ist, gern "retten" würde.
    Darunter läuft Wegsehen und Verleugnen, aber auch Kontrollieren, zur Rede stellen, was auch immer.
    Irgendwie verbunden mit eher geringem Selbstwertgefühl und einem Gebraucht-Werden-Wollen.

    Bitte entschuldigt diese unvollständige Angabe, ich kanns nicht besser fassen.

    Gibt es noch eine Form von Co-Abhängigkeit, die den Alkoholiker "eigentlich" in seiner Sucht und Abhängigkeit halten möchte?

    Ich versuche es mal so zu beschreiben: Die Eltern - genauer, die Mutter - dessen, um den ich mir Sorgen mache, tun eigentlich alles, damit er trinkt.
    Als er noch getrunken hat, haben sie ihm immer das Bier hingestellt und kein böses Wort darüber verloren. Als er mal die Rippen angeknackst hatte und keine Kiste heben konnte, ist Muttern zu ihm gefahren und hat mit angefasst, abends an der Tanke nen Kasten Bier ins Auto zu laden, "damit der Junge was da hat, wenn Leute kommen". Auch wurde Söhnchen regelmäßig die Bude gewienert, "was sollen die Leute denn denken".
    Ich habe die Mutter mehrfach auf ihr Verhalten angesprochen, dann drehte sie den Kopf weg und tat, als hörte sie mich nicht.

    Nun ja, dann kam der Entzug - und auf einmal Vorwürfe! Was sollen die Leute denn denken, welche Schande, Du in einer "Nervenklinik"! Kaum draussen und trocken, wurde Mutters runder Geburtstag gefeiert. Mit Sektempfang, mit Rotweincreme, Rotweinsoße, etc.
    Jetzt ist er rückfällig, bekommt dort wieder ohne ein böses Wort freundlich sein Bier hingestellt, und ich wundere mich.

    Ich kann das garnicht recht fassen, noch weniger in Worte.

    Nun ist es so, dass ich gezwungenermaßen noch ein- zweimal mit diesen Leuten zu tun haben muss, dann ist auch dort der Kontaktabbruch komplett.
    Kann ich denen überhaupt irgendwas Hilfreiches sagen? Gibt es ein gutes Buch, dass man Muttern in die Hand drücken kann?

    Also, wenns eh umsonst ist, lass ich es, dann erledige ich meinen Kram und bin raus da. Aber es will mir nicht in den Kopf, wie man sein eigenes Kind so an die Flasche hängen kann.
    Ist das auch eine Form von Sucht? Welche?

    Für mich - ganz persönlich - ist das Gewissen allgemein mein persönliches Empfinden von Recht und Unrecht, Gut und Böse.

    Ein "schlechtes Gewissen" habe ich, wenn ich etwas getan (oder auch gelassen habe) und dies mit meinen eigenen moralischen Grundsätzen nicht konform geht.
    Wobei die Frage erlaubt ist, von wem man diese moralischen Grundsätze übernommen hat und ob man sie weiterhin auf sich selber anwenden möchte.
    Kleines Beispiel, bewusst harmlos gewählt: Hab mich mit ner Freundin verquatscht, und meinem Männe den Großteil an Haushalt liegen lassen. Nun ist er selber müde und räumt und spült, bevor er Platz hat, sich selber überhaupt was zu essen zu machen.

    Ein "gutes Gewissen" ist das, was mich antreibt, etwas zu tun (oder auch zu lassen), damit mein Handeln meinen eigenen moralischen Grundsätzen entspricht.
    Beispiel: Ich quatsche mit ner Freundin und sehe den Spül in der Küche, die Kleine quengelt rum und ist noch immer nicht im Schlafanzug. Mein gutes Gewissen mahnt, ich beende nett das Gespräch, richte Kind und Wohnung schnell her, und mein Mann muss sich zwar immer noch selbst sein Essen kochen, findet beim Heimkommen aber schon alles so weit vorbereitet und freut sich.

    Gewissenlosigkeit ist die große Schwester der Gedankenlosigkeit. Wer sich keine Gedanken macht, ist bestenfalls schusselig. Wer aber genau weiß und bedenkt, was er tut, ist gewissenlos.
    In meinem bewusst harmlosen Beispiel würde ich mich also gemütlich aufm Sofa räkeln und quatschen, die Kurze mit Gummibärchen gefügig füttern und erwarten, dass mein Mann von der Maloche kommt und alles pflegt, räumt, putzt und säubert, ohne dass sich bei mir ein Gewissen regen würde.

    Soweit die Theorie.
    Und die Praxis?

    Als mein guter Freund besoffen nen Unfall (zum Glück ohne Schäden ausser an seinem eigenen Auto) baute, stand ich da und hab der Polizei gewunken. Es war richtig, das zu tun, nach allen rechtlichen und moralischen Maßstäben.
    Genaugenommen war es auch ihm eine Hilfe und ein Schutz der Schulkinder, die wenig später da lang laufen.
    Dennoch fühlte ich mich wie ein Verräter.

    Als er Heiligabend die gut versteckte Flasche leerte, hab ich ihm tags darauf die Freundschaft gekündigt und bin gegangen, eine völlige und unbefristete Kontaktsperre verhängend. Es war richtig, das zu tun.
    Dennoch fühlte es sich an wie Im-Stich-lassen.

    Fazit: Es ist gut, auf sein Gefühl zu hören.
    Schadet es mir jedoch - wie tanja1977 beschreibt - muss ich dessen Ursache überdenken.

    - edit, bitte auf Wortwahl achten, danke, Linde -

    Zum Thema zurück: Das, was ich da der Tanja in Grün geschrieben habe, entspricht meinem ehrlichen, tiefsten Gefühl und meiner Überzeugung. Dennoch will sich da ein Gewissen regen, weil man "sowas" doch nicht schreiben kann.

    Genau das meine ich: Hinhören aufs Gefühl - aber auch gelegentlich überdenken.

    Hoffe, irgend jemand konnte jetzt meinem Schmu folgen.

    Grad will ich was schreiben, werde mir bewusst, was für einen Nicknamen ich gewählt habe (vor wenigen Wochen, als ich für einen guten Freund Infos suchte) und muss über mich selber lachen.
    Als ob ich keinen eigenen Namen hätte, kein eigenes Leben!
    Ich hab einen Namen - ich heiße Ute - ich hab ein eigenes Leben - Mann, Kinder, Hund, ein Häuschen, welches (noch) mehr der Bank als uns gehört.
    Ich habe eigene Hobbies - Natur, Hunde und einen sehr eigenen selbstgestrickten Job!

    Und alles, womit ich mich aufmache in die Öffentlichkeit ist dieses fast "dienende" FüreinenFreund.

    Neiiiiiiin, iiiiiiich hab doch kein Suchtproblem, iiiiich doch nicht! Nur so ein klitzekleines Bisschen Co, was?

    Nochmals und von Herzen besten Dank an dieses Forum (kann man hier eigentlich was für den Erhalt spenden?), hab noch grad die Kurve gekriegt.

    Als mein lieber Freund Heiligabend seinen (gut vorbereiteten) Rückfall pflegte, hab ich ihn ganz ruhig und lieb gesichert, den Hund versorgt, geschaut, dass er sich nicht verletzen kann beim Fallen.... und ihm dann am nächsten Morgen ganz ruhig und fest gesagt, dass eine Freundschaft zu dritt (MIT Alkohol) nicht geht. Schlüssel hinlegen, ruhig gehen (nicht so einfach mit nem heulenden festklammernden Mann am Bein) und wegbleiben.

    Zurück bleiben Gedanken - säuft er sich tot, begeht er Selbstmord, hat er es kapiert? Und der wichtigste Gedanke "ER ist es, der sein Leben lebt oder versaut".
    Gefühle - ähnlich Liebeskummer, nur so ähnlich. Wenn ich ehrlich bin, ist es das Gebraucht-Werden, das ich so schmerzlich vermisse.

    Ich bin in eine Falle getappt, aber wieder rausgekommen. Ich sollte was draus lernen. Handy und Telefon bleiben stumm, und ich werd auch NICHT im Umfeld nach seinem Befinden fragen. SEIN Leben.

    Erstaunliche Erfahrung.

    Wie machen das erst Leute, die ihren geliebten Partner nach Jahren fallenlassen müssen? Ich sag nur, Respekt, Respekt, Respekt!

    Hier sitze ich nun, lache mich selbst aus, ein wenig bleibt das Lachen noch im Halse stecken, aber es geht schon besser.
    Oh, ich hab auf einmal so viel Zeit über. So viel Kraft, so viel Entscheidungsfreiheit. Was mache ich denn alles damit? Mit den Kids Plätzchen backen. Mit dem Hund in den Wald.
    Mit meinem Mann zusammen sitzen und Käffchen trinken.

    Ich glaube, ich hab gerade viel und Wichtiges gelernt.
    Ich freue mich auf 2011.
    MEIN 2011!

    Hallo Regenbogenblume,

    vielen Dank für diesen Thread. Ich habe ihn etliche Male gelesen, und er hat mir - neben einigen anderen hier - sehr geholfen, mich in ähnlicher Situation rechtzeitig abzugrenzen.

    Der Freund in meinem Fall hat nach einigen Wochen gestern wieder einen Rückfall erlitten. Das war mein letztes Stichwort, mich von ihm zu verabschieden. Habe ich heute früh getan, musste ihm noch ein paar Dinge geben, aber sonst bin ich da raus.

    Nun erwische ich mich bei höchst befremdlichen Gedanken, die sich um Gebraucht-werden-wollen, Helfen-zu-müssen-glauben und sowas wie "ich bin doch die Einzige, die er noch hat" drehen.
    Recht abstrus, aber ist so. Damit werd ich aber wohl noch fertig.

    Diesem Forum und denen, die darin schreiben, gilt mein Dank. Ich wäre sonst schneller in eine Falle getappt als vermutet.