Beiträge von Carl Friedrich

    In den 6 abstinenten Jahren hatte ich meine Erkrankung aus den Augen verloren - ich hatte ja kein Problem mit der Abstinenz. Und das war aus heutiger Sicht der größte Fehler. Es ist nun mal eine chronische Erkrankung, die ich zukünftig mehr oder weniger behandeln muss - und zwar dauerhaft.

    Dann habe ich mich nach etwa 1 Jahr auch nicht mehr um das Thema gekümmert was wohl der größte Fehler war. Dann Leichtsinn und Selbstüberschätzung und schleichend kam der Alkohol wieder.....

    Hallo!

    Das hast Du gut analysiert. Das habe ich so schon öfter von Rückfälligen gehört und deckt sich mit meinen Erfahrungen.

    Ich bin seit mehr als 8 Jahren clean und immer noch regelmäßig hier unterwegs, um mich -letztlich vor mir selbst- zu schützen.

    Und jetzt geh einfach Schritt für Schritt weiter. Du hast es drauf und kannst es schaffen.

    Viel Glück

    Nö, ich habe aufgehört, irgendwelche Schuldigen zu finden

    Es werden 2 Komponenten verwechselt, die getrennt voneinander zu betrachten sind:

    1.) Kausalität= Ursächlichkeit. Bei komplexen Sachverhalten sind monokausale Ursachen selten, da spielen zu viele Faktoren eine Rolle, die in ihrer Zusammenschau zu einem bestimmten Ergebnis geführt haben. Allein darum ging es mir.

    2.) Schuld= Persönliche Vorwerfbarkeit. Diese setzt voraus, dass der Betreffende aufgrund seines intellektuellen Zuschnitts in der Lage war, die Gefahren seines Tuns zu erfassen (Einsichtsfähigkeit) und nach dieser Einsicht zu handeln (Steuerungsfähigkeit).

    Zu letzterem habe ich mich nicht geäußert.

    sondern vielmehr mit der Beziehung zu sich selbst, mit falschen Glaubenssätzen, ungesunden Verhaltensmustern und einem nicht ausreichenden Selbstwertgefühl zu tun

    Das ist mir zu pauschal. Ich merke, Du kommst aus dem "anderen Lager".

    Ich habe nicht jahrelang getrunken, weil ich den falschen Glauben hatte (egal ob religiös oder sonst was) oder voller Minderwertigkeitskomplexen durchs Leben stolperte. Also Punkte 1 und 3 treffen zumindest auf mich, mehrere andere fallen mir spontan auch ein, definitiv nicht zu.

    Ich habe zu viel getrunken, weil ich in einem alkohollastigen Umfeld aufgewachsen bin, in dem der übermäßige Konsum an der Tagesordnung war, selbst früher gerne 2x wöchentlich mal 2 Weizen trank, mit der Zeit die Dosis und die Anzahl der Trinktage steigerte und später irgendwann die Kontrolle verlor.

    Für mich war das Thema Alkohol kein Thema mehr - dort glaub ich, ist der Hund begraben

    Da dürfte was dran sein. Ein erfahrener Suchtmediziner gab mir nach meiner Therapie mit auf den Weg: "Der erste Schritt in Richtung Rückfall wird gemacht, wenn man sich nicht mehr mit seinem Problem befasst."

    Wenn mein Alkoholproblem mehr und mehr aus dem Dunstkreis meiner Wahrnehmung verschwindet, wird dem glänzend funktionierenden Suchtgedächtnis womöglich Tür und Tor geöffnet, so meine persönliche Einschätzung.

    Tue ich mir leid, weil es nun sooooo offensichtlich ist, dass nie und nimmermehr kontrolliertes Trinken möglich ist?

    Hast Du denn vor dem Rückfall daran geglaubt, Du könntest irgendwann doch noch mal moderat was trinken? Ich nenne es Trinkvorbehalt und der hat schon zu manch einem Rückfall geführt, weil der Betreffende nicht rückhaltlos zu seiner Abstinenz stand.

    Ich habe mich in den letzten 6 Monaten ständig mit meiner Alkoholsucht beschäftigt,

    habe an mir gearbeitet …..und hatte trotzdem vor ner Woche einen Rückfall…

    War es Dir denn vor dem Rückfall gelungen, den Gedanken aus dem Hirn zu verbannen, irgendwann sei doch noch mal was mit dem Alkohol möglich?

    Stand Dein Abstinenzwunsch Wunsch womöglich unter einem (späteren) Trinkvorbehalt? Oder stellte sich der Trinkwunsch nachträglich ein?

    Was hast Du konkret unternommen, als sich das Trinkverlangen, das dem Konsum nun mal vorangeht, einstellte?

    Hast Du Dich von trinkenden Gelegenheiten erst mal fern gehalten und Risikominimierung betrieben? Dazu gehört es, dem Alkohol nicht noch hinterher zu laufen.

    Das sind alles so Aspekte die mir sofort einfallen, wenn ich von einem Rückfall höre oder hier lese.

    Das Nichtbefassen mit dem Problem ist auch mehr auf diejenigen bezogen, die nach jahrelanger Abstinenz plötzlich rückfällig wurden. Also Personen, die bereits gefestigt waren. Letzteres ist im ersten Jahr der Abstinez oftmals nicht der Fall, daher auch die hohe Rückfallzahl in dieser Zeitspanne.

    Da lese ich viel über Rückfälle in diesem Forum, selbst nach jahrelanger Abstinenz.

    Mir fällt in diesem Zusammenhang der Rat ein, den mir ein erfahrener Suchtmediziner am Ende meiner ambulanten Therapie gab: "Der erste Schritt in Richtung Rückfall wird gemacht, wenn man sich nicht mehr regelmäßig mit seinem Problem befasst."

    Ja, ich befasse mich, damit sich in meinem Kopf nicht der Gedanke einnistet, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Stoff.

    Das Befassen ist meine persönliche Prophylaxe, so wie ich regelmäßig zum Doc (incl. Zahnarzt) gehe, um mich zu schützen.

    Hallo!

    Im Prinzip weist Du ja wie es geht. Die letzten Jahre sprechen für sich.

    Bring erst 1x Ruhe in dein Leben.

    Dem schließe ich mich an.

    Was ist passiert und wie kam es zu dem Gedanken, dass kontrolliertes Trinken überhaupt möglich ist? Vielleicht magst du dazu etwas schreiben?

    Ich habe von Rückfälligen öfter gehört, dass sich mit der Zeit im Kopf der Gedanke Platz verschaffte, man könne wieder wie ein "Normaler" was trinken.

    So lange ein solcher Trinkvorbehalt existiert oder neu aufflammt, wird es schwer.

    Alles Gute

    ob ich z.B. zur Suchtberatung oder in eine Offline-SHG gehen soll um das Ganze noch weiter abzusichern.

    Probier es doch einfach mal aus, denn probieren geht über studieren :winking_face:

    Ich habe damals nach jeder möglichen Hilfe gegriffen und sie hat sich prima zusammengefügt, nämlich alle Teile ergaben ein stimmiges Ganzes. Ich war da sicherlich auch etwas neugierig und hatte zugleich die unterschwellige Befürchtung, etwas zu verpassen. Zudem stand ich bei meiner Familie im Wort, die ambulante Therapie zu machen.

    Ich stelle jedoch nicht in Abrede, dass es auch ohne Therapie und analoger SHG, sondern nur mit diesem Forum und der nötigen Eigenregie funktionieren kann, den Weg aus dem Alkohol zu finden.

    Das fand ich heute im Netz: "Abstinenz ist nicht der Weg in den Himmel, sondern der aus der Hölle."

    Da ist viel Wahres dran. Oder wie Hartmut es andersweitig mal beschrieb: "Die Welt wird nicht dadurch besser, dass ich die Flasche weggestellt habe."

    Abstinenz ist nicht alles, aber ohne Abstinenz ist für mich alles nichts.

    In diesem Sinne alles Gute

    wünscht

    Carl Friedrich, seit mehr als 8 Jahren unfallfrei abstinent.

    Letzteres nur als Ansporn für die Neueinsteiger und frisch Abstinenten, zeitgleich ein erneuter Beweis, dass der Ausstieg aus dem Alkohol möglich ist.

    Hallo!

    Stimmungsschwankungen waren bei mir in den ersten Monaten an der Tagesordnung. Mein zuvor alkoholverseuchtes Hirn musste erst wieder auf Normalbetrieb umgestellt werden und das dauerte halt ein Weilchen, bis die Synapsen neu gepolt waren. Ein Mediziner (Neurologe) könnte es genauer einordnen, es ändert sich m.E. aber nichts am Ergebnis.

    Kommt mir vor als sei ich erst heute richtig angekommen.

    Das liest sich gut. Die An- und Abreisetage arten gerne in Stress aus und was macht dann das frisch angetrocknete Hirn? Es schreit nach Besänftigung in flüssiger Form. Was habe ich früher direkt nach Ankunft am Urlaubsort gemacht? Erst kräftig Bier reingeschüttet. Das meine ich mit meinem Rat der der guten Vorbereitung. Mein Suchtgedächtnis rebellierte gerne, wenn ich in Situationen kam, in denen ich früher getrunken habe. Das gilt es auf dem Schirm zu haben.

    Du hast dem ersten heftigen Druck getrotzt, das stärkt Dich für die Zukunft. Halt am besten stets noch 'ne Pulle Wasser griffbereit. Hast Du erst mal eine Flasche Wasser intus, ist zumindest das Bedürfnis nach Flüssigem gestillt. So ein Suchtverlangen dauert nicht ewig, soindern verfliegt recht schnell wieder.

    Schönen Urlaub

    Besonders weil ich ab Freitag erstmal ein paar Tage Urlaub mit meiner Frau und unserem Hund am Meer verbringen werde. Das erste mal ohne Saufen nach vielen Jahren.

    Hab bitte auf dem Schirm, dass sich im Urlaub das Suchtgedächtnis melden kann. Jahrelang war bei mir der Urlaub mit dem heftigen Konsum von Alk verknüpft, diese Verknüpfung muss erst wieder gelöst werden. Ich habe meinen ersten Urlaub 5 1/2 Monate nach meinem Ausstieg aus dem Alk gemacht. In einer Ferienwohnung und nicht in einem AI-Hotel mit Dauersaufkulisse. Letzteres sehe ich als kontraproduktiv an.

    Wie steht's um den Konsum der Ehefrau? Wenn die jeden Tag gerne das eine oder andere Gläschen heben, kann Dich das in Kalamitäten bringen.

    Ich bin stets gut damit gefahren, mir im Vorfeld auf gewisse Situationen vorzubereiten, die früher mit dem Konsum von Alk verbunden waren und mir eine Lösungsstrategie zurecht zu legen. Gute Vorbereitung war für mich eine enorme Absicherung.

    So hatte ich im ersten Urlaub nur eine heikle Situation zu überstehen, als ich in guter Laune nach einem üppigen Mahl meinte, mal an dem Absacker-Cognac meiner Frau, den sie sich ausnahmsweise mal bestellt hatte, schnüffeln zu müssen. Solche dämlichen Experimente lass lieber sein. Hat der Betreffende das Glas schon mal an der Nase, ist es zum Trinken nicht mehr weit.

    Damals fiel mir besonders der Morgen sehr positiv auf. Ich war im Gegensatz zu früher putzmunter und gut gelaunt. Klar, ich musste nicht erst noch mit mächtig Restalkohol in der Birne meinen Kater kurieren und konnte zum Bäcker gehen, nachdem ich einige Runden im Pool gedreht hatte. Morgens um 8 am Meer, wenn noch alles ruhig ist, das ist schon ein tolles Bild. Das lässt sich nur nüchtern vollends genießen.

    Ich wünsche einen schönen Urlaub.

    Ich komme ja aus der anderen Ecke und poste nur höchst selten mal im EKA Bereich.

    Ein paar kleine Anmerkungen zu dem Schuldvorwurf: Der Schuldbegriff, der umgangssprachlich verwendet wird, ist leider mehrdeutig und alles andere als genau.

    Zu Beginn meiner Therapie wurden die Teilnehmer darauf hingewiesen, diesen Begriff erst mal zu umschiffen, um uns nicht zu sehr zu belasten. Verwendet wurde der Begriff der Verantwortung, indem wir für das was wir getan haben (Saufen, Angehörige "verletzen") die Verantwortung tragen. Schuld bedeutet persönliche Vorwerfbarkeit, dass wir aufgrund unserer Kenntnisse und Fähigkeiten imstande waren, bestimmte Dinge zu tun oder zu unterlassen.

    Einem Angehörigen moralisch vorzuwerfen, zu lange an der Beziehung zu einem Alkoholiker festgehalten zu haben, ist m.E. nicht in Ordnung. Der Angehörige steckte in dem Spannungsverhältnis zwischen seiner Beziheung zum Alkoholiker und ggf. den (gemeinsamen) Kindern.

    Wer möchte da den Stab darüber brechen, dass retroperspektivisch suboptimale oder gar unvernünftige Entscheidungen getroffen wurden? Ich traue mir das nicht zu.

    Zur Schuldfrage habe ich nach knapp 8 Jahren, ein paar Tage fehlen noch, inzwischen meinen eigenen Standpunkt. Klar habe ich Schuld auf mich geladen, aufgrund meiner Vita, meines geistigen Zuschnitts und meiner Ausbildung war mir klar, wie mein übermäßiger Konsum enden wird. Und genau das habe ich um des Saufens willen billigend in Kauf genommen. Ja, ich bin schuldig geworden gegenüber meiner Familie. Aber damit bin ich inzwischen im Reinen.

    Ich kann nur raten, löst Euch von Schuldfragen. Schaut Euch die Ursachenkette an: Erst war das abhängige Trinken des Alkoholikers und erst zeitlich später kamen womöglich "falsche" Entscheidungen des Partners.

    Werdet frei von den negativen Gefühlen betreffend die Vergangenheit. Die verderben Euch nur den Tag und nehmen Euch die Chance, das Schöne der gegenwart Augenblick zu erkennen und ggf. zu genießen. Das Leben wird nach vorne gelebt und nach hinten verstanden (hoffentlich). Das Rad der Zeit können wir nicht zurück drehen, auch wenn wir es uns manchmal wünschen.

    Dein Blick als Neuling im Geschäft der Abstinenz ist sehr alkoholfixiert. Ist ja auch kein Wunder, da viele ihr früheres Leben komplett um die Flasche herum organisiert hatten. Das legt sich mit der Zeit. Mit zunehmender Festigung der Abstinenz tritt der Alkohol mehr in den Hintergrund. Mich stört es überhaupt nicht (mehr), wenn in Kassennähe Alkoholika angeboten werden.

    Andere Leute können halt mit Alkohol umgehen, ich kann es nicht und werde es auch niemals können.

    Schau auf Dich und Deinen Weg, das Du unfallfrei über die nächsten Tage und Wochen kommst. Wichtig ist, eine stabile Abstinenz zu erreichen. Das wird jedoch noch eine ganze Weile dauern, bei mir waren es mindestens 2 Jahre.

    Kenne ich. Der Körper verstoffwechselt den Alk in Zucker. Daran ist er gewöhnt und giert jetzt nach dem Absetzen des Alkohols danach. Das ist eine Erklärung, die ich schon öfter gehört habe und die mir zumindest logisch erscheint.

    Da ich schon immer ein Schoko-Freund war, bin ich mittlerweile auf Zartbitter umgestiegen, da kann ich mich mit einem Riegel begnügen. Das funktioniert bei der Vollmilchvariante leider nicht.

    Also keine Sorge, alles normal.

    Hallo!

    Die Frage kommt mir bekannt vor. Von mir selbst. Es ist m.E. die Stimme der Sucht.

    Letztlich ist es völlig wurscht, wann der Kippunkt war. Du hast ihn längst hinter Dir.

    Alkoholismus ist eine Einbahnstraße. Es gibt kein zurück in ein früheres Stadium.

    Ob ein anderer Weg möglich gewesen wäre, wirst Du niemals erfahren. Daher ist es müßig, darüber zu spekulieren. Ich kann nur dazu raten, bis auf Weiteres erst mal nur auf Dich zu schauen, um clean durch den Tag zu kommen. Das ist zu Beginn schon schwer genug, insbesondere zu Zeiten, in denen früher getrunken wurde.

    Falls Du den alten Zeiten vor Erreichen des Stadiums Alkoholismus nachtrauerst, machst Du es Dir nur unnötig schwer, da Dein Denken zu sehr auf den Konsum von Alk gerichtet ist. Schau lieber, was Du heute Schönes für Dich tun kannst, um eine positive Rückmeldung für Dich selbst zu erhalten, damit Du siehst, dass positive und schöne Dinge nicht notwendig mit dem Alk verbunden sind. So gewinnst Du langsam, aber sicher die nötige Distanz zum Suchtstoff.