Ich komme ja aus der anderen Ecke und poste nur höchst selten mal im EKA Bereich.
Ein paar kleine Anmerkungen zu dem Schuldvorwurf: Der Schuldbegriff, der umgangssprachlich verwendet wird, ist leider mehrdeutig und alles andere als genau.
Zu Beginn meiner Therapie wurden die Teilnehmer darauf hingewiesen, diesen Begriff erst mal zu umschiffen, um uns nicht zu sehr zu belasten. Verwendet wurde der Begriff der Verantwortung, indem wir für das was wir getan haben (Saufen, Angehörige "verletzen") die Verantwortung tragen. Schuld bedeutet persönliche Vorwerfbarkeit, dass wir aufgrund unserer Kenntnisse und Fähigkeiten imstande waren, bestimmte Dinge zu tun oder zu unterlassen.
Einem Angehörigen moralisch vorzuwerfen, zu lange an der Beziehung zu einem Alkoholiker festgehalten zu haben, ist m.E. nicht in Ordnung. Der Angehörige steckte in dem Spannungsverhältnis zwischen seiner Beziheung zum Alkoholiker und ggf. den (gemeinsamen) Kindern.
Wer möchte da den Stab darüber brechen, dass retroperspektivisch suboptimale oder gar unvernünftige Entscheidungen getroffen wurden? Ich traue mir das nicht zu.
Zur Schuldfrage habe ich nach knapp 8 Jahren, ein paar Tage fehlen noch, inzwischen meinen eigenen Standpunkt. Klar habe ich Schuld auf mich geladen, aufgrund meiner Vita, meines geistigen Zuschnitts und meiner Ausbildung war mir klar, wie mein übermäßiger Konsum enden wird. Und genau das habe ich um des Saufens willen billigend in Kauf genommen. Ja, ich bin schuldig geworden gegenüber meiner Familie. Aber damit bin ich inzwischen im Reinen.
Ich kann nur raten, löst Euch von Schuldfragen. Schaut Euch die Ursachenkette an: Erst war das abhängige Trinken des Alkoholikers und erst zeitlich später kamen womöglich "falsche" Entscheidungen des Partners.
Werdet frei von den negativen Gefühlen betreffend die Vergangenheit. Die verderben Euch nur den Tag und nehmen Euch die Chance, das Schöne der gegenwart Augenblick zu erkennen und ggf. zu genießen. Das Leben wird nach vorne gelebt und nach hinten verstanden (hoffentlich). Das Rad der Zeit können wir nicht zurück drehen, auch wenn wir es uns manchmal wünschen.