Hallo,
ich stehe mit ihm nur telefonisch in Kontakt, des Kindes wegen. Er hält mich ab und an auf dem Laufenden, wie es ihr geht? Ob sie zurecht kommt? Jetzt habe ich aber raus gefunden, dass er nur beschönigt. Nix von Den Problemen die das Mädchen hat, oder macht, erzählt. Warum verstehe ich nicht..er könnte doch auch keinen Kontakt halten, wenn ihn meine Meinung nicht interessiert...Ich habe ihm schon offen meine Bedenken was seine Entscheidung anbetrifft angesprochen und ihm auch angeboten Hilfe für Sie in Anspruch zu nehmen...Das Jugendamt ist schließlich zum helfen da...er vertraut ihr einfach zu sehr und sie nutzt das natürlich für sich. Sie ist ein cleveres Mädchen.
Hätte ich das Gefühl ein weiteres Gespräch würde Sinn ergeben, wäre mein Weg nicht direkt zum Jugendamt, nach den neuesten Neuigkeiten. Ich befürchte nur, der Kontakt bricht dann komplett ab und das Mädchen ist verloren.
Die zwei scheinen sich einig zu sein. Das Mädchen macht was es will und er hat damit seine Ruhe und mir erzählen sie davon lieber nix. Weil ich seh das alles viel zu streng.. Hab vergessen wie es war, wenn man jung ist..
Guten Morgen, Hexe,
zu dem, was du da gestern noch geschrieben hast, möchte ich gerne meine Gedanken mit dir teilen. Vielleicht helfen sie dabei, das Ganze etwas mehr von außen betrachten zu können.
Du hast dem Vater des Mädchens deine Bedenken offen mitgeteilt, aber er geht einen anderen Weg. Im Prinzip kannst, darfst du das erstmal so stehen lassen, denn er ist der Erziehungsberechtigte und trägt faktisch die Verantwortung für seine Tochter. Und im Prinzip trägt auch noch die Mutter des Mädchens die Verantwortung.
Übrigens trägt auch die Schule des Mädchens eine gewisse Verantwortung und muss/ wird tätig werden, wenn das Kind durch Absentismus, Alkohol- und Drogenkonsum, Leistungsabfall auffällig wird.
Zu beobachten, dass das Mädchen abzurutschen scheint, fällt dir gewiss schwer und dein Gefühl, Verantwortung übernehmen zu müssen, weil‘s kein anderer zu tun scheint, rührt sich, aber da sind erwachsene, mündige Menschen um dieses Mädchen herum, die tatsächlich die Verantwortung tragen und sie tragen müssen.
Ob das Mädchen tatsächlich „verloren“ ist, ist völlig offen.
Du hast getan, was du deines Erachtens tun musstest, du hast das Jugendamt eingeschaltet und die werden sich die Sache gewiss einmal näher ansehen. Damit ist wieder ein Mensch mehr im Boot, der Verantwortung hat und übernehmen kann.
Du bist damit, dass du das Jugendamt eingeschaltet hast, gewissermaßen deiner Verantwortung nachgekommen. Du siehst das Mädchen in Gefahr und hast das getan, was tatsächlich in deiner Macht stand.
Diese Vorstellung, „jemanden retten zu müssen“, ist mir vertraut, ich hab das auch immer wieder habt und selbst auch das Wort „retten“ gebraucht und gedacht. Inzwischen hat sich mein Denken diesbezüglich etwas geändert, auch wenn ich noch immer ab und zu dazu neige dieses gewisse Muster, das dahinter steht, zu bedienen.
Du kannst (und musst) niemanden „retten“, der nicht gerettet werden will.
Was du schreibst, klingt so, als ob das Wohl und Wehe des Mädchens ganz allein von dir abhängig wäre. Darf ich dir von außen sagen, dass das ein übertriebener Gedanke ist?
Da sind wie gesagt noch andere erwachsene Menschen um dieses Mädchen herum und zudem kannst du nicht wissen, was die Zukunft bringen wird.
Und dann ist da noch die Position des Mädchens. Es kann gut sein, dass sie sich schon für ziemlich „erwachsen“ hält. Mit dem Hintergrund ihrer Geschichte mit ihrer Mutter ist das noch wahrscheinlicher. Sie ist auch in dem Alter, in dem die sogenannte Pubertät beginnt. Sie macht, wie du schreibst, was sie will, du nennst sie „clever“ und irgendwie scheinen Vater und Tochter sich einig zu sein, sie erzählen dir lieber nix.
Wie, glaubst du, wirkt deine Einmischung auf das Mädchen? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich vertrauensvoll an dich wendet, wenn sie Probleme hat?
Dass sie zu dir so viel Vertrauen hat, sich an dich als Erwachsene zu wenden, wenn sie Probleme hat und Hilfe braucht, das ist meines Erachtens das, was du wirklich für sie tun kannst. Dann ist sie es, die sich an dich wendet, das macht einen großen Unterschied aus.
Verantwortung hast du tatsächlich nur für dich und für dein Kind. Und das ist nicht gerade wenig Verantwortung. Wenn du zusammenbrichst, weil du unter der Last der Verantwortung für andere zusammenbrichst, dich sozusagen für andere aufgeopfert hast, wer kümmert sich dann um dein Kind? Du darfst für dich sorgen und es ist wichtig für dich. Wenn dir das wirklich klar geworden ist, wirst du ohne schlechtes Gewissen in den Spiegel schauen können.
Liebe Grüße
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