Beiträge von Carl Friedrich

    In den ersten Monaten wurde ich immer wieder von meinem Suchtgedächtnis gequält, meistens dezent, ab- und an auch mal brachial. Da musste ich einfach durch.


    Du lebst erst seit ein paar Wochen alkoholfrei, da ist es für mich keine Überraschung, dass es zu solchen Trinkgedanken kommt. Auch der Gedanke des KT schoss mir in den ersten Monaten häufig durch den Kopf.


    Ich bin damals mit der 1-Tagesstrategie gut gefahren. Jeden morgen nach dem Erwachen habe ich mir fest vorgenommen: "Heute trinke ich nicht." So bin ich Schritt für Schritt gegangen.


    Auch habe ich mir damals eine Strategie gegen Suchtgedanken zurecht gelegt. Vor allem gehörte dazu, viel Wasser mit "Blubber" zu trinken. War der Bauch erst mal gefüllt, hatte ich zumnindest keinen Durst mehr, was das Trinkverlangen rapide abfallen ließ.


    Bei mir kamen die Gedanken auf, als ich in Situationen geriet, die damals mit dem Konsum von Alk verknüpft waren. Klassisches Beispiel war der Freitag nach Dienstschluss. Da habe ich mich damals für das WE eingedeckt. Anfangs wurde ich daher am Freitag immer unruhig, mein Suchtgedächtbnis wollte mich wohl abkochen und zum Aufsuchen des Getränkemarktes zwecks Beschaffung animieren.


    Später habe ich mir im Vorfeld diese rein persönlichen Schlüsselreize mal vor Augen gehalten, damit ich erkennen konnte, warum ich gerade ruckelig unterwegs war.


    Vielleicht kannst Du hier etwas für Dich gewinnen.

    Dies nur als kleiner Denkanstoß:

    Mein Tipp: Bleib besser erst mal beim Thema Alk, um dort die nötige Stabilität reinzubringen.

    Beim Zucker sehe ich noch ein weiteres Problem: Der Körper hat den vielen Alk stets in Zucker verstoffwechselt, er japst förmlich danach, weil er auf teilweisen Entzug gesetzt wurde. Versuch es doch mal mit einer Reduktion des Zuckers und lass Süßigkeiten, Kuchen und Desserts weg. Nur am WE mal etwas zur Belohnung.

    Und mit der dämlichen Qualmerei hängst Du ja jetzt am Dampfer, immer noch besser als der andere Dreck. Den gehst Du besser nicht auch noch gleichzeitig an.

    Ich sehe bei Dir die Gefahr, dass Du Dich übernimmst. Und dann? Womöglich gaukelt Dir Dein Suchthirn doch glatt vor, 1-2 leckere Bierchen oder Weinchen, seien doch der ideale Stimmungsaufheller.


    Gut gemeint führt nicht immer auch zu gut gemacht.;)

    da frag ich dann mal wo ich den Ultraschall machen lassen kann

    Falls Du Kassenpatient bist, könnten die Kosten an Dir hängenbleiben. Ich zahle für meine jährliche Spiegelung aller Organe um die 250€. Bin aber privat und da kommt dann der Faktor 2.3 drauf. Besser vorher mit dem Doc abklären. Erzähl ihm bloß, dass Du Alkoholiker bist, weshalb die Organe zu checken sind, ob da etwas durch den Suff geschädigt wurde.


    Ich wünsche viel Glück, sowohl mit den Ergebnissen der bildgebenden Untersuchungen, als auch mit der Abrechnung.

    Tut mir auch leid mit deinem Freundeskreis, das scheint wohl generell ein weit verbreiteter Kollateralschaden zu sein

    Nein,für mich ist es kein Schaden, es ist ein Gewinn. Es zeigt, dass das wahre Bindeglied der bisherigen Beziehung ausschließlich der gemeinsame Konsum von Alkohol war, dem alles andere untergeordnet wurde. Der Alkohol war letztlich die Basis der Beziehung, auf der alles funktionierte.

    Mir ist es ähnlich ergangen wie Alex, nur bin ich froh, dass ich diese Leute, ehemalige Zechkumpanen, nicht mehr in meinem Umfeld habe. Warum? Ohne Alkohol passt es zwischen uns einfach nicht (mehr). Vorher wurde letztlich alles nur "schön getrunken".

    Das Aufbauen neuer Kontakte jenseits des Alk-Konsums dauert schon ein Weilchen, das kommt nicht sofort.


    Klar flackerte es schon mal in meinen Gedanekn auf, mit ... war es doch schön. Ja, aber nur unter Alkoholeinfluss. Ohne ist es, als spielten wir ein jeder eine andere Sportart, um es mal so zu vergleichen.

    Und meine steile These, und nur aus meinem Kopf gewachsen. Wer aus der Sucht gedrängt wurde, durch Druck, durch Drohung „hör auf zu saufen oder es ist vorbei mit uns“ ist anfälliger als jemand, der von Anfang an den Entschluss aus eigener Erkenntnis gefasst hat

    Mit dieser Frage habe ich mich zuletzt anlässlich meiner ambulanten Therapie beschäftigt. Zu beobachten war es an den von mir als "Führerscheinakrobaten" bezeichneten Teilnehmern, die allesamt zur MPU durften und vorher zeigen mussten, dass sie eine Zeitlang clean leben konnten. Die Mehrzahl von denen wollte wohl gar nicht raus aus der Trinkerei, sie wollten nur ihre "Pappe" zurück. Mein Therapeut meinte nur, viele schlagen irgendwann wieder auf.

    Wichtig ist für mich, dass nach dem Wegstellen der Flasche der Gedanke Platz greift, wirklich nie mehr zu trinken. Der Aspirant muss rückhaltlos zu seinem Entschluss stehen. Geistert nocht irgendwo im Hirn der Gedanke herum, später ginge doch noch mal was mit dem Stoff, wird es nichts mit einer stabilen und dauerhaften Abstinenz.


    Bei mir hat es schon ein Weilchen gedauert, bis ich insoweit Klarheit hatte. Das habe ich mir in den ersten 3 Monaten erarbeitet.

    M.E. ist es jedoch ausgesprochen förderlich, wenn der autonome Entschluss des Neulings durch weitere Quellen zusätzlich gespeist und er insoweit unterstützt wird.

    Wer den erwähnten Punkt erst gar erreicht, sondern nur zuliebe/auf Druck der Familie, des Arbeitgebers oder der MPU aufhört, es wohl nicht dauerhaft schaffen wird. Von denen dürftezwar nicht jeder rückfällig werden, einige werden weiter grimmig mit den Fäusten in der Tasche unzufrieden durch das Leben stapfen. So Typen werden wohl als "vertrocknet" bezeichnet, für mich sind sie einfach nur verbittert.

    Herzlichen Glückwunsch zum Einjährigen. Das erste Jahr ist, wie der gesterige Abend noch mal zeigte, das schwierigste.
    Einfach weiter Schritt für Schritt laufen, dann reiht sich Jahr an Jahr. Dein Blickwinkel wird sich zunehmend weiten, Du wirst stabiler und sicherer im Umgang mit Deinen Mitmenschen und sich einstellenden Herausforderungen, denn Du hasz schon einen gewissen Erfahrungsschatz gesammelt, auf den Du zurückgreifen kannst.


    Alles Gute.

    Wusste nicht das ich dort nicht schreiben soll.

    Es ist nicht verboten. Ich schreibe dort fast nie und kann mir momentan auch nicht vorstellen, es wieder zu tun.


    Das ist nicht meine Baustelle. Auch glaube ich nicht, dass Cos irgendwelche Erklärungen, Verharmlosungen oder Entschuldigungen ausgerechnet von ehemaligen Säufern anhören wollen. So ein Exemplar haben oder hatten sie schließlich daheim, egal ob inzwischen abstinent oder nicht.

    Ich zähle nicht die Tage, nur wenn bestimmte User wie z.B. Stern mal wieder auf ihre Zahlen hinweisen, rechne ich gelegentlich auch mal nach. Die Jahreszahl ist mir dagegen sehr gegenwärtig, weil sie durch den 01.05. sehr prägnant ist.


    Daraus etwas herauszulesen oder gar zu psychologisieren und dann noch von jemand, der mit so was normalerweise nichts an der Backe hat, erstaunt und erheitert mich schon. Aber sei es drum, diese Begrifflichkeiten kann m.E. jeder so verwenden wie er will.

    Ich bleibe für mich beim "abstinent", weil es mir besser gefällt.

    Einfache Lösung: Der Einladende kann doch schon im Vorfeld mit der Einladung klar kommunizieren, dass bei ihm nichts getrunken wird und alkoholische Präsente daher unerwünscht sind. Das kann doch so schwer nicht sein.

    Klar dürfte nur sein, dass dann Nachfragen kommen, insbesondere wenn der Gastgeber früher als Schluckspecht vor dem Herrn unterwegs war und nunmehr seine Metamorphose vom Saulus zum Paulus erklären darf.;)

    Wer das nicht möchte, darf halt improvisieren.

    Anfangs waren mir zufällige Treffen mit Saufkumpeln auch peinlich. Erzähle dem Burschen beim nächsten Treffen doch einfach wie gut es Dir jetzt ohne den Stoff geht, da Du viel fitter bist. Wenn der weiter saufen will, dürfte er spätestens dann ruck-zuck weg sein. Denn so was will kein aktiver Säufer hören.

    Und wenn ein anderer anfängt, das Saufen zu verherrlichen: "Ist der Suff für Sie so wichtig, dass Sie unentwegt davon erzählen? Komisch."

    Ich kann nur von mir berichten, dass sich die ganze Anspannung und Peinlichkeit mit der Zeit legt. Heute gehe ich da sehr locker mit um.

    Ich will jetzt nicht die Erleuchtete geben :) Ich habe früher auch Sekt und Whiskey verschenkt,

    Und daher wäre die Sache tiefer zu hängen. Ich kann als Alkoholiker nicht erwarten, dass Nichtalkoholiker meinen Wissensstand haben, insbesondere wenn der Beschenkte früher diese Art von Zuwendungen zu schätzen wusste.


    Ich mache Besuchern keinerlei Vorgaben oder Vorschriften. Wird etwas Alkoholisches mitgebracht, dann reiche ist es weiter. Ist es ein guter Wein, dann erbarmt sich meine Frau.


    So regeln wir es, ganz pragmatisch.;)

    Ich bin jetzt mehr als 10 Jahre clean und habe manche Rückfälle beobachten dürfen. Es ist mir noch nie jemand begegenet, der in der Kneipe trocken wurde. Warum? Du bist viel zu nah am Stoff dran.


    Ein Rückfälliger meinte, er sei genau so stark wie Du. Als die Saufkumpanen Runden warfen griff er bei der driten oder vierten zu.

    Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Fortune geht in die Kneipe, bis er wieder säuft, so meine Einschätzung der Situation.


    Du wirst hier keine guten Ratschläge erhälten, wie Du weiterhin unter Trinkern hocken kannst. Lies Dich mal gründlich in die Grundbausteine ein. Da steht viel Wissenswertes drin.


    Zum gegenwärtigen Zeitpunkt klingst Du für mich wie jemand, der zwar sein Problem erkannt hat, aber noch nicht so weit ist, die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Scheinbar bist Du noch nicht so weit und musst erst noch ein paar (Sauf-)runden drehen. Dies ist schade, jedoch vermeidbar.

    Und noch eins: Bisherige Trinkgefäße wie Weißbiergläser können gewaltig triggern. Ich habe in der Anfangszeit mal eine Apelschorle in so was eingeschenkt. Schon nach wenigen Sekunden begann mein Suchtgedächtnis, gewaltig zu zicken. Warum? Verknüpfung zwischen dem Glas und dem speziellen Stoff.

    Seitdem trinke ich keine Getränke aus Gläsern, die für den klassichen Alkoholausschank bestimmt sind (Bier-, Wein-, Sektgläser, Cognacschwenker ...)


    Bei mir noch alkoholfrerie Mixgetränke aus Longneckflaschen. Das habe ich auch mal wegen des Inhalts gekauft, der für mich ok war, aber die Flasche hat mich "verrückt" gemacht.

    Weihnachten wird in aller Ruhe verbracht. Wir gehen da keinerlei Verpflichtungen ein und haben uns von Ritualen wie Familienfeiern verabschiedet. Statt dessen war ich heute im Fitnesstudio und ich war nicht der Einzige, der die freie Zeit sinnvoll nutzte. Einzig die An- und Abfahrt auf dem Rad erwies sich als lausig kalt. Aber daheim erst mal einen heißen Tee gekocht und etwas gegessen, dann ging es wieder.

    Gedanken an den Konsum von Alk habe und hatte ich keine. Die Verknüpfung in meinem Suchtgedächtnis zwischen den Feiertagen und dem Suff ist (hoffentlich dauerhaft) gelöst. OK, ich bin ja auch schon mehr als 10 Jahre dabei, da wäre es verwunderlich, wenn ich jetzt auf einmal Schmacht auf ein Weißbier hätte. Jedoch habe ich grundsätzlich auf dem Schirm, dass mein Suchtgedächtnis mir jederzeit etwas vorgaukeln kann, um mich wieder an die Flasche zu bringen. Ich nenne es Respekt vor dem Alkohol, andere bezeichnen es als Demut.

    Falls das mal der Fall sein sollte, weiß ich was zu tun ist.

    In diesem Sinne wünsche ich allen schöne und alkoholfreie Festtage.

    Ich halte sog. alkoholfreie oder -arme ´Biere aus den von Hartmut beschriebenen Gründen für brandgefährlich. Mit dem Zeug habe ich früher meine selbst auferlegten Saufpausen überbrückt, bis dann der Schmacht auf ein richtiges Bier zu groß wurde.

    Lass das Zeug besser mal weg.

    Ich bin ein wenig stolz, dass ich vorgestern nicht versucht habe, es auszusitzen, sondern aktiv wurde, auch wenn letztendlich nur die Flucht geholfen hat, aber es hat geholfen.

    Alles richtig gemacht. In den ersten Jahren habe ich mich auch sofort rausgenommen, als es unangenehm wurde. Die Alternative lautet: Wie das Kaninchen vor der Schlange zu hocken.

    Du musst Dir nicht beweisen, wie stark Du bist. Es zählt nur eins, Deine Gesundheit und für die ist Deine Abstinenz unabdingbare Voraussetzung.

    Hier im Forum las ich zu meinem Beginn vor mehr als 10 Jahren: "Sorgen Sie dafür, dass es Ihnen gut geht."

    Da steckt alles Wichtige drin. Nur wir selbst können für unser Wohlbefinden sorgen, das nimmt uns niemand ab. Und manchmal gehört halt ein sofortiger Ortswechsel dazu, um neue Reize zu setzen, sich abzulenken und sich aus einer Gefahrenzone zu nehmen.

    Weihnachtlicher Gruß

    Ich nenne es mal Perversion des Suchtgedächtnisses:

    Heute erhielt ich eine Weihnachtsgruß-email eines deutschen Fereinfliegers. Zur Kenntnis genommen und erledigt. Dann dachte ich plötzlich daran, wie ich mich zu Saufzeiten über den Weihnachtsgruß eines Weißbierproduzenten gefreut habe: " Der .... Weißbräu wüncht allen seinen Freunden eine frohe Weihnacht."

    Dieser Gruß bedeutete mir damals mehr als einer aus der Nachbarschaft oder im Kollegenkreis. Ich sagte mir selbst damals: "Oh, darüber freue ich mich wirklich."

    So sehr hatte mich die Sucht mit ihrem Stoff im Griff, dass ich mir so eine Dämlichkeit einbildete.

    Wie sehr doch die Sucht meine Gefühle und meine Denke pervertierte. Es wurde haarklein unterschieden zwischen den "normalen" Wünschen und Grüßen und solchen, die mir die Fortsetzung meines Konsums ermöglichten und farbig schön ausmalten.

    Eine ganz wichtige Aufgabe für mich war es, die alten Verknüpfungen zwischen einer bestimmten Situation und dem Alkoholkonsum zu lösen. Diese Verknüpfung ist durch das Suchtgedächtnis bestimmt.


    Beispiel: Pünktlich am Freitag deckte ich mich immer mit genügend Stoff für das WE ein. Die ersten Freitage war ich nachmittags etwas wackelig unterwegs, die Sucht forderte halt ihren flüssigen Tribut. Nach ein paar Freitagen war das erledigt.

    Ich habe damals analysiert, wann und unter welchen begleitenden Geschehnissen ich besonders heftig getrunken habe und mich innerlich darauf vorbereitet, dass sich Trinkgelüste einstellen können. Immer, wenn ich auf eine Situation vorbereitet war, blieb der Druck dann aus.

    Vieleicht kannst Du ja damit etwas für Dich anfangen.