Beiträge von Lavendelfuchs

    Danke für die Antworten. Ich bin so verunsichert grade, dass mir von professioneller Seite gesagt wird, dass mein Weg, den ich gehen möchte vielleicht nicht ausreicht um mein Ziel zu erreichen. In meinem Kopf klingt das so katastrophal. Als wäre jetzt schon gesetzt, dass ich scheitern werde.

    frag deine therapeutin beim nächsten mal warum sie diese einschätzung hat. sie soll dir das genau erklären. und dann sagst du wo du probleme siehst. ihr werdet eine lösung finden. schätze mal das das einer deiner ersten schritte sein wird. lernen zu sagen wenn dir was nicht passt statt die kröte zu schlucken. denk mal drüber nach wieviel hier schon mit deinem saufen zu tun hat.

    Ich habe sie heute schon gefragt, weshalb sie das denkt. Sie meinte, dadurch, dass ich jeden Tag Alkohol getrunken habe und einen emotional sehr belastenden Job habe, wäre es wichtig so schnell wie möglich eine stabile Hilfe zu bekommen. (Das sehe ich auch so.) Sie meinte, dass sie meinen Bedarf an therapeutischen Gesprächen höher einschätzt, als das was sie in der ambulanten Therapie mit einem Einzelgespräch alle 2 Wochen und jede Woche eine Gruppensitzung anbieten kann.


    Welche Alternative stand denn im Raum?

    Was für eine Therapieform möchtest DU denn? bzw. was kannst Du Dir vorstellen?

    Ich bin dort hin, weil ich eine ambulante Suchttherapie machen möchte, in der Form wie oben beschrieben. Ich traue mir das eigentlich zu, wenn ich weiterhin hier unterwegs bin und mir auch eine lokale Anbindung an eine Selbsthilfegruppe suche.

    Sie hat mir noch zwei weitere Adressen mitgegeben, die auch ambulante Therapie anbieten. Nächsten Dienstag soll ich zur Informationsgruppe gehen, da geht es sowohl um ambulante als auch tagesstationäre Therapie. Sie sagte, sie würde mich auch ambulant nehmen, wenn ich mich dazu entscheide.

    Daher gibt es hier eigentlich wirklich nichts, worüber man weinen könnte. Ich habe nur so Angst, etwas falsch zu machen.

    Hallo,

    ich bin grade sehr durch den Wind. Ich war bei meinem Termin in der Suchtambulanz und habe mit der Therapeutin gesprochen. Sie meinte relativ schnell, dass sie mich eher in einem Tagesambulanten Setting sieht, also 9 - 16 Uhr auf Station und dann abends nach Hause. Das möchte ich aber nicht. Ich kann mir das aktuell nicht vorstellen mind. die nächsten 12 Wochen da jeden Tag hinzugehen.

    Ich habe die komplette Rückfahrt geweint. Ich will nicht mehr saufen müssen. Ich will mein Leben nicht mehr von dieser beschissenen Sauferei bestimmen lassen und immer weiter abstürzen. Ich habe so große Angst trotzdem rückfällig zu werden, weil ich etwas falsch mache oder mir nicht die Hilfe hole, die für nötig betrachtet wird.

    Die Therapeutin meinte, ich müsse verstehen warum ich trinke und auch meine Suchtbiographie erarbeiten. Das will ich ja alles machen, ich habe mich die Tage auch schon dran gesetzt vieles aus meiner Vergangenheit was mit dem Trinken zu tun hatte zu sammeln und aufzuschreiben. Ich weiß, dass meine Abstinenz ein full time job ist und richtig viel Arbeit bedeutet.

    Hallo Linde,

    vielen Dank.

    Er meinte, ich könne noch zum HNO gehen. Allerdings war ich bereits bei einem, der auch nur geschallt hat. Wenn es mir keine Ruhe lässt, werde ich zu einem anderen gehen und darauf bestehen, dass er meine Beschwerden ernst nimmt und mich anständig untersucht. Ich habe Blut abgegeben und bekomme die Ergebnisse nächste Woche der Post. Mein Hausarzt bekommt die Daten auch zu geschickt und da ich eh nächste Woche einen Termin dort habe, auch zur Blutabnahme, werden wir das besprechen.

    Hallo,

    ein kleines Tages-Update von mir:

    Heute morgen ging es mir sehr schlecht. Im Halbschlaf hat mein Hirn eine alte Kassette hervor geholt und das Tape in voller Länge abgespielt. Ich hatte den ganzen Morgen über Flashbacks von einer schlimmen Situation, die mehr als 4 Jahre zurückliegt. Ich habe viel geweint und kurz eine Panikattacke. Habe danach jemanden angerufen und davon erzählt. Dann ging es wieder.

    Vorhin war ich beim Nuklearmediziner, da ich den Verdacht habe, dass meine Schilddrüse Faxen macht. Ihm habe ich vor dem Ultraschall erzählt, dass ich rauche und bis vor 3 Wochen alkoholkrank getrunken habe. Er war sehr überrascht und meinte, dass seine Vorstellung von einem Alkoholiker ein 50 jähriger, dicker Mann ist. Nun, mein Suchtgehirn hat sich gefreut. "Klasse, der Herr Doktor sieht dich gar nicht als Alkoholiker. Dann kanns ja gar nicht so schlimm sein." Aber wir Alkoholiker kommen in all shapes and sizes. Er hat mich dann über meine Sucht ausgefragt und wie es dazu kam, dass ich trinke. Ich habe ihm die Kurzfassung gegeben und hoffe er kann sich jetzt eher vorstellen, dass auch Menschen wie ich alkoholkrank sind. Das Gute ist: meine Schilddrüse ist in tipitopi.

    Jetzt sitze ich hier und bereite gleich mein Abendessen vor. Chilli sin Carne mit Belugalinsen.

    Hallo Märchenfee, schön dass du hier bist!

    Ich bin auch ganz frisch dabei, wieder.

    Wieder, da ich bei meinem letzten Anlauf mich auch nicht überwinden konnte mit meinem Alkoholproblem zu einem Arzt zu gehen. Ich hatte Angst und Scham, das hielt mich davon ab.

    Dieses Mal bin ich zu meinem Hausarzt gegangen und habe Tacheles geredet. Es war mir egal was er von mir denkt. Ich habe das Recht Hilfe zu bekommen, wenn ich danach frage. Und du hast das gleiche Recht!

    Nachdem ich mein Schweigen über meine Krankheit gebrochen hatte, habe ich mich sehr erleichtert gefühlt.


    Liebe Grüße und viel Kraft!

    Hallo Elly,

    Du hast bereits fast 1 Jahr vorher abstinent gelebt, wie hast Du es damals gehandhabt?

    Was ist jetzt anders?

    Danke für die Fragen. Das sind sehr gute Anregungen. Ich versuche mich mal dran. Damals, 2020 nach einem fürchterlichen Besäufnis Anfang Mai, ging es mir am nächsten Tag so übel, dass ich nie wieder trinken wollte. Ich habe aufgehört zu trinken. Das habe ich auch meinem Partner mitgeteilt, ihm aber nie Wahrheit erzählt, sondern nur, dass ich wegen der Geschichte mit meinen Eltern bis auf Weiteres keinen Alkohol mehr trinken will. Ich war nicht bei meinem Arzt. Ich war zu zwei Terminen bei der Suchtberatung und habe dort alles offen gelegt. Beim zweiten Termin konnte ich nicht "Nein" sagen, als ich gefragt wurde, ob es ok wäre, wenn die Praktikantin dabei sitzt (die in meinem Alter war und mich mitleidig anschaute). Das war mir so unangenehm, dass ich dort nicht mehr hin bin und habe mich aber auch nicht anderweitig umgeschaut. Ich hatte eine wirklich schöne Zeit; einen Hund aus dem Tierschutz adoptiert, viel in der Natur und mit Camper unterwegs. Ich bin nach einiger Zeit wieder mit zur Trinkhalle nach der Arbeit, dachte es wäre soweit alles ok. Ich habe wenig an meinem Verhalten wirklich nachhaltig verändert, war zwar hier und da bei psychologischen Beratungsstellen Ich habe die positiven Aspekte der Nüchternheit zwar wahrgenommen, aber immer weniger gewertschätzt mit der Zeit. Allgemein dachte ich zu der Zeit noch, dass Dankbarkeit und Achtsamkeit Hippie-Scheiß wären. Anfang 2021 kam dann eine Lebenskrise.An allen Enden hat mein Fundament gewackelt. Ich hatte keine Kraft mehr und wurde rückfällig.

    Was ist jetzt anders? Ich bin 30. Als Jugendliche war ich der festen Überzeugung, dass ich keine 30 Jahre alt werde. Ich dachte ich sterbe mit 27. Als ich dann 28 wurde, war ich immer noch überzeugt mit 27 zu sterben. In mir macht sich der Gedanke breit zu den (Über-)Lebenden zu gehören. Dazu gehört auch, dass ich den Alkoholismus überleben will.

    Durch Meditation und der Versuch meiner Therapeutin mich mit meinem "inneren Kind" in Kontakt zu bringen, hat sich im letzten Jahr in mir ein kleiner Raum geöffnet, in dem innere Ruhe herrscht. Dort gibt es Akzeptanz und Fürsorge. Und ich möchte, dass dieser Raum wächst und ich ihn nach meinen Bedürfnissen einrichten kann.

    Alkohol sorgt dafür, dass ich diesen Raum nicht finde oder rücksichtslos darin wüte. Das erlaube ich nicht mehr. Ich habe hier das Wichtigste zu verteidigten: meine Selbstliebe und meinen inneren Frieden.

    Was ganz konkret in meinen Handlungen anders ist; ich habe einen Arzt aufgesucht und ihn direkt auf mein Alkoholproblem angesprochen. Ich habe gesagt " Herr Doktor, ich trinke zu viel. Ich trinke jeden Tag und mir geht es schlecht damit.", ich habe mich dafür entschieden meine therapeutische Begleitung nicht schleifen zu lassen, sondern mich in eine suchtzentrierte Behandlung zu begeben. Und wenn es aus irgendwelchen Gründen bei der einen nicht stimmen sollte, dann geh ich zur nächsten. Ich versuche mich an Tagesstruktur, führe Tagebuch, achte auf kleine Dinge, wie nicht direkt aus der Limoflasche trinken, sondern mir ein Glas einschenken. Ich schließe Türen, die mich zum Alkohol führen und suche nach anderen, die diesen neuen Raum öffnen.

    Du hast vorhin erwähnt, dass Du ADHS hast. Nimmst Du deswegen Medikamente?

    Mein "ADHS" ist offiziell undiagnostiziert. Ich nehme keine Medikamte. Ich nutze den Ausdruck für mich um einen Begriff für meine neurodivergenten Auffälligkeiten im Alltag zu haben, viele Symptome überschneiden sich auch mit den anderen mentalen Krankheiten, die mir im Laufe der Jahre diagnostiziert wurden.

    Ich arbeite teils mit diagnostizierten jungen Menschen und kenne ein paar Erwachsene mit ADHS, vieles fühlt sich da "familär" an.

    Liebe Leute, das Universum meint es gut mit mir grade ^^ Es gibt und ich nehme dankend an. Heute war ich etwas zu früh auf Arbeit und habe da durch Zufall einen Kollegen getroffen, der sich Gedanken über den dresscode zur Feier machte, bzw. ähnlich wie ich unsicher war, welchen Rahmen das annehmen würde (die Person ist noch nicht lange dabei) Im Laufe des Gesprächs stellte er mir die Frage, ob auch Alkohl getrungen wird. Ich habe versucht ihn zu überzeugen, dass sich die Leute, die Lust haben etwas zu trinken sich für nach dem Essen in eine Bar verabreden könnten. Später kam ich in die Küche und er hatte Glühwein im Tetrapack und "Kinderpunsch" gekauft. Auf dem Weg nach Hause hatte ich zum ersten Mal einen "nervösen" Saufdruck.

    Das macht jetzt ein "gut, dass ich nicht hingehe" sehr sehr leicht.

    moin lavendelfuchs,

    erst mal toll das du die kraft findest noch mal auf die füße zu kommen. jeder hier weiß wie schwer das ist. was mir bei lesen aufgefallen ist. du bist froh das deine therapiestd. um sind. dann ist das für dich keineswegs der richtige therapeut gewesen. man muß sich einem therapeuten vertrauensvoll öffnen können. wenn man das gefühl hat da stimmt was nicht bringt die ganze therapie nichts. da spielt das unterbewußte eine gewaltige rolle. wenn ich meinem gegenüber nicht traue, kann ich auch seine ratschläge nicht annehmen usw. da ist es wirklich viel sinnvoller sich nach jemandem umzusehen wo dann die chemie stimmt. es ist immens wichtig das man seinem therapeuten alles erzählen kann, nur so kann man seinen misthaufen abbauen. schau mal das du da jemanden findest wo du das gefühl hast das es stimmt. auch wenn es etwas dauert. unterm strich hast du mit der suche nach dem richtigen weniger zeit verplempert als wenn du von einer vergeblichen therapie in die nächste stolperst, bildlich gesprochen.

    Hallo dorothea, das was du schreibst stimmt alles. Die positive und vertrauensvolle Arbeitsbeziehung zwischen Therapeut und Patient bestimmt zum großen Teil wie erfolgreich die Therapie ist.

    Ich möchte meine Therapeutin auch nicht schlecht reden. Ich glaube schon, dass die knapp zwei Jahre Arbeit, die sie in mich investiert hat nicht umsonst waren und mich auf jeden Fall vor einem schlimmeren Absturz bewahrt hat. Nur waren wir beide nicht abstinent.
    Ich hatte nach den Stunden teilweise das Gefühl ich wüsste mehr von ihrem Privatleben als sie von meinem. Und diese Dynamik sollte nun wirklich nicht sein.

    Versuche darauf zu vertrauen, dass es besser wird! Vielleicht kannst du dich von lieben Menschen besuchen lassen? Dann bist du nicht die ganze Zeit allein und musst das Haus trotzdem nicht verlassen…

    Ich kann sehr gut nachfühlen wie es dir geht: rausgehen birgt die Gefahr Mist zu bauen, daheim bleiben verstärkt die Depression… und in Phasen, in denen ich tiefer in der Depression stecke ist eh alles egal - was es schwieriger macht keinen Mist zu bauen…

    Ja, daran hatte ich auch schon gedacht einfach einzuladen. Jetzt gibt es für mich ja keine Gefahr mehr "ertappt" zu werden, weil aus irgendeinem Schrank plötzlich das Leergut rauskullern könnte.

    Danke, dass du mich verstehst; es ist wirklich nicht leicht grade den Mittelweg zu finden. Ich will ja zufrieden nüchtern leben und dazu gehört auch, dass ich ohne Angst meine Wohnung verlassen kann.

    So nach und nach wurde mir klar, wie sehr ich das Rauchen quasi zur Regulation von Gefühlen eingesetzt hatte. Ab da ging es zwar nicht leichter abstinent zu bleiben, aber ich hatte etwas verstanden. Jetzt bin ich seit fast 14 Jahren rauchfrei, und habe mich in dem erste Jahr mit einer Wellnesswoche in Berchtesgaden belohnt, die konnte ich locker vom gesparten Zigarettengeld bezahlen.

    Glückwunsch zu 14 Jahren rauchfrei!
    Das mit dem Rauchen kenne ich auch so, das ist meine nächste Sucht die ich kritisch begutachte. Aber jetzt in diesem Moment kann ich mir das Aufhören nicht vorstellen, ich bekomme heftigste Entzugserscheinungen, wenn ich nicht rauche. Daher auch Respekt an dich, Meks . Habe bei dir gelesen, dass du grade beides angehst. Sehr gut!

    Also wisst ihr, ich überlege mir aktuell jedes Mal 2-3 x ob ich überhaupt das Haus verlasse; egal ob zum einkaufen, zur Arbeit, um liebe Menschen zu sehen. Es ist immer das gleiche Muster, ich habe den "Tagespunkt" (das kann auch nur Spülmaschine ausräumen sein) abge"arbeitet" und habe das Gefühl mich mit Alkohol belohnen zu müssen. Ich werde am Freitag die Therapeutin bitten mir ein leichtes Antidepressivum zu verschreiben. Bisher habe ich mich immer geweigert Psychopharmaka zu nehmen, weil sie die "Persönlichkeit" so verändern.

    Naja. Alkohol auch.

    Guten Morgen und einen schönen Start in die neue Woche wünsche ich euch!

    Heute ist mein 3. nüchterner Montag morgen und es geht mir gut, ich komme grade von meinem Spaziergang im Schnee zurück.

    Danke für eure Antworten, die nehme ich mir sehr zu Herzen. Ich glaube auch, dass es eine bessere Idee ist mich diese Woche noch unter einer "Käseglocke" zu halten und den Termin am Freitag abzuwarten, bevor ich mich größeren Hürden im Alltag stelle. Dennoch ist es ein ja, aber...

    Ich werde dieses Aber aktuell nicht los, es ist eine nicht enden wollende Diskussion in meinem Kopf und es bringt mich grade nicht weiter. Ich werde versuchen das ruhen zu lassen bis Donnerstag und mich Tag für Tag entscheiden, was gut für mich ist.

    Heute habe ich einen Termin. Normalerweise das Spiel: So schnell wie möglich weg kommen, nach Hause und möglichst auf dem Weg schon Alkohol besorgen. Zu Hause um nichts kümmern, direkt Flasche auf und nichts tun ausser trinken.

    Heute möchte ich entspannt den Termin beenden, im Büro noch einen Tee oder Kaffee trinken und mich dann entscheiden ob ich heute abend zu meinem Freund gehe, oder nach Hause und mir auf dem Weg etwas zu essen bestelle und den Abend wieder hier lesend verbringe.

    Hallo Lavendelfuchs, ein Abendessen im Kreis von Kollegen ohne Alkohol? Da wäre ich mir nicht sicher, d.h.,meines Erachtens gibt es das nicht. Liebe Grüße.

    Hallo persona, danke für deinen Beitrag. Ja, ich kenne das auch.

    In meinem jetzigen Team gab es das schon öfter in der Form, dass wir eine Teamsitzung hatten, wir uns Essen bestellt haben und dann nach dem anstrengenden Teil zusammen gegessen und alkoholfrei getrunken haben. Nur ich bin dann danach losgezogen und habe mir Alkohol gekauft, um diesen zu Hause zu trinken.

    Ähnlich wird auch dieses Treffen ablaufen, nur dass es seitens der Leitung als "Feier" deklariert wurde zum Start des neuen Jahres und ich mir Gedanken mache, wie bzw. ob überhaupt ich mich dem Risiko - soziale Interaktion in der Gruppe - in meiner frühen Nüchternheit aussetzen möchte.

    Inwieweit helfen dir Meinungen denn? Bei dem einen ist es so, bei dem anderen so. Wofür entscheidest du dich dann?

    Hallo Hartmut, da hast du im Grunde Recht. Letztenendes ist es meine Entscheidung und wenn ich will pfeiff ich auf alle guten Ratschläge und Mahnungen und drehe noch ein paar Runden im Suff bis es mich zerreisst. Die Perspektive auf ein nüchternes Leben ohne die zusätzliche Belastung durchs Saufen erscheint mir allerdings erstrebenswerter.

    Ich merke auch, dass ich mir innerlich eine "Erlaubnis" wünsche dort hin zu gehen, dass mir jemand sagt "Ja, das ist in Ordnung. Da wird dir nichts passieren". Bei diesem Gedankengang habe ich die Vermutung, dass hier mein Suchthirn arbeitet. Ich denke ich werde noch eine Weile zwischen "Och menno, ich will aber" und "naja, ganz ehrlich? Gut, dass ich nicht hingehe." brödeln.

    Ich würde euch gerne nach eurer Meinung fragen, da ich mir unsicher mit meinem Wunsch bin nächste Woche an einer Feier im Team auf der Arbeit teilzunehmen. Das ist ein gemeinsames Abendessen in kleiner Runde und ich bin mir zu 100 % (naja, alles ist möglich: 99%) sicher, dass dort keinerlei Alkohol angeboten, geschweige denn konsumiert wird. Das Ganze würde 2-3 Stunden dauern. Jederzeit gehen ist aber auch eine Option für mich.

    Ich sehe mich daher auch nicht währenddessen gefährdet, sondern in der Zeit danach. Ich habe überlegt, dass ich mir ein Auto ausleihe für den Abend, sodass ich nicht "zufällig" beim Kiosk vorbei laufe und Alkohol kaufe. Außerdem möchte ich nur meinen Führerschein mitnehmen. Kein Geld, keine Karte. Am nächsten Tag habe ich den Termin morgens bei der Klinik.

    Was sind eure Gedanken/Erfahrungen dazu?

    Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.

    Hallo Evelin, danke.

    Ja, darauf wird es in der nächsten Zeit hinaus laufen müssen. Ich habe so schon Probleme überhaupt eine Struktur zu finden und diese aufrecht zu erhalten. Vielleicht wird das auch mit der Zeit besser, in der ich nicht weiter abhängig von meiner Suchtstruktur bin und tatsächlich für mich planen kann.

    Hast du jetzt auch immer noch einen Plan B in der Tasche, oder machen dir die "kleinen" leeren Momente nicht mehr so viel aus?

    Guten Abend ihr Lieben,

    vielen Dank für den Zuspruch. Das hilft mir sehr, mich weiterhin bestätigt in meiner Entscheidung zu fühlen und den richtigen Weg zu gehen.

    Am besten ist es, gerade am Anfang, immer nur tageweise zu denken. Heute trinke ich nicht.

    Das werde ich versuchen. Heute habe ich nicht getrunken.

    Mir geistern natürlich einige Unsicherheiten und Fragen bezüglich meiner trockenen Zukunft durch den Kopf. Aber wahrscheinlich darf ich nicht ungeduldig werden, sondern muss die Zeit für mich arbeiten lassen. Es wird alles seinen Platz und seine Antworten bekommen.


    Heute ist nichts so gelaufen, wie ich es geplant hatte. Der Flohmarkt war abgesagt, da sich bei dem kalten Wetter zu wenig Stände angemeldet haben. Mein Sport-date ist ausgefallen, da meine Verabredung zu erschöpft war von gestern Nacht (Nachtschicht, kein Alk). Nach der Absage mittags dachte ich mir "Prima! Dann kann ich ja saufen." Normalerweise hätte ich meine Alkohol-Logistik für den Tag gestartet. Stattdessen habe ich mir den Gedanken ganz schnell aus dem Kopf geschlagen, hier gelesen und mein Bad geputzt. Später habe ich noch eine Stunde telefoniert und währenddessen gekocht. Finde, auch so war es ein schöner Samstag.

    Falls hier der Eindruck entsteht, dass ich naiv euphorisch meine Sicht verklärt habe und in wilden Aktionismus verfalle, hoffe ich, dass es nicht der Fall ist. Ich erfreue mich an den kleinen Schritten und wie schnell sie doch jetzt zu laufen scheinen, nachdem ich meine Energie auf das Thema Abstinenz richte. Ich sehe auch Fallstricke und beobachte Momente in denen sich mein Suchtdruck meldet.

    Besonders schlimm ist dieser quälende Gedanke "Irgendwann kann ich wieder normal mit Alkohol umgehen".

    Ich weiß, dass das eine Lüge ist. Ich weiß, dass mein Suchtgehirn versucht mich damit bei der Stange zu halten und trotzdem schleicht dieser Gedanke immer wieder an.

    Hallo Hobbes, vielen Dank und auch Danke für den Tipp.

    Ich mach heute ganz entspannt. Koche mir was leckeres und mummel mich mit dem Buch, das seit Wochen auf meinem Tisch liegt ein. Morgen früh will ich zum Flohmarkt und abends bin ich zum Sport verabredet.

    Sowohl bei meiner Einsicht Depression als auch Alkoholiker kam eine wahnsinnige Euphorie über mich und ich wollte nach meinen ersten Schritten in die richtige Richtung allen davon erzählen. Geh damit vorsichtig um und weihe nur Menschen ein, denen du ABSOLUT vertraust. [...]Das kann nämlich ganz schön nach hinten los gehen, gerade im beruflichen Umfeld.

    Ja, dessen bin ich mir bewusst. Meine zwei engen Freunde haben meine Eskapaden schon lange begleitet und wissen um mein Problem mit Alkohol. 2020 hatte ich mit beiden darüber gesprochen und sie waren unterstützend. Ich überlege mich meinem Bruder anzuvertrauen, da ich eh schon länger ein besseres Verhältnis mit ihm suche und er ja doch sehr nah an meiner Lebensgeschichte dran ist. Das steht aber auch erst zur Entscheidung, wenn ich mir ein stabiles Hilfenetz aufgebaut habe, auf das ich zurück greifen kann, falls mich die Konfrontation aus der Bahn wirft.
    Im Arbeitskontext möchte ich damit nicht "hausieren" gehen. Das möchte ich ähnlich handhaben wie mit jeder anderen Krankheit auch. Warum ich eventuell krankgeschrieben bin oder in einer Behandlung bin geht meinen Arbeitgeber nichts an.