Beiträge von Carl Friedrich

    Hallo!

    Wenn Du Dich outest warten alle nur noch auf Deinen Rückfall, Krankmeldung heisst " der säuft bestimmt wieder", genauso wie längeres Nichtmelden bei Leuten die wissend sind.

    Man muss sich vor Augen führen, das man mit dieser Erkrankung wenig akzeptiert wird. Ich informiere niemanden mehr darüber, ich trinke kein Alkohol und basta. Die Frage nach dem Warum wird nicht beantwortet und verläuft im Sande. Meine Strategie funktioniert bis dato, ich darf nur einen Fehler nicht machen: Irgendwas vergessen.

    Genau praktiziere ich es seit mehr als 8 Jahren. Du hast meine Ansicht, insbesondere zum "Outen", auf den Punkt gebracht. Die Einweihung von Arbeitskollegen halte ich für riskant und habe ganz bewusst davon abgesehen. Ich habe nur die eingeweiht, die es wirklich was angeht und der Kreis ist sehr eng gezogen.

    Glückwunsch zu Deiner langjährigen Abstinenz.

    Leider habe ich von meiner PKV eine Absage für die Klinik bekommen

    Schade. Ich bin selbst "Privat" und kenne das Problem. Eine ambulante Therapie wurde bei mir übernommen. Sie ist halt billiger.

    Das zeigt, dass Private bei Kuren und Reha letztlich schlechter gestellt sind, als Sozialversicherungspflichtige. Die Bewilligung derartiger Maßnahmen ähnelt stets einem Gnadenakt.

    Wie sieht es denn ggf. mit einer "ambulanten Therapie" bei Dir aus?

    Ich denke gerade in der Anfangsphase ohne Alkohol sollte man nicht viel arbeiten oder was meint ihr?

    Es gilt das richtige Maß zwischen zu viel und zu wenig zu finden. Ich weiß, Maßhalten war auch nie meine Stärke :wink:

    Mich wundert es. warum in einer Situation, in der es mir eigentlich gut gehen muesste,

    es mir schlecht geht und ich Saufdruck verspuere?

    Die Abstinenz ist keine Garantie für ein zufriedenes Leben, aber die Grundvoraussetzung dafür.

    Auch wenn es platt klingen mag, unser Leben ist nun mal wie eine Achterbahnfahrt, auch emotional.

    Ich musste lernen, mich selbst ohne den Filter, Schleier und Stimmungsaufheller Alkohol zu ertragen. Ich habe gelernt, auch mal negative Gefühle zuzulassen. Mir hilft dann immer, rauf aufs Rad und anständig kurbeln, einen Spaziergang machen, ins Fitnesstudio oder die Sauna zu fahren, mit der Frau reden, telefonieren oder ein paar Dinge, z.B. momentan frische Erdbeeren, einzukaufen. Hauptsache etwas Ablenkung und irgendwie unter Leute kommen.

    Auch hilft es mir, mir klar zu machen, dass sehr viele andere Leute viel schlechter dran sind. Ich kenne viele, die sicherlich gerne mit mir tauschen würden, ich aber nicht mit ihnen. Von daher geht's mir wirklich gut.

    Ich kann auch im Supermarkt ganz entspannt an den ganzen Flaschen vorbeigehen, oder mich zwischen Personen setzen, die Alkohol trinken.

    Überschätzte Dich bitte nicht. Mitten zwischen zechenden Zeitgenossen zu hocken, ist für einen frisch Abstinenten eine enorme Herausforderung und m.E. der falsche Ort. Ruckzuck wird mal das eine oder andere Glas angeboten oder Dein Suchtgedächtnis schlägt vor lauter Alkohol im Umfeld Kapriolen, bis Du womöglich zum Glas greifst. Du wärst nicht der Erste, der auf so eine Art rückfällig wird.

    Einem Neuling wird hier gerne geraten, erst mal den Alkohol auf Distanz zu halten und ihm nicht hinterher zu laufen. Das nennt sich Risikominimierung.

    Mit so Sprüchen, es mache Dir alles gar nichts aus, redest Du Dir nur selbst was ein und übersiehst das Risiko.

    In den 6 abstinenten Jahren hatte ich meine Erkrankung aus den Augen verloren - ich hatte ja kein Problem mit der Abstinenz. Und das war aus heutiger Sicht der größte Fehler. Es ist nun mal eine chronische Erkrankung, die ich zukünftig mehr oder weniger behandeln muss - und zwar dauerhaft.

    Dann habe ich mich nach etwa 1 Jahr auch nicht mehr um das Thema gekümmert was wohl der größte Fehler war. Dann Leichtsinn und Selbstüberschätzung und schleichend kam der Alkohol wieder.....

    Hallo!

    Das hast Du gut analysiert. Das habe ich so schon öfter von Rückfälligen gehört und deckt sich mit meinen Erfahrungen.

    Ich bin seit mehr als 8 Jahren clean und immer noch regelmäßig hier unterwegs, um mich -letztlich vor mir selbst- zu schützen.

    Und jetzt geh einfach Schritt für Schritt weiter. Du hast es drauf und kannst es schaffen.

    Viel Glück

    Nö, ich habe aufgehört, irgendwelche Schuldigen zu finden

    Es werden 2 Komponenten verwechselt, die getrennt voneinander zu betrachten sind:

    1.) Kausalität= Ursächlichkeit. Bei komplexen Sachverhalten sind monokausale Ursachen selten, da spielen zu viele Faktoren eine Rolle, die in ihrer Zusammenschau zu einem bestimmten Ergebnis geführt haben. Allein darum ging es mir.

    2.) Schuld= Persönliche Vorwerfbarkeit. Diese setzt voraus, dass der Betreffende aufgrund seines intellektuellen Zuschnitts in der Lage war, die Gefahren seines Tuns zu erfassen (Einsichtsfähigkeit) und nach dieser Einsicht zu handeln (Steuerungsfähigkeit).

    Zu letzterem habe ich mich nicht geäußert.

    sondern vielmehr mit der Beziehung zu sich selbst, mit falschen Glaubenssätzen, ungesunden Verhaltensmustern und einem nicht ausreichenden Selbstwertgefühl zu tun

    Das ist mir zu pauschal. Ich merke, Du kommst aus dem "anderen Lager".

    Ich habe nicht jahrelang getrunken, weil ich den falschen Glauben hatte (egal ob religiös oder sonst was) oder voller Minderwertigkeitskomplexen durchs Leben stolperte. Also Punkte 1 und 3 treffen zumindest auf mich, mehrere andere fallen mir spontan auch ein, definitiv nicht zu.

    Ich habe zu viel getrunken, weil ich in einem alkohollastigen Umfeld aufgewachsen bin, in dem der übermäßige Konsum an der Tagesordnung war, selbst früher gerne 2x wöchentlich mal 2 Weizen trank, mit der Zeit die Dosis und die Anzahl der Trinktage steigerte und später irgendwann die Kontrolle verlor.

    Für mich war das Thema Alkohol kein Thema mehr - dort glaub ich, ist der Hund begraben

    Da dürfte was dran sein. Ein erfahrener Suchtmediziner gab mir nach meiner Therapie mit auf den Weg: "Der erste Schritt in Richtung Rückfall wird gemacht, wenn man sich nicht mehr mit seinem Problem befasst."

    Wenn mein Alkoholproblem mehr und mehr aus dem Dunstkreis meiner Wahrnehmung verschwindet, wird dem glänzend funktionierenden Suchtgedächtnis womöglich Tür und Tor geöffnet, so meine persönliche Einschätzung.

    Tue ich mir leid, weil es nun sooooo offensichtlich ist, dass nie und nimmermehr kontrolliertes Trinken möglich ist?

    Hast Du denn vor dem Rückfall daran geglaubt, Du könntest irgendwann doch noch mal moderat was trinken? Ich nenne es Trinkvorbehalt und der hat schon zu manch einem Rückfall geführt, weil der Betreffende nicht rückhaltlos zu seiner Abstinenz stand.

    Ich habe mich in den letzten 6 Monaten ständig mit meiner Alkoholsucht beschäftigt,

    habe an mir gearbeitet …..und hatte trotzdem vor ner Woche einen Rückfall…

    War es Dir denn vor dem Rückfall gelungen, den Gedanken aus dem Hirn zu verbannen, irgendwann sei doch noch mal was mit dem Alkohol möglich?

    Stand Dein Abstinenzwunsch Wunsch womöglich unter einem (späteren) Trinkvorbehalt? Oder stellte sich der Trinkwunsch nachträglich ein?

    Was hast Du konkret unternommen, als sich das Trinkverlangen, das dem Konsum nun mal vorangeht, einstellte?

    Hast Du Dich von trinkenden Gelegenheiten erst mal fern gehalten und Risikominimierung betrieben? Dazu gehört es, dem Alkohol nicht noch hinterher zu laufen.

    Das sind alles so Aspekte die mir sofort einfallen, wenn ich von einem Rückfall höre oder hier lese.

    Das Nichtbefassen mit dem Problem ist auch mehr auf diejenigen bezogen, die nach jahrelanger Abstinenz plötzlich rückfällig wurden. Also Personen, die bereits gefestigt waren. Letzteres ist im ersten Jahr der Abstinez oftmals nicht der Fall, daher auch die hohe Rückfallzahl in dieser Zeitspanne.

    Da lese ich viel über Rückfälle in diesem Forum, selbst nach jahrelanger Abstinenz.

    Mir fällt in diesem Zusammenhang der Rat ein, den mir ein erfahrener Suchtmediziner am Ende meiner ambulanten Therapie gab: "Der erste Schritt in Richtung Rückfall wird gemacht, wenn man sich nicht mehr regelmäßig mit seinem Problem befasst."

    Ja, ich befasse mich, damit sich in meinem Kopf nicht der Gedanke einnistet, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Stoff.

    Das Befassen ist meine persönliche Prophylaxe, so wie ich regelmäßig zum Doc (incl. Zahnarzt) gehe, um mich zu schützen.

    Hallo!

    Im Prinzip weist Du ja wie es geht. Die letzten Jahre sprechen für sich.

    Bring erst 1x Ruhe in dein Leben.

    Dem schließe ich mich an.

    Was ist passiert und wie kam es zu dem Gedanken, dass kontrolliertes Trinken überhaupt möglich ist? Vielleicht magst du dazu etwas schreiben?

    Ich habe von Rückfälligen öfter gehört, dass sich mit der Zeit im Kopf der Gedanke Platz verschaffte, man könne wieder wie ein "Normaler" was trinken.

    So lange ein solcher Trinkvorbehalt existiert oder neu aufflammt, wird es schwer.

    Alles Gute

    ob ich z.B. zur Suchtberatung oder in eine Offline-SHG gehen soll um das Ganze noch weiter abzusichern.

    Probier es doch einfach mal aus, denn probieren geht über studieren ;)

    Ich habe damals nach jeder möglichen Hilfe gegriffen und sie hat sich prima zusammengefügt, nämlich alle Teile ergaben ein stimmiges Ganzes. Ich war da sicherlich auch etwas neugierig und hatte zugleich die unterschwellige Befürchtung, etwas zu verpassen. Zudem stand ich bei meiner Familie im Wort, die ambulante Therapie zu machen.

    Ich stelle jedoch nicht in Abrede, dass es auch ohne Therapie und analoger SHG, sondern nur mit diesem Forum und der nötigen Eigenregie funktionieren kann, den Weg aus dem Alkohol zu finden.

    Das fand ich heute im Netz: "Abstinenz ist nicht der Weg in den Himmel, sondern der aus der Hölle."

    Da ist viel Wahres dran. Oder wie Hartmut es andersweitig mal beschrieb: "Die Welt wird nicht dadurch besser, dass ich die Flasche weggestellt habe."

    Abstinenz ist nicht alles, aber ohne Abstinenz ist für mich alles nichts.

    In diesem Sinne alles Gute

    wünscht

    Carl Friedrich, seit mehr als 8 Jahren unfallfrei abstinent.

    Letzteres nur als Ansporn für die Neueinsteiger und frisch Abstinenten, zeitgleich ein erneuter Beweis, dass der Ausstieg aus dem Alkohol möglich ist.

    Hallo!

    Stimmungsschwankungen waren bei mir in den ersten Monaten an der Tagesordnung. Mein zuvor alkoholverseuchtes Hirn musste erst wieder auf Normalbetrieb umgestellt werden und das dauerte halt ein Weilchen, bis die Synapsen neu gepolt waren. Ein Mediziner (Neurologe) könnte es genauer einordnen, es ändert sich m.E. aber nichts am Ergebnis.

    Kommt mir vor als sei ich erst heute richtig angekommen.

    Das liest sich gut. Die An- und Abreisetage arten gerne in Stress aus und was macht dann das frisch angetrocknete Hirn? Es schreit nach Besänftigung in flüssiger Form. Was habe ich früher direkt nach Ankunft am Urlaubsort gemacht? Erst kräftig Bier reingeschüttet. Das meine ich mit meinem Rat der der guten Vorbereitung. Mein Suchtgedächtnis rebellierte gerne, wenn ich in Situationen kam, in denen ich früher getrunken habe. Das gilt es auf dem Schirm zu haben.

    Du hast dem ersten heftigen Druck getrotzt, das stärkt Dich für die Zukunft. Halt am besten stets noch 'ne Pulle Wasser griffbereit. Hast Du erst mal eine Flasche Wasser intus, ist zumindest das Bedürfnis nach Flüssigem gestillt. So ein Suchtverlangen dauert nicht ewig, soindern verfliegt recht schnell wieder.

    Schönen Urlaub